Normal ist auf den ersten Blick eine typische Kleinstadt irgendwo im ziemlich menschenleeren Nirgendwo von Minnesota. Eine Straße, einige Geschäfte, nette Einwohner und eine Bank. Sheriff Ulysses (Bob Odenkirk) soll in Normal die nächsten zwei Monate als Vertretungssheriff arbeiten. Nach der bald anstehenden Wahl des neuen Sheriffs übernimmt der Wahlgewinner das Amt und Ulysses kann die Stadt verlassen. Entsprechend ruhig und entspannt geht Ulysses die Sache an.
Das gemütliche Kleinstadtleben endet mit einem Banküberfall. Weil die beiden Bankräuber von der kärglichen Beute enttäuscht sind, fordern sie einen Bankangestellten auf, den Safe zu öffnen. Diese Forderung löst einen Alarm aus.
Ulysses, der die Bankräuber zur Aufgabe überreden will, staunt nicht schlecht, als sich das ganze Dorf schwer bewaffnet vor der Bank versammelt und, kaum geht er zur Bank, wie gedopt losballert. Zusammen mit den beiden Bankräubern beginnt Ulysses gegen die Dorfbewohner zu kämpfen.
„Normal“, inszeniert von Ben Wheatley, ist der neueste Film aus der Actionschmiede von „John Wick“-Schöpfer Derek Kolstad. Es gibt also viel Action und eine, innerhalb der Genrekonventionen, abgedrehte Geschichte. Bob Odenkirk gibt wieder den Actionhelden. Dass er das kann, hat er in den beiden „Nobody“-Filmen bewiesen und „Normal“ hätte mit kleinen Änderungen auch als „Nobody 3“ starten können. Die Story bedient sich exzessiv bei John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precint 13, USA 1976), der sich beim Western bediente. Aber während bei Carpenter und auch in Jean-François Richets ziemlich gelungenem Remake von 2005 (mit Ethan Hawke) jede der in dem Gebäude – bei Carpenter eine Polizeistation, bei Wheatley zuerst die Bank, später die Polizeistation – eingeschlossenen Personen innerhalb kürzester Zeit zu einer individuell erkennbaren Person wird, bleiben bei Wheatley alle bis auf Sheriff Ulysses austauschbares Kanonenfutter ohne besondere Eigenschaften.
Das führt dazu, dass „Normal“ trotz seiner schlanken Laufzeit von neunzig Minuten ziemlich lang wirkt. Zuerst dauert es eine halbe Stunde bis zu dem Banküberfall. In dieser halben Stunde porträtiert Wheatley in entschleunigtem Tempo und mild humoristischem Tonfall ausführlich das friedliche Kleinstadtleben und die netten Bewohner. Informationen, die für die spätere Schlacht wichtig sind, liefert er nicht. Die Schlacht wird schnell zu einer zunehmend redundanten Abfolge von Schießereien, Explosionen und wenigen Schlägereien. Figuren, die wichtig werden könnten, wie die beiden Bankräuber oder zwei Japaner, bleiben vernachlässigbare Nebenfiguren.
Dabei hat Ben Wheatley in dem Actionthriller „Free Fire“ gezeigt, dass er es besser kann. In dem hochkarätig besetztem Film läuft in einer verlassenen Lagerhalle ein illegaler Waffendeal vollkommen aus dem Ruder.
Dagegen ist „Normal“ der schwache Abklatsch von „Nobody 2“.

Normal (Normal, USA 2026)
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Derek Kolstad, Bob Odenkirk
mit Bob Odenkirk, Lena Headey, Henry Winkler, Reena Jolly, Brendan Fletcher, Brian Kawakami, Jess McLeod, Peter Shinkoda, Ryan Allen, Bill MacLellan
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „Normal“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)
Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD
Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)