Neu im Kino/Filmkritik: Über Guy Ritchies neuen Actionfilm „In the Grey“

Mai 21, 2026

Wie schon der Filmanfang zeigt, ging einiges schief bei dem geplanten Deal. Eine Frau, die sich uns als Rachel Wild vorstellt, versteckt sich auf der Rückbank eines Autos, während außerhalb des Autos wild herumgeschossen wird.

Was genau schiefging, erfahren wir erst später in Guy Ritchies neuem Actionfilm „In the Grey“. Bis dahin widmet er sich ausführlich den von den Söldnern Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sidney (Henry Cavill) und ihrem Team durchgeführten Vorbereitungen für eine schnelle Flucht von einer Insel. Es sind Pläne und ein Training für eine möglicherweise nie stattfindende Extraktion. Aber wenn doch, haben sie mehrere Wege, um Rachel Wild (Eiza González), für die sie bereits öfter arbeiteten, in Sicherheit zu bringen. Die Anwältin wird sich mit Manny Salazar (Carlos Bardem) auf einer von ihm kontrollierten Insel treffen und mit ihm über die Rückgabe von einer Milliarde Dollar verhandeln. Er will das Geld nicht zurückgeben. Woher Salazars Vermögen stammt, bleibt im Dunkeln. Aber er benimmt sich wie ein südamerikanischer Drogenboss und er ist extrem skrupellos. Rachel ist es ebenso. Nachdem sie den Auftrag übernommen hat, beginnt sie, einige seiner legalen Geschäfte zu stören mit Sabotageakten und Klagen. Sie will ihn damit zu einem Treffen mit ihr zwingen.

Währenddessen erkunden Bronco und Sidney und ein von ihnen zusammengestelltes Team die Insel. Über die einzelnen Teammitglieder erfahren wir fast nichts. Gemeinsam legen sie verschiedene Fluchtrouten fest und trainieren die Flucht von der Insel. Denn wenn etwas schiefgeht, wird es auf jede Sekunde ankommen.

Diesen Film hat Guy Ritchie schon mindestens einmal gedreht. Nämlich 2024 als „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“. Der Actionfilm spielt im Zweiten Weltkrieg. Ein wild zusammengestelltes Eliteteam wird auf eine unmögliche Mission geschickt. Sie erledigen sie mit viel trockenem Humor und noch mehr toten Nazis. Diese sterben reichlich unblutig im Kugelhagel. So wie wir es aus alten Kriegsfilmen und Western kennen oder wenn eine FSK-12-Freigabe angestrebt wird.

In „In the Grey“ erzählt Ritchie, erstaunlicherweise ohne den Humor, für den er bekannt ist, in knapp hundert Minuten die Geschichte einer in der Gegenwart spielenden unmöglichen Mission. Die ersten ungefähr zwei Drittel des Film widmen sich der Planung. In diesem Teil wird viel geredet, geplant und herumgesessen.

Dabei setzt Ritchie bei der Inszenierung der Planung Akzente. Im Bild liefert er neben den Dialogen weitere mehr oder weniger wichtige Informationen. Er schildert die Planungen von Bronco, Sidney und Rachel Wild detailliert und pointiert, wenn von der ersten Idee umstandslos zur Durchführung zu Gerichtsverhandlungen geschnitten wird oder wenn er fast parallel das Erkunden der einzelnen Fluchtrouten, die Vorbereitung von Fallen und das Training schildert. Die Dialoge sind, abgesehen von den Frotzeleien zwischen den Buddies Bronco und Sidney, funktional.

Das letzte Drittel besteht aus dem lange erwarteten Actiongewitter. Bronco, Sidney und ihr Team müssen Rachel befreien. Die Insel wird zu einem einzigen Kampfschauplatz. Salazars Männer sterben wie die Fliegen, während die Helden unverletzt durch den Kugelhagel laufen, schießen und Dinge in die Luft jagen.

Das weckt dann Erinnerungen an die Söldnerfilme der siebziger und achtziger Jahre, die im Nachgang von „Die Wildgänse kommen“ entstanden und in denen eine Gruppe Söldner einen unmöglichen Auftrag erledigen soll. Die Mission ist austauschbar. Der politische und ökonomische Hintergrund der Mission ebenso. In „In the Grey“ geht es daher nicht um eine präzise Darstellung internationaler Finanzgeschäfte und möglicher moralischer Konflikte, sondern letztendlich um knallige Action mit eindeutig gezeichneten Figuren.

Guy Ritchie erzählt das durchaus kurzweilig (auch wenn „In the Grey“ unter einigen sehr abrupten Schnitten leidet), mild ironisch, und erstaunlich unpersönlich. „In the Grey“ wirkt wie eine Auftragsproduktion, in der er ein auch aus seinem bisherigen Werk bekanntes Thema variiert – und das mit teils anderen Schauspielern an anderen Orten und einer minimal geänderten Story noch einige Male machen könnte. 

