Neu im Kino/Filmkritik: „Friendly Fire – Erich Fried“, betrachtet durch die Brille eines seiner Söhne

Wer einen normalen Dokumentarfilm über Erich Fried (6. Mai 1921, Wien – 22. November 1988, Baden-Baden) erwartet, in dem das Leben und Wirken des bedeutenden und viel gelesenen Dichters chronologisch nacherzählt wird mit Statements von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Bewunderern, wird enttäuscht sein. In einem x-beliebigem Lexikonartikel erfährt er mehr.

Klaus Fried verfolgt in seinem herausforderndem Film „Friendly Fire – Erich Fried“, zusammen mit seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, einen ganz anderen Ansatz. Er ist einer der Söhne von Erich Fried. Er glaubt, dass sein Vater ihn am wenigsten von allen seinen Kindern gekannt habe.

Jetzt will er mehr über ihn erfahren. Seine Suche führt ihn vor allem zu anderen Mitgliedern der großen Fried-Familie. Erich Fried war dreimal verheiratet und hat aus diesen Ehen sechs Kinder. Sie reden miteinander. Auch über ihren Vater. Dazwischen gibt es einen sehr kryptischen Blick in Erich Frieds Leben und sehr wenige Einblicke in sein Werk.

In seinem essayistischen, enorm dicht erzählten Dokumentarfilm geht es Klaus Fried und seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, die auch für die Montage und das Sounddesign verantwortlich ist, um Verzerrungen, Irritationen und Unwohlsein. Dazu gehört auch der exzessive Einsatz von Avantgarde-Musik und wie Klaus Fried sich immer wieder als Getriebenen ins Bild setzt. Einmal stolpert er über einen Friedhof und sucht während eines Sturms ein Grab. Die Gespräche verlaufen oft etwas anders als in konventionellen Dokumentarfilmen. Fried und Albrecht zeigen auch Momente, in denen das Gespräch kurz vor einem Abbruch steht. Immer wieder zeigen sie, teilweise quälend lang, Momente und Szenen, die in anderen Dokumentarfilmen noch nicht einmal in die erste Fassung aufgenommen würden. Die während der Coronavirus-Pandemie vorgeschriebenen Atemschutzmasken verstärken das Gefühl, das etwas ver-rückt ist.

Friendly Fire – Erich Fried“ ist kein Film über das Werk von Erich Fried, sondern über die Suche nach einem Vater, der gleichzeitig ein von der ganzen Welt bewunderter Dichter und politischer Essayist war.

Das gewollt sperrige Ergebnis ist definitiv ein Film, der Reaktionen herausfordert.

Friendly Fire – Erich Fried (Deutschland/Österreich 2025)

Regie: Klaus Fried, Julia Albrecht (Realisation)

Drehbuch: Klaus Fried, Andrew Hood

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Friendly Fire – Erich Fried“

Moviepilot über „Friendly Fire – Erich Fried“

Wikipedia über „Friendly Fire – Erich Fried“ und Erich Fried (deutsch, englisch)

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