Neu im Kino/Filmkritik: Wenn der Killerpilz aus dem „Cold Storage“ ausbricht

Februar 20, 2026

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) sind die Nachtschicht in einem abgelegen in der US-amerikanischen Provinz in den Bergen liegendem Self-Storage-Lagerkomplex. Einheimische lagern in den Garageneinheiten ihr Gerümpel. Manchmal wird auch heiße Ware zwischengelagert. Geklaute Fernseher, beispielsweise.

Die Nachtschicht ist die Friedhofsschicht, in der nichts Aufregendes passiert. Außer dass Teacake sich schon seit Tagen überlegt, wie er die gut aussehende Naomi, die einen anderen Teil des riesigen Komplexes überwacht, ansprechen kann. In dieser Nacht will er außerdem eine alte Ausgabe von Jack Finneys „The Body Snatchers“ lesen. Das ist der Plan.

Aber ihn stört ein klopfendes Geräusch. Es kommt aus den nicht benutzten und unzugänglichen Teilen des unterirdischen Gebäudes. Zusammen mit Naomi will er den Grund für das Geräusch herausfinden. Sie reißen eine Wand ein, beginnen die noch nicht erkundete Gänge in dem riesigen Komplex zu erkunden und die Nacht nimmt einen in jeder Beziehung unvorhergesehenen Verlauf.

Denn der Self-Storage-Laden wurde in einer stillgelegten militärischen Anlage errichtet. Weite Teile der Anlage wurden einfach abgesperrt und vergessen. Dazu gehört auch eine unterhalb des Self-Storage-Ladens befindende Mischung aus Labor und Lager. Dort wurde ein extrem gefährlicher, sich extrem schnell verbreitender Pilz-Parasit gelagert und vergessen. In dieser Nacht mutiert dieses Überbleibsel eines Experiments auf der Suche nach Lebewesen durch die Anlage.

Und schon kämpfen die beiden Nobodys gegen ein gesichts- und gefühlloses Monster, das sie und die gesamte Menschheit innerhalb kürzester Zeit vernichten kann.

David Koepp hat sich diese Geschichte ausgedacht. Er schrieb auch die Drehbücher für „Jurassic Park“, „Panic Room“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Premium Rush“ und jüngst „Black Bag“. Aber in diesem Fall schrieb er die Geschichte nicht als Drehbuch, sondern zuerst als Roman. 2019 war „Cold Storage – Es tötet“ (so der deutsche Romantitel) sein überzeugendes Debüt als Thrillerautor. Der Horrorthriller ist ein echter Pageturner, der sich – je nach Perspektive – wie eine grandiose Vorlage für einen Spielfilm oder ein überzeugender Filmroman liest. In jedem Fall liest sich der Thriller wie die verschriftlichte Fassung eines spannenden Horrorfilms, der seine Geschichte mit einer ordentlichen Portion selbstbewussten Humors erzählt. Denn alle wissen, in welcher Geschichte sie sind. Teacake und Naomi wissen, warum sie bestimmte Türen nicht öffnen sollen. Die rettende Kavallerie – ein im Film von Liam Neeson zupackend verkörpertes Ein-Mann-Rettungsteam – kommt immerhin früh genug, um noch einzugreifen. Koepp schrieb auch das Drehbuch, das im Großen und Ganzen der Romangeschichte folgt.

Regisseur Jonny Campbell (u. a. Folgen für die TV-Serien „Dracula“, „Westworld“, „Doctor Who“, „Ashes to Ashes“ und „Spooks“) erzählt diese sich auf einen Handlungsort konzentrierende Mischung aus „Jurassic Park“ und „Panic Room“ (um zwei Koepp-Werke zu nennen) äußerst flott und mit der richtigen Mischung aus Deadpan-Humor, Thrill und Splatter.

Das macht „Cold Storage“ zu einer äußerst vergnüglichen und kurzweiligen Angelegenheit für die Fans eines sich gleichzeitig nicht allzu ernst nehmenden und selbstbewussten B-Horrorthrillers, der einfach nur in neunzig Minuten eine spannende Geschichte erzählen will.

