Mörderischer Herbst VI – btb Taschenbuch

Juli 14, 2008

Wer die Skandinavier liebt, sollte einen genaueren Blick auf diese Neuerscheinungen werfen:

November

Henning Boetius: Der Strandläufer (Schriftsteller Boysen nimmt Abschied von seinem Vater. – Ein psychologischer Roman vom Erfinder von Inspektor Piet Hieronymus.)

Davide Longo: Der Steingänger (Taschenbuch-Ausgabe eines zuerst bei Wagenbach erschienenen kurzen Romans: Cesare soll seinen Freund Fausto, mit dem er jahrelang Flüchtlinge von Italien nach Frankreich gebracht hat, getötet haben. War er’s?)

Hakan Nesser: Aus Doktor Klimkes Perspektive (Taschenbuch-Ausgabe der Sammlung von Kurzgeschichten)

Helen Tursten: Tod im Pfarrhaus/Die Tätowierung (Kriminalinspektorin Iren Huss aus Göteborg muss in zwei Fällen ermitteln.)

Dezember

Barbara Becker Jáckli: Mord im Biedermeier (Ein historischer Kriminalroman, der seine Premiere bei Emons erlebte.)

Thomas Kanger: Der tote Winkel (Ein Liebespaar wird mit einer Axt erschlagen. Noch bevor Kommissarin Elina Wiik mit ihren Ermittlungen beginnt, mischt sich der schwedische Geheimdienst ein. Denn Jamal Al-Sharif soll ein Sympathisant einer Terrorgruppe gewesen sein. Wiik glaubt nicht an diese Version und ermittelt weiter.)

Januar

Asa Larsson: Der schwarze Steg (Anwältin Rebecka Martinsson will wissen, warum die leitende Angestellte einer Grubengesellschaft ermordet wurde.)

Sergio Pitol: Defilee der Liebe (Taschenbuch-Ausgabe eines mit dem Premio Cervantes ausgezeichneten Buches: Miguel will herausfinden, warum 1942 in Mexiko-Stadt der Exilant Erich Maria Pistauer erschossen wurde und die Künstlermuse Delfina Uribe behauptete, den Toten nicht zu kennen.)

Gunnar Steinbach: Mord mit Meerblick (Ex-Kommissar Kugelmeyer verbringt an der westdänischen Küste Weihnachten unter redseligen Rentnern. Als ein Rentner umgebracht und Kugelmeyer verdächtigt wird, ihn umgebracht zu haben, beginnt er den wahren Täter zu suchen. – Klingt nach einem Geschenk für meinen Vater, der sonst nie Krimis liest.)

Sarah Stewart Taylor: Ein listiger Tod/Der Totenschmuck (Kunsthistorikerin Sweeney St. George muss zweimal böse Buben jagen.)

Februar

Stefan Brijs: Der Engelmacher (Der jetzt als Taschenbuch erscheinende Thriller erhielt von der Königlichen Akademie der Niederlande die „Goldene Eule“ als bestes Buch des Jahres.)

Aevar Örn Jósepsson: Blutberg (Kommissar Árni aus Reykjavik fragt sich, ob der Tod von sieben Bauarbeitern beim Bau eines abgelegenen Staudamms ein Unfall oder Mord war.)

März

Michael Collins: Nicht totzukriegen (USA, Mittlerer Westen, siebziger Jahre: Frank Cassidy will wissen, wer seinen Onkel erschossen hat. Die Mördersuche wird zu einer Reise in die Vergangenheit.)

Hakan Nesser: Der Tode vom Strand/Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod (Van Veeteren zweimal auf Mörderjagd)

April

Stella Blómkvist: Das letzte Treffen – Ein Island-Krimi (Anwältin Stella Blómkvist sucht den Mörder eines ermordeten und verstümmelten Mannes. Da erfährt sie von einem Kinderpornoring, zu dem der Tote Kontakt hatte.)

Klaus Hagerup/Nils Nordberg: Letzter Akt (Fernsehkommissar Niklas Faber muss, als bei einer Shakespeare-Inszenierung in Oslo einige Morde geschehen, seine kleinen grauen Zellen anstrengen.)

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Mörderischer Herbst III – Edition Köln, Emons

Mörderischer Herbst IV – btb Hardcover, Alexander Verlag, Heyne Hardcover, Liebeskind, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch, vgs

Mörderischer Herbst V – dtv


Mörderischer Herbst V – dtv

Juli 11, 2008

Weiter geht’s mit dem deutschen Verlag von John Harvey und einigen weniger bekannten Schreibern, wie Umberto Eco und Henning Mankell.

Oktober

Anne George: O du Mörderische (Die streitlustigen Southern Sisters jagen den Mörder einer Galeristin.)

Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens (Taschenbuch-Ausgabe; Deutscher-Krimi-Preis 2007 – ERSCHEINT BEREITS IM SEPTEMBER)

Jorun Thorring: Glaspuppen (Ein samischer Kriminalpolizist und alleinerziehender Vater sucht den Mörder von Medizinstudentinnen. – In Norwegen wurden 50.000 Exemplare verkauft. – ERSCHEINT BEREITS IM SEPTEMBER)

November

Denis Lépée: Der Carthago-Code (Heutige Anschläge auf Regierungssitze scheinen mit architektonische Grundprinzipien, nach denen Karthago gebaut wurde, zusammenzuhängen. Unterwasserarchäologe Tommaso McDonnell deckt die Verschwörung auf.)

Zoran Zivkovic: Das letzte Buch („Spannender, postmoderner Thriller von einem Meister des schwarzen Humors…der seinen Eco gelesen hat“, schreibt der Verlag.)

Dezember

Joel Rose: Kein Rabe so schwarz (Edgar Allan Poe auf Mörderjagd)

Januar

Umberto Eco: Das Focaultsche Pendel (in neuer Ausstattung)

Frode Grytten: Die Raubmöwen besorgen den Rest (Riverton-Preis für den besten Krimi des Jahres 2005)

John Harvey: Verführung zum Tod (Charlie Resnick ist wieder da.)

Jorgen Jaeger: Blutschrift (Das nenne ich norwegische Eskalation: zuerst wird ein Zahnarzt erschossen, dann brennen drei Gebäude und kurz darauf gibt es eine Bombendrohung. Polizeichef Ole Vik und sein Team ermitteln in – abhängig von der Lesegeschwindigkeit – Echtzeit.)

Kevin Lewis: Jagd auf Frankie (Nachdem Frankie einen Kinderschänder umgebracht hat, wird sie von der Polizei und den Zuhälterfreunden des Toten gejagt. Als sie in den Besitz geheimer Daten gerät, heften sich noch einige weitere Verfolger an ihre Fersen.)

Februar

Charlaine Harris: Falsches Grab (Harper Connelly entdeckt auf einem Friedhof in Memphis, Tennessee, in einem Grab eine Leiche zu viel. Gut, dass sie die letzten Augenblicke der Toten nachempfinden kann. Dumm, dass dem Mörder das nicht gefällt.)

Cynthia Harrod-Eagles: Mord im Park (Dritter Fall für Detective Inspector Bill Slider: Der Parkmörder ersticht Joggerinnen. Doch sein jüngstes Opfer starb an einer Überdosis Beruhigungsmittel.)

Tom Kahn: Das Tibetprojekt (Historiker Decker soll das Geheimnis des tibetischen Buddhismus ergründen. Seine gefährlichen Recherchen führen ihn zurück in das Dritte Reich.)

Henning Mankell: Die flüsternden Seelen (Taschenbuch-Ausgabe eines Afrika-Romans)

Henning Mankell: Das Auge des Leoparden (Großdruck-Ausgabe eines Afrika-Romans)

Ilkka Remes: Hochzeitsflug (Gehirnforscher Christian Brück will herausfinden, warum das Flugzeug mit seiner künftigen Frau abstürzte. Eine Videokassette liefert ihm dabei den Hinweis auf ein ungeheuerliches Geschehen. – Remes überarbeitete und aktualisierte „Hochzeitsflug“ für die deutsche Ausgabe.)

März

Iain McDowall: Gefährliches Wiedersehen (Als dritter Roman erscheint der erste Fall von DCI Jacobson und DS Kerr. In ihm suchen sie den Mörder eines unauffälligen Geschichtsprofessors.)

Tomas Ross: Der Tod des Kandidaten (De zesde mei, 2003 – Der Autor ist ein Niederländer, der in Wirklichkeit H. P. Hogendoorn heißt, und mit dem Ami Ross Thomas nichts zu tun hat. Aber auch bei ihm geht es um Politik: eine gerade aus der Haft entlassene Tierschützerin soll ihre Freunde bespitzeln. Der Sicherheitsdienst glaubt, dass sie ein Attentat planen. Der Roman erhielt den niederländischen Krimipreis „Gouden Strop“.)

April

William Gibson: Neuromancer/Biochips/Mona Lisa Overdrive (die bahnbrechende Neuromancer-Trilogie vom Vater des Cyberpunk in einem Band)

Jutta Profijt: Kühlfach 4 (Krimikomödie: Autoschieber Pascha wird ermordet. Damit sein Tod gerächt wird, nimmt sein Geist Kontakt mit dem Rechtsmediziner Gänsewein auf und dieser muss unter Verbrechern ermitteln.)

Greg Rucka: Ein Job in Taschkent (Ex-SIS-Mitarbeiterin Tara Chace soll in Taschkent, Usbekistan, einen Mann und sein Kind retten. Das ist leichter gesagt, als getan.)

Qiu Xialong: Rote Ratten (Oberinspektor Chen soll den Roten Ratten – korrupte Beamte und Neokapitalisten – das Handwerk leben.)

Fett Kursiv sind die Titel, auf die ich mich besonders freue.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Mörderischer Herbst III – Edition Köln, Emons

Mörderischer Herbst IV – btb Hardcover, Alexander Verlag, Heyne Hardcover, Liebeskind, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch, vgs


Mörderischer Herbst IV – btb Hardcover, Alexander Verlag, Heyne Hardcover, Liebeskind, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch, vgs

Juli 10, 2008

Weiter geht’s mit einigen Verlagen, die jedes Halbjahr eine überschaubare Zahl von Kriminalromanen veröffentlichen.

btb Hardcover

25. August

Hakan Nesser: Eine ganz andere Geschichte (Inspektor Gunnar Barbarotti ermittelt wieder.)

22. September

Henning Boetius: Berliner Lust (Der pensionierte Inspektor Piet Hieronymus sucht in Berlin den verschwundenen Informanten einer Immobilienfirma.)

Alexander Verlag

Herbst

Ross Thomas: Am Rand der Welt (Out on the rim, 1987 – Artie Wu und Quincy Durant versuchen 1986 ihr Glück auf den Philippinen in den Wirren nach dem Ende des Marco-Regimes. Ein Klassiker!)

Leonard Schrader: Der Yakuza (The Yakuza, 1975 – Und noch ein Klassiker. Wobei der gleichnamige Film von Sydney Pollack mit Robert Mitchum bekannter ist. Für die Neuausgabe wurde die alte Übersetzung überarbeitet.)

Heyne Hardcover

Juli

John Grisham: Berufung (The Appeal – Ein Chemiekonzern geht, nachdem er in erster Instanz zu 41 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt wird, in die Berufung. Außerdem verlässt sich Firmenboss Trudeau beim Kampf um den Erhalt seines Unternehmens gegen die junge Klägerin Jeannette Baker nicht nur auf findige Anwälte und die Mühlen der Justiz. – Das klingt doch nach einem echten Grisham.)

August

Meg Gardiner: Die Beichte (Dirty Secrets – Eine Suizidwelle unter Prominenten erschüttert San Francisco. Die forensische Psychiaterin Jo Beckett soll die Hintergründe hinter der Selbstmordwelle herausfinden und weitere Selbstmorde verhindern.)

September

Claude Cueni: Gehet hin und tötet (denkt sich ein Geheimbund, nachdem der Papst mit islamischen Gotteskriegern ein Abkommen zum Schutz des Weltfrieden schließen will. Gut, dass die Geheimbündler nicht mit Kardinal Albertini gerechnet haben. – Irgendwie scheint es für solche Verschwörungstheorien ein Publikum zu geben.)

Colin Forbes: Todeskette (The Main Chance – Spezialagent Tweed will herausfinden, wer die Inhaberin von Europas größter Privatbank ermordete. „Todeskette“ ist der vorletzte Roman des 2006 verstorbenen Colin Forbes.)

Mary Higgins Clark: Warte, bis du schläfst (Wher are you now – Zehn Jahre nach seinem Verschwinden will Marks Schwester herausfinden, warum er verschwand.)

Michael Morley: Viper (Sein 08/15-Serienkillerromandebüt „Spider“ mit dem in Italien lebenden Ex-FBI-Profiler Jack King gefiel mir zwar nicht so, aber „Viper“ hat eine gute Prämisse: Was wäre, wenn ein Mitglied der Camorra ein Serienkiller wäre? Ich werde also dem zweiten Jack-King-Roman eine Chance geben.)

Liebeskind

August

Pete Dexter: Paris Trout (Das mit dem National Book Award ausgezeichnete und erfolgreich verfilmte Werk erschien bereits in einer anderen Übersetzung als „Tollwütig“ bei Goldmann.)

James Sallis: Deine Augen hat der Tod (erschien bereits in der viel zu schnell eingestellten Dumont-Noir-Krimireihe. Schön, dass Liebeskind diese beiden Autoren in sein Programm aufgenommen hat.)

Manhattan

August

Sharon Bolton: Todesopfer (Neuankömmling Tora entdeckt auf ihrem Grundstück auf den Shetland-Inseln eine mit drei Runen gekennzeichnete Frauenleiche. Gemeinsam mit der Polizistin Dana will sie das Rätsel lösen.)

September

Ian Rankin: Ein Rest von Schuld (Exit Music – der letzte [?] Inspector-Rebus-Roman)

Page & Turner

September

John Sandford: Mordlust (Lucas Davenport soll herausfinden, ob ein Staatssenator eine Affäre mit einer Fünfzehnjährigen hatte. Außerdem muss er den Mord an einer achtzigjährigen Honoratiorin aufklären. Bei seinen Ermittlungen stößt DAvenport auf weitere Morde an älteren, reichen Kunstsammlern.)

Rotbuch

August

Jerome Charyn: Citizen Sidel (Ex-Cop Isaac Sidel ist der Kandidat der Demokraten für die Vizepräsidentschaft. Doch so einfach ist das nicht. Zehnter Sidel-Roman.)

Gunter Gerlach: Jäger des Alphabets (Großvater ist stinkreich und wird von allen Familienmitgliedern gehasst. Gordon beschließt. Großvater muss sterben! – Dass das bei Gunter Gerlach nicht ohne Nebenwirkungen abgeht, dürfte nach seinen vorherigen Krimis niemand überraschen.)

September

Allan Guthrie: Post Mortem (Auch sein Debüt „Two-Way Split“ ist ein düsterer Gangsterroman. Ian Rankin meinte „Seek him out and buy his book“.)

Hard Case Crime

Richard Aleas: Tod einer Stripperin (Little Girl Lost, 2004 – Der Krimi war zu Recht für den Edgar und den Shamus nominiert.)

Christa Faust: Hardcore Angel (Money Shot, 2008 – diese Frau ist härter als viele Männer)

Mickey Spillane: Das Ende der Straße (Dead Street, 2007 – aus dem Nachlass des Erfinders von Mike Hammer)

Donald E. Westlake: Mafiatod (361, 1962 – ein tolles Frühwerk, das bereits – wahrscheinlich unter einer anderen Übersetzung – als „Höllenfahrt“ auf Deutsch erschien)

vgs

August

Keith R. A. Decandido: CSI: NY – Ohne Ausweg (Dieses Mal müssen die New Yorker CSIler einen Doppelmord im Knast und den Mord an einem Polizisten aufklären. – Decandido schrieb auch einige Buffy-Romane.)

Oktober

Jerome Preisler: CSI: Crime Scence Investigation – Tod in der Wüste (In Las Vegas müssen die CSIler sich mit dem Mord an eine Sport-Groupie und einer unbekannten Leiche auf einem Golfplatz herumschlagen. – Preisler schrieb auch einige „Tom Clancy’s Power Play“-Romane.)

Fett Kursiv sind die Titel, auf die ich mich besonders freue.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Mörderischer Herbst III – Edition Köln, Emons


Mörderischer Herbst III – Editon Köln, Emons

Juli 7, 2008

Und was bietet Köln?

Edition Köln

August

Peter Faecke: Die Tango-Sängerin („Ein Buch, das nach dem Prinzip der Puppe konstruiert ist: eins steckt im anderen, im Kriminalroman der literarische Roman, und wer anfängt zu lesen, der ist auch schon drin und verloren“, schreibt der Verlag über den zweiten Kommissar-Kleefisch-Roman)

Kriminelle Sittengeschichte Deutschland (Herausgegeben von Frank Göhre und Jürgen Alberts)

August

Michael Molsner: Rote Messe (1973)

Irene Rodrian: Schlaf, Bübchen, Schlaf (1980)

September

Helga Riedel: Einer muss tot (1983)

Peter Schmidt: Die Regeln der Gewalt (1984)

Oktober

Peter Zeindler: Feuerprobe (1991)

Robert Brack: Psychofieber (1993)

Criminalbibliothek 1850 – 1933

Dieter Paul Rudolph (aka Watching the Detectives und Alte Krimis) gibt eine zehnbändige Reihe, versehen mit kundigen Nachworten, mit verschollenen Krimis heraus. Die erste Lieferung:

November

Emilie Heinrichs: Leibrenten (1866)

Später

Benno Bronner: Herr von Syllabus (1872)

J. D. H. Temme: In einer Brautnacht (Erzählungen, ab 1862)

Adolf Streckfuß: Der tolle Hans (1871)

Ernst von Wildenbruch: Das wandernde Licht (1893)

Emons

Juli

Sybille Baecker: Irrwege (Kommissar Brandner von der Tübinger Kripo muss den Mord an einem Jogger aufklären. Dummerweise finden sie im persönlichen Umfeld des Toten keinen Tatverdächtigen.)

Walter G. Pfaus: Tödliche Machenschaften (Privatdetektiv Fetzer sitzt in der Patsche. Er soll einen Finanzmakler umgebracht haben.)

August

Peter Kersken: Tod an der Ruhr (Im 19. Jahrhundert spielender Krimi)

September

Marlene Bach: Ab in die Hölle (Maria Moosers dritter Mordfall: Wer schnitt einem Heidelberger Finanzberater die Kehle durch?)

Martin Conrath/Sabine Klewe: Das Vermächtnis der Schreiberin (Was haben ein 1308 und ein heute begangener Mord miteinander zu tun? Heinrich Morgen wird für uns diesen Fall klären.)

Ralf H. Dorweiler: Schwarzwälder Schinken (drittes Abenteuer mit Testdieb Schlaicher und seinem Basset Dr. Watson. Dieses Mal sucht er ein entführtes Mädchen.)

Christoph Ernst: Kein Tag für Helden (Detektiv Jacob Fabian soll herausfinden, wer den Bestsellerautor Weiden als Abschreiber diffamiert. Die Spur führt in die Vergangenheit.)

Hannsdieter Loy: Rosenschmerz (Im Rosenheimer Biohotel wird einer der Gäste in der Sauna ermordet. Kriminalrat Josef Ottakring und Chili Toledo ermitteln.)

Dietmar Lykk: Totenschlüssel (Die Provinz lebt: Kommissar Lüthje muss in Norden von Schleswig-Holstein drei Morde aufklären.)

Manfred Megerle: Seefeuer (Mehrere Brände und Morde am Bodensee halten Kommissar Leo Wolf auf Trapp. Seine Ermittlungen führen ihn zu einem Internat.)

Edgar Noske: Himmel über Köln (Der Nachfolger von „Nacht über Nippes“ spielt 1968: Leo Saalbach soll eine minderjährige Tochter aus Frankreich zurückholen.)

Hannes Nygaard: Tod am Kanal (Die Husumer Kripo sucht den Mörder einer Lehrerin.)

Oliver G. Wachlin: Wunderland (Berlin Krimi über den Fall der Mauer. – Als Berliner bin ich gespannt.)

Roswitha Wildgans: Chorale Criminale (Vierter Fall der Weinstubenwirtin und Chorsängerin Maja Kuckuck: ein Metzger, mit dem Kuckuck vor vierzig Jahren eine Affäre hatte, wird erschossen. – Prost!)

Oktober

Meinrad Braun: Fliegende Fische (Richie Salewski findet zwei Stinger-Raketen und will die große Kohle machen. Doch das ist nicht so einfach.)

Carsten Sebastian Henn: Vino Diavolo (Ein Drei-Sterne-Koch wird ermordet und der Tatverdächtige Julius Eichendorff versucht seine Unschuld zu beweisen.)

Stefan Valentin Müller: Schlachthofsymphonie (Kommissar Richard Rose soll in Aschaffenburg den Mord an einem Schlachthofdirektor aufklären. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf einen Kinderhändlerring.)

Reinhard Rohn: Falsche Herzen (Hey, das ist neu: ein Serienmörder in Köln. Sein nächstes Opfer: der ermittelnde Kommissar.)

Roland Stark: Tod im Klostergarten (Eine junge Frau wird ermordet. Ihre Freundin verschwindet. Kommissar Mayfeld ermittelt. Die Schwester der Toten und der Bruder der Verschwundenen wollen die Wahrheit herausfinden. Und die Spur führt – Überraschung! – in die Vergangenheit.)

Dennis Vlaminck: Reliquiem (Ein Krimi aus dem Mittelalter)

November

Nicola Förg: Hundsleben (Kommissar Weinzirl will herausfinden, wer eine Künstlerin und Tierschützerin erschlagen hat. Verdächtig sind die bäuerlichen Nachbarn, andere Tierschützer und Verwandte von Spendern.)

Marianne Enzweiler Hill: Blinde Zeit (Kommissar Karter auf dem Selbstfindungstrip; allerdings ohne Drogen, aber dafür mit einigen anderen Verbrechen, wie einem gefälschten Familienstammbuch und einem verschwundenen Jungen.)

Fett Kursiv sind die Titel, auf die ich mich besonders freue.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit


Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Juli 4, 2008

Weiter geht’s mit zwei Krimiverlagen, die sich vor allem dem deutschsprachigen Krimi widmen:

Gmeiner

Seit zehn Jahren gibt es die ausschließlich mit deutschsprachigen Autoren bestrittene Krimireihe im Gmeiner-Verlag. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch! (Oh, und auf der Verlags-Homepage gibt es ein Gewinnspiel.)

Juli

Beate Baum: Häuserkampf (Journalistin Kirsten Bertram ermittelt wieder: der Bruder ihres Freundes kommt nach Dresden. Er will das Hechtviertel sanieren. Bertram ist misstrauisch und befindet sich schnell zwischen den Fronten eines mörderischen Kampfes um das Sanierungsgebiet.)

Susanne Bonn: Der Jahrmarkt zu Jakobi (Historischer Kriminalroman: Lindenfels in der Pfalz, 14. Jahrhundert)

Klaus Erfmeyer: Geldmarie (Justizkrimi: Die Polizei glaubt, dass Knobels Freundin ihren Germanistikprofessor umgebracht hat. Anwalt Knobel will ihre Unschuld beweisen.)

B. Erwin/U. Buchhorn: Die Herren von Buchhorn (Historischer Kriminalroman: St. Gallen, 10. Jahrhundert)

Matthias P. Gibert: Kammerflimmern (Der Tod eines Justiziars bringt Kommissar Lenz auf die Spur der Wirtschaftsmafia.)

Edi Graf: Leopardenjagd (Der Leopard will die Tübinger Journalistin Roloff umbringen. Ihre einzige Hoffnung ist ein seit Wochen verschwundener kenianischer Safariführer.)

Sigrid Hunold-Reime: Frühstückspension („ein frecher Beziehungskrimi“ sagt der Verlag)

Marcus Imbsweiler: Schlussakt (Privatdetektiv Max Koller soll den Mörder einer Operngarderobiere finden.)

