Einige kriminelle Fundsache: Connelly, Lehane, ein Geburtstagkind, undundund

Juli 12, 2007

Ali Karim hat Michael Connelly einige Fragen gestellt. „Not one to be Overlooked“ heißt das lesenswerte Interview bei The Rap Sheet. Connelly sagt unter anderem, dass er derzeit an einem weiteren Michael Haller-Roman arbeitet.

Die Dennis Lehane-Verfilmung „Gone, Baby Gone“ (deutsch: Kein Kinderspiel)  ist fertig. Lehane gefällt’s (siehe hier bei Sarah Weinman). Den Trailer gibt’s hier.  In den USA startet der Film am 19. Oktober. Die deutsche Premiere ist noch unklar.

Oh, inzwischen ist bekannt, wer das neue James Bond-Buch schreibt: Sebastian Faulks. Mehr dazu bei dem schon erwähten Rap Sheet, Sarah Weinman oder im Spiegel.

Tobias Gohlis ist auch von Stuart MacBride begeistert.

Gisela Lehmer-Kerkloh präsentiert eine neue Ausgabe des KrimiKuriers.

 Donald Westlake hat heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Weitere sachdienliche Informationen hier.


TV-Tipp für den 12. Juli

Juli 12, 2007

Damals ein an der Kasse erfolgreicher Skandalfilm. Heute ein Langweiler? Nach 130 Minuten wissen wir es.

Arte, 20.40

Das große Fressen (F/I 1973, R.: Marco Ferreri)

Drehbuch: Marco Ferreri, Rafael Azcona, Francis Blanche (Dialoge)

Vier in der Midlife-Crisis steckende, zum Bürgertum gehörende Männer treffen sich in einer Villa. Sie wollen dort ihren Trieben, nämlich Sex und Essen, bis zum Tod nachgehen.

Arte meint „eine groteske schwarze Komödie“. Im „Großen Filmlexikon“ von TV Spielfilm steht „zügellose schwarze Satire“. Nur das „Lexikon des internationalen Films“ ist nicht amüsiert: „Die Allegorie auf eine nur am Konsum orientierten Gesellschaft geht in der vordergründigen Inszenierung unter.“

„Das große Fressen“ ist der Start einer vierteiligen Hommage an Philippe Noiret. Arte, wir danken!

Mit Philippe Noiret, Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Michel Piccoli, Andrea Ferréol

Wiederholung: Montag, 23. Juli, 00.35 Uhr

Weitere Informationen: http://www.arte.tv/de/Philippe-NOIRET/1619136.html


Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 5

Juli 11, 2007

Wieder mit zwei großen Verlagen: Droemer Knaur und Heyne. Wie üblich sind die besonders wichtigen Veröffentlichungen und die Bücher, auf die ich mich besonders freue, fett hervorgehoben. Der Unterschied? Nun, Michael Connelly ist wichtig, aber, weil ich das Buch bereits kenne, kann ich mich nicht mehr darauf freuen.

 

 

 

Knaur – Die Taschenbücher

Oktober

Nicole Jamet/Marie-Anne Le Pezennec: Dolmen – …vergessen sollst du nie (Taschenbuch-Ausgabe)

November

Simon Brett: Der Tote im Hotel

Tim Green: Tödliches Kalkül (Rachethriller)

Scott McBain: Das Judasgift (Erstausgabe eines Thrillers über eine die katholische Kirche bedrohende Verschwörung)

Julie Parsons: Zähl die dunklen Stunden nur

Dezember

Thomas H. Cook: Das Gift des Zweifels (Red Leaves, 2005; Erstausgabe des Anthony-, Dagger- und Edgar-nominierten Werkes)

Vena Cork: Galerie der Angst

Michael Cox: In der Mitte der Nacht – Ein Geständnis

Katy Gardner: Das bleiche Herz

Levi Henriksen: Bleich wie der Schnee (ausgezeichnet mit dem norwegischen Buchhändlerpreis 2004)

Douglas Preston/Lincoln Child: Dark Secret – Mörderische Jagd (Taschenbuch-Ausgabe)

Januar

Giles Blunt: Kalter Mond (Taschenbuch-Ausgabe)

Ravi Shankar Etteth: Fluch der weißen Witwe

John Katzenbach: Das Rätsel (Deutsche Erstausgabe von „State of Mind“, 1997)

Februar

Dianne Emley: Tiefe Stiche (Michael Connelly und Tess Gerritsen blurben)

Lisa Jackson: Deathkiss – Süß schmeckt die Rache

Sabine Konrbichler: Gefährliche Täuschung

Val McDermid: Das Moor des Vergessens (Taschenbuch-Ausgabe)

März

Reginald Hill: Welch langen Weg die Toten gehen (Taschenbuch-Ausgabe des 21. Dalziel & Pascoe-Abenteuers)

Jean Lemieux: Todeslied

Laura Levine: Für die Schuhe würd’ ich morden (Ist wohl eher eine Komödie mit einer Leiche für die Leserinnen von Janet Evanovich. Die Leser von Janet Evanovich fragen sich von welcher Janet Evanovich. Der Krimiautorin? Der Komödienautorin?)

Henri Loevenbruck: Das Kopernikus-Syndrom

David Morrell: Level 9 (Scavenger, 2007; irgendwie die Fortsetzung von „Creepers“)

Joseph Telushkin/Allen Estrin: Nichts bleibt ungesühnt

April

Roderick Anscombe: Hinterhältig

Jörg Kastner: Teufelszahl

Ben Kinman: Todesfluch (Pseudonym von Chandler McGrew)

Michael Koryta: Tödliche Rechnung (Sorrow’s Anthem, 2006; Zweiter Pritchard-Perry-Roman)

Karen Rose: Heiß glüht mein Hass

 

Droemer Knaur – im festen Einband

22. August

Michael Böckler: Tödlicher Tartufo – ein kulinaricher Fall für Hippolyt Hermanus (Wer denkt sich diese Namen aus?)

Katy Gardner: Der treue Feind (Hidden)

Steve Mosby: Der Fifty-fifty-Killer (The 50/50 Killer)

Douglas Preston/Lincoln Child: Maniac – Fluch der Vergangenheit (The Book of the Dead, Ein neuer Fall für Special Agent Pendergast)

21. September

Gay Longworth: Am Anfang war die Täuschung (Wicked Peace)

12. Oktober

Kinky Friedman: Das Weihnachtsschwein (The Christmas Pig; Kinky geht fremd.)

