Über Filme „Based on a true Story“, aber erzählen sie auch die Wahrheit?

Gefühlt beginnen immer mehr Filme mit dem Insert „basiert auf einer wahren Geschichte“. Doch wieviel Wahrheit steckt in diesen Filmen?

Wolfgang Wissler gab jetzt ein Buch darüber heraus. Er und seine Autoren nahmen sich

Eden (2024)

September 5 – The Day Terror went live (2024)

Sisi & Ich (2023)

Oppenheimer (2023)

Die Fotografin (2023)

The Lost King (2022)

Der goldene Handschuh (2019)

Bohemian Rhapsody (2018)

The Danish Girl (2015)

Ziemlich beste Freunde (2011)

Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat (2008)

Pakt der Wölfe (2001)

Shine – Der Weg ins Licht (1996)

Pocahontas (1995)

Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte (1994)

Schindlers Liste (1993)

Schtonk! (1992)

Der Elefantenmensch (1980)

Die Unbestechlichen (1976)

Lawrence von Arabie (1962)

Meuterei auf der Bounty (1916/1933/1935/1962/1984) (jaa, die Geschichte wurde öfters verfilmt)

vor.

Das ist schon auf den ersten Blick eine gelungene Auswahl bekannter älterer und neuer Filme aus Europa und den USA.

Geschrieben wurden die Texte fast alle von ehemaligen Kollegen des früheren Politikredakteurs der in Konstanz erscheinenden Tageszeitung „Südkurier“. In sechs bis siebenseitige Texten vergleichen sie die Filmgeschichte mit den wahren Ereignissen. Wenn es sich um ältere Filme handelt, wird auch auf neuere Erkenntnisse eingegangen.

Dabei wird in den späteren Texten oft nur noch sehr kursorisch auf den Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion eingegangen. Es geht dann weniger um spezielle Details, sondern mehr um grobe Linien. So war schon Thomas E. Lawrences Biographie „Die sieben Säulen der Weisheit“, die die Vorlage für David Leans Epos „Lawrence von Arabien“ bildete, mehr eine freie Erfindung als ein faktengetreuer Bericht. Bei den unzähligen Verfilmungen der Geschichte der „Meuterei auf der Bounty“ ist es ähnlich.

Auf verdienstvollen Seiten wie History vs. Hollywood gibt es sehr ausführliche Vergleiche einzelner Filme mit der Realität. Teilweise werden da sehr spezielle Fragen beantwortet. Wikipedia und die IMDb listen immer wieder Punkte auf, in denen ein Film von der Wahrheit abweicht. Aber wie wichtig sind die teils vielen und erheblichen Abweichungen für den Film?

Weil der Wahrheitsgehalt einer Geschichte kein einfacher Vergleich von Außen- und Innentemperatur ist, sind Filmanalysen wie in „Based on a true Story“ wichtig. Die Abweichungen werden eingeordnet. Sie werden in einen größeren Zusammenhang gestellt. Es wird auf Unklarheiten in unserem Wissen über die dem Film zugrunde liegende Geschichte hingewiesen. So ist immer noch unklar, was auf der Galapagos-Insel Floreana 1934 genau geschah. Ron Howard entschied sich in seinem Aussteigerdrama „Eden“ für eine durchaus mögliche und wahrscheinliche Version. In „Schindlers Liste“ wird immer wieder von den Fakten abgewichen, weil diese im Rahmen eines Spielfilms nur einen unübersichtlichen Wust von Handlungen und Personen produziert hätte. In den in „Based on a true Story“ enthaltenen Analysen werden diese Abweichungen eingeordnet; es wird auch gezeigt, wie erstaunlich genau einige Filme den Fakten und der Wahrheit folgten und wie viel Mühe in diese Faktentreue und in einige Details gesteckt wurde.

In der insgesamt verdienstvollen und sehr kurzweilig zu lesenden Auswahl fehlen allerdings zwei Filme oder Subgenres. Nämlich auf wahren Ereignissen basierende Horrorfilme, wie das „Conjuring“-Franchise, und ein richtiger Serienkillerfilm. Fatih Akins „Der goldene Handschuh“ ist ja mehr ein deprimierendes Sittengemälde als ein richtiger Serienkillerfilm.

Bei Horrorfilmen wie den Filmen aus dem „Conjuring“-Franchise, die auf den wahren Fällen des Geisterjäger-Ehepaares Ed und Lorraine Warren basieren, stellt sich die Frage, wie man als Journalist damit umgeht, wenn ein Film zwar einerseits peinlich genau den Fakten folgt (wie sie von den Geisterjägern aufgeschrieben wurden), andererseits der gesamte paranormale Fall schon mehrfach widerlegter Aberglaube ist.

Wolfgang Wissler (Hrsg): Based on a ture Story – Filme nach wahren Begebenheiten und die Wahrheit dahinter

Schüren, 2026

168 Seiten

20 Euro

Hinweis

Schüren über das Buch

 

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