Leatherface kommt

September 4, 2010

Just the Facts!

Tja, nun:

Heute Abend (Samstag, den 4. September) ist es soweit. Da läuft Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ um 22.30 Uhr im Filmkunst 66 nach vielen Jahren wieder einmal auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

Weitere Infos zum Film und zur Veranstaltung. Bei Trailers from Hell gibt es den kommentierten Trailer und im Neuen Deutschland (Kira Taszman) einen schönen Artikel zum Film:

mit »TCM« trifft das Verbot ein Werk, dessen Horror-Ästhetik im Vergleich zu heutigen Standards relativ harmlos ist. Zwar gibt es durchaus unappetitliche Momente, doch entbehrt der Anblick von in der Pfanne brutzelnden (Menschenfleisch-)Würstchen auch nicht eines gewissen (sehr schwarzen) Humors. Die unfreiwillige Komik des Films ist ebenfalls genre-inhärent. Jedenfalls fängt »The Texas Chainsaw Massacre« sehr anschaulich den »Peace und Love«-Geist seiner jungen 70er-Jahre-Protagonisten ein und prangert unter anderem Unsitten wie Massentierhaltung an. Zudem geschehen die brutalsten Handlungen außerhalb des Kamerablickfelds. Filme, die heute ungesühnt auf Fantasy-Festivals gezeigt werden, sind oft um ein vielfaches drastischer.

Es gibt auch eine deutsche TCM-Version:

Nachtrag (6. September): In der taz schreibt Nina Scholz über den Abend:

Dadurch, dass das Verbot von The Texas Chainsaw Massacre so lange zurückliegt, wird die Crux solcher Verbote besonders deutlich. Alte Fragen werden neu formuliert: Was ist überhaupt ein gefährlicher Film, und wer ist Fachmann genug, das einzuschätzen? Gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen den Szenen im Film (…) und realer Gewalt? Die Geschichte des Verbots des Kettensägenmassakers in Deutschland zeigt, wie sehr Einschätzungen Kinder ihrer Zeit und dem jeweiligen Betrachter geschuldet sind. Und sie zeigt, wie absurd solche Verbote sein können.


Vorschläge für Deutschen Katzen-Krimi-Preis gesucht

September 3, 2010

Ich gestehe, ich habe noch nie einen Katzenkrimi gelesen.

Ich gestehe, meine Lektüreerfahrung von Tierkrimis geht gegen Null.

Ich gestehe, dass dieser Trend bislang von mir ignoriert wurde.

Aber ich will mich bessern.

Ehrlich. Als erstes Zeichen tätiger Reue veröffentliche ich hier und jetzt alle Informationen zum Deutschen Katzen-Krimi-Preis:

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg ruft zum Wettbewerb um den 1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis auf. Bis zum 15. September 2010 können Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi eingereicht werden. Eine unabhängige Jury wird am 25. November 2010 im Rahmen der Berliner Katzen-Krimi-Nacht1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis im Berliner »Theater im Palais am Festungsgraben« vergeben. erstmalig den

»Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis tragen der ständig gewachsenen Popularität des Katzenkrimis Rechnung und wollen herausragende Katzenkrimis aus der Feder deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in den Vordergrund stellen«, teilt Verbandsgeschäftsführer Detlef Bluhm mit. »Entstanden ist die Idee dazu übrigens in einem Facebook-Dialog zwischen der Autorin und Übersetzerin Silvija Hinzmann und Kater Paul, einer singulären Erscheinung auf Facebook, die bei vielen Katzen- und Facebook-Freunden bereits Kultstatus genießt.«

Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi können auf Facebook in der Gruppe »Katzenkrimi« auf Kater Pauls Account, per Post (Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Lützowstraße 33, 10785 Berlin) oder per Mail (1KaterPaul1@googlemail.com) eingereicht werden. Für den Preis können alle Katzen-Kriminalromane und -erzählungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren nominiert werden, die von 2008 bis zum 31. August 2010 gedruckt oder als E-Book erschienen sind. Die Vorschläge werden am 16. September auf Kater Pauls Blog (www.katerpaul.wordpress.com) veröffentlicht. Dort entsteht bis zum 3. Oktober durch Stimmabgabe des Publikums die fünf Titel umfassende Shortlist, die am 4. Oktober, dem Eröffnungstag der Frankfurter Buchmesse, veröffentlicht wird. Zur Jury, die aus der Shortlist die Preisträgerin oder den Preisträger ermittelt, zählen Detlef Bluhm, Christiane Gass, Elisabeth Herrmann und ein prominentes Überraschungsmitglied, das ebenfalls zur Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben wird. Der Deutsche Katzen-Krimi-Preis ist nicht dotiert. Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis werden finanziell unterstützt von den Katzenartikelherstellern Gimborn und Royal Canin sowie dem Verlag Page & Turner.

Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe STADT  LAND  BUCH statt. Vom 21. bis zum 28. November 2010 lädt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg unter der Beteiligung von Buchhandlungen, Verlagen und Bibliotheken aus Berlin und Brandenburg zu einem umfangreichen Programm mit Veranstaltungen rund um das Buch ein.

STADT  LAND  BUCH wird finanziell unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und der Europäischen Union. Hauptsponsor der Veranstaltungsreihe ist der Aufbau Verlag.


DVD-Kritik: The Texas Chainsaw Massacre – 35th Anniversary Edition

September 2, 2010

The Texas Chainsaw Massacre“ ist ein Low-Budget-Horror aus den Siebzigern, der den Machern den Weg nach Hollywood ebnen sollte. Da bot sich ein Genrefilm, bevorzugt Horror oder Krimi, an, weil sie billig zu drehen sind und es immer ein Publikum für sie gibt. Dass er dann so erfolgreich wurde, überraschte alle Beteiligten. Dass er Eingang in die Popkultur finden würde, dass es ein ausgewachsenes Fantum geben würde und dass er stilbildend für viele weitere Horrorfilme werden würde, hätten die Macher sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt.

Auch nicht, dass „The Texas Chainsaw Massacre“, im Gegensatz zu anderen Horrorfilm-Blockbustern, wie „Der Exorzist“ und „Das Omen“, die damals ebenfalls für Kontroversen sorgten, auch über 35 Jahre nach der Premiere nichts von seiner schockierenden Wirkung verloren hat.

Denn, wie George A. Romero in dem ebenfalls systemkritischen „Die Nacht der lebenden Toten“, inszenierte Tobe Hooper einen Alptraum, in den die jungen Protagonisten hineingeworfen werden und aus dem es kein Entkommen gibt. Sie sind plötzlich fremden Mächten ausgeliefert, die nicht mit ihnen reden wollen, sondern mit nackter Brutalität agieren. Damals war das auch ein sehr deutlicher Kommentar zum Vietnamkrieg, Watergate und dem brutalen Agieren des Staates gegen die Hippie-Bewegung und deren friedliche Antikriegsproteste.

In Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ fahren fünf Jugendlichen, zwei Pärchen und der im Rollstuhl sitzenden Franklin, nach Texas um das Grab des Großvaters zu besuchen. Sie nehmen einen verrückten Anhalter mit, fahren an einem Schlachthof vorbei (was Franklin die Gelegenheit gibt, zu erzählen wie früher und heute Rinder getötet werden) und verirren sich in der texanischen Einöde. Sie erkunden ein leerstehendes Haus und entdecken ein weiteres Haus, in dem der geistig zurückgebliebene „Leatherface“ und seine Familie leben. Sie sind Kannibalen und das Haus ist ein bizarrer Schlachthof. „Leatherface“, der von dem plötzlichen Auftauchen der vielen Besucher überfordert ist, behandelt sie wie Schlachtvieh. Denn Tiere töten kann er. Am liebsten tötet er seine Opfer mit einem gezielten Hammerschlag auf den Kopf, aber auch die titelgebende Kettensäge erweist ihm gute Dienste. Pam hängt er an einem Fleischerhaken auf.

