Verdammt schlechte Zeiten für die Bösewichte – Der „Punisher“ räumt kräftig auf

September 21, 2011

Frank Castle, besser bekannt als der Punisher, ist in mehreren Geschichten zurück. Einmal in den älteren Geschichten von Garth Ennis, der dem Punisher vor über zehn Jahren eine Rundumerneuerung verpasste und seine Geschichten explizit für ein erwachsenes Publikum schrieb, einmal in der von Jason Aaron geschriebenen Geschichte „Kingpin“, die eher ein Präludium ist und in der Ennis-Tradition steht, und in „Frankencastle“, einer eher an Superheldengeschichten erinnernde kindisch-harmlose Schlachtplatte.

Denn als Punisher bringt der ehemalige Polizist Frank Castle, dessen Familie von Mafiosi ermordet wurde, gnadenlos Verbrecher um. Die Polizei sieht weg und inzwischen haben alle aufgehört, nachzuzählen, wie viele Menschen Castle während seiner seit Jahrzehnten andauernden Selbstjustizmission schon ermordet hat. Aber solange er die richtigen tötet, ist es okay.

In dem aus zwei jeweils sechsteiligen und damit jeweils über 130-seitigen Geschichte bestehendem Sammelband „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ trifft Castle in der ersten Geschichte „Oben ist Unten und Schwarz ist Weiß“ auf einen alten Bekannten.

Denn der Mafiosi Nicky Cavella hat die Begegnung mit Castle, gegen alle Wahrscheinlichkeit, überlebt. Jetzt will Cavella sich an Castle, der ihn umbringen wollte, rächen und benutzt dafür auch Castles tote Familie, indem er deren Grab schändet und die Aufnahme an einen TV-Sender weitergibt. Gleichzeitig will er mit seinem Rachefeldzug gegen Castle auch einige unliebsame Konkurrenten aus dem Weg schaffen. Das soll von Castle, der nicht weiß, dass Cavella noch am Leben ist, erledigt werden.

In „Die Sklavenhändler“ rettet Castle in einer dunklen Gasse, als er einige Gangster tötet, eher zufällig die moldawische Zwangsprostituierte Viorica, die große Angst vor ihrem Zuhälter hat. Castle will ihr und ihren Leidensgenossinnen helfen. Dafür muss er die moldawische Verbrecherbande besiegen. Doch während Cristu einen fast schon amerikanischen Ansatz des Organisierten Verbrechens (das sich kaum von der legalen Wirtschaft unterscheidet und, auch bei Konflikten, möglichst wenig auffallen will) verfolgt, ist sein Vater von der alten Schule, die ihre Probleme mit Gewalt löst, ohne an die Folgen zu denken.

Gleichzeitig initiiert ein Polizist, der für die Verbrecher arbeitet, bei der Polizei eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, in der Castle hemmungslose Brutalität gegen Polizisten vorgeworfen wird.

In „Die Sklavenhändler“ hat Castle eine größere und aktivere Rolle als in „Oben ist Unten und Schwarz ist Weiß“, das in erster Linie die Geschichte eines Komplotts in der Gangsterwelt und eines komplizierten Racheplans erzählt. Beide Geschichten sind ziemlich gewalttätige, zynische Kriminalgeschichten.

In „Kingpin“ von Jason Aaron und Steve Dillon ist Castle wieder eine Nebenfigur. Denn in dieser Geschichte wird vor allem der Aufstieg von Wilson Fisk erzählt, der sich sich als rechte Hand des Mafiosi Don Rigoletto im Hintergrund hält. Aber er kann seinen Boss und über ihn die anderen Mafiosi überzeugen, dass sie einen „Kingpin“, einen Boss der Bosse, den noch niemand gesehen hat, installieren sollen und das Gerücht seiner baldigen Ankunft in New York in die Welt setzten sollen. Dann wird Castle aus seinem Versteck kommen. Was die Mafiosi nicht wissen, ist, dass Fisk dieses Gerücht in die Realität umsetzen will.

Kingpin“ funktioniert vor allem als spannendes und actionhaltiges Vorspiel für den kommenden Kampf zwischen den beiden Männern.

Frankencastle“ ist dagegen ein Crossover von dem Punisher, naja, genauer von Frankencastle (der wie Frankensteins Monster mit „Punisher“-T-Shirt aussieht), und „Dark Wolverine“. Entsprechend wenig hat es mit den normalen „Punisher“-Geschichten, die ja knallharte Krimi-Geschichten ohne irgendwelche übernatürlichen Elemente sind, zu tun.

Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): The Punisher – Garth Ennis Collection 7

(übersetzt von Uwe Anton)

Panini Comics/Marvel 2011

280 Seiten

24,95 Euro (Softcover-Ausgabe)

39,00 Euro (Hardcover-Ausgabe)

Originalausgabe/enthält

Oben ist Unten und Schwarz ist Weiß, Teil 1 – 6 (Up is Down and Black is White, Part 1 – 6, Punisher (MAX) 19 – 24, Juni 2005 – Oktober 2005)

Die Sklavenhändler, Teil 1 – 6 (The Slavers, Part 1 – 6, Punisher (MAX) 25 – 30, November 2005 – April 2006)

Jason Aaron (Autor)/Steve Dillon (Zeichner): PunisherMax: Kingpin (Max 40)

(übersetzt von Reinhard Schweizer)

Panini Comics/Marvel 2011

120 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

PunisherMax: Kingpin, Part 1 – 5

Januar – Mai 2010

Rick Remender/Daniel Way/Marjorie Liu (Autoren)/Roland Boschi/Jefte Palo/Tony Moore/Stephen Segovia/Paco Diaz (Zeichner) Punisher 4: Frankencastle 2

(übersetzt von Jürgen Petz)

Panini Comics/Marvel 2011

96 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Fehlende Teile (FrankenCastle 17: Missing Pieces, Juli 2010)

Vergeltung in Tokio (FrankenCastle 18: Untitled, August 2010)

Bestrafung, Teil 1 (Dark Wolverine: Punishment, Part 1, September 2010)

Bestrafung, Teil 2 (FrankenCastle 19: Punishment, Part 2, September 2010)

Hinweise

Wikipedia über „The Punisher“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): The Punisher – Sechs Stunden zu leben (Punisher: Six hours to kill, 2009)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Goran Parlov (Zeichner) „The Punisher: Willkommen im Bayou“ (Punisher (Vol. 7) 71 – 74: Welcome to the Bayou, Punisher (Vol. 7) 75: Dolls/Gateway/Ghouls/Father’s Day/Smalest Bit of This, 2009)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Duane Swierczynski (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner) „The Punisher: Abgrund des Bösen“ (Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): Naturgewalt [Punisher: Force of Nature, 2008], Victor Gischler (Autor)/Jefte Palo (Zeichner): Alles gespeichert [Punisher: Little Black Book, 2008], Mike Benson (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Der Gejagte [Punisher MAX Annual 1: The Haunted, 2007], Jonathan Maberry (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Requisiten [Punisher: Naked Kill, 2009])

 


Übersetzen? Lawrence Block: A drop of the hard stuff

September 19, 2011

Seit dem letzten Matt-Scudder-Roman „All the flowers are dying“ sind sechs Jahre vergangen und im neuesten Scudder-Roman „A drop of the hard stuff“ erzählt Lawrence Block die Geschichte von Matt Scudder, Ex-Cop, trockener Alkoholiker und Privatdetektiv, nicht weiter, sondern er springt zurück in die Vergangenheit. In die frühen achtziger Jahre, als Matt Scudder in Manhattan die meiste Zeit auf Treffen der Anonymen Alkoholiker verbrachte und versuchte, trocken zu bleiben.

Und er arbeitet als „Privatdetektiv“. Eine Lizenz hat er nicht und eine nachvollziehbare Abrechnung macht er auch nicht. Stattdessen geben ihm seine Auftraggeber einfach eine bestimmte Geldmenge, und wenn Scudder glaubt, dass er mehr Geld benötigt, sagt er es. Oft findet er seine Klienten bei den Anonymen Alkoholikern oder AA-Mitglieder sind betroffen.

Jetzt, kurz bevor Matt Scudder sein erstes Jahr ohne Alkohol feiern kann, will Greg, dass Scudder herausfindet, wer Jake Ellery ermordete. Ellerys Sponsor vermutet, dass der Täter einer der Menschen ist, die Ellery für die achte Stufe des aus zwölf Stufen bestehenden Programms der Anonymen Alkoholiker aufschrieb und anschließend besuchte, um sie um Verzeihung zu bitten.

Scudder beginnt das Leben von Ellery zu erforschen. Dabei kannten sie sich als Jugendliche und verloren sich später aus den Augen. Scudder wurde Polizist. Ellery Verbrecher.

Für langjährige Matt-Scudder-Fans, wie mich, ist „A drop of the hard stuff“ eine willkommene Rückkehr ihres Helden und ein Blick zurück in die Jahre, die Matt Scudder zu einem so beliebten und wichtigen literarischen Charakter machten. Damals war Lawrence Block mit seinen Scudder-Romanen auch ständiger Gast auf den Nominierungslisten für den Edgar- und Shamus-Award und er durfte die begehrte Trophäe auch mehrmals mit nach Hause nehmen. Doch während in den Scudder-Romanen aus den achtziger und neunziger Jahren (wie – Achtung, Kauftipp! – „Eight Million Ways to Day“ [Viele Wege führen zum Mord], „When the sacred ginmill closes“ [Nach der Sperrstunde], „Out on the cutting edge“ [Engel der Nacht], „A ticket to the boneyard“ [Ein Ticket für den Friedhof], „A dance in the slaughterhouse“ [Tanz im Schlachthof], „A walk among the tombstones“ [Endstation Friedhof], „The devil knows you’re dead“ [Der Teufel weiß alles], „A long line of dead men“ [Der Privatclub]) vor allem die Beschreibung des alltäglichen Lebens in der Großstadt und der dort lebenden Menschen im Mittelpunkt stand, ist es hier eher Scudders Versuch, seinen Alkoholismus zu überwinden und trocken zu bleiben. Das war in den früheren Romanen auch wichtig, aber nicht so wichtig, dass die die Mördersuche zur absoluten Nebensache wird.

Insofern ist „A drop of the hard stuff“ eher ein Buch für die Block-Fans, die bekannte Charaktere, wie seinen AA-Sponsor Jim Faber und seine Freundin, die Künstlerin Jan Keane, wiedertreffen. Neueinsteiger sollten sich einen anderen Scudder-Roman schnappen.

Trotzdem würde ich eine Übersetzung des inzwischen siebzehnten Matt-Scudder-Romans empfehlen. Aber zuerst sollten die noch nicht übersetzten Scudder-Romane „Hope to die“ und „All the flowers are dying“ übersetzt werden.

