TV-Tipp für den 11. Juni

Juni 11, 2008

RBB, 22.35

The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)

Drehbuch: Hampton Fancher

LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)

Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.

Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher.

„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)

Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)

Hinweis

New England Film: Artikel über die Zusammenarbeit zwischen McCreary und Fancher


Cover der Woche

Juni 10, 2008


TV-Tipp für den 10. Juni

Juni 10, 2008

NDR, 23.15

Der dritte Mann (GB 1949, R.: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Hinweise

Drehbuch „The third man“ von Graham Greene

Kirjasto über Graham Greene

Greeneland – The World of Graham Greene (Fanseite)

Stadtbibliothek Wien über „Der dritte Mann“


Peitsche, Degen, Kamm – und ein Kristallkopf

Juni 8, 2008

Fast zeitgleich mit James Bond kehrte ein zweiter Held der Popkultur, nachdem in Hollywood jahrelang Drehbücher geschrieben, verworfen, neu geschrieben und Harrison Ford sagte, wenn der Film nicht bald gedreht würde, wäre er zu alt, zurück. Nach „Jäger des verlorenen Schatzes“, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ feierte „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ in Cannes Weltpremiere und kurz darauf startete der Film in den Kinos. Die Kritiken waren solala bis gut und das Einspielergebnis der ersten Wochen ist, wenig überraschend, überzeugend.

Neben dem Film rollte auch die bei Blockbustern fast normale Merchandising-Welle (besonders wenn der Film aus dem Hause George Lucas stammt) mit DVDs, CDs und Büchern los. Den Auftrag für das Buch zum Film erhielt der bekannte Thriller-Autor James Rollins.

Der Film…

Bevor ich mir „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ansah, beging ich im Nachhinein einen großen Fehler. Ich sah mir wieder die ersten drei Indiana-Jones-Filme an. Ich war wieder begeistert von den Filmen. Die Story ist zwar immer nur eine Abfolge von Cliffhangern und Verfolgungsjagden (Indiana Jones gibt vor allem als Gejagter ein prächtiges Bild ab). Dieses Mal fiel mir bei den drei ersten Indiana-Jones-Filmen vor allem auf, wie genau und liebevoll das Team Lucas/Spielberg in ihren Hommagen die Welt der Serials rekonstruierte. Überrascht war ich teilweise, besonders bei „Jäger des verlorenen Schatzes“, von der Brutalität der Filme.

Entsprechend erwartungsvoll ging ich ins Kino – und erlitt einen vollgequasselten Actionfilm mit einem lahmen Mittelteil und nervigem Außerirdischengedöns.

Denn der neue Indiana-Jones-Film spielt 1957 (Was war 1957? Aliens, Aliens, Aliens, Atomtests in der Wüste, Rock’n’Roll, und Außerirdische.). Außerdem haben die Russen die Nazis in der Wirklichkeit und im Film als Bösewichte abgelöst. Aber auch sie wollen historische Artefakte mit denen sie die Welt beherrschen können haben. Ihr neuestes Ziel ist eine Gruppe von dreizehn Kristallschädeln, die, so sagt eine Legende, wenn sie zusammengebracht werden, überirdische Macht verleihen. Eine andere Legende sagt, dass vor Jahrhunderten ein Kristallschädel aus Akator, auch bekannt als El Dorado, gestohlen wurde und die Person, die den Schädel in den dortigen Tempel zurückbringt, die Kontrolle über seine Kräfte erhält.

Dr. Irina Spalko sucht für die Russen diese Kristallschädel. Sie hat bereits Indys alten Freund, Professor „Ox“ Oxley, der sein Leben der Suche nach Akator gewidmet und kürzlich einen Schädel gefunden hat, entführt und aus einem Militärlager in der Wüste von Nevada einen Kristallschädel entwendet. Zusammen mit Oxs Adoptivsohn Mutt Williams macht Indiana Jones sich auf den Weg in den südamerikanischen Dschungel.

Das klingt jetzt nach genug Story für einen Indiana-Jones-Film, der vor allem unterhaltsames Popcorn-Kino mit viel Action und flotten Sprüchen ist.

Doch schon der Anfang des Films ist lahm. Vor der ersten Action wird – im Gegensatz zu den anderen Filmen – minutenlang gequasselt. Auch später werden wir bis zum Gehtnichtmehr mit archäologischem Wissen gefüttert. In den ersten Indiana-Jones-Filmen erzählte das Team Lucas/Spielberg in diesen Szenen oft noch eine zweite Geschichte. Denken Sie nur an das vergiftete Essen im ersten Indiana-Jones-Film. Während Jones und ein Freund Archäologengespräche führten, essen sie. Wir wissen, dass die Früchte vergiftet sind und hoffen, dass Indiana Jones keine davon isst. Oder das Dinner in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“. Während Indy mit den Gastgebern über irgendwelche untergegangenen Kulte redet, werden verschiedene Köstlichkeiten (Schlangen, Affenhirn, undsoweiter) aufgetischt. Sängerin Willie Scott arbeitet sich von einem Schreikrampf über den nächsten bis zur finalen Ohnmacht vor. Im Kino war von den Dialogen kein Wort mehr zu verstehen – und niemanden hat’s gestört.

Aber jetzt muss bei dem Gerede zugehört werden. Denn dieses Mal haben Lucas/Spielberg und ihr Drehbuchautor David Koepp in diesen Momenten Indiana Jones bevorzugt mit einer zweiten Person in einen Raum gesetzt. Das ist dann mehr TV als Kino.

Wenn dann irgendwann gekämpft wird, ist es teils schnell vorbei (Friedhof), oder die Computereffekte sind deutlich zu sehen (Urwald).

