Kurzkritik: Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker

In den vorherigen „The Goon“-Sammelbänden von Autor und Zeichner Eric Powell war der Goon ein schlagkräftiger Gangster mit dem Herzen am rechten Fleck, einer Unzahl oft nicht menschlicher Gegner und einer satten Portion Humor. Die eher kurzen Geschichten spielten in einer Retro-Welt, die an die noirischen Hollywood-Krimis und Abenteuerfilme aus den vierziger und fünfziger Jahren erinnerte.

In dem neuesten „The Goon“-Buch „Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker“ erzählt Eric Powell nur eine Geschichte und besonders witzig ist sie nicht. Eher schon tragisch und auch eine liebevolle Hommage an die klassischen Kriminalfilme der vierziger Jahre, als Chinatown eine exotische Welt voller Geheimnisse und Verbrechen war. Dass es dabei auch um eine Frau ging und dass der Goon in sie verliebt war, versteht sich von selbst. Damals wollte Triaden-Boss Xiang Yao sich in Goons Stadt einnisten und der Goon trifft Isabella, die er noch aus seinen Jugendjahren auf dem Jahrmarkt kennt und die inzwischen für Xiang Yao arbeitet.

Doch der Goon schwelgt nicht nur in Erinnerungen an seine unglückliche Liebe. Denn in der Gegenwart muss er sein Revier gegen den geheimnisvollen Mr. Wicker verteidigen. Und wieder gibt es eine Femme Fatale.

Chinatown“ ist Powells bislang anspruchsvollste Arbeit. Nachdem in den vorherigen „The Goon“-Geschichten die Lacher im Vordergrund standen (wobei die Witze und die Verknüpfung der verschiedenen Ebenen zwischen Wirklichkeit und Comicwelt und die zahlreichen Anspielungen auf andere Werke, zeigten, dass Powell nicht nur „lustige Kack-Witze“ [Powell über Powells Schaffen] erzählte), erzählt er jetzt eine große, auf mehreren Zeitebenen spielende, fantastisch gezeichnete Geschichte, die uns einiges über Goons Vergangenheit und wie er zu dem Mann wurde, der er heute ist, verrät. Und Eric Powell erhielt für „Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker“ zwei weitere Eisner-Awards, dem Oscar der Comicbranche.

Wie immer bei Cross Cult gibt es auch beim siebten „The Goon“-Band viel informatives Bonusmaterial. Dieses Mal sind es Vorworte von Eric Powell und David Fincher, der auch in die „The Goon“-Verfilmung involviert ist (Anscheinend ist inzwischen alles drehbereit.), einen ausführlichen, von Eric Powell kommentierten Blick in sein Skizzenbuch für diese „The Goon“-Geschichte und ein sechsseitiges Interview mit Eric Powell.

Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker (The Goon 7)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2011

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: Chinatown and the mystery of Mr. Wicker

Dark Horse Comics, 2007

Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)“ (The Goon: Virtue and the grim consequences thereof, 2006/2010)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Böses Blut (Band 6)“ (The Goon: Wicked Inclinations, 2007/2010)

Hier noch einmal die Teaser für die geplante „The Goon“-Verfilmung

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