Der Nachtportier – Ein legendärer Skandalfilm(Italien/Frankreich 2025)
Regie: Adolfo Conti
Drehbuch: Adolfo Conti
Als 1974 Liliana Cavanis „Der Nachtportier“ zuerst in Frankreich und Italien in den Kinos startete, entwickelte sich ihr Spielfilm über eine SM-Liebesgeschichte zwischen einer jüdischen KZ-Überlebenden (Charlotte Rampling) und einem nach dem Krieg in einem Nobelhotel als Nachtportier arbeitendem SS-Offizier (Dirk Bogarde), der sie als Kind im KZ zu einer Geliebten machte, schnell zu einem Skandalfilm – und Kassenhit.
In dieser brandneuen 55-minütige Doku wird, mit Statements von Liliana Cavani und Charlotte Rampling, die Geschichte des Films und seiner Wirkung nacherzählt.
Ich selbst fand den Nazi-Sexploitation-Film, als ich ihn vor einigen Jahren sah, vor allem als langweilig, unausgegoren und insgesamt veraltet. Aber das ist das Schicksal von Skandalen: was früher für Empörung sorgte, ist heute kein Schulterzucken mehr wert.
75 Jahre wäre Rainer Werner Fassbinder heute geworden, wenn er nicht bereits, mit 37 Jahren, am 10. Juni 1982 überraschend gestorben wäre. Bis zu seinem Tod legte er in wenigen Jahren ein in seiner Quantität (über vierzig Filme, etliche Hörspiele, Theaterstücke und Inszenierungen) und Qualität – er ist unbestritten einer der wichtigsten deutschen Regisseure – beeindruckendes Werk vor.
Dieser Geburtstag wäre für die TV-Sender eine gute Gelegenheit, einmal so richtig tief in den Archiven zu wühlen und eine umfassende und werkkritische Retrospektive zu präsentieren. Also nicht nur die allseits bekannten und kanonisierten Meisterwerke, sondern auch die selten gezeigten Filme zeigen und diese Filme um einige klug gewählte Dokumentationen über Rainer Werner Fassbinder ergänzen.
Diese Aufgabe bleibt, wie schon bei Ingmar Bergman, bei Tele 5 hängen, der heute mit drei gut gewählten Fassbinder-Filmen einen Einblick in sein Werk liefern.
Tele 5, 20.15
Angst essen Seele auf(Deutschland 1973)
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
Eine verwitwete Putzfrau verliebt sich in einen deutlich jüngeren marokkanischen Gastarbeiter.
Gleich mehrere Tabus brechendes, von Douglas Sirk inspiriertes Drama. Einer von RWFs bekanntesten und beliebtesten Filme.
Mit Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, Barbara Valentin, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Karl Scheydt, Walter Sedlemayr, Marquard Bohm, Hark Bohm, Liselotte Eder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Bühnenstück)
Fassbinders zweiter Spielfilm: eine deprimierende Milieustudie: ein griechischer Gastarbeiter trifft eine Münchner Clique. Die Mädchen finden ihn attraktiv. Die Männer wollen ihn loswerden.
Katzelmacher ist ein bayerisches Schimpfwort für aus dem Süden kommende Gastarbeiter, die deutschen Frauen Kinder machen.
mit Hanna Schygulla, Lilith Ungerer, Elga Sorbas, Doris Mattes, Rainer Werner Fassbinder, Harry Baer, Irm Hermann
Despair – Eine Reise ins Licht(Deutschland/Frankreich 1978)
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Tom Stoppard
LV: Vladimir Nabokov: Otchayanie, 1934 (englischer Titel: Despair) (Verzweiflung)
Berlin, zwanziger Jahre: ein Schokoladenfabrikant (Dirk Bogarde) will vor seinen Problemen flüchten. Ein Doppelgänger (Klaus Löwitsch) soll ihm dabei helfen.
Fassbinders erste internationale Produktion, die in Artikeln über RWF normalerweise übergangen wird, zur DVD-Veröffentlichung gelobt wurde und, weil sie im Fernsehen ungefähr nie gezeigt wird, fast unbekannt ist.
Mit Dirk Bogarde, Andrea Ferréol, Volker Spengler, Klaus Löwitsch, Alexander Allerson, Bernhard Wicki, Peter Kern, Gottfried John, Adrian Hoven, Roger Fritz, Hark Bohm, Y Sa Lo, Ingrid Caven, Liselotte Eder
Wikipedia über „Despair – Eine Reise ins Licht“ (deutsch, englisch)
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Buchhinweis
Auch auf dem Buchmarkt scheint der 75. Geburtstag von RWF auf kein größeres Interesse zu stoßen. Es gibt nur den von Werner C. Barg und Michael Töteberg herausgegebenen Sammelband „Rainer Werner Fassbinder Transmedial“. Die Aufsätze des Buches beruhen, bis auf einen Text, auf zwei Uni-Veranstaltungen, nämlich einer 2017 stattgefundenen Tagung und einer 2018 stattgefundenen Workshopreihe
In dem Buch geht es um die unbekannten Arbeiten von RWF und wie er zwischen Theater, Hörspiel, Spielfilm, TV-Filmen unterschiedlicher Länge und TV-Serien seinen Stil änderte. So plante er bei seiner Döblin-Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“ neben der TV-Serie einen Spielfilm. Dabei folgte er nicht dem bekannt-beliebten Hybrid-Modell, in dem der Kinofilm eine kürzere Fassung der TV-Miniserie ist, wie in Wolfgang Petersens „Das Boot“. RWF plante eine konventionelle TV-Serie und einen experimentellen Spielfilm. Letztendlich wurde nichts aus dem Spielfilm, aber der letzte Teil der durchgehend nicht besonders konventionellen TV-Serie, war dann der zweistündige sehr experimentelle Epilog „Mein Traum vom Traum des Franz Biberkopf“.
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Werner C. Barg/Michael Töteberg (Hrsg.): Rainer Werner Fassbinder Transmedial
Der gerade aus Afrika zurückkehrte, junge, wohlhabende Tony engagiert Barrett als seinen Kammerdiener. Aber langsam verändern sich die Machtverhältnisse.
Auf der Liste des British Film Institute der besten britischen Filme des 20. Jahrhunderts steht dieser klaustrophobische Thriller über die englische Klassengesellschaft auf dem 22. Platz.
mit Dirk Bogarde, James Fox, Sarah Miles, Wendy Craig, Richard Vernon, Patrick Magee, Harold Pinter