Die Nominierungen für den Barry Award 2009

Juni 20, 2009

Deadly Pleasures Magazine und Mystery News haben die Nominierungen für den diesjährigen Barry Award bekannt gegeben. Die Gewinner werden von den Lesern der beiden Magazine gewählt und auf der 40th Bouchercon World Mystery Convention (15. – 18. Oktober 2009) in Indianapolis, Indiana, verliehen.

Nominiert sind:

Best Novel

Trigger City, von Sean Chercover (Morrow)

The Draining Lake, von Arnaldur Indridason (Minotaur)

Envy the Night, von Michael Koryta (Minotaur)

Red Knife, von William Kent Krueger (Atria)

The Cruelest Month, von Louise Penny (Minotaur)

The Dawn Patrol (Pacific Private), von Don Winslow

Best First Novel

The Kind One, von Tom Epperson (Five Star)

Stalking Susan, von Julie Kramer (Doubleday)

City of the Sun, von David Levien (Doubleday)

Child 44, von Tom Rob Smith (Grand Central)

A Carrion Death, von Michael Stanley (Harper)

Sweeping Up Glass, von Carolyn D. Wall (Center Point)

Best British Novel

A Simple Act of Violence, von R.J. Ellory (Orion)

Ritual, von Mo Hayder (Bantam Press)

The Girl with the Dragon Tattoo, von Stieg Larsson (MacLehose/Quercus)

Shatter, von Michael Robotham (Sphere)

Bleeding Heart Square, von Andrew Taylor (Michael Joseph)

Bruno, Chief of Police, von Martin Walker (Quercus)

Best Paperback Original

The First Quarry, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Money Shot (Hardcore Angel), von Christa Faust (Hard Case Crime)

State of the Onion, von Julie Hyzy (Berkley)

The Black Path, von Åsa Larsson (Delta)

Severance Package (Letzte Order), von Duane Swierczynski (Minotaur)

Echoes from the Dead, von Johan Theorin (Doubleday)

Best Thriller

Collision, von Jeff Abbott (Dutton)

The Deceived, von Brett Battles (Delacorte)

The Survivor, von von Tom Cain (Bantam Press)

Finder, von Colin Harrison (Farrar, Straus and Giroux)

Night of Thunder, von Stephen Hunter (Simon & Schuster)

Good People, von Marcus Sakey (Dutton)

Best Short Story

• “The Drought,” von James O. Born (aus „The Blue Religion“, herausgegeben von Michael Connelly; Little, Brown)

• “The Fallen,” von Jan Burke (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], August 2008)

• “A Trace of a Trace,” von Brendan DuBois (aus „At the Scene of the Crime“, von Dana Stabenow; Running Press)

• “A Killing in Midtown,” von G. Miki Hayden (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, January/February 2008)

• “Proof of Love,” von Mick Herron (EQMM, September/October 2008)

• “The Problem of the Secret Patient,” von Edward D. Hoch (EQMM, May 2008)

Eine feine Liste mit vielen bekannten Namen (Collins! Faust! Swierczynski! Chercover! Koryta! Winslow! Sakey!) und auch einem guten Teil ins Deutsche übersetzter Werke (Ich bin jetzt zu faul, alle Übersetzungen herauszusuchen.). Einige werden wahrscheinlich noch übersetzt.

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)


TV-Tipp für den 20. Juni: Der Manchurian Kandidat

Juni 20, 2009

Pro 7, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Wiederholung: Sonntag, 21. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Manchurian Kandidat“

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juni 19, 2009

Welche Krimi-Verfilmungen laufen die nächsten vierzehn Tage im TV? Wie sehen die Buchcovers und Filmplakate zu den Filmen auf? Fragen, die in den von Alligator-Alfred wunderschön bibilderten, von mir geschriebenen TV-Krimi-Buch-Tipps, die hier in ganzer Länge studiert werden können, beantwortet werden. Unter anderem gibt’s:

Traditionell werden die Sommermonate zum Abspielen lange nicht mehr gezeigter SW-Filme genutzt und nicht nur „King Kong und die weiße Frau“ ist immer wieder einen Blick wert. Die anderen sehenswerten Filme (meistens Wiederholungen) sind Jonathan Demmes Richard-Condon-Verfilmung „Der Manchurian Kandidat“, Lars Beckers „Einsatz in Hamburg: Bei Liebe Mord“ (nur Regie, aber trotzdem gut), Gilles Grangiers André-Gillois-Verfilmung „Tatort Paris“ (mit Lino Ventura), Herni Verneuils Claude-Veillot-Verfilmung „100.000 Dollar in der Sonne“ (mit Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Alvin Rakoffs James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“, Gordon Parks Ernest-Tidyman-Verfilmung „Shaft“, Franklin J. Schaffners Henri-Charrière-Verfilmung „Papillon“, Dennis Hoppers Charles-Williams-Verfilmung „The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer“, einige Sherlock-Holmes-Filme mit dem Team Rathbone/Bruce und George Gently ermittelt weiter in den Sechzigern.
Die TV-Premiere der nächsten Tage ist Shane Blacks „Kiss Kiss Bang Ban
g“.


Neu im Kino: State of Play

Juni 19, 2009

State of Play – Stand der Dinge (State of Play, USA/GB 2009)

Regie: Kevin Macdonald

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)

In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.

Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten sich an die Arbeit und jetzt können wir den hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller im Kino genießen.

Eigentlich perfekte Unterhaltung, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.

Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.

Die Kritiker (vulgo Journalisten) sind begeistert.

mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Batemenan, Jeff Daniels

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „State of Play“

Tony Macklin vergleicht Original und Kopie (und hält das Original für etwas besser)

FreeVideoload: „State of Play – Mord auf Seite 1“ (Yeah, die BBC-Serie kann kostenlos angesehen werden)

Kriminalakte über die TV-Serie „Mord auf Seite 1″ (State of Play)


TV-Tipp für den 19. Juni: Hannah und ihre Schwestern

Juni 19, 2009

3sat, 22.25

Hannah und ihre Schwestern (USA 1986, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Zum Abschluss der kleinen 3sat-Reihe gibt es einen mit Preisen und Nominierungen überschütteten Woody-Allen-Film: Oscars gab’s für das Drehbuch, Michael Caine und Diane Wiest, einen Golden Globe für die beste Komödie, BAFTAs für Regie und Drehbuch und den Preis der WGA für das beste Drehbuch. Oh, und an der Kinokasse war er auch erfolgreich.

Die Story ist die Woody-Allen-Version von „Short Cuts“, denn Allen erzählt über einen Zeitraum von zwei Jahren von Hannah, ihren Schwestern und ihren Männern. Mal komisch, mal tragisch und immer kurzweilig, denn der Erzähler des Films ist der von Allen gespielte Stadtneurotiker und Fernsehautor Mickey Rose, der mit Hannah verheiratet war und sich nach der Scheidung in Hannahs Schwester Holly verliebt.

mit Woody Allen, Barbara Hershey, Mia Farrow, Dianne Wiest, Michael Caine, Maureen O’Sullivan, Lloyd Nolan (letzte Rolle), Max von Sydow, Carrie Fisher, J. T. Walsh, John Turturro, Richard Jenkins

Hinweise

3sat über die Woody-Allen-Reihe

Wikipedia über Woody Allen

Woody Allen in der Kriminalakte


Crime in Comics: „Criminal“ und „100 Bullets“

Juni 18, 2009

In den neuen Bänden der erfolgreichen Serien „Criminal“ und „100 Bullets“ setzen die Teams Ed Brubaker/Sean Phillips und Brian Azzarello/Eduardo Risso ihre sehr überzeugende Interpretation von Noir für das neue Jahrtausend fort und gerade bei der „100 Bullets“-Serie empfehle ich die chronologische Lektüre.

Criminal“ blickt zurück

Brubaker - Criminal 3 - Grabgesang

In den ersten beiden „Criminal“-Bänden „Feigling“ und „Blutsbande“ erzählten Texter Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips jeweils eine in der Gegenwart spielende Verbrechergeschichte. Im dritten „Criminal“-Band „Grabgesang“ gehen Brubaker und Phillips mit drei nur sehr lose miteinander zusammenhängenden Geschichten zurück in die sechziger und frühen siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und sie erzählen Teile der Vorgeschichte der bereits bekannten „Criminal“-Welt.

Eine zweite Chance in der Hölle“ beginnt 1954 auf einem einsamem Feld während einer sternenklaren Nacht. Damals sollte Clevon Brown, der Vater des Erzählers dieser Geschichte, Walter Hyde umbringen. Er war ein Killer für das Syndikat – und Afroamerikaner. Hyde entwirft eine Zukunftsvision für sie als Beherrscher der Stadt und in den kommenden Wochen erschießen sie die alten Gangsterbosse. Deren Söhne, Jake ‚Gnarly‘ Brown und Sebastian Hyde wachsen gemeinsam auf und 1972 versucht Sebastian in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Jake hat dagegen eine Karriere als Boxer vor sich. Doch da begegnet er wieder Danica Briggs und er will eine alte Schuld bei ihr abbezahlen.

Ebenfalls 1972 spielt „Ein Wolf unter Wölfen“. Teeg Lawless versucht nach seiner Rückkehr aus dem Krieg wieder Fuß zu fassen. Aber das ist nicht so einfach. Denn die Erinnerungen und Schulden, die er mit Überfällen abbezahlen will, quälen ihn.

Und warum Danica Briggs in den Sechzigern die Stadt verließ und was sie vor ihrer Rückkehr 1972 erlebte, wird in der dritten Geschichte „Das Weibchen der Art“ erzählt.

Weil sie in allen drei Geschichten auftaucht und für jede Geschichte wichtig ist (auch wenn sie nicht unbedingt der zentrale Charakter ist), ist ihr Leben die Verbindung zwischen den im dritten „Criminal“-Band versammelten Geschichten, die in wenigen Sätzen und Panels die damalige Zeit wieder aufleben lassen. Es ist die aus Richard Starks Parker-Romanen und Gangsterfilmen, wie „Point Blank“ und „Der Tod eines Killers“, bekannte harte Gangsterwelt.

