
Ed Edwards soll einen kürzlich verkauften Cadillac zurückholen. Der Käufer Frank Craig ist mit den Raten in Verzug. Als Ed den Auftrag ausführen will, trifft er auf Franks jüngere, überaus gutaussehende und mit dem Zustand ihrer Ehe sehr unzufriedene Ehefrau. Mit ihrem Mann führt sie ein Autokino und einen daneben liegenden Tierfriedhof. Ihr Mann ist meistens als Lexikonverkäufer unterwegs; was anscheinend nur eine Umschreibung für „längere Sauftouren und rumhuren mit anderen Frauen“ ist.
Ed ist Korea-Kriegsveteran, als Verkäufer von gebrauchten, meistens schrottreifen Autos bei Smiling Dave angestellt und, obwohl er noch lange keine dreißig Jahre alt ist, unzufrieden mit seinem Leben. Er denkt sich, dass ein Leben mit Nancy als Besitzer des Autokinos und Tierfriedhofs eine gute Sache sei. Doch das ist eine Tagträumerei, bis Nancy ihm vorschlägt, ihren gewalttätigen und trunksüchtigen Mann umzubringen und außerdem die Versicherungspolice einzustreichen. Ed ist nach einer kurzen Bedenkpause einverstanden. Ihr Plan ist, jedenfalls auf dem Papier, todsicher.
Nicht nur Noir-Fans dürften den Grundplot von Joe R. Lansdales auf Deutsch neuem Roman „More better Deals – Tödliche Geschäfte“ kennen. Denn selbstverständlich gibt es nach Franks Tod für das Liebespaar weitere Probleme, die zu weiteren Morden, Sex und Lügen führen. Genauso selbstverständlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn eine vertraute Geschichte noch einmal, mit kleinen Variationen, gut erzählt wird. Und genau das tut Joe R. Lansdale. Er erzählt die Geschichte mit Ed als Ich-Erzähler zügig, schnörkellos und mit dem für ihn typischen trockenem Humor auf wenigen Seiten und mit kleinen, überraschenden Variationen. So ist Ed, Kind einer Beziehung zwischen einer Weißen und einem Schwarzen, ein hellhäutiger Schwarzer, der in seiner Geburtsurkunde seine Rassenzugehörigkeit in Weiß änderte. Das war damals – die Geschichte spielt in Texas in den frühen sechziger Jahren – die einzige Möglichkeit, bessere Jobs zu bekommen und in der Gesellschaft aufzusteigen. Er hat eine trunksüchtige Mutter und eine jüngere neunzehnjährige Schwester, die intelligent genug für ein College ist. Als Schwarze hat sie allerdings keine Chance, angenommen zu werden.
Lesenswert; – wie alle Geschichten von Joe R. Lansdale.
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Joe R. Lansdale: More better Deals – Tödliche Geschäfte
(übersetzt von Wulf Bergner)
Festa, 2024
336 Seiten
22,99 Euro
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Originalausgabe
More better Deals
Mulholland Books, 2020
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Hinweise
Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)
Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Bissige Biester! (Rusty Puppy, 2017)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Hap & Leonard – Die Storys“ (Hap and Leonard, 2016)
Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Moon Lake“ (Moon Lake, 2021)
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