Der Höhepunkt des Schreckens ist für Sally, die einzige Überlebende der fünf Freunde, ein Abendessen mit der Kannibalenfamilie.

Diese Geschichte folgt den heute sehr ausgetretenen und oft auf Schocks reduzierten Pfaden der Urbanoia-Geschichten, in denen nette, harmlose, weiße Anfang Zwanzigjährige bei einem Ausflug ins platte Land auf eine Sippe degenerierter, gewaltlüsterner Hinterwäldler stoßen. Außerdem ließen die Drehbuchautor Kim Henkel und Tobe Hooper sich etwas von dem wahren Serienmörder Ed Gein inspirieren, der in den Fünfzigern in Wisconsin lebte. Aber im Gegensatz zu neueren Filmen, in denen die Leinwand in Blut getaucht wird und man alles sehen kann, werden in „The Texas Chainsaw Massacre“ die Morde nur angedeutet. So geschieht Leatherfaces erster Mord fast nebenbei, indem er Kirk mit einem gezielten Schlag auf den Kopf wie ein Tier tötet. Auch die anderen Morde spielen sich vor allem im Kopf des Zuschauers ab – und sind so viel wirkungsvoller.

Dafür nimmt Hooper sich viel Zeit, eine beängstigende Atmosphäre zu schaffen. Das beginnt schon in den ersten Minuten mit der Einleitung, in der betont wird, dass es sich um ein wahres Ereignis handelt (was natürlich Quatsch ist, denn die Ereignisse in dem Film finden nach dem Ende der Dreharbeiten statt) und den folgenden Schnappschüssen von teilweise mumifizierten und verwesten Menschenteilen, den Bildern von den beiden verwesten Leichen, die auf einem texanischen Friedhof in der Gluthitze zur Schau gestellt wurden, und den Sonneneruption. Ein Radiosprecher berichtet von unerklärlichen Gewalttaten. Die unüblichen Aufnahmewinkel, meistens aus der Untersicht, und die minimalistische Musik, die eher eine experimentelle Klangcollage ist, verstärken die bedrohliche Atmosphäre.

Es ist klar, dass im Staate Texas etwas nicht stimmt.

Der verrückte Anhalter, der sich in die Hand schneidet, und eine zurückgebliebene Putzkraft an einer Tankstelle, die kein Benzin mehr hat, verstärken dieses Gefühl einer diffusen Bedrohung, das erst im Haus der Familie greifbar wird. Da lebt „Leatherface“, der immer mit einer Ledermaske herumläuft und nur unartikulierte Töne ausstößt. Die Möbel sind aus Knochen gefertigt, auf dem Boden liegen Hühnerfedern und Knochen, an den Fenstern und den Decken baumeln Mobiles aus Knochen und ein Huhn ist in einen viel zu kleinem Vogelkäfig eingesperrt.

Und bis dahin haben wir den Rest der Familie und Großvater noch nicht kennen gelernt.

Aus dem kurzen Ausflug an einem sonnigen Sommertag wird ein von Tobe Hooper beeindruckend konsequent inszenierter Alptraum, aus dem es für die Jugendlichen kein entkommen gibt.

Und weil Hooper nicht die Schocks, sondern Suspense, gepaart mit einer ordentlichen Portion Paranoia, ins Zentrum stellte, ist „The Texas Chainsaw Massacre“ ein auch heute noch zutiefst beunruhigender Film, der einerseits als Fabel auf die damalige Zeit, aber auch sehr einfach auf die Gegenwart bezogen werden kann.

Außerdem, das wird heute, nach dem Genuss der abertausend Epigonen gern vergessen, begründete „The Texas Chainsaw Massacre“ ein Subgenre.

The Texas Chainsaw Massacre“ als Lehrstunde des deutschen Rechts

Fast überall hatte „The Texas Chainsaw Massacre“ Probleme mit der Zensur. Teilweise war er sogar verboten. Aber in den vergangenen Jahren erfuhr Hoopers Film fast überall eine Neubewertung und Erwachsene, oft auch Jugendliche, dürfen sich den Horrorfilm-Klassiker ansehen.

In Deutschland hatte der Film wegen dem Titel und der Handlung bereits vor der Kinoauswertung 1978 einige Probleme mit der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK). Am 25. August 1978 startete „Blutgericht in Texas“, erleichtert um einige Handlungsszenen, in den deutschen Kinos und war auch hier ein Hit.

In den Achtzigern eroberten Videorekorder die heimischen Wohnzimmer und zu den beliebtesten Filmen gehörten Myriaden billiger Sex-, Gewalt- und Horrorfilme. Gleichzeitig gab es zum Schutz der gefährdeten Jugendlichen eine Welle von Beschlagnahmungen und Indizierungen. Genrefans erinnern sich vor allem an den seit 1983 mehrfach beschlagnahmten „Tanz der Teufel“ (von „Spider-Man“-Regisseur Sam Raimi) oder an Lucio Fulcis „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (allein der Titel versetzte die Sittenwächter in höchste Erregung).

Auch „The Texas Chainsaw Massacre“ wurde damals zuerst indiziert (also: nur noch unter der Ladentheke erhältlich) und dann verboten (also: gar nicht mehr erhältlich). Der Beschlagnahmebeschluss vom 23. Dezember 1985 vom Münchner Landgericht 1 wegen Gewaltverherrlichung ist wegen seiner Argumentation („keine Kunst“) und Beobachtungsgabe (es wird der Film beschrieben, der sich im Kopf des Zuschauers abspielt, aber nicht die zu sehenden Bilder) legendär:

Der Film ‚Ketten-Sägen-Massaker‘ ist sicher kein Werk der Kunst, so dass bereits aus diesem Grunde auf die Bedeutung des Kunstvorbehalts des Art. 5 Abs. 3 GG nicht eingegangen zu werden braucht. Nach alledem stellt der Film weder eine Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dar (§ 131 Abs. 2 StGB) noch zielt er auf das kritische Bewusstsein des Betrachters ab. Er liefert auch keinen Denkanstoß hinsichtlich der Problematik der Ursachen von grausamer Gewalt, sondern er versteht sich als Horrorfilm, der von brutalen und geschmacklosen Szenenfolgen lebt.“

Seitdem gab es den Film in Deutschland nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr ungekürzt. Einige Bootlegs (die dann auch verboten wurden) und eine höchstens für Sammler von Absurditäten interessante Ab-16-Version, in der wirklich jede bekannte Szene aus dem Film gekürzt wurde, gab es zu kaufen.

Weil der Film inzwischen allgemein als Horrofilmklassiker und auch als Filmklassiker anerkannt ist und ein runder Geburtstag eine gute Gelegenheit ist, eine umfassende Geburtstagsedition auf den Markt zu werfen, erwarb Turbine Medien 2008 die Heimvideorechte. Sie ließen einige Gutachten erstellen, die dem Film die strafrechtliche Unbedenklichkeit bescheinigten und als sie der Bundesprüfstelle den Film zeigten, wurde ihr Anliegen wohlwollend aufgenommen. Turbine Medien befürchtete sogar eine Freigabe ab 16 Jahren.

