Tatort-Romane – zum Zweiten

November 24, 2009

Neben den Kölner „Tatorten“ wird normalerweise dem Münchner „Tatort“ ein konstant hohes Niveau attestiert. Doch während die Kölnern einen Hang zum penetranten Moralisieren haben, behandeln die Münchner auch schwierige Themen mit einem guten Gespür für die Münchner Eigenheiten und ohne den hocherhobenen moralischen Zeigefinger. Daran haben, für das aktuelle Team, renommierten Regisseure, wie Dominik Graf, Josef Rödl und Hanns Christian Müller, und, schon seit Jahrzehnten ,die Drehbuchautoren, die öfters auch erfolgreiche Krimiautoren sind, beigetragen. Herbert Rosendorfer, Michael Molsner, Peter Hemmer, Herbert Riehl-Heyse, Ulf Miehe, Robert Hültner und auch Friedrich Ani schrieben Drehbücher für die Münchner Kommissare.

Der Letztgenannte schrieb auch das Drehbuch für den Whodunit „A gmahde Wiesn“ in dem die Kommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic, kurz vor dem Beginn des Oktoberfestes, den Mord an Stadtrat Hubert Serner aufklären müssen. Serner war ein Casanova und hatte bei der Vergabe der sehr einträglichen Lizenzen für die Wiesn das letzte Wort. Weil, neben Sex, Geld immer ein gutes Mordmotiv ist, sehen die beiden Kommissare sich die Wiesn-Wirte und ihre erfolglosen Konkurrenten an.

Das Tätersuchspiel ist nur der rote Faden für eine Liebeserklärung an Münchens größtes Volksfest und eine feine Soziographie des Millionengeschäftes Oktoberfest.

Denn Ani will in erster Linie ein Milieu erkunden. Dabei kann er dieses Mal, im Gegensatz seinen ebenfalls sehr gelungenen Münchner „Tatorten“ „Das Glockenbachgeheimnis“ und „Und dahinter liegt New York“, auch für die touristischen Seiten seiner Heimatstadt werben. Im Film führt das zu einigen länglichen Monologen, in denen die städtischen Lizenzvergeber, Wirte und Schausteller das nötige Hintergrundwissen über die ökonomischen Aspekte des Oktoberfestes vermitteln. Im Roman fallen diese Monologe nicht mehr ins Gewicht. Und die Sympathie für die kleinen Leute schimmert in Martin Schüllers Romanfassung vielleicht sogar etwas stärker als im Film durch. „A gmahde Wiesn“ ist, wie von den Münchner gewohnt, ein guter Krimi.

Der Bremer „Tatort“ wagte, sicher auch weil viel weniger Folgen gedreht werden, in den vergangenen Jahren immer wieder Experimente. Es gab sterbenslangweilige Whodunits, gelungene Milieustudien, ergreifende Fallstudien, in denen Kommissarin Inga Lürsen nur noch eine Nebenrolle hatte, eine tolle Aufarbeitung von „1968“, eine überflüssige von „9/11“ und packende Thriller.

Strahlende Zukunft“ ist sogar – eine Seltenheit im deutschen TV – ein Politthriller, der die Verflechtungen von Politik und Wirtschaft ziemlich genau durchleuchtet und auf ein einfaches Happy-End verzichtet.

Denn Kommissarin Inga Lürsen kämpft an zwei Fronten. Einerseits versucht sie Daniel Vegener, der mit ihrer Dienstwaffe flüchtete, von einer Dummheit abzuhalten. Er möchte beweisen, dass seine Mutter Sandra Vegener nicht verrückt war, als sie auf dem Marktplatz Richter Weller überfuhr und sich anschließend umbrachte. Sie war in der Psychiatrie eingewiesen worden, nachdem sie, zunehmend fanatisch, nach dem Leukämietod ihrer Tochter gegen die Sendemasten der Telefongesellschaft 2wave protestierte und behauptete, dass sie mit Strahlen in den Wahnsinn getrieben werden solle. Lürsen die ihr damals nicht geholfen hatte, möchte jetzt beweisen, dass die Anschuldigungen von Sandra Vegener stimmen. Aber 2wave hat weltweite Verbindungen und ist auch an einem polizeilich-militärischem Forschungsprojekt, das von Bremer Senat gefördert wird, beteiligt.

Während Lürsen den amoklaufenden Jungen sucht, versucht die Telefongesellschaft 2wave alles, um ihre Geschäfte zu sichern. Ein Menschenleben ist dabei nur eine Variable in ihrer Kostenrechnung.

Die Story hat, wenn der junge Vegener, der Killer der Firma und Kommissarin Lürsen die gleiche Beute verfolgen, eine in deutschen Krimis viel zu seltene Thriller-Spannung.

Allerdings erscheint die Reaktion von Lürsen auf den Tod von Vegener etwas übertrieben. Sie fühlt sich schuldig ihr vorher nicht geholfen zu haben und will jetzt unbedingt beweisen, dass die Selbstmörderin nicht verrückt war. Gleichzeitig, was allerdings inzwischen ein in den „Tatorten“ so gewohnter Mechanismus ist, dass es wahrscheinlich eine senderübergreifende Richtlinie dafür gibt, ist Lürsen ganz plötzlich, während der gesamten Folge, hochempört über die Gefahren von Handystrahlen und flippt vollkommen aus, als sie von den Forschungen für den Einsatz von nicht-tödlichen Waffen erfährt. Denn Lürsen glaubt, dass an Vegener eine sich offiziell noch in der Testphase befindende Waffe ausprobiert wurde, die mit Strahlen Menschen kampfunfähig machen kann.

Da wäre, wie so oft, etwas weniger folgenlose Empörung glaubwürdiger gewesen. Denn natürlich wirft Lürsen ihr Handy nicht weg und sie wird auch nicht zur Kämpferin gegen Handystrahlen.

Auch auf den Streit zwischen ihr und Stedefreund hätte ruhig verzichtet werden können. Denn dass die Kommissare während der Ermittlungen in wichtigen Fragen eine vollkommen gegensätzliche Meinung haben, und diese mit der lautstark-effekthascherischen Energie von Politikern in einer Talkshow austragen, ist inzwischen ein weiterer fester Bestandteil von jedem „Tatort“-Team, der so gehäuft einfach nur noch nervt. Früher, am Besten in den immer noch aktuellen Trimmel-“Tatorten“, wurde das viel besser gehandhabt.

Davon abgesehen ist „Strahlende Zukunft“ einer der gelungenen Bremer-“Tatorte“ und Christoph Ernsts Romanfassung eine flott gelesene Lektüre.

 

Fortsetzung folgt

 

Martin Schüller: A gmahde Wiesn

Emons, 2009

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: A gmahde Wiesn (D 2007)

Regie: Martin Enlen

Drehbuch: Friedrich Ani

mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Monika Baumgartner, Franziska Schlattner, Georg Maier, Fred Stillkrauth, Joram Voelklein, Bettina Redlich, Michael Tregor, Philipp Sonntag, Christian Hoening, Anita Matija, Sabine Bach

Erstausstrahlung: 23. September 2007 (Folge 674)

Christoph Ernst: Strahlende Zukunft

Emons, 2009

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: Strahlende Zukunft (D 2007)

Regie: Mark Schlichter

Drehbuch: Christian Jeltsch

mit Sabine Postel, Oliver Mommsen, Winfried Hammelmann, Ulrich Noethen, Inka Friedrich, Constantin von Jascheroff, Peter Davor, Ann-Kathrin Kramer, Alexander Radszun

Erstausstrahlung: 26. August 2007 (Folge 671)

Hinweise

Kriminalakte: Gespräch mit Hejo Emons über die Tatort-Reihe

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Ersten (Oliver Wachlin: Blinder Glaube; Martin Schüller: Die Blume des Bösen)


Tatort-Romane – zum Ersten

November 23, 2009

Der „Tatort“ ist seit Jahrzehnten ein fester Anlaufpunkt für den Sonntagabend. Seit einigen Jahren ist er sogar „Kult“, aber bis jetzt gab es nur einige spärliche Versuche, die Erfolgsmarke „Tatort“ in andere Medien zu übertragen. Seit letztem Jahr gibt es den mäßig erfolgreichen Radio-Tatort. Demnächst werden einige willkürlich ausgewählte „Tatorte“ auf DVD veröffentlicht und kürzlich sind sechs „Tatort“-Romane erschienen. Es sind Romanfassungen von bereits ausgestrahlten „Tatorten“ mit vier altbekannten und zwei neuen Teams. Und, soviel kann schon verraten werden: sie sind alle, eine gewisse „Tatort“-Affinität vorausgesetzt, lesenswert.

Beginnen wir vor meiner Haustür. In Berlin ermitteln die Kommissare Till Ritter (Typ: Großstadtcowboy) und Felix Stark (kein Typ, nur ein alleinerziehender Vater). Als sie begannen, war die senderinterne Parole, den Berlin-Tatort von seinem wirklich ganz schlechten Image zu befreien. Das ist auch gelungen. Denn auch ohne die rosarote lokalpatriotische Brille können die Berliner „Tatorte“ goutiert werden. Aber besser ist noch lange nicht gut. Das zeigt auch die von Oliver Wachlin geschriebene Romanfassung von „Blinder Glaube“. Es geht um medizinische Experimente, Förderung von Gründern und um den Hightech-Standort Berlin. Das sind spannende Themen für einen Wirtschafts- und Wissenschaftsthriller, die hier zu in einer hoffnungslos konfusen Geschichte verbraten werden. Die Kommissare Ritter und Stark müssen den Mord an der Chefärztin einer Uni-Augenklinik aufklären. Sie war eine wichtige Mitarbeiterin eines Projektes, das mittels eines Chips Blinde wieder sehen lassen soll. Bei ihren Ermittlungen stellen die Kommissare schnell fest, dass die Projektleiter, die Chefs der damit verbundenen Firma und die Fördergeldgeber im Ministerium alle miteinander verbandelt sind. Mal verwandschaftlich, mal freundschaftlich, mal sexuell, mal seit Studientagen. In jedem Fall schanzen sie sich munter hochdotierte Aufträge zu und nehmen es mit der Wahrheit in den Unterlagen nicht so genau. Als ob das Auseinanderklamüsieren der verschiedenen Beziehungen nicht schon kompliziert genug wäre, dürfen beide Kommissare sich mal wieder verlieben. Felix Stark in eine blinde Patientin. Till Ritter – Überraschung! – in eine Verdächtige.

Das haben wir schon gefühlte Tausendmal gesehen und weil zu viele, austauschbare Charaktere durch die Geschichte stolpern, entsteht schnell das Gefühl, in einem Edgar-Wallace-Film zu sein. Das ist beim Ansehen (zum Beispiel wenn Ritter seine Tango-Stunden nimmt) noch halbwegs vergnüglich, aber in Romanform doch eher langweilig. „Blinder Glaube“ ist der schwächste „Tatort“-Roman.

Überhaupt nicht langweilig ist dagegen „Die Blume des Bösen“. Denn dieser Fall für die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk funktioniert in erster Linie als Thriller. Ein Unbekannter ermordet einen lange zurückliegenden One-Night-Stand von Kommissar Ballauf und hinterlässt am Tatort eine rote Lilie. Schnell wird den Ermittlern klar, dass der Mörder sich an Ballauf rächen will. Aber welcher von den zahlreichen Verbrechern, die Ballauf in den vergangenen Jahren verhaftete, ist es? Und woher weiß er soviel über ihn?

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Mörderjagd für den Single Ballauf, weil gerade jetzt seine Lieblingscousine Beatrice ins Krankenhaus muss und er sich bereit erklärt hat, auf ihre kleine Tochter aufzupassen.

Die Jagd nach dem Mörder bestimmt den Rhythmus von „Die Blume des Bösen“. Der mordet natürlich munter weiter und terrorisiert Ballauf zunehmend mit seinen Psycho-Spielen. Im Roman von Martin Schüller werden die Thriller-Momente noch stärker als im Film betont. Dafür wird die im Film sehr nervige und viel zu umfangreich gezeigte Geschichte von Ballaufs Zahnschmerzen heruntergespielt. Denn es ist nicht witzig und macht den Helden auch nicht sympathisch, wenn er sich tagelang mit mörderischen Zahnschmerzen durch die Geschichte jammert, anstatt sich einfach behandeln zu lassen.

Fortsetzung folgt

Oliver Wachlin: Blinder Glaube

Emons, 2009

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: Blinder Glaube (D 2008)

Regie: Jürgen Bretzinger

Drehbuch: Andreas Pflüger

mit Boris Aljinovic, Dominic Raacke, Anne Kanis, Justus von Dohnányi, Jörg Gudzuhn, Gesine Cukrowski, Ernst-Georg Schwill, Veit Stübner

Erstausstrahlung: 31. August 2008 (Folge 703)

Martin Schüller: Die Blume des Böse

Emons, 2009

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: Die Blume des Bösen (D 2007)

Regie: Thomas Stiller

Drehbuch: Thomas Stiller

mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Tessa Mittelstaedt, Joe Bausch, Nadeshda Brennicke, Jürgen Schornagel, Luzie Kurth

Erstausstrahlung: 1. Januar 2007 (Folge 651)

Hinweis

Kriminalakte: Gespräch mit Hejo Emons über die Tatort-Reihe


Das Buch, das nicht erscheinen sollte

November 17, 2009

Achtung, Kritik enthält Spoiler! Deshalb:

 

Ehre, wem Ehre…“ von W. W. Domsky ist ein banal-ärgerlicher Krimi, der vollkommen unbemerkt erschienen wäre, wenn es da nicht ein buchbegleitendes Ereignis gegeben hätte, das – ohne Kenntnis des Werkes – zu einer erregten Debatte über die Kunst- und Meinungsfreiheit führte.

Weil sich in einem halben Jahr niemand mehr daran erinnert, muss auch das hier erklärt werden.