Cold Storage (Cold Storage, Großbritannien 2026)

Regie: Jonny Campbell

Drehbuch: David Koepp

LV: David Koepp: Cold Storage, 2019 (Cold Storage – Es tötet)

mit Joe Kerry, Georgina Campbell, Liam Neeson, Vanessa Redgrave, Sosie Bacon, Lesley Manville, Aaron Heffernan, Ellora Torchia, Gavin Spokes

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage (aktuell nur als E-Book erhältlich)

David Koepp: Cold Storage – Es tötet

(übersetzt von Oliver Hoffmann)

HarperCollins, 2019

336 Seiten

4,99 Euro (E-Book)

Originalausgabe

Cold Storage

Ecco/HarperCollins Publishers, 2019

Hinweise

Moviepilot über „Cold Storage“

Metacritic über „Cold Storage“

Rotten Tomatoes über „Cold Storage“

Wikipedia über „Cold Storage“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonny Campbell/Damon Thomas/Paul McGuigans „Dracula“ (Dracula, Großbritannien 2020 – TV-Serie nach einem Buch von Mark Gatiss und Steven Moffat)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Smile – Siehst du es auch?“ Dann wirst du bald sterben

September 29, 2022

Ihre neue Patientin unterscheidet sich nicht sonderlich von ihren anderen Patienten. Sie erzählt ihr, sie werde von einer Gestalt verfolgt, die nur sie sehen könne, die immer wieder ein anderes Gesicht habe und lächele. Ein vollkommen irres, unnatürliches und furchterregendes, in sich selbst ruhendes, fast schon glückseliges Lächeln. Solche Geschichten haben ihr schon etliche Patienten mit Wahnvorstellungen erzählt und ihr gleichzeitig versichert, sie leiden nicht an Wahnvorstellungen.

Dann – und das ist ungewöhnlich – schneidet sie sich, breit grinsend, langsam von einem zum anderen Ohr, die Kehle auf und verblutet.

Kurz darauf glaubt Dr. Rose Cotter, die in einer Klinik als Psychiaterin arbeitet, dass sie die Tote sieht. Sie fühlt sich zunehmend von ihr verfolgt. Immer öfter sieht sie sie oder andere Menschen, die nur sie sehen kann, die sie unnatürlich angrinsen und ängstigen.

Zusammen mit einem Ex-Freund, der Polizist ist, findet sie heraus, dass sie offensichtlich nicht an Wahnvorstellungen leidet und auch keine ausgewachsene Posttraumatischen Belastungsstörung hat. Stattdessen sah sie das bislang letzte Glied einer ganzen Reihen von unnatürlichen Todesfällen. Denn ihre Selbstmörderin beobachtete einige Tage vor ihrem Suizid einen ähnlichen Suizid. Diese Person beobachtete einige Tage vorher einen Suizid. Undsoweiter. Schnell findet ihr Ex-Freund eine ganze Kette von so miteinander verbundenen Suiziden. Es scheint also einen Dämon zu geben, der von Mensch zu Mensch springt, ihn in den Tod treibt und sich dann den nächsten Wirt sucht.

Smile – Siehst du es auch?“ ist das Spielfilmdebüt von Parker Finn, das wegen seines schwachen Finales vor allem als Talentprobe überzeugt.

Dieser dritte Akt wirkt, als habe Finn nicht gewusst, wie er seine Geschichte zu einem überzeugendem Ende bringt. Also lässt er Cotter in ihrem heruntergekommenem Elternhaus gegen den Lächel-Dämon und die damit nicht zusammenhängenden Dämonen ihrer Kindheit kämpfen. Dieses Doppel funktioniert natürlich nur, wenn einfach alles, was vorher etabliert wurde, ignoriert wird zugunsten des üblichen Budenzaubers.

Davor findet Cotter zusammen mit ihrem Ex-Freund alles wichtige über den grinsenden Dämon heraus. Das erfolgt in den üblichen Ermittlungsschritten, die Finn mit zahlreichen gelungenen Suspense-Momenten kurzweilig und interessant gestaltet. So zählt ein Kindergeburtstag, bei dem Cotter plötzlich den Geist sieht, zu den schaurigsten Momenten des Films. Ebenso beunruhigend sind seine Auftritte unter falscher Identität. Diese Menschen verhalten sich zunächst seltsam und grinsen sie später an.

Auch wie Finn seine Schauspieler inszeniert, wie er die Räume immer etwas strange einrichtet, wie er seine Bilder komponiert und mit dem Ton umgeht, überzeugt und sorgt für etliche Gänsehautmomente. Das alles macht neugierig auf seinen nächsten Film.

Finn inszenierte vor „Smile“ zwei Kurzfilme. Einen davon, den Kurzfilm „Laura hasn’t slept“, benutzte er jetzt als Inspiration für „Smile“.

Smile – Siehst du es auch? (Smile, USA 2022)

Regie: Parker Finn

Drehbuch: Parker Finn

mit Sosie Bacon, Kyle Gallner, Caitlin Stasey, Robin Weigert, Jessie T. Usher, Kal Penn, Rob Morgan

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Smile“

Metacritic über „Smile“

Rotten Tomatoes über „Smile“

Wikipedia über „Smile“ (deutsch, englisch)