Aber dann sagte ihnen der Vorsitzende der Bundesprüfstelle, dass sie den Film nicht prüfen könnten, weil er verboten sei. Eine Neuprüfung und damit eine mögliche Listenstreichung sei nur möglich, wenn eine Gesetzesänderung stattfände, eine nachfolgende rechtskräftige Gerichtsentscheidung die strafrechtliche Relevanz verneine, die Auslegung des Straftatbestandes sich zwischenzeitlich durch bundesgerichtliche oder obergerichtliche Rechtssprechung ändere oder die ursprüngliche gerichtliche Entscheidung aufgehoben werde.

In der Kurzfassung heißt das: Wenn in Deutschland ein Kunstwerk einmal verboten ist, ist es für immer verboten.

Denn es wird sich nur selten ein Filmanbieter finden, der ein teures Gerichtsverfahren mit einem sehr ungewissen Ausgang riskiert. Wobei es natürlich zuerst einen Staatsanwalt geben muss, der ein entsprechendes Verfahren initiiert.

Auch Turbine Medien vertreibt die „The Texas Chainsaw Massacre“-Geburtstags-Edition derzeit nur in Österreich. In Deutschland versuchen Turbine Medien und ihre Anwälte immer noch eine Freigabe des Films zu erreichen, damit wenigstens Erwachsene den Film in Deutschland kaufen dürfen. Denn derzeit ist „The Texas Chainsaw Massacre“ zu gefährlich für Erwachsene.

The Texas Chainsaw Massacre“ – die „35th Anniversary Edition“

Die von Turbine Medien erstellte Geburtstagsedition ist das Rundum-glücklich-Paket für den Fan. Es gibt den Film, digital remastered, mit einer vollständigen deutschen Synchronisation und der alten deutschen Synchronisation, auf Blu-Ray und DVD. Das Bild ist atemberaubend gut. Die beiden Audiokommentare sind informativ, aber wer vorher die Dokumentationen auf der Bonus-DVD gesehen hat, erfährt wenig neues.

Auf der dritten DVD gibt es gut drei Stunden sehr informatives Bonusmaterial. Besonders die siebzigminütige Dokumentation „The Shocking Truth“ ist sehr gelungen. Die ebenfalls siebzigminütige Doku „Flesh Wounds“ wirkt dagegen etwas wie eine Zusammenstellung von aus „The Shocking Truth“ geschnittenen Szenen. Denn in „Flesh Wounds“ kommen, neben einigen am Film „The Texas Chainsaw Massacre“ beteiligte Personen, mehrere Fans und Organisatoren von Horrorfilm-Veranstaltungen zu Wort. In dem achtminütigem „Das TCM-Haus“ führt „Leatherface“ Gunnar Hansen (dessen Darstellung von Leatherface gar nicht genug gelobt werden kann) durch das Haus, in dem sie 1973 den Film drehten und das heute ein Familienrestaurant ist.

Weil in dem gesamten Bonusmaterial durchgängig die Fan-Perspektive eingenommen wird, wären für eine zweite Auflage ein dritter Audiokommentar von einem Filmwissenschaftler und eine Dokumentation über die Zensurgeschichte von „The Texas Chainsaw Massacre“ (besonders natürlich der deutschen Zensurgeschichte) wünschenswert.

Bis dahin ist die „35th Anniversary Edition“ von Turbine Medien die definitive Veröffentlichung des Films.

The Texas Chainsaw Massacre (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

Regie: Tobe Hooper

Drehbuch: Kim Henkel, Tobe Hooper

mit Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, William Vail, Teri Mcminn, Edwin Neal, Jim Siedow, Gunnar Hansen

auch bekannt als „Blutgericht in Texas“

DVD/Blu-Ray

35th Anniversary Edition (Film auf Blu Ray und DVD, Bonusmaterial auf Extra-DVD, digitally remastered, mit durchgängig deutscher Synchronisation)

Turbine Medien

Bild: 1080p24 Full HD (1,78:1) (Blu-Ray), 16:9 anamorph (1,78:1) (DVD)

Ton: Englisch (Dolby Digital 5.1, Surround, 2.0 Stereo), Deutsch (Dolby Digital 5.1 Surrond, 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (circa 160 Minuten): Multi-Angle Introtext in Englisch und Deutsch, Audiokommentar mit Regisseur Tobe Hooper, Kameramann Daniel Pearl, und Gunnar Hansen (Leatherface), Audiokommentar mit den Darstellern Marilyn Burns, Paul A. Partain, Allen Danzinger und Art Director Robert A. Burns, „The Shocking Truth“ (Dokumentation), „Flesh Wounds“ (Dokumentation), „Off the Hook“ (Dokumentation), Eine Führung durch das TCM-Haus mit Gunnar Hansen, Entfernte Szenen, Outtakes, Bloopers, Kino-Trailer (USA, D), US-TV- und Radio-Spots, „The Shocking Truth“-Outtakes

Länge: 84 Minuten

FSK: – (in Deutschland verboten, Verkauf in Österreich legal)

Präsentation der DVD, mit anschließender Diskussion

Am Samstag, den 4. September 2010, präsentieren das Filmkunst 66, die Humanistische Union, One World Berlin/realeyz.tv und Turbine Medien um 22.30 Uhr im Berliner Kino Filmkunst 66 Tobe Hoopers Debütfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ nach vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Texas Chainsaw Massacre“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich FSK-16 – ungeprüft; Vergleich VPS Tape – L. P. (mit einigen historischen Texten und Covers); Vergleich SPIO/JK VHS – Österreichische DVD (ebenfalls mit vielen Covers und Plakaten)

Photobucket: umfangreiche Bildersammlung zu „The Texas Chainsaw Massacre“

Heise: Stefan Höltgen: Schwere Erwachsenengefährung (zum Verbot von TCM in Deutschland, 3. Juli 2010)

Berliner Zeitung: Thomas Klein über den verstaubten Umgang der deutschen Zensur mit Gewaltdarstellungen im Film (13. März 2004)

Kriminalakte über „The Texas Chainsaw Massacre“ (umfangreiche Veranstaltungsankündigung)


„The Road“ – der deutsche Trailer

August 30, 2010

Am 7. Oktober startet John Hillcoats tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (Die Straße, Rowohlt) endlich auch in Deutschland. Joe Penhall schrieb das Drehbuch, die Musik ist von Nick Cave und Warren Ellis und Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce und Molly Parker spielen mit. Trotz der Besetzung ist „The Road“ im wesentlichen ein Zwei-Personen-Stück.

Zum Filmstart gibt es meine Jubelrezension (Yep: Film gesehen, begeistert). Bis dahin gibt es den Trailer:


„Verbotene Filme“ in Berlin

August 28, 2010

Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass die Veranstalter des zweitägigen Symposiums „Verbotene Filme“ noch einige Anmeldungen annehmen. Wer also immer noch überlegt, ob er die „Verbotenen Filme“ (mit einer sinnlichen Einführung am Vorabend der Tagung in Kino Arsenal) in der Deutschen Kinemathek (Potsdamer Platz) besuchen soll, wird durch einen Blick auf das Programm sicher überzeugt:

Mittwoch, 8. September

20.00 Uhr

Im Reich der Sinne (J/F 1976) | Regie: Nagisa Oshima (Filmvorführung)

Donnerstag, 9. September

10.00 Uhr

Begrüßung, Eröffnung

Dr. Rainer Rother | Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek

Dr. Paul Klimpel | Verwaltungsdirektor der Deutschen Kinemathek

10.30 Uhr

Was ein Filmemacher alles tun muss, um einen Film rechtlich abzusichern

Hannes Stöhr | Regisseur, Drehbuchautor und Produzent

10.50 Uhr

Einführung in die juristischen Grundbegriffe

Christlieb Klages | Rechtsanwalt, Hertin Anwaltssozietät

11.20 Uhr

Rechtliche Restriktionen in Deutschland und China

Peiqi Han | Dozentin, Ostasiatisches Institut der Universität Leipzig

11.40 Uhr

Legal clarification in the US

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 1: Fime, die nicht gezeigt werden

13.00 Uhr

Vom „Reich der Sinne” ins Visier der Staatsanwaltschaft

Ulrich Gregor | Filmhistoriker und Mitbegründer der Freunde der Deutschen Kinemathek e. V.