 

Der Skandal

 

Der Droste-Verlag will den Krimi wegen islamfeindlicher Passagen nicht veröffentlichen. Er habe ihn vor der Veröffentlichung von einer Islam-Expertin prüfen gelassen. Diese hätte einige Passagen als problematisch markiert und, nachdem eine Rücksprache mit der Autorin fruchtlos verlief, entschied er sich, das im Katalog bereits angekündigte Werk nicht zu veröffentlichen.

Die Autorin Gabriele Brinkmann, die „Ehre, wem Ehre…“ als W. W. Domsky veröffentlichen wollte, geht Anfang Oktober an die Öffentlichkeit. Sie wolle sich nicht vorschreiben lassen, was sie zu schreiben habe und außerdem beträfen die kritisierten Passagen Dialoge.

Es gibt eine Debatte, ob die Angst des Verlegers vor Anschlägen berechtigt sei. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren große Proteste gegen Mohammed-Karikaturen und einen Ehrenmord-„Tatort“. Etliche Komiker haben sich zu dem Thema freiwillig eine Maulsperre verordnet. In Berlin wurde eine “Idomeneo“-Aufführung in der Deutschen Oper wegen diffuser Warnungen der Polizei vom Spielplan abgesetzt (das Stück wurde später ohne Proteste aufgeführt).

Andererseits wurde die Freiheit der Kunst und die Meinungsfreiheit angeführt. Denn selbstverständlich darf in einer liberaldemokratischen Demokratie keine Gruppe einer anderen vorschreiben, was sie zu sagen hat. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Es wurde gesagt, dass ein Romancharakter sich islamfeindlich äußere und dass so etwas als die Rede einer erfundenen Figur nicht zensiert werden könne.

Währenddessen griff – der Dramaturgie von Skandalen gehorchend – ein anderer Verlag zu und veröffentlichte den Roman pünktlich zur Frankfurter Buchmesse. Selbstverständlich publizierte der Leda-Verlag das Manuskript ohne Änderungen.

 

Meine Meinung zu Skandalen

 

Sie sind oft die Aufregung nicht wert.

Oft ist das einzig Interessante an dem Skandalwerk der Skandal.

Oft wird an dem Werk etwas skandalisiert, das vor allem zeigt, dass die Empörten das Werk nicht genauer betrachtet und verstanden haben.

 

Das Werk

 

Auch bei „Ehre, wem Ehre…“ ist der Skandal das Interessantestes an dem Krimi, der in der Debatte nur die Funktion eines MacGuffins für die altbekannten Reflexe hatte. Denn als spannender und aufklärerischer Krimi ist „Ehre, wem Ehre…“ gründlich misslungen. Die Ermittlerin ist unsympathisch, das Plotting ist überraschungsfrei und das Thema Ehrenmord wird eindimensional behandelt.

Die Heldin des Romans ist Kommissarin Thea Zinck. Sie ist eine rechthaberische, rassistische Alkoholikerin, die, wenn sie nicht schon besoffen zur Arbeit erscheint, sich umstandslos mit der im Schreibtisch gelagerten Schnapspulle versorgt. Trotzdem darf sie weiter arbeiten. Denn betrunken zur Arbeit zu erscheinen, ist im Öffentlichen Dienst anscheinend kein Entlassungsgrund.

Als an einem Samstagmorgen im Ruhrpott auf offener Straße mehrere Türken erschossen werden, kennt die besoffen am Tatort erscheinende Kommissarin sofort das Motiv und damit auch die Täter. Das Massaker war ein Ehrenmord und die Familie der toten Türkin hat’s getan. Beweise hat sie selbstverständlich keine. Ihr Chef favorisiert dagegen als Mordmotiv einen Bandenkrieg. Aber nach einigen Schnäpsen bei einem mit ihr befreundeten Unterweltboss ist die für sie sowieso unhaltbare These von einem Bandenkrieg endgültig aus der Welt geschafft. Im folgenden bemüht Zinck sich, möglichst jeden Türken, den sie trifft, zu beleidigen.

Das gelingt ihr auch ausgezeichnet.

Überhaupt nicht gelingt es dagegen der Autorin W. W. Domsky die Gründe für das unsoziale und beleidigende Verhalten ihrer Kommissarin zu erklären. Es wird niemals deutlich, woher Kommissarin Zincks Hass auf alles Türkische und Islamische kommt und warum sie Alkoholikerin wurde. Damit wird auch jede Form von Anteilnahme und Sympathie für sie ausgeschlossen. Denn wer möchte schon einer Rassistin zujubeln? Wer bewundert schon eine Alkoholikerin? Und wer möchte gerne seine Zeit mit einer Rechthaberin verbringen?

Als mögliche Gegenpole zu der unsympathischen Hauptfigur funktionieren ihre Kollegen nicht. Ihr Partner Kai Stettner ist ein heulsuseliger Naivling, der wohl den archetypischen Gutmenschen verkörpern soll. Ihre Kollegen sind zwar keine Alkoholiker, aber erwachsene Menschen sind sie auch nicht. Denn sie tragen ihre Konflikte auf einem Niveau aus, für das sich sogar Kindergartenkinder schämen würden.

Dass bei Domsky kein Türke einen grammatikalisch korrekten deutschen Satz sagen kann, verstärkt den Eindruck, dass sie alle rückständige Trottel sind, die immer noch in einer archaischen Welt leben.

Dieser die gesamte Geschichte durchziehende Rassismus könnte noch gerade so goutiert werden, wenn das Ende wenigstens, wie bei einem klassischen Hollywood-Gangsterfilm, einen anderen Akzent setzen würde. Aber nein. Zuerst behält die Rassistin recht. Es war ein Ehrenmord. Und dann wird auf der letzten Seite, für alle, die bis dahin die Botschaft der Autorin noch nicht begriffen haben, noch einmal in diese Kerbe gehauen. Denn der gerade aus der Türkei ankommende Bruder ersticht auf dem Flughafen vor den Augen der Polizei seine ältere Schwester.

Immerhin hat in diesem Moment einer von Domskys Charakteren etwas gelernt. Ihr letzter Satz ist: „Kai Stettner zog seine Waffe und schoss.“

Ehre, wem Ehre…“ ist ein eindimensionales Islam- und Türkenbashing, das mit großem Getöse offene Scheunentore einrennt. Denn natürlich kann, wie ein Besuch in der nächsten Buchhandlung zeigt, kritisch über den Islam, die Türkei, die mangelhafte Integration von Gastarbeitern und Ehrenmorde geschrieben werden. Auch die türkische Gemeinschaft (jedenfalls hier in Berlin; aber im Ruhrpott dürfte es nicht anders sein) spricht diese Probleme an und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht..

 

W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre…

Leda, 2009

256 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Homepage von Edda Minck (dem anderen Pseudonym von Gabriele Brinkmann)

taz: Interview mit Verleger Felix Droste (8. Oktober 2009)

Spiegel Online: Angst vor Islamisten (3. Oktober 2009 – der Artikel, mit dem alles begann)


Erster Eindruck: Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen

November 12, 2009

Graf - Schläft ein Lied in allen Dingen

Unbestritten ist Dominik Graf einer von Deutschlands besten Regisseuren. Außerdem ist er einer der ganz wenigen deutschen Regisseure, der über seine Filme und die von Kollegen schreibt. Er outet sich dann immer wieder als hoffnungsloser Filmfan, der seine Passion zum Beruf gemacht hat, und in einer guten Tradition steht. Hans-Christoph Blumenberg, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Jean-Pierre Melville, Francois Truffaut, Claude Chabrol und Martin Scorsese, um nur einige zu nennen, haben offen über ihre Einflüsse gesprochen und so die Liste der Filme, die ich sehen will, verlängert. Einige sind über das Schreiben zur Regie gekommen.

Bei Dominik Graf war es umgekehrt. Er inszenierte einige Kinofilme, wie „Treffer“, „Die Katze“ und „Die Sieger“. Gleichzeitig arbeitete er für’s Fernsehen. Vor allem für die legendäre Vorabendserie „Der Fahnder“. Nachdem sein etwas zu lang geratener, unterschätzter Polizeifilm „Die Sieger“ an der Kasse floppte, arbeitete er fast nur noch für das Fernsehen und drehte etliche Filme, die den meisten heimischen Kinoproduktionen meilenweit überlegen sind. Denn Dominik Graf hat nicht nur eine eigene Handschrift, sondern er will explizit Filme für ein denkendes Publikum machen. Deshalb bedient er sich gerne des Genrekinos. In ihm kann er innerhalb bestimmter Regeln eine maximale Freiheit erreichen. Zuletzt gelang ihm das mit „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“. Parallel dazu veröffentlichte er zahlreiche Texte über von ihm geliebte Filme und bewunderte Regisseure. Sie rechtfertigen sein eigenes Schaffen und offenbaren seine Einflüsse.

Filmjournalist Michael Althen hat jetzt für den schön gestalteten Sammelband „Schläft ein Lied in allen Dingen“ 56 Texte von Dominik Graf ausgewählt. Die meisten Essays erschienen in der FAZ oder der SZ, zehn an anderen Orten und zwei sind bislang unveröffentlicht. Sortiert sind die Texte nach Ländern (Deutschland, Amerika, England, Frankreich, Italien, Osteuropa). Außerdem gibt es fünf Porträts.

Graf erinnert in ihnen an die Arten des Filmemachens, die heute weitgehend untergegangen sind. Es ist das alte Hollywood-Genrekino und das Hollywood-Kino der Siebziger Jahre, auf das sich inzwischen wieder vermehrt Regisseure von Polit- und Polizei-Thrillern beziehen. Er macht immer wieder auf das mal mehr, mal weniger vergessene Kino jenseits des Mainstreams aufmerksam. Es sind auch vergessene Filme von bekannten Regisseuren, wie George Roy Hills „Die Libelle“, dabei. Damals ein Flop und heute vergessen. Aber nach Grafs Liebeserklärung will man sich den Film wieder ansehen.

Und das ist auch bei den anderen Filmen, wie „Die dritte Genration“, „Das Privatleben des Sherlock Holmes,“, „The Dead Zone“, „New Rose Hotel“, „Ein mörderischer Sommer“ und „Allein gegen die Mafia“, so.

Außerdem gibt es einen 14-seitigen Anhang, in dem Graf etliche DVDs empfiehlt und kurz kommentiert.

Damit ist „Schläft ein Lied in allen Dingen“ eine Einladung zum Entdecken und Wiedersehen von Filmen. Ein feines Buch für lange Abende.

Anmerkung 1: Jetzt fehlt nur noch ein Buch, das die verschiedenen Texte von Dominik Graf über seine Filme und Interviews mit ihm versammelt.

Dann kann ich mein altes Projekt, ein Filmbuch über Dominik Graf, in der Schublade verschwinden lassen.

Anmerkung 2: Die DVD-Produzenten sollten endlich mal etwas Geld in die Hand nehmen und die Filme von Dominik Graf in einer wenigstens halbwegs anständigen Version auf den Markt bringen. Ein Audiokommentar oder ein Gespräch mit Graf als Bonusmaterial wären schon mal ein Anfang.

Denn bis jetzt sind die meisten seiner Filme in absolut lieblosen Ausgaben, oft mit einem gruseligen Cover und ohne Bonusmaterial, erschienen.

 

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen – Texte zum Film

(Herausgegeben von Michael Althen)

Alexander Verlag, 2009

376 Seiten

19,90 Euro

Buchpräsentation

Mittwoch, 18. November

Buecherbogen am Savignyplatz (Stadtbahnbogen 593, Berlin, S-Bahnhof Savignyplatz)

19.00 Uhr

Eintritt frei

Eine Veranstaltung im Rahmen der 18. Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


Peace in Berlin

November 6, 2009

Peace - Tokio im Jahr Null

Auf den ersten Blick unterscheidet sich „Tokio im Jahr Null“ nicht von den vorherigen vier Romanen von David Peace. Wie in den inzwischen für das englische Fernsehen verfilmten Krimis „1974“, „1977“, „1980“ und „1983“ wird die Geschichte in kurzen Absätzen und Dialogen erzählt. Es gibt viele Wiederholungen, die teilweise wegen des geänderten Schriftbildes, sofort auffallen und so dem Werk einen zum Vorlesen einladenden Rhythmus verleihen.

Außerdem wird wieder ein Serienkiller gejagt. War es im Red Riding Quartett der auch in der Realität mordende Yorkshire Ripper, ist es in „Tokio im Jahr Null“ der ebenfalls wahre Fall des Serienkillers Yoshio Kodaira.

David Peace hält sich in seinem neuesten Werk zwar an die Fakten, aber im Mittelpunkt steht nicht Kodaira, sondern der vom Krieg traumatisierte Inspektor Minami. Als er in einem Park zwei weibliche Leichen findet, erinnert er sich an einen früheren Fall. Während der Ermittlungen muss er immer weiter in die Vergangenheit zurückgehen und gegen behördeninterne Schikanen kämpfen. Eine wichtige Akte fehlt. Er soll den Fall schließen. Seine Untergebenen beschweren sich über seine Führungsqualitäten und er wird zu Ermittlungen in die Provinz geschickt. Sowieso gehorchen die Ermittlungen nicht dem Diktat der Beweise, sondern politischen Erwägungen. Gleichzeitig soll eine zweite Säuberungswelle unzuverlässige und störende Polizisten entfernen. Minami glaubt, dass auch er zu den Opfern dieser Säuberung gehören soll.

Außerdem leistet er für einem Gangster Spitzeldienste und er bekommt, als Entlohnung für seinen Verrat, Drogen.

Das klingt jetzt nach der nächsten 08/15-Noir-Version von „Bad Lieutenant“. Daran ändert auch der unverbrauchte Handlungsort nichts. Und dass, wie der Ich-Erzähler Minami mehrmals betont, niemand der ist, der er zu sein scheint, ist für Krimifans auch nicht gerade neu. So weit, so konventionell.