100 Bullets“ für die Rache

Azzarello - Risso - 100 Bullets 4Azzarello - Risso - 100 Bullets 5

Während die Welt von „Criminal“ keine fantastischen Elemente hat, ist das bei der auf 100 Comichefte angelegten „100 Bullets“-Saga von Texter Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso anders. Denn natürlich ist die Prämisse, dass ein Mann kommt und einem 100 Kugeln, die nicht zurückverfolgt werden können, und die Beweise für ein ungesühntes Verbrechen aushändigt, purer Unfug. Das sich langsam in den Heften und heftübergreifenden Geschichten entspinnende Duell zwischen Agent Graves, den Minutemen und der Trust ist, wenn es als große Verschwörungsgeschichte mit quasi übernatürlichen Elementen gelesen wird, ebenfalls Unfug. Aber wenn wir uns daran erinnern, dass die USA seit ihrer Gründung abwechselnd von zwei Parteien regiert wird und die politische und wirtschaftliche Elite sich seit vielen Jahrzehnten (hm, Jahrhunderten?) aus einer sehr überschaubaren Zahl von Familien rekrutiert, dann hat die Welt von „100 Bullets“ auch ihre unübersehbaren Bezüge zur Realität.

Jetzt sind die vierte und fünfte Sammlung von „100 Bullets“-Heften auf Deutsch erschienen. Im August geht es mit dem zehnten Band „Dekadent“ (von insgesamt dreizehn Bänden; also auch wir erfahren demnächst, wie das Epos endet) weiter.

Im vierten Band „Abservierte leben länger“ wird in mehreren Geschichten viel über die Hintergründe der „100 Bullets“-Welt erzählt. Einige Abschweifungen, die manchmal ein ganzes Heft füllen, werden sicher in einem späteren Heft wieder aufgegriffen. Denn in den Noir-Geschichten von Brian Azzarello und Eduardo Risso gibt es keine unwichtigen Details. So wird die Geschichte des in „Götterdämmerung“ in einem Krankenhausbett liegendem bandagierten, namenlosen Mann später in dem Mehrteiler „Du sollst nicht töten“ (gesammelt im fünften „100 Bullets“-Band) erzählt.

Götterdämmerung“ ist in dem Sammelband „Abservierte leben länger“ eine der drei jeweils nur ein Heft umfassende Geschichten. In dieser Geschichte trifft Agent Graves in einem Krankenhaus einen älteren Mann, der in den frühen Sechzigern von Graves einen Koffer mit 100 Kugeln erhielt. Damals gab er dem bekannten Baseballer die Beweise für den Mord an seiner Frau und er war einer der drei Schützen am 22. November 1963 (Na, klingelt’s?).

Eine Art Einführung in den „100 Bullets“-Kosmos kann die in Frankreich spielende Geschichte „Mr. Branch und der Familienstammbaum“ bieten. Sie bietet vor allem mehreren Gastzeichnern die Möglichkeit, eine Seite für die Serie zu zeichnen.

Ebenfalls eine Art Einführung in den „100 Bullets“-Kosmos bietet „Imitator“. Während Mr. Shepherd und Trust-Thronfolger Benito Medici sich auf einer Parkbank über Agent Graves unterhalten, läuft gleichzeitig ein gewöhnlicher Drogendeal mit einer gemeinen Schlusspointe ab.

In „Red Prince Blues“ treffen wir die führenden Trust-Köpfe Megan Dietrich und Benito Medici in der Spielerstadt Atlantic City vor einem Treffen der Trust. Benito verbringt die meiste Zeit am Spieltisch und trifft dort auf den Spieler Hank Kowalski. Der ist inzwischen so hoch verschuldet, dass ihm alles egal ist. Und die überlebenden Minutemen sind auch in der Stadt.

Egoshooter“ erzählt die Geschichte von Jack, der als Drogenwrack in einer Abbruchbude haust. Aber er war nicht immer ein Junkie und er besitzt einen Koffer von Mr. Graves.

Und „!Contrabandolero!“ erzählt, mit einigen aus den vorherigen Heften vertrauten Charakteren, eine Schmuggelgeschichte aus dem Niemandsland zwischen Mexiko und den USA.

In den meisten Geschichten des vierten „100 Bullets“-Bandes wird, mehr oder weniger offensichtlich, die Geschichte des Trust und des Kampfes zwischen dem Trust und Agent Graves und den überlebenden Minutemen fortgeführt. Das macht natürlich mehr Spaß, wenn man die vorherigen Bände gelesen hat.

Der fünfte 100 Bullets“-Band „Du sollst nicht töten“ ist dagegen, wieder einmal, eine davon fast unabhängige Geschichte, die deshalb auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände gelesen werden kann.

Nach einem Unfall läuft L.A.-Privatdetektiv Milo Garret mit einem bandagierten Gesicht durch die Welt. Schon im Krankenhaus hat ihn Agent Graves ihm gesagt, dass der Unfall eine Botschaft war und Garret nicht der Empfänger, sondern der Bote sei. Außerdem hat er ihm einen Koffer mit 100 Kugeln gegeben. Garret beginnt herumzuschnüffeln, denn: „Es war alles da, so offensichtlich, wie meine Nase es mal war, Wer, Wann und Wie. Die Dreierwette. Aber kein Warum. Kein Motiv, Keine Zweierwette. Kein Wunder, dass ich dachte, der geschenkte Gaul hätte falsche Zähne.“

Diese PI-Story ist ein Fest für Hardboiled-Fans, die nicht zum hunderttausendesten Mal ihren Chandler, Hammett oder einen seiner vielen Nachfolger genießen wollen. In „Du sollst nicht Töten“ gelingt dem Team Brian Azzarello/Eduardo Risso wieder einmal die Verbindung von Tradition und Innovation vorzüglich.

