Meine Daten gehören Deaver

Juni 13, 2009

Deaver - Der TäuscherDeaver - Lautloses Duell

Beweise lügen nicht“, sagt Gil Grissom in „C. S. I.“ immer wieder seinen Mitarbeitern. Der von Jeffery Deaver erfundene, nach einem Unfall ans Bett gefesselte geniale Ermittler Lincoln Rhyme würde ihm sofort zustimmen. Aber in „Der Täuscher“ ist sein Cousin Arthur Rhyme, den er seit Jahren nicht mehr gesprochen hat, angeklagt einen Mord begangen zu haben. Rhyme sieht sich die erdrückenden Beweise an. Nach seiner Meinung sind sie zu gut, um wahr zu sein. Er glaubt, dass sie gefälscht wurden und zusammen mit Amelia Sachs beginnt er nach ähnlichen Fällen zu suchen. Sie werden fündig. Ihre Ermittlungen führen sie letztendlich zu Strategic Systems Datacorp. SSD sammelt Daten aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich Kundendaten von Unternehmen, verknüpft sie zu Kundenprofilen und verkauft diese vor allem an Firmen, die dann die Kunden zielgenau ansprechen können. SSD-Chef Andrew Sterling ist für einen Kriminalroman verdächtig hilfsbereit und, aufgrund der Zugangscodes können sie den Kreis der Tatverdächtigen auf sieben Mitarbeiter eingrenzen.

Selbstverständlich erfährt der Mörder von Rhymes Ermittlungen und er beginnt zurückzuschlagen.

Bereits vor gut zehn Jahren beschäftigte Jeffery Deaver sich mit den Gefahren des Computers. In „Lautloses Duell“ wird Lara Gibson in Silicon Valley ermordet. Der ermittelnde Detective Anderson glaubt, dass der Täter sich die Informationen über Gibson irgendwie über ihren Computer besorgte. Er spannt den genialen Hacker Wyatt Gilette, der gerade eine Haftstrafe verbüßt, in die Ermittlungen ein. Dank Gilette finden sie heraus, dass der Mörder in Silicon Valley in der Realität ein Computerspiel spielt, sich im Netz Phate nennt, und jetzt unter falscher Identität im Valley lebt. Als er Anderson ermordet und die ermittelnden Beamten herausfinden, dass Gilette und Phate sich von früher kennen und ein Insider Phate mit Informationen versorgt, flüchtet Gilette.

Jeffery Deaver liefert im achten Lincoln-Rhyme-Roman „Der Täuscher“ und dem bereits 2001 erschienenen Einzelwerk „Lautloses Duell“ natürlich die bei ihm gewohnte nervenzerfetzende Spannung mit den überraschenden Schlusstwists. In beiden Büchern verfolgt er aber auch ein sehr honoriges Anliegen: er will über die Gefahren der Informationsgesellschaft aufklären. In „Lautloses Duell“ sind es die damals auf öffentlichen und privaten Computern kaum gesicherten persönlichen Daten, anhand derer mühelos komplette Profile erstellt werden können. Heute sind die Daten besser gesichert. Dafür ist Deavers damals doch ziemlich fantastische Idee mittels eines Programms unbemerkt auf einzelne Computer zuzugreifen, heute sehr realistisch. Denn verschiedene Sicherheitsinstitutionen, am prominentesten das BKA, sollen mittels eines Trojaners, der online und ohne das Wissen des Besitzer (und seiner Sicherheitsprogramme) auf einen Computer geschmuggelt werden kann, auf die Daten des PC-Besitzers zugreifen können.

In Diskussionen sagt BKA-Chef Jörg Ziercke, wenn PC-Experten die Funktionsfähigkeit eines Trojaners für polizeiliche Ermittlungen bezweifeln, immer wieder, dass seine Männer gut genug seien, unbemerkt einen Trojaner auf einem PC zu installieren. Wenn das stimmt, dann ist das eine sehr beunruhigende Vision. Denn selbstverständlich wissen dann nicht nur die vom BKA bezahlte Computerexperten, wie es geht.

In „Der Täuscher“ stehen die inzwischen auch in Deutschland immer größer werdenden privaten Datenbanken im Mittelpunkt. Diese werden unter anderem mit Payback-Karten, Online-Bestellungen und Bezahlungen per Kreditkarte weitgehend unkontrolliert von staatlicher Kontrolle gefüttert und aufgrund firmeninterner Verflechtungen können hier schnell aussagekräftige Profile über bestimmte Kunden und Kundengruppen (wie auf einer sehr einfachen Ebene die Buchempfehlungen bei Amazon aufgrund gekaufter und bewerteter Bücher zeigen) erstellt werden.

Gleichzeitig zeigt Deaver, welche Folgen falsche Daten haben. Weil inzwischen immer mehr Kommunikation über Computer erledigt wird, wird diesen Daten oft blind geglaubt. Das kann, wie Deaver in „Der Täuscher“ zeigt, die Existenz eines Menschen vernichten. Die späteren Angriffe des Mörders gegen Rhyme und sein Team wären, falls sie nicht so bekannt wären (Hey, der Held stirbt nicht!), geeignet, ihr gesellschaftliches Leben zu vernichten.

In „Lautloses Duell“ wird am Ende der Glaube des SEK-Teams an die per Computer übermittelten Einsatzbefehle Wyatt Gilette und seiner Familie fast zum Verhängnis. Denn wenn der Schießbefehl korrekt authentifiziert ist, muss er wahr sein.