Das Besondere an „Tokio im Jahr Null“ ist, wie immer bei Peace, die Sprache. Denn er schildert den geistigen Verfall von Minami in kurzen Sätzen. Dabei unterscheidet er nicht mehr zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen. Alles ist für ihn gleich wichtig. Alles wird in dürren, sich auf die Fakten konzentrierenden Worten geschildert. Gleichzeitig werden bestimmte Worte und Sätze immer wieder wiederholt. Es stellt sich eine bleierne Schwere ein, die den sich langsam ausbreitenden Wahnsinn von Minami kongenial spiegelt.

Das ist brillant durchkomponiert, aber auch über weite Strecken monoton zu lesen. „Tokio im Jahr Null“ ist eine formal bestechende, aber nie wirklich packende humorlos-klinische Studie. Denn letztendlich berührt einem Minamis Schicksal nicht.

Heute Abend stellt David Peace in Berlin seinen Roman vor.

 

David Peace: Tokio im Jahr Null

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2009

416 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Tokyo Year Zero

Faber & Faber, London 2007

Lesung

Freitag, den 6. November 2009, 20.00 Uhr

F 40 – English Theatre Berlin (Fidicinstraße 40, Berlin-Kreuzberg, Nähe U-Bahn „Platz an der Luftbrücke“)

Theaterschauspieler Werner Eng liest die deutschen Passagen; Ekkehard Knörer moderiert

Hinweise

Wikipedia über Yoshio Kodaira

Druckfrisch: David Peace redet über „Tokio im Jahr Null“ (Die Kamera ist gewohnt nervig.)

Meine Besprechung von David Peaces „1974“ (Nineteen Seventy-Four, 1999)

Meine Besprechung von David Peaces „1977“ (Nineteen Seventy-Seven, 2000)

Meine Besprechung von David Peaces „1980“ (Nineteen Eighty, 2001)

Meine Besprechung von David Peaces „1983“ (Nineteen Eighty-Three, 2002)


Die Sorgen der Eltern

November 5, 2009

Coben - Sie sehen dich

Der König des Vorstadtthrillers ist mit seinem wahrscheinlich ungewöhnlichsten Roman zurück. Denn als Thriller funktioniert „Sie sehen dich“ im Gegensatz zu seinen vorherigen Werken nur leidlich. Es gibt zwar Geheimnisse, Verbrechen und auch einige Morde, aber gerade die Morde interessieren Coben am allerwenigsten.

Es geht, wie schon in dem letzten Myron-Bolitar-Roman „Ein verhängnisvolles Versprechen“, um einen verschwundenen Teenager. Für den Bolitar-Roman griff Coben auf ein wahres Ereignis aus seinem Leben zurück. Und, wenn man weiß, dass Coben selbst Vater ist, ist offensichtlich, dass „Sie sehen dich“ ein Panoptikum der elterlicher Ängste ist. Einerseits wollen sie ihre Kinder beschützen, andererseits geht das nicht, weil diese sich mit zunehmendem Alter der Aufsicht der Eltern entziehen.

Außerdem geht es um all die kleinen Geheimnisse, die es unter der heilen Oberfläche der Suburbs gibt und deren Chronist Harlan Coben seit einem guten Jahrzehnt ist.

In „Sie sehen dich“ installieren die Eltern Mike und Tia Baye auf dem PC ihres Sohnes Adam eine Spionagesoftware. Als sie so herausfinden, dass er und seine Freunde sich auf einer Party betrinken wollen, versuchen sie das zu verhindern. Aber Adam bükst aus und sein Vater beginnt ihn zu suchen. Denn vor der Party gab es noch weitere ihn beunruhigende Nachrichten auf dem PC, die mit dem Tod von Adams Schulkameraden Spencer Hill zusammenhängt.

Zur gleichen Zeit will die Mutter von Spencer Hill herausfinden, wer ihren Sohn in den Tod getrieben hat. Denn sie kann nicht glauben, dass er sich selbst umbrachte und ein zufällig auf einer Internet-Trauer-Seite gefundenes Bild beweist, dass er am Abend seines Todes nicht allein war.

Und Mike Baye, der als Arzt arbeitet, fragt sich, wie er damit umgehen soll, dass das todkranke Kind seiner attraktiven Nachbarin die Frucht eines Seitensprunges ist, von dem der Vater (dem Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden) nichts weiß.

Dass zur gleichen Zeit ein Serienkiller Frauen umbringt, ist dagegen zunächst nur ein Problem der Polizei und der bereits aus den vorherigen Romanen von Harlan Coben bekannten Ermittlerin Loren Muse.

Erst gegen Ende verknüpft Harlan Coben die einzelnen Handlungsfäden. Das ist auch der große Minuspunkt von „Sie sehen dich“. Denn die typische Coben-Spannung, die einen dazu bringen soll, das Buch in einem Rutsch durchzulesen, stellt sich nicht ein. Zu übertrieben scheint die Sorge von Mike Baye um seinen Sohn. Denn Adam will nur ein typisches drogenverseuchtes Teenagerwochenende durchziehen und sich von seinem Vater daran nicht hindern lassen. Aber Mike läuft, als sein Sohn reißaus nimmt (und, so müssen wir anfangs vermuten, einfach das geplante Wochenende durchziehen will), wie von einer Tarantel gestochen los. Bis deutlich wird, in welchen Problemen Adam steckt, vergeht einige Lesezeit, die Coben damit verbringt, viele verschiedene Handlungsstränge, die anfangs nicht oder nur sehr lose miteinander verknüpft sind, zu beginnen und einen Psychopathen, der mit seiner Freundin Frauen tötet, in die Vorstadt einfallen zu lassen. Weil dieser es nur auf Frauen abgesehen hat, geht von auch keine Gefahr für Adam aus.

Dieses für Harlan Coben langsame Erzähltempo und sein augenfälliges Desinteresse an Thrill brechen dem Buch nicht das Genick. Denn in „Sie sehen dich“ entwirft Harlan Coben ein präzises Soziogramm der auf den ersten Blick brav-biederen Vorstadt-Mittelschicht, ihrer Geheimnisse und ihrer Ängste. Sie versuchen etwas zu kontrollieren, was so nicht geht. Deshalb gehört auch die Geschichte von einem beliebten Lehrer, der in einem unbedachten Augenblick eine Schülerin beleidigt, und so eine Lawine lostritt, in diese Welt.

In „Sie sehen dich“ geht es in vielen verschiedenen Variationen um die Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern. Es geht um Erziehung. Es geht um die Frage, wie sehr Eltern ihre Kinder beschützen und wie viel Freiheit sie ihnen geben sollen. Es geht um die alltäglichen Sorgen eines Vaters, der feststellen muss, dass seine Kinder erwachsen werden.

 

Harlan Coben: Sie sehen dich

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2009

448 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Hold tight

Dutton, 2008

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 15: Letzter Teil (?)

Oktober 30, 2009

Eigentlich sollte es nur eine kleine Vorschau werden….

 

dtv

November

Kjell Eriksson: Rot wie Schnee (ein neuer Fall für die alleinerziehende Kommissarin Ann Lindell)

Marek Krajewski: Tod in Breslau (ein 1933 spielender Fall für Kriminalinspektor Eberhard Mock)

Marek Krajewski: Festung Breslau (spielt 1945 – und damit dürfte die Mock-Reihe komplett als Taschenbuch lieferbar sein)

Cornelia Read: Es wartet der Tod (ihr zweiter Roman mit Amateurdetektivin Madeline Dare)

Matt Ruff: Bad Monkeys (Taschenbuch-Ausgabe)

Dezember

Jutta Profijt: Im Kühlfach nebenan (ist die Hölle los, denn im „Kühlfach 4“ herrscht jetzt Ruhe)

Mary W. Shelley: Frankenstein (die Neuübersetzung der Urfassung mit einem umfangreichem Anhang)

Januar

Zygmunt Miloszewski: Die Verstrickung (erhielt 2007 den polnischen Krimipreis Wielki Kaliber)

Lars Rambe: Die Spur auf dem Steg (erster Fall für den Journalsiten Fredrik Gransjö: er schreibt über einen vierzig Jahre zurückliegenden Krankenhausskandal. Da geschieht ein Mord.)

Ilkka Remes: Tödlicher Sog (Remes liefert seine spannende Erklärung des Untergangs der Estonia.)

Februar

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen (im Großdruck)

Anne George: Mörderische Familienbande (ist ein weiterer Krimi mit den Southern Sisters, der amerikanischen Version von Miss Marple.)

Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab (Dritter Auftritt von Harper Connolly, die Tote finden kann. Dieses Mal sind es die von einem Serienmörder verbuddelten Leichen, der das überhaupt nicht gut findet.)

Peter Probst: Blinde Flecken (Erster Fall für Expolizist und Privatdetektiv Anton Schwarz: er soll herausfinden, ob ein kurz vor der Entlassung stehender Amokfahrer Teil eines rechtsradikalen Netzwerkes ist. – Amelie-Frieds-Ehemann Peter Probst schrieb auch die Drehbücher für einige gute „Tatorte“. Also bin ich mal gespannt.)

März

Friedrich Ani: Die Tat (Dritter Fall für den Seher)

Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot (Taschenbuch-Ausgabe)

April

Enrique Cortes: Der 26. Stock (Madrid: die Zentrale eines Konzerns brennt lichterloh. Zeugen sehen im 26. Stock Menschen. Aber am nächsten Tag werden keine Leichen gefunden. Isabel Alvarado will das Geheimnis lösen. – Debütroman.)

John Harvey: Der Kinderfänger (ein Fall für Charlie Resnick)

Yasmina Khadra: Die Sirenen von Bagdad (Taschenbuch-Ausgabe)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 10: Random Murders, Part Four (btb Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 11: Internationale Küche (Knaur Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 12: Alles irgendwie Lübbe (Bastei-Lübbe Taschenbuch, Gustav Lübbe, Lübbe)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 13: Von Ostberlin nach Los Angeles (Ullstein)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 14: Einmal Hamburg, bitte (rororo Taschenbuch, Wunderlich)

 


Der kriminelle Buchherbst – Teil 14: Einmal Hamburg, bitte

Oktober 30, 2009

Rororo Taschenbuch

November

Petra Hammesfahr: Ein fast perfekter Plan (Zwei Verliebte wollen die reiche Gattin aus dem Weg schaffen. Aber das ist leichter geplant, als getan.)

Nicholas Pekearo: Wolfsrache (The Wolfman – Debüt über das Joe R. Lansdale sagt: „Wolfsrache stellt das alte Fellmonsterklische komplett auf den Kopf.“)

Kjetil Try: Denn ihrer ist das Himmelreich (Ein Weihnachtskrimi über einen Mörder, der sich vom Krippenspiel inspirieren lässt.)

Jincy Willett: Die Dramaturgie des Tötens (The Writing Class – In einer Schreibklasse terrorisiert ein Teilnehmer anonym die anderen Teilnehmer. Da wird einer von ihnen ermordet.)

Dezember

Greig Beck: Dunkles Eis (Beneath the dark ice – Abenteuerthriller für die Clive-Cussler/Lincoln-Child-Fans)

Andree Hesse: Die Schwerster im Jenseits (dritter Fall für den Celler Kommissar Arno Hennings)

Phil Rickman: Mittwinternacht (Pfarrerin und Exzorzistin Merrily Watkins ermittelt wieder)

Januar

J. M. Calder: Wer keine Gnade kennt (If God sleeps – Lieutenant Solomon Glass will herausfinden, wer Ex-Knackies ermordet.)

Silvia Kaffke: Das rote Licht des Mondes (Taschenbuch-Ausgabe eines historischen Krimis)

Philip Kerr: Das Wittgenstein-Programm (A philosophical investigation – Neuauflage seines spannenden, in der nahen Zukunft spielenden Krimis)

Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld/Die Todesspirale (Zwei Fälle für Kommissarin Maria Kallio)

Felicitas Mayall: Hundszeiten (Kommissarin Gottberg will herausfinden wer den Mann am Isarstrand ermordete)

James Thompson: Eisengel (erster Fall für den finnischen Inspektor Kari Vaara)

Joseph Thornborn: Die letzte Offenbarung (ist ein Vatikanthriller. Denn die Katholiken haben noch einige Geheimnisse im Keller.)

Februar

Lincoln Child: Wächter der Tiefe (Deep Storm – Taschenbuch-Ausgabe)

Ann Cleeves: Totenblüte (Hidden Depths – Erster Fall für die in Northumberland ermittelnde Kommissarin Vera Stanhope. Eine deutsche Ausstrahlung der BBC-Verfilmungen ist geplant.)

Tom Isbell: Der letzte Kodex (The fifth codex – „Maya-Mythen, Urwaldforscher und wissenschaftliche Details“ schreibt der Verlag über den Thriller, der mit einigen Ritualmorden in Mexiko beginnt.)

Jennifer McMahon: Die dunkle Stimme der Schuld (Dismantled – Psychothriller über vier College-Studenten, deren Kunstexperimente außer Kontrolle geraten.)

Wolf Schneider: Gewönne doch der Konjunktiv – Sprachwitz in 66 Lektionen (Älter, doch nicht ruhiger, serviert Schneider eine neue Version seiner Sprachkritik.)

Jan Seghers: Ein allzu schönes Mädchen (Großdruck)

Kurt Vonnegut: Schlachthof 5 (Slaughterhouse Five or The Children’s Crusade – Neuauflage seines bekanntesten Werkes. Immer wieder lesenswert.)

März

Benjamin Black (aka John Banville): Der Lemur (The Lemur – Multimillardär Mulholland will seine Memoiren schreiben. Weil er auch CIA-Agent war, ist das gar nicht so leicht.)

Loes den Hollander: Das vierte Gebot (Ein Familientreffen bei dem achtzigjährigen, strenggläubigen Vater wird für die Anwesenden zum blutigen Alptraum.)

