TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 4, 2008

Die ersten TV-Krimi-Buch-Tipps des Jahres 2008 sind bei den Alligatorpapieren online. Dort gibt’s die komplette Ladung (mit vielen schönen Bildern); hier gibt’s die ersten Zeilen:

Die ersten beiden Fernsehwochen punkten mit etlichen James Bond-Filmen und Bienzle-Tatorten. Daneben gibt es auch einige selten gezeigte Perlen. Milton Katselas James Mills-Verfilmung „Der einsame Job“, eine Tatort-Nacht mit dem ersten Stoever-Tatort, dem ersten Trimmel-Tatort und der Hansjörg Martin-Verfilmung „Das Zittern der Tenöre“, Tim Metcalfes Gaddis-Long-Verfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“, ein Claude Chabrol-Trio mit „Der Schlachter“, „Die Farbe der Lüge“ und „Das Leben ist ein Spiel“ und José Giovannis Joseph Harrington-Verfilmung „Der Kommissar und sein Lockvogel“ gehören dazu. In die Kategorie „Gut und oft wiederholt“ gehören Jules Dassins Eric Ambler-Verfilmung „Topkapi“, Alan Parkers William Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, Edwin Sherins Elmore Leonard-Verfilmung „Valdez“, Bertrand Taverniers Jim Thompson-Verfilmung „Der Saustall“, Walter Hills John Godey-Verfilmung „Johnny Handsome – Der schöne Johnny“. Als TV-Premiere gibt es einen neuen Wilsberg, zwei neue Lynley/Havers-Filme und die J. J. Connolly-Verfilmung „Layer Cake“ mit Daniel Craig.


TV-Tipp für den 4. Januar

Januar 4, 2008

ZDF, 21.15

Soko 5113: Dar Urteil (D 2007, R: Michael Wenning, B: Sebastian Andrae)

ZDF 00.30

Soko 5113: Der erste Fall (D 1978, R: Ulrich Stark, B: Hasso Plötze)

ZDF, 02.45

Soko 5113:  Das Geheimnis von Blandford Castle (D 2003, R: Zbynek Cerven, B: Conny Lens)

„Die Soko-5113-Nacht anlässlich des 30-jährigen Sendejubiläums“ nennt das ZDF den heutigen Soko-Dreier. Es gibt einen neuen, spielfilmlangen Fall, einen Zusammenschnitt des ersten Falls auf 130 Minuten (wahrscheinlich wurde dafür einfach nur der Vor- und Abspann weggeschnitten – aber in jedem Fall: Endlich wieder einmal im TV!) und einen neueren Fall, der ein SW-Hommage an den traditionellen britischen Kriminalroman ist.

Der Ursprung für die Serie war der Roman „Der Durchläufer“ des Kriminalpolizisten Dieter Schenk (der heute vor allem als Schriftsteller und Historiker arbeitet). Hasso Plötze entwickelte daraus eine Polizeiserie, die einen realistischen Blick auf die Arbeit einer Sonderkommission wirft. Dazu trug auch bei, dass private Probleme ein Teil der Fälle waren, mit folgenübergreifenden Geschichten experimentiert wurde und Soko-Mitglieder immer wieder einen unrühmlichen Abgang hatten. Einer wurde von einem Kollegen erschossen. Einer schnappte sich einen Koffer voll Geld. Einer heiratete reich. Da wurde sich gelungen amerikanischer und englischer Vorbilder bedient.

Das war alles noch zu Werner Kreindls Lebzeiten. Er verkörperte den kompromisslosen Soko-Leiter Göttmann. Danach übernahm Kollege Schickl (Wilfried Klaus) das Ruder. Die letzten Folgen mit ihm sind abgedreht. Sein Nachfolger – schließlich bedeutet in Deutschland ein Darstellerwechsel nicht das Ende der Serie – ist Gerd Silberbauer (zuletzt „Der Landarzt“ und „Alles außer Sex“).