Die genaue Recherche in der Welt der elektronischen Datenverarbeitung bildet bei Jeffery Deaver den Hintergrund für zwei spannende Thriller voller Überraschungen, falscher Spuren und atemberaubender Wendungen. Während „Lautloses Duell“ sich vor allem auf den Zweikampf zwischen den beiden Hackern konzentriert, gibt es in „Der Täuscher“ noch einen Rätselplot. Denn Rhyme muss herausfinden, wer von den Verdächtigen der Mörder ist.

Deaver warnt in „Lautloses Duell“ und „Der Täuscher“ vor den Gefahren eines allzu sorglosen Umgangs mit Daten im Netz, aber er verfällt nicht in blinden Alarmismus oder Technikfeindschaft. Denn dann müsste der an sein Bett gefesselte Lincoln Rhyme seine Arbeit als Ermittler aufgeben und Wyatt Gilette dem Hackertum abschwören. Aber das werden sie nicht tun.

Jeffery Deaver: Der Täuscher

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2009

544 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

The Broken Window

Simon & Schuster, 2008

Jeffery Deaver: Lautloses Duell

(übersetzt von Gerald Jung)

Goldmann, 2009

512 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The blue nowhere

Simon & Schuster, 2001

Deutsche Erstausgabe

Goldmann, 2002

Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Jeffery Deaver in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)


TV-Tipp für den 13. Juni: Spartan

Juni 12, 2009

RTL, 22.05

Spartan (USA 2004, R.: David Mamet)

Drehbuch: David Mamet

Die Tochter des US-Präsidenten wird entführt. Spezialagent Robert Scott soll sie finden – und der Befehlsempfänger deckt ein Komplott auf.

Wenn David Mamet einen Polit-Thriller schreibt und inszeniert, dann sind einerseits die üblichen Genrestandards enthalten und andererseits, dank guter Schauspieler und Dialoge, auch viel mehr.

Außerdem waren bei den Vorbereitungen und dem Dreh zahlreiche Polizei- und Militärspezialisten dabei. Der bekannteste (und wichtigste) dürfte Eric L. Haney sein, dessen „Inside Delta Force“ auch die Grundidee für die von DAvid Mamet und Shawn Ryan (The Shield) erfundene grandiose Serie „The Unit“ lieferte.

mit Val Kilmer, Derek Luke, William H. Macy, Ed O’Neill, Kristen Bell, Tia Texada, Mark Pellegrino

Wiederholung: Sonntag, 14. Juni, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Drehbuch „Spartan“ von David Mamet

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)


Enttäuschendes Werk von Sebastian Fitzek

Juni 12, 2009

Fitzek - Splitter

Milde Spoilerwarnung: Ich verrate zwar nicht das Ende von „Splitter“, aber ganz ohne Spoiler geht es nicht.

Nachdem ich die vorherigen Romane von Sebastian Fitzek verschlungen habe, ist „Splitter“ eine herbe Enttäuschung. Die Geschichte ist während des Lesens und auch im Rückblick einfach zu unglaubwürdig.

Dabei ist der Anfang Fitzek-typisch verheißungsvoll. Marc Lucas geht zu dem abgeschieden lebenden Professor Niclas Haberland (bekannt aus „Der Seelenbrecher“). Er ist schwer verletzt und zweifelt, ob er wirklich lebt. Der Professor sagt ihm, er sei leider zu spät gekommen, aber er werde ihm jetzt erzählen, warum er in diesem bemitleidenswertem Zustand sei.

Fast die gesamte folgende Erzählung ist dann eine Rückblende. Vor elf Tagen wurde Lucas eingeladen an einem Experiment teilzunehmen. Lucas hat vor sechs Wochen bei einem von ihm verschuldeten Autounfall seine schwangere Frau verloren und er möchte dieses Ereignis gerne vergessen. Forschungsleiter Professor Bleibtreu erklärt ihm, er forsche an gezielten Amnesien und Marc Lucas sei ein geeigneter Teilnehmer.

Lucas zögert noch. Er weiß nicht, ob er wirklich Teile seines Gedächtnisses verlieren will.

Als er in seine Wohnung zurückkehren will, ist das Türschild und das Schloss ausgetauscht und seine totgeglaubte Frau öffnet die Tür. Sie erkennt ihn aber nicht. Lucas ist verunsichert. Er will herausfinden, was los ist und geht zurück zur Klinik. Aber statt vor der Klinik, steht er vor einer Baugrube. Er wird verfolgt. Er zweifelt, ob er nicht wahnsinnig wird. Eine offensichtlich paranoide Frau erzählt ihm etwas von einer Verschwörung.

Klingt spannend? Immerhin ist die Geschichte des Mannes, der glaubt seinen Verstand zu verlieren, ein gut etabliertes Subgenre. Mal wird er wirklich wahnsinnig. Mal erkennt er so die Wirklichkeit. Mal ist es ein Komplott. Am effektivsten wird die Geschichte in der ersten Person erzählt. Dann erleben wir alles aus der Perspektive des Erzählers, der an seinem Verstand zweifelt. Es ist nicht möglich zu unterschieden, ob der Erzähler die objektive oder nur eine subjektive Wahrheit erzählt. Denn wenn der Ich-Erzähler glaubt, dass ein sprechender Hase auf seiner Couch sitzt, dann sitzt dort ein sprechender Hase (und innerhalb der Realität einer Geschichte kann dort wirklich ein sprechender Hase sitzen).

Wenn die Geschichte in der dritten Person erzählt wird, wie Fitzek es tut, dann gibt es auch immer die objektive Perspektive, die uns sagt, dass auf der Couch kein Hase sitzt. Außerdem schreibt Fitzek keine Fantasy- oder Horror-Romane (in denen das Übernatürliche einen festen Platz hat), sondern Thriller.

Durch die gewählte Perspektive ist klar, dass irgendjemand möchte, dass Lucas sein Gedächtnis auf die eine oder anderen Art verliert. Allerdings soll er nicht sterben. Und, das ergibt sich aus der Größe der Verschwörung, muss der Hintermann sehr einflussreich sein und Lucas etwas sehr wichtiges Besitzen.

Jedenfalls müsste natürlich versuchen, herauszufinden, wer ihn warum in den Wahnsinn treiben will. Die meiste Zeit wird er, wie ein Flipperkugel, von dem einen Ende der Stadt zum anderen gestoßen. Bei der ganzen Lauferei erfährt er allerdings nichts, was ihn näher an die Lösung des Rätsels bringt.

Allerdings ist auch unklar, welche Ziele der oder die Bösewichte haben. Alles ist zufällig und willkürlich. Seine Frau ist mal in seiner Wohnung. Dann wieder nicht. Der Schwiegervater verschwindet plötzlich spurlos aus der Wohnung. Jemand hilft ihm, der sich eine Szene später als Bösewicht herausstellt. Und umgekehrt. Krankenpfleger jagen durch die Stadt. Eine Verrückte hilft ihm. Oder ist diese Verrückte gar nicht verrückt, sondern, wie sie behauptet, einem großen Komplott auf der Spur? Das wird von Fitzek genauso konfus erzählt, wie es sich jetzt hier liest.

Denn Lucas agiert in dieser Nacht nicht auf ein Ziel hin. Seine Handlungen sind ein meist intuitives agieren auf plötzlich auftauchende neue Situationen. Wie in einer Geisterbahn wird er passiv (Schreien ist natürlich erlaubt.) durch eine Parcours geführt. Dabei kommt er der Antwort auf die Frage, warum eine Organisation den ganzen Aufwand betreibt, um einen unbedeutenden Sozialarbeiter in den Wahnsinn zu treiben, keinen Schritt näher. Obwohl viel passiert, passiert letztendlich doch nichts.

Gestreckt wird die Geschichte von Lucas durch eine zweite Geschichte. In ihr soll sein gerade aus der Psychiatrie entlassener Bruder Benny, im Auftrag eines Gangsters, einen investigativen Journalisten umbringen und danach sofort aus Berlin verschwinden. Einerseits hat dieser Subplot offensichtlich nichts mit der Hauptgeschichte zu tun. Aber andererseits muss Bennys Geschichte, so die Vermutung beim Lesen, irgendwie mit Lucas‘ Geschichte zusammenhängen. Weil diese Vermutung falsch ist, könnte Bennys Geschichte umstandslos gestrichen werden. Dann würde zwar eine, nie überzeugende, falsche Fährte wegfallen, aber die Geschichte von Lucas würde an Kraft gewinnen und uns würde mindestens eine idiotische Situation (Ich sage nur: Leiche im Badezimmer.) erspart.

Am Ende präsentiert Fitzek zwar eine Erklärung für das Spiel mit der geistigen Gesundheit von Lucas. Eigentlich gibt es sogar zwei Erklärungen. Aber die erste ist nicht logisch. Denn der Bösewicht hätte sein Ziel auch viel einfacher erreichen können. Die zweite Erklärung hat zwar einen netten Aha-Effekt, aber sie verstößt gegen die innere Logik der Geschichte.

Gerade weil Sebastian Fitzek schon bessere Schmöker geschrieben hat, ist „Splitter“ so enttäuschend.

Anmerkung: Die hoffnungslos überfüllte Buchvorstellung im Oskar-Helene-Heim war gewohnt gut. Für die VIPs gab’s Häppchen in der Pathologie (Spätes Mittagessen war eine doofe Idee.), eine Führung durch die Klinik (Schwester Mildred Ratched hätte die Einrichtung gefallen.) und sogar noch einen Sitzplatz (Nein, es war kein reservierter Platz.). Fitzek erzählte locker-flockig von Erlebnissen, die er gerne vergessen würde (Falls er sie nicht erfunden hat. Aber dafür wird ein Autor bezahlt.). Simon Jäger, der Sprecher des Hörbuchs, las einige Passagen aus „Splitter“ vor.

Sebastian Fitzek: Splitter

Droemer, 2009

384 Seiten

16,95 Euro

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)


Kleinkram: „Shutter Island“-Trailer, Pelham-1-2-3-Infos, gute Werbung und zwei Drehbücher (Wolverine, Tropic Thunder)

Juni 12, 2009

Der erste Trailer von Martin Scorseses Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ ist online und er sieht verdammt gut aus:

Bei uns startet der Film am 8. Oktober. Also noch reichlich Zeit, vorher Lehanes Roman zu lesen.

Tony Scotts Verfilmung von John Godeys „The Taking of Pelham One Two Three“  (Die Entführung der U-Bahn 1 2 3) ist in den USA angelaufen und die Kritiker, wie Roger Ebert, sind nicht so begeistert. Ebert schreibt:

There’s not much wrong with Tony Scott’s “The Taking of Pelham 1 2 3,” except that there’s not much really right about it. Nobody gets terrifically worked up, except the special-effects people. (…) The 1974 version took place in a realistic, well-worn New York City. This version occupies a denatured action-movie landscape, with no time for local color and a transit system control room that humbles Mission Control. That also may explain the film’s lack of time to establish the supporting characters, even Travolta’s partners.

Hm, wir wissen’s ab dem 23. Juli.