Chris Mooney: Enemy (The Dead Room – Boston: Detective Darby McCormick ermittelt wieder.)

Kevin O’Brien: Die Toteninsel (Left for Dead – Seattle: Nach einer bizarren Mordserie hat Claire Shaw ihr Gedächtnis verloren. Als ihr Mann und ihre beste Freundin sie pflegen wollen, beginnt sie an deren lauteren Absichten zu zweifeln.)

April

Simon Beckett: Voyeur (Fine Lines – Ein Londoner Gallerist verliebt sich in seine Assistentin. Als er erfährt, dass sie einen Freund hat, beschließt er, den Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen.)

Julie Corbin: Dann schweige für immer (Tell me no secrets – Für einige ist der Hinweis „Für die Leserinnen von Patricia Cornwell und Charlotte Link“ sicher eine Kaufempfehlung. Für mich, auch wenn es vielleicht ein Fehler ist, nicht.)

Eric Giacometti/Jacques Ravenne: Im Zeichen der Assassinen (La Croix des Assassins – Brutale Machenschaften, Geheimbünde, ein tödlicher Plan und irgendwie kein Buch für mich.)

David Ignatius: Der Einsatz (The Increment – sein neuester Roman: CIA-Agent Harry Pappas will einen Krieg verhindern. Denn in Teheran wird an einem geheimen Atomwaffenprogramm gearbeitet und dem amerikanischen Präsident ist jeder Vorwand für einen Krieg recht.)

Simon Lewis: Go (Go – ist eine Neuausgabe eines bereits 2000 erschienenen Abenteuerromans über einen Mann, der im Kofferraum des Wagens von seinem Chef eine Leiche entdeckt und in Goa untertaucht.)

Liza Marklund: Lebenslänglich (Taschenbuch-Ausgabe eines Annika-Bengtzon-Krimis.)

Karin Slaughter: Belladonna (zum Sonderpreis von 5 Euro)

Wunderlich

Januar

Lincoln Child: Nullpunkt (Alaska: Forscher entdecken in einer heiligen Höhle ein riesiges Tier. Als sie es auftauen…Na, einmal dürft ihr raten.)

Raymond Khoury: Menetekel (Am Himmel taucht ein riesiger Strahlenkranz auf. In einem Kloster in der Wüste Sinai malt ein Mönch seit Monaten immer wieder diesen Kranz. Eine TV-Journalistin will das Geheimnis des Strahlenkranzes lüften.)

Jan Seghers: Die Akte Rosenthal (Kommissar Marthaler ermittelt wieder.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 10: Random Murders, Part Four (btb Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 11: Internationale Küche (Knaur Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 12: Alles irgendwie Lübbe (Bastei-Lübbe Taschenbuch, Gustav Lübbe, Lübbe)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 13: Von Ostberlin nach Los Angeles (Ullstein)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 13: Von Ostberlin nach Los Angeles

Oktober 30, 2009

Ullstein Taschenbuch

Oktober

John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam (Wer diesen Klassiker immer noch nicht hat…)

November

Nelson DeMille: Operation Wild Fire (Taschenbuch-Ausgabe)

Stephen King: Es (Neuausgabe)

Gisa Klönne: Fürchtet euch nicht! – Der neue Krimi-Adventskalender (wurde von 24 Autoren geschrieben)

John le Carré: Marionetten (Taschenbuch-Ausgabe)

José Carlos Somoza: Fluch der Angst (Nach einem Terroranschlag steht mal wieder das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel, weil ein Mann einen superwichtigen Code kennt, den ihm mächtige Gruppen abluchsen wollen.)

Dezember

J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde (Taschenbuch-Ausgabe eines in England und USA erfolgreicher Debütroman über ein verschollenes Shakespeare-Drama)

Carol Higgins Clark: Gefährliche Flitterwochen (Während ihrer Flitterwochen jagt Detektivin Regan Reilly in Irland ein Diebespaar,)

Pierre Lemaitre: Der kalte Hauch der Angst (Kindermädchen Sophie soll ihren Schützling umgebracht haben. Dumme Sache. Noch dummer ist, dass sie sich an nichts erinnert.)

Januar

Matthew Reilly: Die Macht der sechs Steine (Taschenbuch-Ausgabe)

Marc van Allen: Caligo (Eine Historikerin ist dabei die Geheimnisse von Ordo Invisibilium zu enttarnen. Der Geheimbund versucht das mit allen Mitteln zu verhindern.)

Inger Wolf: Frost und Asche (Kommisssar Trokic soll herausfinden, wer in dem idyllischen Dort Märslet einen Achtjährigen ermordete.)

Februar

Rita Mae Brown/Sneaky Pie Brown: Die Katze lässt das Mausen nicht/Maus im aus (Zweimal Miau.)

Iris Johansen: Tödliche Träume (Nach außen ist die alleinerziehende Dr. Sophie Dunston die Harmlosigkeit in Person. Aber in Wirklichkeit will sie sich an dem Mann rächen, der ihre Eltern ermordete.)

Inge Löhnig: In weißer Stille (Zweiter Auftritt von Kommissar Dühnfort: dieses Mal klärt er den Mord an einem pensionierten Kinderarzt auf.)

März

Peter Brendt: Task Group (ein U-Boot-Thriller)

Rita Mae Brown: Fette Beute (Sister Jane ermittelt. – Taschenbuch-Ausgabe)

Sam Hayes: Stumm (Julia kann nicht glauben, dass der freundliche Arzt ein Mädchenmörder ist. Sie will seine Unschuld beweisen.)

Ullstein HC

Januar

James Ellroy: Blut will fließen (ist sein lang erwarteter, neuer Roman. Ende Januar stellt Ellroy den Krimi in Deutschland vor.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 10: Random Murders, Part Four (btb Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 11: Internationale Küche (Knaur Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 12: Alles irgendwie Lübbe (Bastei-Lübbe Taschenbuch, Gustav Lübbe, Lübbe)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 12: Alles irgendwie Lübbe

Oktober 29, 2009

Bastei-Lübbe Taschenbuch

November

Adam-Troy Castro: Halbgeist („SF auf höchstem Niveau: ‚Das Schweigen der Lämmer‘ wie Larry Niven es geschrieben hätte.“ sagt der Verlag über den mit dem Philip-K.-Dick-Award ausgezeichneten Roman. – Klingt vielversprechend.)

Arnaldur Indridason: Todesrosen (der zweite Fall für Kommissar Erlundur: er sucht den Mörder einer Drogenabhängigen)

Roberto Mistretta: Der kalte Blick der Rache (Carabiniere Maresciallo Bonanno sucht den Mörder eines heimlichen Liebespaares.)

Patric Nottret: Über den Wäldern ruht der Tod (Umweltcop Sénéchal sucht im Brasilianischen Dschungel zwei verschwundene Forscher.)

Alexander Ollig: Im falschen Augenblick (Achim beobachtet in einer Hotelgarage einen Mord. Kurz darauf muss er um sein Leben kämpfen und ein gigantisches Komplott aufdecken.)

Eva Rossmann: MillionenKochen (Taschenbuch-Ausgabe: Mira Valensky sucht unter den Kandidaten einer Kochshow einen Mörder.)

James Siegel: Lügenspiel (In einem Kaff in Kalifornien kommt Journalist Tom Valle einem Skandal auf die Spur. Aber wer wird einem Journalisten, der seine größten Reportagen erfunden hat, glauben? – Ein neuer Thriller vom Autor von „Derailed“ [Entgleist].)

 

Dezember

Andreas Eschbach: Ausgebrannt (SF-Thriller um die Jagd nach den letzten Ölquellen und einem Mann, der eine Methode kennt, diese Quellen zu finden.)

Chris Ewan: Kleine Morden in Paris (Krimiautor und Dieb Charlie Howard stolpert, als er sein Können als Einbrecher demonstriert, in ein mörderisches Komplott.)

Greg Iles: 12 Stunden Angst (Ein Suburbia-Thriller: Laurels Mann findet heraus, dass seine schwangere Frau eine Affäre hat und findet das überhaupt nicht lustig.)

Kitty Sewell: Zeit der Eisblüten (Psychthriller: Arzt Woodruff erhält einen Brief von seiner ihm bis dato unbekannten Tochter. Er beschließt sich seiner Vergangenheit zu stellen und fährt in den Norden Kanadas.)

Marco Vichi: Nachtschattenhaus (soll ein atmosphärischer Toskana-Krimi mit Grusel-Flair sein. Also: unheimliche Geräusche im Haus und ein altes Familiengeheimnis.)

 

Januar

Charles Atkins: Blutduett (Nach seiner Entlassung aus der Nervenheilanstalt plant der Soziopath Martin IV gleich seine nächsten Verbrechen.)

David Baldacci: Die Kampagne (Eine PR-Firma soll die Meinung so beeinflussen, dass die weltgrößte Rüstungsfirma ihre Profite steigern kann. Nur Shaw könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. – Klingt irgendwie wie ein Blick in die Wirtschaftsseiten meiner Tageszeitung.)

Charles Finch: September Society (England 1866: Detektiv Charles Lenox soll in Oxford einen verschwundenen Studenten suchen. Seine erste Spur führt zur September Society.)

Carin Gerhardsen: Pfefferkuchenhaus (Debüt: In Schweden wird wahllos gemordet. Kommissar Sjöberg sucht den Mörder.)

Michelle Giuttari: Rachefeuer (Kommissar Ferrara im Visier eines Mörders.)

Christopher Ride: Die Frequenz (Während Roland Emmerich die Welt untergehen lässt, versucht – ebenfalls 2012 – eine junge Frau den Untergang der Welt zu verhindern.

 

Februar

Sara Blaedel: Unschuld (ein Kopenhagen-Krimi mit Kommissarin Louise Rick)

Rolf Dieckmann: Die Toskana-Verschwörung (Ex-NSA-Agent Darling wollte eigentlich die Sonnenuntergänge an der Toskana genießen. Aber dann erfährt er von einem Komplott, bei dem Mussolinis Dolch eine wichtige Rolle spielt.)

Ken Follett: Die Tore der Welt (Taschenbuch-Ausgabe der Fortsetzung von „Die Säulen der Welt“)

Massimo Marcotullio: Das Blut des Skorpions (Historischer Thriller: Rom 1666 — Na, klingelts?)

Richard Montanari: Lunatic (Philadelphia: Die Detectives Kevin Byrne und Jessica Balzano suchen einen Mörder, der seine weiblichen Opfer erwürgt, verstümmelt und am Flussufer ablegt.)

 

März

Ellen Crosby: Die Chardonnay-Scharade (In einem Weinberg wird eine ermordete Lokalpolitikerin gefunden. Als die Polizei den Ehemann der Toten verdächtigt, beginnt Winzerin Lucie Montgomery den Mörder zu suchen.)

Claus Cornelius Fischer: Und verführe uns nicht zum Bösen (Commissaris Bruno van Leeuwen sucht in seinem zweiten Fall den Mörder eines Inders.)

Ann Granger: Stadt Land Mord (Inspektor Jessica Campbells erster Fall spielt natürlich in der idyllischen Provinz.)

Graham Hurley: Der Schlaf des Engels (Die Polizei zweifelt am Selbstmord einer 14-jährigen. Wurde sie vielleicht ermordet? – Müsste ein Fall für Detective Inspector Joe Faraday sein.)

Philip Jolowicz: Das Vermächtnis des Bösen (Tom Cole will herausfinden, welchem Geheimnis sein leiblicher Vater vor seinem Tod auf der Spur war.)

Pierre Rehoy: Weiße Zellen (Zuerst freut Theo sich über den Traumjob in Mexiko. Aber als er aussteigen will, beginnt ein Alptraum.)

Peter Sasgen: Red Shark (In diesem Thriller für die Tom-Clancy-Fangemeinde haben Terroristen ein Atom-U-Boot gekapert.)

Uwe Schomburg: Der Babylon-Code (ist wohl ein Verschwörungsthriller für die Dan-Brown-Fangemeinde.)

Jeff Somers: Der elektrische Mönch (SF: Killer Kates ist auf der Flucht. Er wird von den Mönchen, das sind Cyborgs mit menschlichen Gehirnen, gejagt.)

 

April

Eva Almstadt: Ostseeblut (Kommissarin Pia Korittki sucht einen Mörder. Eine Spur führt in ein ehemaliges Mädchenerziehungsheim.)

Susanna Gregory: Ein falscher Heiliger (Mittelalter: In Cambridge geht’s rund und Doktor Bartholomew sucht einen Mörder)

Laurell K. Hamilton: Göttin der Dunkelheit (ein Fall für Anita Blake: sie sucht einen Ritualmörder und findet eine uralte Vampirin, die eine dunkle Macht erwecken wil.)

Sophie Hannah: Schattenmesser („Thriller über obsessive Liebe, Psychofolter und die dunkelsten Abgründe des Herzens“, meint die Times.)

Bentley Little: Unheil (In einem Ferienresort in Arizona geschehen unheimliche Dinge.)

Craig Russel: Wolfsfährte (Kommissar Jan Fabel fragt sich, ob ein Serienkiller die Märchen der Gebrüder Grimm als Vorlage für seine Taten nimmt.)

James Twining: Die Elfenbeinmaske (Polizist Tom verfolgt die Mörder seiner Partnerin nach Europa. Anscheinend wurde sie von einem Geheimbündnis wegen eines Caravaggio-Gemäldes umgebracht.)

Joseph Wambaugh: Tod im Zwiebelfeld (Neuauflage eines auf Tatsachen beruhenden True-Crime-Klassikers)

Gustav Lübbe

Oktober

Andrea Camilleri: Die Flügel der Sphinx (Untertitel: Commissario Montalbano sehnt sich nach der Leichtigkeit des Seins)

Januar

David Baldacci: Spieler („Stone Cold“ – Die Mitglieder des Camel Clubs sorgen auch in ihrem dritten Abenteuer in Washington für Unruhe.)