In the Grey (In the Grey, USA 2026)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Guy Ritchie

mit Eiza González, Henry Cavill, Jake Gyllenhaal, Rosamund Pike, Carlos Bardem, Fisher Stevens, Kristofer Hivju

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „In the Grey“

Metacritic über „In the Grey“

Rotten Tomatoes über „In the Grey“

Wikipedia über „In the Grey“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Aladdin“ (Aladdin, USA 2019)

Meine Bepsrechung von Guy Ritchies „The Gentlemen“ (The Gentlemen, Großbritannien/USA 2019)

Meine Kurzbesprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)

Meine ausführliche Besprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Operation Fortune“ (Operation Fortune: Ruse de guerre, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song Sung Blue“ – kein Neil-Diamond-Biopic

Januar 9, 2026

basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.

Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.

In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.

Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.

Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.

Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)

Regie: Craig Brewer

Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)

mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Song Sung Blue“

Metacritic über „Song Sung Blue“

Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“

Wikipedia über „Song Sung Blue“ (deutsch, englisch)

AllMusic über Neil Diamond


TV-Tipp für den 28. Juli: Hail, Caesar!

Juli 27, 2020

ZDF, 23.35

Hail, Caesar! (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Hollywood, fünfziger Jahre: Eddie Mannix ist für Capitol Pictures der Problemlöser. Wenn ein Starlet für verfängliche Fotos posierte oder der Star eines sündhaft teuren Bibelepos spurlos verschwindet, wird er gerufen.

TV-Premiere zu einer Uhrzeit, die der Film nicht verdient hat. „Hail, Caesar!“ ist eine Aneinanderreihung von Episoden, Anekdoten, Liebeserklärungen an Stars, Filme und Genres und eine einzige große Hommage an das Hollywood-Kino der fünfziger Jahre. Für jede Szene, jede Figur, jedes Bild kann mindestens eine filmische oder reale Referenz genannt werden. Was allerdings fehlt, ist eine Geschichte, die dieser hochkarätig besetzten Nummernrevue irgendeine Tiefe oder Bedeutung verleihen könnte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Josh Brolin, Alden Ehrenreich, George Clooney, Max Baker, Ralph Fiennes, Heather Goldenhersh, Ian Blackman, Veronica Osorio, Tom Musgrave, David Krumholtz, Tilda Swinton, Fisher Stevens, Patrick Fischler, Fred Melamed, Channing Tatum, Jonah Hill, Frances McDormand, Michael Gambon (Erzähler im Original; in der deutschen Fassung ist Christian Rode der mit pathetischem Ernst die Anekdoten einordnende Erzähler)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Hail, Caesar!“

Metacritic über „Hail, Caesar!“

Rotten Tomatoes über „Hail, Caesar!“

Wikipedia über „Hail, Caesar!“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Dokutipp: Before the Flood

November 2, 2016

Leo rettet die Welt – in dieser Doku von Regisseur Fisher Stevens, nach einem Drehbuch von Mark Monroe, zwar nicht ganz, aber sie klären mit Leonardo DiCaprio als Reiseführer über den globalen Klimawandel auf und weil das Anliegen so wichtig ist, wurde der Film von National Geographic auch kurz nach seiner Premiere auf verschiedenen Plattformen online gestellt:

Einige Infos über „Before the Flood“ gibt es auf der Film-Homepage, bei Wikipedia (deutsch, englisch) und Rotten Tomatoes sammelt die überwiegend positiven Kritikerstimmen.

 

Ach ja: ihr könnt auch Gutes tun:

Act Now #BeforeTheFlood:
For every use of #BeforeTheFlood across Facebook, Twitter, and Instagram between October 24 – November 18, 21st Century Fox and National Geographic will together donate $1 to Pristine Seas and $1 to the Wildlife Conservation Society, up to $50,000 to each organization.


Neu im Kino/Filmkritik: „Hail, Caesar!“ Hail, Joel Coen! Hail, Ethan Coen!