Fritjof Karnani: Notlandung (Wirtschaftsthriller: Pilotenausbilderin Beryl Kirchbach will herausfinden, warum einer ihrer Schüler sich umbrachte.)

Gabriele Keiser: Gartenschläfer (Kommissarin Franca Mazzari sucht den Mörder des bestialisch erstochenen 18-jährigen Mario Reschkamp. Eine Spur führt ins Drogenmilieu, eine andere in okkulte Kreise und eine dritte zu einer Freundin des Toten.)

Uwe Klausner: Die Kiliansverschwörung (Historischer Kriminalroman: Würzburg: 15. Jahrhundert)

Sabine Klewe: Blutsonne (Eine Mordserie erschüttert Düsseldorf. Die „MK Henker“ und Amateurdetektivin Katrin Sandmann suchen den Täter.)

Matthias Klösel: Tourneekoller (Debüt: Kommissar Beckmann kommt der Selbstmord eines Schweizer Geschäftsmanns nicht koscher vor.)

Norbert Klugmann: Die Nacht des Narren (Historischer Krimi: Lübeck, 17. Jahrhundert)

Paul Lascaux: Wursthimmel (Nach dem Käse geht’s für die Privatdetektive Heinrich Müller und Nicole Himmel um die Wurst.)

Kurt Lehmkuhl: Raffgier (Erster Band der Serie mit dem pensionierten Kommissar Rudolf-Günther Böhnke. Er sucht den Mörder eines angesehenen Immobilienmaklers.)

Raimund A. Mader: Glasberg (Debüt: Kommissar Bichlmaier muss den Mord an einem Politiker und seiner Tochter aufklären. Eine Spur führt in die Vergangenheit zum „Prager Frühling“.)

Hardy Pundt: Deichbruch (Debüt: Wurde beim Deichbau gepfuscht? Wiard Lüpkes will’s wissen.)

Friederike Schmöe: Spinnefeind (Privatdetektivin Katinka Palfy soll herausfinden, wer dem Mathematiklehrer Falk wichtige Unterlagen gestohlen hat und warum einer seiner Schüler bei einer Exkursion verschwand. Da wird Falks Ex-Verlobte umgebracht, Falk wird als Mörder verdächtigt, und Palfy erhält das Angebot, an einer dreimonatigen Ausgrabung in Libyen teilzunehmen. – Klingt verwirrend? Ist es wahrscheinlich auch.)

Hans-Peter Vertacnik: Ultimo (ein Politthriller aus Österreich)

18. September

Bernd Franzinger: Kindspech (achter Fall für Kommissar Tannenberg: die kleine Emma Tannenberg wird entführt. Der Kommissar sucht die Entführer.)

Grafit

Ohne große Vorrede

Bereits erschienen

Matti Rönkä: Der Grenzgänger (Taschenbuch-Ausgabe)

Juli

Christoph Güsken: Sensemann lacht (Comedy-Krimi: Bestsellerautor Dankmar G. Rolling beauftragt Privatdetektiv Henk Voss das Lösegeld für ein gestohlenes Manuskript zu überbringen. Voss erledigt den Auftrag. Doch als er sein Honorar abholen will, ist Rolling tot. Todesursache: zu Tode gelacht.)

Beate Sauer: Der Geschmack der Tollkirsche (Taschenbuch-Ausgabe)

September

Wilfried Eggers: Paragraf 301 (Rechtsanwalt Peter Schlüter soll in einem Fall die Auslieferung eines zu einer zwanzigjährigen Strafe verurteilten Türken in seine Heimat verhindern, in einem anderen Fall soll er einen illegal in Deutschland lebenden Türken in einem Mordprozess verteidigen. – Der Verlag meint „provokant“)

H. P. Karr/Herbert Knorr (Hrsg.): Mord am Hellweg IV (und wieder schreiben deutsche und einige ausländische Krimiautoren Kurzgeschichten. Dieses Mal wird beim Hellweg-Krimifestival auch erstmals der europäische Krimipreis „Ripper-Award“ verliehen.)

Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller (Taschenbuch-Ausgabe)

Oktober

Horst Eckert: Königsallee (Taschenbuch-Ausgabe)

Reinhard Junge: Achsenbruch (PEGASUS ermittelt wieder: eine Autobombe tötet Rechtsanwalt Beißner. Aber wem galt der Anschlag? Ihm oder der Bochumer Oberbürgermeisterin Sonnenschein?)

Pentti Kirstilä: Den Göttern trotzt man nicht (Ein Fall für Lauri Hanhivaara)

Gabriella Wollenhaupt: Es muss nicht immer Grappa sein (ein neuer Comedy-Krimi mit der Journalistin Grappa. – Ich fand den ersten Grappa-Krimi so schlecht, dass ich auf weitere Versuche keine Lust habe.)

Fett Kursiv sind die Titel, auf die ich mich besonders freue.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag


Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Juli 3, 2008

Was bringt der Herbst? Natürlich krimitechnisch betrachtet. Den Aufschlag – weil sie den Herbst bereits im Hochsommer beginnen lassen – machen drei Verlage, die auch Kriminalromane veröffentlichen und dabei oft ein glückliches Händchen haben:

Pendragon

Oder: der Verlag, der viele zu Unrecht vergessene Autoren wieder verlegt, teils mit neuen Büchern, teils in Überarbeitungen und teils in Neuauflagen . Ich sage nur Robert B. Parker (In Amerika ein Bestsellerautor), Ernest Tidyman („Shaft“), D. B. Blettenberg (Hey, wann kommt der neue Roman?), Fred Breinersdorfer (dito: Wo bleibt der neue Roman?), Frank Göhre (Schon „Mo“ gelesen?), Roger Graf und Wolfgang Schweiger. Sam Jaun stößt jetzt dazu.

Juni

Pieke Biermann: Der Asphalt unter Berlin (Kriminalreportagen aus der Metropole)

Sam Jaun: Die Brandnacht (Endlich wieder erhältlich!)

Roland Voggenauer: Übersee (Die Bachlers haben eine dunkle Vergangenheit und das Ehepaar Staudacher wird sie aufdecken.)

Juli

Rainer Gross: Weiße Nächte (Sein mit dem Glauser ausgezeichnetes Debüt „Grafeneck“ war die Überraschung des letzten Jahres. Kann er mit dem Folgewerk die Erwartungen befriedigen?)

Michael Koglin: Der du bist dem Vater gleich (Der Obdachlose Omen, die Journalistin Juli und der Ex-Standesbeamte Harley suchen den Mörder einer Pferdepflegerin. Hm, ist wohl mehr Comedy als Krimi.)

August

Sabine Ernst: Kaltes Nest (Debüt: Ein Unbekannter überfällt Frauen. Die Polizei steht vor einem Rätsel.)

Roger Graf: Der Mann am Gartenzaun (Zweiter Fall für Damian Stauffer von der Kripo Zürich: in einer stillgelegten Fabrik wird ein Skelett entdeckt.)

Heinrich-Stefan Noelke: Das Kind im Glas (Bentsen fühlt sich für den Pechvogel Nesto verantwortlich. Als Nesto einen Unternehmer entführt, muss Bentsen etwas tun.)

Robert B. Parker: Der gute Terrorist – Ein Auftrag für Spenser (Nach „Kopfpreis für neun Mörder“ [The Judas Goat, 1978] muss Spenser sich wieder mit Terroristen herumschlagen.)

September

Jutta Motz: Späte Seilschaften (Nach dem Ende des Kalten Krieges stehen ein Oxford-Professor und ein Stasi-Mann unter Mordverdacht. Nur gemeinsam können sie ihre Unschuld beweisen. „Ein tiefgründiger Plot vor dem Hintergrund der neueren deutschen Geschichte“, sagt der Verlag.)

Roger Strub: Hand angelegt (Nach den Tod einer Studentin stößt die Polizei auf erotische Chatrooms und ungeklärte Morde in verschiedenen europäischen Ländern.)

Edition Nautilus

Oder, seit dem Überraschungserfolg „Tannöd“, der Andrea-Maria-Schenkel-Verlag

30. Juni

Robert Brack: Und das Meer gab seine Toten wieder (ist bereits erschienen; spielt in den Dreißigern und liegt auf meinem „unbedingt zu lesen“-Stapel. Denn sein vorheriger Krimi „Schneewittchens Sarg“ gefiel mir sehr gut. Doch jetzt habe ich mir endlich den schon lange überfälligen neuen Harlan-Coben-Roman „Das Grab im Wald“ geschnappt.)

27. August

Kaliber .64

Marita und Jürgen Alberts: Tod in der Quizshow (Ein Filmproduzent bringt vor laufender Kamera einen Quizmoderator um. Der Sender will allerdings, bevor der Mord publik wird, die noch nicht ausgestrahlten Folgen senden. – Das klingt ziemlich durchgeknallt.)

Wolfgang Schorlau: Ein perfekter Mord (Ein Krimiautor soll den perfekten Mord erfinden. Als dieser in die Tat umgesetzt wird, hat der Autor ein Problem.)

Manfred Wieninger: Die Rückseite des Mondes („Eine bösartige Geschichte aus der österreichischen Provinz“, schreibt der Verlag über diese Geschichte ohne Wieningers Serienhelden Marek Miert.)

Unionsverlag

Bekannte Namen bestimmen das Herbst-Programm:

25. Juli

Hannelore Cayre: Das Meisterstück (zweiter Auftritt von Lumpenadvokat Leibowitz: einer seiner Stammkunden ist angeklagt, einen aufsehenerregenden Kunstraub begangen zu haben. Leibowitz schnüffelt ein wenig herum und befindet sich in einer Raubkunst-Affäre wieder.)

Friedrich Glauser: Das erzählerische Werk in vier Bänden (nun, die vier einzeln erhältlichen Bücher in einer Kassette)

Bruno Morchio: Wölfe in Genua (In seinem zweiten Fall soll Privatdetektiv Bacci Pagano im Auftrag der Versicherung den Tod eines Rentners aufklären. Denn der mit einer jungen, bildhübschen Frau Verheiratete schloss kurz vor seinem Tod eine millionenschwere Lebensversicherung ab.)

Leonardo Padura: Der Nebel von gestern (Mario Conde verliebt sich in das Bild einer auf rätselhafte Weise verstorbenen Bolero-Sängerin aus den Fünfzigern. Er will mehr herausfinden.)

Nury Vittachi: Shanghai Dinner (Taschenbuch-Ausgabe)

Fett kursiv: auf diese Bücher freue ich mich besonders.


Erfreuliche Rückkehr

Juni 30, 2008

Nach einer vierjährigen Pause darf Celil Okers in Istanbul lebender Privatdetektiv Remzi Ünal endlich seinen vierten Fall auf Deutsch aufklären. In „Schnee am Bosporus“ deckte Remzi Ünal Drogengeschäfte an der Uni auf. In „Foul am Bosporus“ geriet er zwischen zwei Textilmanager, die jeweils ihren Fußballclub auch mit illegalen Mitteln zum Sieg führen wollten. In „Letzter Akt am Bosporus“ suchte er den Mörder einer jungen Schauspielerin in Szene-Milieu von Off-Theatern. Danach fiel der Vorhang.

Am Anfang von „Dunkle Geschäfte am Bosporus“ hat Remzi Ünal sich zurückgezogen. Er hat einfach keine Lust mehr, sich in das Leben von anderen Menschen einzumischen. Da wird er von Muazzez Güler, der Chefin einer Computerfirma, aufgesucht. Sie beauftragt ihn mit dem Eintreiben von Schulden bei Sinan Bozacioglu.

Als Ünal am Abend in ihrem Geschäft sein Geld abholen will, ist seine Auftraggeberin tot. Erwürgt mit einem Kabel. Ünal kann mit dem ihm zustehenden Geld unerkannt den Tatort verlassen.

