Neu im Kino/Filmkritik: „Orphan: First Kill“ als Esther Albright

Der Titel lässt es schon erahnen: „Orphan: First Kill“ erzählt eine Vorgeschichte und damit ist auch klar, wer überlebt.

Das titelgebende Waisenkind ist Esther und im Gegensatz zum ersten Film, in dem ihre Identität erst gegen Ende als große Überraschung enthüllt wird, wird uns das hier gleich in den ersten Minuten, die 2007 in Estland im Saarne Institut spielen, verraten. Esther, die in diesem Moment unter ihrem Geburtsnamen Leena Klammer in der Anstalt lebt, sieht aus wie ein Kind, ist aber eine 31-jährige Frau, die ihre Umgebung manipuliert und wegen schlimmer Verbrechen in der Anstalt sitzt.

Ihr gelingt der Ausbruch.

In einer Vermisstenanzeige bemerkt sie eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihr und der vor vier Jahren in den USA spurlos verschwundenen Esther Albright. Sogar das Alter würde passen. Also nimmt sie Esthers Identität an und kommt nach Darien, Connecticut, wo Esthers Familie sie herzlich aufnimmt.

Kurz darauf bemerkt sie, dass sie sich nicht in eine harmlose, begüterte Heile-Welt-Familie eingeschlichen hat.

Wie misslungen „Orphan: First Kill“ ist, liegt daran, ob man den Horrorthriller mit dem Original oder Willam Brent Bells vorherigen Filmen vergleicht.

Jaume Collet-Serra inszenierte 2009 das Original „Orphan – Das Waisenkind“. Damals spielten Vera Farmiga und Peter Sarsgaard das Ehepaar, das die neunjährige Waise Esther adoptiert und sich den Teufel ins Haus holt. Isabelle Fuhrman spielte damals und jetzt im Prequel Esther.

Nach dem Horrorthriller inszenierte Collet-Serra mehrere gelungene Actionthriller mit Liam Neeson. Sein neuester Film ist, mit Dwayne Johnson, der Ende Oktober startende DC-Superheldenfilm „Black Adam“.

Orphan – Das Waisenkind“ war als Einzelfilm gedacht. Und, obwohl er inzwischen Kultstatus hat, hat eigentlich niemand eine Fortsetzung erwartet. Einmal weil Esther am Ende des Films tot ist (wobei gestandene Horrorfilmfans wissen, dass das kein Hindernis für weitere Filme ist); einmal weil seit dem Originalfilm über zehn Jahre vergangen sind.

Verglichen mit „Orphan – Das Waisenkind“ ist „Orphan: First Kill“ dann eine ziemlich läppische Wiederholung des Originals in einer anderen Familie – Julia Stiles und Rossif Sutherland spielen die Eltern, Matthew Finlan ihren gerade so erwachsenen Sohn – und einem vorhersehbarem Ende. Schließlich ist Esther in dem chronologisch danach spielendem Film noch quicklebendig.

Aber Collet-Serra hat mit „Orphan: First Kill“ nichts zu tun.

Deshalb sollte „Orphan: First Kill“ vielleicht besser mit den vorherigen Filmen von William Brent Bell verglichen werden. Das sind unter anderem die Horrorfilme „The Boy“ und „Brahms: The Boy II“. Beides sind keine besonders gruseligen Filme. „Orphan: First Kill“ schließt sich nahtlos daran an. Nur dass es sich dieses Mal um einen vergessenswerten, erstaunlich schlecht aussehenden Horrorthriller handelt.

Dabei hätte man aus den Geheimnissen der Familie Albright und wie sie sie beschützen wollen, durchaus einen spannenden Thriller und ein bis zum letzten Moment spannendes Duell irgendwo zwischen Psychoduell und Gewaltexzess machen können.

Blöderweise wird „Orphan: First Kill“ genug Geld einspielen, um uns irgendwann demnächst die Geschichte von Esthers Morden als Leena Klammer und wie sie in das Saarne Institut gekommen ist, zu erzählen.

P. S.: Tele 5 zeigt am Samstag, den 10. September, um 22.25 Uhr und am Montag, den 12. September, um 23.20 Uhr das von Jaume Collet-Serra inszenierte Original „Orphan – Das Waisenkind“.

Orphan: First Kill (Orphan: First Kill, USA 2022)

Regie: William Brent Bell

Drehbuch: David Coggeshall, David Leslie Johnson-McGoldrick (nach einer Geschichte von David Leslie Johnson-McGoldrick und Alex Mace)

mit Isabelle Fuhrmann, Julia Stiles, Rossif Sutherland, Hiro Kanagawa, Matthew Finlan, Samantha Walkes, Dave Brown

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Orphan: First Kill“

Metacritic über „Orphan: First Kill“

Rotten Tomatoes über „Orphan: First Kill“

Wikipedia über „Orphan: First Kill“

Meine Besprechung von William Brent Bells „The Boy“ (The Boy, USA 2016)

Meine Besprechung von William Brent Bells „Brahms: The Boy II“ (Brahms: The Boy II, USA 2020)

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