Neu im Kino/Filmkritik: „Shiver – Die Kunst der Taika Trommel“, präsentiert ohne Ablenkungen

Dass die Musik im Mittelpunkt steht, stimmt noch nicht einmal bei vielen Konzertmitschnitten. Zu oft drängeln sich die Kamera und der Schnitt penetrant in den Vordergrund und lenken von der Band und ihrer Performance ab.

In „Shiver – Die Kunst der Taika Trommel“ ist das nicht der Fall. Hier steht wirklich die Musik im Mittelpunkt und nichts lenkt vom Spiel der Musiker ab. Toshiaki Toyoda nahm in präzise komponierten langen Sequenzen, in denen sich die Kamera nicht oder kaum bewegt und in denen es keine oder nur wenige Schnitte gibt, das Taika Performing Arts Ensemble Kodō beim Spielen mehrerer Stücke von Koshiro Hino auf. Teils in ihrem Proberaum, teils auf der Insel Sado in der freien Natur.

Das Trommelensemble Kodō hatte seinen ersten Auftritt 1981 bei den Berliner Festspielen. Seitdem gaben die Trommler über 6500 Konzerte in 52 Ländern. Auf Sado gehört der Gruppe ein dicht bewaldetes, weitläufiges Grundstück, auf dem auch ein Schulungszentrum und weitere Gebäude stehen, in denen sie leben und trainieren. Denn die Musik wird von einem rigorosen Fitnessprogramm begleitet. Auf Sado findet auch seit 1988 das von ihnen organisierte jährliche Earth Celebration International Arts Festival statt.

Koshiro Hino, bzw. YPY, ist Musiker und Komponist, der in verschiedenen Bands und Zusammenhängen arbeitet und, immer wieder, elektronische mit natürlichen Klängen und Performance-Elementen verschmilzt.

Bei ihrer Zusammenarbeit ging es darum, wie aus Geräuschen, Klängen und Rhythmen Melodien entstehen.

Toshiaki Toyodas zurückhaltende Inszenierung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Musik und wie sie entsteht. Nichts lenkt davon ab. Gleichzeitig zwingt nichts einen dazu, den Blick ständig aufmerksam auf die Leinwand zu richten. Sie ist das filmische Äquivalent zu einer Konzertbühne, auf der schwarz gekleidete Menschen vor einem dunklen Hintergrund stehen. Deshalb ist es in diesem Film vollkommen okay, die Augen durch den dunklen Saal wandern zu lassen oder auch sie zu schließen und sich so ganz dem Klang der Trommeln hinzugeben.

Shiver – Die Kunst der Taika Trommel (Senritsu seshimeyo, Japan 2021)

Regie: Toshiaki Toyoda

Drehbuch: Toshiaki Toyoda

Musik: Koshiro Hino, Kodō

mit Kiyohiko Shibukawa, Koshiro Hino, Kodō (Yoshie Abe, Kenta Nakagome, Shogo Komatsuzaki, Yuta Sumiyoshi, Ryoma Tsurumi, Issei Kohira, Masayasu Maeda, Kodai Yoshida, Seita Saegusa, Chihiro Watanabe, Taiyo Onoda, Shun Takuma, Sho Nakatani)

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 0 Jahre (beantragt)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Shiver“

Wikipedia über das Ensemble Kodō (deutsch, englisch)

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