Die Witze sind, im Gegensatz zu den ersten drei Filmen, dialoglastig – und Indys jugendlicher Begleiter Mutt Williams hat die besseren Szenen. Während Indiana Jones nur einige halbgare Einzeiler zwischen „Fahr zur Hölle, Genosse“, „Halbtags“ und „Oh, das hat nichts Gutes zu bedeuten“ murmelt, hat Mutt Williams mehr gute Sprüche, etliche Actionszenen und einen echten Lacher, wenn ihm Dr. Spalko ihr Schwert an die Kehle hält, er sie um eine Sekunde bittet, sich die Haare kämmt und dann sagt: „Okay, jetzt können Sie weitermachen.“

Doch in den früheren Filmen gab es unter anderem den Schuss auf den Schwertkämpfer, die Flucht vor der Armada von Schwertkämpfern und den ein-Schuss-drei-Tote-Moment. Im Neuen ist kein ähnlich überraschender Moment enthalten.

Tiefpunkt der Peinlichkeiten ist die Szene, in der Indiana Jones und Marion Ravenhurst in einer Trockensandgrube versinken. Mutt holt eine riesige Erdnatter aus dem Dschungel und will die beiden mit der Schlange als Seil aus der Grube ziehen. Indiana Jones kann die Schlange (inzwischen scheint seine Abneigung gegen Schlangen einer schieren Panik vor Schlangen gewichen zu sein) erst anfassen, nachdem Mutt und Marion die Schlange „Seil“ nennen.

Wirklich gelungen ist in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ nur die Ausstattung. Wurde in den ersten drei Filmen die Welt der Dreißiger und der Serials wiederbelebt, sind es jetzt die Fünfziger. Aber wer geht schon wegen der Ausstattung in einen Film?

… und das Buch zum Film

Als der bekannte Thrillerautor James Rollins gefragt wurde, ob er das Buch zum Film schreiben möchte, war dieses Desaster noch nicht abzusehen. Denn das Buch sollte zeitgleich mit dem Film veröffentlicht werden. Die meisten Buch-zum-Film-Autoren arbeiten deshalb mit einem Drehbuch, das nicht unbedingt eins-zu-eins verfilmt wird. Wenn sie Glück haben, erhalten sie auch weitere Informationen. James Rollins schreibt auf seiner Webseite, er habe zuerst sogar zum Lesen des Drehbuchs zu den Lucasfilm Studios fahren müssen. Später erhielt er, von seinem PC aus, Zugang zu exklusivem Material und die Erlaubnis, Szenen zu schreiben, die nicht im Film enthalten sind. Doch, und da endet die Freiheit jedes Buch-zum-Film-Autors, die Hauptgeschichte muss der des Films folgen.

Deshalb kann James Rollins nicht die Geschichte von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ vorgeworfen werden. Ihm gelingt sogar das Kunststück, aus einem schlechten Film ein besseres Buch zu machen. Er verbindet die einzelnen Szenen des Films schlüssiger. Die peinlichsten Szenen des Films dampft er auf das nötigste ein. So lässt er in der eben erwähnten Szene mit der Schlange das Umbenennen der „Schlange“ in „Seil“ fallen. Rollins schreibt nur:

Marion und Mutt schrien ihn im Chor an: „JONES!“

Mutt sah, wie sich das Gesicht des Mannes vor Widerwillen verzerrte. Dann aber streckte Jones die Hand nach der braunen Erdnatter aus, schloss die Augen und wandte sein Gesicht ab.

Ähnlich ökonomisch geht Rollins vor, wenn Mutt sich später wie Tarzan durch den Dschungel schwingt:

Mutt packte eine nahe Ranke und zog einmal fest daran, um zu testen, ob sie sein Gewicht hielt. Zufrieden klemmte er sich das Schwert zwischen die Zähne, klammerte sich an der Ranke fest und stieß sich von dem Ast ab.

Er schwang hinter den Affen her durch die Luft, passte sich ihrem Tempo und Rhythmus an, bewegte sich von Ranke zu Ranke, folgte ihrem Weg.

Auch der Kristallschädel, der im Film immer brüllt „Ich bin ein Außerirdischer“, ist im Buch einfach nur ein Schädel, dem mythische Kräfte zugeschrieben werden. Allein schon diese kleinen Veränderungen machen die Geschichte glaubwürdiger.

Daneben verrät James Rollins auch mehr über die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere und erfüllt so die Comiccharaktere mit einem tieferen Leben, ohne sie zu sehr zu psychologisieren. Immerhin ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ein Abenteuerthriller. Eine weitere kluge Entscheidung von James Rollins war, größere Teile seines Romas aus der Perspektive von Mutt Williams zu erzählen. Er übernimmt, wie Dr. Watson in den Sherlock-Holmes-Geschichten, die Rolle des den Helden letztendlich atemlos bewundernden Begleiters.

Wenn Sie also überlegen, wofür Sie ihre neun Euro ausgeben wollen, kaufen Sie das Buch – und danach vielleicht ein weiteres Buch von James Rollins.

James Rollins: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2008

384 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Del Rey/The Ballantine Publishing Group, 2008

Film

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, USA 2008 )

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: David Koepp (nach einer Geschichte von George Lucas und Jeff Nathanson, basierend auf einem Charakter von George Lucas und Philip Kaufman)

Mit Harrison Ford (Indiana Jones), Cate Blanchett (Irina Spalko), Karen Allen (Marion Ravenwood), Shia LaBeouf (Mutt Williams), Ray Winstone (‚Mac‘ George McHale), John Hurt (Professor ‚Ox‘ Oxley), Jim Broadbent (Dean Charles Stanforth), Igor Jijikine (Dovchenko)

Hinweise

Homepage von James Rollins

Amerikanische Homepage von Indiana Jones

Deutsche Homepage von Indiana Jones


TV-Tipp für den 9. Juni

Juni 8, 2008

Kabel 1, 23.15

Watch the Skies! – Sie kommen, um uns zu vernichten (USA 2005, R.: Richard Schickel)

Drehbuch: Richard Schickel

Sehenswerte einstündige Doku über die amerikanischen Science-Fiction-Filme der Fünfziger und wie sie einige Hollywood-Regisseure beeinflussten. Nur das Ende, wenn ziemlich unverhohlen für Spielbergs „Krieg der Welten“ (War of the worlds) geworben wird, nervt (Wenn Tom Cruise auftaucht, können Sie abschalten.). Davor erfahren wir, welche Jugenderinnerungen Steven Spielberg und George Lucas zumindest teilweise in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ verbraten.