13.20 Uhr

Rechtliche Bewertung des Falles „Im Reich der Sinne”

Christlieb Klages

14.00 Uhr

Beruf Neonazi (D 1993) – Ein verbotener Film?

Winfried Bonengel | Regisseur und Autor

14.20 Uhr

Rechtliche Bewertung von „Beruf Neonazi”

Christlieb Klages

15.20 Uhr

Hitlers Hitparade (D 2003) – über die Fallstricke der Rechteklärung

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

15.40 Uhr

Paul is Dead (D 2000) – ein Film nur für das Fernsehen?

Hendrik Handloegten | Regisseur

16.00 Uhr

Was im Fernsehen Recht ist, muss das auch dem Kino billig sein?

Podiumsgespräch mit

Hendrik Handloegten | Regisseur

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

Dr. Mareile Büscher | Rechtsanwältin, Raue LLP

17.00 Uhr

Verwaiste Werke – nicht nur ein Problem der Archive. Die Vorschläge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Peter Weber | Stellvertretender Justiziar, ZDF

18.00 Uhr

Beruf Neonazi, D 1993 (Regie: Winfried Bonengel)

Filmvorführung für die Teilnehmer des Symposiums

19.30 Uhr

Kurzfilmprogramm „Mashup-Rolle” (90 Min.)

Filmvorführung, kuratiert von Ilja Braun und Valie Djordjevic, iRights.info

ab 21.00 Uhr

Filmkunst trifft Netzkunst

Abendveranstaltung mit Mashups und Remixes und der Podiumsdiskussion

Ein anfälliges System? – Rechtsdurchsetzung im Internet und ihre Folgen

mit Dr. Matthias Leonardy, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberechtsverletzungen (GVU) und Mario Sixtus, Journalist und „Elektrischer Reporter“

Freitag, 10. September

Block 2: Filme, die nicht gemacht werden

10.00 Uhr

Die Schere im Kopf

Prof. Dr. Peter Raue | Rechtsanwalt, Raue LLP

10.20 Uhr

Untold Stories

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 3: Filme, die es gar nicht geben dürfte

11.30 Uhr

Neue Wege, neue Filme – das Internet als Verbreitungsmedium von rechtlich problematischen Bewegtbildern

Dr. Till Kreutzer | Rechtsanwalt & Autor, iRights.info

13.30 Uhr

Das Internet als Kunstmaschine: Bedingt eine neue Technik eine neue Ästhetik?

Podiumsdiskussion mit

Susanne Gerber | Künstlerin

Kathrin Becker | Kuratorin und Leiterin des Video-Forums des Neuen Berliner Kunstvereins

Stefan Eckel | reproducts.de, Medienarchäologe und Videokünstler

Moderation: Valie Djordjevic | iRights.info

15.00 Uhr

Arts and politics: How political is the remix and mash-up culture?

Panel discussion with

Johan Söderberg | Editor, director and audiovisual designer

Elisa Kreisinger | Video remix artist and pop culture pirate

Peter Conheim (Negativland) | Collage and appropriation artist

Moderation: Ilja Braun | Filmwissenschaftler und Publizist

Uff, ein volles Programm.

Und das ganze kostet 00,00 Euro.

Mehr Infos gibt es bei iRights und bei der Deutschen Kinemathek (symposium-recht@deutsche-kinemathek.de) kann man sich anmelden. Aber nicht mehr lange.


KrimiWelt-Bestenliste September 2010

August 28, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den September:

1 (1) Richard Price: Cash

2 (4) Dominique Manotti: Letzte Schicht

3 (-) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

4 (8) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

5 (-) Garry Disher: Rostmond

5 (-) Jo Nesbø: Headhunter

6 (-) Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

7 (-) Jussi Adler-Olsen: Schändung

8 (3) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

9 (-) Frank Göhre: Der Auserwählte

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Tja, sechs Neueinsteiger (drei davon hab ich letzten Monat schon angekündigt). Davon sind fünf auf meinem Zu-Lesen-Stapel; der Parker von Richard Stark steht im Original schon lange im Regal.

Aber zuerst wird die die Vorlage für die am 7. Oktober startende, tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ gelesen.

Draußen sind leider Pete Dexter, D.B. Blettenberg und Don Winslow, der am 14. September in Berlin ist.


Kleinkram

August 27, 2010

Bei Mulholland Books (einem Imprint von Little, Brown and Company, das ab 2011 Krimis veröffentlicht) gibt es bereits jetzt viel zu lesen. Zum Beispiel:

George Pelecanos: Why Mark Billingham is a Badass

Charles Ardai (Hard Case Crime): The dark heart of noir

Alan Glynn: ’70s Paranoia Thriller and why we need them now more than ever…

Tom Piccirilli: Dead Mower Dreams and the Weeds of Boo Radley

Laura Lippman:  Mark Billingham and Laura Lippman on themselves and everything else

Charlie Huston: Guns to shape the future

Nelson DeMille: Childhood obsession turned bestselling novel

Joe R. Lansdale: The Workplace, wet or dry

Sarah Weinman: Live Chat with Don Winslow

Shane Salerno: Don Winslow, interviewt by Shane Salerno

Brad Meltzer: Batman is my Mr. Miyagi

Nick Tosches: Making Sense of Nothing and Making Nothing of Sense

und Lawrence Block sucht ein altes Buch.

Bei Spinetingler hat Brian Lindemuth seine 15 Lieblingsdefinitionen von „Noir“ zusammengestellt. Dabei sind:

“Hardboiled is about toughness and noir is about pain”

“Noir – You’re fucked on page one, and things go downhill from there.”

“Noir” (it’s the antithesis of “Disney”)”

Ebenfalls dort ist Karl McGowan ziemlich begeistert von der Verfilmung von Ken Bruens erstem Jack-Taylor-Roman „The Guards“.

Und Brian Lindemuth mag Jim Nisbets Science-Fiction(?)-Roman „Windward Passage“.

Die Dreharbeiten für die James-Sallis-Verfilmung „Drive“ (Driver) beginnen am 20. September. Ryan Gosling übernimmt die Hauptrolle, Nicholas Winding Refn führt Regie und das Drehbuch ist von Hossein Amini (Killshot).

Seamus Scanlon schreibt bei The Rap Sheet  über Richard Stark (aka Donald E. Westlake) und Parker.