Dieter Wedel: Volles Risiko (seine Biographie)

Lübbe

Dezember

Kwei Quartey: Trokosi (noch ein Krimi aus Afrika)

Februar

Matti Rönkä: Russische Freunde (Viktor Kärppäs dritter Fall erscheint nicht mehr bei Grafit, sondern bei Lübbe. Rönkä erhielt für diesen Roman den Nordischen Krimipreis – und, nachdem mir die ersten beiden Auftritte des Privatdetektivs gefielen, freue ich mich auch auf seinen dritten Auftritt.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 10: Random Murders, Part Four (btb Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 11: Internationale Küche (Knaur Taschenbuch)

 


Der kriminelle Buchherbst – Teil 11: Internationale Küche

Oktober 28, 2009

Knaur Taschenbuch

 

November

Kate Atkinson: Lebenslügen (Taschenbuch-Ausgabe eines Falles für Privatdetektiv Jackson Brodie.)

Patrick Bauwen: Tödliche Quote (Die Kandidaten einer Reality-Show werden entführt. In der Wüste von Nevada müssen sie um ihr Überleben kämpfen. – Könnte ein spannendes Zehn-kleine-Negerlein-Spiel sein.)

Pamela Clare: Süß ist die Angst (Journalistin Sophie Allan will beweisen, dass ihr One-Night-Stand kein Polizistenmörder ist.)

Val McDermid: Abgeblasen (Ein Fall für Kate Brannigan – in einer vollständig überarbeiteten Neuausgabe)

Erica Spindler: Stoßgebet (Erster Fall für Kommissarin M. C. Riggio: In Illinios geht ein Serienmörder um. Als er Riggios Verlobten umbringt, wird die Sache persönlich. – Naja, klingt doch irgendwie sehr vertraut.)

 

Dezember

Brian Freeman: Doppelmord (Taschenbuch-Ausgabe)

Nicole Jamet/Marie-Anne Le Pezennec: Killmore – …was niemand wissen darf (ein neue Roman der „Dolmen“-Autorinnen)

Richard Kunzelmann: Blutige Ernte (war für den Jon-Creasey-Award nominiert: Detective Mason und sein Partner Tshabalala suchen in Johannesburg einen Ritualmörder.)

Douglas Preston/Lincoln Child: Darkness – Wettlauf mit der Zeit (Ein Fall für Special Agent Pendergast; Taschenbuch-Ausgabe)

Petra Reski: Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern (Taschenbuch-Ausgabe)

Julia Spencer-Fleming: Wer mit Schuld beladen ist (Sheriff Russ soll einen Mord begangen haben. Pastorin Clare will seine Unschuld beweisen.)

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht – Vertuscht – Vergessen (Was 2009 nicht in der Zeitung stand; das jährliche Update)

 

Januar

Carla Cassidy: Angst sei dein Begleiter (Detective Tyler King sucht einen Serienkiller, der seine Opfer in Puppen verwandelt. Als Kings Freundin in das Visier des Mörders gerät, wird die Sache persönlich.)

Gregg Hurwitz: Blackout (Taschenbuch-Ausgabe eines für den Steel Dagger nominierten Thrillers.)

Tatjana Kruse: Kreuzstich Bienenstich Herzstich (Kommissar a. D. Seifferheld ermittelt)

Val McDermid: Luftgärten (Ein Fall für Kate Brannigan – in einer vollständig überarbeiteten Neuausgabe)

Nicolet Steemers: Vertrau mir blind (Mila verschwindet spurlos, taucht Monate später wieder auf, hat sich verändert und verschwindet wieder. Aber dieses Mal sucht ihre Mutter sie auf eigene Faust.)

Simon Wood: Abgezockt (Josh Michaels fragt sich, wer ihn durch einen tödlichen Unfall umbringen will. – Für den Bloody-Dagger-Award nominierter Thriller.)

 

Februar

Vena Cork: Bühne des Todes (In Cambridge verdreht Stella allen Männern den Kopf. Eines Tages wird eine Kommillitonin, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht, ermordet. Hat der Mörder vielleicht die Falsche erwischt?)

Arian Franklin: Die Teufelshaube (Historischer Krimi: Am Hof von Heinrich II. geht’s rund. Gut, dass Totenleserin Adelia gerade da ist.)

Steffen Jacobsen: Der Passagier (ein Thriller aus Dänemark.)

John Katzenbach: Der Täter (Miami 1995: Ein Nazi-Scherge ermordet die letzten Zeugen seiner Untaten. Kann Detective Simon Winter ihn aufhalten?)

 

März

Robert Gregory Browne: Paranoia – Hör auf ihre Stimme (Ein Psychologe soll eine traumatisierte Frau untersuchen. Er ist schockiert, weil sie seiner ermordeten Frau zum Verwechseln ähnlich sieht.)

Michael Harvey: Preis der Schuld (Chicago: Privatdetektiv Michael Kelly untersucht eine neun Jahre zurückliegende Vergewaltigung.)

Val McDermid: Skrupellos (Ein Fall für Kate Brannigan – in einer vollständig überarbeiteten Neuausgabe)

Markus Stromiedel: Feuertaufe (Sein neuer Krimi nach „Zwillingsspiel“. Wieder mit Kommissar Paul Selig. Ich bin gespannt.)

Chris Tvedt: Auf eigene Gefahr (Ein Fall für Rechtsanwalt Mikael Brenne)

 

April

Doris Bezler: Schlaf still, mein Mädchen (Debüt, das der Verlag den Fans von Sabine Thieslers „Der Kindersammler“ empfiehlt.)

Susan Hill: Der Seele schwarzer Grund (Taschenbuch-Ausgabe eines Falles für Simon Serrailler.)

Lisa Jackson: Cry – Meine Rache ist dein Tod (Taschenbuch-Ausgabe)

Julia Parsons: Marys Schatten (Taschenbuch-Ausgabe)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst- Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst- Teil 10: Random Murders, Part Four (btb Taschenbuch)

 

 

 

 


Der kriminelle Buchherbst- Teil 10: Random Murders, Part Four

Oktober 26, 2009

btb Taschenbuch

November

John Burnside: Die Spur des Teufels (Taschenbuch-Ausgabe)

Maria Emerstam: Mord unter Freunden (Drei Freunde betreiben eine Agentur zum Lösen von Problemen. Als eine ältere Frau sie beauftragen will, ihren Mann umzubringen, lehnen sie ab. Kurz darauf ist der Mann tot und die Agenturbetreiber fragen sich, ob nicht vielleicht jemand von ihnen den Auftrag angenommen hat. – Ist, so der Verlag, etwas für die Noll- und Thiesler-Fangemeinde.)

Andrea Maria Schenkel: Tannöd (Movie-Tie-In – also neues Cover, alter Inhalt)

Dezember

Andrea Fazioli: Am Grund des Sees (Privatdetektiv Contini will herausfinden, wer seinen Vater vor zwanzig Jahren ermordete.)

Katharina Till: Sünde (Eine junge Kunsthistorikerin deckt ein jahrhundertealtes Rätsel auf.)

Januar

Inger Frimansson: Insel der nackten Frauen/Die Skrupellose (zwei Krimis in einem Band)

Anne B. Ragde: Einsiedlerkrebse (Taschenbuch-Ausgabe)

Frank Tallis: Kopflos (Psychoanalytiker und Detektiv Max Liebermann ermittelt)

Februar

Robert Hültner: Der Sommer der Gaukler (Taschenbuch-Ausgabe)

Leif GW Persson: Zweifel (Zwanzig Jahre nach dem Mord an Olof Palme versuchen Polizeichef Johansson und Kommissar Bäckström den Mörder zu finden.)

Helen Tursten: Die Tote im Keller (Taschenbuch-Ausgabe)

April

Inger Frimansson: Die Rattenfängerin („Ein Haus in der schwedischen Einöde, ein Keller voller Ratten – eine Frau, die nicht vergessen kann…“ – Hm, klingt nicht gerade nach Club Med.)

Helene Tursten: Der erste Verdacht/Feuertanz (Zwei Krimis mit Kriminalinspektorin Irene Huss in einem Band)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)

Der kriminelle Buchherbst- Teil 9: Random Murders, Part Three (Heyne Taschenbuch)


Erster Eindruck: Jochen Schmidt – Gangster, Opfer Detektive

Oktober 24, 2009

Schmidt - Gangster Opfer Detektive

Während meines Studiums hatte ich fast immer die rote Ullstein-Ausgabe von Jochen Schmidts „Gangster, Opfer, Detektive“ ausgeliehen. Im Buchhandel war sie damals nicht mehr zu bekommen und auch in Antiquariaten entdeckte ich kein Exemplar.

In den vergangenen Jahren war dann immer wieder eine Überarbeitung des Standardwerkes angekündigt worden.

Und jetzt ist es soweit.

Die „überarbeitete, aktualisierte und stark erweiterte Ausgabe“ liegt vor. Während die Ullstein-Ausgabe von 1989 ungefähr 700 Seiten hatte (normales Taschenbuchformat), hat die Neuausgabe bei KBV 1128 Seiten. Aber die Seitenzahl täuscht. Denn gleichzeitig ist die Neuausgabe in einem größeren Format gedruckt. Ich schätze mal, dass die Neuausgabe mindestens den doppelten Umfang hat.

Schmidt selbst schreibt in der Einleitung: „Von den 128 Kapiteln der Neuauflage sind nur etwa 40, also weniger als ein Drittel, gegenüber der Erstauflage unverändert, darunter allerdings auch die theoretischen Eingangskapitel des Buches, die deshalb nicht unbedingt auf dem neuesten Stand der Sekundärliteratur zum Krimi sind. Ein weiteres Drittel des Buches ist aktualisiert, also mehr oder weniger stark bearbeitet. Der Rest ist völlig neu.“

Das ist dann

  1. genug Lesestoff für einige lange Abende

  2. genug Leseanregungen für etliche weitere lange Abende

  3. genug Lesematerial, um sich an der Meinung des Autors zu reiben

Denn Jochen Schmidt formuliert immer noch pointiert seine Meinung, die öfters nicht dem Mainstream der Kritik folgt.

Schmidt konzentriert sich in „Gangster, Opfer, Detektive“ auf die Autoren und Werke, die in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland erhältlich waren. Das erklärt einige Lücken. Auch einige Autoren fehlen. Ad hoc sind mir Harlan Coben, Charlie Huston und Horst Eckert (dafür ist Frank Göhre ein Kapitel gewidmet) aufgefallen. Aber bei dem Umfang sind sie verzeihlich. Auch dass nicht alle Bibliographien auf dem neuesten Stand sind. Spontan ist mir das bei James Lee Burke (der letzte Robicheaux ist nicht „Last Car to Elysian Fields“), Norbert Horst, Andrea Maria Schenkel und David Peace (der im Namensverzeichnis fehlt) aufgefallen.

Weniger verzeihlich sind dagegen einige Tippfehler im Inhaltsverzeichnis (Im Text gibt es weitere.). Mir fielen sofort „Kinky Friedmant“ und „Garry Dishers Wyett“ auf. Das sollte unbedingt in der nächsten Auflage geändert werden. Ebenso sollte die derzeit sehr karge Bibliographie am Ende von „Gangster, Opfer, Detektive“ um aktuelle Werke und natürlich Internetadressen (die derzeit vollkommen fehlen) ergänzt werden. Denn hier könnte der erste Eindruck zu einem Nicht-Kauf führen.

Und das wäre ein schwerer Fehler.

Daher, nach einem flüchtigen Durchblättern, gibt es schon mal eine dicke Kaufempfehlung. Und wenn der Geldbeutel einen Kauf nicht zulässt, gibt es den weihnachtlichen Wunschzettel.

Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive – Eine Typengeschichte des Kriminalromans

KBV Krimi, 2009

1128 Seiten

43,90 Euro


„100 Bullets“ beginnt mit dem Endspurt

Oktober 22, 2009

Azzarello - Risso - 100 Bullets 10

Mit einer einfachen Prämisse fing vor zehn Jahren die von Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso erfundene Noir-Serie „100 Bullets“ an: ein Mann kommt mit einem Koffer. In dem Koffer ist eine Pistole, hundert Kugeln die nicht zurück verfolgt werden können und der Beweis für die bislang ungesühnten Schandtaten eines Menschen gegenüber dem Empfänger des Koffers.

In den ersten Heften erzählten Azzarello und Risso noch voneinander unabhängige Geschichten, in denen das moralische Dilemma des Empfängers thematisiert wurde. Doch schon schnell tauchte eine zweite Geschichte auf. Denn der Bote, der sich Agent Graves nennt, hat eine eigene Agenda und er befindet sich mit einer seltsamen Organisation, die sich Trust nennt, im Kampf. Dieser Trust hat anscheinend versucht Graves und die von ihm angeführten Minutemen, so eine Art Special Forces ohne Regierungsauftrag, zu vernichten.

Diese Geschichte des Trust wurde in den folgenden Bänden immer wichtiger und jetzt, in dem zehnten Sammelband (der die Hefte 68 bis 75 enthält) der auf hundert Hefte angelegten Serie „100 Bullets“, nähert sich der Kampf zwischen Graves, den Minutemen und dem Trust (der am einfachsten als traditionell strukturierte Mafia beschrieben werden kann) langsam seinem Höhepunkt. Denn immer mehr Minutemen werden aus ihrem Schlaf geweckt.

Nachdem bereits in den vergangenen Heften die Geschichte immer verwickelter wurde, es immer mehr Verrat und Gegenverrat, manchmal auch Gegen-Gegenverrat, gab, frühere Nebencharaktere wichtiger wurden, Hauptcharaktere starben und so die Fronten zwischen den verschiedenen verfeindeten Parteien immer undurchsichtiger wurden, wird auch in „Dekadent“ nur wenig über die wahren Pläne der Hauptcharaktere enthüllt.