2. Januar

Sebastian Fitzek: Das Kind (War ein zehnjähriger Junge in einem früheren Leben ein Serienkiller? Und wird er wieder morden? – Egal was man von der Prämisse hält; immerhin wiederholt sich Fitzek nicht.)

 

 

Heyne – Taschenbuch

Oktober

Stephen King: Dead Zone

Stephen King: Cujo

Stephen King: Feuerkind (Zum Sechzigsten gibt es einen neuen Umschlag für diese Kingschen Frühwerke)

Stephen King: Der dunkle Turm (Graphic Novel; in der limitierten Auflage mit einem Poster)

Robert Ludlum: Das Bourne Ultimatim (zum Filmstart gibt es dieses Ludlum-Werk als Movie-Tie-In)

November

Vince Flynn: Der Feind

Brent Ghelfi: Russisches Abendmahl (Thriller in der Heyne Hardcore-Reihe)

John Grisham: Das Fest (Kein Krimi, sondern eine Weihnachtsgeschichte)

Kim Harrison: Blutspiel

Dean Koontz: Irsinn

Irene Rodrian: Ein letztes Lächeln

Sabine Thiesler: Hexenkind

Dezember

Andrew Britton: Der Attentäter

Tom Clancy/Steve Pieczenik: Tom Clancy’s Netforce: Attentat

Colin Forbes: Skelett

Jonathan Nasaw: Der Kuss der Schlange

John Saul: Stalker

Januar

C. J. Box: Stumme Zeugen (mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Thriller)

Mary Higgins Clark: Weil deine Augen ihn nicht sehen

Virginia Doyle: Der Fluch der schönen Insel

Marc Kayser: Trias (ein von Thomas Roth [ARD], Dominik Graf und Claudia Roth geblurbter Titel. Wir sind gespannt.)

William Landay: Jagdrevier

Richard Laymond: Das Treffen (Thriller in der Hardcore-Reihe)

Ludwig Lugmeier: Der Mann, der aus dem Fenster sprang (Bio eines Verbrechers)

Romain Sardou: Kein Entrinnen

Februar

Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor

Andras: Schatten (Erotikthriller in der Hardcore-Reihe)

Alex Berenson: Kurier des Todes (The faithfull spy, 2006; erhielt 2007 den Debüt-Edgar und soll mit Keanu Reeves verfilmt werden)

James Church: Inspektor O

Tom Franklin: Die Gefürchteten (Hell at the Breech, 2003)

John Grisham: Der Gefangene

James McGee: Der Totensammler (Historischer Kriminalroman: London, beginnendes 19. Jahrhundert)

Scott Turow: So wahr mir Gott helfe

Udo Ulfkotte: Der Krieg im Dunkeln (Sachbuch über die wahre Macht der Geheimdienste)

März

Michael Connelly: Vergessene Stimmen (Taschenbuch-Ausgabe von „The Closers“)

Michael Crichton: Airframe

Michael Crichton: Endstation (Und wann erscheinen seine als John Lange geschriebenen Frühwerke wieder auf Deutsch?)

Robert Harris: Imperium

Mari Jungstedt: An einem einsamen Ort (Die TV-Serie gibt es bereits im Oktober im ZDF)

Giulio Leoni: Das Mosaik des Todes (Historischer Kriminalroman: Floren im Jahre 1300)

Gayle Lynds: Spymaster

John Niven: Kill your Friends (Im Musikgeschäft spielender Thriller, der in der Hardcore-Reihe erscheint)

Rob Palmer: Gejagt

Karen Robards: Und niemand hört ihr Rufen

Peter Straub: Haus der blinden Fenster

Charles Todd: Schwarze Spiegel

April

Martina Cole: Die Schwester

Corine Hartman: Schöner als der Tod

Stephen King: Love

Dean Koontz: Frankenstein – Der Schatten (Und nochmal Horror; dieses Mal der Abschluss der Frankenstein-Trilogie)

Robert Ludlum: Die Ambler Warnung

Anne Perry: Die Tote von Buckingham Palace

Akif Pirincci: Der eine ist stumm, der andere ein Blinder

Akif Pirincci: Der Rumpf

George D. Shuman: 18 Sekunden

 

 

Heyne – im festen Einband

August

Michael Morley: Spider (Spider)

Colin Forbes: Komplott (Blood Storm – Spezialagent Tweed tritt gegen britische Politiker, die aus Merry Good England einen Polizeistaat machen wollen, an. Kann Tweed nicht auch einen Abstecher nach Berlin machen?)

Stephen King/Richard Bachman: Qual (Blaze, 2007; Veröffentlichung eines bislang unveröffentlichten, um 1973 geschriebenen Manuskriptes, das King als Richard Bachman veröffentlichen wollte)

September

Mary Higgins Clark: Und hinter dir die Finsternis(I heard that Song before)

Oktober

Robert Harris: Ghost (Ghost)

Jacques Berndorf: Bruderdienst (BND-Agent Karl Müller schlägt wieder zu und Jacques Berndorf durfte die heiligen Hallen des BND betreten.)

Januar 2008

Robert Ludlum: Die Bancroft Strategie (The Bancroft Strategy, 2006)

 

 

 

Was bisher vorgestellt wurde:

Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 4

mit Assoverlag, Conzett bei Oesch, Daedalus Verlag, Gollenstein Verlag, Panini, Pendragon, Unionsverlag

Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 3

mit Alexander Verlag, Liebeskind, Pulp Master, Shayol, VGS/Egmont

Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 2

mit Edition Nautilus, Emons, Gmeiner, Grafit

Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 1

mit Blanvalet, Goldmann Taschenbuch


TV-Tipp für den 11. Juli

Juli 10, 2007

ARD, 22.45

Die Hardliner des Herrn – Christlicher Fundamentalismus in Deutschland (D 2007, R.: Tilman Jens)

45-minütige Doku über den zunehmenden Einfluss von christlichen, hauptsächlich evangelikalen, Fundamentalisten in Deutschland.

