Neu im Kino/Filmkritik: „Song Sung Blue“ – kein Neil-Diamond-Biopic

Januar 9, 2026

basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.

Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.

In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.

Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.

Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.

Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)

Regie: Craig Brewer

Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)

mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Song Sung Blue“

Metacritic über „Song Sung Blue“

Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“

Wikipedia über „Song Sung Blue“ (deutsch, englisch)

AllMusic über Neil Diamond


Neu im Kino/Filmkritik: Über Jonathan Eusebios Actionkomödie „Love hurts – Liebe tut weh“

März 6, 2025

In „Love hurts – Liebe tut weh“, dem Debütfilm von Jonathan Eusebio, gibt es reichlich gewalttätige Action. Die schwer malträtierten Männer tauchen nach jedem Kampf, egal wie sehr sie in ihm verletzt wurden und wie oft sie eigentlich tot oder im Krankenhaus sein müssten, in der nächsten Szene wieder auf. Etwas lädiert vielleicht, aber ungebrochen in ihrer Lust auf die nächste Verletzung ihres Körpers. Sie sind Cartoon-Figuren in menschlicher Gestalt.

Das verwundert wenig. Denn „Love hurts – Liebe tut weh“ ist der neue Film der Produzenten von „Nobody“, „Violent Night“ und „The Fall Guy“. Wobei „Nobody“ der passende Referenzfilm ist. „Nobody“ ist auch der bessere Film.

Protagonist von „Love hurts – Liebe tut weh“ ist Marvin Gable, ein überaus dienstbeflissener Immobilienmakler in Milwaukee. Er ist höflich, nett, harmlos. Und ein ehemaliger Auftragskiller. Seinen letzten Auftrag führte er nicht aus. Er ließ das Opfer Rose Carlisle entkommen und begann sein neues, gänzlich andere Leben.

Jetzt kehrt Rose zurück und plötzlich muss Marvin sich mit ihr, seinem verbrecherischen Bruder und ener Bande überaus mordgieriger Killer herumschlagen.

Ke Huy Quan, der vor vierzig Jahren in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ als kleiner Junge und Begleiter des Helden bekannt wurde, später ungefähr zwanzig Jahre als Schauspieler pausierte (er arbeitete hinter und abseits der Kamera weiter im Filmgeschäft) und für seine Rolle in der allseits beliebten SF/Fantasykomödie „Everything Everywhere all at Once“ den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle. Er spielt Marvin als brutales Update von Jackie Chan.

Die Story selbst ist ziemlich einfach. Aber sie wird denkbar chaotisch präsentiert. Die Action ist selbstverständlich handgemacht und gelungen. Eigentlich ist „Love hurts“ eine Bewerbungsmappe des bereits bekannten und bewährten Stuntteams für ihren nächsten Film, garniert mit plakativem Humor und einigen einfallsreichen Bildern bei den Kämpfen, in denen alle möglichen Geräte und Gegenstände, die sich in einem Haushalt befinden oder gerade in Griffnähe sind, gegen Menschen eingesetzt werden.

Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, durchaus derber Spaß irgendwo zwischen Jackie Chan und Hongkong-Actionkino mit, wie der Titel andeutet, etwas Liebe. Und keine Minute zu lang.

Jonathan Eusebio war als Stuntman und Second-Unit-Regisseur unter anderem in „Violent Night“, „The Fall Guy“, die „John Wick“-Filme, etliche Superheldenfilme wie „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“, „Deadpool 2“, „Black Panther“, „Doctor Strange“ und „The Avengers“ und Actionfilme wie „Fast & Furious 8“, „Matrix Resurrections“ und „Haywire“ involviert.

Love hurts – Liebe tut weh (Love Hurts, USA 2025)

Regie: Jonathan Eusebio

Drehbuch: Matthew Murray, Josh Stoddard, Luke Passmore

mit Ke Huy Quan, Ariana DeBose, Daniel Wu, Mustafa Shakir, Lio Tipton, Cam Gigandet, Marshawn „Beastmode“ Lynch, Sean Astin

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

ursprünglicher US-Titel: With love

Hinweise

Moviepilot über „Love hurts“

Metacritic über „Love hurts“

Rotten Tomatoes über „Love hurts“

Wikipedia über „Love hurts“