Eine Gesamtausgabe der schon lange nicht mehr erhältlichen älteren, bei verschiedenen Verlagen erschienenen Scudder-Romane (die Rechte sind, soweit ich weiß, frei) wäre auch schön. Denn Matt Scudder ist einer der großen Privatdetektive und seine Bedeutung für die Entwicklung des Genres und damit die jüngeren Privatdetektivromane kann nicht überschätzt werden.

Lawrence Block: A drop of the hard stuff

Mulholland Books, 2011

336 Seiten

ungefähr 20 Euro

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

A writer’s life: Lawrence Block über „A drop of the hard stuff“, Matt Scudder und den ganzen Rest

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte

 


Tony Chu ist „Reif für die Insel“

September 15, 2011

Tony Chu, der Held von „Chew – Bulle mit Biss!“ (so der vollständige Titel), ist ein Polizist und Cibopath; – also jemand, der wenn er etwas isst, die gesamte Geschichte des Gegessenen kennt. Bei Mordermittlungen ist das, wenn man sich nur auf den Fahndungserfolg konzentriert, sehr hilfreich. Für das normale Leben ist diese Gabe ein Fluch (Oder wollen Sie wirklich die gesamte Geschichte des Steaks kennenlernen?). Zuletzt wurde Chu zur mit umfangreichen Befugnissen ausgestatteten FDA, der US-amerikanischen Lebensmittelaufsicht, versetzt. Denn in den USA ist nach einer Vogelgrippe, die zum Tod von 23 Millionen Menschen in den USA und 116 Millionen weltweit führte, Geflügel verboten. Zusammen mit FDA-Agent Mason Savoy jagte er in „Leichenschmaus“ Bösewichter. Das Buch endete mit einem Paukenschlag, der das Schicksal von Savoy und Chu untrennbar miteinander verknüpfte und auf die folgenden Geschichten gespannt machte.

Aber in dem zweiten „Chew“-Band „Reif für die Insel“ erzählen Autor John Layman und Zeichner Rob Guillory diesen Konflikt nicht weiter, sondern schicken Tony Chu auf eine Insel.

Während eines Einsatzes mit seinen neuen, alten Partner John Colby (der inzwischen wie ein Bruder vom Terminator aussieht) hat Chu eine Frucht geschmeckt, die für normale Menschen nach Huhn schmeckt. Chu will mehr über sie herausfinden und seine geheimen Ermittlungen führen ihn auf die kleine Westpazifik-Insel Yamapalü.

Dort trifft er auch auf seinen Bruder, einen gefeierten Ex-TV-Koch (es ging um Hühnerfleisch), der für sein Leben gerne Hühnchen zubereitet, die Geflügelmafia, die ebenfalls ein Auge auf die Frucht geworfen hat, und die schöne und extrem gefährliche Undercover-Agentin Lin Sae Woo vom Ministerium für Landwirtschaft – und schnell gehört das ruhige Inselleben der Vergangenheit an.

Abgesehen davon, dass Chu und Savoy sich nicht begegnen und es auch keinen Hinweis darauf gibt, wie sich der Konflikt zwischen den Beiden weiterentwickelt, ist „Reif für die Insel“, dank der absoluten Humorlosigkeit von Tony Chu und den satirisch überspitzen Zeichenstil von Rob Guillory, eine sehr witzige Geschichte über den Kampf gegen skrupellose Mafiosi, die alles tun, um die Hühnchen-Prohibition zu umgehen.

John Layman (Autor)/Rob Guillory (Zeichner): Chew – Bulle mit Biss!: Reif für die Insel (Band 2)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2011

128 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Chew Vol. 2: International Flavor

Image Comics, 2010

(enthält Chew # 6 – 10)

Hinweise

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss!: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)


Kurzkritik: Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker

September 13, 2011

In den vorherigen „The Goon“-Sammelbänden von Autor und Zeichner Eric Powell war der Goon ein schlagkräftiger Gangster mit dem Herzen am rechten Fleck, einer Unzahl oft nicht menschlicher Gegner und einer satten Portion Humor. Die eher kurzen Geschichten spielten in einer Retro-Welt, die an die noirischen Hollywood-Krimis und Abenteuerfilme aus den vierziger und fünfziger Jahren erinnerte.

In dem neuesten „The Goon“-Buch „Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker“ erzählt Eric Powell nur eine Geschichte und besonders witzig ist sie nicht. Eher schon tragisch und auch eine liebevolle Hommage an die klassischen Kriminalfilme der vierziger Jahre, als Chinatown eine exotische Welt voller Geheimnisse und Verbrechen war. Dass es dabei auch um eine Frau ging und dass der Goon in sie verliebt war, versteht sich von selbst. Damals wollte Triaden-Boss Xiang Yao sich in Goons Stadt einnisten und der Goon trifft Isabella, die er noch aus seinen Jugendjahren auf dem Jahrmarkt kennt und die inzwischen für Xiang Yao arbeitet.

Doch der Goon schwelgt nicht nur in Erinnerungen an seine unglückliche Liebe. Denn in der Gegenwart muss er sein Revier gegen den geheimnisvollen Mr. Wicker verteidigen. Und wieder gibt es eine Femme Fatale.

Chinatown“ ist Powells bislang anspruchsvollste Arbeit. Nachdem in den vorherigen „The Goon“-Geschichten die Lacher im Vordergrund standen (wobei die Witze und die Verknüpfung der verschiedenen Ebenen zwischen Wirklichkeit und Comicwelt und die zahlreichen Anspielungen auf andere Werke, zeigten, dass Powell nicht nur „lustige Kack-Witze“ [Powell über Powells Schaffen] erzählte), erzählt er jetzt eine große, auf mehreren Zeitebenen spielende, fantastisch gezeichnete Geschichte, die uns einiges über Goons Vergangenheit und wie er zu dem Mann wurde, der er heute ist, verrät. Und Eric Powell erhielt für „Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker“ zwei weitere Eisner-Awards, dem Oscar der Comicbranche.

Wie immer bei Cross Cult gibt es auch beim siebten „The Goon“-Band viel informatives Bonusmaterial. Dieses Mal sind es Vorworte von Eric Powell und David Fincher, der auch in die „The Goon“-Verfilmung involviert ist (Anscheinend ist inzwischen alles drehbereit.), einen ausführlichen, von Eric Powell kommentierten Blick in sein Skizzenbuch für diese „The Goon“-Geschichte und ein sechsseitiges Interview mit Eric Powell.

Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker (The Goon 7)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2011

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Chinatown and the mystery of Mr. Wicker

Dark Horse Comics, 2007

Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)“ (The Goon: Virtue and the grim consequences thereof, 2006/2010)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Böses Blut (Band 6)“ (The Goon: Wicked Inclinations, 2007/2010)

Hier noch einmal die Teaser für die geplante „The Goon“-Verfilmung


Dennis Lehane schickt Patrick Kenzie und Angie Gennaro auf die „Moonlight Mile“

September 5, 2011

Nach elf Jahren legt Dennis Lehane wieder einen Krimi mit den Privatdetektiven Patrick Kenzie und Anie Gennaro vor. Aber in den vergangenen Jahren änderte sich einiges. Die beiden haben geheiratet und eine vierjährige Tochter. Angie studiert und steht kurz vor ihrer Soziologie-Abschlussprüfung. Patrick bemüht sich um eine Festanstellung in einer großen Detektei, deren Kundschaft aus sehr reichen Kunden besteht. Patricks Gerechtigkeitssinn und sein renitentes Verhalten sind da natürlich ein großes Problem. Und Patrick fragt sich inzwischen immer öfter, ob ihm der Job immer noch gefällt.

Da bittet ihn Beatrice McCready ihre inzwischen sechzehnjährige Nichte Amanda zu suchen. Patrick und Angie hatten, wie wir aus dem auch grandios verfilmten „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ wissen, Amanda bereits vor zwölf Jahren gesucht, gefunden und zurück zu ihrer Mutter gebracht.

Schon damals fragte Patrick sich, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte, indem er Amanda aus einer funktionierenden, Amanda liebenden Familie herausriss und zurück zu ihrer Mutter, einer Alkoholikerin, brachten. Jetzt wird er mit den Konsequenzen seiner Entscheidung konfrontiert. Und er begegnet der fast erwachsenen Amanda, die in verschiedene Verbrechen verwickelt ist und von der Russenmafia gesucht wird.

Und genau diese Frage, ob Patrick sich damals richtig entschied, hat wahrscheinlich auch Dennis Lehane angetrieben, nach über zehn Jahren, in denen er mit Einzelwerken, wie „Mystic River“, „Shutter Island“ und „Im Aufruhr jener Tage“, sehr erfolgreich verschiedene Genrevarianten ausprobierte, wieder eine Geschichte mit den beiden, bei Krimifans beliebten Privatdetektiven zu schreiben, die eine interessante Weiterentwicklung von Robert B. Parkers Privatdetektiv Spenser sind. „Moonlight Mile“ liest sich dann, vor allem auf den ersten Seiten, mit Patrick als Spenser, Bubba als Hawk und Angie als Susan Silverman als Spenser-Pastiche. Dazu tragen auch die vielen Gespräche über Patricks Arbeitsethos, über seine damalige Entscheidung, ob er sie jetzt, mit einem eigenen Kind, wieder so treffen würde, über das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt, bei. Auch der wenig überraschende Plot, in dem die einzelnen Charaktere sich endlos Geschichten erzählen, erinnert an Parkers Spenser-Romane. Aber während Spenser sich mit Susan über sein Machotum unterhält, unterhalten Patrick und Angie sich bevorzugt über die Erziehung ihrer Tochter.

Das liest sich dann oft wie ein Erziehungsratgeber, angereichert mit etwas elterlichem Stolz auf die eigenen Kinder, dem ein Krimiplot beigegeben wurde, der den Helden eher auf die Zuschauerbank verbannt. Auch am Ende.

Die wichtigsten Erkenntnisse am Ende von „Moonlight Mile“ dürften sein, dass Patrick Kenzie und Anie Gennaro älter, ruhiger und vernünftiger geworden sind und dass die Abstiegsängste des Mittelstandes jetzt auch im Privatdetektivroman angekommen sind.

Um nicht falsch verstanden zu werden: „Moonlight Mile“ ist ein flott zu lesender, schnörkellos geschriebener Krimi und eine willkommenes Wiedersehen mit Patrick Kenzie und Angie Gennaro. Ich hätte mir (immerhin habe ich keine Kinder) nur eine bessere Geschichte dafür gewünscht.