Ein Beispiel dafür ist der vor wenigen Tagen von der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) wieder einmal gemachte Vorschlag, die Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht aufzunehmen. Die frühere Religionslehrerin findet, es gäbe erstaunliche Übereinstimmungen zwischen der Evolutionslehre und der biblischen Schöpfungsgeschichte. (Was soll man zu so einem unwissenschaftlichen Unfug sagen? Wahrscheinlich hat die Dame die Vorlesungen zur Wissenschaftsgeschichte und zum wissenschaftlichen Arbeiten geschwänzt.) 

Weitere Informationen:

http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,x06wq3j3jo4lkc97~cm.asp

Wiederholung um 02.30 Uhr


Ein bisschen Luxus – Kapitel 8 online

Juli 10, 2007

Das achte Kapitel ist hier online.

Inzwischen habe ich begonnen, ein Manuskript zu überarbeiten. Die erste Fassung ist fertig, aber mein Gefühl sagt mir, dass sie nicht so gut ist. Jedenfalls: Wieder ermittelt ein Privatdetektiv (äh, dieses Mal ist es ein Mann und ich erzähle klassisch in der Ersten Person Singular). Wieder soll er eine vermisste Person finden (Hey, was soll ein PI sonst machen? Schwarzarbeiter beobachten? Bodyguard spielen? Hm, vielleicht in den nächsten Büchern.). Doch dieses Mal ist es eine Studentin, die als Praktikantin bei einem Bundestagsabgeordneten arbeitetet. Der Arbeitstitel ist „Verschwunden“; was natürlich nicht besonders catchy ist. Mal sehen, welche besseren Titel mir einfallen, während ich die Leichen stapele.


Die kriminelle Herbst-Winter-Kollektion – Teil 4

Juli 10, 2007

Bleiben wir bei den kleinen Verlagen, die teilweise nur einen Krimi veröffentlichen. Wie immer sind die Werke, auf die ich mich besonders freue, dick hervorgehoben.

Assoverlag

Ursula Sternberg: Variationen der Wahrheit oder: von Liebe, Käse und anderen Dingen (Das zweite Buch von Sternberg ist ein ‚rasanter Gourmet-Krimi’ [Verlagsprosa]. Ein EU-Kommissar wird ermordet. Eine Käsehändlerin und ein Polizist ermitteln.)

 

Conzett bei Oesch

September

Kaspar Wolfensberger: Liebeskrank – Interview mit List (Vor seinem Tod gibt der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik ein Interview.)

 

Daedalus Verlag

Christina Bacher/Harald Justin (Hrsg.): Jazz in Crime – Kalender für Kriminalliteratur (eine etwas eklektische Zusammenstellung über – unter anderem – Bill Moody, Charles Mingus, das Billie Holiday-Lied „Strange Fruit“ und „Verbrechen und Jazz im Film“ schreiben unter anderem Ulrich Kriest, Thomas Wörtche und sicher auch Harald ‚Jazzthetik’ Justin)

 

Gollenstein Verlag

Walter Wolter: Ein Lied vom Tod (Die Inhaltsangabe verwirrt. Privatdetektiv Bruno Schmidt ist der Leibwächter einer Konzernerbin. Gleichzeitig geht im Saarland ein Mörder um, der vor der Tat den Opfern das „Lied vom Tod“ vorspielt. Und Schmidt erhält von einer todkranken Diva eine außergewöhnliche Lebensperspektive)

 

Panini

Ist in erster Linie ein Comic-Verlag. Die Marvel-Helden, die Simpsons und viele weitere in der Szene geschätzte Comics, wie die Werke von Frank Miller, erscheinen bei Panini in der deutschen Übersetzung.

Für Krimifans hat der Verlag demnächst im Angebot:

Gerade erschienen:

Brad Meltzer: Justice League of America I: Aus der Asche (der Thriller-Autor erfindet Geschichten für eine DC-Comicserie.)

18. Juli

Collins/Rodriguez/Wood: CSI: Das Dämonenhaus

22. August

Neil Gaimans Niemandsland (neuer Comic des Multitalents)

23. August:

M. Fraction/A. Olivetti: Punisher War Journal 1 (enthält die Marvel-Bücher „Punisher War Journal 1-4“)

 

Pendragon

Juli

Frank Göhre: St. Pauli Nacht (Frank Göhre ist wieder zurück. Anscheinend hat er seinen Episodenroman „St. Pauli Nacht“ für diese Ausgabe überarbeitet. Der Verlag legt eine DVD mit dem gleichnamigen Spielfilm und weiteren Informationen bei. Also noch ein Grund, sich diese – nach meiner Zählung – dritte Ausgabe von „St. Pauli Nacht“ anzuschaffen.)

Robert B. Parker: Der stille Schüler (School Days, 2005; Der neue Spenser.)

Roland Voggenauer: Blut und Wasser (Staudacher klärt einen über hundert Jahre zurückliegenden Mord auf.)

August

Colin Higgins: Harold und Maude (Okay, kein Krimi, aber Kult und endlich wieder auf Deutsch erhältlich)

September

Mechthild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern (Ein ehrbarer Mann mit schmutziger Weste wird umgebracht. Die Polizei ermittelt.)

Erwin Grosche: Der falsche Priester (Ein Privatdetektiv, der sich als Priester tarnt, klärt eine Mordserie auf. Hm.)

Cem Melou: Toxische Killer (Ist wohl ein S-F-Thriller über die bösen Machenschaften eines Lebensmittelherstellers, der über Leichen geht.)

Andy Strässle: Die Wodka-Verschwörung (Roberta soll für ihren Chef herausfinden, ob er wirklich der Vater ist. Sie recherchiert in einer Befruchtungsklinik, die etwas verbergen will.)

 

Unionsverlag

Metro-Herausgeber Thomas Wörtche verlässt nach jahrelanger Aufbauarbeit den Verlag. Deshalb ist das Herbstprogramm das letzte von ihm vollständig betreute Programm.

Juli

Jean-Claude Izzo: Leben macht müde (Vivre fatigue, 1998 – ein weiterer Nicht-Krimi von Izzo)

Bill Moody: Bird lives! (Bird lives!, 1999 – die Taschenbuchausgabe)

Manfred Wieninger: Der Engel der letzten Stunde (die Erstausgabe erschien 2005 bei Haymon – Privatdetektiv Marek Miert sucht ein verschwundenes Mädchen und hat Ärger mit einem durchgeknallten Oberleutnant)

August

Bruno Morchio: Kalter Wind in Genua (Bacci Pagano – Una storia da carruggi, 2004 – Kann Privatdetektiv Bacci Pagano das Attentat auf den Ministerpräsidenten verhindern? Als Vorbilder nennt Morchio Vázquez Montalbán, Izzo und Chandler. Keine schlechte Wahl.)

