Cover der Woche: Víctor Santos: Fahrenheit 451

Januar 7, 2025

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der das Papier von Büchern von alleine anfängt zu brennen.

Fahrenheit 451“ ist der Titel von Ray Bradburys 1953 erschienenem Science-Fiction-Klassiker über eine Welt, in der Feuerwehrleute Bücher in Brand setzen. Eines Tages beginnt einer von ihnen, Guy Montag, an seiner Arbeit zu zweifeln. Er beginnt die Bücher, die er verbrennen sollte, zu lesen, während seine Frau gelangweilt vor dem Fernseher sitzt und weiter verblödet. Durch seine Taten wird Montag zum Staatsfeind.

Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von Víctor Santos‘ überaus gelungener Comic-Adaption von Bradburys vor allem in den USA täglich aktueller werden Dystopie über eine Gesellschaft ohne kulturelles Gedächtnis.

Oh, und „Fahrenheit 451“ ist auch der Titel von François Truffauts durchwachsener, aber dennoch sehenswerter Verfilmung des Romans.

Víctor Santos: Fahrenheit 451

(nach dem Roman von Ray Bradbury)

(übersetzt von Silvano Loureiro Pinto)

Cross Cult, 2024

160 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Fahrenheit 451

Editorial Planeta, 2023

Hinweise

Homepage von Víctor Santos

Wikipedia über „Fahrenheit 451“ (Roman [deutsch, englisch], Film [deutsch, englisch]) und Víctor Santos

Meine Besprechung von Ray Bradburys „S is for Space“ (S is for Space, 1966)


Über Ray Bradburys Kurzgeschichtensammlung „S is for Space“

September 20, 2017

Ob wirklich alle Kurzgeschichten „meisterhaft“ (Untertitel) sind, weiß ich nicht. Das impliziert ja, dass sie die besten der besten Geschichten sind. Jedenfalls sind sie alle lesenswert. Und ob „S is for Space“ wirklich „Der Klassiker“ (Sticker auf dem Cover) ist, bezweifle ich. Denn „S is for Space“ ist eine 1966 von Ray Bradbury für die „Young Adult“-Abteilung der Bibliotheken zusammengestellte Sammlung von sechzehn seiner fantastischen Kurzgeschichten. Etliche erschienen bereits auf Deutsch in verschiedenen mehr oder weniger nur noch antiquarisch erhältlichen Sammelbänden.. Aber der gesamte Sammelband wurde noch nicht übersetzt. Für die aktuelle Veröffentlichung wurden die Geschichten neu übersetzt. Und die Geschichten sind auch nicht speziell für ein jugendliches Publikum geschrieben. Ehrlich gesagt, fällt mir kein großer Unterschied zwischen diesen und anderen Kurzgeschichten von Ray Bradbury auf. Außer vielleicht, dass mehrere Protagonisten Kinder oder Jugendliche sind.

Ray Bradbury (1920 – 2012) ist einer der großen Science-Fiction-Autoren, der vor allem unzählige Kurzgeschichte schrieb, die mal mehr, mal weniger utopisch waren und selbstverständlich auch immer wieder die Grenzen zur Horror- und Kriminalgeschichte überschritten. Zu seinen wenigen Romanen gehören die SF-Klassiker „Die Mars-Chroniken“ und „Fahrenheit 451“. Hollywood verfilmte viele seiner Geschichten und, was jetzt schon Spezialwissen ist, Bradbury schrieb, mit John Huston, das Drehbuch für Hustons Herman-Melville-Verfilmung „Moby Dick“. 2007 erhielt er den Pulitzer-Preis für sein Lebenswerk. Er ist ein Grand Master der Science Fiction Writers of America. Die zahlreichen anderen Ehrungen lasse ich mal weg.

Die meisten der sechzehn in „S is for Space“ enthaltenen Kurzgeschichten sind SF-Geschichten, meistens mit einer überraschenden Pointe. Zweimal geht es zum Mars („Das Millionen-Jahre-Picknick“, „Dunkel waren sie und goldäugig“), und die Begegnung mit den Marsianern fällt beide Male anders aus, als die Menschen es erwarteten. Auch in „Der Mann“ verläuft die Begegnung der Raumfahrer mit einer fremden Rasse anders als geplant, weil kurz vor ihnen bereits ein anderer Reisender den Planeten besuchte. In „Hallo und Lebwohl“ begegnen wir dem Jungen Willie, der körperlich nicht älter wird; was ein Problem ist. Und in „Feuersäule“ (mit 56 Seiten die längste Geschichte des Buches) begegnen wir William Lantry, gestorben und beerdigt 1933, wiederauferstanden und voller Hass 2349. Er lernt eine vollkommen veränderte Welt kennen.

Die schreiende Frau“ ist dann eine Krimi-Geschichte, in der ein Mädchen in der Erde eine schreiende Frau hört. Selbstverständlich will ihr niemand glauben.

Insgesamt zeigen die Geschichten, wie vor über einem halben Jahrhundert, zwischen Weltraumfahrt, Alien-Invasion und selbstgemachter atomarer Zerstörung der Erde über die Zukunft gedacht wurde. Oft spielen die Geschichten in US-amerikanischen Vorstädten und dem menschenleeren Hinterland; – also in den Gebieten, in denen das Publikum, der von Bradbury (und vieler anderer Kurzgeschichtenautoren) geschriebenen Geschichten lebte. Es ist ein Blick in eine unschuldige, der Zukunft zugewandten Zeit. Auch wenn gerade eine Alien-Invasion stattfindet und die Aliens sehr menschlich aussehen. Einmal wird die Invasion sogar von Kindern angeführt.

Ein anderes Mal hat sie etwas mit Pilzen aus New Orleans zu tun. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ray Bradbury: S is for Space

(übersetzt von Oliver Plaschka)

Knaur, 2017

288 Seiten

10,99 Euro

Originalausgabe

S is for Space

Doubleday & Company, New York 1966

Hinweise

Homepage von Ray Bradbury

Phantastik-Couch über Ray Bradbury

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. August: Fahrenheit 451

August 24, 2017

https://youtu.be/7cQ-yGCyjyM

3sat, 22.25

Fahrenheit 451 (Großbritannien 1966, Regie: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Endlich mal wieder im Fernsehen: Francois Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fahrenheit 451“

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Francois Truffaut in der Kriminalakte