Mit Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott, James Cameron


Hammett-Preis 2008 vergeben

Juni 8, 2008

Die nordamerikanische Sektion der International Association of Crime Writers hat ihren diesjährigen Hammett-Preis an

The Outlander, von Gil Adamson

vergeben.

Nominiert waren außerdem

The Yiddish Policemen’s Union: A Novel (Die Vereinigung jiddischer Polizisten), von Michael Chabon

End Games: An Aurelio Zen Mystery (Sterben auf Italienisch), von Michael Dibdin

Dahlia’s Gone: A Novel, von Katie Estill

Stalin’s Ghost: An Arkady Renko Novel (Stalins Geist), von Martin Cruz Smith

Der Hammett wird an einen literarisch außergewöhnlichen Kriminalroman vergeben. Die diesjährigen Juroren waren Gary Giddins, Michael Posner, Luanne Rice.

Weitere Infos zu den Büchern finden sich bei Krimileser Bernd. Die Pressemitteilung zur Preisverleihung bei The Gumshoe Site (Jiro Kimura).


TV-Tipp für den 8. Juni

Juni 8, 2008

Arte, 18.15

Uwe Timm – Die Freiheit zu schreiben (D 2007, R.: Arpad Bondy, Margit Knapp)

Drehbuch: Arpad Bondy, Margit Knapp

45-minütige Doku über den 1940 geborenen Schriftsteller. Zu seinen Werken gehören „Heißer Sommer“, „Die Entdeckung der Currywurst“, „Morenga“, „Der Freund und der Fremde“ (über Benno Ohnesorg) und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“.

Wiederholung: Samstag, 14. Juni, 06.45 Uhr

Hinweise

Arte zur Doku

Homepage von Uwe Timm (bzw. DTV-Homepage über Uwe Timm)


TV-Tipp für den 7. Juni

Juni 7, 2008

MDR, 00.20

The Grifters (USA 1990, Regie: Stephen Frears)

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Thompson. Westlake schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Thrilling Detective über Donald E. Westlake

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „What’s so funny?“

Meine Besprechung des Dortmunder-Romans „Watch your back!“

Meine Besprechung des Dortmunder-Kurzromans „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung des Parker-Romans „Ask the Parrot“ (als Richard Stark)

Meine Vorstellung der Parker-Serie (als Richard Stark)


Arthur-Ellis-Preis 2008 vergeben

Juni 6, 2008

Die Crime Writers of Canada haben zum fünfundzwangzigsten Mal den Arthur-Ellis-Preis vergeben. Die glücklichen Gewinner sind:

Best Novel:

Trumpets Sound No More, von Jon Redfern

Nominiert

No Time for Goodbye, von Linwood Barclay

Snow Candy, von Terry Carroll

A Journeyman to Grief, von Maureen Jennings

The Cruellest Month, von Louise Penny

Best First Novel:

García’s Heart, von Liam Durcan

Nominiert

The Line Painter, von Claire Cameron

Big City, Bad Blood, von Sean Chercover

Blood of Dreams, von Susan Parisi

The Silk Train Murder, von Sharon Rowse

Sucker Punch, von Marc Strange

Best Non-fiction

One Child at a Time: The Global Fight to Rescue Children from Online Predators, von Julian Sher

Nominiert

Enter the Babylon System, von Rodrigo Bascunan/Christian Pearce

The Last to Die: Ronald Turpin, Arthur Lucas, and the End of Capital Punishment in Canada, von Robert J. Hoshowsky

The War on Women: Elly Armour, Jane Hurshman, and Criminal Violence in Canadian Homes, von Brian Vallée

Where War Lives, von Paul Watson

Best Short Story

Turners, von Leslie Watts (Kingston Whig-Standard, July 7, 2007)

Nominiert

Eight Lords A’Leaping, von Vicki Cameron (in Sue Pike, Hrsg.: Locked Up)

Wreckwood, von Maureen Jennings (in Caro Soles, Hrsg.: Blood on the Holly)

The Hounds of Winter, von D.J. McIntosh (in Blood on the Holly)

As Long as We Both Shall Live, von Rick Mofina (in Blood on the Holly)

Best Juvenile

Eye of the Crow, von Shane Peacock

Nominiert

Racing for Diamonds, von Anita Daher

Spider’s Song, von Anita Daher

I.D., von Vicki Grant

The Night Wanderer, von Drew Hayden Taylor

Best Crime Writing in French

Tsiganes, von Mario Bolduc

Nominiert

Le Cercle des Pénitents, von Johanne Seymour

GHB: Grossier, Horrible et Bête, von Pierre H. Richard

Epidermes, von Diane Vincent

Scènes de Crimes: Enquêtes sur le Roman Policier Contemporain, von Norbert Spehner

Best Unpublished First Crime Novel (the Unhanged Arthur)

The Witch of Babylon, von D.J. McIntosh

Nominiert

Mummer’s the Word, von Patricia Flewwelling

The Paris Letters, von Amy Tector

Condemned, von Kevin Thornton

(Dank an The Rap Sheet für die Infos)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juni 6, 2008

Alligator-Alfreds (der nach seinem Italienurlaub nur noch Don Alfredo genannt werden will) hat keine Sekunde gezögert, meine TV-Krimi-Buch-Tipps mit Bildern zu verschönern.  Deshalb gibt’s hier nur die ersten Zeilen:

Hallo liebe Krimifreunde
zu den ersten TV-Krimi-Buch-Tipps des Sommers. Denn, egal was das Thermometer sagt: erst wenn die Edgar-Wallace-Verfilmungen gezeigt werden ist Sommer. Neben Edgar Wallace verschönern diese, teils selten gezeigten, Filme die heißen EM-Tage: Stephen Frears grandiose Jim-Thompson-Verfilmung „The Grifters“ (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake), Raoul Walshs Eric-Ambler-Verfilmung „Spion im Orientexpress (Drehbuch: W. R. Burnett), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Sam Raimis Scott-B.-Smith-Verfilmung „Ein einfacher Plan“, Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“, Alfred Hitchcocks Patrick-Hamilton-Verfilmung „Cocktail für eine Leiche“ (falls Sie den Film in den vergangenen Tagen verpasst haben), Alvin Rakoffs ewig nicht mehr gezeigte James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“ (ein Caper-Movie, das ich noch nicht kenne), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Orson Welles Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“ und J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Bestie“.
Zum Entspannen gibt es Gene Quintanos Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Why me?“ und Elvis und JFK kämpfen gegen „Bubba Ho-Tep“ (nach einer Geschichte von Joe R. Lansdale).


TV-Tipp für den 6. Juni

Juni 6, 2008

Tele 5, 20.15

Johnny Handsome – Der schöne Johnny (USA 1989, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Ken Friedman

LV: John Godey: The three worlds of Johnny Handsome, 1972 (Die drei Gesichter des Johnny Handsome)

Nachdem Johnny Handsome aus dem Knast entlassen wird, beginnt er sich an seinen früheren Komplizen zu rächen.

Ein geradliniger, unsentimentaler, düsterer (und unterschätzter) Gangsterfilm mit der Musik von Ry Cooder.

Mit Mickey Rourke, Ellen Barkin, Elizabeth McGovern, Morgan Freeman, Lance Henrikson, Forest Whitaker

Wiederholung: Sonntag, 8. Juni, 22.05 Uhr (dann wahrscheinlich ungekürzt, weil der Film “frei ab 16 Jahren” ist)

Hinweis

Mystery File über John Godey


Einige sachdienliche Hinweise

Juni 5, 2008

Noir of the Week nimmt sich diese Woche „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ von Alfred Hitchcock (Drehbuch: Alec Coppel, Samuel Taylor, nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Boileau und Thomas Narcejac) in zwei Teilen vor.

Die Juni-Ausgabe von The Big Thrill, dem Magazin der International Thriller Writers (ITW) ist online. Unter anderem mit Hinweisen auf die neuen Werke von James Patterson/Howard Roughan, Clive Cussler, Raymond Benson, Meg Gardiner, Heather Graham, Phillip Margolin und Mike Lawson (dessen Debüt demnächst auf Deutsch erscheint) und längeren Artikeln über Lee Child, Janet Evanovich, Jon Land und Kathy Reichs.

Die Juni-Ausgabe der Krimi-Couch ist ebenfalls online. Dieses Mal werden unter anderen die neuen Werke von Ross Thomas, David Ellis, Ilkka Remes, Friedrich Ani (der zweite Seher-Roman), Egon Eis,  Matti Rönkä, Patricia Cornwell, Donn Cortez (ein CSI-Miami-Roman) und Cornelia Read besprochen.

Alan Furst redet mit der LA Times (Scott Timberg) über seinen neuen Roman „The Spies of Warsaw“. Er spielt wieder in den Dreißigern.

F. Paul Wilson (zuletzt „Das Höllenwrack„) hat in den USA einen neuen Roman mit Repairman Jack (aka Handyman Jack) veröffentlicht. Allerdings widmet er sich jetzt der Jugend (oder der Zeit als Repairman Jack noch nicht Repairman Jack war) und es ist für eine jüngere Leserschaft. „Jack: Secret Histories“ heißt das Werk und F. Paul Wilson schreibt dazu:

It’s 1983. The Atari 5200 is the hot videogame console and Star Wars Death Star Battle is the hot game; the Apple ][+ with a whole 48K of RAM is state of the art in home computing; everyone’s twisting a Rubik’s cube.

And a fourteen-year-old boy is beginning to explore the talents that will lead him to become a man known as Repairman Jack.

Never saw myself writing for kids, especially since I already have a fair number of teen readers, mostly sixteen and up. But a motley array of forces converged to goose me into writing a novel geared toward the under-fifteen crowd – a so-called Young-Adult novel.

I say “so-called” because the writing process wasn’t much different from my adult work and the style is virtually identical. I’ve striven over the years for a clean, lean style, tailored to the pace of the thrillers I write. Now, to my delight, I find it fits a younger audience equally well. At least that’s what a focus group showed: Kids who often took up to a month to finish a book were polishing off Jack: Secret Histories over a weekend and looking for more.

But what surprised me most was how much fun I had. I delighted in peeking into Jack’s past and populating it with people who would play parts in his later life, or arranging cameos of characters from other novels. The books practically wrote themselves. I’d agreed to write three and I had drafts of the second and third done before the first’s pub date. Like taking dictation.

Best of all was looking at the world again through fourteen-year-old eyes. I remember my own last summer before high school as a turning point in my life, so that was where I chose to begin Jack’s story. Since I’d already established his birth year as 1969, I pretty much had to set the story in 1983. Not a bad year – lots of new technology, disco was dead, and MTV was on the rise.

As luck would have it, I’d already placed Jack’s hometown in Burlington County, which juts into the mysterious and fabled Jersey Pine Barrens. Perfect. It all came together in a glorious crash. I could work all sorts of magic in a million acres of wilderness with places no human eyes have ever seen, where strange lights jump from tree to tree and the Jersey Devil supposedly roams. I peopled his town with weird characters and places – like an old woman (with a dog) who’s supposedly a witch, and the town drunk who’s rumored to be able to heal with a touch but always wears gloves, and USED, the store that sells old…stuff.

From his start many years ago in The Tomb, I made of point of giving the adult Jack an Everyman background. He’s not an ex Navy SEAL or former CIA black-ops agent, just a guy from New Jersey who dropped off the radar and taught himself a few tricks. But he has an innate knack for manipulating people and situations to his advantage. (Of course, if that doesn’t work, he has his trusty Glock.) Here was a chance to show him discovering his talents.

As I said: Like taking dictation.

If comments on repairmanjack.com are any indication, adult Repairman Jack fans are lined up, waiting to dive in. As for the rest of you, no matter what your age, if you enjoy reading Jack: Secret Histories half as much as I enjoyed writing it, you’re in for a treat.

Noch nicht genug? Hm, wie wäre es mit einigen Drehbüchern von pdfScreenplays aus der Abteilung „Exclusives!“:

Billy Wilder/I. A. L. Diamond: The Apartment (Undated Draft)

Dan Akroyd/John Landis: The Blues Brothers (Unspecified Draft)

Ernest Tidyman/William Friedkin:  The French Connection (Revised Draft, 26. April 1971)

H. Seitz: Insomnia (Unspecified Draft, 2. Mai 2000)

Fritz Lang/Thea von Harbou: M (Undated, unspecified Draft – ist auf Englisch)

Andrew Kevin Walker: Se7en (Production Draft, 8. August 1994)

Graham Greene: The third man (Undated, unspecified Draft)


Neu im Kino: Cassandras Traum

Juni 5, 2008

Cassandras Traum (USA/Fr 2007, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.

Der neue Woody-Allen-Film. Wieder in Europa gedreht. Wieder ein Krimi. Doch im Gegensatz zu „Match Point“ und „Scoop“ wäre „Cassandras Traum“ in Deutschland, trotzt der bekannten Besetzung, fast nur als DVD-Premiere gestartet. Dabei gehört doch die jährliche Kinodosis Woody Allen zum Überleben.

Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkonson, Sally Hawkins, Hayley Atwell

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cassandras Traum“

Ain’t it Cool redet mit Woody Allen über „Cassandras Traum“

Macleans: Interview mit Woody Allen (Januar 2008 )

OutNow.ch: Hayley Atwell über „Cassandras Traum“


TV-Tipp für den 5. Juni

Juni 5, 2008

Arte, 22.25

Berlin – Arm, aber sexy (D 2008, R.: Heinz Peter Schwerfel)

Drehbuch: Heinz Peter Schwerfel

Fortbildung für uns Berliner: Wer sind eigentlich diese Künstler, die in den Ateliers schuften? Wer bezahlt sie? Und warum kommen die ausgerechnet nach Berlin? Es kann doch nicht nur die Miete sein.

Wiederholungen

Sonntat, 8. Juni, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 18. Juni, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zum Film


Spurensuche über Krimireihen online

Juni 4, 2008

Alligator-Alfreds Tatendrang ist nicht zu bändigen. Kaum hat er sich die neue Spurensuche geschnappt, stellt er sie auch schon online. Der Titel „Mordmäßige Krimireihen“ gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf den Inhalt. Denn dieses Mal bespreche ich die neuen Bücher aus den Häusern Edition Nautilus, Edition Köln, Hard Case Crime (dem deutschen Ableger) und Funny Crimes. Die Autoren und Titel sind, in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Friedrich Ani: Der verschwundene Gast

Bernhard Jaumann: Geiers Mahlzeit

Roman Rausch: Meet the Monster

Egon Eis: Duell im Dunkel

Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara

Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig

-ky: Einer von uns beiden

Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Kiss her goodbye)

Ken Bruen & Jason Starr: Flop (Bust)

Lawrence Block: Abzocker (Grifter’s Game; früher: Mona; Sweet Slow Death)

Lawrence Block: Verluste (Everybody dies)


Die Dagger-Nominierungen 2008

Juni 4, 2008

Am Wochenende wurden bereits einige der Nominierten genannt. Aber ich wollte abwarten, bis die CWA (Crime Writers‘ Association) die vollständige Liste veröffentlicht – und sie sieht so aus:

The Duncan Lawrie Dagger 2008

James Lee Burke: The Tin Roof Blowdown

Colin Cotterill: Coroner’s Lunch

Frances Fyfield: Blood from Stone

Steve Hamilton: Night Work

Laura Lippman: What the Dead Know

RN Morris: A Vengeful Longing

The Duncan Lawrie International Dagger 2008

Andrea Camilleri (Italien): The Patience of the Spider (übersetzt von Stephen Sartarelli)

Stieg Larsson (Schweden): The Girl with the Dragon Tattoo (übersetzt von Reg Keeland)

Dominique Manotti (Frankreich): Lorraine Connection (übersetzt von Amanda Hopkinson und Ros Schwartz)

Martin Suter (Deutschland): A Deal with the Devil (übersetzt von Peter Millar)

Fred Vargas (Frankreich): This Night’s Foul Work (übersetzt von Sîan Reynolds)

Ian Fleming Steel Dagger

Mo Hayder: Ritual

Gregg Hurwitz: I See You

Michael Robotham: Shatter

Tom Rob Smith: Child 44

David Stone: The Echelon Vendetta

Gold Dagger for Non-Fiction

Kester Aspden: Nationality: Wog – The Hounding of David Oluwale

Francisco Goldman: The Art of Political Murder: Who Killed Bishop Gerardi

David Rose: Violation

Duncan Staff: The Lost Boy

Kate Summerscale: The Suspicions of Mr Whicher

Peter Zimonjic: Into the Darkness

John Creasey (New Blood) Dagger

Zoë Ferraris: The Night of the the Mi’raj

Elena Forbes: Die With Me

Caro Ramsey: Absolution

Matt Rees: The Bethlehem Murders

Tom Rob Smith: Child 44

Dagger in the Library

Elizabeth Corley

Andrew Martin

Denise Mina

Craig Russell

CJ Sansom

Chris Simms

Short Story Dagger

Robert Barnard: Provenance (aus Maxim Jakubowski, Hrsg.: The Mammoth Book of Best British Mysteries)

Michael Connelly: One Dollar Jackpot (aus Otto Penzler, Hrsg.: Dead Man’s Hand)

Martin Edwards: The Bookbinders Apprentice (aus Maxim Jakubowski, Hrsg.: The Mammoth Book of Best British Mysteries)

Laura Lippman: One true love (aus Otto Penzler/Carl Hiaasen, Hrsg.: Best American Mystery Stories 2007)

Danuta Reah: Glazed (aus Mitzi Szereto, Hrsg.: Getting Even: Revenge Stories)

Debut Dagger

(Noch nicht veröffentlicht, aber vielleicht demnächst)

Amer Anwar: Western Fringes

Belinda Bauer: Blacklands

Russell Colman: Desert Storm

Peter Dewar: The Eclipse of Lilith

Bill Harrison: Nite Lite

Alison Marlow: The Stench of Lilies

James Oswald: The Book of Souls

Susan Schaab: Wearing the Spider

Ian Simpson: Devils and Disciples

PJ Watson: All the Wrong People

Diamond Dagger

Sue Grafton

Die Preisverleihung ist am Donnerstag, den 10. Juli, im Londoner Four Seasons Hotel (Park Lane).


Film Noir Collection 3: Schwarzer Engel

Juni 4, 2008

„Schwarzer Engel“ war 1946 eines der zahlreichen B-Pictures in denen verdiente Nebendarsteller und aufstrebende Schauspieler wichtige Rollen übernahmen. Doch „Schwarzer Engel“ ist außerhalb der Fankreise ein fast unbekannten Noir.

Zu Unrecht.

Denn „Schwarzer Engel“ ist sehr gut gealtert und das Ende ist – vor allem in der Präsentation von Roy William Neill – auch nach über sechzig Jahren immer noch schockierend.

Die Geschichte beginnt mit dem Mord an der erfolgreichen Sängerin Marvis Marlowe (Was für ein Namen! Constance Dowling). Auf ihrem Plattenspieler dreht sich das von ihrem Ex Martin Blair (Dan Duryea) geschriebene Lied „Heartbreak“. Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu Kirk Bennett (John Phillips). Er wurde am Tatort gesehen, die Beweise sprechen gegen ihn und er wird, obwohl er die Tat leugnet, zum Tode verurteilt. Seine Frau Catherine Bennett (June Vincent) beginnt auf eigene Faust den Mörder zu suchen. Ihre einzige Spur ist eine Rubin-Brosche, die ihr Mann auf der Leiche gesehen hatte und die verschwunden ist. Ihre Ermittlungen führen sie zu Martin Blair, der seine Tage hauptsächlich betrunkenen im Selbstmitleid verbringt. Als sie ihm ein Bild ihres verurteilten Mannes zeigt, sagt Blair, er habe an diesem Abend einen anderen Mann gesehen. Gemeinsam beginnen sie den Mörder von Marvis Marlowe zu suchen. Sie glauben, dass es der zwielichtige Nachtclubbesitzer Marko (Peter Lorre) ist. Als Gesangsduo schleichen sie sich in seinen Club Rio’s ein.

Cornell Woolrich (1903 – 1968 ) war mit seinen düsteren Visionen über von echter und falscher Schuld getriebene Menschen der Noir-Autor par excellence. Entsprechend oft wurden seine Werke verfilmt. Die IMDB listet über einhundert Verfilmungen auf. Die bekanntesten sind „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof), „La mariée était en noir“ (Die Braut trug schwarz), „La sirène du mississippi“ (Das Geheimnis der falschen Braut), „Martha“ (weil Fassbinder eine Woolrich-Geschichte verfilmte, ohne die Rechte zu haben, durfte der Film lange Zeit nicht gezeigt werden) und natürlich die in den Vierzigern gedrehten Noirs, wie „The night has a thousand eyes“ (Die Nacht hat tausend Augen; Du stirbst um Elf), „Phantom Lady“ (Zeuge gesucht; Das Geheimnis der Lady X), „Deadline at dawn“ und “The Mark of the Whistler” (Das Zeichen des Whistler). Etliche Verfilmungen gingen ziemlich frei mit Woolrichs Geschichten um. Auch „Schwarzer Engel“ macht da keine Ausnahme.

Drehbuchautor Roy Chanslor (1899 – 1964) hat im Filmgeschäft vor allem als Romanautor seine Spuren hinterlassen. Denn er schrieb die Vorlagen für „Johnny Guitar“ und „Cat Ballou“. Außerdem schrieb er, neben zahlreichen Drehbüchern zu inzwischen vergessenen Filmen, auch das Buch zu dem von Roy William Neill inszenierten Sherlock-Holmes-Film „The House of Fear“ (Das Haus des Schreckens). Für „Schwarzer Engel“ – sagen wir mal – straffte Chanslor Woolrichs Roman von einem Rachefeldzug in der Unterwelt auf einen verdächtigen Nachtclubbesitzer. Doch den Woolrichsen Kosmos von Verzweiflung und Getriebensein übertrug er in sein Drehbuch.

In den kundigen Händen von Regieveteran Roy William Neil (1887 – 1946) wurde aus der Geschichte ein effektvoller Noir mit zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen und guten Leistungen des Ensembles. Neill begann als Stummfilmregisseur und ist heute vor allem für seine regelmäßig nachmittags oder nachts laufenden Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce bekannt. Das B-Picture „Schwarzer Engel“ war sein letzter Film und es ist ein würdiger Abschluss eines kurzen Lebens. Das geringe Budget gestatte es, Themen anzusprechen, die in einem Film mit bekannten Schauspielern und Stars nicht mehr möglich gewesen wären. Denn Catherine Bennetts Suche nach dem Mörder ist gleichzeitig eine Emanzipationsgeschichte (aus der braven Hausfrau wird eine Nachtclubsängerin) und eine Liebesgeschichte. Dass sie am Ende die Unschuld ihres Mannes beweisen kann, lässt ihre Mission auf den ersten Blick erfolgreich enden. Doch es ist ein Phyrrussieg. Denn jetzt ist wieder in den Armen ihres ehebrechenden Trottels.