Gabriel Trujillo Munoz: Erinnerung an die Toten (Puesta en excena, 2002; La memoria de los muertos, 2005 – zwei weitere Abenteuer mit dem Menschenrechtsanwalt Morgado. Der erste Band „Tijuana Blues“ gefiel mir sehr gut.)

September

Patrik Boman: Peabody ghet in die Knie (Peabody met un genou en terre, 2000 – Erstausgabe erschein 2006 bei Zebu – Zweiter Peabody-Krimi: Er sucht den Mörder einer unbekannte, im Trog des frommen Färbermeisters gefundenen Leiche.)

Joe Gores: Hammett (Hammett, 1975 – Endlich erscheint der bekannteste Roman von Joe Gores wieder. Er verwickelt Dashiell Hammett in einen fiktiven Kriminalfall. Wim Wenders verfilmte das Buch.)


TV-Tipp für den 10. Juli

Juli 9, 2007

ARD, 22.45

Tote schweigen nicht – Rechtsmediziner ermitteln (D 2007, R.: Ernst August Zurborn)

Premiere einer 75-minütigen Doku über die Jungs vom CSI. Zurborn beobachtet zwei Hamburger Rechtsmediziner bei ihrer Arbeit an fünf verschiedenen Fällen. „Ein naher, realistischer und spannender Blick auf den Beruf des Rechtsmediziners.“ (ARD-Pressetext)

Weitere Informationen:

http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,m57hyncdpdh5unqf~cm.asp


„Coronado“: Schwacher Lehane-Sammelband

Juli 8, 2007

lehane-coronado.jpg

Während Dennis Lehane an seinem neuesten Opus – einer dicken Chronik über zwei Familien im 19. Jahrhundert – arbeitet, veröffentlicht er für die ganz hungrigen Fans eine Sammlung von fünf Kurzgeschichten und einem Theaterstück. „Coronado“ ist allerdings nur für die Fans, die wirklich alles von ihm haben wollen. Alle anderen sollten zu einem der Romane von Lehane greifen.

Das Theaterstück ist ein langweiliges Desaster und auch die Kurzgeschichten können kaum überzeugen. Sie sind fast immer erstaunlich spannungslos erzählte Beschreibungen eines Zustandes oder Stilübungen, die besser im Schreibtisch des Autors verschwunden wären. „Runter nach Corpus“ beschreibt, wie einige Jugendliche einem Footballkameraden einen Denkzettel verpassen wollen und stattdessen das Haus seiner Eltern verwüsten. In der Kafka-Variation „Intensivstation“ flüchtet ein Mann vor unbekannten Verfolgern in ein Krankenhaus. In „Pilze“ gerät eine junge Frau in einen Kampf zwischen Verbrechern. In „Schluss mit den Hunden“ sucht sich ein Mann, nachdem er alle streunenden Hunde erschossen hat, neue Ziele. In „Bis zu Gwen“ will ein Vater von seinem Sohn die Beute aus einem Überfall haben. „Coronado: Ein Stück in zwei Akten“ erweitert diese Geschichte auf mehrere Generationen.

Das klingt jetzt interessanter, als es ist. Denn die meisten Geschichten haben kein richtiges Ende. „Intensivstation“ hört einfach auf. Das neunseitige „Pilze“ kann kaum Geschichte genannt werden. „Runter nach Corpus“ hat ein seltsam-offenes Ende. Nur „Schluss mit den Hunden“ und „Bis zu Gwen“ funktionieren als eigenständige Geschichten.

Doch „Bis zu Gwen“ springt auch wieder so willkürlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, dass weniger die Geschichte atemlos verfolgt, als langsam im Kopf des Lesenden zusammengesetzt wird. Auch die den Hauptcharakter/Leser direkt ansprechende Stimme des Erzählers und die – bis auf „Schluss mit den Hunden“ – Wahl des Präsens als Erzählzeit sind schwer erträglich. Es ist einfach schwierig im Präsens elegant zu formulieren und fast jeder Satz von Lehane bestätigt diese Binsenweisheit: „Spät am nächsten Morgen wirst du von deinem Vater geweckt, er erzählt dir, er hätte Mandy nach Hause gefahren, ihr hättet einiges zu erledigen, Leute zu treffen.“

Auch bei den Dialogen lässt Dennis Lehane jedes Gespür vermissen. Das wird besonders offensichtlich bei seinem Theaterstück „Coronado: Ein Stück in zwei Akten“:

„Und, wie war sie?“

„Ich hab sie nach Hause geschickt.“

„Vorher oder nachher?“

„Mittendrin.“

„Wie kann man eine Nutte mittendrin wegschicken?“

„Sie hat sich ständig beim Blasen unterbrochen, um sich über die Vorzüge von Michael Bays Filmen auszulassen.“

„Wer ist das denn?“

Schauspieler, die solchen Sätzen irgendeine tiefere Bedeutung geben müssen, sind zu bedauern. Beim Lesen – auch mit der Anweisung im Hinterkopf, dass die Szenen zu verschiedenen Zeiten spielen – erschließt sich erst im zweiten Akt, was Lehane mit den verschiedenen Szenen beabsichtigt und wie sie miteinander verknüpft sind. Denn die Idee, dass ein bestimmtes Verhalten über mehrere Generationen durch Vererbung und Umfeld weitergegeben wird, ist gut. Aber in „Coronado“ wird sie ganz schlecht präsentiert. Ed Gorman hat dies wesentlich besser und prägnanter in seiner Kurzgeschichte „En Famille“ illustriert.

In „Coronado“ überzeugt nur die bereits acht Jahre alte Geschichte „Schluss mit den Hunden“. Lehane erzählt, wie in dem Kaff Eden in den frühen Siebzigern der Bürgermeister will, dass alle streunenden Hunde erschossen werden. Blue erledigt die Aufgabe. Denn: „Für die Aufgabe brauchte man lediglich jemanden, der gerne auf einem Baum hockte und auf Sachen schoss. Verdammt, Blue war in seinem Element.“ Aber nachdem es keine Hunde mehr gibt, will er weiter töten. Sein Jugendfreund, der Vietnamveteran Elgin Bern, steht vor einer schweren Entscheidung.