Ed Brubaker/Sean Philllips: Criminal 3 – Grabgesang

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2009

104 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Criminal: The Dead and the Dying

Icon, 2008

enthält

Eine zweite Chance in der Hölle (Criminal Vol. 2.1: Second Chance in Hell, Februar 2008)

Ein Wolf unter Wölfen (Criminal Vol. 2.2: A Wolf among Wolves, März 2008 )

Das Weibchen der Art (Criminal Vol . 2.3: Female of the Species, April 2008)

Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets 4 – Abservierte leben länger

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2009

272 Seiten

26,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets Vol 4: A foregone tomorrow

Vertigo/DC Comics, 2002

enthält

100 Bullets, Vol. 20 – 30 (Vertigo/DC Comics 2001/2002)

– The Mimic (Imitator)

– Sell Fish and Out to Sea (Egoshooter, Teil 1 – 2)

– Red Prince Blues (Red Prince Blues, Teil 1 – 3)

– Mr. Branch and the Family Tree (Mr. Branch und der Familienstammbaum)

– Idol Chatter (Götterdämmerung)

– Contrabandolero (!Contrabandolero!, Teil 1 – 3)

Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini 2009

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective

Vertigo/DC Comics, 2002

enthält

100 Bullets, Vol. 31 – 36 (Vertigo/DC Comics 2002)

Hinweise

zu Ed Brubaker/Sean Phillips

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips“ „Criminal 1 – Feigling“ (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Criminal 2 – Blutsbande“ (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons „Point Blank“ (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz“ (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu“ (Sleeper: All false moves, 2004)

zu Brian Azzarello/Eduardo Risso

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

EMF: Interview mit Marcello Frusin (29. Februar 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)


Was denkt der Autor? Die Autorin?

Juni 18, 2009

In unserer Reihe „Fragen Sie den Autor“ beantworten heute

– Joe R. Lansdale

– Laura Lippman

– Katy Munger und

– Alan Dean Foster

einige Fragen.

In dem halbstündigen Interview beim Reading and Writing Podcast spricht Joe R. Lansdale über seine Jugend, seine Arbeit und die Zukunft des Buchmarktes.

Laura Lippman nimmt sich für die Bat Segundo Show eine ganze Stunde Zeit und spricht über

satire and gentle fun, shaking the “serious is better” notion, Thomas Pynchon, being true to voice, the problems with the word “ballsy,” writing effrontery, Janet Maslin’s overanalysis of Life Sentences, the value of the red herring, the benefits of found opportunities, the problems with plans, Portnoy’s Complaint, creating deflections for the reader, the Oz books and the Nome King, Philip Roth’s Zuckerman, overworking sentences, the joys of dashes, Emily Dickinson, smarmy memoirs, reading the entire book aloud at 40 pages per day, writing a book a year, following instructions, William Gibson, editing as “deboning a fish,” Lippman’s work ethic as a saving grace, racist perceptions, generalizations, and the older generation in Baltimore, the fallibility of memory, the purpose of memoir, Ann Patchett’s Truth and Beauty, making stuff up, basing a novel on true crime, the ethics of taking from real-life stories, responding to email, investigative journalism and amateurism, faking it, and losing sight of the victims over the course of fiction or investigation.

Katy Munger (die Casey-Jones-Serie) verrät Sarah Weinman, warum sie nach der langen Pause ihr neues Buch „Desolate Angel“ als Chaz McGee veröffentlicht:

I think the biggest reas on is I use pen names is that I have always been very sensitive (perhaps overly sensitive) to the covenant between author and reader when it comes to a series. You promise them certain characters, a certain tone, a certain outlook on life. And all three of my series are as different from one another as they could be! I just wanted readers to know that. Beyond that, I’m thinking this is probably a symptom of the way I tend to compartmentalize my life, certain friends in one corner, other friends in another, the different hats I wear. Maybe I just like re-inventing myself and not being typecast. Or maybe I’m just a pain in the ass. (Let’s not take a vote on that.)

Alan Dean Foster spricht bei Book Spot Central über seinen neuen Flinx-Roman (die erscheinen bei Bastei-Lübbe) und über seinen jüngsten Filmroman „Terminator: Salvation“ (Terminator: Die Erlösung):

I was asked to do the novelization less than a year before the film came out. This is fairly typical of studios and production teams, who don’t seem to realize that publishers like to have a year or so between the time a book is finished and they can put it out in stores. It drives publishers nuts, as you can imagine. It generally takes me about a month to do a novelization, though I have done some in as little as two weeks. And I agreed to do it because…writing is what I do. I like to think that, as a professional, I can make a decent book out of anything. Good scripts are easy to adapt. Bad ones are a challenge.