Februar 20, 2016

Nach „A serious Man“, „True Grit“ und „Inside Llewyn Davis“ gönnen sich Joel und Ethan Coen mit „Hail, Caesar!“ eine Auszeit von den schweren und ernsten Stoffen. Ihr neuer Film ist eine leichte Komödie bar jeglichen gesellschaftlichen und auch weitergehenden künstlerischen Anspruchs, der weiter oder tiefer als die glänzende Oberfläche geht. Genau wie für Pedro Almodóvar „Fliegende Liebende“ nach mehreren ernsten Filmen auch nur ein Intermezzo, ein Spaß, eine Entspannungsübung war, in dem er seine altbekannten Themen in altbekannter Weise hübsch aufbereitete, ist auch „Hail, Caesar!“ für die Coens nicht mehr als eine Fingerübung voller Stars und Zitate, die glaubt, auf eine Geschichte verzichten zu können.
Der neue Film der Coen-Brüder entführt in das Hollywood der frühen fünfziger Jahre und erzählt einige Stunden aus dem Leben von Eddie Mannix (Josh Brolin), dem Problemlöser von Capitol Pictures. Nach seiner Beichte, in der der reuige Sünder erzählt, dass er, obwohl er mit dem Rauchen aufgehört hat, geraucht hat, kümmert er sich mitten in der Nacht um ein Starlet, das für verfängliche Fotos posiert. In diesem Moment erscheint Mannix als Bruder von Phil Marlowe. Aber er ist nur der allzuständige Manager, der sich auch um den täglichen Kleinkram kümmert, dabei von den Zwillingsschwestern Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle und damit auch mit der doppelten Leinwandpräsenz) als aasige Gesellschaftsreporterinnen (mit realem Vorbild) wegen exklusiver Informationen belästigt wird und die verschiedenen Sets besucht, an denen gerade Filme gedreht werden: ein großes Bibelepos mit Christen und Römern als die Prestigeproduktion des Studios, ein Musical mit einer singenden Wassernixe (keine badende Venus), ein Musical mit stepptanzenden Matrosen, ein Serial-Western mit einem sehr akrobatischen Cowboy und einem Drama, das wie eine missglückte Screwball-Comedy aussieht.
Da verschwindet Baird Whitlock (George Clooney), der Star des Bibelfilms, plötzlich, in einer kurzen Drehpause, spurlos. Mannix glaubt zuerst, dass Whitlock einfach nur eine weitere seiner Kneipentouren unternimmt. Als er die Lösegeldforderung von einer sich „Die Zukunft“ nennenden Gruppe erhält, die behauptet, Whitlock entführt zu haben, beginnt er Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um das Problem zu lösen. Natürlich ohne dass irgendjemand etwas davon erfährt und ohne dass ein Drehtag verloren geht.
Whitlocks Entführer, eine Gruppe kommunistischer Drehbuchautoren und Statisten, sind allerdings gar nicht so schlimm. Sie parlieren mit Whitlock, der ein wahrer Trottel ist und der seine römische Uniform mit unverkennbarem Glauben an seine eigene Herrlichkeit trägt, über den ausbeuterischen Kapitalismus und die kommunistischen Ideen und reichen Häppchen.
„Hail, Caesar!“ ist eine Aneinanderreihung von Episoden, Anekdoten, Liebeserklärungen an Stars, Filme und Genres und eine einzige große Hommage an das Hollywood-Kino der fünfziger Jahre. Das Kino, das die Coen-Brüder in ihrer Kindheit gerade noch genießen konnten und das während ihrer Jugendjahre endgültig aus den Kinos verschwand und in dem sie jetzt wie in einem Bilderbuch blättern. Für jede Szene, jede Figur, jedes Bild kann mindestens eine filmische oder reale Referenz genannt werden. Was allerdings fehlt, ist eine Geschichte, die dieser Nummernrevue pompös eingeführter und oft lieblos fallengelassener Figuren irgendeine Tiefe oder Bedeutung verleihen könnte.
Denn die fünfziger Jahre waren auch die Jahre des Kommunistenhassers McCarthy und der Berufsverbote für echte und vermeintliche Kommunisten. In „Trumbo“, der am 10. März bei uns anläuft, erzählt Jay Roach, ausgehend von der Biographie des erfolgreichen Drehbuchautoren Dalton Trumbo, davon. Sein sehenswerter Film ist der ernste Gegenentwurf zum eskapistischen „Hail, Caesar!“. Dieser Unterschied fällt besonders bei den Figuren auf, die in beiden Filmen auftreten. In „Hail, Caesar!“ unter falschen Namen. In „Trumbo“ unter ihrem echten Namen, als Kolumnistin Hedda Hopper, Drehbuchautor Dalton Trumbo und seine Freunde, die anderen Autoren und Schauspieler, die sich in ihren Häusern trafen und über sozialistische Ideen und den real existierenden Kapitalismus sprachen, während John Wayne und Ronald Reagan die amerikanischen Werte hochhielten.
Aber diese düstere Realität interessiert die Coen-Brüder überhaupt nicht. „Hail, Caesar!“ ist kein zweiter „Barton Fink“ oder „The Big Lebowski“, sondern eher ein zweites „Burn after Reading“, das dieses Mal in einer Traumwelt spielt, die sich Traumfabrik nennt und in der alles nach einer einzigen großen Inszenierung aussieht und nichts von wirklich existenzieller Bedeutung ist.
Auch wenn die Drehbuchautoren philosophisch über den Kapitalismus und die Religionsgelehrten über die Darstellung von Jesus in „Hail, Caesar!“ parlieren dürfen.

Hail Caesar - Plakat

Hail, Caesar! (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)
Regie: Joel Coen, Ethan Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
mit Josh Brolin, Alden Ehrenreich, George Clooney, Max Baker, Ralph Fiennes, Heather Goldenhersh, Ian Blackman, Veronica Osorio, Tom Musgrave, David Krumholtz, Tilda Swinton, Fisher Stevens, Patrick Fischler, Fred Melamed, Channing Tatum, Jonah Hill, Frances McDormand, Michael Gambon (Erzähler im Original; in der deutschen Fassung ist Christian Rode der mit pathetischem Ernst die Anekdoten einordnende Erzähler)
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Hail, Caesar!“
Metacritic über „Hail, Caesar!“
Rotten Tomatoes über „Hail, Caesar!“
Wikipedia über „Hail, Caesar!“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte