Neu im Kino/Filmkritik: Klingaling! Eli Roths „Ice Cream Man“ ist da

Bayleen Bay ist eine typische US-amerikanische Kleinstadt. Brave Kinder, freundliche Nachbarn, saubere Straßen und gepflegte Vorgärten. Als eines Tages ein „Ice Cream Man“ auftaucht und aus seinem Wagen heraus Eis verteilt, ändert sich das radikal. Das Eis macht die Kinder, sobald sie eine bestimmte Melodie hören, zu mordgierigen, seelenlosen Zombies. Fortan bringen sie ihre Eltern und andere Erwachsene auf die denkbar gemeinsten Arten um. Und Regisseur Eli Roth zeigt das ausführlich, ziemlich detailliert und fast immer gut sichtbar im hellen Licht des Tages. Das ist, verglichen mit anderen Horrorfilmen, die so dunkel sind, das oft nur noch erahnbar ist, was zu sehen sein könnte, erfreulich.

Das war es dann so ziemlich mit den erfreulichen Dingen in einem überraschend zahmen und sich, trotz seiner kurzen Laufzeit von unter neunzig Minuten, länger anfühlendem Film. Denn „Ice Cream Man“ hat kein Thema und keine größere Zielgruppe. Sie beschränkt sich auf Eli-Roth-Fans und die Ich-sehe-mir-jeden-Film-an-wenn-das-Blut-spritzt-Splatter-Community. In anderen Splatterfilmen sind die Zielgruppe Teenager und Anfang-Zwanzigjährige, die sich auf der Leinwand sehen, und die, meistens, vor Sex vor der Ehe und dem Konsum von Drogen gewarnt werden. In „Ice Cream Man“ könnten es Kinder sein, die vor einem Rattenfänger gewarnt werden. Dafür spräche auch die Wahl der Hauptpersonen. Die Protagonisten sind einige Kinder, vor allem Jared (Charlie Zeltzer), der wegen seiner Laktoseintoleranz kein Eis aß, seine ältere Schwester Lizzie (Sarah Abbott) und ihr etwas dümmlicher Ex-Freund Chris (Dylan Hawco). Die Erwachsenen sind nur austauschbares Schlachtfutter ohne irgendeinen Hauch von Individualität.

Die Kinder hatten wahrscheinlich auch viel Spaß bei den Dreharbeiten. Aber sie dürfen den Film nicht sehen, weil die Altersfreigaben durchgehend deutlich höher sind. In Deutschland ist die Splatter-Komödie FSK-18. Alle Über-12-Jährigen haben kein direktes Identifikationsangbot. Sie wissen, dass sie von Fremden kein kostenloses Eis annehmen sollen. Sie interessieren sich für Sex & Drugs & Rock’n’Roll.

Für eine Horror-Comedy gibt es nicht genug Lacher. Außer man lacht konstant bei den Morden und den vorher erfolgenden Verletzungen, von denen einige im Trailer gezeigt werden. In die steckte Eli Roth eine beträchtliche Fantasie, die er besser in ein gescheites Drehbuch gesteckt hätte.

Neben der Idee, dass Kinder durch Eis zu mordenden Zombies werden, hat er mit dem Eisverkäufer, genaugenommen Eisverschenker (Ari Millen, grandios ohne eine Dialogzeile) und dem Eiswagen einen erinnerungswürdige Bösewicht und ein ebenso erinnerungswürdiges und bedrohliches Gefährt.

Aber ohne ein alles zusammenhaltendes Thema ist „Ice Cream Man“ nur, wenn die Kinder auf dem Schulhof mit den Innereien der Lehrer spielen oder Erwachsene gerade möglichst abstrus töten, eine Abfolge von schön drapierten Horror-Tableaus, ein Best-of der aus Horror- und Splatterfilmen bekannten und angedeuteten Mordmethoden, eine ausdehnte Sammlung von Filmzitaten und viel Leerlauf.

Ice Cream Man (Ice Cream Man, Kanada 2026)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Eli Roth, Noah Belson

mit Ari Millen, Benjamin Byron Davis, Eli Roth, Karen Cliche, Dylan Hawco, Sarah Abbott, Shiloh O’Reilly, Kiori Mirza Waldman, Charlie Zeltzer, Charlie Storey

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Ice Cream Man“

Metacritic über „Ice Cream Man“

Rotten Tomatoes über „Ice Cream Man“

Wikipedia über „Ice Cream Man“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ (The House with a Clock in its Walls, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Thanksgiving“ (Thanksgiving, USA 2023)

Meine Besprechung von Eli Roths „Borderlands“ (Borderlands, USA 2024)

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