DVD-Kritik: Wer ist Hans Zimmer? Und was macht er in Hollywood?

Oktober 26, 2011

„Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood“ ist eine informative, aber auch arg unkritische, fünfzigminütige TV-Dokumentation über Filmkomponist Hans Zimmer, der in begüterten Verhältnissen in Königstein-Falkenstein im Taunus als Einzelkind aufwuchs, in London zur Schule ging, früh die Musik, vor allem die unerschöpflichen Klangwelten des damals brandneuen Synthesizer entdeckte, mit der Band „The Buggles“ 1979 den Hit „Video killed the Radio Star“ hatte und danach, weil er mit verschiedenen Sounds und Stilen experimentieren wollte, Filmkomponist wurde.

Zuerst arbeitete er in England bei Stanley Myers. Dort schrieb er zuerst die Musik für Autoverfolgungsjagden, später auch für „Ein Mann wie Taffin“ (dank Pierce Brosnan heute noch etwas bekannt), „Mein wunderbarer Waschsalon“, „The Fruit Machine“ und „Zwei Welten“.

Dann erhielt er einen Anruf aus Hollywood und gleich für seinen ersten Hollywood-Soundtrack „Rain Man“ erhielt er einen Oscar. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Jedenfalls ist der Zimmer-Sound in etlichen Blockbustern, aber auch kleinen Produktionen (wie seiner Musik für die Werner-Herzog-Filme „Unbesiegbar“ und „Rescue Dawn“) zu hören.

Zimmer schrieb, teilweise zusammen mit anderen Komponisten, die Musik für „Black Rain“, „Thelma & Louise“, „Crimson Tide“, „Operation Broken Arrow“, „The Rock – Fels der Entscheidung“, „König der Löwen“, „Besser geht’s nicht“, „Der schmale Grad“ (okay, das ist ein kleiner, nur unter Cineasten bekannter Film, aber Regisseur Terence Malick bewunderte Zimmers Musik für den „König der Löwen“ und er brachte Zimmer und Herzog zusammen), „Gladiator“, „Hannibal“, „Pearl Habor“, „Black Hawk Down“, „Sherlock Holmes“, „Inception“, die neuen „Batman“- und die „Pirates of the Caribbean“-Filme (für den ersten Film schrieb sein Schüler Klaus Badelt die Musik) und viele weitere Filme.

In der Dokumentation „Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood“ reihen Ariane Rieker und Dirk Schneider, chronologisch dem Lebensweg von Hans Zimmer folgend, Interviews mit Jugendfreunden, Lehrern, Musikern und Regisseuren, die teils immer noch mit ihm zusammen arbeiten, aneinander. Einige kurze Filmausschnitte ergänzen die sprechenden Köpfe. Aber sie haben vor allem illustrativen Charakter und es gibt ziemlich wenig Musik zu hören.

Das absolut empfehlenswerte Bonusmaterial besteht aus längeren Ausschnitten aus den für die Dokumentation gemachten Interviews, die sich auf gut zwei Stunden summieren. Am längsten kommt Hans Zimmer mit 45 Minuten zu Wort.

Einen guten Einblick in die Arbeit von Zimmers Studio Remote Control bieten vor allem die Interviews mit Ramin Djawadi und Lorne Balfe. Denn in der Dokumentation kommt genau dieser Aspekt etwas kurz.

Insgesamt entsteht hier, viel stärker als in der Dokumentation, das Bild eines Mannes, der sich vor allem als Dienstleister für Hollywood sieht. Einer, der versucht die Filme besser zu machen. Denn obwohl jeder Filmfan seinen Teil an Filmen gesehen hat, für die Hans Zimmer die Musik geschrieben hat und man den Zimmer-Sound auch erkennt, hat er doch keine Stücke geschrieben, die sich, wie die Melodien von Lalo Schifrin, Jerry Goldsmith, Ennio Morricone oder, um auch einige Jüngere zu nennen, James Newton Howard, Danny Elfman oder Howard Shore, in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.

Aber vielleicht sollte ich bei dem nächsten Film, für den Hans Zimmer die Musik komponierte, einfach mal genauer auf den Sound hören.