Dennis Lehane: Moonlight Mile

(übersetzt von Andrea Fischer)

Ullstein, 2011

384 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Moonlight Mile

William Morrow and Company, 2010

Die Fälle von Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Streng vertraulich (A Drink before the War, 1994)

Absender unbekannt (Darkness, take my Hand, 1996)

In tiefer Trauer (Sacred, 1997)

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone, Baby, Gone, 1998)

Regenzauber (Prayers for Rain, 1999)

Moonlight Mile (Moonlight Mile, 2010)

Hinweise

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

ShotsMag spricht mit Dennis Lehane über „Moonlight Mile“

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Dennis Lehane in der Kriminalakte

 


Kurzkritik: Victor Gischler gründet das „Deadpool Corps“

September 2, 2011

Allzuviel Story gibt es in dem neuen „Deadpool“-Comic von Krimiautor Victor Gischler nicht. Eigentlich sammelt Deadpool, der Söldner mit der großen Klappe, nur die Deadpool-Inkarnationen Lady Deadpool, Kid Deadpool (der im Xavier-Institut für Problemkinder ein echtes Problemkind ist), Headpool (den wir noch aus Deadpools Rettungsaktion im Wilden Land kennen [siehe „Kopfsprung“ und „Nächster Halt: Zombieville“] und den es in unserer Dimension, auf eine einsame Insel, auf der ein verrückter Wissenschaftler und seine wunderschöne Tochter leben, verschlagen hat) und Dogpool („Laut Akte kein guter Hund. Bellt gern die ganze Nacht und zerkaut Schuhe.“) in verschiedenenDimensionen ein, um gemeinsam mit ihnen das Multiverse zu retten.

Aber wenn Victor Gischler das erzählt, dann ist das ein höchst vergnüglicher Ritt durch andere Comic-Welten (General America, früher bekannt als Captain America, und die X-Men kriegen ihr Fett weg), bekannten Story-Versatzstücken, wie der herzzerreißenden Geschichte von Dogpool, der für wissenschafliche Experimente und als Zirkusattraktion missbraucht wird, und die uns bekannte Welt. Vor allem wenn der großmäulige Deadpool mal wieder das Geschehen sarkastisch kommentiert und dabei nicht mit popkulturellen Anspielungen spart, gibt es etliche gemeine Witze und Einzeiler. So nennt er General America als „Patriotenmarketingang“ und schickt ihn mit einem „Schlaf gut, Schildbürger“ ins Reich der Träume. „Deadpool Corps“ ist, wie auch die anderen „Deadpool“-Geschichten von Victor Gischler, eine sehr witzige Angelegenheit.

Und dabei ist „Deadpool Corps“ nur das Vorspiel für die kommenden Abenteuer dieser bunten Chaostruppe. Aber was für eines.


Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini/Marvel Comics 2011

120 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5

Marvel, März 2010

Hinweise

Homepage von Victor Gischler

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Goran Parlov (Zeichner): The Punisher: Willkommen im Bayou (Punisher (Vol. 7) 71 – 74: Welcome to the Bayou; Punisher (Vol. 7) 75: Dolls/Gateway/Ghouls/Father’s Day/Smalest Bit of This, 2009)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Duane Swierczynski (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): The Punisher: Abgrund des Bösen (Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): Naturgewalt (Punisher: Force of Nature, April 2008; Victor Gischler (Autor)/Jefte Palo (Zeichner): Alles gespeichert (Punisher: Little Black Book, August 2008; Mike Benson (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Der Gejagte (Punisher MAX Annual 1: The Haunted, November 2007; Jonathan Maberry (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Requisiten (Punisher: Naked Kill, August 2009)

 


Ivo Ritzer sucht das „Fernsehen wider die Tabus“

August 29, 2011

Lange Zeit war das Fernsehen das ungeliebte Schmuddelkind. Dumme Unterhaltung für die Massen, und vom Feuilleton genau deshalb weitgehend ignoriert. Das hat sich in den vergangenen Jahren mit Serien wie den „Sopranos“, „The Wire“, „Sex and the City“, „24“ und den „Desperate Housewives“, geändert. Fernsehen ist jetzt, wenn man den Kulturkritikern glauben will, der moderne Gesellschaftsroman und mit ihren Grenzüberschreitungen (Sex! Gewalt! Sprache!! Amoralische Helden.) auch subversiv. Es ist Unterhaltung für gebildete Menschen, während gleichzeitig das Kino immer mehr zum lärmend-infantilen Kindergarten verkommt.

Doch ist das US-Fernsehen, auf den sich der Diskurs über die Qualität des Fernsehens konzentriert und, was angesichts der Marktmacht und weltweiten Verbreitung auch nachvollziehbar ist, wirklich so tabubrechend, wie es sich gerne gibt?

In dem reichhaltig bebilderten Essay „Fernsehen wider die Tabus – Sex, Gewalt, Zensur und die neuen US-Serien“ geht Ivo Ritzer dieser Frage, gerüstet mit dem kulturwissenschaftlichen Analyseapparat, nach.

Außerdem erklärt er den rechtlichen Rahmen, in dem in den USA Serien produziert und im Fernsehen verwertet werden. Kurz gesagt gibt es ein frei empfangbares Fernsehen, in dem bestimmte Jugendschutzrichtlinien gelten (die sich vor allem an nackter Haut [ich sage nur Nipplegate] und obszöner Sprache [„Fuck“ geht gar nicht. Aber „Frack“ geht] orientieren) und dem Bezahlfernsehen, das sich nicht darum kümmern muss. Allerdings wurden einige Serien, die zuerst im Bezahlfernsehen und später im freien Fernsehen gezeigt wurden, für die Zweitverwertung bearbeitet. So wurde bei „Sex and the City“ jedes „fucking“ durch ein „freaking“ ersetzt und damit natürlich auch die gesamte Tonlage der Serie verändert.

Ebenso wurde auf DVD, einer weiteren Verwertungsmöglichkeit, dann die „unzensierte“ Fassung genommen. Wobei „Zensur“ hier locker gebraucht wird, denn natürlich waren die Folgen nicht zensiert, sondern die Produzenten hatten beschlossen, eine harmlosere Fassung zu zeigen. Das zeigte sich in den vergangenen Jahren besonders deutlich bei Spielfilmen, die für die Kinoauswertung in den USA für die PG-13-Freigabe um profane Sprache, nackte Haut und auch Gewaltdarstellungen erleichtert werden, die anschließend auf der unzensierten DVD, manchmal auch als „Director’s Cut“ beworben, finden und im schlimmsten Fall nur im Zeigen eines nackten Busens (was uns Deutsche nicht weiter aufregt) und eines Schimpfwortes besteht (siehe „Zwölf Runden“, „Stirb langsam 4.0“ oder John Waters‘ „A Dirty Shame“, der beim Erstellen der harmlosen Version sichtlich seinen Spaß hatte).

Das relativiert den tabubrechenden Gestus der von den Feuilleton-Kritikern so hochgelobten Serien, die in den USA auch beachtliche Quoten erreichen und in Deutschland fast alle mehr oder weniger grandios gefloppt sind, erheblich, ohne deren erzählerischen, schauspielerischen und inszenatorischen Qualitäten zu mindern.

Über Ritzer Schlußpointe, dass in Wirklichkeit Serien wie „Human Target“ (das mir gefiel) und „Hawaii 5-0“ (das ich für grottenschlecht halte) subversiv seien, muss ich noch einmal nachdenken:

Es ginge demnach weder darum, im Sinne einer nostalgischen Altlinken mit dem Pathos der Transgression vermeintlich Tabuisiertes zu attackieren noch im Sinne einer reaktionären Neurechten in der Rückkehr zu vormodernen Tabus den eigentlichen Tabubruch zu lokalisieren. Vielmehr wäre die Ohnmacht gegenüber der (Simulations-)Macht zu akzeptieren und zum Schein an ihrem Spiel zu partizipieren. Genau dadurch könnte sie zu überlisten sein: im Durchschauen der Systemlogik, das keine Utopie als Horizont mehr reklamiert.

In diesem Sinne wären eher ‚harmlose‘, das heißt jugendfreie und ‚unterkomplexe‘, pseudo-narrative Network-Serien wie ‚Hawaii Five-0 (2010f.; CBS), ‚Human Target‘ (2010f,; Fox) oder ‚Nikita‘ (2010f; CWT) progressiv; in ihrer narzisstischen Fetischisierung der Oberfläche.“

Insgesamt ist „Fernsehen wider die Tabus“ eine gelungene Zusammenfassung des derzeitigen Standes des US-Fernsehens und er liefert auch eine gute Interpretationsfolie.

Ivo Ritzer: Fernsehen wider die Tabus – Sex, Gewalt, Zensur und die neuen US-Serien (Kultur & Kritik 3)

Bertz + Fischer, 2011

136 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Seite von Ivo Ritzer

Jungle World: Ivo Ritzer über „Tabus schauen“ (ein gekürzter Auszug aus „Fernsehen wider die Tabus“)

 

 


Lesebefehl: Frank Göhres „Die Kiez-Trilogie“ ist wieder erhältlich

August 22, 2011

Die Kiez-Trilogie“.

Das klingt verdammt nach Regiokrimi.

Aber das ging damals, als Frank Göhre im Frühjahr 1984 mit Richard K. Flesch, dem legendären Herausgeber der rororo-Thriller-Reihe, über seine neue Romanidee sprach, gar nicht. Damals meinte Flesch auf einen Romanvorschlag von Göhre: „Soweit kommt’s noch, dass Rowohlt kriminelle Heimatschmonzetten veröffentlicht.“

Tja, das war damals, als der Soziokrimi noch lebendig war. Heute veröffentlicht Rowohlt auch Regiokrimis. Damals änderte Göhre sein Konzept. Von der Lüneburger Heide ging’s nach Hamburg. Regisseur Carl Schenkel, mit dem Göhre damals an dem Fahrstuhlthriller „Abwärts“ arbeitete, gab ihm einen „Spiegel“-Artikel über die unglückliche Liebe eines Rentners zu einer Peep-Show-Tänzerin (Hm, klingt irgendwie nach „Professor Unrat“). Göhre begann sich auf der Reeperbahn umzusehen und im Juli 1986 erschien „Der Schrei des Schmetterlings“. Mit „Der Tod des Samurai“ und „Der Tanz des Skorpions“ erzählte er 1989 und 1991 die Geschichte der Polizisten und Verbrecher auf St. Pauli fort. Mit „St. Pauli Nacht“ gab es 1993 einen kleinen Nachschlag und 2006 mit „Zappas letzter Hit“ den vierten St.-Pauli-Roman.

