Neu im Kino/Filmkritik: Über die Colleen-Hoover-Verfilmung „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

März 12, 2026

Es gibt sie noch: Liebesgeschichten, die zuverlässig auf die Tränendrüse drücken und zu einem erhöhten Taschentuchkonsum führen sollen. Jedenfalls für die Menschen, die für so einen Kitsch empfänglich ist.

Bis vor zehn Jahren befriedigten die Verfilmungen der Bestseller von Nicholas Sparks dieses Bedürfnis. Jetzt könnte Colleen Hoover, deren Liebesromane ebenfalls Bestseller sind, ihm folgen.

Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ ist die neueste Verfilmung eines Hoover-Bestsellers. Sieben Jahre nach einem Unfall, bei dem ihre große Liebe Scotty starb und Kenna Rowan eine mehrjährige Haftstrafe erhielt (die genauen Hintergründe erfahren wir erst am Filmende; bis dahin ist es nur ein „Es geschah Schlimmes. Sie ist eine ganz schlimme Person.“-Raunen), kehrt die immer noch trauernde Kenna in ihr Heimatdorf Laramie, Wyoming, zurück. Sie will neu anfangen. Sie lernt Scottys besten Freund Ledger kennen und sie trifft wieder auf Scottys Eltern. Grace und Patrick haben das Sorgerecht für die im Gefängnis geborene Tochter von Kenna und ihrem Sohn Scotty. Sie halten Kenna für den Scottys Tod verantwortlich und hassen sie abgrundtief. Sie wollen nichts mit ihr zu tun haben.

Was dann folgt, bedient überraschungsfrei die Regeln einer kitschigen Liebesgeschichte mit vorhersehbarem Ende. Teils krachend unlogisch. So sollen wir glauben, dass Ledger noch nicht einmal ein Foto von Scottys großer Liebe, die er bald heiraten wollte, gesehen hat. So müssen wir akzeptieren, dass Kenna in ihrem Heimatdorf, außer Scottys Eltern, keinen einzigen Menschen von früher kennt, niemand sie erkennt und sie keine Familie hat.

Auch die zahlreichen Sparks-Verfilmungen waren vorhersehbare Schmonzetten. Aber die öfter renommierten Regisseure und die bekannten und guten Schauspieler machten die bei der Kritik zu Recht unbeliebten Filme genießbar. Hoover wildert in diesem Gebiet und es könnte passieren, dass wir in den kommenden Jahren jedes Jahr mit einer Hoover-Verfilmung beglückt werden. So ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ innerhalb von drei Jahren die dritte Hoover-Verfilmung für das Kino. In diesem Kitschfilm ist alles proletarischer als bei Sparks. Die Protagonistin kommt arm wie eine Kirchenmaus in Laramie an. Sie mietet sich in einem Billigst-Motel ein und sucht irgendeinen schlecht bezahlten Aushilfsjob. Viele Menschen, denen sie begegnet, sind tätowiert. Nur Scottys Eltern und Ledger besitzen ein kleines Haus mit Garten und damit anscheinend etwas Geld. Die Geschichte zwinkert immer wieder in Richtung White Trash und füllt die bekannten Formen aus.

Für Fans vorhersehbarer Liebesfilme ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ sicher einen Blick wert. Wer aber schon bei Sparks heftiges Unwohlsein verspürte und einen weiten Bogen um die allsonntäglichen ZDF-Herzkino-Rosamunde-Pilcher-Inga-Lindström-Filme macht, sollte einen ebenso großen Bogen um Colleen Hoover machen.

P. S.: Nach einer zehnjährigen Kinopause ist die nächste Sparks-Verfilmung für Februar 2027 angekündigt. Es soll ein Romantic Thriller mit übernatürlichen Elementen sein. M. Night Shyamalan inszeniert die von ihm und Sparks erfundene Geschichte, die Sparks bereits zu einem Roman verarbeitete. Jake Gyllenhaal übernahm die Hauptrolle. Das könnte ein sehenswerter Film werden.

Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him (Reminders of Him, USA 2026)

Regie: Vanessa Caswill

Drehbuch: Lauren Levine, Colleen Hoover

LV: Colleen Hoover: Reminders of Him, 2022 (Reminders of Him – Für immer ein Teil von Dir)

mit Maika Monroe, Tyriq Withers, Rudy Pankow, Lainey Wilson, Lauren Graham, Bradley Whitford, Zoe Kosovic

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Metacrtic über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Rotten Tomatoes über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Wikipedia über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Uncharted“ in vertrauten Gewässern

Februar 17, 2022

Erstens: ich kenne das gleichnamige Computerspiel nicht.

Zweitens: ich will es auch nicht kennen lernen.

Aber das kein Problem, weil der Abenteuerfilm die Vorgeschichte, also wie sich Nathan Drake und Victor ‚Sully‘ Sullivan kennen lernen, erzählt und außerdem muss der Film als Film überzeugen. Deshalb geht es in den folgenden Zeilen um den Abenteuerfilm „Uncharted“ und wie sehr es ihm gelingt, zwei Stunden zu unterhalten.

