TV-Tipp für den 26. Januar

RBB, 23.35

Lemmy Caution gegen Alpha 60 (F/I 1965, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

Agent Lemmy Caution sucht in Alphaville den verschwundenen Konstrukteur von “Alpha 60”. Das Computergehirn „Alpha 60“ beherrscht die Stadt nach einer nur ihr zugänglichen Logik. Und wer sich „Alpha 60“ widersetzt, stirbt.

Der Plot könnte auch aus einem der damals die Kinosäle füllenden Lemmy-Caution-Filme, hier mit einem kräftigen James-Bond-S-F-Touch, stammen. Schließlich spielt Eddie Constantine auch in „Lemmy Caution gegen Alpha 60“ die Hauptrolle. Aber Jean-Luc Godard führte Regie – und von ihm ist alles zu erwarten, außer einer 08/15-S-F-Actionklamotte (und genau von diesen Filmen wollte Eddie Constantine damals auch weg).

An der Kasse war’s daher auch kein Erfolg bei den Eddie-Constantine-Fans. Bei den Kritikern schon. Heute genießt „Lemmy Caution gegen Alpha 60“ zu Recht Klassikerstatus. Godard und sein Kameramann Raoul Coutard inszenierten das damalige Paris als eine trostlose Betonwüste. Godard spielte souverän mit den Genreregeln und Themen von Science-Fiction und Noir.

„Godard meint kein Utopia dieser oder jener Provenienz, sondern den totalen technischen Staat“, schrieb damals die Frankfurter Allgemeine. Der Filmdienst schrieb: „Wenn der Schriftsteller Theodore Sturgeon behauptet, eine Science Fiction-Story sei eine Geschichte, ‚die den Menschen als Mittelpunkt sieht, ein menschliches Problem behandelt und eine menschliche Lösung bietet, die aber ohne ihren wissenschaftlichen Gehalt überhaupt nicht zustande gekommen wäre’, so erscheint einem Jean-Luc Godards neuester Film als der erste Versuch eines Science-Fiction-Films überhaupt. Die technische Entwicklung bietet die Voraussetzung für die Behandlung – sagen wir es etwas hochtrabend – existenzphilosophischer Fragen.“

Diese Fragen sind heute aktueller denn je. Und deshalb ist „Lemmy Caution gegen Alpha 60“ im Gegensatz zu vielen anderen S-F-Filmen immer noch nicht veraltet.

Unwichtiges Wissen 1: Lemmy Caution ist ein von Krimiautor Peter Cheney erfundener Charakter.

Unwichtes Wissen 2: Die deusche Synthiepop-Band „Alphaville“ hat sich nach diesem Film benannt.

Daraus folgendes wichtiges Wissen: 1 und 2 haben nichts mit Godards Film zu tun.

Mit Eddie Constantine, Anna Karina, Akim Tamiroff, Howard Vernon, Laszlo Szabo, Christa Lang, Jean-Pierre Léaud

Auch bekannt als „Alphaville“

Weitere Informationen:

RBB über den Film

Arte spricht mit Jean-Luc Godard

Die Zeit spricht mit Jean-Luc Godard

Offizielle Peter-Cheney-Seite

Thrilling Detective über  Peter Cheney

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