 

Dennis Lehane: Coronado

(übersetzt von Andrea Fischer)

Ullstein, 2007

224 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Coronado

Harper Collins, 2006

240 Seiten

 

Enthält:

Schluss mit den Hunden (Running Out of Dog, Erstveröffentlichung in Otto Penzler: Murder and Obsession, 1999)

Intensivstation (ICU, Erstveröffentlichung in Beloit Fiction Journal, Frühling 2004, Vol. 17)

Runter nach Corpus (Gone down to Corpus, Erstveröffentlichung in Otto Penzler: The mighty Johns, New Millenium Press, 2002)

Pilze (Mushrooms)

Bis zu Gwen (Until Gwen, Erstveröffentlichung in John Harvey: Men from Boys, Arrow Books, 2003, US-Veröffentlichtung: The Atlantic, Juni 2004)

Coronado: Ein Stück in zwei Akten (Coronado: A Play in two Acts)

 

Homepage von Dennis Lehane: http://www.dennislehanebooks.com/

 

Hinweis:

Die Geschichte “En Famille” von Ed Gorman ist abgedruckt in dem von Lawrence Block herausgegebenen Sammelband “Die Meister lassen morden” (Master’s Choice: Mystery Stories by Today’s Top Writers and the Masters Who Inspired Them, Berkeley Publishing Group, 1999, deutsch bei Goldmann).

Wenn Sie das Buch in einem Antiquariat sehe, kaufen Sie es. Es lohnt sich.

Im Original kann Gormans Geschichte unter anderem im Ellery Queen’s Mystery Magazin Nr. 658 (Juni 1996), The Collected Ed Gorman Volume 1 – Out there in the Darkness, oder verschiedenen E-Paper-Portalen gelesen werden.


TV-Tipp für den 9. Juli

Juli 8, 2007

Wenig los, heute, im sonnigen Osten, deshalb ein Trip in den verschneiten Westen, als Männer noch Männer waren:

Das Vierte, 23.30

Nevada-Pass (USA 1976, R.: Tom Gries)

Drehbuch: Alistair MacLean

LV: Alistair MacLean: Breakheart pass, 1974 (Nevada-Pass)

1873 im Winter: Undercover-Agent Deakon muß während einer Zugfährt ein Komplott aufklären.

Der Krimi spielt zwar im Wilden Westen, aber McLean verbrät seine üblichen Ideen nur vor einer anderen Kulisse (Undercover-Agenten, große Verbrechen, Doppelspiele, Frauen – halt das, was wir auch von seinen Kriegs- und Agententhrillern kennen). Trotzdem ganz unterhaltsam. 

Mit Charles Bronson, Jill Ireland, Ben Johnson, Charles Durning, Richard Crenna

Krimi-Autor Bill Crider schrieb im January Magazine über Detektive im Westen und dieses Buch: „There was a time when Scottish novelist MacLean was the premier thriller writer on both sides of the Atlantic. (Ask anyone who’s read some his early books, if you don’t believe that. Better still, read one yourself.) His forte was putting extremely competent heroes into situations that required physical strength, endurance and intelligence, and his plots were often quite complex mysteries. He was a little past his prime when he wrote Breakheart Pass, about an accused killer who’s taken on board a train loaded with medical supplies, relief troops and more than its fair share of troublemakers. Still, the book is a lot of fun, with one surprise after another (you never know just who’s on the side of the ungodly and who’s not in a MacLean novel), and enough action for two or three volumes. It rips along right until the breathless conclusion, and even the one embarrassing technical glitch probably won’t bother anyone too much.“ (Bill Crider: Sleuths in Spurs – in January Magazine)

 

Kirjasto über Alistair MacLean: http://www.kirjasto.sci.fi/maclean.htm

Langer englischer Wikipedia-Eintrag: http://en.wikipedia.org/wiki/Alistair_MacLean

 

Krimi-Couch über Alistair MacLean: http://www.krimi-couch.de/krimis/alistair-maclean.html

Deutsche Alistair MacLean-Fanpage: http://www.alistairmaclean.de/index.html


TV-Tipp für den 8. Juli

Juli 8, 2007

Pro 7, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlecher funtioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Wiederholung um 01.50 Uhr

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Dean Georgaris


TV-Tipp für den 7. Juli

Juli 7, 2007

ZDF, 20.15

Wilsberg: Schuld und Sühne (D 2005, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Ulli Stephan

LV: Figur von Jürgen Kehrer

Hat Matthias, Ehemann von Wilsbergs Jugendliebe Katharina, die Edelhure Lilly umgebracht? Wilsberg sucht den Täter.

Inzwischen verdient der us-amerikanische Regisseur und Krimiautor Buddy Giovinazzo seine Brötchen mit deutschen Serien und inszenierte für den Tatort („Dreimal schwarzer Kater“ mit den Münsteranern Thiel und Börne) und Polizeiruf 110 („Tiefe Wunden“ mit den Münchnern Tauber und Obermaier) gute Folgen. Auch für den doch eher betulichen Wilsberg drehte er zwei sehr gute Episoden. „Schuld und Sühne“, die erste und bessere, ist ein Krimidrama über Schuld, Sühne und die eigene Vergangenheit.

Giovinazzos neuester Film „Life is Hot in Cracktown”, eine Verfilmung seiner Kurzgeschichtensammlung “Cracktown” mit Lara Flyn Boyle und RZA, befindet sich inzwischen in der Postproduktion. Die Verfilmung seines Krimis „Potsdamer Platz“ von den Scott-Brüdern ist dagegen wahrscheinlich auf Eis gelegt worden.

Mit Leonard Lansink, Heinrich Schafmeister, Ina Paule Klink, Rita Russek

 

Homepage von Jürgen Kehrer

Besprechung von „Wilsberg und die dritte Generation“


Biographie eines Mafia-Killers aus dem Ruhrpott

Juli 6, 2007

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Mafia ist etwas, das es in Italien, USA und auch Russland gibt. Aber nicht in Deutschland. Diesen Eindruck muss man nach dem Genuss der deutschen Presse und von deutschen Krimis, inzwischen wieder gewinnen.