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Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood (D 2011)

Regie: Ariane Rieker, Dirk Schneider

Drehbuch: Ariane Rieker, Dirk Schneider

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DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial (110 Minuten, deutsch untertitelt): Interviews mit Jeffrey Katzenberg (Dream Works Animation), James L. Brooks (Regisseur), Stephen Frears (Regisseur), Geoff Downes (The Buggles), Martin Tillman (Cellist), Sam Schwartz (Hans Zimmers Agent), Werner Herzog (Regisseur), Gore Verbinski (Regisseur), Ramin Djawadi (Komponist bei Remote Control), Lorne Balfe (Komponist bei Remote Control), Hans Zimmer

Länge: 50 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Homepage von Hans Zimmer und von seiner Firma Remote Control

Wikipedia über Hans Zimmer (deutsch, englisch)



TV-Tipp für den 26. Oktober: Lie to me: Bad Bank

Oktober 26, 2011

Vox, 21.15

Lie to me: Bad Bank (USA 2010, R.: Daniel Sackheim)

Drehbuch: Alexander Cary, David Graziano

Erfinder: Samuel Baum

Mimikexperte Dr. Cal Lightman macht undercover bei einem Banküberfall mit. Doch die Dinge geraten außer Kontrolle.

Start der dritten und letzten „Lie to me“-Staffel, die nicht die Qualität der zweiten Staffel (bei der „The Shield“-Macher Shawn Ryan Showrunner war) hält.

mit Tim Roth, Kelli Williams, Brendan Hines, Monica Raymund, Monique Gabriela Curnen, Shawn Doyle , Jamie Hector, Linda Purl, Adam Godley

Wiederholung: Donnerstag, 27. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Lie to me“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte über Paul Ekman (die Inspiration für Cal Lightman und der wissenschaftliche Berater der Serie)


TV-Tipp für den 25. Oktober: Jagd nach Millionen

Oktober 25, 2011

ZDFkultur, 21.30

Jagd nach Millionen (USA 1947, R.: Robert Rossen)

Drehbuch: Abraham Polonsky

Nachdem es um 20.20 Uhr bereits, nach langer, langer Zeit „Ring frei für Stoker Thompson“ (USA 1949, Regie: Robert Wise) heißt, folgt um 21.30 Uhr ein weiterer Klassiker des Boxfilms. In „Jagd nach Millionen“ will Boxer Charley Davis ganz nach oben. Aber dann hält er sich bei einem von der Mafia organisiertem Kampf nicht an die Regeln.

Das Drehbuch und der Hauptdarsteller waren für je einen Oscar nominiert, für den Schnitt gab es einen Oscar – und wer sich den Film ansieht, weiß warum.

„Highly regarded as one of the most authentic boxing films ever, cinematographer James Wong Howe (a man Rossen was reportedly frightened of), shot the fights on roller skates, while inside the ring with the actors. So good is the final scene, that Martin Scorsese played the Scene for Robert De Niro before the commenced on ‚Raging Bull‘.“ (James Mottram: The Gangster Movie A – Z, 1998)

mit John Garfield, Lilli Palmer, Hazel Brooks, Anne Revere, William Conrad, Joseph Pevney,

Wiederholung: Mittwoch, 26. Oktober, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Body and Soul“

Turner Classic Movies über Robert Rossen und über „Body and Soul“

Noir of the Week über „Body and Soul“

Der Film Noir über „Jagd nach Millionen“


TV-Tipp für den 24. Oktober: Mord in Louisiana

Oktober 23, 2011

ZDF, 22.15

In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: James Lee Burke: In the Electric Mist with Confederate Dead, 1993 (Im Schatten der Mangroven)

Polizeichef Dave Robicheaux will den Mord an einer neunzehnjährigen Prostituierten aufzuklären. Bei seinen Ermittlungen trifft er auch auf eine Filmcrew, die einen historischen Film dreht, den lokalen Paten, seinen alten Freund Julie ‘Baby Feet’ Balboni, dessen Geld auch in dem Film steckt und den Geist von Konföderierten-General John Bell Hood.

Grandios besetzte, sehr atmosphärische und sehr gelungene Verfilmung eines Robicheaux-Krimis. Feiner Stoff für Krimifans.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Am Donnerstag läuft Bertrand Taverniers neuer Film, das tolle Historiendrama „Die Prinzessin von Montpensier“, in einigen Kinos an.

mit Tommy Lee Jones, John Goodman, Peter Sarsgaard, Kelly Macdonald, Mary Steenburgen, Justina Machado, Ned Beatty, James Gammon, Pruitt Taylor Vince, Levon Helm, Buddy Guy, John Sayles

Wiederholung: Mittwoch, 26. Oktober, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Berlinale: Pressekonferenz zu „In the Electric Mist“

Film-Zeit über „In the Electric Mist“

Homepage von James Lee Burke

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

 


TV-Tipp für den 23. Oktober: Kommissar Bellamy

Oktober 23, 2011

ARD, 00.20

Kommissar Bellamy – Mord als Souvenir (Fr 2009, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Odile Baski, Claude Chabrol

Kommissar Bellamy (gespielt von Gérard Depardieu) macht Urlaub. Als ihm ein Unbekannter einen Mord gesteht, beginnt er dennoch zu ermitteln und stößt auf einen geplanten Versicherungsbetrug.