Catherine-Bennett-Darstellerin June Vincent sollte als Blondine eine zweite Veronika Lake werden, doch der große Durchbruch gelang ihr nicht. Dan Duryea hatte damals als charismatischer Nebendarsteller, vor allem auf der Seite der Bösen, bereits einen Namen. In „Schwarzer Engel“ spielt er glaubwürdig einen Alkoholiker, der sich an jeden Strohhalm klammert und durch seine Beziehung zu Catherine Bennett wieder neuen Lebensmut fasst. Dass diese Beziehung auf der Prämisse aufbaut, dass ihr Mann bald sterben wird und er daher eigentlich kein Interesse an einer erfolgreichen Mörderjagd haben kann, wirft schon früh ein schlechtes Licht auf den charmanten Musiker (jedenfalls wenn er nüchtern ist).

Diesem seltsamen Paar gegenüber stehen etliche charismatische Männer. Peter Lorre ist wieder einmal der mit halbgeschlossenen Lidern und hängender Zigarette durch den Film schleichende, allwissende Bösewicht, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat. Ex-Boxer Freddie Steele spielt Lucky, den Manager vom Rio’s, als einen kultivierten Schläger, dem ein kaltblütiger Auftragsmord ohne weiteres zuzutrauen ist. Broderick Crawford (für „All the King’s men“ [Der Mann, der herrschen wollte] erhielt er einen Oscar) spielt seine Rolle als ermittelnder Captain Flood so entspannt, dass an seiner Ehrlichkeit als Polizist Zweifel angebracht sind.

Koch Media hat mit den ersten drei Filmen ihrer Film-Noir-Collection die Noir-Perlen „Die Blaue Dahlie“, „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ den Krimifans und Filmfreunden wieder zugänglich gemacht. Hoffentlich wird die Reihe in den kommenden Monaten ähnlich liebevoll fortgesetzt.

Schwarzer Engel (Black Angel, USA 1946)

Regie: Roy William Neill

Drehbuch: Roy Chanslor

LV: Cornell Woolrich: The black angel, 1943 (Der schwarze Engel; Adresse Friedhof)

Mit Dan Duryea, June Vincent, Peter Lorre, Broderick Crawford, Constance Dowling

Auch bekannt als “Vergessene Stunde” und „Das Geheimnis des Hotelzimmers“

Koch Media – Film Noir 3 (77 Minuten, Deutsch/Englisch, Untertitel. Englisch)

DVD-Bonus: Bildergalerie, Original Kinotrailer, 12-seitiges Booklet

Hinweise

Noir of the Week über „Black Angel“

Mordlust über Cornell Woolrich

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

DetNovel über Cornell Woolrich

Time (Richard Corliss): That old feeling: Woolrich’s World (Dezember 2003)

Time (Richard Corliss): That old feeling: Fear Noir (über Woolrich-Verfilmungen, Dezember 2003)


TV-Tipp für den 4. Juni

Juni 4, 2008

ARD, 20.15

Hurenkinder (D 2006, R.: Andreas Kleinert)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Christine Grän: Hurenkind, 2001

Journalistin Marie geht für ihre Karriere in jedes Bett. Kurz vor einem entscheidenden Karrieresprung verliebt sie sich in einen verheirateten Mann und plötzlich muss sie ihre Lebensprinzipien hinterfragen.

Verfilmung eines Mainstream-Romans der Anna-Marx-Erfinderin Grän.

Wenn die Angaben stimmen, feiert „Hurenkinder“ erst heute, zwei Jahre nach seiner Produktion die, hm, Weltpremiere. Immerhin ist Kleinert ein für gehaltvolle Filme bekannter Regiesseur und die Besetzung ist auch nicht schlecht.

Mit Nina Kunzendorf, Péter Franke, Michael Brandner, Ulrike Krumbiegel, Karin Baal, Hans Peter Hallwachs

Wiederholung: Donnerstag, 5. Juni, 10.30 Uhr

Hinweise

NDR: Hurenkinder – Pressemappe

Homepage von Christine Grän


Cover der Woche

Juni 3, 2008


James Bonds nicht so glorreiche Rückkehr

Juni 3, 2008

Der Pressebohei um das neue James-Bond-Buch war groß. Immerhin ging es ganz schnöde um die Wiederbelebung von James Bond als Romangestalt. Denn der letzte Bond-Roman „The man with the red tattoo“ verkaufte sich 2002 nicht gut. Also wurde die Zusammenarbeit mit Raymond Benson beendet und nach einer mehrjährigen Pause auf dem Erwachsenenbuchmarkt, ein neuer Autor gesucht. Schon die Suche war von dem aus den Filmen bekannten Spiel aus Geheimhaltung und Spekulationen begleitet worden. Dann stand fest: Sebastian Faulks schreibt den neuen Roman. Die hastige Suche im Internet ergab: kein Krimiautor, sondern ein Literat. Nach Raymond Benson und John Gardner war das etwas Neues. Allerdings war auch der erste Bond-Roman nach Ian Flemings Tod von einem Literaten geschrieben worden. Kingsley Amis hieß der in England bekannte Autor, der dafür das kaum kaschierte Pseudonym Robert Markham verwandte.

Nun also Sebastian Faulks.

Dann begann der zweite Teil des Spiels. Über die Geschichte war vorher nichts zu erfahren und auch der Klappentext von „Der Tod ist nur der Anfang“ (ein weiterer der schön nichtssagenden Bond-Titel) passt auf fast jeden Bond-Roman: Der Geheimagent ihrer Majestät kämpft gegen einen gefährlichen Unterweltboss, der das Königreich angreifen will und eine schöne Frau ist auch dabei.

