Frank Corsos Ende?

Der sechste Frank-Corso-Thriller „Die Spur des Blutes“ von G. M. Ford endet mit einem Cliffhanger, der – weil es bis jetzt noch keinen weiteren Corso-Roman gibt – auch das Ende einer guten Serie sein könnte. Damit würde G. M. Ford immerhin den Ratschlag befolgen, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Denn natürlich gibt es in „Die Spur des Blutes“ auch all die Elemente, die die vorherigen Corso-Romane zu einem spannenden Leseerlebnis für die Fans harter, abwechslungsreicher Thriller mit einer gesellschaftskritischen Komponente machten. Denn im Gegensatz zu den letztendlich doch sehr formelhaften Jack-Reacher-Romanen von Lee Child mit ihrer klaren Moral, führt G. M. Ford seine Leser immer wieder in die grauen Zwischenräume zwischen Gut und Böse und er legt den Finger auf die Wunden der US-amerikanischen Gesellschaft.

In „Die Spur des Blutes“ schickt Corsos neuer Verleger seinen True-Crime-Bestsellerautor nach Pennsylvania. Dort geschah vor einem Jahr in Edgewater ein ungewöhnlicher Bankraub. Nathan Marino betrat mit einem Sprengstoffhalsband die Bank und forderte Geld. Als er die Bank verließ, war die Polizei bereits da. Während sie auf das Bombenentschärfungskommando warteten, explodierte die Bombe. Jetzt soll Corso ein Buch darüber schreiben. Corso ist von diesem Auftrag nicht begeistert. Und über den von seinem Verleger entfachten Medienwirbel ist er extrem stinkig. Aber nachdem mehrere Anschläge auf ihn verübt werden, ist seine Neugierde geweckt. Zu seinem Schutz und als Hilfe bei den Recherchen schickt ihm sein Verleger die Kriegsreporterin Chris Andriatta.

Während Corso mit ihr den Kleinstadtsumpf aufwühlt, geschehen nach dem gleichen Muster an der Westküste weitere Banküberfälle. Da bittet ihn das FBI ziemlich rabiat, ihnen mit seinem Wissen bei den Ermittlungen zu helfen. Denn bereits in der Vergangenheit wusste Frank Corso mehr als die Polizei.

Der Ausgangspunkt für „Die Spur des Blutes“ ist ein wahrer Kriminalfall. Am 23. August 2003 überfiel Pizzafahrer Brian Douglas Wells in Erie, Pennsylvania, eine Bank. Als er von der Polizei geschnappt wurde, sagte er, drei Männer hätten ihn gezwungen eine Halsbombe zu tragen und sie ihn, wenn er nicht kooperiere, umbringen würden. Wie in Fords Roman explodierte auch in der Wirklichkeit die Bombe bevor das Bombenentschärfungskommando ankam. Im Gegensatz zum Roman hält die Polizei Wells inzwischen für einen Mittäter.

Ausgehend von diesem Fall entwirft G. M. Ford einen spannenden Thriller mit gewohnt pointierten Dialogen und überraschenden Wendungen. Fast nebenbei wird in „Die Spur des Blutes“ der Umgang des Staates mit Kriegsveteranen thematisiert.

In den USA erschien im Februar sein erster Standalone „The nameless night“. Und G. M. Fords sechs Leo-Waterman-Privatdetektivromane sind auch noch nicht übersetzt.

G. M. Ford: Die Spur des Blutes

(übersetzt von Leo Strohm)

Goldmann, 2008

320 Seiten

7,95 Euro

Originaltitel

Blown Away

William Morrow, 2006

Die Recherchen von Frank Corso

Erbarmungslos (Fury, 2001)

Killerinstinkt (Black River, 2002)

Die Spur des Bösen (A blind eye, 2003)

Rotes Fieber (Red Tide, 2004)

Die Geisel (No man’s land, 2005)

Die Spur des Blutes (Blown away, 2006)

Hnweise

January Magazine: Interview mit G. M. Ford (1999)

Books’n’Bytes: Interview mit G. M. Ford (2003)

Wikipedia über Brian Douglas Wells und die wahren Hintergründe

Post-Gazette über den Fall (3. September 2003)

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