Und so sieht die erste Verfilmung von Godeys Roman mit Walter Matthau und Robert Shaw als „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3“ aus:

Bei Sex in a Submarine hat William Martell eine köstliche Werbung gepostet.

Und, via Simply Scripts (dort wird auch gepelhamt), gibt’s wieder einige neue Drehbücher zu zwei aktuellen Kinofilmen:

David Benioff, Skip Woods: X-Men Origin: Wolverine (Juni 2006)

Etan Cohen, Ben Stiller, Justin Theroux: Tropic Thunder (5. September 2006)


TV-Tipp für den 12. Juni: Der Falke und der Schneemann

Juni 12, 2009

WDR, 23.15

Der Falke und der Schneemann (USA 1984, R.: John Schlesinger)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Robert Lindsey: The Falcon and the snowman, 1979

Musik: Pat Metheny (und dem David Bowie-Hit „This is not america“)

Auf Tatsachen basierendes Drama über zwei Jugendliche, die mäßig brisante Geheimdokumente an die UdSSR verkauften und 1977 zu lebenslanger beziehungsweise 40-jähriger Haft verurteilt wurden. Inzwischen sind sie auf Bewährung entlassen.

Nach 9/11 und der Hatz auf islamistische Terroristen und ihr Umfeld ist „Der Falke und der Schneemann“ als düsteres Drama über jugendlichen Idealismus wieder sehr aktuell.

Mit Sean Penn, Timothy Hutton, Pat Hingle, Joyce Van Patten


Neu im Kino: Obsessed

Juni 11, 2009

Obsessed (Obsessed, USA 2009)

Regie: Steve Shill

Drehbuch: David Loughery

Gut, die Story erinnert an „Eine verhängnisvolle Affäre“ (nur ohne Sex), aber sie ist auch so einfach, wie effektiv: eine Frau verliebt sich in einen verheirateten Mann und beginnt ihn zu verfolgen. Nur ist dieses Mal der Mann ein Afroamerikaner.

Aber auch das kennen wir von David Lougherys letztem, unterschätzen Film „Lakeview Terrace“. Da spielte Samuel L. Jackson den Rassisten und Blockwart.

Ansonsten: Steve Shill ist ein verdienter TV-Regisseur, der hier sein Spielfilm-Debüt abliefert. Die meisten Schauspieler sind vertraute TV-Gesichter und „Obsessed“ hat wohl nur wegen Sängerin Beyoncé Knowles (verglichen mit „While she was out“, „Red“ und „JCVD“) bei uns einen Kinostart erhalten. Denn die Bewertungen bei Rotten Tomatoes (Kritiker 18 %, Zuschauer 39 Prozent Frische) und in der IMDB (3,7 von 10 Punkten) zeigen eindeutig in Richtung Flop und die deutschen Kritiker sind ebenfalls nicht begeistert.

Perfect example of why Hollywood should not be profitable!“ (Benutzer IMDB)

Beyonce’s latest movie contains more laughs than the entire output of Jim Carrey, Will Ferrell and Eddie Murphy. Just one problem – Obsessed is meant to be a thriller.“ (David Edwards, Daily Mirror)

mit Idris Elba, Beyoncé Knowles, Ali Larter, Jerry O’Connell, Bonnie Perlman, Christine Lahti

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Obsessed“


TV-Tipp für den 11. Juni: LeseHorizonte: Südafrika

Juni 11, 2009

Arte, 22.40

LeseHorizonte: Südafrika (F 2009, R.: Virginie Linhart

Drehbuch: Virginie Linhart

Die erste Folge einer neuen Literatursendung stellt das literarische Leben in Südafrika und die bekannten Autoren André Brink, Nadine Gordimer und Breyten Breytenbach vor.

Die nächsten Folgen porträtieren das literarische Leben in Ägypten, Haiti und Quebec.

Wiederholungen

Dienstag, 16. Juni, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 18. Juni, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zur Reihe


Kleinkram mit Elmore Leonard, Lawrence Block, Lee Child, Agatha Christie, John Wayne – und drei Drehbücher

Juni 10, 2009

Bei Barnes & Noble gibt es ein langes Interview mit Elmore Leonard über seine Anfänge, das Schreiben, sein neues Buch „Doad Dogs“, das Buch, das er gerade schreibt (wieder mit Karen Sisco), über andere Autoren und warum es kein weiteres Buch mit Ernest Stickley gibt:

I couldn’t bring back one of my favorite characters, Stick, because Burt Reynolds played him, and if I think of Burt Reynolds as Stick, it won’t work. [LAUGHS]

Pulp International präsentiert die Covers der von Lawrence Block als Sheldon Lord geschriebenen Sex-Novellen.

Hm, die japanischen Poster für den ersten James-Bond-Film „Dr. No“ sind auch nicht schlecht.

Doch zurück zu Lawrence Block. Ein Fan hat bei GoogleMaps die für Matt Scudder wichtigen Orte eingetragen. Ist etwas für den nächsten Manhattan-Besuch.

Bleiben wir in New York:  Lee Child schreibt über einen Mann, der eine Bar betritt…

(Die deutsche Ausgabe von „The hard way“ erscheint unter dem sehr deutschen Titel „Way out“ am 24. August bei Blanvalet. Jack Reachers zehntes Abenteuer beginnt in einem Café in NYC.)

Hier gibt’s einige Infos zu den zwei neuen Hercule-Poirot-Geschichten von Agatha Christie. Die Geschichten werden in England am 3. September in dem Band „Secret Notebooks: Fifty Years of Mysteries in the Making“ veröffentlicht.

Bei The Tainted Archive gibt es einen Podcast über John Wayne. Der nächste soll über die Western von und mit Clint Eastwood sein.

Und bei Scribd (Jaha, Anmeldung erforderlich) gibt es die Drehbücher zu drei Klassikern aus den Sechzigern:

Walon Green, Sam Peckinpah: The Wild Bunch (Fassung vom 12. Februar 1968 – Na, zu diesem Western muss ich wohl nichts sagen.)

Larry Marcus: Petulia (FAssung vom 30. März 1967 – Düsteres Drama und Gesellschaftsporträt der USA in den Sechzigern von Richard Lester mit Julie Christie und George C. Scott)

William Gibson: The Miracle Worker (Fassung vom 8. Mai 1961 – Arthur Penn verfilmte das Buch 1962. Der deutsche Titel ist „Licht im Dunkel“.)


TV-Tipp für den 10. Juni: Schande

Juni 9, 2009

WDR, 22.10

Schande (D 1999, R.: Claudia Prietzel)

Drehbuch: Burkhard Driest

Spannendes Drama über das Tabu-Thema Kindesmissbrauch mit Hansa Czypionka, Oliver Stritzel, Imogen Kogge, Stephanie Charlotta

Hinweise

Wikipedia über Burkhard Driest

Die Welt: Zum 70. Geburtstag von Burkhard Driest (28. April 2009)

Alligatorpapiere: Befragung von Burkhard Driest

Drehbuch „Schande“ von Burkhard Driest (mit einigen weiteren Informationen und Kritiken zum Film)


Cover der Woche

Juni 9, 2009

MacDonald - Bright Orange for the Shroud


TV-Tipp für den 9. Juni: 21 Liebesbriefe

Juni 9, 2009

3sat, 20.15

21 Liebesbriefe (D 2004, R.: Nina Grosse)

Drehbuch: Friedrich Ani, Nina Grosse

Kellnerin Franziska Luginsland ist schwer verliebt in ihre Brieffreundschaft Fabian Stiller. Allerdings wird er vor ihrem ersten Date erschossen. Franziska, anstatt zur Polizei zu gehen, sucht auf eigene Faust den Mörder.

Katja Flint hatte die Idee, Friedrich Ani und Nina Grosse schrieben dann das Drehbuch: eine Mischung aus Krimi und Romanze. Das ganze ist sehr nett, aber auch nicht weiter aufregend und die Amateurdetektivin Luginsland agiert nicht immer sonderlich intelligent.

21 Liebesbriefe ist ein stiller, ja beinahe bedächtiger Krimi mit humoristischen Untertönen, lakonischen Dialogen, poetischen Schlenkern und einer Prise Absurdität…So entpuppt sich der Krimi am Ende als berührendes, aber unsentimentales Frauenporträt.“ (Jürgen Bräunlein, Berliner Zeitung, 11. Oktober 2004)

Not amused war das „Lexikon des internationalen Films“: „Missglückte Symbiose aus unverständlichem Liebesfilm und miserablem Krimi, garniert mit Münchner Lokalkolorit.“ Aber die Quote war gut genug für zwei Fortsetzungen.

Mit Katja Flint, Harald Schrott, Günter Maria Halmer

Wiederholung: Mittwoch, 10. Juni, 11.30 Uhr

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)


TV-Tipp für den 8. Juni: Out of Time

Juni 8, 2009

ZDF, 22.15

Out of time (USA 003, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Mittwoch, 10. Juni, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Out of Time“


Kleinkram für den Sonntag

Juni 6, 2009

Schon seit einigen Tagen ist die Juni-Ausgabe von The Big Thrill online mit Interviews mit Gregg Hurwitz, James Rollins, Eric Van Lustbader (ein weiterer Bourne-Roman), Jeffrey J. Mariotte, Lisa Unger, Paul Kemprecos (Co-Autor von Clive Cussler), David Baldacci und einigen weiteren Autoren.

Joe R. Lansdale ist unter die Blogger gegangen.

Horst Eckert beantwortet auf der Krimi-Couch einige Fragen (und vertieft einige meiner Fragen).

Sarah Weinman redet mit Chuck Hogan (der „The Strain“ zusammen mit Guillermo del Toro geschrieben hat) und porträtiert Lawrence Block, nachdem sie zuerst sein neuestes Buch „Step by Step“ (irgendwie seine Memoiren) gelesen und mit ihm gesprochen hat.

Es sind wieder einige Drehbücher online, teils verfilmt, teils noch (?) nicht:

Neal Purvis/Robert Wade: Casino Royale (13. Dezember 2005, überarbeitet von Paul Haggis – Anmeldung bei Scribd erforderlich.)

Scott Smith: The Ruins (19. Januar 2007, Yep, die Verfilmung des gleichnamigen Romans „The Ruins“/“Dickicht“)

Joel & Ethan Coen: A serious man (4. Juni 2007)

Eine Fundgrube für „Columbo“-Fans.


Ist schon etwas älter, aber immer noch online und verdammt cool. Jedenfalls wenn Sie zu den wenigen Fans von „Dexter“ gehören. „Getting away with murder“ ist eine Reihe von Kurzfilmen, über den noch bei seiner Mutter lebenden Profikiller Seth Silver. Das ganze ist over the Top mit swingenden Latinklängen, Voiceover, alltäglich-absurden Dialogen und natürlich vollkommen unmoralisch.

