Beim Kauf einer Wohnung in der schwedischen Kleinstadt Gullspång treffen zwei Schwestern auf eine Frau, die wie die Zwillingsschwester ihrer vor dreißig Jahren gestorbenen Schwester aussieht. Aber sie haben niemals etwas von einer Zwillingsschwester gehört. Neugierig und begleitet von Regisseurin Maria Fredriksson versuchen sie herauszufinden, weshalb ihre tote Schwester und die Verkäuferin der Wohnung wie Zwillinge aussehen.
Ziemlich schnell ist in „Das Gullspång-Geheimnis“ geklärt, dass es sich wirklich um Zwillinge handelt. Sie treffen ihre Familie. Bald fragen die Schwestern sich auch, ob ihre ältere Schwester sich damals wirklich umgebracht hat.
Und was jetzt der Auftakt für einen dicken skandinavischen Kriminalroman sein könnte, ist der Auftakt für einen etwas schrägen Dokumentarfilm. Einerseits ist die Schwester wirklich im Juli 1988 gestorben, es wurde nie wirklich ermittelt, einige Umstände ihres Todes sind seltsam und die vor den Kindern verschwiegene Familiengeschichte ist es wert, ausgegraben zu werden.
Andererseits inszeniert Maria Fredriksson ihren Film immer wie eine Fake-Doku. Mehrmals mischt sie sich als Regisseurin ein. Sie gibt Regieanweisungen, lässt Szenen mehrmals wiederholen und lässt gleichzeitig Interviews störende Ereignisse im fertigen Film. Die im Film auftretenden Personen werden nur mit ihren Vornamen vorgestellt. Die Musik ist in ihrer harmlosen Fröhlichkeit vollkommen unpassend für einen Dokumentarfilm über düstere Familiengeheimnisse und einen ungeklärten Mord. „Das Gullspång-Geheimnis“ ist das Gegenteil einer konventionellen True-Crime-Doku. Dazu passt auch, dass am Ende nichts geklärt ist. Es gibt noch nicht einmal eine tragfähige Vermutung, was mit ihr geschah.
Trotz wahrer Ereignisse wirkt „Das Gullspång-Geheimnis“ wie eine Parodie auf True-Crime-Dokus. Fredriksson dekonstruiert das Genre. Anstatt Geheimnisse aufzuklären, vernebelt sie und ist immer weniger an einer Aufklärung interessiert. Das ist während des Ansehens durchaus amüsant, am Ende aber auch frustrierend.

Das Gullspång-Geheimnis (Miraklet i Gullspång, Schweden/Norwegen/Dänemark 2023)
Regie: Maria Fredriksson
Drehbuch: Maria Fredriksson
mit Kari Klo, May-Elin Storsletten, Olaug Bakkevold Østby
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Das Gullspång-Geheimnis“