Chabrols letzter Spielfilm. Sicher nicht sein bestes Werk, aber auch ein typischer später Chabrol.

Die TV-Premiere ist wieder eine typische ARD-Frechheit: Irgendwann nach Mitternacht in der Nacht vom Sonntag auf den Montag. Da kann man wirklich nur noch den Recorder programmieren oder auf eine Ausstrahlung in einem Nischensender warten.

Mit Gérard Depardieu, Clovis Cornilla, Jacques Gamblin, Marie Bunel

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film (Nur der Trailer)

Film-Zeit über „Kommissar Bellamy“

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Kriminalakte über Claude Chabrol


TV-Tipp für den 22. Oktober: Pi

Oktober 22, 2011

ZDFkultur, 22.40

Pi (USA 1998, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Darren Aronofsky (nach einer Geschichte von Darren Aronofsky, Sean Gullette und Eric Watson)

Maximilian Cohen ist ein begnadeter, aber auch seltsamer Mathematiker, der die Weltformel sucht und von kabbalistischen Mystikern und skrupellosen Börsenspekulanten bedroht wird.

Aronofskys Debütfilm, ein experimenteller SW-Paranoia-Thriller, war ein Erfolg bei der Kritik und auch an der Kasse; was natürlich bei dem Minibudget nicht so schwierig war.

„Nach der ersten quälenden halben Stunde entwickelt ‚Pi‘ eine eigenartige Faszination – nicht nur für Anhänger der Chaostheorie und Liebhaber experimenteller Spielereien.“ (Margret Köhler, AZ, 8. April 1999)

Mit Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman, Pamela Hart, Stephen Pearlman, Samia Shoaib

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Pi – Der Film“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Ist „Der Kandidat“ auch „The best man“?

Oktober 21, 2011

„Es ist eine Binsenweisheit der amerikanischen Politik, dass der Mann, der eine Wahl zu gewinnen versteht, diesen Sieg nicht verdient“, ätzt Trevanian in seinem Thriller „Shibumi“ auch über die Auswahl US-amerikanischer Präsidentschaftskandidaten – und bei einem Blick auf die Spitzenkandidaten für das eben gewählte Berliner Abgeordnetenhaus oder die Spitzen der Bundesregierung fällt es einem wirklich schwer, Trevanian energisch zu widersprechen und man fragt sich, warum sich die ungeeigneten und nicht die geeigneten Kandidaten durchsetzen.

Der schon 1964 entstandene Film „Der Kandidat“ gibt eine Antwort auf diese Frage. Franklin J. Schaffners Film basiert auf einem erfolgreichem Theaterstück von Gore Vidal, der auch das Drehbuch für den Film schrieb und als Edgar Box zwischen 1952 und 1954 drei Krimis veröffentlichte. Der Film schildert die letzten Stunden vor der Wahl des Präsidentschaftskandidaten einer namentlich nie genannten Partei.

William Russell (Henry Fonda) liegt knapp in Führung. Er ist ein überlegt handelnder Politiker, der in einem ehrlichem Kampf gewinnen will. Intime Details über seine Gegner und Verleumdungen gehören daher nicht zu seinem Repertoire.

Sein Herausforderer ist der jüngere, etwas an John F. Kennedy erinnernde, aus kleinen Verhältnissen stammende, skrupellose Joe Cantwell (Cliff Robertson). Ihm ist egal, mit welchen Methoden er seine Ziele erreicht und im Zweifel reagiert er schnell, entschlossen und mit unerbittlicher Härte. Für ihn ist Politik nicht die Suche nach der besten Lösung, sondern Kampf. Ein Kampf, in dem er seine Gegner vernichten will. Deshalb will er mit den illegal beschafften medizinischen Unterlagen von William Russell diesen zum Rückzug bewegen. Wenn nicht, wird er das Dossier den Delegierten geben.

Russell überlegt, ob er seinen Prinzipien folgen und damit auf das ersehnte Amt zugunsten eines schlechteren Kandidaten verzichten soll oder ob er kämpfen und dabei gegen seine Prinzipien verstoßen soll.