Bis heute wurden von den sechs „Uncharted“-Computerspielen über 44 Millionen Exemplare verkauft und natürlich eignet sich eine sich über mehrere Kontinente erstreckende Schatzsuche gut für einen entsprechenden Film. Die ersten Pläne für eine Verfilmung des Computerspiels sind von 2008. Im Lauf der Jahre waren verschiedene Regisseure und Schauspieler im Gespräch. So sollte Mark Wahlberg ursprünglich – und damit vor Jahren – Nathan Drake spielen. Jetzt spielt er den väterlichen Freund von Drake. Drake wird jetzt von Tom Holland gespielt, der hier einfach noch einmal ‚Spider-Man‘ Peter Parker spielt.

Die Story der in der Gegenwart spielenden Geschichte ist einfach. Victor ‚Sully‘ Sullivan (Mark Wahlberg) ist ein halbseidener Schatzsucher. Um den riesigen, seit Ewigkeiten verschwundenen Goldschaftz von Ferdinand Magellan zu finden, benötigt er die Hilfe von Nathan Drake (Tom Holland). Dieser arbeitet in New York als Barkeeper und Taschendieb, vermisst immer noch seinen vor Ewigkeiten spurlos verschwundenen Bruder (den Sully kennt) und er interessiert sich wahnsinnig für Geschichte, Legenden und verschollene Schätze. Ihr Konkurrent bei der Schatzsuche ist Santiago Moncada (Antonio Banderas). Er glaubt, dass seiner Familie das Gold rechtmäßig gehört. Schließlich raubte Magellan es in ihrem Auftrag zusammen. Und schon entspinnt sich eine Verfolgungsjagd um die halbe Welt. Von New York geht es über Barcelona in die Philippinen.

Jedenfalls im Film. Denn gedreht wurde in Spanien, vor allem Barcelona, ein wenig in Berlin (die Filmauktion wurde in der Deutsche Telekom Hauptstadtrepräsentanz gedreht) und im Studio Babelsberg. Das fehlende Lokalkolorit wird dann durch Actionszenen und CGI-Schauwerte ausgeglichen, über die wirklich nicht nachgedacht werden sollte. Da werden uralte Segelschiffe an Hubschraubern durch die Luft befördert, während unsere Helden sich auf dem Schiffsdeck kloppen. Da findet in der Luft ein epischer Kampf auf und unter mehreren Frachtboxen statt, die an einem fliegendem Flugzeug hängen, und Nathan Drake springt, wie Spider-Man, von einer Box zur nächsten in Richtung Flugzeug. Das ist nicht ‚möglich, aber unwahrscheinlich‘, sondern schlichtweg unmöglich.

Das unterscheidet „Uncharted“ dann auch von den Abenteuerfilmen, die ihn inspirierten. Das sind vor allem die Indiana-Jones-Filme. Aber auch die drei Dan-Brown-Verfilmungen mit Tom Hanks als Professor Robert Langdon, vor allem die flotte dritte Verfilmung „Inferno“, und, auch wenn es keine Abenteuerfilme sind, die James-Bond-Filme mit ihren exotischen Drehorten und ausufernden Actionszenen sind zu nennen.

Gegenüber all diesen Filmen wirkt „Uncharted“ dann doch sehr bieder, künstlich und auch langweilig. Denn die Witze und Frotzeleien zwischen den Figuren zünden nicht richtig. Die Actionszenen sind mit zu viel CGI aufgepimpt. Die Musik klingt immer wie ein provisorisch eingefügter, nur eine Rhythmus vorgebender Temp Track.

Die Geschichte verlässt sich viel zu oft auf unmögliche Zufälle. So soll eine fünfhundert Jahre alte Schatzkarte heute immer noch akkurat zum Ziel führen. So sollen vor fünfhundert Jahren im Untergrund von Barcelona erbaute, bislang nicht entdeckte Gänge und Fallen heute noch genauso schmeidig wie am ersten Tag funktionieren. Das Versteck des Goldes sieht dann zwar prächtig aus, aber mehr auch nicht.

Außerdem sind alle Hauptfiguren schnöde Grabräuber, die an dem Gold nur wegen des Goldes und der damit verbundenen persönlichen Bereicherung interessiert sind. Alles andere ist ihnen egal. Für über hundert Jahren war das eine ausreichende Motivation. Schon Indiana Jones interessierte sich aus anderen Gründen für die alten Legenden und Gegenstände. Heute wird über die Rückgabe der kolonialen Raubkunst diskutiert.

Uncharted (Uncharted, USA 2022)

Regie: Ruben Fleischer

Drehbuch: Rafe Lee Judkins, Art Marcum, Matt Holloway (nach einer Geschichte von Rafe Lee Judkins, Jon Hanley Rosenberg und Mark D. Walker)

mit Tom Holland, Mark Wahlberg, Antonio Banderas, Sophia Ali, Tati Gabrielle, Steven Waddington, Pingi Moli, Tiernan Jones, Rudy Pankow

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Uncharted“ (das Studio Babelsberg gehört zu den beteiligten Produktionsfirmen und es wurde auch dort gedreht)

Moviepilot über „Uncharted“

Metacritic über „Uncharted“

Rotten Tomatoes über „Uncharted“

Wikipedia über „Uncharted“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Zombieland: Doppelt hält besser“ (Zombieland: Double Tap, USA 2019)