Über Richard Hallas‘ Noir „Wer verliert gewinnt“

Auch hier ist der in ähnlicher Form aus unzähligen Filmtrailern und Plakaten bekannte Satz „Vom Erfinder von ‚Lassie’“ (um jetzt nicht allgemein „Von den Machern von xyz“ hinzuschreiben) ähnlich sinnfrei. Denn der Roman „Wer verliert gewinnt“ hat nichts mit der Geschichte „Lassie come home“, die zuerst eine Kurzgeschichte war, die Eric Knight (1897 – 1943) später zu einem Roman ausbaute, zu tun. Das eine ist die Geschichte einer Collie-Hündin, die hunderte Kilometer von Schottland nach Yorkshire läuft, um zu seinem ursprünglichem Besitzer, einem Jungen, zurückzukehren. Die Verfilmung von 1943 mit einer jungen Elizabeth Taylor, Fortsetzungen, Neuverfilmungen und TV-Serien (die erste lief von 1954 bis 1973 im US-Fernsehen) trugen weiter zur Popularität des treuen Hundes bei. Das andere ist ein Noir, der sich damals gut verkaufte, mehrmals neu aufgelegt wurde und irgendwann zum Noir-Klassiker gekürt wurde. Eric Knight veröffentlichte den Noir damals unter dem Pseudonym Richard Hallas. Seitdem wurde der Roman mal unter seinem Namen, mal unter dem Pseudonym veröffentlicht.

Und jetzt wurde er wieder auf Deutsch veröffentlicht. Es handelt sich um eine Neuauflage der ersten und bislang einzigen deutschsprachigen Veröffentlichung 1944 beim Berner Scherz Verlag.

Im Mittelpunkt der in den dreißiger Jahren während der Großen Depression spielenden Geschichte steht Ich-Erzähler Richard ‚Dick‘ Dempsey. Am Buchanfang hat ihn seine Frau mit ihrem gemeinsamen Sohn und ihrem gesamten Vermögen verlassen. Er vermutet, dass sie nach Kalifornien fährt, weil sie ein Filmstar werden will. Er will sie wieder haben und begibt sich in Hobo-Manier auf den Weg nach Hollywood.

Kaum ist er im Land der Träume angekommen, werden seine Frau und sein Sohn zu einer Nebensache. Stattdessen taucht Dick in die dortige verrückte Gesellschaft ein. Er wird mit abstrusen Erklärungen zu abstrusen Verbrechen angestiftet. Er trifft einen Groß-Regisseur, eine nächtliche Schwimmerin und die Gründerin der Ökanaanomischen Partei. Er verliert sich in dieser für ihn fremden Welt, in der Geld keine Rolle spielt.

Die Stärke von Richard Hallas‘ Roman liegt dabei in dem Porträt dieser verrückten Gesellschaft und den verschwimmenden Grenzen zwischen Wahn, Wunderglaube, abstrusen Theorien, Hollywood-Träumen und Verbrechen.

Wer verliert gewinnt“ ist definitiv einen Blick wert für Fans von Noirs und in Kalifornien spielenden Geschichten.

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt

(übersetzt von Anna Katharina Rehmann-Salten)

(mit einem Nachwort von Martin Compart)

Elsinor, 2026

224 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

You play the Black and the Red comes up

1938

Deutschsprachige Erstausgabe

Scherz Verlag, Bern (Schweiz),1944

Hinweise

Wikipedia über Richard Hallas (deutsch, englisch)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..