„Was ist neu?“ und „Ist ‚Kill Bill‘ immer noch gut“?
2003 und 2004 lief Quentin Tarantinos vierter Film als Zweiteiler im Kino. Als Grund für die damals absolut unübliche Teilung einer Geschichte in mehrere Kinofilme wurde gesagt, es habe zu viel gutes Material gegeben. Eine zweistündige Fassung – das war damals so ungefähr die normale Länge für einen Kinofilm – würde dem nicht gerecht werden. Vor dem Kinostart wurde dagegen vermutet, dass Quentin Tarantino endgültig größenwahnsinnig wurde, er jetzt ohne jede erzählerische Disziplin und Besoffen von der Grandiosität seiner Dialoge über Stunden vor sich hin erzählt und es Miramax nur eine Abzocke beim Publikum gehe. Anstatt eine Geschichte in einem Film zu erzählen, werde aus dem vielleicht nötigem Überlänge-Zuschlag ein zweites Kinoticket. Beim Ansehen war klar, dass der erste und der zweite Teil zwei stilistisch verschiedene/unterschiedliche Filme sind. Im ersten Teil geht es eher Richtung Eastern, im zweiten Teil dann eher Richtung Western, mit einem besonderen Blick zum Spaghetti-Western. In jedem Fall war die Präsentation in zwei Filmen – der erste mit 106 Minuten, der zweite mit 131 Minuten – sinnvoll.
Über vier Stunden erzählte Quentin Tarantino in seinem vierten Kinofilm die Geschichte der ‚Braut‘ Beatrix Kiddo (Uma Thurman), die sich an Bill rächen will. Er und sein Team aus weiblichen und männlichen Killern, der Deadly Viper Assasination Squad, brachten sie und alle bei der Vorbereitung für ihre Hochzeit in der Kirche Anwesenden um. Wie durch ein Wunder überlebte die Braut (ihren Namen erfahren wir erst sehr viel später). Als sie nach vier Jahren in einem Krankenhaus aus dem Koma erwacht, hat sie nur einen Gedanken: Kill Bill.
Dieser Bill ist nicht nur ihr ehemaliger Chef, sondern auch ihr Geliebter und der Vater ihrer zum Zeitpunkt des tödlichen Anschlags noch ungeborenen Tochter. Auf ihrem Rachetrip bringt die Braut der Reihe nach ihrer früheren Kollegen von der Deadly Viper Assassination Squad um.
Tarantino erfand dafür eine Reihe im Gedächtnis bleibender Charaktere, ikonische Kampfszenen und köstlicher Sätze und Dialoge – und garnierte den brutalen Cocktail mit vielen Filmzitaten.
Das war damals überwältigend – und ist es heute immer noch.
Damit kämen wir zur Frage, was neu ist.
Eigentlich nichts.
Natürlich fehlt am Ende des ersten Teils der Abspann und der zweite Teil beginnt nicht mit einer Rückblende. Schließlich sehen wir den Film jetzt in einem Rutsch. Hier und da wurden einige kleinere bis kleinste Details geändert, die aber nicht der Rede wert sind. Der legendäre Kampf der Braut in einem Restaurant gegen die „Crazy 88“ ist jetzt, wie in Japan schon immer, komplett in Farbe. Der Anime im Film wurde um eine siebenminütige Sequenz (die erst Jahre nach der ursprünglichen Kinoauswertung fertig gestellt wurde) ergänzt. Wenn man „Kill Bill“ nicht kürzlich gesehen hat, fällt das nicht wirklich auf.
Auffallend ist die große und eigenständige Ergänzung zum Originalfilm. Nach dem Abspann wird der zehnminütige Anime „The Lost Chapter: Yuki’s Revenge“ präsentiert. Der 2025 entstandene Fortnite-Kurzfilm kann auch im Internet angesehen werden. Quentin Tarantino schrieb das Buch und führte Regie. Uma Thurman spricht die Braut. Der Kurzfilm sieht wie eine schlechte Rohfassung aus, bei der noch etliche Bilder fehlen. Die Story selbst – Yuki will den Tod ihrer Mutter rächen und jagt die Braut durch einige Gassen und Häuser – ist keine zu „Kill Bill“ passende Geschichte. Denn in dem Kurzfilm ist die Braut die panisch agierende Gejagte. Das ist nicht die Braut, die wir kennen.

Kill Bill: The Whole Bloody Affair (Kill Bill: The Whole Bloody Affair, USA 2003/2025)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
mit: Uma Thurman, David Carradine, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks
Länge: 275 Minuten (der Film wird mit einer Pause gezeigt)
FSK: ab 18 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“
Metacritic über „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“
Rotten Tomatoes über „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“
Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch), „Kill Bill Vol. 2″ (deutsch, englisch) und „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“
The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)
Everthing Tarantino (dito)
Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)
Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)
Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)
Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)
Quentin Tarantino in der Kriminalakte
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Und hier