Und zwischen den beiden Kandidaten steht der derzeitige Präsident Art Hockstader (Lee Tracy), der unentschlossen ist, welchen Mann er den Delegierten empfehlen soll.

„Der Kandidat“ (wobei der Originaltitel „The best man“ hübsch doppeldeutig und treffender ist) ist der geglückte Fall eines politischen Dramas, in dem klar gezeichnete Charaktere und Prinzipien gegeneinander antreten und man auch einiges über den hinter den Kulissen stattfindenden Kampf um Ämter erfährt. Dabei sind einige Aspekte des 1964 gedrehten Films, wie der Hinweis des amtierenden Präsidenten während seiner Eröffnungsrede auf mögliche afroamerikanische und weibliche Präsidenten oder die Schmutzkampagnen der Kandidaten, die den anderen mit Hinweisen auf ihre Gesundheit, militärische Laufbahn und Sexualleben diskreditieren wollen, teils geradezu prophetisch, teils immer noch aktuell.

Dass „Der Kandidat“ glänzend gespielt und inszeniert ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. „Einer flog übers Kuckucksnest“- und „Thomas Crown ist nicht zu fassen“-Kameramann Haskell Wexler war auch hier für die Bilder zuständig. Gore Vidals Drehbuch war für den Preis der Writers Guild of America nominiert und Lee Tracy, der den Präsident der USA als einen bauernschlauen Hinterzimmerpolitiker mit dem Gestus des lieben Onkels von nebenan spielte, war für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert; nachdem er die Rolle schon erfolgreich auf dem Broadway gespielt hatte.

Und Franklin J. Schaffner führte später unter anderem bei „Planet der Affen“, „Patton“ und „Papillon“ Regie.

Der Kandidat (The best man, USA 1964)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Gore Vidal

LV: Gore Vidal: The Best Man, 1960 (Theaterstück)

mit Henry Fonda, Cliff Robertson, Edie Adams, Margaret Leighton, Shelley Berman, Lee Tracy, Ann Sothern, Gene Raymond, Kevin McCarthy, Mahalia Jackson, Gore Vidal (Cameo als Delegierter)

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DVD

Eurovideo

Bild: 1,66:1 (4:3 Letterbox)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Originaltrailer

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Der Kandidat“ (deutsch, englisch) und über Gore Vidal (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Der Kandidat“

Homepage von Gore Vidal

 


TV-Tipp für den 21. Oktober: Carlos – Der Schakal (Teil 3)

Oktober 21, 2011

Arte, 20.15

Carlos – Der Schakal (Teil 3) (Frankreich/Deutschland 2010, R.: Olivier Assayas)

Drehbuch: Olivier Assayas, Dan Franck

Grandioses Biopic über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt „Carlos“ (Édgar Ramirez in der Rolle seines Lebens), in der langen, aber extrem kurzweiligen dreiteiligen TV-Fassung.

mit Édgar Ramírez, Nora von Waldstätten, Alexander Scheer, Christoph Bach, Julia Hummer, Aljoscha Stadelmann, Jule Böwe, Ahmat Kaabour, Udo Samel

Wiederholung

Teil 1: Dienstag, 25. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Teil 2: Mittwoch, 26. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Teil 3: Donnerstag, 27. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Carlos – Der Schakal“

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Carlos“

Wikipedia über Illich Ramirez Sánchez (Carlos) (deutsch, englisch)

The Crime Library: Patrick Bellamy über Carlos

Meine Besprechung der Kinofassung von „Carlos – Der Schakal“

Meine Besprechung von „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)


Neu im Kino/Filmkritik: „Contagion“ oder Was wäre, wenn ein Virus…

Oktober 20, 2011

Der Trailer für Steven Soderberghs neuen Film „Contagion“ sieht nach einem 08/15-Thriller der Marke „Krieg der Welten“ (die deprimierende Steven-Spielberg-Version mit Tom Cruise) aus.

Aber dass Soderbergh, der mit seinem Debütfilm „Sex, Lügen und Video“ einen weltweiten Independent-Hit hatte, sich seitdem zwischen Mainstream-, Arthouse- und Experimentalfilmen bewegt und einige ungewöhnliche Krimis wie „Kafka“, „The Limey“, „Out of Sight“, „Traffic“ und „The Good German“ drehte, einen 08/15-Thriller abliefert, dürfte niemand ernsthaft erwarten. Denn auch wenn seine Mainstream-Filme, wie „Erin Brokovich“ und die starbesetzten „Ocean’s“-Filme, wesentlich bekannter als seine Experimentalfilme, wie „Voll Frontal“ (naja, die Stars hatten wohl ihren Spaß), sind, sind auch seine Mainstream-Filme Filme für denkende Menschen.