Kurz darauf wird er zu einem Gespräch mit dem Mann der Verstorbenen, dem einflussreichen Lokalpolitiker Kadir Güler, gebeten. Er fordert Ünal auf, ihm Bozagioglu zu bringen, damit er sich an ihm für den Tod seiner Frau rächen kann. Sonst werde er Ünal der Polizei als Täter übergeben. Notgedrungen erklärt Ünal sich bereit Bozagioglu zu suchen. Ünal hofft so, das Schlimmste zu verhindern und den wirklichen Täter zu überführen.

Ex-Pilot Remzi Ünal wandelt als allein-lebender Privatdetektiv gelungen in den Spuren seiner US-amerikanischen Vorbilder. Aber Celil Oker hat ihm einige Hobbys (vor allem das Fliegen in einem Flugsimulator) und Freunde (die in „Dunkle Geschäfte am Bosporus“ nicht auftauchen) zur Seite gestellt. Und die Geschichten spielen nicht im Los Angeles des vorigen Jahrhunderts, sondern im heutigen Istanbul (obwohl der kulturelle Hintergrund in den vorherigen Remzi-Ünal-Romanen präsenter war). Doch der Hang des Privatdetektivs, sich in das Leben von anderen Menschen einzumischen, ein loses Mundwerk zu haben und sich mit Anderen zu schlagen (öfters als in den vorherigen Remzi-Ünal-Krimis) ist universell. Ebenso die Neigung des Privatdetektivs, sich auf die Seite der Schwachen zu stellen.

„Es gibt ein Zitat von Raymond Chandler, das genau beschreibt, was ich seit Jahren versuche: ‚Der Detektivroman ist eine Tragödie mit Happy End.’ Ich will gar nicht über diese Definition hinaus. (…) Also, lasst mich meinen Spaß mit dem Ende aller meiner Bücher haben, die genau so happy ausgehen, wie Chandler das gemeint hat. Und ich weiß, dass ernsthafte Leser von Detektivromanen das genauso sehen und erwarten…“ (Celil Oker)

„Dunkle Geschäfte am Bosporus“ ist ein kurzweiliger Privatdetektivkrimi, der sich hinter den US-amerikanischen Vorbildern nicht verstecken muss. Celil Oker hat es wieder einmal geschafft.

Celil Oker: Dunkle Geschäfte am Bosporus

(übersetzt von Nevfel Cumart)

Unionsverlag, 2008

256 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Son Ceset

Dogan Kitapcilik, Istanbul 2004

Die Werke von Celil Oker

Schnee am Bosporus (Ciplak Ceset, 1999)

Foul am Bosporus (Kramponlu Ceset, 1999)

Bin Lotluk Ceset, 2000

Letzter Akt am Bosporus (Rol Calan Ceset, 2001)

Dunkle Geschäfte am Bosporus (Son Ceset, 2004)

Bir Sapka, Bir Tabanca, 2005

Hinweise

Unionsverlag über Celil Oker

Alligatorpapiere: Befragung von Celil Oker (2008 )


Sechzehn Treffer von Jeffery Deaver

Juni 26, 2008

“Kurzgeschichten sind wie die Kugeln eines Heckenschützen. Schnell und vernichtend“, schreibt Jeffery Deaver im Vorwort zu seiner zweiten Kurzgeschichtensammlung „Gezinkt“. In ihr sind fünfzehn bereits an verschiedenen Orten veröffentlichte und eine neue Geschichte mit Lincoln Rhyme abgedruckt. Jede dieser Geschichten ist – um in der Metapher zu bleiben – ein tödlicher Schuss. Fast alle Schüsse treffen dabei voll ins Schwarze. Denn egal ob die Geschichte im viktorianischen England (mit einem Gastauftritt von Sherlock Holmes), im heutigen Italien oder in den USA in der Großstadt oder auf dem Land spielt, hat jede Geschichte eine überraschende Pointe. Die Guten entpuppen sich als Böse – und umgekehrt. Und einige Charaktere sind schlauer, als es auf den ersten Blick scheint. Oh, und, niemand (besonders nicht den Guten) kann in den sechzehn grandiosen Geschichten von Jeffery Deaver vertraut werden.

In „Der Voyeur“ – zum Beispiel – verliebt sich in Des Moines der vierundvierzigjährige Rodney Pullmann in die schöne, jüngere Nachbarin Tammy Hudson. Er überlegt, wie er sie ansprechen kann. Da entdeckt er einen anderen Mann, der sie heimlich beobachtet. Rodney beschließt sie anzusprechen, indem er vor ihren Augen den Voyeur vertreibt. Doch sein Plan geht schief, denn die Nachbarin ist nicht so unschuldig, wie Rodney glaubte, der Voyeur ist nicht an ihren sexuellen Reizen interessiert und Rodney sitzt am Ende im Knast. Denn Tammy ist einer der erfolgreichsten und am schwersten zu fassenden Drogenhändler Südkaliforniens und der Voyeur war ein Polizist, der von der flüchtigen Tammy – dank Rodneys Intervention – erschossen wurde. Die einzige Chance für Rodney ist, eine Anklage wegen Stalking zu akzeptieren. Deswegen war er bereits in Iowa zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Die anderen fünfzehn Geschichten, über die hier nichts verraten werden soll, um die Spannung nicht zu nehmen, enden mit ähnlich überraschenden Wendungen. Jeffery Deaver beweist in „Gezinkt“ sechzehn Mal, dass er nicht nur ein Meister der großen sondern auch der kleinen Form ist.

Jeffery Deaver: Gezinkt

(übersetzt von Fred Kinzel)

Blanvalet 2008

544 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

More Twisted

Simon & Schuster, 2006

„Gezinkt“ enthält diese Kurzgeschichten

– Kapitel und Vers (Chapter and Verse – in Robert J. Randisi [Hrsg.]: Greatest Hits: Original Stories of Hitmen, and Hired Guns, and Private Eyes, 2005)

– Der Pendler (The Commuter – in Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 1998 )

– Der westfälische Ring (The Westphalian Ring – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, September/Oktober 2004

Ed Gorman/Martin H. Greenberg [Hrsg.]: The Adventure of the Missing, 2005)

– Überwachung (Surveillance – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, August 2002

Ed Gorman/Martin H. Greenberg [Hrsg.]: The World’s Finest Mystery and Crime Stories: Fourth annual collection. The best mystery stories of 2002, 2003)

– Das schwarze Schaf (Born Bad –

in Otto Penzler [Hrsg.]: Dangerous Women: A short story collection with tales about dangerous women, 2005

in Ed Gorman [Hrsg.]: The Deadly Bride and 21 of the Year’s Finest – Crime and Mystery Stories, Vol. 2, 2006

in Scott Turow/Otto Penzler [Hrsg.]: The Best American Mystery Stories 2006, 2006)

– Die Vernehmung (Interrogation – in

Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, April 1996

Cynthia Manson [Hrsg.]: Law and Order: Good cops, bad cops, savvy detectives, and tricky attorneys, 1997)

– Angst (Afraid – in The Jeffery Deaver Newsletter vom 23. November 2005)

– Der Freispruch (Double Jeopardy – in Ellery Queen’s Mystery Magazine,

September/Oktober 1997)

– Das Mädchen im Stollen (Tunnel Girl – in Ellery Queen’s Mystery Magazine, Dezember 2005)

– Die Locard’sche Regel (Locard’s Principle (an original Lincoln Rhyme story))

– Kalte Rache (A Dish Served Cold – in Amazon Shorts [Downloadbar bei Amazon.com])

– Der Nachahmungstäter (Copycat – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, Juni 2003

Tony Hillerman/Rosemary Herbert [Hrsg.]: A New Omnibus of Crime, 2005)

– Der Voyeur (The Voyeur – in Ellery Queen’s Mystery Magazine, Januar 2005)

– Die Pokerlektion (The Poker Lesson – in John Harvey [Hrsg.]: Men from Boys: A collection with men writing about what it is to be a man, 2003)

– Siebenundreißig Grad (Ninety-eight Point Six – in Jeffery Deaver [Hrsg.]: A Hot and Sultry Night for Crime: When temperatures rise, tempers flare in this anthology, 2003)

– Immer einen Besuch wert (A Nice Place to Visit – in Lawrence Block [Hrsg.]: Manhattan Noir, 2006)

Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von “Die Menschenleserin” (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von „Auf ewig“ (Forever, in Ed McBain [Hrsg.]: Die hohe Kunst des Mordens [Transgressions, 2005])


Frank Corsos Ende?

Juni 25, 2008

Der sechste Frank-Corso-Thriller „Die Spur des Blutes“ von G. M. Ford endet mit einem Cliffhanger, der – weil es bis jetzt noch keinen weiteren Corso-Roman gibt – auch das Ende einer guten Serie sein könnte. Damit würde G. M. Ford immerhin den Ratschlag befolgen, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Denn natürlich gibt es in „Die Spur des Blutes“ auch all die Elemente, die die vorherigen Corso-Romane zu einem spannenden Leseerlebnis für die Fans harter, abwechslungsreicher Thriller mit einer gesellschaftskritischen Komponente machten. Denn im Gegensatz zu den letztendlich doch sehr formelhaften Jack-Reacher-Romanen von Lee Child mit ihrer klaren Moral, führt G. M. Ford seine Leser immer wieder in die grauen Zwischenräume zwischen Gut und Böse und er legt den Finger auf die Wunden der US-amerikanischen Gesellschaft.

In „Die Spur des Blutes“ schickt Corsos neuer Verleger seinen True-Crime-Bestsellerautor nach Pennsylvania. Dort geschah vor einem Jahr in Edgewater ein ungewöhnlicher Bankraub. Nathan Marino betrat mit einem Sprengstoffhalsband die Bank und forderte Geld. Als er die Bank verließ, war die Polizei bereits da. Während sie auf das Bombenentschärfungskommando warteten, explodierte die Bombe. Jetzt soll Corso ein Buch darüber schreiben. Corso ist von diesem Auftrag nicht begeistert. Und über den von seinem Verleger entfachten Medienwirbel ist er extrem stinkig. Aber nachdem mehrere Anschläge auf ihn verübt werden, ist seine Neugierde geweckt. Zu seinem Schutz und als Hilfe bei den Recherchen schickt ihm sein Verleger die Kriegsreporterin Chris Andriatta.

Während Corso mit ihr den Kleinstadtsumpf aufwühlt, geschehen nach dem gleichen Muster an der Westküste weitere Banküberfälle. Da bittet ihn das FBI ziemlich rabiat, ihnen mit seinem Wissen bei den Ermittlungen zu helfen. Denn bereits in der Vergangenheit wusste Frank Corso mehr als die Polizei.

Der Ausgangspunkt für „Die Spur des Blutes“ ist ein wahrer Kriminalfall. Am 23. August 2003 überfiel Pizzafahrer Brian Douglas Wells in Erie, Pennsylvania, eine Bank. Als er von der Polizei geschnappt wurde, sagte er, drei Männer hätten ihn gezwungen eine Halsbombe zu tragen und sie ihn, wenn er nicht kooperiere, umbringen würden. Wie in Fords Roman explodierte auch in der Wirklichkeit die Bombe bevor das Bombenentschärfungskommando ankam. Im Gegensatz zum Roman hält die Polizei Wells inzwischen für einen Mittäter.

Ausgehend von diesem Fall entwirft G. M. Ford einen spannenden Thriller mit gewohnt pointierten Dialogen und überraschenden Wendungen. Fast nebenbei wird in „Die Spur des Blutes“ der Umgang des Staates mit Kriegsveteranen thematisiert.

In den USA erschien im Februar sein erster Standalone „The nameless night“. Und G. M. Fords sechs Leo-Waterman-Privatdetektivromane sind auch noch nicht übersetzt.

