Neu im Kino/Filmkritik: „Anaconda“, das Reboot, das auch ein Making-of ist

Dezember 28, 2025

1997 kam ein B-Picture mit einer erstaunlich hochkarätigen Besetzung – Jennifer Lopez, Ice Cube, Jon Voight, Eric Stoltz, Jonathan Hyde, Owen Wilson und Danny Trejo – in die Kinos. Luis Llosas knapp neunzigminütiger Monsterheuler „Anaconda“ war sicher kein Meisterwerk. Aber ich habe ihn in Erinnerung als kurzweiligen Film, der sich nicht besonders ernst nahm – eine riesige Schlange fällt im Amazonasgebiet Menschen und Boote an -, und auf postmoderne Ironie und Metaebenen verzichtete.

Der für sechs Razzies nominierte hübsch altmodische Monsterfilm war ein Erfolg an der Kasse. Seitdem wurde er zu einem Kultfilm.

Zu seinen Fans gehören Doug McCallister (Jack Black) und Ronald ‚Griff‘ Griffen Jr. (Paul Rudd), die in Buffalo, New York, als Kinder den Film öfter in ihrem Kinozimmer ansahen und damals auch eigene No-Budget-Monsterfilme drehten.

Inzwischen arbeitet Doug als Regisseur für Hochzeitvideos und Griff übernimt in Hollywood als Schauspieler Mini-Rollen.

Jetzt wollen sie ihren Jugendtraum erfüllen. Griff hat die Rechte an dem „Anaconda“-Franchise erworben. Sie kratzen etwas Geld zusammen, involvieren ihre Jugendfreunde Claire Simons (Thandiwe Newton) und Kenny Trent (Steve Zahn) in das Abenteuer und machen sich auf den Weg nach Südamerika. Im Amazonasgebiet wollen sie an den Drehorten des Originals ihr Remake von „Anaconda“ drehen.

Im Dschungel geraten sie schnell zwischen die Fronten skrupelloser Glücksritter, die etwas mit der Suche nach Gold zu tun haben, – und sie begegnen einer Riesen-Anaconda, die sie fressen möchte.

Anaconda“ (2025) ist ein bestenfalls durchwachsener Mix aus Monsterfilm und Komödie mit den obligatorischen Cameos (die ich jetzt nicht verraten werde). Thematisch ist Tom Gormicans Film eine Liebeserklärung an das Filme machen und die Träume der Jugend. Für die vier Jugendfreunde ist dieser Filmdreh die letzte Gelegenheit, noch einmal diese Träume nachzuerleben.

Aber für einen Horrorfilm über eine Riesenschlange gibt es einfach zu wenig Anaconda-Horror. Für eine Komödie über Hollywood und das Filme machen bleiben alle Gags und Anspielungen zu sehr an der Oberfläche. Da ist beispielsweise Ben Stillers „Tropic Thunder“ (2008), ebenfalls mit Jack Black, ungleich gelungener.

Das gesagt kann „Anaconda“ (2025) mit dem richtigen Publikum im richtigen Kino und wahrscheinlich der richtigen Menge Alkohol durchaus eine spaßige Angelegenheit werden.

Im Videokeller wird man sich in einigen Wochen wahrscheinlich lieber eine abgenudelte VHS-Kopie von „Anaconda“ (1997) in den Recorder schieben, als noch einmal „Anaconda“ (2025) anzusehen.

Oder man legt eine DVD/Blu-ray von Tom Gormicans vorheriger Actionkomödie „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022) mit Nicolas Cage als Nicolas Cage, ein.

Anaconda (Anaconda, USA 2025)

Regie: Tom Gormican

Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten

mit Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Thandiwe Newton, Daniela Melchior, Selton Mello

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Anaconda“ (2025)

Metacritic über „Anaconda“ (2025)

Rotten Tomatoes über „Anaconda“ (2025)

Wikipedia über „Anaconda“ (2025) (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Gormicans „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: The unbearable weight of „Massive Talent“ des Nic(k) Cage

Juni 16, 2022

CIA-Agentin Vivian ist begeistert und sprachlos. Auf dem Provinzflughafen in Mallorca läuft ihr großes Idol Nicolas Cage an ihr vorbei. Er ist auf dem Weg zu Javier ‚Javi‘ Gutierrez, einem Millardär und Über-Nicolas-Cage-Fan, der jetzt unglaublich viel Geld ausgibt, damit sein Idol einige Tage mit verbringt. Als Stargast seiner Geburtstagsparty.