Stoker-Preis 2009 vergeben

Juni 17, 2009

Die Horror Writer’s Association hat bereits am Wochende die Stoker-Preise verliehen. Die glücklichen Gewinner sind:

NOVEL

DUMA KEY (Wahn) von Stephen King

FIRST NOVEL

THE GENTLING BOX von Lisa Mannetti

LONG FICTON

MIRANDA von John R. Little

SHORT FICTION

„The Lost“ von Sarah Langan

FICTION COLLECTION

JUST AFTER SUNSET von Stephen King

ANTHOLOGY

UNSPEAKABLE HORROR herausgegeben von Vince A. Liaguno und Chad Helder

NONFICTION

A HALLOWE’EN ANTHOLOGY von Lisa Morton

POETRY COLLECTION

THE NIGHTMARE COLLECTION von Bruce Boston


TV-Tipp für den 18. Juni: Zelig

Juni 17, 2009

3sat, 22.25

Zelig (USA 1983, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Leonard Zelig ist ein weltbekanntes Phänomen. Denn, wie ein Chamäleon passt er sich seiner Umgebung an. Dieser Film dokumentiert mit Fotos, Wochenschauausschnitten und Statements bekannter Personen sein Leben von den späten Zwanzigern bis zur Gegenwart.

Eine gigantische Pseudodokumentation, eine perfekte Konfusion von Dokumentation und Fiktion mit der Absicht, es möge im Kino niemand mehr von einem nicht manipulierten, unverstellten Bild von einer wirklichen Sache sprechen. ‚Zelig‘ ist auch eine große Filmkomödie.“ (Fischer Film Almanach 1984)

Tja, danach gab’s „Forrest Gump“ und „Borat“.

mit Woody Allen, Mia Farrow, John Buckwalter, George Hamlin, Susan Sontag (als sie selbst), Irving Howe (dito), Saul Bellow (dito)

Hinweise

3sat über die Woody-Allen-Reihe

Wikipedia über Woody Allen

Woody Allen in der Kriminalakte


R. i. P. Charlie Mariano

Juni 17, 2009

R. i. P. Charlie Mariano (12. November 1923 – 16. Juni 2009)

Saxophonist Charlie Mariano war, wie der Untertitel des sehr liebevollen Buches von Lothar Lewien über ihn lautet, ein „Wanderer zwischen den Welten“. Als Kind italienischer Einwanderer wurde er 1923 in Boston geboren. Später hielt er sich längere Zeit in Asien und Südindien auf. Der Jazzer studierte intensiv die dortige Musik. Er pendelte lange zwischen den USA und Europa und lebte die letzten neunzehn Jahre in Köln. Er nahm zahlreiche Platten unter eigenem Namen und mit Nat Pierce, Stan Kenton Orchestra, Herb Ellis, Shelly Manne, Quincy Jones, Charles Mingus, McCoy Tyner, Embryo, Sigi Busch, Pork Pie, Philip Catherine, Eberhard Weber, Rolf Kühn, Jasper van’t Hof, Volker Kriegel,OM, Rabih Abou-Khalil, Dieter Ilg, Kenny Wheeler, Peter Herbolzheimer und natürlich dem United Jazz + Rock Ensemble auf.

Aber auch Nicht-Jazzfans kennen ihn von seinen Aufnahmen mit Konstantin Wecker (vor allem in den Achtzigern) und Herbert Grönemeyer. Mariano spielte das Saxophon bei „Bochum“ und „Alkohol“.

Nachrufe gibt es im Moment in der Zeit, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel und auf der umfangreichen Charlie-Mariano-Fanseite.

Einen Überblick über Leben und Werk gibt es bei Wikipedia.


Kleinkram: Jörg Fauser wird 65; Jan Costin Wagners „Das Schweigen“ wird verfilmt; Jürgen Roth wird befragt; „Der gläserne Schlüssel“ wird…

Juni 17, 2009

Wer am kommenden Montag noch nichts geplant hat, in Berlin wohnt und zu den Jörg-Fauser-Fans gehört, sollte in die Volksbühne gehen. Denn der Alexander-Verlag (Herausgeber der Fauser-Werkausgabe) hat eine kleine Party organisiert:

JOERG FAUSER ZUM 65. – »Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller«

Franz Dobler, Jürgen Kuttner und Inka Löwendorf lesen Texte von Jörg Fauser, Steve Binetti macht dazu passende Musik und im Anschluss an die Lesung wird wieder einmal der gelungene Dokumentarfilm »Rohstoff – Der Schriftsteller Jörg Fauser« (ZDF/3sat, D 2006) vom Berliner Filmemacher Christoph Rüter gezeigt.

Hier noch einmal die Daten:

Montag, 22. Juni 2009

20.00 Uhr

Volksbühne im Prater

Kastanienallee 7-9 (10435 Berlin)

Eintritt 8 Euro (ermäßigt 6 Euro)

Kartenreservierung unter: 030 – 24 065 777

Jan Costin Wagner dürfte sich freuen. Denn die Dreharbeiten für „Das Schweigen“ haben gestern begonnen. Es ist die Verfilmung seines mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten, zweiten Kommissar-Kimmo-Joenta-Romans „Das Schweigen“ (2007, die Taschenbuchausgabe ist gerade bei Goldmann erschienen). Allerdings wurde die Handlung und der Handlungsort, wie ein Blick in die Pressemitteilung zeigt, etwas geändert:

Fünf Tage im Sommer 2009, irgendwo am Rand einer deutschen Stadt. Die Hitze liegt wie eine Glasglocke über den idyllischen Einfamilienhäusern, doch hinter den Türen zerbricht die heile Welt. Die 13-jährige Sinikka verschwindet an der gleichen Stelle, an der bereits vor 23 Jahren ein junges Mädchen ermordet wurde. Für die Eltern von Sinikka beginnt das verzweifelte Warten, für die Mutter der damals ermordeten Pia kommt die Vergangenheit wieder hoch. Das Leben ist plötzlich zerbrechlich und unberechenbar – auch für die beiden damaligen Täter und die Ermittler.