G. M. Ford: Die Spur des Blutes

(übersetzt von Leo Strohm)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originaltitel

Blown Away

William Morrow, 2006

Die Recherchen von Frank Corso

Erbarmungslos (Fury, 2001)

Killerinstinkt (Black River, 2002)

Die Spur des Bösen (A blind eye, 2003)

Rotes Fieber (Red Tide, 2004)

Die Geisel (No man’s land, 2005)

Die Spur des Blutes (Blown away, 2006)

Hnweise

January Magazine: Interview mit G. M. Ford (1999)

Books’n’Bytes: Interview mit G. M. Ford (2003)

Wikipedia über Brian Douglas Wells und die wahren Hintergründe

Post-Gazette über den Fall (3. September 2003)


Elders dritter Streich

Juni 23, 2008

Mit „Schlaf nicht zu lange“ beendet John Harvey gelungen seine Frank-Elder-Trilogie. Ex-Detective Frank Elder genießt immer noch das einsame Leben in Cornwall, als ihn seine Ex-Frau Joanna anruft. Sie bittet ihn Claire Meecham, die spurlos verschwundene Schwester einer ihrer Freundinnen, zu suchen. Elder, der die Gelegenheit wahrnimmt seine Tochter Katherine wieder zu sehen, beginnt sich umzuhören. Schnell entdeckt er, dass Claire Meecham nur äußerlich eine ältliche Jungfer war. In ihrer Wohnung findet er Sexspielzeug. Im Geheimen traf sie sich mit Männern, die sie über das Internet kennen gelernt hatte. Doch er findet nicht heraus, warum sie verschwunden ist.

Kurz darauf taucht sie wieder auf. Sie liegt tot in ihrem Bett. Als Elder die sorgfältig hergerichtete Leiche sieht, erinnert er sich an seinen ersten Mordfall in Nottinghamshire. 1997 war Irene Fowlers Leiche ähnlich arrangiert worden. Der Mörder wurde nie gefasst. Zusammen mit seiner alten Partnerin Maureen Prior beginnt er zu ermitteln.

In England ist John Harvey als Erfinder von Charlie Resnick, der auch in den „Schlaf nicht zu lange“ einen kurzen Auftritt hat, bekannt und bei Kollegen, Kritikern und Lesern sehr beliebt. Sein erster Elder-Roman „Schrei nicht so laut“ erhielt den Silver Dagger. Einige meinten, er hätte den Hauptpreis verdient gehabt. 2007 erhielt er den Cartier Diamand Dagger für sein Lebenswerk. Und seit anderthalb Jahren wird Harvey, nach einer jahrelangen Übersetzungspause, und bei einem neuen Verlag, auch von den deutschen Lesern angenommen.

Denn John Harvey ist ein angenehm altmodischer Geschichtenerzähler. Bei ihm wimmelt es nicht von durchgeknallten Serienkillern, problembelastet-trübsinnigen, alkoholsüchtigen Ermittlern, länglichen sozialpolitischen Statements und seitenfüllenden privaten Erzählsträngen, die mit der Haupthandlung nichts zu tun haben. Natürlich erzählt John Harvey auch von Frank Elders problematischer Beziehung zu seiner Frau und seiner Tochter, die in „Schrei nicht so laut“ entführt wurde und in „Schau nicht zurück“ mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Doch diese Geschichte gerät nie in Konflikt mit den Mordermittlungen.

Den letztendlich banalen Mordfall mit einer überschaubaren Zahl von Verdächtigen und einem Verdächtigen, der sehr schnell zum Hauptverdächtigen avanciert, präsentiert John Harvey mit der Souveränität eines großen Erzählers. Während Elder mit Zeugen und Verdächtigen spricht und langsam den Täter einkreist, wird in kurzen Kapiteln aus der Jugend des Mörders erzählt. So wird auch der Mörder neben Elder, seinen Freunden und den Opfern zu einem dreidimensionalen Charakter.

„Schlaf nicht zu lange“ ist ein Kriminalroman, der von Menschen, ihren Problemen und Hoffnungen handelt. Alltag eben.

John Harvey: Schlaf nicht zu lange

(übersetzt von Sophie Kreutzfeld)

dtv, 2008

432 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Darkness & Light

William Heinemann, London 2006

Die Ermittlungen von Frank Elder

Schrei nicht so laut (Flesh & Blood, 2004)

Schau nicht zurück (Ash & Bone, 2005)

Schalf nicht zu lange (Darkness & Light, 2006)

Hinweise

Homepage von John Harvey

dtv: Interview mit John Harvey

Guardian: Interview mit John Harvey (29. Dezember 2007)

Krimi-Couch über John Harvey

Meine Besprechung von “Schau nicht zurück”


Fünf Fragen an Alfred Hellmann

Juni 19, 2008

Nach einer mehrjährigen Pause als Krimiautor (in der Zwischenzeit schrieb Alfred Hellmann Kabarettprogramme und das Sachbuch „Disziplin für Faule“, übersetzte Bücher und organisierte in Berlin die feine Veranstaltungsreihe „Cinema Royal“, bei der vier Drehbuchautoren sich, wie „Das Literarische Quartett“, über neue und alte Filme fetzten) veröffentlichte er vor wenigen Wochen seinen zweiten Kriminalroman. „Vor den Hymnen“ erhielt, nicht nur von mir, euphorische Kritiken.

Für die Kriminalakte beantwortet er fünf Fragen:

1) Jede Geschichte beginnt mit einer Idee. Was war die Ausgangsidee für „Vor den Hymnen“?

Ich hörte, dass Firmen mittlerweile auch bei uns diskrete Versicherungen gegen Produkterpressungen abschließen können, was bis dahin nur in Großbritannien und den USA möglich war. Die Versicherer arbeiten eng mit privaten Sicherheitsfirmen und Spezial-Detekteien zusammen, was, wie aktuell der Fall Telekom und andere belegen, nicht immer unproblematisch ist.

Zugleich wurde damals gegen Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Kölner Polizei ermittelt, wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung, versuchter Strafvereitelung im Amt, Betrug, Diebstahl und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. – Beides zusammen ergab den Treibsatz.

2) Kannst du uns etwas über das Schreiben von „Vor den Hymnen“ erzählen?

Es folgten erste Übungskapitel mit der Herausbildung der Protagonisten, einem gebürtigen Rheinländer und einer Ostdeutschen, innerhalb einer Berliner Mordkommission.

Parallel dazu führte ich Interviews mit Managern und Polizisten, darunter Mitgliedern von Spezialeinheiten, die natürlich darauf hinwiesen, dass ein paar schwarze Schafe noch keine Herde machen.

Früher schrieb ich nachts, heute schreibe ich früh am Morgen, ziemlich diszipliniert. (Ich gebe ja auch Workshops zum Thema Disziplin & Kreativität.)

3) Du bist auch Satiriker und Drehbuchautor. Inwiefern glaubst du, dass das deinen Roman beeinflusst hat?

Den Satiriker – oder Kabarettisten – musste ich im Zaum halten. Spannung und Komik passen nur bedingt zusammen. Ich habe versucht eine funktionierende Mischung zu finden.

Meine Lektorin, Dr. Marion Heister, hat zum Beispiel die frühe Variante einer zentralen Nebenfigur kritisiert: Katharina Syltenfuß, die zu diesem Zeitpunkt noch Sieglinde von Syltenfuß hieß und Kaufhauserpressung als harmloses Hobby für südseesüchtige Witwen betrieb. Der Lektorin erschien sie in der alten Fassung zu parodistisch, und sie befürchtete, dass der relative Unernst dieser Figur das restliche Buch ‚infizieren‘ könnte. Das fand ich, nach einer angemessenen Phase des Beleidigtseins, überzeugend. Also habe ich sie entschärft und ihr ein wenig Melancholie mitgegeben. Viele Leser, und noch mehr Leserinnen, mögen sie sehr.

Meine Arbeit als Drehbuchautor schlägt sich am deutlichsten in der Wahl der Erzählperspektiven nieder, vielleicht auch in der relativen Kürze der Kapitel. Spät rein in die Szene, früh raus, so lautete die Regel, die ich aber auch ein paar Mal verletzt habe.

4) Was dürfen wir demnächst von dir erwarten?

Einerseits arbeite ich an einem neuen Krimi, andererseits habe ich, gewissermaßen zu Erholung, eine Theaterkomödie („HoPP!“) geschrieben, die ich zurzeit Verlagen anbiete. Im Hintergrund schreibe ich an einem ,großen‘ Roman, der sich aber nur langsam entwickelt. Außerdem arbeite ich gelegentlich als freier Texter.

5) Welche fünf Bücher empfiehlst du für den Strandkorb?

1.. John Sandford, die Lucas-Davenport-Reihe – die für mich aktuell besten Thriller: spannend, realitätsnah und frei von narzisstisch-depressivem Gejammer.

2.. Janwillem van de Wetering – die frühen Krimis, auch die Bücher über seine Aufenthalte in buddhistischen Klöstern.

3.. Albert Camus „Der Fremde“. Vorzugsweise bei großer Hitze zu lesen.

4.. Anne Michaels „Fluchtstücke“. Hervorragend geschrieben, mit wunderschönem Sprachklang. Ich kenne Leute, die beim Lesen geweint haben.

5.. Lion Feuchtwanger „Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis“. Leidenschaft, Liebe, Künstlertum – mit Worten gemalt.

Alfred Hellmann: Vor den Hymnen

Emons, 2008

240 Seiten

9,90 Euro


Besprechung „Todsichere Geschäfte“ online

Juni 13, 2008

Heute erschien in der Berliner Literaturkritik meine Besprechung von Michael Schomers Sachbuch „Todsichere Geschäfte – Wie Bestatter, Behörden und Versicherungen Hinterbliebene ausnehmen“ (Econ, 2007). Mir hat das informative Buch gut gefallen.


Peitsche, Degen, Kamm – und ein Kristallkopf

Juni 8, 2008

Fast zeitgleich mit James Bond kehrte ein zweiter Held der Popkultur, nachdem in Hollywood jahrelang Drehbücher geschrieben, verworfen, neu geschrieben und Harrison Ford sagte, wenn der Film nicht bald gedreht würde, wäre er zu alt, zurück. Nach „Jäger des verlorenen Schatzes“, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ feierte „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ in Cannes Weltpremiere und kurz darauf startete der Film in den Kinos. Die Kritiken waren solala bis gut und das Einspielergebnis der ersten Wochen ist, wenig überraschend, überzeugend.

Neben dem Film rollte auch die bei Blockbustern fast normale Merchandising-Welle (besonders wenn der Film aus dem Hause George Lucas stammt) mit DVDs, CDs und Büchern los. Den Auftrag für das Buch zum Film erhielt der bekannte Thriller-Autor James Rollins.

Der Film…

Bevor ich mir „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ansah, beging ich im Nachhinein einen großen Fehler. Ich sah mir wieder die ersten drei Indiana-Jones-Filme an. Ich war wieder begeistert von den Filmen. Die Story ist zwar immer nur eine Abfolge von Cliffhangern und Verfolgungsjagden (Indiana Jones gibt vor allem als Gejagter ein prächtiges Bild ab). Dieses Mal fiel mir bei den drei ersten Indiana-Jones-Filmen vor allem auf, wie genau und liebevoll das Team Lucas/Spielberg in ihren Hommagen die Welt der Serials rekonstruierte. Überrascht war ich teilweise, besonders bei „Jäger des verlorenen Schatzes“, von der Brutalität der Filme.

Entsprechend erwartungsvoll ging ich ins Kino – und erlitt einen vollgequasselten Actionfilm mit einem lahmen Mittelteil und nervigem Außerirdischengedöns.

Denn der neue Indiana-Jones-Film spielt 1957 (Was war 1957? Aliens, Aliens, Aliens, Atomtests in der Wüste, Rock’n’Roll, und Außerirdische.). Außerdem haben die Russen die Nazis in der Wirklichkeit und im Film als Bösewichte abgelöst. Aber auch sie wollen historische Artefakte mit denen sie die Welt beherrschen können haben. Ihr neuestes Ziel ist eine Gruppe von dreizehn Kristallschädeln, die, so sagt eine Legende, wenn sie zusammengebracht werden, überirdische Macht verleihen. Eine andere Legende sagt, dass vor Jahrhunderten ein Kristallschädel aus Akator, auch bekannt als El Dorado, gestohlen wurde und die Person, die den Schädel in den dortigen Tempel zurückbringt, die Kontrolle über seine Kräfte erhält.

Dr. Irina Spalko sucht für die Russen diese Kristallschädel. Sie hat bereits Indys alten Freund, Professor „Ox“ Oxley, der sein Leben der Suche nach Akator gewidmet und kürzlich einen Schädel gefunden hat, entführt und aus einem Militärlager in der Wüste von Nevada einen Kristallschädel entwendet. Zusammen mit Oxs Adoptivsohn Mutt Williams macht Indiana Jones sich auf den Weg in den südamerikanischen Dschungel.

Das klingt jetzt nach genug Story für einen Indiana-Jones-Film, der vor allem unterhaltsames Popcorn-Kino mit viel Action und flotten Sprüchen ist.

Doch schon der Anfang des Films ist lahm. Vor der ersten Action wird – im Gegensatz zu den anderen Filmen – minutenlang gequasselt. Auch später werden wir bis zum Gehtnichtmehr mit archäologischem Wissen gefüttert. In den ersten Indiana-Jones-Filmen erzählte das Team Lucas/Spielberg in diesen Szenen oft noch eine zweite Geschichte. Denken Sie nur an das vergiftete Essen im ersten Indiana-Jones-Film. Während Jones und ein Freund Archäologengespräche führten, essen sie. Wir wissen, dass die Früchte vergiftet sind und hoffen, dass Indiana Jones keine davon isst. Oder das Dinner in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“. Während Indy mit den Gastgebern über irgendwelche untergegangenen Kulte redet, werden verschiedene Köstlichkeiten (Schlangen, Affenhirn, undsoweiter) aufgetischt. Sängerin Willie Scott arbeitet sich von einem Schreikrampf über den nächsten bis zur finalen Ohnmacht vor. Im Kino war von den Dialogen kein Wort mehr zu verstehen – und niemanden hat’s gestört.

Aber jetzt muss bei dem Gerede zugehört werden. Denn dieses Mal haben Lucas/Spielberg und ihr Drehbuchautor David Koepp in diesen Momenten Indiana Jones bevorzugt mit einer zweiten Person in einen Raum gesetzt. Das ist dann mehr TV als Kino.

Wenn dann irgendwann gekämpft wird, ist es teils schnell vorbei (Friedhof), oder die Computereffekte sind deutlich zu sehen (Urwald).

Die Witze sind, im Gegensatz zu den ersten drei Filmen, dialoglastig – und Indys jugendlicher Begleiter Mutt Williams hat die besseren Szenen. Während Indiana Jones nur einige halbgare Einzeiler zwischen „Fahr zur Hölle, Genosse“, „Halbtags“ und „Oh, das hat nichts Gutes zu bedeuten“ murmelt, hat Mutt Williams mehr gute Sprüche, etliche Actionszenen und einen echten Lacher, wenn ihm Dr. Spalko ihr Schwert an die Kehle hält, er sie um eine Sekunde bittet, sich die Haare kämmt und dann sagt: „Okay, jetzt können Sie weitermachen.“

Doch in den früheren Filmen gab es unter anderem den Schuss auf den Schwertkämpfer, die Flucht vor der Armada von Schwertkämpfern und den ein-Schuss-drei-Tote-Moment. Im Neuen ist kein ähnlich überraschender Moment enthalten.

Tiefpunkt der Peinlichkeiten ist die Szene, in der Indiana Jones und Marion Ravenhurst in einer Trockensandgrube versinken. Mutt holt eine riesige Erdnatter aus dem Dschungel und will die beiden mit der Schlange als Seil aus der Grube ziehen. Indiana Jones kann die Schlange (inzwischen scheint seine Abneigung gegen Schlangen einer schieren Panik vor Schlangen gewichen zu sein) erst anfassen, nachdem Mutt und Marion die Schlange „Seil“ nennen.

Wirklich gelungen ist in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ nur die Ausstattung. Wurde in den ersten drei Filmen die Welt der Dreißiger und der Serials wiederbelebt, sind es jetzt die Fünfziger. Aber wer geht schon wegen der Ausstattung in einen Film?

… und das Buch zum Film

Als der bekannte Thrillerautor James Rollins gefragt wurde, ob er das Buch zum Film schreiben möchte, war dieses Desaster noch nicht abzusehen. Denn das Buch sollte zeitgleich mit dem Film veröffentlicht werden. Die meisten Buch-zum-Film-Autoren arbeiten deshalb mit einem Drehbuch, das nicht unbedingt eins-zu-eins verfilmt wird. Wenn sie Glück haben, erhalten sie auch weitere Informationen. James Rollins schreibt auf seiner Webseite, er habe zuerst sogar zum Lesen des Drehbuchs zu den Lucasfilm Studios fahren müssen. Später erhielt er, von seinem PC aus, Zugang zu exklusivem Material und die Erlaubnis, Szenen zu schreiben, die nicht im Film enthalten sind. Doch, und da endet die Freiheit jedes Buch-zum-Film-Autors, die Hauptgeschichte muss der des Films folgen.

Deshalb kann James Rollins nicht die Geschichte von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ vorgeworfen werden. Ihm gelingt sogar das Kunststück, aus einem schlechten Film ein besseres Buch zu machen. Er verbindet die einzelnen Szenen des Films schlüssiger. Die peinlichsten Szenen des Films dampft er auf das nötigste ein. So lässt er in der eben erwähnten Szene mit der Schlange das Umbenennen der „Schlange“ in „Seil“ fallen. Rollins schreibt nur:

Marion und Mutt schrien ihn im Chor an: „JONES!“

Mutt sah, wie sich das Gesicht des Mannes vor Widerwillen verzerrte. Dann aber streckte Jones die Hand nach der braunen Erdnatter aus, schloss die Augen und wandte sein Gesicht ab.

Ähnlich ökonomisch geht Rollins vor, wenn Mutt sich später wie Tarzan durch den Dschungel schwingt:

Mutt packte eine nahe Ranke und zog einmal fest daran, um zu testen, ob sie sein Gewicht hielt. Zufrieden klemmte er sich das Schwert zwischen die Zähne, klammerte sich an der Ranke fest und stieß sich von dem Ast ab.

Er schwang hinter den Affen her durch die Luft, passte sich ihrem Tempo und Rhythmus an, bewegte sich von Ranke zu Ranke, folgte ihrem Weg.

Auch der Kristallschädel, der im Film immer brüllt „Ich bin ein Außerirdischer“, ist im Buch einfach nur ein Schädel, dem mythische Kräfte zugeschrieben werden. Allein schon diese kleinen Veränderungen machen die Geschichte glaubwürdiger.

Daneben verrät James Rollins auch mehr über die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere und erfüllt so die Comiccharaktere mit einem tieferen Leben, ohne sie zu sehr zu psychologisieren. Immerhin ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ein Abenteuerthriller. Eine weitere kluge Entscheidung von James Rollins war, größere Teile seines Romas aus der Perspektive von Mutt Williams zu erzählen. Er übernimmt, wie Dr. Watson in den Sherlock-Holmes-Geschichten, die Rolle des den Helden letztendlich atemlos bewundernden Begleiters.

Wenn Sie also überlegen, wofür Sie ihre neun Euro ausgeben wollen, kaufen Sie das Buch – und danach vielleicht ein weiteres Buch von James Rollins.

James Rollins: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2008

384 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Del Rey/The Ballantine Publishing Group, 2008

Film

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, USA 2008 )

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: David Koepp (nach einer Geschichte von George Lucas und Jeff Nathanson, basierend auf einem Charakter von George Lucas und Philip Kaufman)

Mit Harrison Ford (Indiana Jones), Cate Blanchett (Irina Spalko), Karen Allen (Marion Ravenwood), Shia LaBeouf (Mutt Williams), Ray Winstone (‚Mac‘ George McHale), John Hurt (Professor ‚Ox‘ Oxley), Jim Broadbent (Dean Charles Stanforth), Igor Jijikine (Dovchenko)

Hinweise

Homepage von James Rollins

Amerikanische Homepage von Indiana Jones

Deutsche Homepage von Indiana Jones


Spurensuche über Krimireihen online

Juni 4, 2008

Alligator-Alfreds Tatendrang ist nicht zu bändigen. Kaum hat er sich die neue Spurensuche geschnappt, stellt er sie auch schon online. Der Titel „Mordmäßige Krimireihen“ gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf den Inhalt. Denn dieses Mal bespreche ich die neuen Bücher aus den Häusern Edition Nautilus, Edition Köln, Hard Case Crime (dem deutschen Ableger) und Funny Crimes. Die Autoren und Titel sind, in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Friedrich Ani: Der verschwundene Gast

Bernhard Jaumann: Geiers Mahlzeit

Roman Rausch: Meet the Monster

Egon Eis: Duell im Dunkel

Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara

Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig

-ky: Einer von uns beiden

Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Kiss her goodbye)

Ken Bruen & Jason Starr: Flop (Bust)

Lawrence Block: Abzocker (Grifter’s Game; früher: Mona; Sweet Slow Death)

Lawrence Block: Verluste (Everybody dies)


James Bonds nicht so glorreiche Rückkehr

Juni 3, 2008

Der Pressebohei um das neue James-Bond-Buch war groß. Immerhin ging es ganz schnöde um die Wiederbelebung von James Bond als Romangestalt. Denn der letzte Bond-Roman „The man with the red tattoo“ verkaufte sich 2002 nicht gut. Also wurde die Zusammenarbeit mit Raymond Benson beendet und nach einer mehrjährigen Pause auf dem Erwachsenenbuchmarkt, ein neuer Autor gesucht. Schon die Suche war von dem aus den Filmen bekannten Spiel aus Geheimhaltung und Spekulationen begleitet worden. Dann stand fest: Sebastian Faulks schreibt den neuen Roman. Die hastige Suche im Internet ergab: kein Krimiautor, sondern ein Literat. Nach Raymond Benson und John Gardner war das etwas Neues. Allerdings war auch der erste Bond-Roman nach Ian Flemings Tod von einem Literaten geschrieben worden. Kingsley Amis hieß der in England bekannte Autor, der dafür das kaum kaschierte Pseudonym Robert Markham verwandte.

Nun also Sebastian Faulks.

Dann begann der zweite Teil des Spiels. Über die Geschichte war vorher nichts zu erfahren und auch der Klappentext von „Der Tod ist nur der Anfang“ (ein weiterer der schön nichtssagenden Bond-Titel) passt auf fast jeden Bond-Roman: Der Geheimagent ihrer Majestät kämpft gegen einen gefährlichen Unterweltboss, der das Königreich angreifen will und eine schöne Frau ist auch dabei.

Weil Ian Fleming am 28. Mai seinen hundertsten Geburtstag feierte, wurde die weltweite Veröffentlichung des Buches von Flemings Erben und dem Verlag auf diesen werbeträchtigen Tag gelegt und weltweit schrieben die Medien kostenlos über die Vorstellung des neuen Bond-Romans in London mit Schlauchboot, bewaffneten Elitesoldaten, gesichertem Koffer, Covergirl Tuuli Shipster (ein fast Bondwürdiger Name) und Autor Sebastian Faulks. Bis dahin lief das Spiel mit den Erwartungen reibungslos.

Jetzt muss Faulks Geschichte sich der kritischen Öffentlichkeit stellen und es geht nur noch um eine Frage:

Wie geglückt ist das Buch?

Die kurze Antwort ist: Solala mit einer deutlichen Tendenz zum Negativen.

Die lange ist: „Der Tod ist nur der Anfang“ spielt knapp zwei Jahre nach dem letzten von Ian Fleming geschriebenen und 1965 posthum veröffentlichten Roman „The man with the golden gun“ (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt/007 James und der goldene Colt) (Als ich das maue Buch vor Ewigkeiten las, dachte ich, ich hätte einen noch nicht bearbeiteten Entwurf in der Hand.). Diese Rückkehr in die sechziger Jahre verleiht dem Werk ein nostalgisches Flair vom blühenden Jet-Set-Leben und den zaghaft angedeuteten beginnenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Gleichzeitig gibt diese Rückkehr in die Sechziger, nachdem die Romane von Gardner und Benson in der Gegenwart spielten, und das bewusste Anknüpfen an Fleming den Bezugsrahmen für eine Kritik vor. Mit „Der Tod ist nur der Anfang“ sollte nicht, wie bei dem letzten Bond-Film „Casino Royale“ mit einem neuen Darsteller die Serie in ein neues Jahrzehnt überführt werden. Stattdessen sollte die einst glorreiche Vergangenheit wiederbelebt werden. Und Faulks knüpfte, wie er sagt, bewusst an Flemings Stil an.