In „Die Kiez-Trilogie“ sind jetzt die ersten drei, eng miteinander verknüpften Romane erschienen und sie sind wahrlich keine Heimatschmonzetten oder Regiokrimis. Sie sind intime Milieustudien von der Hamburger Reeperbahn und der hamburger Melange von Polizei, Verbrechern und Politik. Dabei mischt Göhre Fakten mit Fiktion zu einem Gebräu, in dem immer unklarer wird, wer die Guten und wer die Bösen sind – und mit dem Überführen und Bestrafen der Verbrecher am Ende des Romans funktioniert es auch nicht so gut.

Ich war damals, als die jetzt in der „Kiez-Trilogie“ versammelten Romane vor über zwanzig Jahren erschienen, mächtig begeistert. Das war wirklich mehr Raymond Chandler, Dashiell Hammett, James M. Cain, Jim Thompson, Mickey Spillane und Ross Thomas (um nur einige zu nennen), als der biedere bundesdeutsche Krimi zwischen -ky, Hansjörg Martin, Christine Grän und Felix Huby (obwohl mir die ersten Bienzles gut gefielen).

Jetzt sind die drei St.-Pauli-Romane bei Pendragon wieder veröffentlicht worden. Frank Göhre schrieb das gut dreißigseitige Nachwort „Hamburger Verhältnisse – Hintergründe und Materialien zur Kiez-Trilogie“, in dem er anhand zahlreicher Zitate aus alten Zeitungen zeigt, wie sehr er sich bei seinen Romanen von der Wirklichkeit inspirieren ließ. Außerdem kannte er auch etliche Szenegrößen und recherchierte viel auf St. Pauli, das mit dem heutigen St. Pauli nichts mehr zu tun hat.

Insofern ist „Die Kiez-Trilogie“ auch ein Teil der alternativen deutschen Geschichtsschreibung und die Antithese zum Regiokrimi.

Frank Göhre: Die Kiez-Trilogie

Pendragon, 2011

736 Seiten

16,95 Euro

enthält

Der Schrei des Schmetterlings

rororo, 1986

Der Tod des Samurai

rororo, 1989

Der Tanz des Skorpions

rororo, 1991

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Frank Göhre in der Kriminalakte


Kurzkritik: Jürgen Brater: Keine Ahnung, aber davon viel

August 18, 2011

Zugegeben, das Problem mit der Zukunft ist, dass wir noch nicht wissen, was demnächst geschehen wird. Danach weiß man, was geschehen ist und kann man nur noch sagen: „Damals hielt ich es für eine gute Idee.“

Aber es gibt auch einige Leute, die es besser wissen müssten, weil sie sich beruflich mit bestimmten Fragen beschäftigen. Doch auch sie, wie Jürgen Brater in seinem neuen Buch „Keine Ahnung, aber davon viel – Die peinlichsten Prognosen der Welt“ zeigt, irren sich immer wieder. Teils aus Betriebsblindheit, teils aus Eigeninteresse.

So meinte der US-amerikanische Bischof Milton Wright 1903: „Menschen werden niemals fliegen, denn Fliegen ist den Engeln vorbehalten.“ Oder der US-Präsident Grover Cleveland sagte 1905: „Vernünftige und verantwortungsbewusste Frauen wollen gar nicht wählen.“

Tja, nun, da war wohl eine gehörige Portion Eigeninteresse dabei.

Vollkommen übertrieben fortschrittsgläubig war Alex Lewyt, Chef der US-Staubsagerfirma Lewyt Corporation, 1955, als er sagte: „Nuklear-getriebene Staubsauger werden innerhalb der nächsten zehn Jahre wahrscheinlich Realität sein.“ Auch der Nobelpreisträger Herbert Simon irrte sich, als er 1957 meinte: „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird ein Computer Schachweltmeister.“

Tja, damals war man doch sehr fortschrittsgläubig.

Politikexperten sind auch immer gut für eine Fehlprognosen. So meinte Larry C. Johnson, Anti-Terrorismus-Experte des US-Außenministeriums, am 10. Juli 2011 in der New York Times: „Amerikaner sind von Phantasien über Terrorismus besessen. Sie scheinen zu glauben, dass der Terrorismus die größte Bedrohung der Vereinigten Staaten sei und dass er sich ausbreiten und tödlicher wird. Keine dieser Annahmen basiert auf Fakten.“

Und, wenn wir die Fehlprognosen von Steve Jobs und Bill Gates mal links liegen lassen, hat Steve Chen, Mitbegründer von YouTube, sich 2005 kräftig geirrt, als er sagte: „YouTube wird ein Reinfall. Es gibt einfach nicht so viele Videos, die ich anschauen möchte.“

Brater hat zu jeder Prognose mehr oder weniger ausführlich geschrieben, in welchem Zusammenhang sie gemacht wurde, wer sie gemacht hat, wie die damalige und wie die heutige Realität ist. Das liest sich sehr kurzweilig und ist auch informativ. Allerdings drängt sich bei der Häufung von Fehlprognosen auch mit der Zeit der Eindruck auf, dass die Experten eine Ansammlung von Trotteln sind. Das stimmt aber nicht. Schon Voltaire wusste: „Man kann von Propheten nicht verlangen, dass sie immer irren.“

Denn, so Dan Rather: „Irren ist menschlich. Aber wenn man richtig Mist bauen will, braucht man einen Computer.“

Jürgen Brater: Keine Ahnung, aber davon viel – Die peinlichsten Prognosen der Welt

Ullstein, 2011

304 Seiten

8,99 Euro

Alle Zitate sind aus „Keine Ahnung, aber davon viel“.


„Rambo“-Erfinder David Morrell erzählt seine Version von „Captain America“

August 16, 2011

Egal was man von der am Donnerstag im Kino startenden „Captain America“-Verfilmung hält, sie hat uns die Übersetzung des „Captain America“-Comics von David Morrell beschert.

Genau, der David Morrell, der 1972 John Rambo erfand, danach zahlreiche Bestseller schrieb und auch die Filmromane zum zweiten und dritten „Rambo“-Film schrieb. Morrell mochte beide Filme nicht und er verzichtete auch darauf, den Charakter weiter auszuschlachten. Denn damals, in den Achtzigern, hätte er mühelos mit dem Charakter viel Geld verdienen können. Zuletzt erschien bei uns sein spannender Thriller „Level 9“. Seine letzten drei Romane wurden aus unbekannten Gründen nicht mehr übersetzt.

Captain America“ ist, für alle, die die vergangenen Wochen in einer Höhle verbracht haben, eine Comicfigur aus dem Marvel-Universum. Sie wurde 1941 von Joe Simon und Jack Kirby erfunden. Captain America ist Steve Rogers, ein Hänfling, der gerne zum Militär möchte um seinem Vaterland im Kampf gegen die bösen Nazis zu dienen. Im Rahmen eines geheimen militärischen Projekts bekommt er Quasi-Superkräfte und los geht’s. „Captain America“ ist natürlich eine ultrapatriotische Serie, die vor allem das US-amerikanische Selbstbild des guten Weltpolizisten transportiert. Captain America ist also mehr die von Sylvester Stallone in „Rambo II“ und „Rambo III“ porträtierte Ein-Mann-Kampfmaschine, als der von David Morrell erfundene Outcast, der auch am Ende des Romans „First Blood“ stirbt.

Dass David Morrell seiner „Captain America“-Geschichte, die außerhalb der Kontinuität der regulären, inzwischen von Ed Brubaker geschriebenen „Captain America“-Serie spielt, einen sehr eigenen Dreh gibt, versteht sich daher von selbst.

In Afghanistan kämpft Corporal James Newman für sein Land. Als seine Einheit in einem Hinterhalt gerät, sieht er plötzlich Captain America und gemeinsam können sie Newmans Kameraden retten. Newman wird anschließend geehrt für seine Tapferkeit. Captain America hat dagegen niemand gesehen.

Kurz darauf sollen die Soldaten ein Waffenlager ausheben. Sie dringen in die Höhle ein. Durch eine Explosion werden sie verschüttet und Newman muss sich seinen Ängsten stellen, um seine Kameraden zu retten. Denn er hat furchtbare Platzangst. Und wieder hilft ihm Captain America. Während Newman den Weg aus der Höhle sucht, erzählt Captain America ihm, wie er zu Captain America wurde.

Denn Captain America ist es irgendwie gelungen, in Newmans Kopf zu gelangen.

In Wirklichkeit liegt er in der Nähe von Washington in einem schwerbewachten Labor und kämpft gegen seine rapide schwindenden Kräfte. Gleichzeitig nimmt er an einem Experiment teil. Einem Fernwarhnehmungsexperiment und der Präsident der USA meint zu Captain Americas Teilnahme: „Selbstlos wie immer. Opfert sich auf bis zuletzt.“

David Morrell lässt die Geschichte nicht im platten Patriotismus enden. Schon die in der Geschichte mantraartig immer wieder auftauchenden Worte „Mut, Ehre, Loyalität, Opferbereitschaft“ geben einen Hinweis auf das Ende. Denn diese honorigen Werte und auch soldatischen Tugenden können allzu leicht von der Regierung missbraucht werden. Captain America will aber, wie er Newman sagt, etwas anderes: „Überall im Land gibt es noch andere Männer und Frauen mit ihren Tugenden. Anständige, fürsorgliche Menschen, die bereit sind, Opfer zu bringen. Einige von ihnen sind bereits Helden, auch wenn sie sich selbst nicht dafür halten. Sie bestehen darauf, bloß ihren Job zu erledigen. Menschen, die sich für gewöhnlich halten, obwohl sie die wichtigste, heldenhafteste Arbeit der Welt leisten. Die alles tun, was ihnen möglich ist. Die stets ihr Bestes geben, um das Leben aller zu verbessern. (…) Ich nutze meine letzte Entschlossenheit, um sie dazu zu drängen, in sich hineinzuhorchen, den Edelmut und die Hingabe aufzubringen, die für das beste stehen stehen, wie Menschen sein können. (…) Mit Freuden opfere ich mein Leben, wenn die Menschen dadurch begreifen, dass jeder von ihnen es in sich hat, ein Held zu sein…dass sie alle Captain America sein können.“

Insofern erzählt David Morrell in „Captain America – Der Auserwählte“ in den langen Rückblenden zwar die bekannte Entstehungsgeschichte von Captain America, aber er verleiht ihr seinen eigenen Dreh. Es geht nicht mehr um Patriotismus, sondern um Tapferkeit und Nächstenliebe.

Und, immerhin sind Morrells Bücher durchaus seitenstark und „Captain America – Der Auserwählte“ ist sein erster Comic, erzählt er die Geschichte sehr bildhaft mit sehr wenigen und eher knappen Dialogen, die manche Comicautoren als ziemliche Schwätzer erscheinen lassen.