Weil demnächst Ken Bruens erster Jack-Taylor-Roman „The Guard“ (übersetzt von Harry Rowohlt!!!) als „Jack Taylor fliegt raus“ (Ja, der Originaltitel ist besser, aber wenn wir es als Hommage an „Jack Carters Heimkehr“ akzeptieren, ist’s okay) erscheint, weil es anscheinend in jedem seiner Romane um die Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen durch die katholische Kirche geht, weil es auch in Deutschland eine Kommission gibt, die sich um das Unrecht gegenüber den Heiminsassen kümmert (amtlich „Runder Tisch Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ mit Antje Vollmer als Vorsitzenden) und weil zwar über den Abschlussbericht der „Commission to Inquire into Child Abuse“ in den deutschen Medien berichtet wurde, aber mit permanenter Bosheit der Link zu dem Bericht fehlte, gibt es ihn hier.

Das Teil hat 2500 Seiten. Wenn Sie die Tage noch nichts vorhaben….

Fein recherchiert!

Überraschung!

Das sieht nach einer grandiosen Serie aus:

Leider hab ich nur das Spin-Off gesehen.


Die Dagger-Nominierungen 2009 – Teil 1

Juni 6, 2009

Die British Crime Writers’ Association hat die erste Shortlist für den diesjährigen Dagger veröffentlicht. Denn: “This year the Daggers are being announced in two stages, and the shortlists announced now are for the International, Short Story, Library, and Debut Daggers. The winners will be announced at a drinks reception held at the Tiger Tiger nightspot in London on the evening of July 15. At that event, the shortlists will also be announced for the Gold, John Creasey (New Blood) and Ian Fleming Steel Daggers. The winners in this second group will be announced in the autumn.”

Hier sind die ersten Nominierten

The CWA International Dagger

(“For crime, thriller, suspense or spy fiction novels which have been translated into English from their original language, for UK publication.”)

Shadow, von Karin Alvtegen

The Arctic Chill, von Arnaldur Indriðaso

The Girl Who Played with Fire, von Stieg Larsson

The Redeemer, von Jo Nesbø

Echoes from the Dead, von Johan Theorin

The Chalk Circle Man, von Fred Vargas

The CWA Short Story Dagger

Speaking of Lust, von Lawrence Block (aus „Speaking of Lust“)

One Serving of Bad Luck, von Sean Chercover (aus „Killer Year“, herausgegeben von Lee Child)

Cougar, von Laura Lippman (aus „Two of the Deadliest“, herausgegeben von Elizabeth George)

The Price of Love, von Peter Robinson (aus „The Blue Religion“, herausgegeben von Michael Connelly)

Served Cold, von Zoë Sharp (aus „The Mammoth Book of Best British Crime“, herausgegeben von Maxim Jakubowski)

Mother’s Milk, von Chris Simms (aus „The Mammoth Book of Best British Crime“, herausgegeben von Maxim Jakubowski)

The CWA Dagger in the Library

(Awarded for an author’s full body of work, not an individual book.)

Simon Beckett

Colin Cotterill

R.J. Ellory

Ariana Franklin

Peter James

Michael Robotham

The CWA Debut Dagger

A View from the Clock Tower, von Frank Burkett (Australia)

My First Big Book of Murder, von Aoife Clifford (Australia)

Backdrop, von C.J. Harper (USA)

The Land of Sun and Fun, von Madeleine Harris-Callway (Canada)

Sex, Death, and Chocolate, von Renata Hill (Canada)

The Sirius Patrol, von Mick Laing (UK)

Forgotten Treasures, von Susan Lindgren (USA)

The Pathologist, von Catherine O’Keefe (Canada)

Paterfamilias, von Danielle Ramsay (UK)

A Vine Time for Trouble, von Germaine Stafford (Italy)

Idiot Wind, von Martin Ungless (UK)

Murder at the Séance, von Alan Wright (UK)

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)

Nachtrag: Falls ich es noch nicht erwähnt habe:

der diesjährige CWA Cartier Diamond Dagger geht an Andrew Taylor.


Arthur-Ellis-Preis 2009 vergeben

Juni 6, 2009

Die Crime Writers of Canada haben den diesjährigen Arthur-Ellis-Preis vergeben:

Best Novel

Too Close to Home, von Linwood Barclay

Nominiert

The K Handshape, von Maureen Jennings

Transgression, von James W. Nichol

The Murder Stone, von Louise Penny

The Tsunami File, von Michael E. Rose

Best First Novel

Buffalo Jump, von Howard Shrier

Nominiert

Iced Under, von Nadine Doolittle

Talking to Wendigo, von John C. Goodman

Headline: Murder, von April Lindgren

Margarita Nights, von Phyllis Smallman

Best Juvenile Novel

War Brothers, von Sharon E. McKay

Nominiert

Res Judicata, von Vicki Grant

Getting the Girl, von Susan Juby

Royal Murder, von Elizabeth MacLeod

Dead Silence, von Norah McClintock

Best Crime Writing in French

Le Chemin des brumes, von Jacques Côté

Nominiert

Le Poids des illusions, von Maxime Houde

La Tendresse du serpent, von Andre Jacques

L’Homme qui détestait le golf, von Sylvain Meunier

Meurtre au Soleil, von Antoine Yaccarini

Best Short Story

Filmsong, von Pasha Malla (aus „Toronto Noir“, herausgegeben von Janine Armin und Nathaniel G. Moore)

Nominiert

Clay Pillows, von James Powell (aus „Ellery Queen Mystery Magazine“ [EQMM], Juni 2008)

Walking the Dog, von Peter Robinson (aus „Toronto Noir“)

An Ill Wind, von Amelia Symington (aus EQMM, September/Oktober 2008)

Thinking Inside the Box, von Kris Wood (aus „Going Out with a Bang“, herausgegeben von Linda Wiken)

