Neu im Kino/Filmkritik: Prinzessin „Scarlet“ auf Rachefeldzug in der Anderswelt

Dänemark, im 16. Jahrhundert: zuerst bringt König Claudius den rechtmäßigen und guten König Amleth um. Später tötet er Amleths Tochter, Prinzessin Scarlet, die sich nicht seinen Wünschen beugen möchte.

Scarlet landet nach ihrem Tod nicht im Himmel oder in der Hölle, sondern in der Anderswelt, einem bedrohlichem Zwischenzustand jenseits von Raum und Zeit, mit Drache und Monstern und vielen Gefahren und einem unklaren Verhältnis zum Tod. So ist Hijiri, ein etwas später in der Anderswelt eintreffender junger Mann überzeugt, nicht tot zu sein. Er war als Notfallsanitäter doch gerade in der Gegenwart (also dem 21. Jahrhundert) in Tokio in einem Einsatz.

Scarlet und Hijiri bilden in Mamoru Hosadas neuem Fantasy-Anime „Scarlet“ das gegensätzliche Paar. Sie ist die vom Hass auf den Mörder ihres Vaters und ihren Mörder besessene Kriegerin, die keinem Kampf ausweicht und skrupellos tötet. Jetzt sucht sie in der Anderswelt König Claudius. Sie will ihn endgültig töten und in die Hölle schicken.

Hijiri ist das komplette Gegenteil von Scarlet. Er ist aus einem anderen Jahrhundert, einer anderen Welt und Kultur. Er ist mitfühlend, glaubt an das Gute, rettet und heilt jeden, der seine Hilfe benötigt, und er ist grundsätzlich optimistisch.

In „Scarlet“ präsentiert Mamour Hosoda seine sich viele Freiheiten nehmende Version von William Shakespeares Rachetragödie „Hamlet“. Zu Hosodas früheren Werken gehören „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ (2018), nominiert für den Oscar als bester Animationsfilm, und „Belle“ (2021), das in Cannes seine Premiere hatte. „Belle“ ist an der Kinokasse sein bislang erfolgreichster Film.

Scarlet“ hatte bei den Filmfestspielen in Venedig letztes Jahr seine Premiere und er kam bei der Kritik gut an. Denn obwohl Hosoda seine Geschichte primär für ein junges weibliches Publikum erzählt, ist sein Anime keine banale Liebesgeschichte für Teenager.

Er erzählt eine spannende und zum Nachdenken anregende Geschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei eine starke Heldin, die wirklich keinen Mann benötigt, um sie aus gefährlichen Situationen zu retten, und ihr sehr sympathisches Love-Interest. Der kann dann, auch dank seinem gut gefülltem Notfallrucksack, ihre Wunden heilen. Zuerst die körperlichen, später auch die seelischen.

Hosoda erzählt Scarlets Geschichte bildgewaltig und sich sehr komplex zwischen verschiedenen Zeiten und Welten bewegend.

Scarlet (Hateshinaki Sukāretto, Japan 2025)

Regie: Mamoru Hosoda

Drehbuch: Mamoru Hosoda

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Scarlet“

Metacritic über „Scarlet“

Rotten Tomatoes über „Scarlet“

Wikipedia über „Scarlet“

Meine Besprechung von Mamoru Hosodas „Belle“ (Ryū to Sobakasu no Hime, Japan 2021)

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