Aber auf dem Cover des von Andreas Ulrich geschriebenen Sachbuchs „Das Engelsgesicht“ steht „Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland“. Damit räumt der Spiegel-Reporter gleich mit zwei Vorurteilen auf: nämlich dass es in Deutschland keine Organisierte Kriminalität gibt und dass es in Deutschland keine Killer gibt. Am Ende der Biographie von Giorgio Basile können wir uns dann doch etwas beruhigt zurücklehnen. Immerhin beging Giorgio Basile seine meisten Taten in Italien. Aber nicht alle.

Giorgio Basiles kriminelle Karriere begann in Deutschland. Er wurde am 28. Juni 1960 in Corigliano Calabro geboren. Als Achtjähriger kommt er nach Mühlheim an der Ruhr. Seine Mutter jobbt, er hat drei Geschwister und sein Vater kümmert sich nicht um die Familie. Basile ist nicht dumm, aber in der Schule versagt er komplett. Er ist ein typischer Kleinkrimineller mit großen Plänen. Doch im Gegensatz zu anderen Kleinkriminellen ist Basile intelligent genug, um sie umzusetzen. Und der Liebhaber seiner Mutter, der Verbrecher Antonio Giovagnone De Cicco, hilft ihm. Basile betreibt eine Pizzeria und später erfolgreich die Diskothek „Flair“ in Mühlheim.

Am 7. Januar 1986 wird er wegen Beteiligung an der Ermordung des Duisburger Disco-Besitzers und –Vermieters Rudolph Möhlenbeck zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Im Knast organisiert Basile den Drogenhandel. Doch er fällt nicht auf und wird wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Im September 1991 wird er aus Deutschland abgeschoben. Das hindert ihn aber nicht daran, mit falschen Pässen, immer wieder nach Deutschland zu Reisen. Mit dem Wegfall der Grenzkontrollen wurde das sogar noch leichter.

In seiner kalabrischen Heimat steigt er im dortigen ’Ndrangheta-Clan auf. Auch hier nützt ihm sein Instinkt für lohnende Geschäfte. Er erschließt mit dem Drogenhandel und dem Reinvestieren von Schutzgeldern neue Geschäftsfelder. Er wird, weil er den Ehrenkodex der ’Ndrangheta achtet, aber immer wieder sieht, dass sich die ’Ndrangheta-Mitglieder nicht daran halten, kein Mitglied der ’Ndrangheta. Aber die Bosse verdanken ihm einen großen Teil ihres Reichtums und deshalb steigt er immer weiter auf. Er ist, im Duktus der ’Ndrangheta, eine sehr vertraute, aber keine getaufte Person.

Kurz vor seiner Verhaftung am 2. Mai 1998 in Kempten im Allgäu bringt er seinen Freund Domenico Sanfilippo in Holland um. Dieser Mord nagt an seinem Gewissen. Außerdem weiß er, dass sein Leben als Verbrecher vorbei ist. Die deutsche und die italienische Justiz bereiten Anklagen gegen ihn vor. In Deutschland müsste er auch die restliche Strafe an dem Möhlenbeck-Mord verbüßen. Basile redet und sorgt so für die Verurteilung vieler Verbrecher. Seitdem lebt er unter falschem Namen.

Weil Andreas Ulrich sich in der Biographie „Das Engelsgesicht – Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland“ ausschließlich auf Basile konzentriert, erscheint er öfters als die einzige menschliche und vernünftige Seele unter lauter Unmenschen. Seine Morde werden eher en passant erwähnt und seine kriminellen Aktivitäten haben oft den Schein von Dummer-Junge-Streich. Wenn er mit einigen Freunden Einbrüche verüben will, die dann wegen der schlechten Planung scheitern, ist das eher amüsant. So kommt am Ende des Buches die Anklageschrift, nach der Basile zeitweise der einzige Geldbeschaffer des Carelli-Clans war und er der deutschen Polizei dreißig Morde gesteht, doch ziemlich schockieren.

Außerdem wird nie wirklich deutlich, wie sehr die verschiedenen Verbrecherclans und –organisationen zusammenarbeiten und welche Dimension ihre Arbeit auch in Deutschland hat. Diese Infiltration der Gesellschaft wird von Ulrich am Ende, wenn er kurz von der Gerichtsverhandlung berichtet, erwähnt. Das ist der Preis, den Ulrich für seine auf eine Person fokussierte und sich vor allem auf Aussagen dieser Person stützende Biographie zahlen muss.

Trotzdem ist „Das Engelsgesicht“ ein empfehlenswertes Buch. Denn es zeigt, dass es auch in Deutschland das Organisierte Verbrechen gibt und es sich oft erschreckend wenig von dem unterscheidet, was aus den USA und Italien bekannt ist. Denken Sie nur an „Goodfellas“, die Biographie des Mafia-Aussteigers Henry Hill, oder „Donnie Brasco“, die Dokumentation des jahrelangen Undercover-Einsatzes von Joseph D. Pistone gegen den Bonanno-Clan. Nur der Glamour, den amerikanische Gangster um sich verbreiten, der fehlt bei dem ‚Engelsgesicht’ Giorgio Basile.

Andreas Ulrich: Das Engelsgesicht – Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland

Spiegel Buchverlag/Goldmann, 2007

320 Seiten

9, 95 Euro

Die Erstausgabe erschien 2005 in der Deutsche Verlags-Anstalt.


Daggers verliehen

Juli 6, 2007

Die Gewinner des diesjährigen britischen Krimipreises Dagger sind:

Duncan Lawrie Dagger

Peter Temple – The Broken Shore (Quercus) (deutsche Übersetzung: Kalter August)

Duncan Lawrie International Dagger

Fred Vargas – Wash this Blood Clean from my Hand (Harvill Secker), translated by Siân Reynolds

The CWA Ian Fleming Steel Dagger

Gillian Flynn – Sharp Objects (Orion) (deutsche Übersetzung: Cry Baby)

The CWA New Blood Dagger

Gillian Flynn – Sharp Objects (Orion)

The CWA Dagger in the Library

Stuart MacBride

The Debut Dagger

Alan Bradley – The Sweetness At the Bottom of the Pie

The Cartier Diamond Dagger

John Harvey


Fundsachen

Juli 6, 2007

Die Juli-Rezensionen der Krimi-Couch sind online. Treffer ist eine gewisse „Königsallee“. „Flamingo“, der nur noch antiquarisch erhältiche vierte Robicheaux-Krimi von James Lee Burke (So kann ich elegant auf meinen Artikel im seeehr empfehlenswerten „Krimijahrbuch 2007“ hinweisen. Originaltitel ist „A Morning for Flamingos“.), „Aberystwyth, mon amour“, „Inspector Ghote reist 1. Klasse“ (Tolles Buch. Ich werd’s die Tage hier abfeiern.) und viele andere Krimis werden besprochen.