David Morrell (Autor)/Mitch Breitweiser (Zeichner): Captain America – Der Auserwählte (Marvel Exklusiv 93)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini Comics, 2011

152 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Captain America: The Chosen, Vol. 1 – 6

Marvel, November 2007 – März 2008

Hinweise

Marvel über Captain America (auch hier)

Deutsche Homepage zum Film „Captain America“

Amerikanische Homepage zum Film „Captain America“

Film-Zeit über „Captain America“

Wikipedia über Captain America (deutsch, englisch)

Homepage von David Morell

Meine Besprechung von David Morrell „Level 9“ (Scavenger, 2007)

Meine Besprechung von David Morrells „Creepers“ (Creepers, 2005)

David Morrell in der Kriminalakte

Und jetzt gibt’s noch den Filmtrailer


Jim Thompson will es „Jetzt und auf Erden“

August 15, 2011

Es gibt Rätsel, die wahrscheinlich nie gelöst werden. Dazu gehört, dass ich als bekennender Jim-Thompson-Fan bis jetzt keine Ausgabe von seinem Debütroman „Now and on Earth“ hatte. Dabei ist er, wie alle Romane von Jim Thompson (abgesehen von seinem Filmroman „Ironside“), in den USA leicht erhältlich. Nur bei uns erschien erst jetzt, fast siebzig Jahre nach der Erstausgabe, in der Heyne-Hardcore-Reihe als „Jetzt und auf Erden“ die deutsche Erstausgabe – und jetzt habe ich auch diese für mich unerklärliche Lücke im Werk von Jim Thompson (1906 – 1977) geschlossen.

In seinem semi-autobiographischem Debüt erzählt Jim Thompson von James ‚Dilly‘ Dillon, einem Schriftsteller, der in den frühen Vierzigern in einer Flugzeugfabrik arbeitet, um seine Familie und die halbe Verwandtschaft durchzufüttern.

Jetzt und auf Erden“ ist kein Krimi, aber schon ziemlich Noir in der Hoffnungslosigkeit und dem emsigen und auch ziemlich erfolgreichen Bemühungen des Erzählers Dillon, sich möglichst jede Chance zu verbauen. Die sich in den Gefilden des klassischen Romans (also Mainstream oder Ernste Literatur) bewegende Geschichte gibt auch einen Einblick in die damalige Arbeitswelt. Dabei erscheint die Flugzeugfabrik, weil Ich-Erzähler Dillon sich vor allem um die Buchführung in seiner Abteilung kümmern muss, wie ein kafkaesker Alptraum, in dem Bürokratie, Neid und Hass herrschen. Bei Dillon zu Hause ist es nicht besser – und Jim Thompson zeigt schon in seinem ersten Roman die Schattenseite des amerikanischen Traums. Die Flugzeugfabrik, die wir vor allem als Symbol des Fortschritts und des Aufstiegs kennen, ist hier für alle Beschäftigten die Endstation, in der Arbeiter sogar in bestimmten Abteilungen bleiben, weil sie bei einem freiwilligem Wechsel der Abteilung auf ihre Zulagen verzichten müssen, und langjährige Mitarbeiter sich alles erlauben können. Die Familie ist ein Hort gegenseitiger Abhängigkeiten und der Missgunst, die auch nicht vor Kindern haltmacht. Denn warum soll man einem Kind nicht deutlich sagen, dass es einige Minuten zu früh auf die Welt kam und so kein heißersehntes Weihnachtskind (was von der ganzen Stadt mit Geschenken und Essen versorgt wird) wurde? Und, weil die Frauen im Haushalt Dillon eindeutig in der Überzahl sind, lebt er in einem Matriarchat, das ihn mit ihren Wünschen und teils widersprüchlichen Anforderungen quält. Da ist es fast schon verständlich, dass Dillon zu viel trinkt und nichts schreiben kann. Allerdings will er auch nichts schreiben, weil er in seinem tiefsten Inneren scheitern will.

Jim-Thompson-Fans werden in „Jetzt und auf Erden“ leicht viele Querverweise auf Thompsons Leben finden. Das beginnt schon mit dem Namen des Ich-Erzählers, den Thompson davor als Pseudonym für seine Kurzgeschichten verwandt hatte, geht über die verschiedenen Berufe und Krankheiten von Dillon bis hin zu Dillons Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei. Es tauchen in dem Roman auch viele Themen auf, die in Thompsons Werk immer wiederkehrten.

Bereits mit seinem zweiten Roman „Heed the Thunder“ (1946) ging’s dann in Krimigefilde und in seinem dritten Roman „Nothing more than murder“ (1949, Nichts als Mord; Es war bloß Mord) gab es kein Entrinnen vor dem gierigen Schlund der Kriminalliteratur mehr.

Später schrieb er „The Killer inside me“ (1952, Liebling, warum bist du so kalt?; Der Mörder in mir), „The Getaway“ (1959, Getaway), „The Grifters“ (1963, Die Abzocker; Grifters; Muttersöhnchen) und „Pop. 1280“ (1964, 1280 schwarze Seelen; Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen).

Im Gegensatz zu den USA, wo Jim Thompson inzwischen eine schon übertriebene Wertschätzung erfährt, sind bei uns bei Diogenes nur seine Klassiker „Der Mörder in mir“, „Muttersöhnchen“, „Getaway“ und „Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen“ erhältlich, einige weitere Thompson-Romane gibt es antiquarisch und bis jetzt sind immer noch nicht alle seine düsteren Kriminalromane übersetzt.

Jim Thompson: Jetzt und auf Erden

(Mit einem Vorwort von Stephen King)

(übersetzt von Peter Torberg)

Heyne Hardcore, 2011

336 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Now and on Earth

Modern Age Books, 1942

Grundlage für die Übersetzung war die 1994 erschienene Ausgabe von First Vintage Crime/Black Lizard Edition.

Hinweise

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung der Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“

Jim Thompson in der Kriminalakte


Der „Flammenteufel“ und der Reichstagsbrand 1933

August 8, 2011

Schon auf der zweiten Seite von „Flammenteufel“ entdeckt Ich-Erzähler Eugen Goltz die nackte Leiche der Tänzerin Alice Resow in einem Hotelzimmer. Noch während der Anwalt überlegt, was er tun soll, tauchen zwei Mitglieder der Geheimen Staatspolizei auf und Goltz sieht sich schon als Mörder verhaftet. Denn es ist Oktober 1933 und in Berlin herrschen die Nazis. Goltz hatte mit ihnen bereits vor einigen Monaten, nach dem Reichstagsbrand eine unangenehme Begegnung, die dazu führte, dass er jetzt keinen Pass mehr hat und er nicht weiß, wie gut seine Überlebenschancen sind.

Daher ist er auch ziemlich erleichtert, als er gehen kann. Doch nachdem er zu einem Treffen der mächtigen Geheimgesellschaft „Gesellschaft der Brüder und Schwestern vom Licht“ eingeladen und ihm bei dem Treffen nachdrücklich gesagt wird, dass es ein Selbstmord war, zweifelt er. Denn immerhin hatte Resow, als sie ihn angerufen hatte, keine Selbstmordabsichten geäußert und der Schal, mit dem sie erwürgt wurde, war um ihren Hals und um die Heizung geschlungen. Aber seine Zweifel führen, obwohl er während des Treffens auch die Tänzerin Leni Ravenov, eine Freundin der Toten, trifft, nicht zu aktiven Ermittlungen. Stattdessen besucht er die Verhandlungen gegen die Reichstagsbrandstifter.

Die Verhandlungen hat Bernward Schneider, so schreibt er in einer Vorbemerkung, aus den Verhandlungsprotokollen übernommen und es ist schon interessant zu lesen, wie parteiisch die Verhandlung geführt wurde und wie offensichtlich es schon damals war, dass Marinus van der Lubbe nicht der Brandstifter war. Aber das und die (Mit)täterschaft der Nazis ist Allgemeinwissen – und kann daher auch nicht als Schlusspointe dienen.

Weniger bekannt und, jedenfalls für mich immer wieder sehr erstaunlich und damit letztendlich höchst unglaubwürdig, ist in „Flammenteufel“ der Umgang mit dem Thema Sex. Denn über die Umstände des Todes der Tänzerin Resow, eine autoerotische Selbststrangulation, die Spermaspuren an ihrem Körper, die Benutzung von Kondomen, SM-Praktiken, außerehelichen Geschlechtsverkehr, Treue und Untreue wird gesprochen, als hätten wir 2010, wo inzwischen eine Scheidung normal ist, und und nicht 1933. Das gleiche gilt für die gesellschaftlichen Konventionen. Das liest sich nie nach einem Roman, der irgendwo zwischen „Der Untertan“, „Der blaue Engel“ und „Mephisto“ spielt. Robert Brack gelang mit seinen in den frühen Dreißigern spielenden Kriminalromanen „Und das Meer gab seine Toten wieder“ und „Blutsonntag“ wesentlich besser, die damalige Zeit wiederauferstehen zu lassen. Und dieses Abtauchen in die Vergangenheit ist der Grund, einen historischen Roman zu lesen.

Außerdem ist „Flammenteufel“, auch wenn am Ende einige Handlungsstränge durchaus überraschend miteinander verknüpft werden, schlecht konstruiert. Denn Goltz ist als Erzähler einfach zu passiv. Er wird herumgestoßen. Er wird nicht von sich aus initiativ und am Ende wird ihm die Lösung quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn Goltz die Verhandlungen besucht und er, wie wir, auf den Zuschauerbänken Platz nimmt. Da hätte Bernward Schneider seinem Erzähler eine aktivere Rolle verschaffen müssen. Zum Beispiel als ein Verteidiger eines der Angeklagten, der Beweise für ihre Unschuld sammeln will, der empört über den Prozess ist, der sich fragt, wie viel Widerstand er leisten soll und für den die Tänzerin eine wichtige Entlastungszeugin ist, die die Beweise gegen die Brandstifter an einem geheimen Ort versteckt hat. Das hätte ein spannendes Buch geben können.

Flammenteufel“ ist es nicht.

Bernward Schneider: Flammenteufel

Gmeiner, 2011

288 Seiten

9,90 Euro

Hinweis

Lexikon deutscher Krimiautoren über Bernward Schneider


Jean-Patrick Manchette spielt Wilder Westen in „Der Mann mit der roten Kugel“

August 5, 2011

Jean-Patrick-Manchette-Fans haben lange auf die schon lange, mehr oder weniger laut angekündigte Übersetzung von „Der Mann mit der roten Kugel“ gewartet. Denn bis jetzt war diese zusammen mit Barth Jules Sussman geschriebene Geschichte des Doyen des Néo-Polar nicht ins Deutsche übersetzt worden. Weder bei Ullstein, noch bei Bastei-Lübbe, die in den Achtzigern und Neunzigern, fast alle Werke des am 3. Januar 1995 verstorbenen Autors veröffentlichten. Erst jetzt hat der Distel Literaturverlag das im Rahmen seiner Manchette-Werkausgabe erledigt und es ist auch offensichtlich, warum das Werk nicht früher übersetzt wurde. Denn „Der Mann mit der roten Kugel“ ist ein Western – und Western passen nun mal nicht in eine Krimireihe. Außerdem hatte der Western, wie ein Blick auf die wenigen damals existierenden und inzwischen eingestellten Western-Reihen in den Verlagen zeigt, in Deutschland nie einen leichten Stand.