Deshalb ist „Contagion“ auch kein normaler Seuchenthriller, in dem ein Held letztendlich im Alleingang den Virus besiegt, sondern ein quasi-dokumentarisches Werk in der Tradition von „Traffic“ oder „Syriana“ (das von „Traffic“-Autor Stephen Gaghan ist).

Soderbergh und sein Drehbuchautor Scott Z. Burns („Der Informant!“, „Das Bourne-Ultimatum“) erzählen den Verlauf einer weltweiten Pandemie von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende und wie, an verschiedenen Orten auf dem Globus normale Menschen, Journalisten, Politiker und Wissenschaftler auf den Virus reagieren.

Die Geschichte beginnt mit Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow), die sich in Hongkong infiziert und zwei Tage später im Krankenhaus stirbt. Ihr Ehemann Mitch (Matt Damon) versucht ihren Tod und, kurz darauf, den Tod seines Stiefsohns zu verarbeiten. Nachdem die Seuche immer mehr Menschen infiziert, will er seine 15-jährige Tochter Jory (Anna Jacoby-Heron) und sich vor dem Virus schützen. Das gelingt am Besten, indem man jeden Kontakt mit Infizierten vermeidet und sich letztendlich in seiner Wohnung einsperrt.

Zur gleichen Zeit suchen Deputy Director Ellis Cheever (Laurence Fishburne) von dem amerikanischem Zentrum für Seuchenbekämpfung und Vorbeugung (Centers for Disease Control and Prevention [CDC]), seine Untergebenen und weitere Wissenschaftler nach einem Gegenmittel. Dabei reagieren sie verschieden auf die moralischen Fragen, die der Umgang mit der extrem schnell verlaufenden und extrem tödlichen Pandemie an sie und ihre Familien und Freunde stellt.

Cheever schickt Dr. Erin Mears (Kate Winslet) zu ihrem ersten Außeneinsatz nach Minneapolis, wo die Emhoffs leben. Sie soll dort herausfinden, wie der Virus in die USA gelangte und möglichst eine weitere Verbreitung des Viruses verhindern. Dr. Ally Hestall (Jennifer Ehle), die in einem CDC-Hochsicherheitslabor arbeitet, sucht ein Gegenmittel. Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde in Genf, reist nach Hongkong, um dort herauszufinden, wo Beth Emhoff sich ansteckte. Sie werden dabei, wie es auch in der Wirklichkeit wäre, von vielen anderen Wissenschaftlern unterstützt – und teilweise von Politikern behindert.

Das führt für Mears zu einem Disput mit Lokalpolitikern, den schon Polizeichef Brody (Roy Scheider) in „Der weiße Hai“ führen musste, als seine Warnungen wegen wirtschaftlicher Bedenken ignoriert wurden. Cheever muss sich fragen, ob er mit seinem Wissen seine Familie schützt oder ob er auch vor ihr, wie vor der Öffentlichkeit, schweigt. Hestall probiert das Gegenmittel an sich aus.

Auf der anderen Seite steht Alan Krumwiede (Jude Law), ein regierungskritischer, zunehmend paranoider Aktivist und Blogger, dessen Story über den Virus von den Medien zuerst nicht beachtet wird. Doch dann explodieren die Zugriffszahlen auf seinen Blog.

Diese Menschen, die sich nie begegnen, und ihre Geschichten stehen im Mittelpunkt von „Contagion“. Sie ermöglichen es Drehbuchautor Burns und Regisseur Soderbergh die Pandemie, die unterschiedlichen Reaktionen darauf und wie sich verschiedene Gesellschaften damit arrangieren, in knappen Szenen aus verschiedenen Perspektiven und einem souveränem Wechseln zwischen den verschiedenen Erzählsträngen zu erzählen. Langeweile entsteht so niemals, aber man betrachtet auch die Ereignisse durch das analytische Auge eines Forschers.

Dazu gehört auch, dass es Soderbergh wieder einmal gelang, einen beeindruckenden Cast vor der Kamera zu versammeln und, weil so viele bekannte Gesichter dabei sind, ist auch unklar, wer in dem Ensemblefilm überlebt und wer stirbt. Daraus entsteht so etwas wie Spannung. Denn die Semi-Dokumentation „Contagion“ verweigert sich konsequent der normalen Hollywood-Spannungsdramaturgie. Dafür loben Wissenschaftler die Faktentreue des Films.

