Neu im Kino/Filmkritik: über den gelungenen Kinderfilm „I accidentally wrote a book – Der Sommer als (m)ich meine Geschichte fand“

April 19, 2026

Die zwölfjährige Nina möchte wissen, wer ihre vor acht Jahren verstorbene Mutter war. Und sie hätte gerne ein Bild von ihr. Denn irgendwie gelang es ihr immer, nicht fotografiert zu werden. Auf keinem Bild ist ihr Gesicht erkennbar. Ihr Vater hat eine neue Freundin. Ob sie allerdings länger in der sehr freigeistig-künstlerischen, beeindruckend harmonischen Familie bleibt, ist unklar. Einige seiner Freundinnen störten sich schon an ihrem allabendlichen gemeinsamen Abendessen: sie sehen sich eine Folge „Mord ist ihr Hobby“ (Murder, she wrote) an, rätseln und essen Pizza. Ihr Vater produziert Trickfilme, in denen Realität und Fantasie zu einer neuen Fantasiewelt werden. Ihr jüngerer Bruder zaubert und möchte, dass sie ihm jeden Abend neue Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Ein Klassenkamerad hat sich in sie verliebt, aber Nina ist noch nicht so weit. Sie will nämlich bessere Geschichten für ihren Bruder erfinden. Helfen soll ihr dabei eine Nachbarin, in deren Haus noch mehr Bücher sind als in Ninas Haus. Die Nachbarin könnte ihre Oma sein. Sie ist eine Schriftstellerin, die ihr Hinweise zum Schreiben von Geschichten gibt.

Während Nina noch überlegt, wie sie die ihr gestellten Aufgaben mit wahren, erdachten und verfremdeten Episoden aus ihrem Leben umsetzen soll, zeigt Regisseurin Nóra Lakos das in bunten Bildern, die aus einem skandinavischen Kinderfilm oder einem „Der kleine Nick“-Film (ohne Retro-Touch) stammen könnten, und in denen sie locker ständig die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, zwischen Realfilm und Trickfilm überschreitet.

I accidentally wrote a book – Der Sommer als (m)ich meine Geschichte fand“ ist ein schöner, überaus unterhaltsamer und auch lehrreicher Kinderfilm. Auf Kinderfilmfestivals erhielt er etliche Preise, unter anderem beim Internationalen Filmfestival SCHLiNGEL. In Ungarn gehört er mit fast 150.000 Besuchern zu den erfolgreichsten Filmen des Landes für ein junges Publikum. In Deutschland wird er wahrscheinlich kaum gesehen werden, weil er in viel zu wenigen Kinos mit viel zu wenigen Vorstellungen läuft. Hier in Berlin läuft er lediglich in einem Kino einmal am Tag. Aber vielleicht findet er in den kommenden Monaten in verschiedenen Schulkinovorführungen sein Publikum. Verdient hätte er es.

I accidentally wrote a book – Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand (Véletlenül írtam egy könyvet, Ungarn/Niederlande 2024)

Regie: Nóra Lakos

Drehbuch: Nóra Lakos

LV: Annet Huizing: Hoe ik per ongeluk een boek schreef, 2014 (Wie ganz zufällig aus meinem Leben ein Buch wurde)

mit Villő Demeter, László Mátray, Vivien Rujder, Kati Zsurzs

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (empfohlen vom Verleih ab 11 Jahre)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „I accidentally wrote a book“

Wikipedia über „I accidentally wrote a book“