Dass dieser Western dann noch die Romanfassung eines Films war, erhöhte das Interesse der Verlage nicht. Denn ein Roman zum Film erscheint zum Filmstart und hat, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, eine sehr kurze Halbwertzeit.

Aber es kommt noch schlimmer: „Der Mann mit der roten Kugel“ ist der Roman zu einem nicht existierendem Film. Denn Drehbuchautor Barth Jules Sussman hatte damals die Romanrechte an die Éditions Gallimard verkauft. Er hoffte, dass nach dem Erscheinen des Romans auch ein Film gedreht werden würde.

Robert Soulat, der stellvertretende Leiter der Série Noire, fragte Jean-Patrick Manchette, der damals gerade „Die Affäre N’Gustro“ und „Lasst die Kadaver bräunen!“ (mit Jean-Pierre Bastid) veröffentlicht hatte, ob er eine Romanfassung des Drehbuchs, das damals bald verfilmt werden sollte, schreiben wolle. Immerhin hatte Manchette als Pierre Duchesne bereits Romanfassungen von Filmen wie „Sacco & Vanzetti“ geschrieben. Der Western-Fan Manchette sagte zu und, auch wenn er von dem Drehbuch nicht begeistert war („Es ist ziemlich unbefriedigend, alles ist Maskerade, die Brutalität, die Grobheit – der Einfluss des italienischen Westerns ist deutlich spürbar. Aber es ist dennoch gut verwendbar.“), schrieb er zwischen Januar und März 1972 die Romanfassung. Dabei hielt er sich selbstverständlich an die von Sussman im Drehbuch erfundene Geschichte, die sich kaum von den meisten, damals populären Italo-Western unterschied.

Der Häftling Greene soll mit anderen Häftlingen 1871 in Texas auf der Plantage von Potts Baumwolle pflücken. Greene überzeugt den Oberaufseher Pruitt, dass er an 3.000 Dollar, die er bei einem Banküberfall erbeutet hat, kommen kann. Pruitt hilft Greene bei der Flucht. Aber als er dann die Beute haben will, sagt Greene, dass er ihn belogen habe, schießt ihm in den Fuß und haut ab.

Später wird er, nach einem Besuch bei einer Prostituierten, wieder festgenommen und zurück zur Farm gebracht – und mehr soll nicht verraten werden.

Der Mann mit der roten Kugel“ ist eher ein Nebenwerk von Jean-Patrick Manchette, aber für Komplettisten und Western-Fans, den so groß ist bei uns die Auswahl an neuen Western ja nicht und da erfreut dann auch ein durchwachsenes Werk, natürlich essentiell. Wer Jean-Patrick Manchette noch nicht kennt, sollte allerdings besser mit seinen Kriminalromanen anfangen.

Jean-Patrick Manchette/Barth Jules Sussman: Der Mann mit der roten Kugel

(mit einem Vorwort von seinem Sohn Doug Headline und einem Nachwort von Barth Jules Sussman)

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2011

204 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

L’homme au boulet rouge

Éditions Gallimard, Paris 1972

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Jean-Patrick Manchette

Kaliber.38 über Jean-Patrick Manchette

Mordlust über Jean-Patrick Manchette

Informative Manchette-Seite vom Distel Literaturverlag

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Jean-Patrick Manchette in der Kriminalakte


„Human Target“ Christopher Chance zweifelt

August 3, 2011

In der TV-Serie „Human Target“ war Christopher Chance ein menschliches Schutzschild, dem seine Arbeit gefiel und der von psychischen Problemen gänzlich unbelastet war. Ebenso in dem vor einigen Monaten erschienenem, von Len Wein geschriebenem „Human Target“-Abenteuer „Kopfgeld für den Paten“, das auf der TV-Serie basierte.

In dem jetzt veröffentlichtem Comic „Human Target“ ist das etwas anders. Denn Christopher Chance nimmt hier die Identität des mutmaßlichen Opfers mit Haut und Haaren an – und er beginnt deshalb auch an seiner eigenen Identität zu zweifeln.

Es handelt sich dabei um die beiden Geschichten „Human Target“ und „Human Target: Final Cut“ von Autor Peter Milligan und den Zeichnern Edvin Biukovic und Javier Pulido. Milligan nahm 1999 und 2002 in seinen Geschichten den von Len Wein und Carmine Infantino bereits 1972 erfundenen Charakter, der damals vor allem in „Mission: Impossible“-artigen Geschichten auftrat, und fragte sich, was es für einen Menschen wirklich bedeutet, so sehr in die Haut eines anderen Menschen zu schlüpfen, dass sogar deren besten Freunden und Ehefrauen die Veränderung nicht auffällt.

In der ersten Geschichte des jetzt erschienenen Sammelbandes „Human Target – Band 1“, nimmt Chance in Los Angeles die Identität des afroamerikanischen Predigers Earl James an, der in seinem Viertel gegen die Crack-Lords kämpft und seine Gemeinde zum Kampf gegen die Drogen mobilisieren will. Dass er sich damit auf die Todesliste der Drogenhändler gesetzt hat, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Gleichzeitig ist ein Killer auf Christopher Chance angesetzt – und, hier wird Peter Milligans Geschichte von einer 08/15-Actiongeschichte zu einem komplexen Drama über Identität und Persönlichkeit. Denn Chance fragt sich immer stärker, wer er ist und wie er mit den verschiedenen Identitäten, die er in den vergangenen Jahren eingenommen hat, umgeht. Denn Chance spielt nicht den Charakter, für den er das menschliche Schutzschild ist, sondern er wird zu diesem Menschen und dagegen ist ein Undercover-Einsatz ein Spaziergang.

In „Final Cut“ soll Chance für den Hollywood-Millionär Frank White dessen entführten Sohn Ronan, einen dreizehnjährigen Kinderstar, finden. Chance nimmt dabei auch die Identität von Frank White an. Er entdeckt, wie es sich für eine Krimi-Geschichte gehört, einige Familiengeheimnisse, etwas Schmutz in Hollywoods Hinterhöfen und er findet etwas, das er bisher noch nicht erlebt hat: die wahre Liebe. Dummerweise in seiner Tarnidentität.

Gerade dieser Blick auf die seelischen Nöte von Christopher Chance ist der spannende Aspekt der beiden Geschichten.

Peter Milligan (Autor)/Edvin Biukovic (Zeichner)/Javier Pulido (Zeichner): Human Target – Band 1

(übersetzt von Claudia Fliege und Gerlinde Althoff)

Vertigo/Panini Comics, 2011

200 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Human Target 1- 4

DC Comics 1999

Human Target: Final Cut

DC Comics, 2002

Hinweise

Kriminalakte über die TV-Serie „Human Target“

Thrilling Detective über Christopher Chance

Meine Besprechung von Len Wein/Bruno Redondos „Human Target: Kopfgeld für den Paten“ (Human Target, Vol. 1 – 6, 2010)

 

 


Alter Scheiß? Mario Puzo: Sechs Gräber bis München

Juli 30, 2011

Zehn Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs kehrt der US-Amerikaner Michael Rogan nach Deutschland zurück. Er will die sieben Männer ermorden, die kurz vor Kriegsende seine schwangere Frau folterten und töteten, ihn ebenfalls monatelang folterten und im Innenhof des Münchner Justizpalastes für tot zurückließen.

Mit dieser Prämisse beginnt Mario Puzos lange nicht mehr erhältlicher und jetzt erstmals ins Deutsche übersetzter Krimi „Sechs Gräber bis München“. Als der Roman zum ersten Mal, zwei Jahre vor seinem Bestseller „Der Pate“ (The Godfather) erschien, stand auf dem Cover „Mario Cleri“, ein Pseudonym, das er aus seinem Vornamen und einer Kurzform von Clericuzio, dem Name seiner Mutter nach ihrer zweiten Ehe, zusammengefügt und das er bereits für „True Action“ für Zweiter-Weltkrieg-Geschichten benutzt hatte. „Sechs Gräber bis München“ war damals dann auch einer von abertausend Pulp-Romanen, die vom Publikum schnell gelesen und oft auch ebenso schnell vergessen wurden. Jedenfalls hatte Mario Puzo zu seinen Lebzeiten kein Interesse an einer Wiederveröffentlichung. An der literarischen Qualität, ohne „Sechs Gräber bis München“ jetzt zu einem literarischem Meisterwerk hochstilisieren zu wollen, kann es nicht gelegen haben.

Denn „Sechs Gräber bis München“ ist ein kleiner, geradliniger Rachethriller, der nie mehr sein will als spannende, schnörkellos geschriebene Unterhaltung für einige Stunden. Und das gelingt Mario Puzo mit seiner Geschichte über Michael Rogan, der der Reihe nach seine Folterer in Hamburg, Berlin, Sizilien, Budapest und München umbringt, sich bereits in Hamburg in eine Prostituierte, die nach dem Krieg in einer Irrenanstalt war, verliebt und dem US-Geheimdienst ins Geschäft pfuscht. Denn dieser hat, ebenso wie die deutsche Regierung, kein Problem damit, in dem neuen Deutschland Nazis und Folterer zu beschützen und ihnen auch hohe Posten anzubieten. So ist Rogans letztes Opfer Oberster Richter im Justizpalast und er steht am Beginn einer sehr verheißungsvollen politischen Karriere.

Diese politische Dimension vertieft Puzo nicht weiter. Ebenso beschränkt sich das Zeitkolorit der 1955 spielenden Geschichte auf einige sehr austauschbare Beobachtungen.

Aber Pulp-Fans haben sich noch nie für epische Landschaftsschilderungen interessiert. Sie wollen Spannung, Sex und eine ordentliche Portion Gewalt – und all das bietet Mario Puzo in „Sechs Gräber bis München“. Immerhin will Rogan sechs Menschen in verschiedenen Städten umbringen und er hat dafür nur knappe zweihundert Seiten.

Und das macht die „Sechs Gräber bis München“ in Zeiten backsteindicker Bücher definitiv zum absolut empfehlenswertem Scheiß.

Mario Puzo: Sechs Gräber bis München

(übersetzt von Joachim Körber)

kuk/Edition Phantasia, 2011

196 Seiten

19 Euro

Originalausgabe

Mario Cleri (Pseudonym von Mario Puzo)

Six Graves to Munich

Banner Books, 1967 (No. B 50 – 112)

Hinweise

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

 


HaHa, sehr witzig, die „Verarschung“ von Lars Arffssen

Juli 26, 2011

Dass Lars Arffssen mit „Verarschung“ die Bestseller „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson parodiert, dürfte auch dem Dümmsten sofort auffallen.

Larsson erzählt in seinen drei posthum erschienenen Krimis, wie der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander das Unrecht in Schweden bekämpfen. Dabei decken sie Frauenverachtung, Frauenhass und staatsgefährdende Umtriebe zwischen Geheimdiensten und Verbrecherbanden bis in die höchsten Ebenen des Landes auf. Das ist moralisch honorig, aber nicht besonders gut geschrieben, absolut humorfrei und bestenfalls mäßig geplottet. Denn Larsson ergeht sich in den jeweils etwa 800-seitigen, anscheinend in einem Schreibrausch geschriebenen Werken in zahllosen, oft auch uferlosen und belanglosen Nebengeschichten, unwichtigen Details (kein Computer, ohne dass gleich das Datenblatt mitgeliefert wird; kein Gespräch, ohne dass gleich mehrere Tassen Kaffee getrunken werden), endlosen Wiederholungen und garniert das ganze mit einer pseudo-verschachtelten Struktur, die nur auf den ersten Blick gedankliche Tiefe vortäuschen kann. Das und der überwältigende Erfolg beim Publikum, denn die Bücher sind weltweit Bestseller, die schwedischen Verfilmungen waren ebenfalls kommerziell erfolgreich und in den USA hat David Fincher gerade das Remake von „Verblendung“ gedreht, forderten natürlich eine Parodie heraus und eigentlich ist nur verwunderlich, dass erst jetzt die „Verarschung“ (der deutsche Titel ist viel deutlicher als der US-Titel) von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ erscheint. In ihr ist, wie es sich für eine Parodie gehört, alles hoffnungslos übertrieben. Denn eine Parodie ist „eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung“ (Wikipedia).

Die Verzerrung und die Übertreibung gelingt Arffssen auch ziemlich gut. Die Verspottung nur, wenn man Spott nicht mit Lachen verwechselt. Denn wer die Larsson-Bücher „Verblendung“, Verdammnis“ und „Vergebung“ gelesen hat, wird in der Parodie auch viele bekannte Charaktere mit leicht geänderten Namen und Plotwendungen wiedererkennen. Lizzy Salamander ist, wieder einmal, inhaftiert, weil sie einen Mord begangen haben soll (siehe „Verdammnis“ und „Vergebung“). Mikael Blomberg soll für den Möbelkonzern UKEA den Mord an dem Sohn des Inhabers aufklären und sich mit der Nazi-Vergangenheit des Unternehmens beschäftigen (siehe „Verblendung“). Ein Irrer ermordet Rentiere – und alles hängt miteinander und mit der Familiengeschichte von Salamander zusammen (siehe alle Larsson-Bücher). Wenn Sie jetzt verwirrt sind, haben sie die Methode Larsson verstanden.

Gleichzeitig könnte „Verarschung“, auch weil die Geschichte zeitlich nach „Vergebung“ spielt, als vierter „Millennium“-Band durchgehen. Denn bis auf die astronomischen Minusgrade, den schonungslos übertriebenen Männerhass, der jeden Mord rechtfertigt und nur noch durch einige fiktive Gesetze getoppt wird, und Blombergs unglaubliche Anziehungskraft auf Frauen (nein, halt, das war schon so in der Vorlage), einige Übertreibungen (in Salamanders kleine Gefängniszelle wird ein unglaublich großer Computer geschmuggelt und niemand kümmert es) ist alles so, wie wir es aus den Larsson-Büchern kennen: eine absurde Geschichte, eine unglaubliche Detailversessenheit (kein Computer ohne genaueste Speicherangaben), unendlich langweilige Dialoge (gerne auch über Computer geführt), epische Subplots und unwitzige Witze.

Damit erschöpft sich der Witz von „Verarschung“ schon nach zehn Seiten. Der Rest nötigt etwas Bewunderung ab. Denn Arffssen trifft den Ton des Originals ziemlich gut – und damit könnte „Verarschung“, wenn man einige Übertreibungen herausnimmt, gut als viertes Abenteuer von Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander fungieren.

Als Parodie ist „Verarschung“ dagegen ziemlich in die Hose gegangen. Denn ich konnte nicht einmal Lachen. Noch nicht einmal lächeln.

Lars Arffssen: Verarschung – Die Parodie

(übersetzt von Karolina Fell, Silke Jellinghaus, Katharina Naumann)

Rowohlt, 2011

272 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

The Girl with the Sturgeon Tattoo

St. Martin’s Press, New York, 2011

(erscheint am 30. August 2011)

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


Jürgen Kehrer meint „Fürchte dich nicht!“ vor Zecken

Juli 22, 2011

Es ist ein Kreuz mit den deutschen Polit-Thrillern. Eigentlich gäbe es, wie ein Blick in die Tageszeitung und etwas kriminelle Fantasie (was jeder Krimiautor haben sollte) zeigt, viel zu erzählen. Aber was ich in den vergangenen Jahren von deutschen Krimiautoren gelesen hatte, war dann doch, bis auf wenige Ausnahmen, enttäuschend, teils sogar ärgerlich. Und das liegt nicht daran, dass man bestimmte Geschichten in Deutschland nicht erzählen kann, sondern daran, wie die Geschichte erzählt wird.

Auch Jürgen Kehrers „Fürchte dich nicht!“ bleibt weit unter den Möglichkeiten, die die Prämisse bietet.

Ein Unbekannter hat den durch Zecken übertragenen FSME-Virus genetisch so verändert, dass die Infizierten keine Angst mehr verspüren und teilweise durch den Zeckenbiss auch sterben. Auf Norderney und an einigen anderen Orten gab es mehrere Fälle. Das ist besonders deshalb schlimm, weil auf Norderney in einigen Wochen ein Treffen der EU-Regierungschefs stattfinden soll. Einige werden sich schon jetzt fragen, warum der Bösewicht den Feldversuch mit seinen Zecken ausgerechnet an dem Ort durchführt, an dem er später zuschlagen will.

Aber irgendwo muss der Bösewicht ja mit seinen Untaten beginnen und so lernen wir auch den dorthin versetzte Kommissar Martin Geis kennen. Der erfüllt alles Bedingungen des Klischee-Kommissars: ein Superbulle, der strafversetzt wurde, nachdem er den Liebhaber seiner Frau (gleichzeitig sein Vorgesetzter) verprügelte, inzwischen allein lebend und mit einer ordentlichen Abneigung gegen die da oben ausgestattet; vor allem, wenn sie auf seiner Insel eine hoch gesicherte Tagung durchführen wollen. Dass er ziemlich schnell suspendiert wird und auf eigene Faust ermittelt, überrascht nicht.

Ihm zur Seite steht die Mikrobiologin Viola de Monti vom Bundesinstitut für Infektionskrankheiten (in der profanen Realität das Robert-Koch-Insitut), die als Wissenschaftlerin brillant, als Privatperson aber hoffnungslos verkorkst ist. Dennoch kommen die beiden sich näher (Liebesgeschichte muss sein). Auch sie wird in den Urlaub geschickt (Uhuh, warum schicken die Chefs ihre besten Angestellten immer dann in Urlaub, wenn sie sie doch gerade am Nötigsten brauchen?) und sie sucht auf eigene Faust weiter (Klar, was denn auch sonst?). Gemeinsam suchen die beiden Zwangsurlauber die Quelle. Ihre Ermittlungen führen sie nach Münster (aber sie treffen dort nicht auf den Kehrer erfundenen Privatdetektiv Wilsberg).

Das folgt alles brav den Konventionen des biederen deutschen TV-Krimis und der dort herrschenden Technikphobie. Denn obwohl „Fürchte dich nicht!“ heute spielt und auch Computer und Handys vorkommen, könnte die Geschichte genau so vor zwanzig Jahren, als Laptops noch exotisch waren, Mobiltelefone die Größe eines Reisekoffers hatten und das Internet die Phantasie durchgeknallter Science-Fiction-Autoren war, spielen.

Nachdem unsere beiden tapferen Helden das Haus des Bösewichts mit der Zeckenfarm entdeckt haben (so kurz vor Seite 200), gibt es einige überraschende Wendungen, die die Geschichte in eine episodenhafte Und-dann-Abfolge abgleiten lassen, die sich nicht mehr groß um einen schlüssigen Aufbau kümmert und, auch weil vom Autor nichts davon längerfristig vorbereitet wurde, zunehmend langweilt.

Denn nachdem Geis und de Monti die Zeckenfarm entdeckt haben, bewegt die Handlung sich nicht zielstrebig auf die Konfrontation zwischen den Guten und dem Bösewicht zu, sondern verirrt sich auf Nebenkriegsschauplätzen, das Tempo wird möglichst vollständig gedrosselt und auch die Gefahr vor dem tödlichen Virus ist vor der Tagung bereits gebannt (Nebenbei bemerkt sind Zecken ganz schlechte Krankheitsüberträger, weil sie passiv warten, bis ihr Opfer auftaucht.). Es ist für die Guten auch unklar, ob der Bösewicht wirklich auf der Tagung zuschlagen will (Ja! Immerhin haben wir den Prolog gelesen.), was das Ziel seines Angriffs und was sein Motiv ist. So bleibt der Bösewicht ein blasser Geselle. Und genau das sollte der Bösewicht nicht sein.

Kurz gesagt wurde in der zweiten Hälfte ungefähr alles, was die Spannung hätte steigern können, fast schon zwanghaft vermieden.

Jürgen Kehrer: Fürchte dich nicht!

Grafit, 2011

336 Seiten

9,99 Euro

Erstausgabe

Grafit, 2009

18,90 Euro

Hinweise

Homepage von Jürgen Kehrer

Wikipedia über Jürgen Kehrer

Meine Besprechung von Jürgen Kehrers „Wilsberg und die dritte Generation“

Jürgen Kehrer in der Kriminalakte

Bonusmaterial

 


Kurzkritik: Die „Losers“ kämpfen am „Pass“

Juni 30, 2011

Der dritte „Losers“-Sammelband „Der Pass“ von Autor Andy Diggle und Zeichner Jock (der hier teilweise den Zeichenstift abgab), über eine Spezialeinheit der US-Army, die von ihren Arbeitgebern verraten wurde und die sich jetzt für den Verrat rächen will, besteht aus drei kürzeren Geschichten, von denen nur „Scheich dich!“ unmittelbar an den zweiten „Losers“-Sammelband „Die Insel“ anknüpft. In „Boomerang“ erfahren wir etwas über Aisha, das neueste Mitglied der Losers, und in „Der Pass“ wird der Einsatz geschildert, der dazu führte, dass 1998 aus einer Spezialeinheit des US-Militärs die „Losers“ wurden, sie offiziell für tot gelten und Clay, Jensen, Pooch und Cougar sich an ihren vorherigen Arbeitgebern, die sie während eines Einsatzes ermorden wollten, rächen wollen. Den Befehl dafür gab Max, ein geheimnisvoller Strippenzieher, den niemand kennt. Dieser Max scheint seine Hände in jedem schmutzigen Geschäft der vergangenen Jahrzehnte zu haben. Bei ihrer Jagd nach Max erfahren die „Losers“, dass sich dabei um eine CIA-Tarnidentität handelt, die offiziell nicht mehr benutzt wird.

Auch, oder gerade weil Andy Diggle und Jock, sich in „Der Pass“ Zeit nehmen im Rahmen von actionhaltigen Geschichten, wie einer Gefangenenbefreiung und einem Einsatz in Pakistan, mehr über die einzelnen Charaktere zu erzählen, macht der dritte „The Losers“-Sammelband als kleiner Schritt vom Wege Spaß.

Und wer die kurzweilige Verfilmung „The Losers“ von Sylvain White mit Jeffrey Dean Morgan, Zoe Saldana, Chris Evans, Idris Elba und Columbus Short kennt, kann sehen, wie die Entstehungsgeschichte der Losers von Pakistan (im Buch) nach Südamerika (im Film) verlegt wird, aber die wichtigsten Punkte der Geschichte erhalten blieben.

Andy Diggle (Autor)/Jock/Nick Dragotta/Alé Garza (Zeichner): The Losers: Der Pass – Band 3

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2011

172 Seiten

18,95 Euro

Originalausgabe

The Losers 13 – 19

Vertigo/DC Comics 2005

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Shawn Martinbroughs „The Losers: Die Insel – Band 2“

Bonusmaterial


Kurzkritik: Birgit Lautenbach/Johann Ebend: Hühnergötter – Ein Hiddensee-Krimi

Juni 22, 2011

Erinnern Sie sich an den Auftritt des Kinderchores, bei dem alle Noten da waren, nur nicht in der richtigen Reihenfolge? Nun, bei „Hühnergötter – Ein Hiddensee-Krimi“ geht es einem ähnlich. Es ist alles da, aber nichts stimmt. Naja, die Länge ist okay.

Aber der Rest? Da wird auf der kleinen Ostsee-Insel Hiddensee ein Baby entführt. Die beiden Inselpolizisten rufen Hilfe vom Festland, die Insel wird auf den Kopf gestellt und selbstverständlich findet einer der beiden Inselpolizisten dann auch das Baby. Aber wie es dazu kommt ist ganz schlecht mit Kommissar Zufall und einem dieser Alleingänge, die Polizisten in schlechten Krimis immer machen müssen, zusammenfantasiert.

Dabei hätte aus „Hühnergötter“ ein guter Krimi und eine feine Sozialstudie werden können, wenn, ja wenn das Autorenduo recherchiert hätte, wie die Polizei ein auf einer Insel verschwundenes Kind sucht, die Charaktere schärfer gezeichnet wären, die Kindesentführerin ein Gesicht und gute Gründe für ihr Tun bekäme, die Eltern des Babys mehr als Abziehbilder wären, die Inselpolizisten (die ja in weiteren Büchern ermitteln) gute Auftritte bekämen, das Verhältnis von Haupt- und Nebencharakteren geklärt wäre (im Moment sind alle irgendwie gleich unwichtig), es einen stringenten Plot (und keine Ansammlung zusammenhangloser Szenen) gäbe und, immerhin ist „Hühnergötter“ von seiner Struktur her ein Thriller, es spannend wäre.

Aber auch dann stünde man noch vor der Frage, warum jemand auf einer Insel, von der er nicht flüchten kann, ein Baby entführen sollte. Das klingt doch sehr nach dem Wunsch des Autorenduos Birgit Lautenbach und Johann Ebend, das sich so oft wie möglich auf Hiddensee aufhält, einfach eine Geschichte auf Hiddensee spielen zu lassen und, weil Krimis halt gut laufen, diese Liebeserklärung in einen Krimi mit einem möglichst spektakulärem Fall packt.

Entstanden ist so ein biederer Krimi, der von ebenso biederen TV-Krimis inspiriert (deutsche natürlich, britische und amerikanische TV-Krimis ignoriert man ja, weil die erstens schlecht sind und zweitens sowieso nicht in Deutschland spielen können) und, trotz der wenigen Seiten, verquast ist. Aber der Untertitel „Ein Hiddensee-Krimi“ ist ja ein deutlicher Hinweis auf die anvisierte Käuferschaft.

Birgit Lautenbach/Johann Ebend: Hühnergötter – Ein Hiddensee-Krimi

(durchgesehene Neuveröffentlichung)

Goldmann, 2011

160 Seiten

7,99 Euro

Erstausgabe

Prolibris Verlag, 2005

Hinweis

Alligatorpapiere: Befragung von Birgit Lautenbach und Johann Ebend

 


Damn it! James N. Frey verrät, „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“

Juni 15, 2011

Zwischen 1984 und 1992 veröffentlichte James N. Frey neun Kriminalromane und sein „The Long Way to Die“ war 1988 als bestes Taschenbuch für den Edgar nominiert.

1987 veröffentlichte er seinen ersten Schreibratgeber „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ (How to write a damn good novel) und in den vergangenen zwanzig Jahren verdiente er sein Geld als Lehrer.

Sein neuester Schreibratgeber widmet sich, wie der Titel „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ verrät, einem sehr beliebtem Genre und er bietet auch einige gute Einsichten, warum bestimmte Thriller funktionieren und andere nicht thrillen. Aber ein verdammt gutes Buch ist „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ nicht, weil Frey gefühlte hundertmal pro Seite „verdammt“ sagt und weil die Empfehlungen, wenn sie stumpf angewandt werden, zu einem formelhaftem Thriller führen; – was bei einigen Thrillern, vor allem wenn sie unglaublich clever (sein zweites Lieblingswort) sein wollen, allerdings schon ein beträchtlicher Gewinn für uns Leser und Zuschauer wäre. Denn: „Meistens ist es (…) nicht die Idee, sondern die Ausführung, die zählt.“

Eine dieser von Frey genannten cleveren Ideen ist, dass wir erst am Ende erkennen, dass unser Held eigentlich der Bösewicht ist oder der Bösewicht erlebt am Ende eine wundersame Wandlung. Nun, nach Frey, funktioniert dies meistens nicht. Als Beispiel nennt er das Ende der Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“ (zum Glück zerstört das Ende nicht den Film, aber es ist schon ein gewaltiger Downer).

(Frey erwähnt zwar nicht „The Rock“. Aber er hätte es tun können. In dem Action-Thriller sollen Sean Connery und Nicolas Cage Ed Harris daran hindern, eine Bio-Bombe in ein vollbesetztes Stadion zu werfen. Harris, der einen Army-Soldaten spielt, hat sich mit anderen Soldaten und einem Haufen Geisel auf Alcatraz versteckt. In der letzten Sekunde beschließt Harris, seinen Plan doch nicht durchzuführen. In dem Moment fragte ich mich im Kino, warum ich mir die vorherigen zwei Stunden angesehen hatte.

Doch zurück zum Buch.)

Für Frey ist das seit Jahrhunderten bekannte Muster für einen Thriller: „Ein cleverer Held hat die ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern oder zu bekämpfen. Der Held ist tapfer; er steckt in furchtbaren Schwierigkeiten; die Mission ist dringend; es steht viel auf dem Spiel; und am besten ist es, wenn der Held sich für andere aufopfert.“ Oder noch kürzer: „Ein cleverer Held hat die dringende und ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern.“

Das klingt jetzt etwas banal, aber wenn der Held nur ein ganz gewöhnlicher Mensch ohne besondere Fähigkeiten wäre und wenn die Aufgabe nicht scheinbar unmöglich wäre (immerhin gewinnt er am Ende ja, aber nur unter großen Anstrengungen, meistens indem er sein Leben riskiert) und der Bösewicht nicht abgrundtief böse wäre (sich also durch nichts von seinem Ziel, auch wenn es noch so bescheuert ist, abbringen lassen will), dann haben wir wahrscheinlich auch keinen guten Thriller – und auch keinen guten Roman. Denn Frey wendet einfach nur das Grundprinzip für eine dramatische Geschichte auf den Thriller an.

Sehen wir uns einfach David Baldaccis, von und mit Clint Eastwood verfilmten Thriller „Absolute Power“, den Frey für einen – wir ahnen es – „verdammt guten Roman“ und „verdammt guten Film“ hält, an: ein Einbrecher (besondere Fähigkeiten!) beobachtet bei einem Einbruch, wie der Präsident der USA seine Geliebte umbringt. Der Einbrecher wird fortan von den Bodyguards des Präsidenten, die auch den gesamten Polizeiapparat auf ihn ansetzen, gejagt – und der Einbrecher muss seine Unschuld beweisen. Wenn das keine unmögliche Aufgabe ist.

William Goldman, der das Drehbuch schrieb und dafür den Roman kräftig veränderte, meint in seiner kurzweiligen Mischung aus Hollywood-Anekdoten, Biographie und Schreibratgeber „Wer hat hier gelogen?“ selbstkritisch-ironisch „’Absolute Power‘ ist kein herausragender Film“, aber der Film funktioniert als Thriller von der ersten bis zur letzten Minute.

Die meiste Zeit verbringt James N. Frey in seinem neuesten Schreibratgeber, indem er beispielhaft an mehreren Geschichten zeigt, wie ein Thriller konstruiert werden kann. Das hat zwar den Vorteil, dass anhand einiger Beispiele, die er von den ersten Ideen über die Konstruktion des Helden und des Bösewichts hin zu den einzelnen Elementen einer Geschichte entwickelt, zeigt, „wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“. Aber andererseits langweilt das kleinteilige Durchexerzieren aller Arbeitsschritte auch und hinterlässt schnell den Eindruck des Seiten-Schindens.

Dennoch sind die Tipps und Hinweise von James N. Frey nützlich, um entweder einen spannenden Thriller zu schreiben oder bei einem Thriller zu wissen, was einem wahrscheinlich warum nicht gefällt. Auch weil Frey seine Meinung mit vielen Film- (mehr) und Roman-Beispielen (weniger) belegt.

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt

(übersetzt von Ellen Schlootz)

Emons, 2011

304 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

How to Write a Damn Good Thriller. A Step-by-Step Guide for Novelists and Screenwriters

St. Martin’s Press, 2010

Hinweis

Homepage von James N. Frey