Best Non-fiction

Mafiaboy: How I Cracked the Internet and Why It’s Still Broken, von Michael Calce and Craig Silverman

Nominiert

The Secret Lives of Saints: Child Brides and Lost Boys in Canada’s Polygamous Mormon Sect, von Daphne Bramham

The Girl in Saskatoon: A Meditation on Friendship, Memory, and Murder, von Sharon Butala

Befriend and Betray: Infiltrating the Hells Angels, Bandidos, and Other Criminal Brotherhoods, von Alex Caine

Dark Days: The Story of Four Canadians Tortured in the Name of Fighting Terror, von Kerry Pither

Best Unpublished Novel

Louder, von Douglas A. Moles

Nominiert

This Cage of Bones, von Pam Barnsley

Cheat the Hangman, von Gloria Ferris

Salvage, von Stephen Maher

Condemned, von Kevin Thornton

(Dank an The Rap Sheet für die Infos.)


TV-Tipp für den 7. Juni: Europawahl

Juni 6, 2009

Phoenix, 17.00

ARD/ZDF, 17.45

Europawahl

Nach dem Schließen der Wahlurnen („Don’t forget…to vote!“ Frank Zappa) geht’s ans Auszählen. Im TV gibt’s die aktuellen Hochrechnungen und die ersten Reaktionen der Wahlgewinner.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juni 5, 2009

Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps (wie immer wunderschön gelayoutet von Alligator-Alfred) online. Und auf was dürfen sich die Freunde des verfilmten Wortes freuen? Nun:

Mit nur einer TV-Premiere wirft der Sommer seine Schatten voraus. Aber dafür scheint die Alan-Hunter-Verfilmung „George Gently – Der Unbestechliche“ (mit „Profi“ Martin Shaw in der Hauptrolle) wirklich etwas für die Freunde des härteren britischen Krimis zu sein.
In die Kategorie „sehenswerte Wiederholungen“ fallen Steven Soderberghs Elmore-Leonard-Verfilmung „Out of sight“, Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“, Yves Boissets Jean-Vautrin-Verfilmung „Dog Day – Ein Mann rennt um sein Leben“ (mit Lee Marvin), Roberto Faenzas Hugh-Fleetwood-Verfilmung „Copkiller“ (mit Harvey Keitel), Alfred Hitchcocks Victor-Canning-Verfilmung „Familiengrab“, Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“, John Schlesingers Robert-Lindsey-Verfilmung „Der Falke und der Schneemann“, Don Siegels Glendon-Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ und seine Clive-Egleton-Verfilmung „Die schwarze Windmühle“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“, Henri Verneuils Félicien-Marceau-Verfilmung „Der Körper meines Feindes“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verdilmung „Im Jahr des Drachen“ und Oliver Stones John-Ridley-Verfilmung „U-Turn – Kein Weg zurück“.


TV-Tipp für den 6. Juni: Out of Sight

Juni 5, 2009

Vox, 20.15

Out of Sight (USA 1998, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Sonntag, 7. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“


Miss Winter und die Suhrkamp-Krimis

Juni 5, 2009

Miller Haines - Miss Winters Hang zum Risiko

Es gibt Verlage, die machen irgendwie alles. Dann gibt es andere, die haben ein spezielles Profil: hohe Literatur, Trash, Häkelkrimis, Hardboiled. Manchmal ist der Name Programm: Hard Case Crime, Pulp Master, Schwarze Reihe, Crime Classic – und die Kundschaft reagiert darauf.

Bei der jetzt gestarteten Suhrkamp Krimireihe ist dieses Profil, je nach Perspektive, entweder undogmatisch breit oder schlichtweg beliebig. In den ersten Bänden sind, nach einem Blick auf die Vorschau die verschiedenen Genrevarianten von Noir bis Romantic Thriller mit aktuellen Werken vertreten. Die Geschichten spielen in verschiedenen, bei Krimilesern derzeit beliebten Ländern von Deutschland über Italien, Skandinavien, Amerika bis nach Australien und zu verschiedenen Zeiten von den Dreißigern bis zur Gegenwart. Hier zeigt sich, wenn es denn eine Gemeinsamkeit gibt, der starke und bei anderen Verlagen nicht so deutliche Trend, die Geschichten in der jüngeren Vergangenheit spielen zu lassen.

Auch das Debüt „Miss Winters Hang zum Risiko“ von Kathryn Miller Haines spielt in der Vergangenheit: im Kriegsjahr 1942/1943 in New York. Die arbeitslose Schauspielerin Rosie Winter entdeckt in der Silvesternacht die erhängte Leiche ihres Chefs Jim McCain im Schrank des Büros. Der Privatdetektiv McCain hatte neben der normalen Kundschaft auch die Rosie unbekannte Feuerleiter-Kundschaft. Der ermittelnde Polizist verbucht den Fall sofort unter Selbstmord. Rosie dagegen, will die Ehre ihres Chefs wieder herstellen. Sie wird von der Witwe McCains beauftragt, das Büro auszuräumen. Dabei trifft sie einen der Feuerleiter-Kunden. Der Theaterschriftsteller Raymond Fielding hatte McCain beauftragt, ein aus seinem Safe gestohlenes Manuskript zu finden. Jetzt möchte Fielding, dass Rosie den Fall übernimmt. Sie tut es und kurz darauf stirbt auch Fielding. Rosie vermutet, dass das verschwundene Theaterstück, das bei seiner Veröffentlichung einen Skandal auslösen soll, der Grund für die Morde ist. Das Office of War Information, McCains Sohn und ungefähr jeder Theaterregisseur möchte das Stück haben. Da trifft es sich gut, dass Rosie ein neues Engagement erhält. Zwar nur als Zweitbesetzung, aber immerhin bei einem noch unbekannten Fielding-Stück.