M hat James Bond einen dreimonatigen Urlaub, in dem er sich überlegen soll, ob er weiter 00-Agent sein will, verordnet. In Venedig trifft er die schöne Larissa Rossi (Anfang dreißig, kurzes schwarzes Haar, weit auseinanderliegende braune Augen, wunderschöner Mund, lange, geschmeidige, wohlgeformte und elegante Beine). Bevor Bond mit ihr im Bett landet – wobei er das auf den nächsten Tag verlegen will (was uns Bond-Fans ernsthaft an der weiteren Diensttauglichkeit des Doppelnullagenten zweifeln lässt) –, wird er von M zurückgerufen. Er beauftragt Bond, sich an die Fersen von Dr. Julius Gorner zu heften. Der unglaublich reiche Mann ist ein weltweit operierender Rauschgifthändler, der seine Ware legal und illegal verkauft. Sein besonderes Kennzeichen ist eine Affenhand; eine genetische Missbildung. Bond soll herausfinden, wie der Mann tickt und was an den Gerüchten, dass Gorner etwas Großes plane, dran sei. Meistens sei er in Paris.

James Bond fliegt dorthin und trifft in seinem Hotelzimmer wieder auf Larissa, die in Wirklichkeit Scarlett Papava heißt und Investmentbankerin ist. Sie erzählt ihm eine herzzerreißende Geschichte von ihrer Schwester Poppy, die von Gorner als Sklavin festgehalten wird. Bond beschließt das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Am nächsten Tag trifft er Gorner zu einem Tennisspiel.

Dieses Spiel, natürlich garniert mit einem steigenden Wetteinsatz, ist Bond-klassisch die erste Konfrontation zwischen dem Geheimagent ihrer Majestät und dem zu besiegenden Feind der westlichen Hemisphäre.

Das nächste Treffen ist in Persien, dem heutigen Iran, – und in diesem Moment ist der angenehme Teil von „Der Tod ist nur der Anfang“ vorbei. Bis dahin war es eine liebevolle Wiederbelebung von James Bond, garniert mit Erwähnungen von Ereignissen aus den früheren Büchern, etwas Jet-Set, Essen, Trinken, schönen Frauen, Gesprächen mit Miss Moneypenny und M, einigen Hinweisen auf die sechziger Jahre und einem als Spiel getarntem Duell zwischen James Bond und dem Bösewicht des Buches. In Persien fällt Faulks Geschichte wie ein falsch zubereitetes Soufflé zusammen zu einer x-beliebigen, ironiefreien Agentengeschichte mit länglichen Reisebeschreibungen, lahmen Actionszenen, wenig Sex, einem vergurkten Verhindern der Pläne des Bösewichts und, Tage später, seinem Tod.

Das ist für einen Bond-Roman eindeutig zu wenig; – auch wenn ich als Vorbereitung für „Der Tod ist nur der Anfang“ die alten Bond-Romane von Ian Fleming nicht gelesen habe. Und, verglichen mit anderen in den Sechzigern spielenden Agententhriller, – ich denke an die Romane von Peter O’Donnell (Modesty Blaise), Lawrence Block (Evan Tanner) und Ross Thomas -, ist „Der Tod ist nur der Anfang“ erschreckend altmodisch. Kein Funken Ironie würzt das Werk. Nichts ist von den Swinging Sixties zu spüren. Nichts vom Aufbegehren gegen die Konventionen. James Bond stampft in seinem neuesten Abenteuer nur stoisch durch vertrautes Gelände.

Sebastian Faulks (schreibt als Ian Fleming): Der Tod ist nur der Anfang

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Heyne, 2008

352 Seiten

12,95 Euro

Originaltitel

Devil may care

Penguin 007/The Penguin Group, 2008

Hinweise

Homepage von Ian Fleming (genaugenommen von seinen Erben)

Kriminalakte über Ian Fleming und die Buchpremiere

Homepage von Sebastian Faulks

Contemporary Writers über Sebastian Faulks

Sebastian Faulks zum Buch

Times Online: Interview mit Sebastian Faulks

Stern: Interview mit Sebastian Faulks


Besprechung „Endstation Kabul“ online

Mai 29, 2008

In der Berliner Literaturkritik erschien meine Besprechung von Achim Wohlgethans „Endstation Kabul – Als deutscher Soldat in Afghanistan“. Wie die Überschrift „Endstation Langeweile“ verrät, hält sich meine Begeisterung für dieses Buch in sehr überschaubaren Grenzen.


Gut, aber zu lang

Mai 23, 2008

Neben der überaus erfolgreichen Lincoln Rhyme/Amelia Sachs-Reihe will Jeffery Deaver mit Kathryn Dance eine weitere Reihe etablieren. Dance trat bereits in dem Rhyme/Sachs-Roman „Der gehetzte Uhrmacher“ (The cold moon, 2006) auf und in „Die Menschenleserin“ haben Rhyme/Sachs einen kurzen telefonischen Auftritt.

Aber im Mittelpunkt steht Kathryn Dance vom California Bureau of Investigation. Die alleinerziehende Mutter (ihr Mann starb bei einem Unfall) ist Verhörspezialistin. Aus den Reaktionen der Verhörten folgert sie, welche Aussagen stimmen und welche nicht.

Jetzt soll sie im Bezirksgericht von Salinas Daniel Pell verhören. Pell wurde vor acht Jahren verurteilt. „Charlie Mansons Sohn“, so nannte ihn die Anklage, hatte mit seinen Jüngern eine Familie ermordet. Vor kurzem tauchten Beweise auf, die ihn mit einem weiteren Mord in Verbindung bringen. Dance soll herausfinden, ob Pell auch diesen Mord begangen hat. Schnell bringt sie Pell in Rage und er bricht das Verhör ab. Im Büro des leitenden Staatsanwalts von Monterey County bemerkt Dance, dass die Beweise gefälscht waren, damit Pell aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu einem Verhör in das schlechter gesicherte Bezirksgefängnis gebracht wurde. Als Dance die anderen Polizisten über den geplanten Ausbruch informieren will, ist es bereits zu spät. Eine Bombe explodiert und Pell kann in dem anschließenden Chaos ausbrechen. Dabei bringt er drei Menschen um und verletzt einen weiteren Polizisten schwer. Sie sind nicht die letzten Opfer auf seiner Flucht.

Doch in Kathryn Dance hat Pell einen ebenbürtigen Gegner gefunden. Bereits am ersten Tag seiner Flucht kann er ihr, zusammen mit der in ihn verliebten Fluchthelferin, mehrmals nur knapp entkommen.

Im Folgenden bietet Jeffery Deaver einige Action-Szenen, viel Suspense und etliche Szenen, in denen die Verhörspezialistin Dance mit ihren Fähigkeiten brillieren kann, indem sie mit den ehemaligen weiblichen Opfern von Pell redet. Und natürlich sind die Hintergründe für Pells Ausbruch Deaver-typisch komplizierter als sie auf den ersten Blick scheinen.

Aber gerade im direkten Vergleich mit den in „Gezinkt“ (More twisted, 2006 – Besprechung folgt) versammelten Kurzgeschichten enttäuscht „Die Menschenleserin“. Während die Kurzgeschichten ohne große Erklärungen auf eine Schlusspointe zusteuern, verbringt Deaver in „Die Menschenleserin“ viel zu viel Zeit mit überflüssigen Erklärungen. So erklärt er auf fünf Zeilen, was „Waco“ ist. Bei über fünfhundert Seiten sind fünf Zeilen zwar nicht viel, aber jeder Amerikaner kennt Waco. Jedes Verhör von Dance wird mit langen Erklärungen über die verschiedenen kinesischen Signale verlängert. Vieles davon ist einfach überflüssig, wie diese Ausführungen: „Das Verb ‚glauben’ ist für Verhörspezialisten von großer Bedeutung, denn es zählt zu den charakteristischen Formulierungen für eine Verleugnung – wie ‚ich kann mich nicht erinnern’ oder ‚vermutlich nicht’. Seine Bedeutung: Ich winde mich, sage aber nicht einfach nein. Dance schloss daraus, dass das Paar die Kinder problemlos im Griff hatte.“

Bei diesen länglichen Erklärungen, die sich wie ein Copy&Paste aus einem Lehrbuch lesen, und dem Ende in mehreren Häppchen drängt sich der Eindruck auf, dass Deaver eine bestimmte Menge von Seiten schreiben wollte. Gerade gegen Ende, wenn die Flucht von Daniel Pell endet, ist der Roman noch lange nicht zu Ende. Stattdessen serviert Deaver noch einige Plottwists, die ohne große Mühe wirkungsvoller mit dem Ende von Pells Flucht aufgedeckt worden wären.

Deshalb ist „Die Menschenleserin“ nur ein weiterer zu lang geratener Thriller, der gekürzt zu einem besseren Buch geworden wäre.

Jeffery Deaver: Die Menschenleserin

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2008

544 Seiten

19,95 Euro

Originaltitel

The sleeping doll

Simon & Schuster, Inc., New York, 2007

Hinweise
Homepage von Jeffery Deaver

Blanvalet Homepage über Jeffery Deaver

Amazon.com: Interview mit Jeffery Deaver zu “The sleeping doll”

Meine Besprechung von “Auf ewig” (Forever, 2005)


Sprache: gut, Plot: ungenügend

Mai 22, 2008

In seinem zweiten Kriminalroman hat Matti Rönkä seinen Ich-Erzähler Viktor Kärppä endgültig die Seiten wechseln gelassen. Bereits in „Der Grenzgänger“ funktionierte Kärppä nur leidlich als Vorbild für angehende Privatdetektive. Das lag nicht an seinem schlechten Einkommen (kein literarischer Privatdetektiv zählt zu den Großverdienern), seinen Kontakten zur Polizei und zu Verbrechern (irgendwie muss er ja an seine Informationen herankommen), seiner Vergangenheit (besonders beliebt sind ehemalige Staatsdiener; inzwischen haben sich auch einige Vorbestrafte zu dem illustren Kreis der Privatdetektive gesellt), seinem Single-Dasein (Privatdetektive haben Sex, vielleicht sogar eine feste Beziehung, aber sie sind nicht verheiratet), sondern an seiner – nun ja – laxen Arbeitsauffassung. In „Der Grenzgänger“ ermittelte er ziemlich halbherzig und machte nebenbei Geschäfte mit der Organisierten Kriminalität. In Helsinki hilft ihm bei letzterem seine Herkunft als Russe und ehemaliger Elitesoldat mit den dazugehörigen Verbindungen zum Geheimdienst.

In „Bruderland“ verdient Viktor Kärppä sein Geld als Subunternehmer für verschiedene Baufirmen. Selbstverständlich beschäftigt er Schwarzarbeiter. Außerdem handelt er mal mehr, mal weniger legal mit Gütern und versorgt die finnische Skinationalmannschaft mit illegalen Aufputschmitteln. Dieser Geschäftsbereich ist wegen polizeilicher Ermittlungen derzeit nicht aktiv. Sein Detektivbüro hat er für dieses, in dem angenehm schmalen Roman breit erzählte, diversifizierte Unternehmertum aufgegeben.

Jetzt fordert ihn sein Polizeifreund Korhonen auf, herauszufinden, wer ein Superheroin, das bereits viele Jugendliche umbrachte, verkauft. Die Spur führt in die ehemalige Sowjetunion und Kärppä hat immer noch ausgezeichnete Kontakte in den Osten zum Geheimdienst und zur Russenmafia – wobei einige seiner Freunde mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion einfach die Seiten gewechselt haben.

