Horst Eckert # 21: Die Praktikantin

Carla Bergmann kann ihr Glück kaum fassen: in der Lokalredaktion der Morgenpost hat sie einen Praktikumsplatz bekommen. Als erstes soll sie den Polizeibericht bearbeiten. Das ist eine typische Anfängeraufgabe. Dabei entdeckt sie eine Meldung über einen Einbruch in ein Büro. Zwei Männer wurden verhaftet. Sie fragt bei der Polizeisprecherin nach. Diese sagt ihr, es habe sich um eine Irrtum gehandelt und die beiden verhafteten Männer seien bereits entlassen worden.

Damit könnte die Sache erledigt sein. Aber Carla fragt sich, warum die Polizeisprecherin so pampig reagierte.

Sie recherchiert weiter, findet heraus, dass in das Büro eines ukrainischen Magazins, für das auch regimekritische Exilrussen schreiben, eingebrochen wurde, aber nichts gestohlen wurde. Kurz darauf wird auf Artem Woronin, einem der für das Magazin arbeitenden Journalisten, ein Anschlag verübt. Dieser Anschlag geschieht Sekunden vor einem Treffen mit Clara, bei dem er ihr wichtige Dokumente übergeben wollte. Er stirbt in der Garage der Morgenpost.

Danach ist diese Geschichte für die Morgenpost eine große Story. Zusammen mit Jan Koller, früher Investigativjournalist, jetzt Hauptstadtkorrespondent der Zeitung, will Clara herausfinden, wer warum Woronin ermordete.

Dabei begegnen der erfahrene Journallist und die Praktikantin auch einigen aus früheren Thrillern von Horst Eckert bekannten Figuren, wie den Polizisten Vincent Veih und Melia Adan. Und in Berlin bricht in dem an wenigen Tagen im November spielendem Thriller gerade die Regierung auseinander. Ähnlichkeit mit einem realen Koalitionsbruch sind gewollt. Schließlich schreibt Horst Eckert schon seit Jahren seine fabelhaften Politthriller dicht entlang aktueller Ereignisse, Entwicklungen und Schlagzeilen. In dem Einzelroman „Die Praktikantin“ beschäftigt sich der frühere TV-Journalist, neben dem Ukrainekrieg in all seinen Facetten, mit aktuellen Entwicklungen in der Zeitungsbranche. Der Spardruck, KI-Anwendungen und anstehende Fusionen prägen die Arbeit in der Redaktion.

Der Hauptplot – die Recherche von Carla und Jan über die Hintergründe des Einbruchs – entwickelt sich flott und actionreich. Das liegt einerseits daran, dass „Die Praktikantin“ zu Eckerts kürzeren Werken gehört, und andererseits daran, dass er eine Story erzählt, die von Eric Ambler sein könnte. Wie bei Ambler geraten in diesem Fall zwei (bei Ambler war es normalerweise ein) Normalbürger in eine sie überfordernde labyrinthische politische Verschwörung, bei der unklar ist, ob sie das Ende der Geschichte erleben.

Zwischen all den Fronten und verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Interessen verliert Horst Eckert nie den Überblick. Sein neuester Pageturner ist wieder einmal glänzend geplottete Aufklärung

Horst Eckert: Die Praktikantin

Heyne, 2026

384 Seiten

17 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Wikipedia über Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Das Jahr der Gier“ (2022)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Macht der Wölfe“ (2023)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Nacht der Verräter“ (2024)

 

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