„Inspector Ghote reist 1. Klasse“ von H. R. F. Keating ist auch eine ausgezeichnete Studie in Spannung. dpr überlegt gerade in seinem Blog „Watching the detectives“ was Spannung ist. Hier ging’s los. Hier und hier geht’s weiter. Spannend, gell?

The Rap Sheet hat (Sie müssen etwas herunterscrollen)  hat mit „Heyday in the Blood“ eine bis jetzt unveröffentlichte Lew Archer-Geschichte von Ross Macdonald veröffentlicht.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 6, 2007

Bei den Alligatorpapieren sind meine bunt bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps für die kommenden beiden Wochen online.

Vor dem Klick gibt’s hier die ersten Zeilen:

Hallo liebe Krimifreunde,
in den kommenden beiden Wochen werden die beiden von Buddy Giovinazzo inszenierten Wilfsberg-Filme „Schuld und Sühne“ und „Todesengel“ wiederholt. Außerdem empfehlenswert sind Charles Laughtons Davis Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, Jonathan Demmes Richard Condon-Verfilmung „Der Manchurian Kandidat“, das auf der Biographie von Joseph Pistone beruhende Mafiadrama „Donnie Brasco“, Philip Noyces Graham Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Wolfgang Murnbergers Wolf Haas-Verfilmung „Komm, süßer Tod“ (die Austro-Version eines Action-Thrillers), Bertrand Taverniers Georges Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ und die weiteren Abenteuer von Jane Tennison in der von Lynda La Plante erfundenen Serie „Heißer Verdacht“.
Gespannt bin ich auf die Brian Moore-Verfilmung „Am Ende einer Flucht – The Statement“ (verschwand viel zu schnell aus dem Kino) und den sehr selten gezeigten Noir „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“. Der Noir ist gleichzeitig das Filmdebüt von Kirk Douglas. Die beiden Nesser-Verfilmungen „Das vierte Opfer“ und „Münsters Fall“ dürften dagegen für meinen Geschmack zu betulich sein.
Kabel 1 beginnt mit seinem alljährlichen Edgar Wallace-Festival. Immer samstags im Doppelpack.
 


TV-Tipp für den 6. Juli

Juli 6, 2007

Vor über zwanzig Jahren las ich den von Curt Siodmak geschriebenen S-F-Roman „Donovans Gehirn“ und war begeistert. Deshalb muss ich heute – was bei dem kärglichen Programm auch einfach ist – dieses selten gezeigte B-Picture empfehlen:

WDR, 00.25

Donovans Hirn (USA 1953, R.: Felix Feist)

Drehbuch: Felix Feist, Hugh Brooke (Adaption)

LV: Curt Siodmak: Donovan’s Brain, 1942 (Der Zauberlehrling, Donovans Hirn)

Der Hirnforscher Patrick Cory findet nach einem Flugzeugabsturz das noch aktive Gehirn des skrupellosen Unternehmers Donovan. Cory erhält es am Leben. Das Gehirn beeinflusst den Arzt immer mehr.

Der unbekanntere Bruder des Regisseurs Robert Siodmak wurde 1902 in Dresden geboren. Seinen ersten Erfolg hatte er mit dem später erfolgreich verfilmten Roman „F. P. 1 antwortet nicht mehr“. 1937 wanderte Curt Siodmak in die USA aus. Dort schrieb er erfolgreich Romane und Drehbücher und führte auch Regie. „Donovan’s Brain“ war sein erster, dreimal verfilmter Welterfolg. Er starb am 2. September 2000.

Die beste Filmfassung von Siodmaks Roman meint „Die Science Fiction Filmenzyklopädie“ über diese Mad-Scientist-Geschichte. Aber trotzdem kein guter Film, wie David Pringle in dem ebenfalls zuverlässigen „Das ultimative Science Fiction Lexikon“ meint: „Der Film ist Quatsch, noch dazu langweiliger Quatsch. Erschreckenderweise sind die beiden anderen Versionen noch schlechter. Noch erschreckender ist allerdings der Anblick von Nancy Davis, spätere Mrs. Reagan, die schrecklich betroffen darüber ist, dass ein reicher Mensch wie Donovan so geizig sein kann, auf Kosten der Armen weniger Steuern zu zahlen.“

Mit Lew Ayres, Gene Evans, Nancy Davis

 


TV-Tipp für den 5. Juli

Juli 4, 2007

WDR, 23.20

Schau mir in die Augen, Kleiner (D/F/Nl 2007, R.: André Schäfer)

André Schäfer zeichnet mit zahlreichen Filmausschnitten und Statements den Weg der schwul-lesbischen Filmkultur vom Underground in den Mainstream nach. Also von „Pink Flamingos“ zu „Brokeback Mountain“.

Zu Wort kommen unter anderem John Waters, Gus Van Sant, Rosa von Praunheim und Stephen Frears.

Arte über die Doku: http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=696185,day=7,week=7,year=2007.html


TV-Tipp für den 4. Juli

Juli 3, 2007

Erinnern Sie sich noch daran? Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Kulturauftrag. Und sie kommen ihm auch nach. Zum Beispiel indem dieser hochgelobte Zeichentrickfilm seine TV-Premiere kurz nach Mitternacht erlebt. Und nein, das ist jetzt kein Affront gegen das Publikum. Auch die Teen-Noir-Serie „Veronica Mars“ scheint im ZDF auf ihrem nachmitternächtlichen Sendeplatz erfolgreicher zu sein als am Samstagnachmittag.

Hier also der Tipp des Tages:

ARD, 00.35

Das große Rennen von Belleville (F/B/Can 2003, R.: Sylvain Chomet)

Drehbuch: Sylvain Chomet

Ein Tour-de-France-Radfahrer wird entführt. Seine Großmutter und ihr Hund jagen die Gangster.