Contagion (Contagion, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Contagion“

Wikipedia über „Contagion“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. Oktober: Carlos – Der Schakal (Teil 1, Teil 2)

Oktober 20, 2011

Arte, 20.15 (Teil 1), 21.55 Uhr (Teil 2)

Carlos – Der Schakal (Teil 1, Teil 2) (Frankreich/Deutschland 2010, R.: Olivier Assayas)

Drehbuch: Olivier Assayas, Dan Franck

Grandioses Biopic über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt „Carlos“ (Édgar Ramirez in der Rolle seines Lebens), in der langen, aber extrem kurzweiligen dreiteiligen TV-Fassung.

Morgen gibt es, um 20.15 Uhr, den dritten Teil.

mit Édgar Ramírez, Nora von Waldstätten, Alexander Scheer, Christoph Bach, Julia Hummer, Aljoscha Stadelmann, Jule Böwe, Ahmat Kaabour, Udo Samel

Wiederholung

Teil 1: Dienstag, 25. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Teil 2: Mittwoch, 26. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Carlos – Der Schakal“

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Carlos“

Wikipedia über Illich Ramirez Sánchez (Carlos) (deutsch, englisch)

The Crime Library: Patrick Bellamy über Carlos

Meine Besprechung der Kinofassung von „Carlos – Der Schakal“

Meine Besprechung von „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)


TV-Tipp für den 19. Oktober: Back Fire – Eine Mutter sieht rot

Oktober 19, 2011

RBB, 22.45

Back Fire – Eine Mutter sieht rot (F 1984, R.: Alain Bonnot)

Drehbuch: André G. Brunelin, Marie-Thérèse Cuny, Alain Bonnot

LV: Gérald Moreau: Nathalie ou la Punition, 1979

Annie Girardot sieht rot – und die Polizei sieht schweigend zu.

Schnörkelloser französischer Selbstjustiz-Thriller, der normalerweise im Nachtprogramm gezeigt wird.


TV-Tipp für den 18. Oktober: Nachtblende

Oktober 18, 2011

ZDF Kultur, 22.10

Nachtblende (Fr/I/D 1974, R.: Andrzej Zulawski

Drehbuch: Christopher Frank, Andrzej Zulawski

LV: Christopher Frank: La nuit americaine, 1972 (Nachtblende)

Ein Fotograf verliebt sich in eine Schauspielerin, die sich inzwischen mit Pornos über Wasser hält. Er verschuldet sich bei der Mafia für eine Theaterproduktion mit ihr als Star. Das Stück wird allerdings kein Erfolg.

Selten gezeigtes, düsteres Meisterwerk, das von den Kritikern entweder zutiefst gehasst oder in den Himmel gelobt wurde und das ein Kassenhit war. Romy Schneider erhielt einen Cesar als beste Schauspielerin.

mit Romy Schneider, Fabio Testi, Jacque Dutronc, Klaus Kinski, Claude Dauphin

Wiederholung: Mittwoch, 19. Oktober, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Nachtblende“

Wikipedia über „Nachtblende“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 17. Oktober: Convoy

Oktober 17, 2011

Arte, 20.15

Convoy (USA 1978, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Bill L. Norton

LV: Song „Convoy“ von C. W. McCall

Zünftige Truckeraction von Sam Peckinpah mit einer hauchdünnen Story (Sheriff Wallace verfolgt Trucker Rubber Duck nach einer Kneipenschlägerei quer durch das Land. Immer mehr Trucker schließen sich Rubber Duck an. Die Polizei rüstet hemmungslos gegen die Gesetzlosen auf.) und vielen Autostunts.

Die Dreharbeiten waren ziemlich chaotisch, die alten Peckinpah-Fans enttäuscht, viele Jüngere (auch ich) wurden durch „Convoy“ zum Peckinpah-Fan und an der Kinokasse war der Film auch erfolgreich.

