Neu im Kino/Filmkritik: „Primate“, der Affe rast durch das Haus

Januar 29, 2026

Das ist nicht mehr unser Ben.“ Als bei Lucy Pinborough diese Erkenntnis wächst, paddeln sie, ihre College-Freundinnen und ihre Schwester bereits im Swimmingpool des einsam gelegenen Hauses auf Hawaii. Der Pool ist der einzige Ort, an dem sie vor dem extrem wasserscheuen Schimpansen sicher sind. Die Tollwut machte aus dem netten Haustier und Spielkameraden innerhalb weniger Stunden eine mordgierige Bieste.

Aber weil es, auch wenn „Primate“ deutlich unter neunzig Minuten ist, etwas langweilig wäre, die Jugendlichen die ganze Zeit im Swimmingpool ängstlich schreiend paddeln zu lassen, versuchen sie den Pool zu verlassen, verlassen ihn auch, holen sich eine Luftmatratze, an der sie sich festhalten können, versuchen ein Telefon zu erreichen und zu flüchten. Das alles ist leichter gesagt, als getan, sorgt aber für zahlreiche gute, oft äußerst schwarzhumorige Suspense-Szenen. Denn wenn eine von ihnen das Wasser verlassen hat, ist die Frage nicht ob, sondern wann sie Ben begegnet. Und ob sie die Begegnung überlebt.

Das Verhalten der Teenager ist dabei über weite Strecken genreüblich idiotisch. Aber Johannes Roberts inszenierte seinen B-Horrorfilm flott und mit einer mehr als ordentlichen Portion Gore.

Zum wohligen Gruseln trägt bei, dass Roberts den Mörderaffen Ben nicht am Computer animierte, sondern einen Menschen – Miguel Torres Umba und sein Stunt-Double Nadia Hansell – in ein Affenkostüm steckte. Diese Entscheidung, einen echten Schauspieler gegenüber den um ihr Leben kämpfenden Teenagern agieren zu lassen, Bens zunehmend furchterregend entstelltes Gesicht, seine Taten und dass es in dem Haus ziemlich dunkel ist, tragen zum Horror bei.

Für Horrorfilmfans, Unterabteilung Tierhorror, bietet „Primate“ kurzweilige neunzig Minuten.

Positiv hervorzuheben ist ein, bis auf das Finale, weitgehend unwichtiges Detail. Lucys Vater Adam ist taubstumm. Gespielt wird er von dem gehörlosen Schauspieler Troy Kotsur, der 2022 einen Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle in „Coda“ erhielt. In „Primate“ unterhält er sich mit seinen Töchtern in der Zeichensprache. Gegenüber Menschen, die die Zeichensprache nicht verstehen, benutzt er einen Stift und einen Zettel. Seine Töchter antworten ihm ebenfalls in der Zeichensprache. Ihre gesamten Gespräche werden im Film untertitelt.

Das gibt präzise wieder, wie Menschen, die hören und sprechen können, mit Taubstummen reden. Denn es besteht, auch wenn es in Filmen oft so gemacht wird (und mich jedes Mal wahnsinnig nervt), keinerlei Notwendigkeit, dass eine Person, wenn sie sich in Zeichensprache mit einem anderen Menschen unterhält, das in Handzeichen gesagte laut wiederholt. Ebenso unsinnig ist es, dass sie aufsagt, was der Taubstumme ihr gerade mitteilt. Sie reden miteinander in einer Sprache, die sie beide verstehen. Unter ihnen ist keine Übersetzung nötig.

Im Finale, wenn Adam sein Haus betritt und er versucht herauszufinden, warum seine Töchter nicht auf seine Nachrichten reagierten, wird die Szene besonders furchterregend. Denn Adam kann nicht mit Geräuschen oder Schreien vor Ben gewarnt werden. Er hört auch nicht, wenn sich ihm jemand nähert.

Primate (Primate, USA 2025)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera

mit Johnny Sequoyah, Jessica Alexander, Troy Kotsur, Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng, Charlie Mann, Tienne Simon, Miguel Torres Umba

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Primate“

Metacritic über „Primate“

Rotten Tomatoes über „Primate“

Wikipedia über „Primate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The other side of the door“ (The other side of the door, USA 2015)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The Strangers: Opfernacht“ (The Strangers: Prey at Night, USA 2018)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „47 Meters down: Uncaged“ (47 Meters down: Uncaged, USA 2019)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „Resident Evil: Welcome to Raccoon City (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „47 Meters down: Uncaged“ schwimmt der Riesenhai durch das Bild

Oktober 10, 2019

Ganz am Ende des Abspanns gibt es den Hinweis, dass jedes Jahr deutlich mehr Menschen Haie umbringen als umgekehrt.

Aber diese Zeilen, die die Filmgeschichte mit zwei Sätzen endgültig ad absurdum führen, wird kaum jemand lesen.

Der Film selbst entstand, nachdem „47 Meters Down“ sich vor zwei Jahren zu einem Überraschungserfolg entwickelte. Ursprünglich sollte der Horrorfilm nur auf DVD erscheinen. Dann wurde er doch in etlichen Ländern im Kino gezeigt. Am Ende spielte der fünf Millionen US-Dollar teure Horrorfilm 62 Millionen US-Dollar ein. Bei den Zahlen war eine Fortsetzung unvermeidlich.

Für diese Fortsetzung „47 Meters Down: Uncaged“ ist jetzt selbstverständlich das Budget mit zwölf Millionen US-Dollar größer, ein Kinostart von Anfang an geplant und die Zahl potentieller Opfer ist höher.

Dieses Mal tauchen in Mexiko vier gut proportionierte Mädchen, auf deren Stirn schon vor dem ersten Tauchgang groß „Haifischfutter“ steht, in einer versunkenen Maya-Stadt. Kurz nachdem sie in die verwinkelte Stadt hineingeschwommen sind, werden sie von einem riesigen Hai angegriffen.

Johannes Roberts, der bereits „47 Meters down“ inszenierte, hat wieder die Regie übernommen. Zusammen mit Ernest Riera, dem Co-Autor von „47 Meters down“, erfand er eine Geschichte, die nichts mit der Geschichte des ersten Films zu tun hat. Die neuen Haiangriffe spielen an einem anderen Ort und andere Haie greifen andere Schauspieler an.

Die austauschbare Besetzung ist immerhin gut für ein, zwei Schlagzeilen. Corinne Foxx ist die Tochter von Jamie Foxx und Sistine Stallone die von Sylvester Stallone. Sie geben hier ihre Spielfilmdebüts. Weil sie zu den Bikini-Schönheiten gehören, die unter Wasser selbstverständlich immer eine Tauchermaske aufhaben, kann über ihr Spiel nichts gesagt werden.

Immerhin erfahren wir durch sie und ihre beiden Mittaucherinnen Brianne Tju und Sophie Nélisse, wie man, wenn man dem Drehbuch glaubt, den Sauerstoff effektiv streckt. Indem man möglichst viel redet und noch mehr schreit. Wundersamerweise hält so der Sauerstoff in der Welt von „47 Meters down: Uncaged“ länger. Das beschreibt auch ungefähr die Qualität des gesamten an Überraschungen und Thrills armen Drehbuchs.

So ist „47 Meters down: Uncaged“ ein Film für den anspruchslosen Tierhorrorfilmfan, der sich freut, wenn Haie und spärlich bekleidete Bikini-Schönheiten durch das Bild gleiten und die Kamera das alles mit ruhiger Hand aufnimmt.

Alle anderen Tierhorrorfans sollten sich dagegen den deutlich gelungeneren Alligatorenhorrorfilm „Crawl“ ansehen.

47 Meters down: Uncaged (47 Meters down: Uncaged, USA 2019)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Ernest Riera, Johannes Roberts

mit Sophie Nélisse, Corinne Foxx, Brianne Tju, Sistine Stallone, Davi Santos, John Corbett, Nia Long

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zu Film

Moviepilot über „47 Meters down: Uncaged“

Metacritic über „47 Meters down: Uncaged“

Rotten Tomatoes über „47 Meters down: Uncaged“

Wikipedia über „47 Meters down: Uncaged“ 

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The other side of the door“ (The other side of the door, USA 2015)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The Strangers: Opfernacht“ (The Strangers: Prey at Night, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Angst und Schrecken auf „The other side of the door“

Juni 2, 2016

Nach dem Unfalltod ihres achtjährigen Sohnes wird Maria von Alpträumen geplagt. Sie fühlt sich für den Tod von Oliver verantwortlich. Vor seiner Geburt waren sie mit ihrem Mann Michael nach Indien gezogen, weil er seine Arbeit auch von Indien erledigen könne. Sie hat, was ihnen einen gehobenen Lebensstil ermöglicht, irgendetwas mit dem Export von Antiquitäten zu tun hat. Für die Filmgeschichte ist das allerdings egal. In Indien bekam Maria ein zweites Kind, das sie jetzt wegen ihrer Trauer vernachlässigt.

Eines Tages sagt Marias Haushälterin ihr, es gebe einen abgelegenen Ort, an dem man mit den Geistern der Verstorbenen reden könne. Sie müsse sich allerdings an eine Regel halten: niemals und unter keinen Umständen die Tür zur anderen Seite, zum Reich der Toten, öffnen.

Maria macht sich auf den Weg zu dem abgelegen im Dschungel liegendem Tempel, in dem sie eine Nacht verbringen und noch einmal mit ihrem Sohn reden will. Dass alles um den Tempel herum ödes Brachland ist, irritiert sie nicht.

Dass sie die Warnung ihrer Haushälterin ignoriert und doch die Tür öffnet, wissen wir seitdem Piki genau das verboten hatte. Auch dass jetzt Marias Sohn zurückkommt und als Geist beginnt die Familie zu terrorisieren, überrascht nicht.

Überraschungen gibt es in dem Geisterfilm „The other side of the door“ kaum und die Entscheidung, die Geschichte in der Gegenwart in Indien spielen zu lassen, zehrt an der Glaubwürdigkeit. Denn Maria benimmt sich, als habe sie noch etwas von dem „Friedhof der Kuscheltiere“ gehört, noch nie eine Geistergeschichte gelesen oder einen Horrorfilm gesehen. Auch wenn nachvollziehbar ist, dass sie Oliver um Verzeihung bitten will, deshalb nach jedem Strohhalm greift und sein Flehen hinter der verschlossenen Tür ihr Herz erweicht.

Trotzdem ist Marias Tun für eine in der Gegenwart spielende Geschichte arg unglaubwürdig. Wenn die Geschichte vor über hundert Jahren, während des Kolonialismus spielen würde, wäre sie mit ihren Klischees über das fremde Indien, in dem die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten schmal ist und Schamanen stumm und bedrohlich im Garten stehen, vielleicht glaubwürdiger.

So ist „The other side of the door“ nur ein weiterer, immerhin kompetent inszenierter und gespielter Geisterhorrorfilm, der sich nicht wesentlich von seinen vielen Vorgängern unterscheidet. Auch nicht in Punkto Logik; oder besser Unlogik.

The other side of the door - Plakat

The other side of the door (The other side of the door, USA 2015)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera

mit Sarah Wayne Callies, Jeremy Sisto, Sofia Rosinsky, Suchitra Pillai, Logan Creran

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The other side of the door“

Metacritic über „The other side of the door“

Rotten Tomatoes über „The other side of the door“

Wikipedia über „The other side of the door“