Matthias Richling, Frank Lüdecke, Christoph Sieber und Axel Pätz (sein erster Auftritt in der Sendung) nehmen sich, live aus der Hauptstadt, die aktuelle Politik und den ganzen Rest vor.
Und wer’s verpasst, kann hier sein Glück versuchen.
Am Montag starb Robert B. Parker am Schreibtisch beim Schreiben seines nächsten Romans.
Im Moment fehlen mir noch die Worte. Parker erneuerte mit seinen Spenser-Romanen in den Siebzigern den Privatdetektivroman. Später kamen noch die Serien mit Privatdetektivin Sunny Randall und Kleinstadt-Cop Jesse Stone und einige wenige Einzelwerke hinzu. Außerdem vollendete er das Manuskript „Poodle Springs“ von Raymond Chandler. Dieser Marlowe-Roman wurde mit James Caan verfilmt. Die Spenser-Romane bildeten die Vorlage für eine TV-Serie mit Robert Urich, die Stone-Romane für eine TV-Spielfilmreihe mit Tom Selleck.
Zuletzt veröffentlichte Robert B. Parker pro Jahr mehrere Romane, die, auch wenn die Geschichte nicht so gelungen war, immer wieder durch seine klare Sprache und den Humor überzeugten.
Harlan Coben sagte: “Wenn wir über Detektivromane sprechen, nennen ihn 90 Prozent von uns als Einfluss, und die anderen Lügen.”
Für Max Allan Collins ist Robert B. Parker einer der zehn wichtigsten Privatdetektiv-Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts und George P. Pelecanos meinte: „Die zahllosen Imitationen der Spenser-Romane – und es gibt viele – haben unsere Wahrnehmung der Originale getrübt. Wir haben keine Lust mehr auf Spensers Söhne, also haben wir keine Lust mehr auf Spenser.“
Im Rap Sheet haben J. Kingston Pierce und Kevin Burton ihre Gedanken formuliert. Sarah Weinman in Confessions of an Idiosyncratic Mind (dort gibt es auch Links zu vielen weiteren Nachrufen).
Ich habe zuletzt über seinen ’neuesten‘ Spenser-Roman „Hundert Dollar Baby“ (Hundred Dollar Baby, 2006) geschrieben (dort gibt es auch einige weitere Links).
Die Mystery Writers of America haben die Nominierungen für den diesjährigen Edgar-Allan-Poe-Preis bekannt gegeben. Der Preis wird am 29. April 2010 im Grand Hyatt Hotel, New York City, verliehen.
Die Nominierten sind:
BEST NOVEL
The Missing von Tim Gautreaux (Random House – Alfred A. Knopf)
The Odds von Kathleen George (Minotaur Books)
The Last Child von John Hart (Minotaur Books)
Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team) von Charlie Huston (Random House – Ballantine Books)
Nemesis von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (HarperCollins)
A Beautiful Place to Die von Malla Nunn (Simon & Schuster – Atria Books)
BEST FIRST NOVEL BY AN AMERICAN AUTHOR
The Girl She Used to Be von David Cristofano (Grand Central Publishing)
Starvation Lake von Bryan Gruley (Simon & Schuster – Touchstone)
The Weight of Silence von Heather Gudenkauf (MIRA Books)
A Bad Day for Sorry von Sophie Littlefield (Minotaur Books – Thomas Dunne Books)
Black Water Rising von Attica Locke (HarperCollins)
In the Shadow of Gotham von Stefanie Pintoff (Minotaur Books)
BEST PAPERBACK ORIGINAL
Bury Me Deep von Megan Abbott (Simon & Schuster)
Havana Lunar von Robert Arellano (Akashic Books)
The Lord God Bird von Russell Hill (Pleasure Boat Studio – Caravel Books)
Body Blows von Marc Strange (Dundurn Press – Castle Street Mysteries)
The Herring-Seller’s Apprentice von L.C. Tyler (Felony & Mayhem Press)
BEST FACT CRIME
Columbine von Dave Cullen (Hachette Book Group – Twelve)
Go Down Together: The True, Untold Story of Bonnie and Clyde von Jeff Guinn (Simon & Schuster)