Weil Ian Fleming am 28. Mai seinen hundertsten Geburtstag feierte, wurde die weltweite Veröffentlichung des Buches von Flemings Erben und dem Verlag auf diesen werbeträchtigen Tag gelegt und weltweit schrieben die Medien kostenlos über die Vorstellung des neuen Bond-Romans in London mit Schlauchboot, bewaffneten Elitesoldaten, gesichertem Koffer, Covergirl Tuuli Shipster (ein fast Bondwürdiger Name) und Autor Sebastian Faulks. Bis dahin lief das Spiel mit den Erwartungen reibungslos.

Jetzt muss Faulks Geschichte sich der kritischen Öffentlichkeit stellen und es geht nur noch um eine Frage:

Wie geglückt ist das Buch?

Die kurze Antwort ist: Solala mit einer deutlichen Tendenz zum Negativen.

Die lange ist: „Der Tod ist nur der Anfang“ spielt knapp zwei Jahre nach dem letzten von Ian Fleming geschriebenen und 1965 posthum veröffentlichten Roman „The man with the golden gun“ (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt/007 James und der goldene Colt) (Als ich das maue Buch vor Ewigkeiten las, dachte ich, ich hätte einen noch nicht bearbeiteten Entwurf in der Hand.). Diese Rückkehr in die sechziger Jahre verleiht dem Werk ein nostalgisches Flair vom blühenden Jet-Set-Leben und den zaghaft angedeuteten beginnenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Gleichzeitig gibt diese Rückkehr in die Sechziger, nachdem die Romane von Gardner und Benson in der Gegenwart spielten, und das bewusste Anknüpfen an Fleming den Bezugsrahmen für eine Kritik vor. Mit „Der Tod ist nur der Anfang“ sollte nicht, wie bei dem letzten Bond-Film „Casino Royale“ mit einem neuen Darsteller die Serie in ein neues Jahrzehnt überführt werden. Stattdessen sollte die einst glorreiche Vergangenheit wiederbelebt werden. Und Faulks knüpfte, wie er sagt, bewusst an Flemings Stil an.

M hat James Bond einen dreimonatigen Urlaub, in dem er sich überlegen soll, ob er weiter 00-Agent sein will, verordnet. In Venedig trifft er die schöne Larissa Rossi (Anfang dreißig, kurzes schwarzes Haar, weit auseinanderliegende braune Augen, wunderschöner Mund, lange, geschmeidige, wohlgeformte und elegante Beine). Bevor Bond mit ihr im Bett landet – wobei er das auf den nächsten Tag verlegen will (was uns Bond-Fans ernsthaft an der weiteren Diensttauglichkeit des Doppelnullagenten zweifeln lässt) –, wird er von M zurückgerufen. Er beauftragt Bond, sich an die Fersen von Dr. Julius Gorner zu heften. Der unglaublich reiche Mann ist ein weltweit operierender Rauschgifthändler, der seine Ware legal und illegal verkauft. Sein besonderes Kennzeichen ist eine Affenhand; eine genetische Missbildung. Bond soll herausfinden, wie der Mann tickt und was an den Gerüchten, dass Gorner etwas Großes plane, dran sei. Meistens sei er in Paris.

James Bond fliegt dorthin und trifft in seinem Hotelzimmer wieder auf Larissa, die in Wirklichkeit Scarlett Papava heißt und Investmentbankerin ist. Sie erzählt ihm eine herzzerreißende Geschichte von ihrer Schwester Poppy, die von Gorner als Sklavin festgehalten wird. Bond beschließt das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Am nächsten Tag trifft er Gorner zu einem Tennisspiel.

Dieses Spiel, natürlich garniert mit einem steigenden Wetteinsatz, ist Bond-klassisch die erste Konfrontation zwischen dem Geheimagent ihrer Majestät und dem zu besiegenden Feind der westlichen Hemisphäre.

Das nächste Treffen ist in Persien, dem heutigen Iran, – und in diesem Moment ist der angenehme Teil von „Der Tod ist nur der Anfang“ vorbei. Bis dahin war es eine liebevolle Wiederbelebung von James Bond, garniert mit Erwähnungen von Ereignissen aus den früheren Büchern, etwas Jet-Set, Essen, Trinken, schönen Frauen, Gesprächen mit Miss Moneypenny und M, einigen Hinweisen auf die sechziger Jahre und einem als Spiel getarntem Duell zwischen James Bond und dem Bösewicht des Buches. In Persien fällt Faulks Geschichte wie ein falsch zubereitetes Soufflé zusammen zu einer x-beliebigen, ironiefreien Agentengeschichte mit länglichen Reisebeschreibungen, lahmen Actionszenen, wenig Sex, einem vergurkten Verhindern der Pläne des Bösewichts und, Tage später, seinem Tod.

Das ist für einen Bond-Roman eindeutig zu wenig; – auch wenn ich als Vorbereitung für „Der Tod ist nur der Anfang“ die alten Bond-Romane von Ian Fleming nicht gelesen habe. Und, verglichen mit anderen in den Sechzigern spielenden Agententhriller, – ich denke an die Romane von Peter O’Donnell (Modesty Blaise), Lawrence Block (Evan Tanner) und Ross Thomas -, ist „Der Tod ist nur der Anfang“ erschreckend altmodisch. Kein Funken Ironie würzt das Werk. Nichts ist von den Swinging Sixties zu spüren. Nichts vom Aufbegehren gegen die Konventionen. James Bond stampft in seinem neuesten Abenteuer nur stoisch durch vertrautes Gelände.

Sebastian Faulks (schreibt als Ian Fleming): Der Tod ist nur der Anfang

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Heyne, 2008

352 Seiten

12,95 Euro

Originaltitel

Devil may care

Penguin 007/The Penguin Group, 2008

Hinweise

Homepage von Ian Fleming (genaugenommen von seinen Erben)

Kriminalakte über Ian Fleming und die Buchpremiere

Homepage von Sebastian Faulks

Contemporary Writers über Sebastian Faulks

Sebastian Faulks zum Buch

Times Online: Interview mit Sebastian Faulks

Stern: Interview mit Sebastian Faulks