Javi ist – und das erklärt die Anwesenheit des amerikanischen Geheimdienstes – auch ein internationaler Waffenhändler der besonders sprupellosen Sorte.

Und dieser Nicolas Cage wird von Nicolas Cage gespielt, der im Film allerdings immer wieder zu Nick und nicht Nic abgekürzt wird. Das soll als Hinweis darauf genügen, dass der Film-Cage nichts mit dem realen Cage zu tun hat. Aber, und gerade das macht „Massive Talent“ (so der sinnfrei gekürzte deutsche Titel von „The unbearable weight of massive talent“) zu etwas besonderem und einem großen Spaß für Cage-Fan, der Film quillt vor Anspielungen auf die Filmographie (eine Zusammenstellung gibt es auf der IMDb) und die öffentliche Wahrnahme von Cage. Er begann als Charakterdarsteller, war damals schon etwas extremer als seine Kollegen, wurde zum Actionstar mit „The Rock“ und „Con Air“ und zuletzt zum Direct-to-Video-Schauspieler. Aufgrund von finanziellen und Steuerproblemen nahm Cage seit über zehn Jahren unzählige Rollen an, um seine Schulden zu bezahlen. Die Filme waren nicht unbedingt gut, aber – und das hatte ich in Gesprächen immer wieder gesagt – bei jedem dieser Filme entdeckte ich einen Grund, warum Cage zugesagt hatte (und es war nicht das Geld) und er engagierte sich immer schauspielerisch in dem Film. Einige nennen es ständiges Overacting, das manchmal wahnsinnig nervt. Aber er schlurfte nie mit einem Wo-ist-der-Gehaltsscheck-Blick durch das Bild.

So gibt es neben den unumstrittenen Cage-Klassikern der achtziger und neunziger Jahre auch zahlreiche neue Filme, auf die Tom Gormican in seinem Film anspielen kann.

Vom Plot her ist „Massive Talent“ eine Actionkomödie, in der ein Mann plötzlich Dinge tun muss, für die er nicht ausgebildet ist. Er gerät in zahlreiche Situationen, aus denen er sich herauslavieren muss. Es gibt, wenn Gangster und Geheimagenten aufeinandertreffen, ordentlich Action. Und selbstverständlich Humor.

Das erinnert an die eskapistischen Agentenfilme aus den sechziger Jahren, als im Fahrwasser der erfolgreichen James-Bond-Filme, unter südlicher Sonne in Operettenrepubliken Agenten und Nicht-so-richtige-Agenten („Ihr Auftritt, Al Mundy“), gefährliche Abenteuer erlebten. Das war (und ist) bunt, eskapistisch, fantastisch und, in seiner Grundstimmung, absolut fröhlich und lebensbejahend. Schließlich verfolgen wir die Abenteuer von großen Jungs, die sich lustvoll in kindische Abenteuer stürzen und ihren Spaß haben.

In diesem Rahmen wird der Film dann, sicher auch dank Nicolas Cage und Pedro Pascal (der den Millardär und Waffenhändler spielt), zu einer erstaunlich tiefgründigen Betrachtung über Freundschaft und das Leben. Diese Momente tragen dazu bei, dass die Metakomödie deutlich ruhiger und besser ist, als der klamaukige Trailer verspricht.

Massive Talent (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022)

Regie: Tom Gormican

Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten

mit Nicolas Cage, Pedro Pascal, Ike Barinholtz, Neil Patrick Harris, Tiffany Haddish, Alessandra Mastronardi, Jacob Scipio, Lily Sheen, Sharon Horgan, David Gordon Green, Demi Moore

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Massive Talent“

Metacritic über „Massive Talent“

Rotten Tomatoes über „Massive Talent“

Wikipedia über „Massive Talent“ (deutsch, englisch)