Ein Dokumentarfilm über die Klimakatastrophe und Wissenschaftler, die versuchen sie zu verhindern, und in dem nicht die üblichen Verdächtigen kluge Statements abgeben, ist natürlich erfreulich.
Und jetzt kommen wir schon zum Aber.
In seinem beobachtendem Dokumentarfilm „Das Gewicht der Welt“ porträtiert Florian Heinzen-Ziob mit großer Geduld und Sympathie Maria Hörhold, Doktorin der Glaziologie, Sebastian Seiffert, Professor für Physikalische Chemie, und Nana-Maria Grüning, Doktorin der molekularen Biologie, bei ihrer Arbeit, ihrem umweltpolitischem Engagement und im Privatleben. Sie forschen. Sie halten Vorträge vor Studierenden (gut, das ist ihre Arbeit und gleichzeitig ein eleganter Weg, einige Fakten einzustreuen). Sie reden auch vor Nicht-Akademikern. Sie treffen sich mit Kollegen. Sie engagieren sich. Maria Hörhold bei „Scientist 4 Future“. Nana-Maria Grüning ist Gründungsmitglied von „Scientist Rebellion Deutschland“. So nennt sich die Wissenschaftler-Ausgabe der „Letzten Generation“. Die im Film gezeigten öffentlichen Aktionen von „Scientist Rebellion Deutschland“ sind dann der von der „Letzten Generation“ bekannte öffentlichkeitswirksame Mix aus Festklebe- und Farbverteilaktionen. Bei der Bevölkerung, die überzeugt werden sollte, stießen sie zu großen Teilen auf Unverständnis und Ablehnung.
In der Dokumentation selbst gibt es, abgesehen von wütenden Autofahrern, keine Gegenstimmen oder eine Reflektion, die über das hinausgeht, was die Protagonisten selbst sagen. Damit entfällt auch eine Diskussion über den präzisen Sinn der Aktionen und ob sie ihr Ziel erreichen. Stattdessen wollen sie bei „Scientist Rebellion Deutschland“ so weitermachen.
Maria Hörhold und Sebastian Seiffert versuchen es mit Aufklärung und der Gründung eines Unternehmens zur Meerwasserentsalzung.
„Das Gewicht der Welt“ beschränkt sich auf die Beobachtung der drei Filmprotagonisten, die besorgt über den Zustand der Welt sind und die sich, teilweise rührend naiv, engagieren. Das führt in dem Film dazu, dass es fast keine Analyse des individuellen Handelns gibt, dass dieses Handeln nicht in eine Beziehung zur Gesellschaft, zur Politik und zur Wissenschaft gesetzt und kritisch hinterfragt wird. Also ob eine bestimmte Protestform ein wirksames Mittel ist, um bei der Bevölkerung das Bewusstsein über die Klimaktastrophe zu schärfen und diese dann zu einem bestimmten Handeln zu animieren. Es wird auch nicht gefragt, warum sie diese und keine andere Form des Engagements wählen. Beispielsweise beim „Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland“ (BUND) oder in einer Partei.
Der vor kurzem angelaufene Dokumentarfilm „Blame“ über mehrere Wissenschaftler, die zum Coronavirus forschen und sich während und nach der Pandemie fragten, warum plötzlich niemand mehr auf sie hörte, gibt einen viel besseren Einblick in das Denken und Wirken von Wissenschaftlern. Die Wissenschaftler und der Regisseur versuchen auch zu verstehen, wie es zu dem Backlash kam.
Wer wissen möchte, wie schlimm die Umweltzerstörung ist und was dagegen getan werden kann, kann sich Al Gores ebenfalls im Kino gezeigten Dokumentarfilme „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006) und „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“ (2017) ansehen.
Oder er/sie/es besucht die örtliche, teilweise seit Jahrzehnten bestende Umwelt- und Naturschutzgruppe und erfährt einiges über ihre lange Geschichte, wie sie ihre Ziele umsetzen, welche Rolle ziviler Ungehorsam dabei spielt und wer ihre Gegner sind.

Das Gewicht der Welt (Deutschland 2025)
Regie: Florian Heinzen-Ziob
Drehbuch: Florian Heinzen-Ziob
mit Nana-Maria Grüning, Maria Hörhold, Sebastian Seiffert
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Filmportal über „Das Gewicht der Welt“
Moviepilot über „Das Gewicht der Welt“