„Fraglos ist dies Peckinpahs lässigster, nettester und harmlosester Film.“ (Ulrich von Berg: Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood, 1987)

„ action-betontes Popcornkino (…) ein weniger bedeutender Film Peckinpahs“ (Mike Siegel: Passion & Poetry – Sam Peckinpah in Pictures, 2003)

mit Kris Kristofferson, Ali MacGraw, Ernest Borgnine, Burt Young, Madge Sinclair, Seymour Cassel

Hinweise

Arte über „Convoy“

Wikipedia über „Convoy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Siegels „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Steiner – Das eiserne Kreuz“

Sam Peckinpah in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 16. Oktober: Human Nature

Oktober 16, 2011

Arte, 20.15

Human Nature (USA/Fr 2001, R.: Michel Gondry)

Drehbuch: Charlie Kaufman

Ein Verhaltensforscher und dessen haarige Freundin wollen einen Affenmenschen zivilisieren. Das ist leichter gesagt, als getan.

Damals, nach dem grandios abgedrehtem „Being John Malkovich“, war Charlie Kaufman Hollywoods Lieblingsautor für schräge Drehbücher und mit „Vergiss mein nicht“ (ebenfalls von Gondry verfilmt), „Adaption“ und „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“ festigte er seinen Ruf. Auch das etwas schwächere „Human Nature“ passt vorzüglich in diese Reihe.

mit Tim Robbins, Patricia Arquette, Rhys Ifan, Miranda Otto, Rosie Perez, Robert Forster

Wiederholung: Freitag, 21. Oktober,, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Human Nature“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Oktober: Eine Stadt wird erpresst

Oktober 15, 2011

Arte, 22.00

Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.

Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.

„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)

Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Oktober: Mogadischu

Oktober 14, 2011

Arte, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel 2007 ein Zweiteiler) über die RAF, dem zeitgleich im Kino gelaufenem, ziemlich grottigem „Baader Meinhof Komplex“ (die TV-Fassung läuft ab 23.30 Uhr im Ersten) mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtägigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte. Einziger Kritikpunkt ist die derzeit angesagte Wackelkamera.

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“

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Kortner - Mogadischu

Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro


DVD-Kritik: „Caged“, oder Was passiert, wenn man irgendwo im Hinterland die Hauptstraße verlässt

Oktober 13, 2011

„Inspiriert von wahren Ereignissen“ scheint inzwischen die Formel zu sein, um jede noch so abstruse Geschichte mit etwas „Realität“ zu adeln. Denn auch bei „Caged“ erfährt man nicht, welche wahren Ereignisse die Geschichte inspiriert haben und etwas künstlerische Freiheit geht immer.

Jedenfalls werden in diesem französischem Horrorfilm drei Ärzte (zwei Männer, eine Frau), nachdem sie irgendwo in Ex-Jugoslawien eine Abkürzung genommen haben (Merke: Verlasse niemals die Hauptstraße!), entführt. Ihre Entführer sprechen nur irgendeine fremde Sprache und anstatt das Jungärztetrio gleich zu schlachten, halten sie sie zunächst im Keller gefangen. Ziemlich schnell wird klar, dass sie als Organspender herhalten sollen.

Über die offensichtlichen Vorbilder von „Caged“ muss wohl nicht groß gesprochen werden. Immerhin gab es in den vergangenen Jahrzehnten wahrlich genug Horrorfilme, in denen einige unschuldige, vorwiegend jüngere Menschlein in die Hände einer durchgeknallten Hinterwaldsippe fallen und dann geht das lustige Abschlachten los. Weil die Genrekonventionen so starr sind, ist es schwierig, etwas Neues zu erzählen. Auch „Caged“ folgt brav und überraschend kurz den Genrevorgaben. Denn nach 75 Minuten ist bereits alles vorbei.

Dennoch ist der Mittelteil, die Gefangenschaft der Ärzte, zu lang geraten. Denn die Gefangenen warten, abgesehen von einem Fluchtversuch, nur, dumpf brütend, auf ihr Schicksal.

Wenn’s dann doch mit dem Ausbruch losgeht, muss man die üblichen Idiotien ertragen (Wobei: Warum glaube ich, dass ich in dieser Situation vernünftig handeln würde?). Jedenfalls sucht die Jungärztin Carole (Zoé Felix) nicht nach dem Schlüssel für die Zellen, sondern sie holt in einer supergefährlichen Aktion einen Bolzenschneider. Sie schnappen sich, als Waffen, auch keine Messer aus dem versifftem OP-Raum, sondern laufen einfach über einen vom Haus der Bösewichter gut einsehbaren Feldweg einen gefühlte Ewigkeit los zum schützenden Wald, während gleich neben dem Haus ebenfalls ein Wald ist. Und selbstverständlich versuchen sie nicht, Hilfe herbeizutelefonieren.