Gleichzeitig springen Brian Azzarello und Eduardo Risso auf den ersten Blick wild zwischen den verschiedenen Erzählsträngen, und zwischen Gegenwart und Vergangenheit, hin und her und liefern nur Bruchstücke, die erst im Kopf des Leser zu einer Geschichte werden und ohne die Kenntnis der vorherigen „100 Bullets“-Geschichten kaum noch verständlich sind.

Als davon unabhängige Geschichte (soweit zu diesem Zeitpunkt im „100 Bullets“-Kosmos noch davon gesprochen werden kann) gibt es in „Dekadent“ die Geschichte Brüder Rome. Der Ältere ist ein gehobener Laufbursche für eine Clevelander Unterweltgröße. Er versucht seinen jüngeren Bruder, der aus der Fleischerei des Gangster Fleisch stiehlt, zu beschützen. Eines Tages besucht Agent Graves ihn und die Dinge nehmen, nun, einen anderen tödlichen Verlauf.

Denn in dem Noir-Kosmos von Azzarello/Risso gibt es keine Hoffnung und keine einfache Flucht vor der Frage, was mit dem Geschenk von Agent Graves gemacht wird.

Schön, dass du der Typ Henkersmahlzeit bist.“.

(Brian Azzarello)

Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets – Dekadent (Band 10)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics/Vertigo 2009

196 Seiten

24,95 Euro

Originaltitel

100 Bullets: Decayed (Issue 68 – 75)

DC Comics 2006

enthält die Geschichten

Sleep, Walker (Halbschlaf, Haft 68 – 69)

A Wake (Leichenschmaus, Heft 70 – 74)

Amorality Play (Sein oder Nicht sein, Heft 75)

Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)

Britische Fanseite zu „100 Bullets“

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

EMF: Interview mit Marcello Frusin (29. Februar 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)


Quarrys letzter und erster Auftrag

Oktober 21, 2009

Collins - Der letzte QuarryCollins - The first Quarry

Ich bin niemand, der an Schlaflosigkeit leidet. Man könnte meinen, vom Leuteumbringen würde man Albträume kriegen. Doch die Wahrheit ist: Typen in der Profikillerbranche geht das am Arsch vorbei.

Ich war da keine Ausnahme. Ich war nicht in den Ruhestand gegangen, weil mich das Gewissen plagte. Ich hatte mich zurückgezogen, weil ich genug Geld auf der hohen Kante hatte, um bequem leben zu können, ohne arbeiten zu müssen. Und eine Zeitlang lief es gut mit dem Ruhestand.

Max Allan Collins: Der letzte Quarry

Das erzählt uns der Berufskiller Quarry auf der ersten Seite von „Der letzte Quarry“. Der Krimi erschien vor wenigen Tagen auf Deutsch. In den USA erschien seitdem „The first Quarry“ und demnächst „Quarry in the middle“. Die seltsamen Titel sind eine kleine Spielerei von Max Allan Collins. In „Der letzte Quarry“ schildert er den letzten Einsatz des Berufskillers; in „The first Quarry“ seinen ersten und in „Quarry in the middle“ einen Auftrag, den er zwischen seinem ersten und letzten Mordauftrag erfüllte.

Dieser Quarry war, neben dem Profieinbrecher Nolan, einer der ersten Seriencharaktere von Max Allan Collins. In den Siebzigern schrieb er vier Quarry-Romane, in den Achtzigern einen weiteren und später auch einige Kurzgeschichten. Aus einer, „A Matter of Principal“, entwickelte sich dann, wie Collins in dem lesenswerten Nachwort zu „Der letzte Quarry“ schreibt, zuerst Jeffrey Goodmans Kurzfilm „A Matter of Principal“ und später auch Goodmans Spielfilm „The last Lullaby“ und der Roman „Der letzte Quarry“.

Quarry hat sich am Anfang von „Der letzte Quarry“ als Manager einer Ferienanlage schon zur Ruhe gesetzt. Aber jetzt im Winter hat er nichts zu tun, langweilt sich und sieht eines Nachts in einem Tankstellen-Supermarkt einen Killer, den er von früher kennt. Er verfolgt ihn, kann die entführte Tochter des Medienmoguls Jonah Green befreien und ist danach um 100.000 Dollar reicher. Einige Monate später bietet Green ihm eine Viertelmillion Dollar, wenn er die junge Kleinstadtbibliothekarin Janet Wright umbringt.

Quarry nimmt den Auftrag an. Noch während er sie ausspioniert, fragt er sich, warum er eine so offensichtlich harmlose und unbedeutende Person umbringen soll.

Die gleiche Frage stellte Quarry sich 1970 bei seinem ersten Auftrag. Er hat seinen Vietnameinsatz glücklich überlebt, den Liebhaber seiner Frau umgebracht und fragt sich, was er mit seinen Fähigkeiten machen soll. Da bietet der Broker ihm an, für ihn als freiberuflicher Killer zu arbeiten: „How would you like to make real money at home doing what you did for almost no money overseas?“

Quarry ist einverstanden. Sein erster Auftrag ist die Ermordung des Universitätsprofessors Byron und die Vernichtung eines Manuskripts. Quarry quartiert sich in der gegenüberliegenden Wohnung ein und, dank des ausufernden Liebesleben des Professors, wird der einfache Auftrag schnell zu einer ziemlich komplizierten und leichenhaltigen Sache.

The first Quarry“ beginnt zwar gemütlich. Denn zuerst rekrutiert der Broker seinen neuen Mann. In der Unistadt beschränkt Quarry sich anfangs auf das Observieren seines Zieles. Bis dann die ersten Konflikte auftauchen und der zukünftige Profikiller einerseits in die schon bestehenden Konflikte zwischen dem Professor und seinen Frauen verwickelt wird und er andererseits einige neue Entwicklungen anstößt, die später auf ihr tödlich-fatales Ende zusteuern, dauert es schon einige Lesezeit. Aber das schwarzhumorige Ende, in dem Quarry dem Broker zeigt, was er gelernt hat und wie er Probleme beseitigt, entschädigt vollkommen für den langsamen Beginn.

In „Der letzte Quarry“ kommt Max Allan Collins dagegen wesentlich schneller zu Sache.

Davon abgesehen ist „Der letzte Quarry“ wie „The first Quarry“ eine kurze, düstere Geschichte aus dem Leben eines Profikillers, die mit überraschenden Wendungen aufwartet.

Hinweis: Auf der Bouchercon sagte Max Allan Collins, dass er gerade seinen neuen Nate-Heller-Roman „Bye Bye Baby“ beendet hat. Dieses Mal muss Privatdetektiv Heller den Mord an Marilyn Monroe aufklären. In den USA erscheint der Roman wahrscheinlich in einem Jahr.

Max Allan Collins: Der letzte Quarry

(übersetzt von Maike Stein)

Rotbuch/Hard Case Crime 2009

192 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Max Allan Collins: The last Quarry

Hard Case Crime, 2006

Max Allan Collins: The first Quarry

Hard Case Crime, 2008

208 Seiten

6.99 US-$ (circa 6 Euro)

Verfilmung

The last Lullaby (USA 2008)

Regie: Jeffrey Goodman

Drehbuch: Peter Biegen, Max Allan Collins

LV: Max Allan Collins: The last Quarry, 2006

mit Tom Sizemore, Sasha Alexander, Sprague Grayden, Bill Smitrovich

Hinweise

Homepage von Max Allan Collins

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „Two for the Money“ (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „CSI – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte


Ein kurzes Gespräch mit Hejo Emons über die neue „Tatort“-Reihe

Oktober 14, 2009

Als ich das Emons-Herbstprogamm durchblätterte, entdeckte ich die Ankündigung für einige „Tatort“-Romane. Ich freute mich, nachdem es in den vergangenen Jahren zu ausgestrahlten „Tatorten“ keine Romane mehr gab, und ich durchaus ein Fan von Filmromanen bin, auf die Romanversionen einiger neuer „Tatorte“.
Als ich vor wenigen Tagen die Romane in den Händen hielt, war ich begeistert. Das Layout ist ansprechend. Nebeneinander liegend oder, später im Regal stehend, sehen die sechs Bücher schon wie eine richtig kleine Reihe aus. Das erste reinlesen verstärkte meinen positiven Eindruck.
Also griff ich zum Telefonhörer und unterhielt mich mit dem Verleger Hermann-Josef Emons (sein Verlag feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen) über die neue Buchreihe.
Schüller - Die Blume des BösenWachlin - Blinder Glaube

Die ersten sechs Romane sind „Die Blumen des Bösen“ mit den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk, „Blinder Glaube“ mit den Kommissaren Till Ritter und Felix Stark, „Todesstrafe“ mit den Kommissaren Eva Saalfeld und Andreas Keppler, „Aus der Traum…“ mit den Kommissaren Franz Kappl und Stefan Deininger, „A gmahde Wiesn“ mit den Kommissaren Franz Leitmayr und Ivo Batic und „Strahlende Zukunft“ mit den Kommissaren Inga Lürsen und Nils Stedefreund. Das ist eine bunte Auswahl der aktuellen Ermittler, von denen einige schon etliche Ermittlerjahre auf dem Buckel haben; andere neu im „Tatort“-Dienst sind und für die Romanfassungen wurden auch die Einstandsfälle der Neulinge genommen. Die meisten Fälle waren allerdings hinsichtlich der Quote, der öffentlichen Aufmerksamkeit und gewonnener Preise keine besonderen „Tatorte“. Auch prominente Ermittler, wie Borowski, Lindholm, Odenthal, Dellwo/Sänger und Thiel/Boerne fehlen.
„Die Auswahl der ersten sechs Bücher erfolgte mit dem WDR“, so Hejo Emons. „Die Romane sollten den normalen Durchschnitt abbilden. Außerdem sollten die verschiedenen Regionen abgebildet werden.“ Damit folgt die Buchreihe dem aus dem Fernsehen seit fast vier Jahrzehnten vertrauten Konzept, nach dem die Fälle in verschiedenen deutschen Städten spielen. Bei einigen „Tatorten“ gab es auch Probleme mit den Rechten für die Drehbücher.
Der Name des Drehbuchautors (wobei eine breitere Öffentlichkeit wahrscheinlich nur Friedrich Ani, Fred Breinersdorfer und Mario Giordano [„Das Experiment“ – und weil ich jetzt seinen bekanntesten Roman ohne lange Nachzudenken nenne, halte ich ihn doch nicht für so bekannt]) war kein Kriterium für die Entscheidung. Obwohl, so Emons, Ani bei ihnen als Krimiautor angefangen und später mehrere „Tatorte“ geschrieben habe. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer angenehm gewesen. „Bei Friedrich Ani hat der Name sicher eine Rolle gespielt“, so Emons.
Die Drehbuchautoren wurden gefragt, ob sie eine Romanversion ihres Drehbuch schreiben wollten. Teils wegen Zeitmangel, teils auch, weil sie sich nach mehreren Jahren nicht wieder mit der gleichen Geschichte beschäftigen wollten, sagten sie ab.
Dann wurden Autoren gefragt, die bereits bei Emons Bücher veröffentlicht hatten. Diese konnten für ihre Arbeit vor allem auf die Drehbücher und die Filme, die sich mehr oder weniger von den Drehbüchern unterscheiden, zurückgreifen. Allerdings mussten sie für die Romanfassung Teile hinzuerfinden und Lücken in der Filmstory schließen. In einem Film kann leichter über kleinere logische Löcher hinweggegangen werden. Es kann mit der Zeit, die für die Fahrt von einem zu einem anderen Ort nötig ist, geschummelt werden. Und nicht alle Film-Locations finden sich in der Realität wieder (Mir ist vor allem bei den Konstanzer Tatorten aufgefallen, dass da öfters Verfolgungsjagden in der Realität so nicht möglich sind.)

Ernst - Strahlende ZukunftConrath - Aus der Traum
Daher betont Emons während des Gesprächs auch mehrmals, dass die „Tatort“-Romane keine schnell geschriebenen „Romane zum Film“, die von den Autoren während der Dreharbeiten in einem Wettlauf gegen die Zeit geschrieben werden, sondern eigenständige Romane seien, die auch ohne die Filme bestehen könnten. Dennoch schrieben die Autoren ziemlich schnell. Sie lieferten die Manuskripte nach zwei bis drei Monaten ab. Insgesamt verging, wie Emons im Rückblick leicht erstaunt bemerkt, zwischen den ersten Gesprächen mit dem WDR (der Ansprechpartner für die Vermarktung war) und der Veröffentlichung nur ein Jahr.
Das ist, angesichts der langen Entscheidungswege im Fernsehen und weil es bis jetzt so eine Reihe noch nicht gab, sehr kurz. Denn frühere Veröffentlichungen von „Tatort“-Romanen, wie die Trimmel-Romane von Friedhelm Werremeier oder „Reifezeugnis“ von Herbert Lichtenfeld, erfolgten als Teil der bereits etablierten Krimireihen eines Verlages (oft rororo thriller). Manchmal erschien  zuerst der Roman, manchmal zuerst der Film, manchmal – vor allem bei Werremeier – beides fast gleichzeitig. In den Achtzigern gab es dann nur noch die Schimanski-Romane bei Heyne und vor elf Jahren einige atemberaubend schnell verramschte „Tatort“-Romane bei Weltbild, die ein Mix aus Neuauflagen und neuen Romanfassungen waren. In den vergangenen Jahren schrieb nur noch der enorm produktive Felix Huby Romane und Drehbücher mit seinem Kommissar Bienzle. Angesichts der vielen, auch renommierten Autoren, die in den vergangenen Jahrzehnten für die Serie Drehbücher schrieben, ist das eine erstaunlich karge Ausbeute.
Die ersten Reaktionen seien, so Emons, alle positiv. So wurde zum Münchner Oktoberfest-„Tatort“ „A gmahde Wiesn“ gesagt: „Wir wussten gar nicht, was für einen guten Film wir hatten.“

