TV-Tipp für den 9. Januar: Justiz

Januar 8, 2021

3sat, 20.15

Justiz (Deutschland/Schweiz 1993)

Regie: Hans W. Geißendörfer

Drehbuch: Hans W. Geißendörfer

LV: Friedrich Dürrenmatt: Justiz, 1985

In einem Nobellokal in Zürich erschießt Regierungsrat Isaak Kohler vor Zeugen den Jura-Professor Winter. Er wird für den Mord verurteilt. Anschließend bittet er den jungen Rechtsanwalt Felix Spät, sich des Falles wieder anzunehmen. Spät soll dabei von seiner Unschuld ausgehen.

ein moralischer Krimi um den möglichen Unterschied zwischen Justiz und Gerechtigkeit, der bei aller Nachdenklichkeit die Spannung nicht zu kurz kommen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit einer selten gezeigten Verfilmung beginnt dieser Friedrich-Dürrenmatt-Abend. Um 22.00 Uhr geht es mit „The Pledge – Das Versprechen“ (USA 2001; eine weitere Verfilmung von „Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman“, der Romanversion von „Es geschah am hellichten Tag“) weiter. Um Mitternacht wird „Der Besuch der alten Dame“ (Deutschland/Österreich 2008) gezeigt. Die ‚alte Dame‘ kommt bereits einmal um 17.30 Uhr.

Der Anlass ist der hundertste Geburtstag des Dichters. Der war am 5. Januar.

mit Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger, Norbert Schwientek, Ulrike Kriener, Suzanne von Borsody, Hark Bohm, Martin Semmelrogge

Hinweise

Filmportal über „Justiz“

Wikipedia über „Justiz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts „Die Kriminalromane“ (Der Richter und sein Henker, Der Verdacht, Das Versprechen, Justiz, Der Pensionierte)


Neu im Kino/Filmkritik: Schillers „Die Räuber“ in der Bankenwelt

März 20, 2015

Ein so klares Scheitern am eigenen Anspruch hat man selten. Theaterregisseur Frank Hoffmann sagt im Presseheft für seine mit Pol Cruchten inszenierte Friedrich-Schiller-Adaption „Die Räuber“, dass sie ein eigenständiges Kinowerk schaffen wollten und sein Co-Drehbuchautor Erick Malabry es geschafft habe, von Anfang an das potentiell Theatralische aus dem Drehbuch zu eliminieren. Und dass die Oper überhaupt keine Referenz gewesen sei. Co-Regisseur Pol Cruchten weist vor allem auf den Film Noir als Vorbild hin und dass von Schillers Stück nicht viel übrig geblieben sei.
Dafür verlegten sie Schillers Drama in die Gegenwart in die luxemburgische Bankenwelt. Bankierssohn Karl Escher (Eric Caravaca) hat gerade eine dreijährige Haftstrafe wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung verbüßt. Er war zwar unschuldig, aber er nahm die Schuld auf sich, um seinen Vater und ihre Bank zu schützen.
Jetzt will er wieder zurück in den Schoß der Familie. Sein Vater (Maximilian Schell in seiner letzten Rolle) hadert. Seine Schwester glaubt ihm und sie versucht ihren Vater zu überzeugen, dass Karl wieder in den Bankvorstand zurückkehren kann.
Außerdem glaubt Karl, dass sein Bruder Franz der Drahtzieher hinter den Manipulationen war, für die er ins Gefängnis ging. Mit einem namenlosen Gangsterboss, den er im Gefängnis kennenlernte, will er bei Überfällen auf Banken und Wohnhäuser die nötigen Beweise beschaffen.
Das ist natürlich ein potentieller Thriller-Plot mit Lug und Trug in einer Bankerdynastie, die gut als Spielfilm funktionieren kann. Aber genau das inszenierten Hoffmann und Cruchten nicht. Beim Sehen hatte ich sogar den Eindruck, dass sie keinen herkömmlichen Spielfilm, sondern einen eigentümlichen und sperrigen Bastard zwischen Theater, Kunstkino und Gangsterthriller, garniert mit einigen Landschaftsaufnahmen aus der Saar-Lor-Lux-Region inszenieren wollten. Denn die meisten Dialoge können und wollen nie ihre Herkunft vom Theater verleugnen. Das Spiel der Schauspieler ist extrem künstlich. Die Sets konzentrieren sich ebenfalls auf die künstlichen Aspekte. Es sind oft menschenleere Hotelflure und Hotelzimmer. Das Anwesen der Escher-Familie ist für den großen Auftritt vor potentiellen Geschäftspartnern als musealer Ausstellungsraum, als Theaterbühne, inszeniert. Die Szenen mit den Gangstern scheinen aus einem älteren französischen Gangsterfilm herauskopiert worden zu sein. Die Überfälle zitieren eher das US-amerikanische Actionkino. Und vor allem bleibt man als Zuschauer immer, wie beim Theater, in einer Beobachterposition. Man sitzt im Saal und sieht sich das kaum modernisierte Geschehen auf der Bühne an.
Als sich zwischen die Stühle setzendes Experiment ist „Die Räuber“, das seine Herkunft vom Theater nie verleugnen kann und will, durchaus einen Blick wert.
Am eigenen Anspruch sind Hoffmann und Cruchten mit ihrer plakativen und nicht besonders glaubwürdigen Räuberpistole (Ein Banker, der zum Räuber wird um seine Unschuld zu beweisen?) allerdings vollkommen gescheitert.

Die Räuber - Plakat

Die Räuber (Les Brigands, Luxemburg/Deutschland/Belgien 2014)
Regie: Frank Hoffmann, Pol Cruchten
Drehbuch: Erick Malabry, Frank Hoffmann (sehr frei nach Friedrich Schiller)
mit Eric Caravaca, Isild Le Besco, Robinson Stévenin, Maximilian Schell, Tchéky Karyo, Wolfram Koch, Luc Schiltz
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Die Räuber“
Film-Zeit über „Die Räuber“
Moviepilot über „Die Räuber“
Wikipedia über Friedrich Schillers „Die Räuber“


TV-Tipp für den 9. November: Die Akte Odessa

November 9, 2013

Vor einigen Wochen war „Die Akte Odessa“ eine Mitternachtsvorstellung. Heute nicht.

BR, 22.05

Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein

LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)

Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.

Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor gut vierzig Jahren).

Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Die Akte Odessa”

Wikipedia über “Die Akte Odessa” (deutsch, englisch)

Wikipedia über Frederick Forsyth

Krimi-Couch über Frederick Forsyth

Wired for Books: Interview mit Frederick Forsyth (1984)

NZZ Folio: Frederick-Forsyth-Porträt (11/1992)

FAZ: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Focus: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Frederick-Forsyth-Fanseite


TV-Tipp für den 12. Oktober: Die Akte Odessa

Oktober 12, 2013

Selten gezeigt

ARD, 00.30

Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein

LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)

Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.

Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor gut vierzig Jahren).

Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Akte Odessa“

Wikipedia über „Die Akte Odessa“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Frederick Forsyth

Krimi-Couch über Frederick Forsyth

Wired for Books: Interview mit Frederick Forsyth (1984)

NZZ Folio: Frederick-Forsyth-Porträt (11/1992)

FAZ: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Focus: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Frederick-Forsyth-Fanseite


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