Und The Rap Sheet sieht sich in San Francisco (als Vorbereitung für die Bouchercon, aber auch einfach so als Empfehlungen für einige spannende Stunden) um:

TV-Serien, die in San Francisco spielen (wie „Die Straßen von…“)

Kriminalfilme, die in San Francisco spielen

Kriminalromane, die in San Francisco spielen

Mehr Raum in den unendlichen Weiten des Internet dank Depublizieren:

Auf der Suche nach einem möglichst eindringlichen Beispiel berichtet der ZDF-Mann, dass gerade erst der O-Ton von Josef Ackermann aus der ZDF-Mediathek geflogen sei, in dem der Deutsche Bank-Chef im Mai bei Maybrit Illner daran gezweifelt habe, ob Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen könne. Nach drei Monaten ist für Videos der Kategorie Gesprächssendung das Ende gekommen. (…)

Fragt man sich durch die Anstalten, welche Inhalte aufgrund des „Verweildauerkonzeptes“ entfernt wurden, wird man geradezu unter Zahlen begraben: Der BR meldet 69 Prozent des Gesamtinhaltes, darunter überwiegende Teile der Bildungsangebote, Dokumentationen und Reportagen. Der HR gibt eine Löschquote von 58 Prozent für hr-online.de an, bei boerse.ARD.de seien es 72 Prozent gewesen. Beim RBB heißt es, allein im Angebot des Portals kulturradio.de gingen 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern und CDs offline, die älter als zwölf Monate seien. Der SR listet auf: Unter sr-online.de seien in der Rubrik Kultur nur noch sieben Prozent der Inhalte verfügbar.

Jetzt können die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ja so richtig loslegen.




The Walking Dead – Der AMC-Trailer und das CC-Panel

August 25, 2010

In den USA startet am 31. Oktober bei AMC die sechsteilige Verfilmung von Robert Kirkmans „The Walking Dead“. Der erste AMC-Trailer sieht verdammt vielversprechend aus:

Auf der Comic Con gab es auch ein Panel zu der Serie:

Wann und wo die Serie im deutschen Fernsehen läuft ist unklar.


Kleinkram zwischen Big Thrill und Fantasy Filmfest

August 18, 2010

Die August-Ausgabe von The Big Thrill ist, wieder prall gefüllt mit Interviews und Hintergrundberichten zu den neuen Büchern von Thriller-Autoren, schon eine halbe Ewigkeit online. Dieses Mal unter anderem mit  Raymond Benson (über seine James-Bond-Geschichten), Ridley Pearson, Charlaine Harris und Toni L. P. KelnerPeter James und Shane Gericke schreibt über John Sandford.

Noch mehr Interviews:

Niels Arden Oplev spricht über seine Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“

– Peter Robinson

Matt Beynon Rees

– Ruth Rendell

– P. D. James

– Gerald Seymour

Shawn Ryan (The Shield, The Unit, Lie to me [ab der zweiten Staffel]) hat eine neuen Serie am Start: „Terriers“, eine Comedy mit Donal Logue als Ex-Polizist, der sich jetzt als Privatdetektiv durchschlägt. Die Serie startet am 8. September auf FX und ich hoffe (auch wenn der Trailer mich etwas unbegeistert zurücklässt), dass die Serie erfolgreich ist und auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird. Denn ich warte schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf eine neue PI-Serie.

Oh, Mann, der Titel stimmt wirklich: Ultimate Filmmakers Guide to Film Noir.

Film Noir – Noir of the Week. Zuletzt:

Cutter’s Way/Cutter and Bone (USA 1981; „Cutter & Bone – Bis zum bitteren Ende“ ist ein kleiner Klassiker)

To Live and Die in L. A. (USA 1985; „Leben und Sterben in L. A.“ mit William L. Petersen ist ein weiterer, immer noch unterschätzter, Klassiker)

Wie war das noch mal mit James Hadley Chase und Miss Blandish?

Einige Worte von Lawrence Block, der eine weitere seiner Jugendsünden (Jaah, Sex!) gesteht.

Ups, das hatte ich letzten Oktober übersehen: die Mickey-Spillane-Verfilmung „Ich, der Richter“ (I, the Jury, USA 1982) und die Elmore-Leonard-Verfilmung „52 Pick-Up“ (USA 1986) sind indiziert. Bei „Ich, der Richter“ ist es eine Folgeindizierung. Bei „52 Pick-Up“ eine neue Indizierung. D. h. für beide Filme für die nächsten 25 Jahre: Keine Werbung und verkauft werden dürfen die eigentlich sehr harmlosen Krimis (vor allem „Ich, der Richter“ wirkt heute wie eine durchschnittliche  TV-Episode einer Achtziger-Jahre-PI-Serie, die mit etwas mehr Action und einigen blanken Busen aufpoliert wurde) nur an Erwachsene.

Wenn mir bitte jemand diese Entscheidungen erklären könnte…

Da sind wir gleich bei unserem nächsten Thema: Verbotene Filme, einer Tagung der Deutschen Kinemathek und von iRights am Donnerstag, den 9. und Freitag, den 10. September in Berlin.

Das Programm liest sich vielversprechend.

Noch nicht verboten sind die Filme des diesjährigen Fantasy Filmfest, das ab heute in Berlin und danach in einigen weiteren Städten läuft. Neben viel Mittelaltergekröse, Schwertkämpfen, Gekreische und Blutfontänen gibt es einige Filme für den geneigten Krimifan:

Kaboom (der neue Film von Gregg Araki)

22 Bullets (Schauspieler und Regisseur Richard Berry verfilmte mit Jean Reno einen Thriller von Franz-Olivier Giesbert)

The Chameleon (ein neuer Krimi von Jean-Paul Salomé [Female Agents, Arsène Lupin])

Dossier K. – Das Recht auf Rache (der Nachfolger zu „Mörder ohne Erinnerung“/“The Alzheimer Case“)

The Experiment (die US-Version von Oliver Hirschbiegels Kinohit „Das Experiment“, inszeniert von „Prison Break“-Erfinder Paul Scheuring, mit Adrien Brody und Forest Whitaker)

Harry Brown (die britische Antwort auf  „Gran Torino“, mit Michael Caine in der Hauptrolle)

The Killer inside Me (Michael Winterbottoms umstrittene Jim-Thompson-Verfilmung mit Casey Affleck als Sheriff Lou Ford; bei den Noir-Fans kommt der Film allerdings ziemlich gut an)

Little Big Soldier (Jackie Chan in einer Antikriegssatire)

Love Crime (ein neuer Film von „Wahl der Waffen“-Regisseur Alain Corneau, mit Kristin Scott Thomas und Lidivine Sagnier)

Outrage (ein neuer Yakuza-Film von Takeshi Kitano)

Rapt (französischer Kidnapping-Thriller; läuft nicht in allen Städten)

Reykjavik Whale Watching Massacre (Der Titel klingt nach „The Texas Chainsaw Massacre“ und Gunnar Hansen ist auch dabei)

Sphinx (das Programmheft spricht von einem klassischen französischem Polizeifilm)

Tony (britischer Debütfilm über einen Serienkiller, der Daily Mirror schreibt „a masterclass in psychological horror)

Einige Filme wird es in Deutschland danach nie wieder auf der großen Leinwand und in dieser Form zu sehen geben.


The Texas Chainsaw Massacre im Trailer from Hell

August 16, 2010

Kaum kündige ich die Berlin Edition vom Texas Chainsaw Massacre an, erzählt Regisseurin Karyn Kusama (zuletzt „Jennifer’s Body“)  bei „Trailers from Hell“, warum sie das Blutgericht in Texas so sehr beeindruckte.

Hörenswert!


Absurdes Theater?

August 14, 2010

Die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ hat nachgefragt, wie Politiker und Verwaltungen es mit der Veröffentlichung ihrer Gebäude bei Google Street View halten:

Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) lässt ausrichten, sie wolle ihr Privathaus pixeln lassen. Für den Verwaltungssitz neige sie ebenfalls dazu, während die Frage nach Auskunft einer Justizsprecherin für andere Gebäude der Behörde noch geprüft wird. Denkbar wäre etwa, die Abbildung der Gerichtsgebäude zu dulden, aber Bilder von Gefängnissen löschen zu lassen. Zumal es ja sein könnte, dass in Tegel gerade das Tor für einen Häftlingstransport offen stand, als das Google-Foto-Auto vorbeifuhr.

Nach Auskunft von Senatssprecher Richard Meng prüfen die Senatsbehörden unter Regie der Innenverwaltung, was sie zu verbergen haben.

Hm, dann soll also bei Google Street View das Bild ihres Verwaltungssitzes gelöscht werden, aber auf ihrer Homepage wird’s weiter zu sehen sein.  Und wahrscheinlich auf hunderttausend anderer Seiten.

Immerhin gut, dass die Justizverwaltung keine Webcam installiert hat…

Aber dafür haben die einige hübsche Bilder von ihren Gefängnissen online.

Die Politiker sollten endlich mit diesem Sommertheater aufhören und sich wirklich um den Datenschutz kümmern.


Die Shamus-Nominierungen 2010

August 14, 2010

Die Private Eye Writers of America haben für die diesjährigen Shamus Awards folgende Krimis mit Privatdetektiven als Ermittlern nominiert:

Best Hardcover P.I. Novel

The Silent Hour, von Michael Koryta (Minotaur)

Where the Dead Lay, von David Levien (Doubleday)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Schemers, von Bill Pronzini (Forge)

My Soul to Take, von Yrsa Sigurdardottir (William Morrow)

Best First P.I. Novel

Loser’s Town (Stadt der Verlierer), von Daniel Depp (Simon & Schuster)

The Last Gig, von Norman Green (Minotaur)

The Good Son, von Russel D. McLean (Minotaur)

Faces of the Gone, von Brad Parks (Minotaur)

Chinatown Angel, von A.E. Roman (Minotaur)

Best Paperback Original P.I. Novel

Dark Side of the Morgue, von Raymond Benson (Leisure)

Sinner’s Ball, von Ira Berkowitz (Three Rivers Press)

Red Blooded Murder, von Laura Caldwell (Mira)

Vengeance Road, von Rick Mofina (Mira)

Body Blows, von Marc Strange (Dundurn)

Best P.I. Short Story

The Dark Island, von Brendan DuBois (aus „Boston Noir“, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic)

Deadline Edition, von S.L. Franklin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 2009)

Blazin’ on Broadway, von Gary Phillips (aus „Phoenix Noir“, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic)

Suicide Bonds, von Tim L. Williams (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2009)

Julius Katz, von Dave Zeltserman (Ellery Queen Mystery Magazine, September/October 2009)

Der Shamus wird auf der Bouchercon im Oktober in San Francisco verliehen.

(dank an The Rap Sheet)


The Texas Chainsaw Massacre – Berlin Edition

August 13, 2010

Als Mitveranstalter freue ich mich auf diesen Abend:

Am Samstag, den 4. September 2010, präsentieren das Filmkunst 66, die Humanistische Union, One World Berlin/realeyz.tv und Turbine Medien um 22.30 Uhr im Berliner Kino Filmkunst 66 Tobe Hoopers Debütfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ nach vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand. Die ungekürzte Fassung des Filmes ist seit 1985 aufgrund einer Indizierung und einem Verbot nicht in Deutschland zu sehen.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.


Die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, das Menschenrechtsfilmfestival One World Berlin, die Independent Film Onlineplattform realeyz.tv und der DVD-Verlag Turbine Medien möchten mit dieser Filmvorführung den Weg zu einer Wiederaufnahme des Falls und zeitgemäßen Diskussion über den Film ebnen.

Einmal verboten, für immer im Giftschrank?

Eine Strafe ist irgendwann vorüber.

Ein Verbot besteht dagegen ewig.

Das musste die DVD-Firma Turbine Medien feststellen, als sie zum 35. Geburtstag des bahnbrechenden Horrorfilms „The Texas Chainsaw Massacre“ (Blutgericht in Texas, Das Texas Kettensägen-Massaker) eine filmhistorisch umfassende Edition für die deutschen Filmfans veröffentlichen wollte.

Denn das Original ist seit dem 23. Dezember 1985 verboten. Im Beschlagnahmebeschluss des Münchner Landgerichts 1 steht: „Der Film ‚Ketten-Sägen-Massaker‘ ist sicher kein Werk der Kunst, so dass bereits aus diesem Grunde auf die Bedeutung des Kunstvorbehalts des Art. 5 Abs. 3 GG nicht eingegangen zu werden braucht. Nach alledem stellt der Film weder eine Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dar (§ 131 Abs. 2 StGB) noch zielt er auf das kritische Bewusstsein des Betrachters ab. Er liefert auch keinen Denkanstoß hinsichtlich der Problematik der Ursachen von grausamer Gewalt, sondern er versteht sich als Horrorfilm, der von brutalen und geschmacklosen Szenenfolgen lebt.“

Tobe Hooper und Kim Henkel erzählen in „The Texas Chainsaw Massacre“ eine typische Urbanoia-Fantasie: eine Gruppe Jugendlicher gerät in die Fänge einer Hinterwäldler-Familie, die sie umbringen und essen wollen. Was Hoopers billig gedrehtes Debüt von anderen Horrorfilmen unterscheidet, ist der erkennbare Bezug zu gesellschaftlichen Problemen, wie dem Vietnam-Krieg und der Massentierhaltung, die alptraumhafte, schwer zu ertragende Atmosphäre, die formale Geschlossenheit und das geschickte Spiel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers. In den Kinos war der Film ein Hit. Die Einnahmen haben das Budget um das Fünfhundertfache übertroffen.

Inzwischen ist der Film Teil der ständigen Ausstellung des Museums of Modern Art in New York. Er wird allgemein als ein moderner Klassiker des Horrorfilms angesehen, Leatherface ist einer der legendärsten Filmbösewichte und die zahlreichen Fortsetzung, Parodien und Hommagen bestätigen immer wieder seinen Einfluss auf die Popkultur. Außerdem haben sich nach einem viertel Jahrhundert die Sehgewohnheiten geändert.

Wir hatten sogar Angst, dass der Film, wenn er von der FSK geprüft wird, eine Ab-16-Freigabe erhält und jeder glaubt, dass es sich um eine gekürzte Version handelte“, sagt Christian Bartsch, Produktmanager bei Turbine Medien. Dem war nicht so. Denn, so mussten sie feststellen, wenn in Deutschland ein Film, ein Lied oder ein Buch wegen Gewaltdarstellungen (§ 131 StGB), Pornographie (§ 184 StGB), Volksverhetzung (§ 130 StGB) oder der Verletzung von Persönlichkeitsrechten (wie der Roman „Mephisto“ von Klaus Mann, der erst nach jahrelangen Gerichtsverhandlungen 1980 gedruckt werden durfte) verboten wird, dann ist es für immer verboten.

Die einzige Möglichkeit, ein solches Verbot aufzuheben ist, dass jemand den Film wieder veröffentlicht, jemand gegen diese Veröffentlichung klagt und dann ein Gericht die Klage ablehnt. Falls das Verbot bestätigt wird, muss der Verlag die DVDs abschreiben und auf den Müll werfen. Dieses Risiko wird natürlich – Ausnahmen bestätigen die Regel – nicht eingegangen und so bleiben in Deutschland verbotene Werke für immer verboten.

In Österreich und der Schweiz kann der Film dagegen ganz legal gekauft werden. Auch in anderen europäischen Ländern ist „The Texas Chainsaw Massacre“ legal und ungekürzt teilweise schon für Vierzehn- (Italien) und Fünfzehnjährige (Schweden, Dänemark) erhältlich. In Kanada dürfen Dreizehnjährige den Film sehen. Nur in Deutschland dürfen sogar Erwachsene den Film nicht sehen.

Einige Meinungen zum Film

Hemmungslos sadistischer Horrorfilm mit nervtötendem Soundtrack, technisch wie inhaltlich gleichermaßen niveaulos.“ (Lexikon des internationalen Films)

Dieser ekelhafte Kotzbrocken, den auch abgebrühte Zuschauer nur schwer verkraften können, ist in den USA zum Kultfilm geworden. (…) eine perfide Schlächterorgie.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985/1989)

The Texas Chainsaw Massacre thematisiert Gewalt nicht, sondern macht sie spürbar. Tobe Hooper analysiert nicht ihre Ursachen, sondern vermittelt die sinnliche Erfahrung mit ihr zu kollidieren.“ (Ulrich von Berg: Besondere Kennzeichen: Schlechter Geschmack – Tobe Hooper, das Genie des neuen Horrorfilms, in Michael Farin/Hans Schmid, Hrsg.: Ed Gein – A quiet man, 1996)

Hoopers Debüt als universeller Albtraum ist bisher unübertroffen. (…) eine Unvermeidlichkeit, die sich in Hoopers Anwendung einer albtraumhaften Logik spiegelt, die Raum und Zeit in einem geschlossenen Kreis bildet; Leatherface ist ewig auf Sally Fersen, ohne sie jedoch auf ihrer Flucht einzuholen, und Sally entkommt bloß, um zu ihnen zurückgebracht zu werden. Trotz dieser umgedrehten Märchenmotive sieht das Ganze realistisch aus. Die vorgefundenen Locations und das körnige Filmmaterial (…) verleihen dem Film eine harte Glaubwürdigkeit, die von dem manchmal nervösen Schnitt noch unterstrichen wird. Der Humor – der Koch tadelt Leatherface wegen seines Vandalismus mit der Kettensäge – verstärkt nur den Horror, besonders in der makabren Essensszene. Der rhythmische Soundtrack und das immer präsente Kettensägengeheul hält die Spannung am Kochen bis zu Leatherfaces letztem Tanz. Ein Meisterwerk, leider nur mit eingeschränkter Freigabe.“ (James Marriott & Kim Newman: Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie, 2006)

Die filmhistorische Bedeutung von Tobe Hoopers Erstlingswerk kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. (…) Er bildet das Bindeglied zwischen Serienmörder- und Slasher-Film, tradiert Motive des einen, inauguriert Motive des anderen. Darüber hinaus ist er – das zeigt sich nicht zuletzt an den drei Sequels, dem Remake und dem Prequel, die ihm folgten – ein zentrales Werk des Serienmörderfilms bis heute, ein gleichermaßen erfolgreicher wie verabscheuter Film.“ (Stefan Höltgen: Schnittstellen – Serienmord im Film, 2010)


Noch heute übt Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre aus dem Jahre 1974 einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Horrorgenre aus. (…) Aus heutiger Sicht wirkt sein Film auch wie ein zorniges Mahnmal, das sich mit den Vietnamkriegsängsten der zeitgenössischen Jugend auseinandersetzt. Der Film zeigt ein Amerika, das sich in eine Mordmaschine verwandelt hat, das seine eigenen Kinder frisst. (…) Endlich eine dem filmhistorischen Status entsprechende Veröffentlichung dieses bisher im deutschen Sprachraum nur verstümmelt erhältlichen Films.“ (Jörg Buttgereit: Der Mann mit der Säge [zur 35th Anniversary Edition des Films von Turbine Medien, epd Film 6/2010)

HInweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Texas Chainsaw Massacre“ (deutsch, englisch)

Heise: Stefan Höltgen: Schwere Erwachsenengefährung (zum Verbot von TCM in Deutschland, 3. Juli 2010)

Berliner Zeitung: Thomas Klein über den verstaubten Umgang der deutschen Zensur mit Gewaltdarstellungen im Film (13. März 2004)


Thriller < 10 Euro (mit Ausnahmen)

August 11, 2010

Wer bei den Hardcover-Ausgaben zögerte, kann jetzt die, teilweise überfälligen Taschenbuch-Ausgaben von einigen guten Büchern kaufen. Beginnen wir ohne bestimmte Reihenfolge in Berlin:


D. B. Blettenberg: Berlin Fidschitown (Pendragon, 12,95 Euro)

Sein bereits 2003 erschienener, hauptsächlich in Berlin, oft im Untergrund, spielender, mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneter Thriller ist jetzt endlich als Taschenbuch erschienen. Unbedingt lesen!


Jörg Juretzka: Der Willy ist weg (Unionsverlag, 9,90 Euro)

Sein dritter Krimi erschien zuletzt bei Rotbuch als Hardcover. Jetzt gibt es das brüllend komische Abenteuer von Privatdetektiv Kristof Kryszinski als Taschenbuch. Im Anhang gibt es ein dreiseitiges Interview, eine Bio- und eine Bibliografie.


Domingo Villar: Wasserblaue Augen (Unionsverlag, 9,90 Euro)

Ein Debüt aus Spanien: Inspektor Leo Caldas soll den Mörder eines bestialisch ermordeten Saxofonisten finden. Ihre Ermittlungen führen sie in Szenebars und Schwulenclubs – und mit etwas über 200 Seiten kann das Buch in einem Rutsch gelesen werden.


Matti Rönkä: Bruderland (grafit, 8,95 Euro)

Der zweite Krimi mit dem in Helsinki lebendem, russischstämmigem Privatdetektiv Viktor Kärppä. Als einige Jugendliche an verunreinigtem Heroin sterben, wird Kärppä von der Polizei gezwungen, seine alten Kontakte zu benutzen. Guter PI-Krimi, der nicht wallandert, sondern sich an amerikanischen Vorbildern orientiert.


Charles den Tex: Die Zelle (grafit, 11 Euro)

Nach „Die Macht des Mr. Miller“ ein weiterer Thriller mit dem Unternehmensberater Michael Bellicher, dessen Leben wieder aus den geordneten Bahnen gerät. Dieses Mal soll er einen Unfall mit Todesfolge verursacht haben (er erinnert sich nicht daran) und er besitzt plötzlich marode Treibhäuser (die er niemals gekauft hat). „Die Zelle“ erhielt den Goulden Strop.


Max Bronski: München Blues (Heyne, 7,95 Euro)

Drei Jahre nach der Hardcover-Ausgabe erscheint der zweite Krimi von Max Bronski endlich als Taschenbuch. Amateurdetektiv Gossec stolpert während des Oktoberfestes über eine Bierleiche und in den schönsten bayerischen Amigofilz.


Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Heyne)

Nun, die Taschenbuch-Ausgabe eines Hard-Case-Crime-Taschenbuches. Mir gefällt das originale Pulp-Cover besser. Der Inhalt bleibt gleich und ist nichts für zartbesaitete Gemüter.


Roger Smith: Kap der Finsternis (Heyne, 8,95 Euro)

Ein zünftiger Hardboiled aus Südafrika. Das feine Debüt spart nicht Gewalt und erscheint deshalb auch folgerichtig in der Hardcore-Reihe von Heyne.


Jeffery Deaver: Der Täuscher (Blanvalet, 9,95 Euro)

Lincoln Rhyme ermittelt wieder und wir erfahren einiges über die Möglichkeiten der Überwachung und Datenmanipulation. Da hat Deaver wieder ein halbes Sachbuch in seinen Krimi geschmuggelt.


Michael Connelly: Echo Park (Heyne, 6,65 Euro)

Harry Bosch ermittelt wieder. Muss ich wirklich mehr sagen?


Joe R. Lansdale: Akt der Liebe (Heyne, 8,95 Euro)

Lansdales Debüt erschien 1999 bei pulp master, ist schon seit Ewigkeiten nicht mehr erhältlich und Antiquare verlangen ziemlich viel Geld dafür. Daher ist die, anhand einer kursorischen Überprüfung nur wenig überarbeitete Neuausgabe für alle Lansdale-Fans (neue und alte) die Gelegenheit, einen Klassiker des Serienkillerthrillers (wieder) zu lesen. Immerhin erschien „Akt der Liebe“ in den USA 1981; was uns schmerzlich daran erinnert, dass Lansdale auch schon einige Jahrzehnte auf dem Planeten wandelt.

Lasst euch nicht von dem nichtssagendem Cover, das eher an eine Liebesschnulze in tropischen Hütten erinnert, und dem harmlosen Titel abschrecken.

Und wer doch nicht auf sein geliebtes Hardcover verzichten kann:


Laura Thompson: Agatha Christie (Scherz, 24,95)

Eine fünfhundertseitige Biographie über die enorm produktive Schriftstellerin (15. September 1890 – 12. Januar 1976). In England wurde das Buch gemischt aufgenommen. Denn Thompson, die auch einen exclusiven Zugang zum Archiv von Agatha Christie hatte, schreibt nicht besonders kritisch über die heute immer noch erfolgreiche Krimiautorin. Und das ist wahrscheinlich das größte Rätsel um Agatha Christie.


Die Dagger-Finalisten 2010

August 11, 2010

Die Liste der British Crime Writers’ Association (CWA) für den diesjährigen Dagger wird immer kürzer:

CWA Gold Dagger 2010

Blacklands, von Belinda Bauer (Corgi)

Blood Harvest, von S.J. Bolton (Bantam Press)

Shadowplay, von Karen Campbell (Hodder & Stoughton)

The Way Home (Kein Weg zurück), von George Pelecanos (Orion)

CWA Ian Fleming Steel Dagger 2010 (gestiftet von Ian Fleming Publications Ltd.)

A Loyal Spy, von Simon Conway (Hodder & Stoughton)

The Dying Light, von Henry Porter (Orion)

Innocent, von Scott Turow (Macmillan)

The Gentlemen’s Hour (Pacific Paradise), von Don Winslow (Heinemann)

CWA John Creasey (New Blood) Dagger 2010

Acts of Violence, von Ryan David Jahn (Pan)

The Pull of the Moon, von Diane Janes (Robinson)

Rupture, von Simon Lelic (Picador)

The Holy Thief, von William Ryan (Mantle)

Die Preisverleihung ist am Freitag, den 8. Oktober.

(via The Rap Sheet)


Mr. Joe Gores speaking about Dashiell Hammett and „The Maltese Falcon“

August 10, 2010

Uwe Wesel über die Sicherungsverwahrung

August 7, 2010

Aus aktuellem Anlass und ohne Kommentar:



Neu im Kino: Kiss & Kill, Mother

August 6, 2010

Kiss & Kill (Killers, USA 2010)

Regie: Robert Luketic

Drehbuch: Bob DeRosa, Ted Griffin

Nach „Knight and Day“, der diesjährigen Variante von „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ für die ältere Generation, gibt es mit „Kiss & Kill“ die „Ein Vogel auf dem Drahtseil“-Variante für die jüngere Generation. Für uns alte Säcke bleibt immerhin noch Tom Selleck als Papa.

Die Kritiker (eher Mitglieder der älteren Generation) schlachteten den Film: bei Rotten Tomatoes gibt es elf Prozent; bei dem normalerweise für meinen Geschmack zu positiv gewichtenden Metacritic gibt es einundzwanzig Prozent.

Mit Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Katherine O’Hara

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss & Kill“

Coverage: Interview mit Bob DeRosa (15. Dezember 2009)

Blogworld: Interview mit Bob DeRosa (2. März 2010)

Screenwriting from Iowa: über Bob DeRosa und die Hintergründe von „Killers“ (8. Juni 2010)

Nice Guys Finish First: Blog von Bob DeRosa

Mother (Madeo, Südkorea 2009)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Eun-kyo Park, Bong Joon-ho, Wun-kyo Park

Mother“ (ein wunderschöner deutscher Titel) ist der neue Film von Bong Joon-ho, dem Regisseur des erfolgreichen Amphibien-Horrorfilms „The Host“ (toller deutscher Titel) und des Krimis „Memories of Murder“ (unglaublich poetischer deutscher Titel).

Es geht um eine Mutter, die nicht glaubt, dass ihr geistig behinderter Sohn ein Mädchen umbrachte. Sie sucht den Mörder.

Die Kritiker lieben den düsteren Thriller mit Slapstick-Elementen. In Berlin läuft er in drei Kinos.

mit Kim Hye-ja, Won Bin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mother“

Gegenschnitt: Interview mit Bong Joon-ho (aus dem Presseheft)

A. V. Club: Interview mti Bong Joon-ho (9. März 2010)

Screen Crave: Interview mit Bong Joon-ho (11. März 2010)


Trailer zur Ken-Bruen-Verfilmung „The Guards“

August 3, 2010

Ah, hier ist der Trailer zur Verfilmung des ersten Jack-Taylor-Romans „The Guards“ (Jack Taylor fliegt raus) von Ken Bruen:

Nachtrag (4. August):  Die ersten Reaktionen zum TV-Film sind online bei Crime Always Pays (nicht so begeistert) und Detectives Beyond Borders (in den Kommentaren).


KrimiWelt-Bestenliste August 2010

August 2, 2010

Die Damen und Herren der KrimiWelt haben die verschlossenen Umschläge abgeliefert, an einem geheimen Ort wurden sie miteinander verglichen und der Zeremonienmeister verkündete die Bestenliste für den August 2010:

1 (4) Richard Price: Cash

2 (1) Pete Dexter: God’s Pocket

3 (-) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

4 (2) Dominique Manotti: Letzte Schicht

5 (9) Jiří Kratochvil: Das Versprechen des Architekten

6 (-) John Farrow: Treibeis

7 (-) D.B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis (Interview zum Buch)

7 (-) Don Winslow: Pacific Paradise

8 (-) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

9 (10) John Hart: Das letzte Kind

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Schon wieder fünf Neueinsteiger.

Die ersten beiden Plätze sind fest in der Hand großer amerikanischer Literaten, die auch in Hollywood ihre Spuren hinterlassen haben. Gegen Don Winslow kann nichts gesagt werden und der Einstieg von D. B. Blettenberg in die Bestenliste war überfällig.

Nächsten Monat könnten dann Garry Disher, Raúl Argemi, Claudia Pineiro, Jenny Siler, Frank Göhre, Robert Brack, Massimo Carlotto (Zählt eine Biographie?) und R. J. Ellory (obwohl das Buch so unglaublich dick ist) mit ihren neuen Werken auf der Liste sein.

Sebastian Fitzek wird’s dagegen wahrscheinlich nie auf diese Liste packen.