Wachlin - TodesstrafeSchüller - A gmahde Wiesn

Im Frühjahr 2010 erscheint bei Emons die zweite Ladung von „Tatort“-Romanen. Die Titel konnte Hejo Emons noch nicht verraten.
Aber es soll einen „Tatort“ aus Niedersachsen und einen aus Münster geben. Gerade die Romanfassung eines Münsteraner „Tatorts“ dürfte für den Autor eine harte Nuss sein. Als Comedy funktionieren die absurd-abstrusen Fälle prächtig. Für den Roman muss das komödiantische aus dem Film (wozu auch das Spiel von Jan Josef Liefers und Axel Prahl gehört) in das Buch übertragen werden und der Fall, der im Film noch nicht einmal die zweite Geige spielt, muss einem Minimum an Logik gehorchen.
Im Wesentlichen möchte Emons mit den künftigen „Tatort“-Romanen näher an den Ausstrahlungstermin heranrücken. Weitere Pläne hat er noch nicht. Erst will er wissen, wie die Leser auf die Romane reagieren.
Die Marktchancen hält er für ziemlich gut. „Der letzte Kölner-Tatort ‚Platt gemacht‘ hatte neuneinhalb Millionen Zuschauer. Wenn davon zehn Prozent, oder sogar nur ein Prozent, die Romane kaufen, bin ich froh.“
Dazu dürfte auch der Preis und das klassische Taschenbuchformat beitragen. Sie können bequem mitgenommen und in einem Rutsch gelesen werden.
Und, wenn wir einen Blick nach Amerika werfen, sehen wir, dass dort Movie-Tie-Ins regelmäßig auf Bestsellerlisten stehen.
Vielleicht steht demnächst ein „Tatort“-Krimi auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Die ersten sechs „Tatort“-Romane
Martin Conrath: Aus der Traum (nach dem Tatort-Krimi von Fred und Léonie Breinersdorfer, mit Frank Kappl und Stefan Deininger)
Christoph Ernst: Strahlende Zukunft (nach dem Tatort-Krimi von Christian Jeltsch, mit Inga Lürsen und Nils Stedefreund)
Martin Schüller: Die Blume des Bösen (nach dem Tatort-Krimi von Thomas Stiller, mit Max Ballauf und Freddy Schenk)
Martin Schüller: A gmahde Wiesn (nach dem Tatort-Krimi von Friedrich Ani, mit Franz Leitmayr und Ivo Batic)
Oliver Wachlin: Blinder Glaube (nach dem Tatort-Krimi von Andreas Pflüger, mit Till Ritter und Felix Stark)
Oliver Wachlin: Todesstrafe (nach dem Tatort-Krimi von Mario Giordano und Andreas Schlüter, mit Eva Saalfeld und Andreas Keppler)
alle zwischen 160 und 176 Seiten
jeweils 8,95 Euro

Hinweise
Tatort-Seite des Emons-Verlages
ARD über den „Tatort“
Tatort-Fundus (alles was das Herz begehrt)

Tatort-Fans (noch spartanisch)

Fernsehserien über „Tatort“

Wikipedia über „Tatort“


Jack Tayler steigt ein

Oktober 13, 2009

Bruen - Jack Taylor fliegt rausBruen - Sanctuary

Wann hat ein Privatdetektiv ein Verbrechen aufgeklärt?

Noch nie!“

Ed McBain

Auf den ersten vier Seiten ist Jack Taylor noch ein Polizist mit einem Alkoholproblem und einem unbeherrschten Temperament. Dann haut er einem Finanzministerialdirigenten auf’s Maul und „Jack Taylor fliegt raus“. Danach arbeitetet er in Galway als billiger Privatdetektiv, säuft weiter und liest wie blöde. Deshalb vergehen in Ken Bruens erstem Jack-Taylor-Roman auch nur wenige Seiten ohne eine literarische Anspielung oder etwas Namedropping.

Zwischen dem Lesen und Trinken versucht Jack Taylor einen Fall zu lösen. Sarah Hendersons Mutter glaubt nicht an einen Selbstmord. Deshalb soll er soll herausfinden, wer ihre sechzehnjährige Tochter ermordete.

Im Angloamerikanischen Raum hatte Ken Bruen mit „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards) nach mehreren Krimis seinen Durchbruch. „The Guards“ erhielt 2004 den Shamus als bester Privatdetektivroman des Jahres und einige weitere Nominierungen. Seitdem erscheint Bruens Name regelmäßig auf den verschiedenen Nominierungs- und Preisträgerlisten der Krimiszene. Kollegen loben ihn und seine Werke. Die Filmrechte für mehrere Romane sind verkauft. Im Moment werden „London Boulevard“ und „Blitz“, beide hochkarätig besetzt, verfilmt.

Aber ins Deutsche wurden in den vergangenen elf Jahren seine Werke, abgesehen von den zusammen mit Jason Starr geschriebenen Hard-Case-Crime-Büchern, nicht mehr übersetzt. Auch die jetzige Veröffentlichung des bereits 2001 erschienen „The Guards“ ist keine deutsche, sondern eine schweizer Veröffentlichung. Aber dafür hat Harry Rowohlt das Buch übersetzt und wer das Original nicht kennt, kann mit der Übersetzung zufrieden sein.

(Das ist wahrscheinlich das Problem jeder Übersetzung. Wenn einem das Original gefällt, ist die Übersetzung immer nur zweite Wahl. Und Bruen hat einen rasant, lakonisch, schwarzhumorigen Stil, der nur schwer übersetzt werden kann.)

I limped down the road, ready to kill some bastard, adjusted my hearing aid, then turned it off. I’d heard enough for one day.

Hearing aid, limp, you’re wondering what kind of shape I was in?

Take a wild guess.

Ken Bruen, Sanctuary

In Irland erschienen nach „Jack Taylor fliegt raus“ sechs weitere Jack-Taylor-Romane, die am besten chronologisch gelesen werden. Einerseits bezieht Bruen sich immer wieder auf die vorherigen Taylor-Romane, andererseits – und das ist der wichtigere Grund – entwickelt sich Jack Taylor weiter. Er trägt seelische Wunden von den Fällen davon. Er muss sich für seine Taten verantworten. Er hat Schuldgefühle. Er versucht mit seinem Alkoholismus und auch seiner Drogensucht zurecht zu kommen. Er hat eine Beziehung, die in die Brüche geht. Und er wird langsam taub.

In „Sanctuary“, dem bislang letzten Taylor-Roman, erhält er einen von einem Benedictus unterschriebenen Brief, in dem der Unterzeichner die Morde an zwei Polizisten, einer Nonne, einem Richter und einem Kind ankündigt. Superintendent Clancy, Taylors Vertrauter und Intimfeind bei der Polizei, hält den Brief für einen Scherz.

Nach den ersten Morden, die auch eine Verkettung unglücklicher Zufälle sein können, beginnt Taylor mit der ihm eigenen Sturheit diesen Benedictus zu suchen. Dabei erfährt er, dass der Mörder ihm diesen und weitere Briefe schreibt, weil er Taylor für eine vergangene Tat bestrafen will.

Nachdem in einigen vorherigen Taylor-Romanen Taylors desolates Leben im Zentrum stand und der Krimiplot zur Nebensache wurde, konzentriert Ken Bruen sich in „Sanctuary“ wieder stärker auf den Krimiplot und im Gegensatz zu den vorherigen Taylor-Krimis gibt es dieses Mal fast kein literarisches Namedropping. Dafür werden viele Ereignisse aus den vorherigen Taylor-Romanen erwähnt und einiges erscheint jetzt in einem anderen Licht.

Sanctuary“ ist eine würdige Fortsetzung einer der derzeit aufregendsten Privatdetektivserien und „Jack Taylor fliegt raus“ ist ein spannender Einstieg in Bruens Welt.

Harry Rowohlt übersetzt gerade den zweiten Taylor-Roman „The Killing of the Tinkers“.

Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus

(übersetzt von Harry Rowohlt)

Atrium Verlag, 2009

304 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

The Guards

Brandon, 2001

Ken Bruen: Sanctuary

Transworld Ireland, 2008

224 Seiten

7,99 Pfund (Transworld-Ireland-Taschenbuch-Ausgabe 2009, circa 10 Euro)

Die Jack-Taylor-Romane

1. Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)

2. The Killing of the Tinkers (2002)

3. The Magdalen Martyrs (2003)

4. The Dramatist (2004)

5. Priest (2006)

6. Cross (2007)

7. Sanctuary (2008)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Thrilling Detective über Jack Taylor

Meine Besprechung der Jack-Taylor-Reihe

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three

Oktober 9, 2009

Heyne Taschenbuch

November

David Benioff: 25 Stunden (die Vorlage für den gleichnamigen Spike-Lee-Film mit Edward Norton)

C. J. Box: Todeszone (Wildhüter Joe Pickett soll im Yellowstone Park das perfekte Verbrechen aufklären.)

Meg Gardiner: Gefürchtet (ein Unbekannter hat die Identität von Evan Delaney gestohlen)

Susanne Graf: Der Bildermacher (Künstler Broski wird ermordet und die Kommissare Carmen Henning und Albert Schneider haben ihren ersten gemeinsamen Fall.)

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Rückkehr (ist ein historischer Roman)

Kim Harrison: Blutnacht (Vampirjägerin Rachel Morgan schlägt wieder zu.)

Mary & Caroll Higgins Clark: Der Weihnachtsdieb (ein, ähem, Weihnachtskrimi)

Charlie Huston: Das Clean Team (der neue Roman des Schöpfers von Hank Thompson und Joe Pitt – und vielleicht auch der Beginn einer neuen Serie)

John Niven: Coma (der Autor von „Kill your Friends“ schlägt wieder bei Heyne Hardcore zu)

Anne Perry: Der Weihnachtsfluch (ihr neuer Weihnachtskrimi)

Dezember

Caleb Carr: Das Blut der Schande (Taschenbuch-Ausgabe seines Sherlock-Holmes-Krimis)

Claude Cueni: Gehet hin und tötet (Taschenbuch-Ausgabe)

William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie (Wer’s noch nicht hat oder an gute Freunde verliehen hat.)

Tracy Gilpin: Schatten der Lüge (Privatdetektivin Dunai Marks ermittelt wieder in Kaptstadt. Dieses Mal soll sie zwei verschwundene Kinder finden.)

John Grisham: Berufung (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Katz Krefeld: Die Anatomie des Todes (ist noch ein Krimi aus Norwegen)

Jack Ketchum: Wahnsinn (Liddy hat einen gewalttätigen Sadisten geheiratet. Irgendwann beginnt sie sich zu wehren.)

Manfred H. Krämer: Der Kardinal von Auerbach (Taschenbuch-Ausgabe des zweiten Bergstraßen-Krimis)

Robert Ludlum/Philip Shelby: Der Cassandra-Plan (erster Thriller der Covert-One-Serie)

Jennifer Rardin: Ein Quantum Blut (heißt der dritte Auftritt von CIA-Agentin Jaz Parks. Ist wohl irgendwie „James Bond meets Dracula“)

Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade (Das Bureau für Okkulte Angelegenheiten ermittelt 1909 in Prag)

Christian Schoenborn: Operation Ismael (Islamistische Terroristen toben sich in Deutschland aus. Gut, dass Antiterror-Experte Deek Miller sie jagt. – Die Verfilmung heißt wohl „Gott will es“)

Charles Todd: Kalt wie Stein (Francesca Hatton will wissen, ob ihr Großvater ein Mörder war.)

Jan Costin Wagner (Hrsg.): 13 Morde hat das Jahr (Kurzkrimis von Robert Hültner, Karr & Wehner, Udo Wachtveitl, Robert Brack, dem Herausgeber und anderen)

Januar

Max Bronski: Sister Sox (Taschenbuch-Ausgabe eines Kommissar-Gossec-Krimis)

Mary Higgins Clark: Warte, bis du schläfst (Taschenbuch-Ausgabe)

Richard Laymon: Der Ripper (Laymons Roman über Jack the Ripper)

Nicholas Lessing: Und stehe auf von den Toten (Rom 1701: Ein Mädchen verschwindet. „Wunderdektiv“ Prospero sucht sie.)

James Mollison: Escobar – Der Drogenbaron (Heyne Hardcore, Sachbuch über Pablo Escobar mit über 350 bislang unveröffentlichten Fotos)

Marion Pauw: Blutige Asche (in Amsterdam: Ist Ray ein Mörder? Seine Anwältin glaubt das nicht.)

George D. Shuman: Blinde Angst (Sherry Moore kämpft gegen eine international operierende Menschenhändlerbande.)

Scott Sigler: Virulent (Zweiter Roman des Autors von „Infiziert“.)

Alexandra von Grote: Der letzte Walzer in Paris (Ein Fall für Kommisar LaBréa)

Februar

Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes (Taschenbuch-Ausgabe)

Alan Guthrie: Post Mortem (Taschenbuch-Ausgabe – Cover sieht verdammt gut aus.)

Robert Harris: Ghost (ist die Vorlage für den neuen Roman-Polanski-Film mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor)

Henrike Heiland: Von wegen Traummann (Nö, kein Krimi, sondern ein humorvoller Roman über den Kampf der Geschlechter)

Matt Hilton: Der Knochensammler (ist ein grausamer Serienmörder. Joe Hunter jagt ihn.)

Simon Kernick: Todesangst (Du wachst in einem Alptraum auf…)

Jonathan Maberry: Patient Null („Die Nacht der lebenden Toten meets Michael Crichton“ verspricht der Verlag. Klingt gut.)

Alexander McCall Smith: Schottische Katzen kennen den Weg (Taschenbuch-Ausgabe eines Miss-Isabel-Krimis)

James McGee: Das Höllenschiff (Historischer Kriminalroman: London, während der napoleonischen Kriege: Sonderermittler Hawkwood jagt eine Verbrecherbande.)