Kathryn Miller Haines’ Erzählerin in „Miss Winters Hang zum Risiko“ ist eine sympathische, arbeitslose Broadway-Schauspielerin. Rosie Winter ist, wie wir es seit Chandlers Tagen bei Privatdetektiven (mit und ohne Lizenz) gewöhnt sind, nicht auf den Mund gefallen und nie um einen schrägen Vergleich verlegen. Auch dass die Geschichte in den frühen Vierzigern spielt, erinnert an Chandler, Hammett und Konsorten. Aber im Krieg waren die jungen Männer im Ausland und, nach den vielen zeitgenössischen Hardboiled-Detektivinnen wurde es auch Zeit, dass endlich einmal eine Frau in der Vergangenheit ermittelt. Mit Rosie Winter hat Kathryn Miller Haines eine wirklich angenehme Erzählerin erfunden. Als junge Frau ist sie noch nicht so abgebrüht wie Marlowe. Sie sieht, immerhin hat sie noch ihr ganzes Leben vor sich, eher die positiven Seiten. Auch wenn sie schon seit Monaten kein Engagement mehr hatte und sie bald aus dem Zwei-Bett-Zimmer in dem drakonisch geführten Künstlerhotel ausziehen muss.

Aber nach einem flotten Beginn (sie entdeckt im ersten Kapitel McCains Leiche) geraten Rosie Winters Ermittlungen in der Mitte zu sehr ins Stocken. Dann nehmen die Konkurrenzkämpfe der Jungschauspielerinnen und die Proben für ein Stück des verstorbenen Fielding zu viel Zeit in Anspruch. Teilweise scheint sie sogar zwischen Proben und abendlichen Barbesuchen in Halbweltclubs vollkommen das Interesse an den Ermittlungen zu verlieren. Nur irgendwelche Zufälle bringen sie dann wieder zum Mörderjagen (und damit zu dem Grund, warum wir das Buch in die Hand genommen haben).

Wenn am Ende der Mörder überführt und das verschwundene Stück gefunden wird, ist die Erklärung, warum so viele Menschen potenziell bereit waren für das Stück und den die Welt erschütternden Inhalt zu morden, unglaubwürdig. Denn das Theaterstück ist kein beliebig austauschbarer MacGuffin. Es ist von seinem Schreiber Fielding als Krönung seines Schaffens und seines ästhetischen Konzepts, nach dem die Macher hinter dem Stück verschwinden sollen, geplant.

Das ist dann doch etwas zu viel für einen netten Softboiled-Krimi, der sich wie eine etwas längliche Mischung aus einem Vierziger-Jahre-B-Krimi und einem süßlichen Hollywood-Melodrama zwischen Künstlergarderobe und Gangsterkneipe liest.

Anmerkung: Viele der Kapitelüberschriften sind Filmtitel.

Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko

(übersetzt von Kirsten Riesselmann)

Suhrkamp, 2009

496 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

The War against Miss Winter

HarperCollins Publishers, 2007

Hinweis

Homepage von Kathryn Miller Haines

Vorschau: Die ersten Suhrkamp-Krimis

Christian Doyle/Simon Pasternak: Der deutsche Freund (1979 in Dänemark spielender Polit-Thriller)

Don Winslow: Pacific Private (In Kalifornien spielender PI-Noir)

Maurizio de Giovanni: Der Winter des Commissario Ricciardi (In den Dreißigern in Neapel spielender Polizeikrimi; erscheint Juni 2009)
Rosa Ribas: Kalter Main (in Frankfurt spielender Polizeikrimi; erscheint Juli 2009)

Adrian Hyland: Outback Bastard (in Australien spielender PI-Krimi; erscheint August 2009)

Don Winslow: Frankie Machine (in Kalifornien spielender Gangsterkrimi; hochkarätige Verfilmung geplant; erscheint September 2009)

Regula Venske: Der Bajazzo („Best Ager“ wollen den Mörder einer mumifizierten Leiche finden; erscheint Oktober 2009)

Soti Triantafillou: Das Zeichen des Jägers (von einem Griechen geschriebener 1990 in New York spielender Privatdetektivkrimi; erscheint November 2009)

Ingrid Hedström: Die toten Mädchen von Villette (Eine Ermittlungsrichterin jagt 1994 in Belgien einen Serienmörder; erscheint Februar 2010)

Margaret Coel: Ein leichtes Ziel (In Denver wird eine investigative Reporterin von einem Killer gejagt; erscheint März 2010)


R. i. P. Koko Taylor, David Carradine

Juni 5, 2009

Was für ein Tag

R. i. P. Koko Taylor (28. September 1928 – 3. Juni 2009)


Die „Königin des Chicago Blues“ ist tot.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Telegraph, Rolling Stone, Los Angeles Times, Chicago Tribune und New York Time.

R. i. P. David Carradine (8. September 1936 – 3. Juni 2009)

Der vor allem für seine Action-Rollen bekannte Schauspieler (mal als Guter, aber öfter als Böser) wurde tot in einem Hotelzimmer in Bangkok gefunden. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die TV-Serien „Kung Fu“ und „Fackeln im Sturm“ und die Spielfilme „Frankensteins Todesrennen/Death Race 2000“, „Cannonball“ (mein gestriger Tagestipp), „Dieses Land ist mein Land“ (als Woody Guthrie), „Long Riders“, „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ und zuletzt natürlich „Kill Bill“.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, TelegraphLos Angeles Times und New York Times.