Verschiedens: Widmark gestorben, Hinweise auf Interviews, verschiedene Überlegungen zum Schreiben

März 27, 2008

R. i. P. Richard Widmark (26. Dezember 1914 – 24. März 2008 )

Gleich für sein Filmdebüt als durchgeknallter Gangster in „Der Todeskuss“ erhielt er eine Oscar-Nominierung. In den folgenden Jahrzehnten trat er in über siebzig Filmen auf. Seine bekanntesten sind „Die gebrochene Lanze“, „Der Garten des Bösen“, „Polizei greift ein“ (Pickup on South Street), „Der letzte Wagen“, „Der Schatz der Gehenkten“ (Sonntag, 30. März, SWR, 14.00 Uhr; Freitag, 11. April, HR, 00.00 Uhr [Taggenau]), „Alamo“, „Zwei ritten zusammen“, „Das Urteil von Nürnberg“, „Nur noch 72 Stunden“, „Mord im Orient-Express“, „Das Ultimatum“ und „Ein Aufstand alter Männer“.

Heute Abend zeigt Das Vierte um 20.15 die Alistair-MacLean-Verfilmung „Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis“ mit Widmark und weiteren bekannten Schauspielern.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online (kurz), ARD/Tagesschau (ausführlicher), FAZ (ausführlicher), Die Welt (von Gerhard Midding), und selbstverständlich der New York Times (von Aljean Harmetz).

Frank Göhre beantwortet im Krimiblog viele Fragen von Ludger Menke.

Wolfgang Rademann, der „Meister des Leichten“ (so der Titel des ausführlichen Interviews mit dem Macher der „Schwarzwaldklinik“ und des „Traumschiffs“), redet mit der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Woody Haut hat einen längeren Text über die vielen Elmore-Leonard-Verfilmungen geschrieben und warum die meisten nicht gut und nur wenige gut sind.

Der Verband der Drehbuchautoren hat den Podcast „Stichwort Drehbuch“ gestartet. Oliver Schütte und Frank Zeller wollen jeden Monat mit einem Drehbuchautor sprechen. Eine gute Idee. Auch die Homepage sieht gut aus. Aber die Ausführung bei dem ersten Teil – ein Gespräch mit Rainer Berg, dem Autor des Zweiteilers „Die Gustloff“ – erreicht auch mit viel Wohlwollen nicht einmal Amateurniveau. Denn einen so schlechten Ton habe ich seit ich seit ich weiß nicht wann nicht mehr gehört.

(Hm, und warum nur Töne und keine Bilder? Ich denke da zum Beispiel an diese schöne Seite/Sendung aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.)

Ken Levine gräbt einen alten Post „When to STOP writing“ aus (und erhält viele lesenswerte Kommentare).

John August denkt über die Motivationen seiner Charaktere nach (und erhält viele lesenswerte Kommentare).

David J. Montgomery gibt im Crime Fiction Dossier den noch nicht publizierten Autoren einige bedenkenswerte Ratschläge (und zahlreiche lesenswerte Kommentare bestätigen ihn).


R. i. P.: Arthur C. Clarke, Anthony Minghella

März 19, 2008

R. i. P. Arthur C. Clarke (16. Dezember 1917 – 18. März 2008 )

Einer der ganz großen der Science-Fiction-Literatur starb in der Nacht zum Mittwoch an einem Atemproblem. Sein bekanntestes Werk ist das zusammen mit Stanley Kubrick geschriebene Drehbuch zu dem Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“. Daneben schrieb er zahlreiche Sachbücher, S-F-Romane, Kurzgeschichten (einige mit Krimi-Touch) und gab etliche Anthologien heraus.

Einen kurzen Nachruf gibt es bei Spiegel Online, längere bei BBC News, Yahoo News (von AP) und Times Online und einen sehr ausführlichen bei der New York Times.

Update: Inzwischen gibt es auch deutschsprachige Nachrufe in der Süddeutschen Zeitung (viel AP), Frankfurter Rundschau (viel AP und DPA), taz, Berliner Zeitung (von Jens Balzer), Handelsblatt, Spiegel Online (längerer Nachruf von Thorsten Dörting), Zeit online und telepolis.

R. i. P. Anthony Minghella (6. Januar 1954 – 18. März 2008 )

Der Drehbuchautor und Regisseur ist vor allem bekannt für seine Literaturverfilmungen: „Der englische Patient“, „Unterwegs nach Cold Mountain“ und die Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der talentierte Mr. Ripley“. Vor seinen Kinofilmen drehte er auch drei Folgen für die britische Krimiserie „Inspector Morse“; die in Deutschland nie gezeigte Serie mit John Thaw basiert auf den Romane von Colin Dexter. Zuletzt verfilmte er für HBO „The No. 1 Ladies Detective Agency“ (nach den Romanen von Alexander McCall Smith).

Minghella starb an den Folgen einer Krebsoperation. Nachrufe gibt es bei unter anderem bei Spiegel online, der Welt, Süddeutsche Zeitung, und der Tageszeitung.


RiP: Roy Scheider, Stefan Murr; WGA-Drehbuchpreise 2008

Februar 12, 2008

R. i. P. Roy Scheider (10. November1932 – 10. Februar 2008 )

Er spielte in „Klute“, „French Connection“, „Der weiße Hai“, „Der Marathon-Mann“, „Atemlos vor Angst“, „Hinter dem Rampenlicht“, „In der Stille der Nacht“, „Das fliegende Auge“, „2010 – Das Jahr in dem wir Kontak aufnehmen“, „52 Pick-Up“, „Das Russland-Haus“, „Romeo is bleeding“, „Naked Lunch“ und „Der Regenmacher“ mit. Wahrlich keine schlechte Liste.

(Weitere Infos: Nachruf der New York Times; Nachruf von Associated Press; Meldung in Spiegel Online)

R. i. P. Stefan Murr (4. September 1919 – 22. Januar 2008)

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren(Ein Toter stoppt den 6 Uhr 10; Vorsicht – Jaczek schießt sofort; Affäre Nachtfrost, Auf den Tag genau) ist tot – und die Zahl der Nachrufe hält sich in überschaubaren Grenzen. Die Alligatorpapiere melden es und hier gibt es einen, hm, Nachruf. „Stefan Murr ist ein Phänomen. Von allen deutschen Krimi-Autoren ist er der dienstälteste, der kontinuierlich veröffentlicht, und er konnte sich sogar im Hardcover-Bereich etablieren, in Deutschland ein schwieriges Terrain für heimische Thriller-Autoren.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe, 1995)

Die WGA hat ihre Preise für die besten Drehbücher verliehen (btw: der Streik ist wohl zu Ende.). Keine schlechte Liste mit vielen bekannten Namen. So sind die Coen-Brüder mit „No Country for old Men“ dabei. „The Wire“ (Wann kommt diese diese Polizeiserie endlich ins deutsche Fernsehen?) und „The Company“ (die auf Robert Littells Roman basierende Miniserie hat auch noch keinen deutschen Ausstrahlungstermin) ebenso. Aus dem Nicht-Krimi-Bereich wurden „Juno“ von Diablo Cody als bestes Drehbuch und „Taxi to the Dark Side“ von Alex Gibney als beste Dokumentation prämiert. – Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


Kurzmeldungen: Heath Ledger tot, Oscar- und Razzie-Nominierungen, „Die Anwälte“ abgesetzt, „Conspiracy Theory“ online

Januar 23, 2008

Der 28-jährige Heath Ledger (Brokeback Mountain) wurde am Dienstag tot in seiner New Yorker Wohnung gefunden. Er starb wahrscheinlich an einer Überdosis Drogen  (via Crimespree Cinema; siehe auch CNN).

Die Oscar-Nominierungen sind draußen. Die meisten Filme (viele Krimis!), die in den wichtigen Kategorien nominiert sind, laufen demnächst in Deutschland an. Etliche der nominierten Drehbücher gibt’s im Netz. Direkte Links zu ihnen gibt es bei Simply Script.  Und, bei dem ganzen Jugendkult, ist es schön, dass der achtzigjährige Hal Holbrook (hier der Link zu einem Interview) als bester Nebendarsteller nominiert wurde.

Die Razzie-Nominierungen sind ebenfalls draußen. Die meisten Filme kenne ich nicht – und will sie wahrscheinlich auch niemals sehen.

RTL arbeitet am Absetzungsrekord. Nach nur einer Folge wird „Die Anwälte“ (mit Kai Wiesinger und Alexander Held) abgesetzt. Die Quote am vergangenen Donnerstag war aus RTL-Sicht suboptimal („deutlich unter den Erwartungen„) und so wurde ein Kurzer Prozess gemacht. Dabei hätten „Die Anwälte“ durchaus Eine Zweite Chance verdient gehabt.  Denn sooo schlecht war die erste Folge nicht.

Brian Helgelands Drehbuch „Conspiracy Theory“ (Fletchers Visionen, verfilmt von Richard Donner mit Mel Gibson und Julia Roberts) ist online.


Kurzmeldungen: Benjamin M. Schutz gestorben,…

Januar 21, 2008

Benjamin M. Schutz ist gestorben (Meldung1, Meldung 2). Schutz wurde bekannt mit seinen Leo-Haggerty-PI-Romanen. Zuletzt veröffentlichte er „Unerbittlich“ (The Mongol Reply, 2004); ein lesenswerter Thriller über eine Scheidung.

Al Navis schrieb einen Nachruf auf seinen am 17. Januar 2008 verstorbenen Freund Edward D. Hoch. Ebenso Robert J. Randisi und Bill Chambers.

Dieter Paul Rudolph veröffentlicht das Inhaltsverzeichnis des „Krimijahrbuch 2008“.


Ira Levin gestorben

November 14, 2007

R. i. P.: Ira Levin, 27. August 1929 – 12. November 2007

Zwei Tage nach Norman Mailer starb ein weiterer amerikanischer Autor. Ira Levin schrieb wenig, aber „Der Kuss des Todes“, „Rosemaries Baby“, „Die Frauen von Stepford“, „Die Boys aus Brasilien“ und „Sliver“ waren als Buch und Film erfolgreich. Er schrieb Thriller, die mal mehr Krimi, mal mehr Horror, mal mehr Science Fiction, aber immer spannend waren.

Hier die erste Meldung zu seinem Tod in der New York Times, hier die Spiegel Online-Meldung und hier ein Verzeichnis seiner Werke.


R. i. P. Schulze-Rohr, Behm – und das „The Black Dahlia“-Drehbuch

September 24, 2007

R. i. P.: Peter Schulze-Rohr, 25. Mai 1926 – 22. September 2007

Mehr über ihn gibt es hier oder hier.  Genau wie Jürgen Roland prägte er den deutschen TV-Krimis.

R. i. P.: Marc Behm, 12. Januar 1925 – 12. Juli 2007

Im Rap Sheet findet sich ein Nachruf über den Autor des Krimis „Das Auge“. Neben weiteren Krimis (einige erschienen vor Jahren bei Piper) schrieb er auch Drehbücher. Seine bekanntesten Arbeiten für den Film dürften „Charade“ und „Hi-Hi-Hilfe!“ sein.

Ich muss mal in den Tiefen meiner Festplatte wühlen. Denn vor Ewigkeiten habe ich die Romane von Behm abgejubelt.  Wenn Sie sie also in einem Antiquariat finden, greifen Sie zu.

Bei Daily Sript gibt es eine frühe Drehbuchfassung von „The Black Dahlia“ von Josh Friedman. Diese James-Ellroy-Verfilmung von Brian De Palma gehörte für mich zu den großen Enttäuschen des letzten Kinojahres.


Joe Zawinul gestorben

September 11, 2007

Er war einer der ganz großen Jazzmusiker. Hier der offizielle Nachruf von Managerin Risa Zincke und seiner Plattenfirma Birdjam:

Joe Zawinul  * 7. Juli 1932  † 11. September 2007

 

 

Joe Zawinul, Österreichs berühmtester Jazzmusiker, ist in den frühen Morgenstunden des 11. September in Wien an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Ende Juni hatte er in Wien mit seiner Band Zawinul Syndicate seine letzte Europatournee angetreten, am 7. Juli feierte er seinen 75. Geburtstag. Nach dem Abschlusskonzert der Tournee am 3. August in Güssing musste er sich, bereits von der Krankheit gezeichnet, in Wien in Spitalsbehandlung begeben.

 

Joe Zawinul, geboren am 7. Juli 1932 in Wien, galt schon in jungen Jahren als Höchstbegabung am Klavier. Anders als sein um zwei Jahre älterer Freund Friedrich Gulda schlug er aber nicht den Weg zur Klassik, sondern jenen zu einer Jazz-Laufbahn ein.

 

1959 übersiedelte er mit einem Stipendium des Berklee College of Music in die USA, wo er eine steile Karriere antrat, die ihn rasch zum Weltstar machen sollte. Zawinul wurde Pianist bei der Vokalistin Dinah Washington und trat 1962 in die Band des  Saxophonisten Julian Cannonball Adderley ein, für den er Evergreens wie den Hit „Mercy, Mercy, Mercy“ schrieb. Ende der Sechziger Jahre arbeitete er mit dem Trompeter Miles Davis, der eines seiner Alben, „In A Silent Way“, nach einer Zawinul-komposition benannte. 1970 gründete er gemeinsam mit dem Saxophonisten Wayne Shorter die legendäre Band Weather Report, die mehr als 15 Jahre lang die führende Formation des Fusion-Stils werden sollte, der Jazz mit starken Rockelementen verband. Aus dieser Ära stammen Zawinul-Welterfolge wie „Birdland“ oder „Black Market“.

 

Nach dem Abschied von Weather Report gründete Zawinul 1987 sein Ensemble Zawinul Syndicate, das heuer sein 20-Jahre-Jubiläum feierte. In den letzten Jahren wandte sich der Musiker, der im kalifornischen Malibu lebte, wieder verstärkt Europa und seiner österreichischen Heimat zu. 2004 gründete er in Wien seinen Jazzclub, das Birdland.

 

Joe Zawinul hinterlässt drei Söhne, Erich, Ivan und Anthony. Er überlebte seine Ehefrau Maxine, die am 26. Juli starb, nur um wenige Wochen.

Und noch einige Links:

Homepage von Joe Zawinul

Nachruf von Thomas Miessgang (Die Zeit)

Nachruf von Tobias Rapp (taz) 


Eine Tote, einige Drehbücher

August 22, 2007

Magdalen Nabb starb am 18. August 2007 in Florenz im Alter von sechzig Jahren. Im Krimiblog gibt’s weitere Informationen; bei Spiegel Online die DPA-Meldung.

Erinnern Sie sich noch an die Walter Mosley-Verfilmung „Teufel in Blau“? Jetzt kann bei Daily Script eine frühe Fassung des von Regisseur Carl Franklin geschriebenen Drehbuchs „Devil in a blue dress“ gelesen werden.

Dort gibt es auch das von Iris Yamashita geschriebene Drehbuch zum von Clint Eastwood inszenierten Kriegesfilm „Letters from Iwo Jima„.

Bei Horrorlair gibt es von Mark L. Smith das Drehbuch zu „Vacancy„; der deutsche Titel des Hororthrillers mit Kate Beckinsale und Luke Wilson ist „Motel“ und die Kritiken waren ganz gut.

Oh, und Ian Rankin hat Unsinn erzählt.  Der wichtige Satz ist: J. K. Rowlings schreibt keinen Kriminalroman.  Vor allem nicht in irgendwelchen Cafés.