DAS SCHWEIGEN ist ein hochspannendes Drama um Schuld und Sühne, das sich unaufhaltsam den brüchigen Seelenzuständen seiner Figuren nähert. Die moralischen Abgründe inmitten der scheinbar so geordneten Kleinstadtidylle erschüttern die Gesellschaft und lassen tiefe Wunden abgrundtiefer Verzweiflung zurück.

Die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von Jan Costin Wagner ist hochkarätig besetzt mit Sebastian Blomberg (Kriminalkommissar David Jahn), Wotan Wilke Möhring (Architekt Timo Friedrich), Katrin Sass (Mutter der vor 23 Jahren verschwundenen Pia), Burghart Klaußner (Kriminalkommissar in Rente), Karoline Eichhorn und Roeland Wiesnekker (Eltern von Sinikka) und Ulrich Thomsen (Peer Sommer) u.v.a.

DAS SCHWEIGEN ist eine Produktion der cine plus Filmproduktion GmbH in Koproduktion mit luethje&schneider Film. Produzenten sind Frank Evers und Jörg Schulze (cine plus) und Maren Lüthje und Florian Schneider (luethje&schneider Film). Baran bo Odar schrieb das Buch und führt Regie. Regie-Nachwuchstalent Baran bo Odar, Absolvent der HFF München, sammelte erste Erfahrungen bei Doris Dörries Kinofilm „Nackt“ und wurde für sein fulminantes Debüt „Unter der Sonne“ u.a. mit dem Studio Hamburg Nachwuchspreis für „Beste Regie“ ausgezeichnet. Für die Kamera ist Nikolaus Summerer verantwortlich, der mit „Unter der Sonne“ für den Deutschen Kamerapreis nominiert war.

DAS SCHWEIGEN ist gefördert von FFF FilmFernsehFond Bayern, der Mitteldeutschen Medienförderung, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA und dem DFFF in Zusammenarbeit mit ZDF und ARTE.

DAS SCHWEIGEN basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Costin Wagner (2007, Eichborn Verlag), der 2008 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, und wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 im Verleih der NFP marketing & distribution* im Kino starten.

Sehr sympathisch ist, dass es bereits jetzt eine Homepage (mit einem Statement von Jan Costin Wagner) gibt und parallel zum Dreh ein Filmtagebuch (Könnt ihr den Namen des Schreibers veröffentlichen?) entstehen soll.

Bei Planet-Interview beantwortet OK-Experte Jürgen Roth einige Fragen über die Mafia und Ostdeutschland.

Der Noir of the Week ist „Der gläserne Schlüssel“ (The Glass Key, USA 1942). Regie führte Stuart Heisler, das Drehbuch schrieb Jonathan Latimer und die Vorlage stammt (natürlich) von Dashiell Hammett. Alan Ladd und Veronica Lake hatten die Hauptrollen und William Bendix läuft auch durchs Bild.

Ahh, den Film würde ich gerne wieder sehen.


TV-Tipp für den 17. Juni: Schatten und Nebel

Juni 17, 2009

3sat, 22.25

Schatten und Nebel (USA 1991, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Es könnte sein, dass „Schatten und Nebel“ heute zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt wird. Jedenfalls ist er in diesem Jahrzehnt noch nicht gezeigt worden.

Schatten und Nebel“ ist eine weitere Liebeserklärung von Woody Allen an den Kriminalfilm, vor allem den Noir, und den deutschen Expressionismus. Das beginnt schon bei der Story (In einer Stadt geht ein Würger um. Eine Bürgerwehr hält den Buchhalter Max Kleinman für den Serienmörder und verfolgt ihn in der Nacht durch die nebligen Straßen.) geht über zahlreiche Zitate im Film und die Verwendung der Musik von Kurt Weill bis hin zum Dreh in Schwarzweiß.

Ein zutiefst philosophischer und überaus unterhaltsamer Film und ein Meisterwerk.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Um den Film zu genießen, muss man entweder gebildet oder unvoreingenommen sein.“ (Stephan Reimertz: Woody Allen – Eine Biographie, 2000)

mit Woody Allen, Mia Farrow, Kathy Bates, Madonna, John Malkovich, Donald Pleasence, Lily Tomlin, John Cusack, Kate Nelligan, Kurtwood Smith, Robert Joy, William H. Macy (Aufpassen, sind teilweise sehr kleine Nebenrollen)

Hinweise

3sat über die Woody-Allen-Filmreihe

Woody Allen in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juni 16, 2009

Stout - And be a Villain


TV-Tipp für den 16. Juni: Im Bann des Jade Skorpions/Anything Else

Juni 16, 2009

3sat, 20.15

Im Bann des Jade Skorpions (USA 2001, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

New York, Vierziger Jahre: Woody Allen spielt einen Versicherungsdetektiv, der sich in seine Chefin verliebt. Sie möchte ihn am liebsten feuern. Eines Abends hypnotisiert ein Magier die beiden. Sie werden ein leidenschaftliches Liebespaar und Juwelendiebe. Am nächsten Tag muss Woody den Diebstahl aufklären.