Aber das gehört auch irgendwie zum festen Inventar des Genres. Geändert haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nur die Bilder. Inzwischen sehen auch schlechte Filme gut aus. Auch die Dialoge und die Schauspieler sind okay.

„Caged“ ist wahrlich kein Film, den man sich ansehen muss. Der Gore- und Ekel-Anteil (immerhin hat der Film eine Ab-18-Jahre-Freigabe erhalten) hält sich in sehr überschaubaren Grenzen, wobei Carole ihre Kleider ordentlich mit Blut beschmutzen darf. Aber eine tiefere Botschaft entsteht so nicht und als psychologisches Drama war „Caged“ nie gedacht.

Caged (Captifs, Frankreich 2010)

Regie: Yann Gozlan

Drehbuch: Yann Gozlan, Guillaume Lemans

mit Zoé Félix, Eric Savin, Arié Elmaleh, Ivan Franek, Igor Skreblin, Philippe Krhajac, Margaux Guenier, Goran Kostic

–

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Originaltrailer

Länge: 84 min

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Caged“

 


TV-Tipp für den 13. Oktober: Duell

Oktober 13, 2011

Arte, 20.15

Duell (USA 1971, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Richard Matheson

LV: Richard Matheson: Duel (Kurzgeschichte, Playboy, April 1971)

Auf einem Highway irgendwo im Nirgendwo überholt Handelsvertreter David Mann einen Truck. Der König der Landstraße beginnt Mann zu verfolgen.

Steven Spielbergs erster Kinofilm. Naja, fast. Denn „Duell“ war zuerst ein in zwei Wochen gedrehter ABC-TV-Film (es werden mal 12, mal 13, mal 16 Drehtage genannt, wobei anscheinend nur 10 Drehtage geplant waren), der für die Kinoauswertung um einige Szenen erweitert wurde.

„Duell“ ist ein kleiner, knackiger Highway-Thriller, bei dem die Geschichte auf das Gerüst reduziert wurde. Mit einer guten Idee und einem guten Drehbuch (Richard Matheson! Von ihm ist auch die Vorlage für den am 3. November startenden, empfehlenswerten SF-Boxerfilm „Real Steel“ [die Kritik gibt’s zum Filmstart]).

„Offen gesagt ist der Film voll technischer Spielereien und logischer Brüche. Aber am Ende der neunzig Minuten scheint kaum Zeit vergangen.“ (Fob, Variety)

mit Dennis Weaver, Eddie Firestone, Charles Seel, Lucille Benson

Wiederholungen

Dienstag, 18. Oktober, 14.45 Uhr

Sonntag, 23. Oktober, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Duell“

Wikipedia über „Duell“ (deutsch, englisch)

Fanseite zum Film

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Oktober: Death Proof – Todsicher

Oktober 12, 2011

SWR, 23.00

Death Proof – Todsicher (USA 2007, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tarantinos Hälfte des Grindhouse-Double-Features mit Robert Rodriguez (der sich mit „Planet Terror“ richtig austobte): Stuntman Mike bringt in seinem todsicherem Auto Mitfahrerinnen um. Da trifft er in der Einöde auf vier Frauen, von denen zwei Stuntfrauen sind, die sich wehren.

„Death Proof – Todsicher“ ist sicher nicht Tarantinos bester Film und der Trailer ist auch besser als der streckenweise arg langatmige Film (es wird geredet, geredet und geredet), aber die Autostunts sind erste Sahne.

mit Kurt Russell, Zoë Bell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Sydney Poitier, Tracie Thoms, Rose McGowan, Quentin Tarantino, Eli Roth

Hinweise

Film-Zeit über „Death Proof“

Wikipedia über „Death Proof“ (deutsch, englisch)

Quentin-Tarantino-Film-Forum

Everything Tarantino

The Quentin Tarantino Archives

Deutsche Quentin-Tarantino-Fanseite

Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Oktober: Der Dritte im Hinterhalt

Oktober 11, 2011

WDR, 23.15

Die Dritte im Hinterhalt (USA 1969, R.: Paul Bogart)

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Raymond Chandler: The little sister, 1949 (Die kleine Schwester)

Im Auftrag einer mysteriösen Blondine soll Marlowe deren Bruder finden.

Ziemlich langweilige Chandler-Verfilmung, aber ein Privatdetektivkrimi mit „Jim Rockford“ kann nicht ganz schlecht sein.

Mit James Garner, Rita Moreno, Jackie Coogan, Bruce Lee (vor allem Stunts)

 Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte