Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ jetzt im Kino

Juli 13, 2023

Beginnen wir gleich mit dem Wichtigsten. Wie erwartet ist „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil 1″ ein ausgezeichneter Action-Thriller, der alles das bietet, was die vorherigen „Mission: Impossible“-Filme auch boten: reichlich handgemachte, spektakuläre Action und eine doch eher nebensächliche, aber die Actionszenen gut zusammenhältende Geschichte mit einen doch eher vernachlässigbarem Bösewicht. Denn so sehr die Filme selbst in Richtung James Bond gehen, so wenig beeindruckend sind die Bösewichter. Sicher, Philip Seymour Hoffman in „Mission: Impossible III“ blieb länger im Gedächtnis, aber letztendlich haben sie nie die raumfüllende Grandezza eines echten Bond-Bösewichts, sondern sie sind eher funktional.

Dieses Mal ist der Bösewicht die gesichtslose „Entität“ und der mysteriöse Gabriel (Esai Morales). Er gehörte zur supergeheimen US-amerikanischen Impossible Missions Force (IMF) und er ist ein Kollege von Ethan Hunt (Tom Cruise). Die Entität ist eine künstliche Intelligenz, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und jetzt die Menschheit vernichten könnte. Oder, je nachdem in welchen Händen sie ist, die Gegner des Besitzers vernichten könnte. Sie ist überall und nirgends. Sie kann alles vorherplanen und berechnen. Sie kennt daher jeden Plan, der gemacht wird, um sie zu vernichten und sie trifft vorher alles notwendigen Maßnahmen, um das zu verhindern. Sie ist, qua Programmierung, allwissend und unbesiegbar. Jedenfalls solange Storm fließt. Ihr menschliches Gesicht ist Gabriel.

Mit einem aus zwei Teilen bestehendem Schlüssel kann sie abgeschaltet werden. Im ersten Teil des Zweiteilers „Dead Reckoning“ müssen Ethan Hunt und seine wenigen IMF-Vertrauten die beiden Teile des Schlüssels finden, ehe er in die falschen Hände gerät. Bei dieser wilden Hatz, ist Hunt schnell überzeugt, dass der Schlüssel und die Herrschaft über die Entität nicht in die Hände eines Staates gehört.

Im zweiten Teil geht es für das MI-Team dann darum, das Schlüsselloch zu finden. Jeder andere Plot wäre eine große Überraschung. „Dead Reckoning Teil 2“ läuft nächstes Jahr im Kino.

Danach schließen Tom Cruise, der in allen „Mission: Impossible“-Filmen Ethan Hunt spielte, und Christopher McQuarrie, der Autor und Regisseur der vorherigen „Mission: Impossible“-Filme, weitere Filme der Serie nicht aus.

Trotzdem verströmt „Dead Reckoning Teil Eins“ durchgehend ein melancholisches Gefühl des Abschieds. Der Gegner ist ein Geist. Erinnerungen an frühere Einsätze wehen durch den Film. Und dass Ethan Hunt/Tom Cruise älter wird, wird direkt angesprochen, wenn Hunt erzählt, dass er vor dreißig Jahren als IMF-Agent rekrutiert wurde. Und irgendwann ist die Zeit der Fronteinsätze vorbei. Trotzdem hat er sich wieder entschlossen, den unmöglichen Auftrag anzunehmen und mit seinen Freunden und Vertrauten aus vergangenen Missionen, wie Luther Stickell (Ving Rhames, seit dem ersten „Mission: Impossible“-Film dabei), Benji Dunn (Simon Pegg) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) gegen einen die Welt bedrohenden Gegner zu kämpfen und dafür um den halben Globus zu reisen.

Grace (Hayley Atwell) könnte ein neues Mitglied in ihrem Team werden. Doch bis es soweit ist, verhindert die Taschendiebin, die von einer ihr nicht bekannten Person mit der Beschaffung einer Schlüsselhälfte beauftragt wurde, mehrmals, dass Hunt die Mission erfolgreich abschließen kann. Erst später realisiert sie, dass es sich dieses Mal um keinen normalen Auftrag handelt.

Sie gehört, neben der schon erwähnten Ilsa Faust, The White Widow (Vanessa Kirby) und Paris (Pom Klementieff) zu den überzeugenden Frauenfiguren des Films, die eine größere Leinwandzeit haben, und die durchaus einen Einzelfilm tragen könnten. Im Gegensatz zu der immer wieder widersprüchlich handelnden Helena Shaw (Phoebe Waller-Bridge) in „Indiana Jones und das Rad des Schícksals“ oder den niemals ihr Potential ausschöpfenden Frauen in den „Fast & Furious“-Filmen.

Die Action ist gewohnt atemberaubend. In Rom gibt es eine lange Auto- und Motorradverfolgungsjagd, die zeigt, was in der durch die gleichen Gassen führenden Autoverfolgungsjagd in „Fast X“ fehlte: das Gefühl, dass das alles real gedreht wurde. In Abu Dhabi und Venedig gibt es ausgedehnte Verfolgungsjagden und Versteckspiele. In den Alpen gibt es das große Actionfinale, neben, in und auf einer aus einer anderen Ära stammenden Wagons und einer Dampflokomotive, die das Filmende nicht erleben. Im Finale gibt es auch einige der aus Werbung bekannten spektakulären und gefährlichen Stunts, die auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfalten.

Das ist alles sehr gelungen und unterhaltsam und endet, im Gegensatz zu dem schon erwähnten „Fast X“, „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ oder „Dune“, nicht mitten in der Handlung. Es gibt, wie früher bei einem Zweiteiler einer TV-Serie, ein richtiges Ende und einen guten Hinweis auf den Inhalt des zweiten Teils. Deshalb kann McQuarries Film wie Quentin Tarantinos erster „Kill Bill“-Film problemlos als eigenständiger, in sich abgeschlossener Film besprochen werden. Im nachhinein, also wenn man beide „Kill Bill“-Filme kennt, war die Teilung in zwei Filme die richtige Entscheidung. Das dürfte bei „Mission: Impossible“ auch der Fall sein.

Mit 164 Minuten Stunden ist der siebte „Mission: Impossible“-Film allerdings auch zu lang geraten. Mehrmals, als ob wir chronisch unaufmerksam wären, wird uns in fast den gleichen Worten die Entität erklärt, und natürlich hätte hier und da einiges gestrafft und gekürzt werden können. Nicht jeder Film muss gut drei Stunden dauern. Doch das ist, zugegeben, Jammern auf hohem Niveau.

Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ ist, wie erwartet, spannende Mainstream-Actionunterhaltung mit einem erstaunlich aktuellen Thema. Denn als McQuarrie das Drehbuch schrieb, waren Künstliche Intelligenz und die Gefahren und Chancen von KI ein Spezialistenthema. Mit ChatGPT ist es ein uns alle betreffendes Thema geworden.

Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach der Fernsehserie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Hayley Atwell, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Vanessa Kirby, Esai Morales, Pom Klementieff, Mariela Garriga, Henry Czerny, Shea Whigham, Greg Tarzan Davis, Frederick Schmidt, Charles Parnell, Rob Delaney, Cary Elwes, Indira Varma, Mark Gatiss

Länge: 164 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Metacritic über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (Mission Impossible: Rogue Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Fallout“ überzeugt

August 2, 2018

Einerseits: Wow!

Andererseits: Angesichts des überschwänglichen Kritikerlobs in Richtung „bester Actionfilm des Jahres“ und des 97-prozentigen Frischegrades bei „Rotten Tomatoes“ muss ich jetzt die Erwartungen dämpfen. „Mission: Impossible – Fallout“ ist kein das Genre verändernder Film und auch kein künftiger Klassiker. Aber es ist eine zweieinhalbstündige Actionsause, in der sich, fast ohne Verschnaufpausen, eine spektakuläre Actionszene an die nächste spektakuläre Actionszene anschließt. Diese Actionszenen sind in der alten James-Bond-Tradition zwar unglaublich und unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Das unterscheidet sie von den Actionszenen in den unzähligen Superheldenfilmen, die nur mit viel Computerhilfe entstehen können und die deshalb letztendlich auch nicht so beeindruckend wie handgemachte Actionszenen sind. Die beiden „John Wick“-Filme und „Atomic Blonde“ zeigten in den letzten Jahren den Hunger der Actionfans nach solchen Old-School-Actionszenen.

Ein zweiter sehr wichtiger Unterschied zur Action in Superheldenfilmen ist, dass Tom Cruise die Stunts selbst macht. Soweit wie möglich. Er kann sich da, wie ein Kind im Wunderland, austoben. Er darf all die Dinge machen, die ein normaler Mensch nicht machen darf, wie durch Paris zu rasen, über Dächer laufen, an Hubschraubern hängen, Hubschrauber durch Berge fliegen und aus Flugzeugen zu springen. Für diese HALO-Sprung aus über 8000 Meter Höhe wurde ein besonderer Helm entworfen, damit man sieht, dass er und nicht irgendein Stuntman durch die Luft fliegt. Manchmal geht auch etwas schief, wie bei dem Sprung in London, bei dem Cruise sich den Knöchel brach. Die ungeschnittene Szene ist inzwischen online. Geplant war, dass er läuft, zum gegenüberliegenden Haus springt, gegen die Hauswand prallt (Autsch!), sich hochzieht und weiterläuft.

Regisseur Christopher McQuarrie sagt zu den Stunts: „Tom ist immer bereit, bei allem mitzumachen, was wir uns einfallen lassen. Man muss nur immer zusätzlich noch einen Weg finden, die Kameras so zu platzieren, dass man sieht, dass es tatsächlich der Star des Films ist, der diese Stunts absolviert.“

Und die Action ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Teil der Handlung. Sie treibt die Geschichte voran, die in ihren großen Linien nicht so wahnsinnig aufregend ist. Hunt muss gestohlenes Plutonium finden, bevor es in die Hände von einer Terrorgruppe fällt. Die brauchen es für drei Atombomben, die einen großen Teil der Menschheit vernichten sollen. Das ist ein typischer „Mission: Impossible“/“James Bond“-Plot, bei dem meistens auch schnell die Bösewichter und ihre Helfer bekannt sind. In diesem Fall steckt der aus dem vorherigen „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“ bekannte Solomon Lane (Sean Harris) dahinter.

Aber in den Details wird dieser Plot sehr interessant ausgemalt. Gleichzeitig gibt es einige Verbindungen zu den früheren „Mission: Impossible“-Filmen, die das Herz des fanatischen Fans erfreuen, ohne dass das Verständnis des aktuellen Films darunter leidet. So ist die Waffenhändlerin Alana, genannt „Die weiße Witwe“ (Vanessa Kirby), die Tochter der Waffenhändlerin Max (Vanessa Redgrave) aus dem ersten „Mission: Impossible“-Film. Hunts Frau Julia (Michelle Monaghan) ist wieder dabei. Ihr Auftritt ist zwar kurz, aber wichtig für diese Geschichte. Ebenso sind Luther Stickell (Ving Rhames, von Anfang an dabei), Benji Dunn (Simon Pegg), ihr Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) und die MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) wieder dabei. Ihre Rolle in dem Spiel ist allerdings zunächst unklar.

Es gibt auf der Seite der Guten auch zwei wichtige Neuzugänge: Erika Sloane (Angela Bassett, hoffnungslos unterfordert) ist die neue CIA-Chefin, die ein natürliches Misstrauen gegen Hunts unkontrollierbare Einheit hat. August Walker (Henry Cavill) ist der von ihr beauftragte schlagkräftige CIA-Aufpasser für Hunt und seine globetrottende Rasselbande.

Hunt lehnt die brachialen und oft letalen Methoden des CIA-Killers ab und würde den aktuellen Auftrag auch lieber ohne den Aufpasser absolvieren. Walker ist dabei von der ersten Minute an so over the top inszeniert und, wenn er Hunts Arbeit bewusst oder unbewusst sabotiert, so intrigant, dass unklar ist, ob er wirklich in Hunts Team spielt. In jedem Fall steht Hunt immer wieder wie ein von der Situation hoffnungslos überforderter Trottel da. Die Dynamik zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren, die notgedrungen zusammenarbeiten müssen (wobei Walker auch ordentlich gegen Hunt arbeitet) verleiht den Actionszenen eine zusätzliche Dynamik, weil sie mit Problemen anders umgehen. Und dann kommt noch Faust und Lane dazu, die ebenfalls einen anderen Umgang mit Problemen haben.

McQuarrie, der, im Gegensatz zur „Mission: Impossible“-Tradition, einen zweiten „Mission: Impossible“-Film inszenieren durfte, setzt eine andere Tradition fort, die vorher durch die Regisseure Brian De Palma, John Woo, J. J. Abrams und Brad Bird garantiert wurde. Nämlich dass sich jeder „Mission: Impossible“-Film stilistisch von dem anderen unterscheidet.

Während McQuarries erster „Mission: Impossible“-Film „Rouge Nation“ sich stilistisch bei den Bond-Filmen und den britischen Agentenfilmen bediente, geht es jetzt hemmungslos in Richtung Breitwand-Actionepos. Mit 150 Minuten ist es der längste „Mission: Impossible“-Film. Es ist auch der erste in 3D. Leider. Denn die 3D-Effekte sehen gruselig aus, nerven oft und stören die Komposition der Actionszenen so sehr, dass ich unbedingt die 2D-Fassung empfehle. Oder die IMAX-Fassung.

Wie gesagt: „Mission: Impossible – Fallout“ ist eine feine und, trotz der Laufzeit, enorm kurzweilige und effiziente Actionsause, die bei den aktuellen Temperaturen in einem gut gekühlten Kinosaal einen zusätzlichen Reiz entfaltet.

Der sich schon jetzt abzeichnende Kassenerfolg und die Möglichkeiten, die das Ende von „Fallout“ für weitere „Mission: Impossible“-Filme eröffnet, sprechen für einen weiteren „Mission: Impossible“-Film. In den USA hat der sechste Film der Serie mit über sechzig Millionen Dollar das beste Einspielergebnis der „Mission: Impossible“-Filme am Startwochenende. Und das bisherige weltweite Einspielergebnis übertrifft schon jetzt sein Budget von gut 180 Millionen Dollar..

Mission: Impossible – Fallout (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (basierend auf der TV-Serie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Henry Cavill, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Angela Bassett, Vanessa Kirby, Wes Bentley, Frederick Schmidt, Michelle Monaghan, Alec Baldwin

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mission: Impossible – Fallout“

Metacritic über „Mission: Impossible – Fallout“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Fallout“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Fallout“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (Mission Impossible: Rogue Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)