Stellvertretend für die vielen positiven Kritiken: „Mit ungeheurem Detailreichtum und viel Liebe zu alten Comics und dem skurrilen Witz europäischer Komiker wie Jacques Tati ist Das große Rennen von Belleville eine wundervolle, sepiafarbene Hommage an selige untergegangene Kinozeiten, die zudem ohne Dialoge auskommt und allein auf die mitunter kantige Ausdruckskraft ihrer Figuren vertraut. Eine gelungene, sehenswerte und sehr europäische Alternative zum glatten und cleanen Animationskino aus den USA.“ (http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/522_das-grose-rennen-von-belleville.html )

Wenn Ihnen das zu spät ist, können Sie auf die nächste Ausstrahlung warten: 3sat, Donnerstag, 26. Juli 2007, 22.25 Uhr. Ist dann Teil der Reihe „Trickfilme für Erwachsene“ und das Heft dazu gibt es hier: http://pressetreff.3sat.de/Public/Trickfilme.pdf


TV-Tipp für den 3. Juli

Juli 2, 2007

Gestern „Die Träumer“, heute

 

HR, 00.05

Der letzte Tango in Paris (I/F 1972, R.: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Franco Arcalli, Agnès Varda (zusätzliche Dialoge)

In einem leeren Pariser Apartment treffen sich ein älterer Amerikaner und eine junge Französin. Sie geben sich ihren sexuellen Trieben hin und öffnen dem anderen ihre Seele.

Damals war’s ein Skandalfilm, bei dem besonders die aus heutiger Sicht sehr harmlosen Sexszenen provozierten. Heute ist es ein immer noch in jeder Beziehung beeindruckender Film über sexuelle Obsessionen und existentielle Verzweiflung. Halt ein zeitloser Klassiker und einer der Brando-Filme, die man gesehen haben muss.

Michael Althen schlug in „Marlon Brando“ (Bertz Verlag, 2004) in seiner Besprechung von „Der letzte Tango in Paris“ die Brücke zu „Die Träumer“: „Zwei Menschen begeben sich in die camera obscura eines unmöblierten Pariser Appartements, um herauszufinden, ob es ein Leben jenseits von Geschichte und Geschichten geben kann, ob man alles abstreifen und sich neu erfinden kann. Und so wie dieser Film ein Schlag ins Gesicht jener Jahre war, ist es auch The Dreamers (Die Träumer, 2003), mit dem Bertolucci unlängst jene Jahre Revue passieren ließ. Die Wahrheit, von der diese Filme erzählen, ist aber, dass im Scheitern womöglich der ganze Zweck des Lebens liegt. Brando mag sich für den Einzigen gehalten haben, der in seiner Biographie gefangen ist – dabei ist er nur ein Mensch wie du und ich.“

Mit Marlon Brando, Maria Schneider, Jean-Pierre Léaud, Massimo Girotti, Catherine Breillat


Ein bisschen Luxus – Teil 3: Der Einbruch oder Die Bösen bei der Arbeit

Juli 2, 2007

(Nach einer Pause geht’s jetzt weiter mit dem Lesekommentar. Die Pause füllte ich mit Audiokommentaren.)

In diesem Kapitel schildere ich einen Einbruch der Verbrecher. Hier wollte ich zeigen, wer die Gegner von Diana Schäfer sind.

Sie sind Profis.

Sie haben ihren Einbruch lange im Voraus geplant. Sie brechen erst ein, wenn der Besitzer weg ist. Sie hinterlassen keine Spuren. Das ist hier sogar wörtlich zu verstehen. Denn sie haben Duplikate von den Dingen angefertigt, die sie klauen. So wird der Besitzer vielleicht niemals erfahren, dass er eine Fälschung bewundert. In jedem Fall werden in dem Moment, in dem der Besitzer – falls überhaupt – den Diebstahl anzeigt, keine Beweise mehr vorhanden sein. Bessere Diebe kann es nicht geben.

Ihre Identität enthülle ich hier noch nicht, weil ich hier noch ein Rätselelement haben wollte. Die Verbrecher werden bei ihrem zweiten Auftritt für uns fassbarer, weil sie nicht mehr nur anonyme Stimmen (Sie erinnern sich an die ersten Zeilen?), sondern handelnde Menschen sind. Wir wissen nach dem Einbruch mehr über sie. Sie sind Profis. Sie sind skrupellos. Sie haben bereits einen Zeugen umgebracht. Und sie werden es wieder tun.

Selbstverständlich wird Diana Schäfer ihre Wege kreuzen und in Lebensgefahr geraten. Damit verrate ich kein großes Geheimnis. Immerhin gehört das zu den Konventionen eines Thrillers und Sie wären zu Recht enttäuscht, wenn ich diese Erwartung nicht irgendwie erfüllen würde.

Strukturell ist der Einbruch in erster Linie eine Charakterszene. Wir lernen die Verbrecher und ihr blindes, fast wortloses Verständnis füreinander kennen. An offensichtlicher Handlung für die Geschichte geschieht wenig. Ich könnte die Szene einfach entfernen und niemand würde die Lücke bemerken. Oder sie an einen anderen Ort innerhalb des Buches verschieben. Trotzdem liefere ich natürlich bereits einige Informationen die später wichtig werden. Deshalb muss sie letztendlich doch spätestens hier stehen. Außerdem ist dieser Einbruch die Initialzündung für die kommenden Ereignisse.

Das Gegenteil einer Charakterszene ist eine Handlungsszene. Eine solche Szene bringt die Geschichte eindeutig voran und kann deshalb auch nicht beliebig verschoben werden. Wenn Diana Schäfer eine neue Information erhält, die sie näher zum Ziel hin bringt. Wenn sie erfährt, dass Robert Brandt nach dem Seminar noch nach Konstanz gehen wollte, dann wird diese neue Information dazu führen, dass sie in Konstanz und nicht in der Universität nach ihm sucht. Wenn sie einfach so in Konstanz ermitteln würde, würden wir uns fragen, was das soll. Insofern bauen Handlungsszenen nach dem Prinzip Information A führt zu Information B führt zu Information C undsoweiter aufeinander auf. Charakterszenen sind austauschbarer.

Im Idealfall sollte allerdings jede Szene in einer Geschichte (Es ist letztendlich egal, ob es sich um ein Buch, ein Hörspiel oder einen Film handelt.) die Geschichte voranbringen und gleichzeitig etwas über die handelnden Personen verraten.

Und nun wünsche ich viel Spaß beim siebten Kapitel.