Hinweise:

ZDF über Soko 5113

Krimihomepage über Soko 5113

Fernsehserien über Soko 5113

Homepage von Dieter Schenk

Dieter Schenk über die Anfänge von Soko 5113

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Hasso Plötze


Mickey Spillane und Ross Thomas schlagen zu

Januar 2, 2008

Beginnen wir das Krimijahr standesgemäß mit zwei großen Namen der Kriminalliteratur: Mickey Spillane und Ross Thomas. Von Ross Thomas erschien vor wenigen Tagen die leicht überarbeitete Neuausgabe seines Debüts „Der Einweg-Mensch“ als „Kälter als der Kalte Krieg“. Von Mike Hammer-Erfinder Mickey Spillane der neue Roman „Dead Street“.

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Spillane schrieb bis zu seinem Tod am 17. Juli 2006 an mehreren Manuskripten. Obwohl er in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Bücher veröffentlichte, arbeitete er vor seinem Tod an zwei Mike Hammer-Krimis, einem Kriminalroman und einem Abenteuerroman. Max Allan Collins, der langjährige Fan und Freund von Spillane, schreibt jetzt die von Spillane geplanten beiden Hammer-Romane fertig. Der Abenteuerroman „The last stand“ wurde, so Collins in dem informativem Nachwort zu „Dead Street“, von Spillane fertig geschrieben. Bei „Dead Street“ fehlte noch das Ende. Es gab nur ausführliche Notizen. Hard Case Crime-Herausgeber Charles Ardai und Max Allan Collins entschieden sich, zuerst den Spillane-typischen Kriminalroman mit dem pensionierten Polizisten Jack Stang zu veröffentlichen.

Stang ist ein typischer Spillane-Held. Der Spitzname des legendären Cops ist „Shooter“ und auf der Straße wird er mit einem jovialen „Kill anybody today, Captain Jack?“ begrüßt. Er ist ein älter gewordener Mike Hammer mit Dienstmarke, der Frauen „Doll“ nennt und Probleme am liebsten mit Gewalt löst. Jetzt erfährt er, dass seine vor zwanzig Jahren gestorbene Freundin Bettie doch noch lebt. Dieses Mal will er sie beschützen. Aber dafür muss er herausfinden, warum sie damals sterben sollte und er muss die Verbrecher, die sie damals und auch heute noch umbringen wollen, finden. Auf der Jagd nach den Tätern kommt er einem Nukleardiebstahl auf die Spur und er erneuert seine Beziehung zu Bettie.

Die Geschichte von „Dead Street“ ist reinster Pulp und merkwürdig aus der Zeit gefallen. Sie spielt heute. Aber Spillane hält sich nicht mit einem aktuellen Zeitkolorit auf. Die Erwähnung von Computern, Handys und dem islamistischen Terrorismus nach 9/11 müssen als aktueller Hintergrund ausreichen. Davon abgesehen könnte die Geschichte kurz nach dem zweiten Weltkrieg spielen.

Spillane – und Collins der die letzten Kapitel in Spillanes Stil schrieb – erzählt die kurze Geschichte vollkommen ohne postmoderne Ironie oder popkulturelle Anspielungen in knappen, schmucklos die Handlung vorantreibenden Sätzen. Und natürlich sind die einzelnen Charaktere eindimensional gut oder böse. Immerhin begründete Spillane mit „Ich, der Richter“ die aus Sex und Gewalt bestehende Hardboiled-Welt, die sich millionenfach verkaufte, in Deutschland auf dem Index jugendgefährdender Schriften stand und von späteren Autoren kopiert und weiterentwickelt wurde. Die einzige Konzession an das Alter ist, dass seine Charaktere jetzt etwas melancholischer sind und, wie Dinosaurier, wissen, dass ihre Zeit vorbei ist.

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Auch bei dem 1995 verstorbenen Ross Thomas stehen harte Männer im Mittelpunkt seiner Polit-Thriller. Bereits in seinem Debüt sind alle Kennzeichen seiner späteren Romane enthalten: farbige Charaktere, genaue Lokalisierung der Geschichten an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit, spritzige Dialoge und ein wendungsreicher Plot. Dabei sind die Helden in einem Ross Thomas-Roman, im Gegensatz zu einem Spillane-Helden, niemals auf einem Kreuzzug gegen das Böse. Bei Ross Thomas wollen nur verschiedene, höflich formuliert, halbseidene Charaktere ihren Schnitt machen. Auch Mac McCorkle, der Besitzer der Bar „Mac’s Place“ in Bonn, und sein Partner Mike Pardillo, der auch als Agent arbeitet, ziehen nicht für höhere Werte in den Kampf. Mac McCorkle will herausfinden, wer in seiner Bar ein Mann erschoss, während er seinem Barkeeper erklärte, wie man einen richtigen Seven-layer Mint Frappé mixt. Zusammen mit Pardillo beginnt er den Mörder zu suchen. Sie geraten dabei zwischen die Fronten der Geheimdienste. Ihre Überlebenschancen tendieren gegen Null und nur mit einer gehörigen Portion Mutterwitz, harten Getränken und Waffen haben sie eine Chance mit heiler Haut wieder aus der Geschichte herauszukommen.

Das Duo McCorkle/Padillo überlebt – das kann gesagt werden ohne etwas von der Geschichte zu verraten – ihr erstes Abenteuer. Ross Thomas, der vor allem Einzelwerke schrieb, schickte sie in „Der Tod wirft gelbe Schatten“ (Cast a yellow shadow, 1967), „Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt“ (The backup men, 1971) und „Letzte Runde in Mac’s Place“ (Twilight at Mac’s Place, 1990) in weitere Abenteuer.

Für den Spionageroman „Kälter als der Kalte Krieg“ erhielt er den Edgar für das beste Debüt des Jahres. Wie so oft trafen die Edgar-Juroren eine gute Wahl. Denn Thomas schrieb danach 24 spannende Politthriller, die einen illusionslosen Blick in die Hinterzimmer der Politik in den USA und verschiedener Entwicklungsländer werfen. Schließlich hatte Ross Thomas vor seiner Karriere als Autor auch als Journalist und politischer Berater gearbeitet. Deutschland kannte er von seiner Zeit als AFN-Journalist und Leiter des Bonner AFN-Büros. Sein Wissen verarbeitete er in dem in sechs Wochen geschriebenen Debütroman. Damals war „Kälter als der Kalte Krieg“ ein genauer Blick auf den deutschen Spielplatz des Kalten Krieges. Heute ist der Roman eine immer noch höchst unterhaltsame Reise in eine vergangene Welt, als sich die freie Welt und der Kommunismus unversöhnlich gegenüberstanden und zwei Männer mit flotten Sprüchen und riesigen Mengen Alkohol die größten Gefahren überleben konnten.

 

Mickey Spillane: Dead Street

(Prepared for Publication by Max Allan Collins)

Hard Case Crime, 2007

224 Seiten

6,99 US-Dollar

 

Thrilling Detectives über Mickey Spillane

 

 

Ross Thomas: Kälter als der Kalte Krieg

(übersetzt von Wilm W. Elwenspoek, durchgesehen und überarbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen)

Alexander Verlag, 2007

272 Seiten

12,90 Euro

 

Originalausgabe

The Cold War Swap

Avon, 1966

 

Vorherige Deutsche Übersetzung

Der Einweg-Mensch

Ullstein 1970

Eine spätere Ausgabe erschien bei Wunderlich/Rowohlt Taschenbuch Verlag

 

Meine Besprechung von „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von „Gottes vergessene Stadt“ (The Fourth Durango, 1989)


TV-Tipp für den 3. Januar

Januar 2, 2008

ARD, 01.45

Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Orson Welles

LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)

In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.

Noir-Klassiker, der heute in der restaurierten Fassung, auch bekannt als „Director’s Cut“, angekündigt ist (Bei diesem Film würde sich eine DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen).

„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)

Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver


TV-Tipp für den 2. Januar

Januar 2, 2008

Kabel 1, 20.15

Das Versprechen (USA 2000, R.: Sean Penn)

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton

Hinweis:

Homepage zum Film 


Cover der Woche

Januar 1, 2008

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