Im Bann des Jade Skorpions ist ein weiterer Ausflug von Woody Allen in das Krimigenre. Für diese Komödie standen vor allem die Schwarze Serie und die Screwball-Comedy Pate.

Der Film ist der Auftakt einer kleinen Woody-Allen-Reihe. Die nächsten Filme sind „Anything Else“ (23.00 Uhr), „Schatten und Nebel“ (Mittwoch, 22.25 Uhr), „Zelig“ (Donnerstag, 22.25 Uhr) und „Hannah und ihre Schwestern“ (Freitag, 22.25 Uhr).

Mit Woody Allen, Helen Hunt, Dan Aykroyd, Wallace Shawn, David Ogden Stiers, Charlize Theron, Elizabeth Berkley

3sat, 23.00

Anything Else (USA/F/NL/GB 2003, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Über die Handlung muss eigentlich nichts gesagt werden. Woody Allen spielt einen erfolglosen Comedy-Autor, der einen jüngeren Comedy-Autor gute Ratschläge gibt. Denn dieser – jüdisch und voller Selbstzweifel (klingt nach Woody vor dreißig Jahren) – hat einen erfolglosen, aber wortgewaltigen Manager, einen Psychiater und eine launische Freundin, die gerade nicht mit ihm schlafen will, dafür ihre Mutter in der viel zu kleinen Wohnung einquartiert.

Also nichts Neues in Allen-Land. Und das ist gut so.

Außer dass die Witze in seinem ersten Film nach 9/11 eine Spur bissiger und auch verzweifelter sind.

Mit Woody Allen, Jason Biggs, Christina Ricci, Danny DeVito, Stockard Channing

Hinweise

3sat über die Woody-Allen-Reihe

Wikipedia über Woody Allen

Woody Allen in der Kriminalakte


Kleinkram: James Ellroy, Colin Harrison und Jerome Charyn reden; Charlie Huston und Stuart MacBride schreiben; Pelham 123: Original oder Remake?; Level 26

Juni 15, 2009

Sarah Weinmann unterhält sich mit Colin Harrison und James Ellroy.

Ist zwar ein etwas seltsames Gespräch, weil sie die Beiden abwechselnd fragt/fragen muss. Aber Ellroy ist schon eine Type – und das halbstündige Video wird nur kurze Zeit kostenlos online sein.

Dieses Problem gibt es bei diesem Clip nicht. James Ellroy erzählt The Bat Segundo Show von seiner Facebook-Seite:

Jerome Charyn erzählt…

Ebenfalls sehenswert!

Charlie Huston meldet: der letzte Joe-Pitt-Roman ist geschrieben und er sagt, an welchen Projekten er im Moment arbeitet.

Stuart MacBride denkt über die Vor- und Nachteile eines Seriencharakters nach.

Bei Slashfilm vergleicht David Chen die alte und die neue Version von „The Taking of Pelham 123“. Nach seiner Meinung ist das Original besser

Level 26: Wer möchte, kann sich für die erste Lieferung von Anthony E. Zuikers („C. S. I.“-Franchise) neuem Projekt „Level 26“ eintragen. Es ist „the first ever interactive digi-novel“. Mal sehen/hören/lesen, wie es ist. Denn erst ab dem 23. Juli geht’s wirklich los.


Die Shortlist für den Nero Award 2009

Juni 15, 2009

The Wolfe Pack hat die Shortlist für den diesjährigen, nach Nero Wolfe (Na, das habt ihr auch von alleine kombiniert) benannten Nero Award bekannt gegeben:

The Dark Tide (Treu und Glauben), von Andrew Gross

The Tenth Case, von Jospeh Teller

The Fault Tree, von Louise Ure

Der Preis wird am ersten Samstag im Dezember (2009 wäre das der 5. Dezember) beim Black Orchid Banquet (hätten wir uns fast gedacht) in New York City (Wo sonst? Nero Wolfe verlässt ja nur höchst ungern seine Wohnung.) verliehen.

Andrew Gross kommt aus der James-Patterson-Schule und „Treu und Glauben“ ist auch eines der für den diesjährigen Thriller-Award nominierten Werke.

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)


Gelungenes Debüt vom „Kap der Finsternis“

Juni 15, 2009

Smith - Kap der Finsternis

Wenn ein Mann unter falschem Namen in Kapstadt lebt und er bereits auf den ersten Seiten vor seiner Frau und dem vierjährigem Sohn während des Abendessens zwei Kleinkriminelle umbringt, dann ist die Marschrichtung für die kommenden 350 Seiten vorgegeben. Denn Roger Smith hat mit seinem Debüt „Kap der Finsternis“ keinen Heile-Welt-Krimi, sondern einen Noir geschrieben.

Zu den Spielregeln des Genres gehört, dass Jack Burn sich nicht an die Polizei wendet, sondern die Leichen auf einer Müllkippe entsorgt. Zwei tote Verbrecher mehr fallen in der Millionenstadt mit der hohen Mordrate nicht weiter auf, denkt er sich. Aber die beiden Verbrecher haben für den fetten, stinkenden, korrupten, mordlüsternen Inspector Rudi „Gatsby“ Barnard (der deutlich an den von Orson Welles in „Im Zeichen des Bösen“ verkörperten Polizeichef Quinlan erinnert) gearbeitet. Und im Nachbarhaus hat der entstellte Nachtwächter Benny Mongrel die Tat beobachtet. Mongrel ist ein harter Hund, der nach seinem letzten Knastaufenthalt und einer Gangvergangenheit, ein ehrliches Leben beginnen will. Zunächst beobachtet er unbeteiligt die Ereignisse im Nachbarhaus. Immerhin gehörten die beiden Toten zu einer verfeindeten Gang.

Wie sich mit diesem Trio auf den folgenden Seiten die Geschichte entwickelt, ist natürlich ziemlich vorhersehbar. Dabei wird sie öfters von Zufällen und weniger vom zielgerichteten Agieren der einzelnen Charaktere vorangetrieben. Das beginnt schon damit, dass die toten Gangster zufällig bei Burn hereinstolperten (aber irgendwie muss die Geschichte ja beginnen), dass die Leichen schnell entdeckt werden, dass Inspector Barnard von einem jugendlichen Zeugen zu ihnen geführt wird, er ihn umbringt und auch diese Leiche verdächtig schnell entdeckt wird, dass Barnard ziemlich schnell weiß, wer der Täter ist, dass gerade jetzt ein unbestechlicher Korruptionsermittler gegen ihn ermittelt, undsoweiter.

Dafür zeichnet Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Roger Smith ein eindrucksvolles Bild der unschönen Seiten seiner Heimat. Da ist ein Polizist noch der unumschränkte Herrscher in seinem Revier, der nach eigenem Gutdünken Menschen umbringt. Es gibt kaum kontrollierte Jugendgangs und wenn Arm/Schwarz und Reich/Weiß in „Kap der Angst“ aufeinandertreffen, fließt Blut.

Smith wechselt souverän zwischen den verschiedenen Handlungen und treibt sie elliptisch auf die letzte tödliche Konfrontation zu. Der Showdown in den Flats erinnert dann an die letzten Minuten von „Training Day“.

Insgesamt ist „Kap der Finsternis“ von Roger Smith ein gelungenes Noir-Debüt, das neugierig auf sein nächstes Werk macht.

Inzwischen sind die Filmrechte verkauft. Kelly Masterson (Before the Devil knows you’re dead) soll das Drehbuch schreiben und Samuel L. Jackson den Korruptionsermittler Disaster Zondi spielen.

Rogers Smiths zweiter Roman „Wake up dead“ erscheint in den ersten Tagen des kommenden Jahres.

Roger Smith: Kap der Finsternis

(übersetzt von Jürgen Bürger und Peter Torberg)

Tropen, 2009

368 Seiten

21,90 Euro

Originalausgabe

Mixed Blood

Henry Hold and Company, 2009

Hinweise

Homepage von Roger Smith

The Big Thrill: Interview mit Roger Smith

Crime Beat: Roger Smith verrät seine zehn Lieblingskrimis (feine Liste, auch wenn, nein, weil ich die meisten Werke schon gelesen habe)

Crime Beat: Interview mit Roger Smith

Roger Smith erzählt die Backstory zu „Kap der Finsternis“

Page-69-Test von „Mixed Blood“


Raymond Chandler, Filmschauspieler

Juni 15, 2009

Während Martin Compart über „Raymond Chandler in Hollywood“ schreibt, hat Woody Haut die Bilder von Raymond Chandlers erst jetzt entdecktem Auftritt in „Frau ohne Gewissen“ (Double Indemnity) veröffentlicht. Chandler schrieb zusammen mit Regisseur Billy Wilder das Drehbuch für diese James-M.-Cain-Verfilmung.


TV-Tipp für den 15. Juni: Cop Land

Juni 15, 2009

Kabel 1, 20.15

Cop Land (USA 1997, R.: James Mangold)

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und dreht mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).

James Mangold erfreute uns zuletzt mit der Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“ (3:10 to Yuma).

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich

Hinweise

Wikipedia über „Cop Land“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Cop Land“


TV-Tipp für den 14. Juni: Der Körper meines Feindes

Juni 14, 2009

Das Vierte, 22.00

Der Körper meines Feindes (F 1976, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Michel Audiard, Félicien Marceau, Henri Verneuil

LV: Félicien Marceau: Le Corps de mon ennemi, 1975

Leclerq saß sieben Jahre unschuldig im Knast. Jetzt kehrt er in sein stinkkorruptes Heimatstädtchen zurück und will sich rächen.

Ein Belmondo ohne Action und einer rückblendenlastigen Erzählstruktur. Das war damals eine Ausnahme im Belmondoschen Ouevre. Daher ist „Der Körper meines Feindes“ vor allem etwas für die Freunde des gut abgehangenen französischen Polit-Thrillers.

Mit Jean-Paul Belmondo, Bernard Blier, Marie-France Pisier