Sergeij Minajew: Seelenkalt (Porträt eines moskauer Topmanagers, der mit Clubbing, Drogen, Alkohol und Sex der Sinnlosigkeit seines Lebens entkommen möchte.)

John Scalzi: Agent der Sterne (Science Fiction und Satire, denn der titelgebende Agent ist ein Hollywood-Agent und er soll den Menschen hässliche Aliens als künftige Mitwohner schmackhaft machen.)

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen… (Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit, Taschenbuch-Ausgabe)

März

Colin Forbes: Todeskette (Taschenbuch-Ausgabe eines Thrillers mit Spezialagent Tweed)

John Leake: Der Mann aus dem Fegefeuer – Das Doppelleben des Serienkillers Jack Unterweger (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Morley: Viper (Taschenbuch-Ausgabe)

Kathy Reichs: Der Tod kommt wie gerufen (Taschenbuch-Ausgabe)

James Sallis: Deine Augen hat der Tod (Taschenbuch-Ausgabe)

Kevin Wignall: Die letzte Wahrheit (nominiert für den Edgar und Barry)

April

Scott Bakker: Neuropath (Medizinthriller)

Vince Flynn: Der Gegenschlag (Agent Mitch Rapp jagt wieder einmal Terroristen.)

Richard Laymon: Der Pfahl (ein Horrorautor entdeckt eine mumifizierte Leiche mit einem Holzpfahl im Herzen. Er beginnt herumzuexperiementieren.)

Duane Louis: Schnelle Beute (Swierzynskis Roman war für den Gumshoe Award nominiert)

Jeff Povey: Der Club der Serienkiller (ist natürlich eine schwarze Komödie für nette Menschen, die gerade auf Dexter-Entzug sind.)

Jon Ronson: Durch die Wand (Taschenbuch-Ausgabe einer satirischen Abrechnung mit geheimen US-Militärexperimenten.)

Detlef Tiegel: Achtung Abzocke! (Wie Callcenter mit unseren Daten Millionen verdienen – Bericht eines Insiders)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)


„Kalter Main“: Frau Ribas liest an der Spree

Oktober 7, 2009

Ribas - Kalter Main

Die Leiche wird bereits auf der ersten Seite gefunden und wenige Seiten später ist die Kommissarin – sie musste noch einen anderen Fall aufklären – am Tatort. Es schüttet. Der Main steigt. Die Kriminaltechniker müssen schnell die Spuren sichern.

Die Identität des Toten kann, dank einer Vermisstenanzeige, schnell geklärt werden. Es ist der vermögende, katholische, in der spanischen Gemeinde angesehene Marcelino Soto. Er wurde, wahrscheinlich im Sitzen oder von einem viel größere Menschen, hinterrücks erstochen und dann in den Fluss geworfen. Für Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor und ihre beiden Kollegen sollten die Ermittlungen jetzt beginnen. Sie sollten versuchen herauszufinden, wo Soto in den Main geworfen wurde, was er in den Stunden vor seinem Tod gemacht hat und wer ein Motiv hatte, ihn zu ermorden.

Sollte.

Denn nach einem Einstieg, wie wir ihn täglich in einem amerikanischen Krimi sehen, geht es in Rosa Ribas „Kalter Main“ sehr tatortig weiter. Denn anstatt zielgerichteter Ermittlungen oder auch nur einem erkennbaren Fortschritt beim Ermitteln und Ausschließen von Tatverdächtigen, wird sich in den Lebensgeschichten verschiedener spanischer Gastarbeiter, vor allem ihrer ersten Jahre in Deutschland vor einem halben Jahrhundert und den über Generationen gepflegten Konflikten in und aus ihrem spanischen Heimatdorf, gewidmet. Das alles hat mit der Frage „Wer ist der Täter?“ nichts zu tun und bringt auch keine neueren Erkenntnisse als die Lektüre einer „Mach meinen Kumpel nicht an“-Broschüre der SPD oder der Gewerkschaft aus den Siebzigern.

Neben den Biographien verschiedener Gastarbeiter gibt es noch einige Scheinkonflikte im Team und kindische Neckereien der Polizisten untereinander, die vor allem an der Kompetenz und sittlichen Reife der Staatsdiener zweifeln lassen.

An der Kompetenz von Webers Chef kann auch gezweifelt werden. Denn gerade als Weber-Tejedor und ihr Team mit den Mordermittlungen begonnen haben, sollen sie auf seinen Befehl auch die verschwundene illegale ecuadorianische Putzfrau eines Bankiers zu suchen. Dieser Aufgabe widmen sie dann mehr Zeit als der Suche nach Sotos Mörder.

Dieser wird am Ende samt Motiv aus dem Hut gezaubert und gesteht auch sofort ganz brav seine Tat. Wahrscheinlich weil er als Katholik doch noch in den Himmel kommen will.

Kalter Main“ hätte ein interessanter Einblick in die für uns Deutschen fremde Welt der Einwanderer werden können. Es wurde aber nur die Blaupause für den nächsten langweiligen „Tatort“.

Rosa Ribas: Kalter Main

(übersetzt von Kirsten Brandt)

Suhrkamp, 2009

384 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Entre dos aguas

Ediciones Urano S. A., Barcelona, 2007

Hinweise

Homepage von Rosa Ribas

Am Freitag, den 9. Oktober, stellt Rosa Ribas um 20.00 Uhr in der Dorotheenstädtischen Buchhandlung (Turmstraße 5, Berlin-Mitte) ihren Roman „Kalter Main“ vor. Der Eintritt ist frei.


Neu im Kino/Filmkritik: Verblendung

Oktober 1, 2009

Seit gut vier Jahrzehnten erhält Henrik Vanger jedes Jahr zu seinem Geburtstag in einem austauschbaren, billigen Bilderahmen eine gepresste Blume. Das Geschenk erinnert ihn immer wieder an seine Lieblingsnichte Harriet Vanger. Sie verschwand am 22. September 1966 spurlos von der Insel, auf der das Anwesen der Vanger-Familie ist. Der inzwischen 82-jährige Firmenmogul Henrik Vanger glaubt, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.

Jetzt beauftragt er den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist mit Recherchen in diesem Fall. Blomkvist, der gerade wegen schlampiger Recherchen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, nimmt den Auftrag an. Aber seine Recherchen machen erst richtige Fortschritte, als er beginnt mit der Hackerin Lisbeth Salander zusammen zu arbeiten. Über eine in Harriet Vangers Tagebuch enthaltene verschlüsselte Liste kommen sie auf die Spur eines Serienkillers, der seit 1949 Frauen bestialisch ermordet und ein Mitglied der Familie Vanger ist.

Der Roman

Seit vier Jahren verkauft sich der gut siebenhundertseitige Roman von Stieg Larsson, zuerst in seiner Heimat, dann in Europa und inzwischen auch in den USA, wie geschnitten Brot und Kritiker feiern „Verblendung“ und die beiden Folgeromane „Verdammnis“ und „Vergebung“ ab. Larsson selbst hatte allerdings nichts von diesem Erfolg, weil er bereits vor der Publikation von „Verblendung“ überraschend starb und so aus der von ihm auf zehn Romane angelegten „Millennium“-Serie (so heißt die Zeitung für die Blomkvist arbeitet) mit dem Journalisten Mikael Blomkvist und seiner deutliche jüngeren Gehilfin Lisbeth Salander zur „Millennium“-Trilogie schrumpfte.

Dabei ist der Erfolg von „Verblendung“ rätselhaft. Der Roman liefert reichlich Anlass für Kritik. Larsson ist nämlich ein unglaublich weitschweifiger Erzähler, der anscheinend seine gesamten Notizen und Hintergrundgeschichten zu den Charakteren in den Roman einfügen musste.

So dauert es hundert Seiten, bis sich Henrik Vanger und Mikael Blomkvist zum ersten Mal begegnen und Vanger sein Anliegen vorbringt. Zur Tarnung soll Blomkvist die Geschichte der Familie Vanger aufschreiben. Das ermöglicht Larsson, ausführlich in vergangenen Jahrhunderten und vor allem den Verstrickungen der Vangers mit den Nazis herumzuwühlen. Für die Frage, wer Harriet Vanger ermordet hat, bringt das nichts. Auch bis Blomkvist und Salander sich zum ersten Mal begegnen, vergeht viel Lesezeit. Bis dahin haben wir so ungefähr alles über sie erfahren: wie sie ihren jetzigen Job bekommen hat, was ihr Chef von ihr hält, wie ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist, wie sie lebt, wie sie von der einen Pflegefamilie zur nächsten geschickt wurde, wie sie mit ihrem ersten richtigen Vormund zurecht kam und wie sie sich mit ihrem neuen Vormund (einem sexistischen Schwein) arrangiert. Das alles ist reines Hintergrundmaterial, das die Handlung nicht voranbringt, in der Häufung fast nichts über den Charakter Salander verrät und auch die spätere Handlung nicht beeinflusst. Andere Charaktere, wie der über viele Seiten eingeführte Chef von Salander und ihr neuer Vormund verschwinden irgendwann einfach aus der Geschichte.

Nachdem die Mordermittlungen ungefähr in der Buchmitte endlich an Dynamik gewinnen, sind sie schnell abgeschlossen. Auf Seite 511 ist der Mörder enttarnt und auf Seite 541 tot.

Die restlichen 150 Seiten füllt Larsson vor allem mit dem Kampf von Blomkvist gegen den Industriellen Hans-Erik Wennerström um seine Rehabilitierung. Das ist aber eine vollkommen andere Geschichte, die vor allem nach der Enttarnung eines Serienkillers, nur mäßig interessant ist.

Wenn „Verblendung“ kein Roman, sondern eine TV-Serie wie „Lost“, „Prison Break“ (vor allem in der ersten Staffel) oder „24“ wäre, würde ich sagen, dass die Autoren im Lauf der Staffel bemerkten, dass einige Charaktere die Geschichte doch nicht voranbringen und deshalb fallengelassen wurden und sie am Ende bemerkten, dass sie für die restlichen Folgen, weil sie in ihrer Dusseligkeit den Bösewicht umgebracht hatten, noch schnell eine neue Geschichte erfinden mussten.

Der Film

Für die Verfilmung machten die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg dann die Arbeit, die Stieg Larsson hätte tun müssen. Sie entfernten etliche überflüssige Subplots (wie die Erstellung der Vanger-Familienchronik, den Kampf um das Überleben der Zeitschrift „Millennium“ und die Suche nach dem Maulwurf in der Redaktion), im Nichts endende Expositionen (wie die seitenlange Einführung von Salanders Chef, Salanders Biographie und wie ein alter Freund Blomkvist die ersten Informationen über Wennerströms krumme Geschäfte gibt) und einige unwichtige Charaktere.

Sie konzentrierten sich auf die Suche nach Harriet Vangers Mörder. Sie verdichteten. Sie dramatisierten. Zum Beispiel ist die erste Kontaktaufnahme von Blomkvist und Salander im Film anders als im Buch. Im Buch empfiehlt der Anwalt der Familie Vanger Blomkvist Lisbeth Salander als Rechercheurin. Im Film nimmt sie per E-Mail Kontakt zu Blomkvist auf und sagt ihm, was die kryptischen Buchstaben und Zahlen in Harriet Vangers Tagebuch bedeuten. So ist Salander im Film von Anfang an stärker als im Roman an einem erfolgreichen Abschluss der Recherche interessiert. Auch die Recherchen von Blomkvist verlaufen im Film etwas anders und glaubwürdiger als im Buch.

Arcel und Heisterberg erzählen konzentriert eine Geschichte, mit einigen Abschweifungen. Niels Arden Oplev inszenierte sie fast schon schmucklos-spartanisch. Denn es gibt keine kostspieligen Szenen. Er verzichtete auf modische Spielereien, wie die derzeit angesagte Wackelkamera und Sekundenschnitte. Er lässt sich Zeit, beobachtet seine, bei uns bis auf Peter Haber (Kommissar Beck), unbekannten Schauspieler und löst Szenen meisten klassisch in Schuss/Gegenschuss auf. Nur die an aktuelle US-Krimiserien erinnernden Montagen, bei den Recherchen von Blomkvist/Salander erinnern an aktuelle Trends.

Verblendung“ ist ein guter Krimi, der trotz seiner Länge von 150 Minuten kurzweilig unterhält. Im Kino wirkt er allerdings auch immer wie ein TV-Zweiteiler, der irrtümlich im Kino gezeigt wird. Denn der auch im Film ausführlich geschilderte Subplot von Lisbeth Salanders Kampf gegen ihren neuen Betreuer und der sehr lange Epilog gehorchen den Gesetzen eines TV-Zweiteilers. Im ersten Teil werden die beiden gleichberechtigten Protagonisten Blomkvist und Salander vorgestellt. Am Ende des ersten Teils begegnen sie sich erstmals (also nach ungefähr 75 Filmminuten) und im zweiten Teil jagen sie gemeinsam den Serienmörder.

Obwohl ich sonst nie Punkte vergebe, würde ich „Verblendung“ ohne zu zögern als Kinofilm 8/10 und als TV-Zweiteiler 10/10 Punkten geben. Dem Roman…deutlich weniger.

Die zweite Larsson-Verfilmung „Verdammnis“ ist für Februar 2010 angekündigt und „Vergebung“ ist für Sommer 2010 geplant. Michael Nyqvist und Noomi Rapace haben wieder die Hauptrolle. Aber die Drehbuchautoren und der Regisseur wechselten.

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist (Mikael Blomkvist), Noomi Rapace (Lisbeth Salander), Lena Endre (Erika Berger), Peter Haber (Martin Vanger), Sven-Bertil Taube (Henrik Vanger), Peter Andersson (Nils Bjurman), Ingvar Hirdwall (Dirch Frode), Marika Lagercrantz (Cecilia Vanger), Björn Granath (Gustav Morell)

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2009 (Movie-Tie-In)

704 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)