Wer jetzt allerdings, wie in „Der Grenzgänger“, einen fetzigen Privatdetektivkrimi der Hardboiled-Schule erwartet, wird in Matti Rönkäs zweitem Roman nur halbherzig bedient. Schon in „Der Grenzgänger“ war die Entwicklung des Krimiplots nicht überragend. Aber immerhin gab es am Ende einige hübsche Überraschungen. In „Bruderland“ kann davon keine Rede mehr sein. Kärppä ermittelt in „Bruderland“ noch weniger als in „Der Grenzgänger“. Bis er im letzten Viertel des Romans „Bruderland“ eine Reise nach Russland unternimmt, ermittelt er nicht und es gibt auch keine erkennbaren Hinweise auf die Rauschgiftschmuggler. Kurz: die Geschichte bewegt sich nicht voran. Dafür erzählt Kärppä viel – und unterhaltsam – von seinen halbseidenen Geschäften und liest die Mails seiner gerade in den USA studierenden Freundin.

Doch auch als Kärppä gegen Ende nach St. Peterburg fährt, sucht er dort nicht nach den Rauschgifthändlern, sondern verdient als Geldeintreiber für die dortige Russenmafia Geld, während der Bandenchef für ihn herausfindet, wer hinter den Rauschgiftlieferungen steckt. Zurück in Helsinki gibt es dann eine überflüssige Action-Szene, ein, zwei Überraschungen und das war’s.

Wenn Matti Rönkä nicht in einem so angenehm lakonischen Tonfall erzählen würde, wäre „Bruderland“ ein Fall für die Mülltonne. Denn der zusammengehauene Krimiplot erreicht kaum die Qualität eines C-Picture.

Matti Rönkä: Bruderland

(übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara)

Grafit, 2008

224 Seiten

17,90 Euro

Originaltitel

Hyvä veli, paha veli

Gummerus Kustannus Oy, Helsinki/Finnland, 2003

Hinweis

Meine Besprechung von „Der Grenzgänger“


„Die Söhne Abraham“ online

Mai 20, 2008

Die Berliner Literaturkritik hat heute meine Besprechung von Robert Littells neuestem Roman „Die Söhne Abrahams“ (Vicious Circle, 2006) veröffentlicht. Nach „Die kalte Legende“ und „Zufallscode“ war ich von seinem neuesten Werk etwas enttäuscht.

Ein, schon etwas älteres, aber lesenswertes Interview gibt es im January Magazine. Ein Neues über „Die Söhne Abrahams“ und seinen Sohn Jonathan in der Welt.


Alte Sünden und eine alte Leidenschaft

Mai 19, 2008

„MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ und „An einem heißen Sommertag“ heißen die empfehlenswerten Frühlingsbücher von Frank Göhre. „MO“ ist ein neues Werk; „An einem heißen Sommertag“ versammelt die bereits veröffentlichten, lange nicht mehr erhältlichen Romane „Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit“ und „Schnelles Geld“ und zwei Kurzgeschichten; eine davon neu.

Alte Sünden…

„Schnelles Geld“ erschien erstmals 1979 und war Göhres erster Kriminalroman. Dabei ist die Krimigeschichte nur die notdürftige Klammer für die autobiographisch (?) beeinflussten Erlebnisse einiger Mittzwanziger. Hans ‚Charly’ Kunkelfuß, Mitte zwanzig, arbeitet, wie Göhre, nach einer Buchhändlerlehre als Bibliothekar. Charly (und hier enden die Parallelen) beobachtet einen Mord, macht eine Aussage bei der Polizei und trifft sich, fast als ob nichts geschehen wäre, weiter mit seinen Freunden und Freundinnen, die zumindest teilweise Kontakt zur Halb- und Unterwelt haben. Charly ist mit seiner Arbeit, seinem Chef und dem Angebot, sich an einem korrumptiven Netzwerk zu beteiligen, zunehmend unzufrieden. Mit Mitte zwanzig fühlt er sich bereits saturiert. Nach einem Streit kündigt er und geht auf das Angebot, Autos zu verschieben, ein. Allerdings wurden er und seine Freunde schon lange von der Polizei, verkörpert durch den aus den St.-Pauli-Romanen bekannten Kommissar Jan Broszinski, beobachtet. Broszinski verhaftet sie und bietet Charly einen Deal an. Wenn er gesteht, könne er mit einer geringeren Strafe davonkommen. Da begreift Charly: „Sie wussten alles und verstanden nichts. Zufällige Begegnungen wuchsen sich im Kopf eines Beamten zu einem Fall aus, Akte Hans Kunkelfuß, ein raffiniert geplanter Coup. Wie dumm Broszinski war. Wie dumm und gefährlich.“

In diesem Moment – auf den letzten Seiten – wird „Schnelles Geld“ zu einem bedrückenden Bild für die staatliche Paranoia. Bis dahin erzählt Göhre nur die eher längliche Geschichte (jedenfalls solange man, auch angestachelt durch den Klappentext, auf einen sich ordentlich entwickelnden Krimiplot wartete) eines jungen, sexuell und beruflich frustrierten, sich ziellos treibenden Mannes, der – je nach Sichtweise – in einer verlängerten Teenager-Depression oder einer vorgezogenen Midlife-Crisis steckt.

„Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit“ ist ein Ausflug in die deutsche Vergangenheit. In den Fünfzigern muss Kommissar Peter Gottschalks seinen ersten Mordfall aufklären. Der junge Polizist lebt noch bei seinen vermögenden Eltern.

An einem See wurde die vergewaltigte und erwürgte sechzehnjährige Monika Honczek gefunden. Sie war der Schwarm mehrerer Jugendlicher. Allerdings war zur Tatzeit auch ein ehemaliger Fremdenlegionär in der Gegend. Im Gegensatz zur Bevölkerung glaubt Gottschalk nicht, dass Josef Kälin der Mörder ist. Eher schon ein Jugendlicher. Entweder der dickliche Lutz, der die Sommerferien als Aushilfe an der Tankstelle seiner allein lebenden Tante verbringen muss, oder der vermögende Mädchenschwarm Olaf.

Mit wenigen Worten zeichnet Göhre ein Bild der Fünfziger und der damaligen kleinbürgerlichen Bigotterie, in der eine allein stehende, junge, gut aussehende Tankstellenbesitzerin misstrauisch beäugt wird und Beziehungen, vor allem wenn sie auf gemeinsamen Kriegserlebnissen und Geld beruhen, alles regeln sollen. Die Gefühle, vor allem natürlich der Geschlechtstrieb, werden mühsam im Zaun gehalten. Und die Landbevölkerung weiß von Anfang an, dass Monikas Mörder ein Auswärtiger sein muss. Um diese falsche Harmonie zu zerstören, braucht Göhre keine 120 Seiten.

Die beiden Kurzgeschichten „Verrückte Schritte“ und „Keine Chance“ runden „An einem heißen Sommertag“ ab, ohne ihm etwas Wesentliches hinzuzufügen. Während die Erstveröffentlichung „Verrückte Schritte“, die von Brozinskis Versetzung nach Soltau erzählt, missglückt ist, ist „Keine Chance“ ein direkter Prolog zu Göhres St.-Pauli-Romanen. Jan Broszinski jagt bereits den Kiezpaten Werner ‚Emma’ Stobbe und Jörg Fedder wird bald zu seinem Team dazu stoßen. Da beginnt er einem seiner bei Stobbe eingeschleusten Spitzel zu misstrauen.

Die in „An einem heißen Sommertag“ veröffentlichten Geschichten erzählen, wenn sie chronologisch in die richtige Reihenfolge gebracht werden von „Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit“ über „Schnelles Geld“ und „Verrückte Schritte“ hin zu „Keine Chance“ Teile aus dem Leben der Kommissare Gottschalk und Broszinski, bevor sie in „Der Schrei des Schmetterlings“ (und damit in der St.-Pauli-Reihe) den Kampf gegen den Kiezpaten Stobbe aufnahmen.

…und eine alte Leidenschaft

Mit „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ kehrt Frank Göhre wieder einmal zu seinem Idol Friedrich Glauser zurück. In den Achtzigern gab er im Schweizer Verlag Die Arche, versehen mit kundigen Vorworten, die Romane von Friedrich Glauser heraus. 1988 veröffentlichte er, ebenfalls dort, das Porträt „Zeitgenosse Glauser“. In „MO“ nähert er sich dem Schweizer Schriftsteller auf literarischem Weg und zeichnet das bedrückende Bild eines zutiefst zerrissenen Menschen. Friedrich Glauser wurde am 4. Februar 1896 geboren und starb am 8. Dezember 1938. In seinem kurzen Leben stand er zeitlebens unter der Fuchtel seines diktatorischen Vaters, hatte als Erwachsener einen Vormund, war viele Jahre immer wieder – teilweise freiwillig – in der Psychiatrie und in Kliniken, doch kein Entzug hielt nachhaltig, versuchte sich öfters selbst umzubringen, ging zur Fremdenlegion, ließ sich von verschiedenen Frauen aushalten, hatte mit den Wachtmeister-Studer-Romane den Durchbruch und war morphiumsüchtig. „Mo“ nannte er die Droge. Ab seinem 22. Lebensjahr war Glauser bei der Polizei als morphiumsüchtig registriert und wurde als „gemeingefährlicher Geisteskranker“ geführt.

Wenn diese verkrachte Existenz nicht gleichzeitig ein begnadeter Literat gewesen wäre, würde ihn heute niemand mehr kennen. Aber Glausers Werk ist auch heute noch in mehreren Werkausgaben erhältlich. Er ist der bekannteste eidgenössische Krimiautor und war der Namensgeber für den gleichnamigen Preis der deutschen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“. Jetzt gibt es einen äußerst gelungenen Roman über „die große Figur des Schweizer Krimis“ (Paul Ott)

Frank Göhre verarbeitet sein in den vergangenen Jahrzehnten gesammeltes Wissen in „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ zu einer atemberaubenden zwischen 1917 und 1938 spielenden Montage aus verschiedenen Perspektiven und Episoden, die ein eindrückliches Bild eines zerrissenen Charakters zeichnen. Für Göhre sind die biographischen Stationen der Ausgangspunkt für eine Studie über den Menschen Glauser, der während seines gesamten kurzen Lebens ein Getriebener und Suchender war. Gleichzeitig wollte er auch immer von seinem Vater anerkannt zu werden. Doch dieser wollte einen anderen Sohn. Einen, der nicht rauschgiftsüchtig ist. Einen, der sich nicht von Frauen aushalten lässt. Einen, der sich nicht in Künstlerzirkeln herumtreibt. Diese Zerrissenheit des Menschen Glauser spiegelt Frank Göhre in der sich collagenhaft zusammensetzenden Biographie, die gerade wegen ihres scheinbar unfertigen Charakters Friedrich Glauser als Menschen begreifbar macht, kongenial.

Frank Göhre: MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser

Pendragon, 2008

240 Seiten

19,90 Euro

Frank Göhre: An einem heißen Sommertag

Pendragon, 2008

320 Seiten

9,90 Euro

Enthält

Letzte Station vor Einbruch der Dunkelheit

(Erstausgabe Reinbek, 1990)

Schnelles Geld

(Erstausgabe der überarbeiteten und ergänzten Neuausgabe Reinbek, 1992)

Verrückte Schritte

(Erstveröffentlichung)

Keine Chance

(Erstausgabe Stuttgart, 1997 – andere Quellen sagen 1987)

Verfilmung

Schnelles Geld – Der lange Schatten des Morgens (Deutschland 1981)

Regie: Raimund Koplin, Renate Stegmüller,

Drehbuch: Raimund Koplin, Renate Stegmüller

Schnitt: Thorsten Näter

Musik: Alfred Harth

mit Karl Ghirardelli, Agnes Dünneisen, Willy Thomczyk

„Im Ruhrgebiet angesiedelter Kriminalfilm, der die genreüblichen Elemente mit dem Thema der orientierungslosen Jugend und ihrer Fluchtversuche aus der Wirklichkeit verbindet. In manchen Szenen bemerkenswert dicht und pointiert erzählt, wird der Film zunehmend komplizierter und büßt an Spannung ein.“ (Lexikon des internationalen Films) über dieses vergessene Werk.

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von „St. Pauli Nacht“

Meine Besprechung von „Zappas letzter Hit“

Meine Besprechung von „Der letzte Freier“

Krimiblog: Interview mit Frank Göhre