Neu im Kino/Filmkritik: Ein Titel, der alles sagt: „Der Teufel trägt Prada 2“

Ein Satz für die Fans des ersten Teils, die nichts über den Film wissen wollen (aber in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten jeden Informationskrümel begierig aufsogen und interpretierten): wenn euch „Der Teufel trägt Prada“ gefallen hat, dürfte euch auch „Der Teufel trägt Prada 2“ gefallen.

Nach dem Trailer geht es weiter für die Menschen, die etwas mehr wissen möchten.

 

Vor zwanzig Jahren war „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep als Miranda Priestly, einem Boss aus der Hölle, ein Überraschungserfolg. Gute Schauspieler, neben Streep sind Anna Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci und Simon Baker (hier in seiner Vor-“The Mentalist“-Zeit noch ziemlich unbekannt) dabei, flotte Inszenierung, Humor, minimaler Tiefgang zwischen Liebe und Beruf, und Schauwerte. Jedenfalls für den Teil der Bevölkerung, der den Unterschied zwischen Gucci und Prada kennt.

Jetzt kommt die Fortsetzung in die Kinos. Schon während der Dreharbeiten wurde heftig die Werbetrommel gerührt. Anna Hathaway, Meryl Streep, Stanley Tucci und Emily Blunt übernahmen wieder die Hauptrollen. Kenneth Branagh als liebevoller Ehemann von Miranda (wie wir aus dem Film erfahren) und Violonist und Komponist (wie wir aus dem Presseheft erfahren), Justin Theroux, B. J. Novak und Lucy Liu gehören zu den prominenten Neuzugängen. Ihre Rollen sind teils sehr kurz. Auf Empfängen gibt es dazu noch einige Cameos, die hier nicht verraten werden. Die Story wirkt im ersten Moment wie eine neue Geschichte, die sich fundamental von der Geschichte von „Der Teufel trägt Prada“ unterscheidet und gleichzeitig die vertrauten und gelungenen Elemente des ersten Films beibehält. „Der Teufel trägt Prada 2“ behält auch die nicht gelungenen Teile des ersten Films bei. Die Story selbst wiederholt, wie man mit zunehemender Laufzeit bemerkt, mit kleinsten Variationen die Story des erstens Teils, minus der Entwicklungsgeschichte von Andy Sachs. Schließlich kennt sie die Modezeitschrift Runway und die dort arbeitenden Menschen.

Dorthin kehrt die Investigativ-Journalist nach zwanzig Jahren zurück. Gerade hat sie einen Preis für ihre Arbeit bekommen und, wie ihre Kollegen, ihren Job bei der Zeitung verloren. Gleichzeitig wird das Modemagazin Runway heftig für eine Story kritisiert, in der die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Luxuskleidern nicht angesprochen wurden. Andy soll jetzt den, uh, guten Ruf der Zeitschrift wieder herstellen.

Andy nimmt den fabelhaft dotierten Job an und wieder ist Miranda Priesley ihre Chefin. Sie trifft wieder auf Emily Charlton (Emily Blunt), die inzwischen in der Modewelt einen anderen Job und einen vermögenden Freund hat. Bei einer Wohnungsbesichtigung trifft Andy auf einen netten Mann, der zufälligerweise auch der Vermieter der Nobelwohnungen ist (Remember Simon Baker? Nur etwas anders.). Sie muss für Miranda ein Interview mit einer Frau organisieren, die keine Interviews gibt (Remember die Harry-Potter-Episode?). Wieder wählt Nigel Kipling (Stanley Tucci) die Kleider für sie aus. Dazwischen gibt es Bilder von Empfängen und Modeschauen und bedeutungsschwangere Auftritte, Wagenkolonnen und Sonnenbrillen. Dazwischen gibt es, wie schon im ersten Film, einen Kampf um die Zukunft des Modemagazin und um Mirandas Chefposten.

Wie schon im ersten Teil wird jede Spur von Tiefgang vermieden. Wieder wird elliptisch erzählt. Die Figuren, vor allem Andy, simulieren Arbeit ohne zu arbeiten. Irgendwann werden dann Ergebnisse präsentiert.

Das führt dazu, dass man vieles einfach so hinnehmen muss. Andy kann den Ruf des Magazins mit einem Meinungsartikel retten, in dem sie sich für die Arbeit ihres Vorgängers entschuldigt und ankündigt, jetzt werde alles besser. Andy kann das Interview mit der Person, die keine Interviews gibt, organisieren. Miranda ist selbstverständlich immer bestens informiert. Und die Schlacht um die Zukunft des Modemagazins bleibt immer an der Oberfläche.

Das ist alles, wie im ersten „Der Teufel trägt Prada“-Film.

Neu ist, dass Miranda Priestly etwas menschlicher wird. Sie zeigt mehr Gefühle und verändert, notgedrungen, einiges in ihrem Leben. Mehr Tiefe erhält sie aber nicht.

Andy Sachs – und das ist ziemlich nervig – benimmt sich nicht wie eine gestandene Journalistin mit nun über zwanzig Jahren Berufserfahrung, die für ihre Reportagen Journalistenpreise erhielt, sondern wie eine überaus naive und unsichere Berufsanfängerin vor ihrem ersten Job als Teenager in einem Fastfood-Restaurant. Sogar bei ihrem ersten Gespräch vor zwanzig Jahren mit der ihr in dem Moment vollkommen unbekannten Miranda Priestly (eine der ikonischen Szenen des ersten Films) trat sie souveräner auf. Jetzt mutierte sie zum kieksenden Teenager.

Der Teufel trägt Prada 2“ gehört zu den Fortsetzungen, die wissen, warum der erste Film erfolgreich war und der genau diese Momente nachstellen. Mit kleinen Variationen wird noch einmal der gleiche Film für die Zielgruppe präsentiert.

Wer dieses Gefühl allumfassender Nostalgie haben will, wird „Der Teufel trägt Prada 2“ lieben.

Der Teufel trägt Prada 2 (The Devil wears Prada, USA 2026)

Regie: David Frankel

Drehbuch: Aline Brosh McKenna (basierend auf von Lauren Weisberger erfundenen Figuren)

mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Justin Theroux, Lucy Liu, Kenneth Branagh, B.J. Novak, Simone Ashley, Tracie Thoms, Tibor Feldman, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Teufel trägt Prada 2“

Metacritic über „Der Teufel trägt Prada 2“

Rotten Tomatoes über „Der Teufel trägt Prada 2“

Wikipedia über „Der Teufel trägt Prada 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Frankels „Verborgene Schönheit” (Collateral Beauty, USA 2016)

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