The Fence: A Police Cover-Up Along Boston’s Racial Divide von Dick Lehr (HarperCollins)
Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art von Laney Salisbury und Aly Sujo (The Penguin Press)
Vanished Smile: The Mysterious Theft of Mona Lisa von R.A. Scotti (Random House – Alfred A. Knopf)
BEST CRITICAL/BIOGRAPHICAL
Talking About Detective Fiction von P.D. James (Random House – Alfred A. Knopf)
The Lineup: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Hachette Book Group – Little, Brown and Company)
Haunted Heart: The Life and Times of Stephen King von Lisa Rogak (Thomas Dunne Books)
The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)
The Stephen King Illustrated Companion von Bev Vincent (Fall River Press)
BEST SHORT STORY
„Last Fair Deal Gone Down“ (in Crossroad Blues) von Ace Atkins (Busted Flush Press)
„Femme Sole“ (in Boston Noir) von Dana Cameron (Akashic Books)
„Digby, Attorney at Law“ (in Alfred Hitchcock Mystery Magazine) von Jim Fusilli (Dell Magazines)
„Animal Rescue“ (in Boston Noir) von Dennis Lehane (Akashic Books)
„Amapola“ (in Phoenix Noir) von Luis Alberto Urrea (Akashic Books)
BEST JUVENILE
The Case of the Case of Mistaken Identity von Mac Barnett (Simon & Schuster Books for Young Readers)
The Red Blazer Girls: The Ring of Rocamadour von Michael D. Beil (Random House Children’s Books – Alfred A. Knopf)
Closed for the Season von Mary Downing Hahn (Houghton Mifflin Harcourt Children’s Books)
Creepy Crawly Crime von Aaron Reynolds (Henry Holt Books for Young Readers)
The Case of the Cryptic Crinoline von Nancy Springer (Penguin Young Readers Group – Philomel Books)
BEST YOUNG ADULT
Reality Check von Peter Abrahams (HarperCollins Children’s Books – HarperTeen)
If the Witness Lied von Caroline B. Cooney (Random House Children’s Books – Delacorte Press)
The Morgue and Me von John C. Ford (Penguin Young Readers Group – Viking Children’s Books)
Geld für alle! (D 2010, R.: Ulrich Stein, Christian Gramstadt)
Drehbuch: Ulrich Stein, Christian Gramstadt
Gibt es Alternativen zum Kapitalismus? Und wie können die aussehen? Die ARD-Reporter machen sich auf die Suche und entdecken Sterntaler, Grundeinkommen und ethische Geldanlagen.
Als „Sie nannten ihn Stick“ in der ersten Hälfte der achtziger Jahre in die Kinos kam, wurde er von den Kritikern geschlachtet. Auch Elmore Leonard mag diese Verfilmung nicht. Das liegt bei diesem Krimi auch an der gar nicht so unüblichen Hollywood-Produktion. Zuerst wurde Elmore Leonard beauftragt ein Drehbuch zu schreiben. In den Siebzigern hatte er bereits die Drehbücher zu „The Moonshine War“ (Whisky brutal, mit Richard Widmark und Alan Alda), „Joe Kidd“ (Sinola, mit Clint Eastwood), „Mr. Majestik“ (Das Gesetz bin ich, mit Charles Bronson) geschrieben und auch einige seiner Romane (vor allem seine Western) waren verfilmt worden. Am bekanntesten aus dieser Zeit ist wahrscheinlich „Hombre“ (Man nannte ihn Hombre, mit Paul Newman).
Als er sein Drehbuch ablieferte, fehlte den Produzenten die nötige Action. Joseph Stinson schrieb die gewünschten Szenen. Er hatte damals das Drehbuch für den Dirty-Harry-Film „Sudden Impact“ (Dirty Harry kommt zurück) und das Burt-Reynolds/Clint-Eastwood-Vehikel „City Heat“ geschrieben. Die Dreharbeiten liefen anscheinend problemlos. Als der Film dann fertig war, gab es – auch das ist für Hollywood nicht ungewöhnlich – einen Nachdreh. Das Studio wollte noch mehr Action. Oh, und mehr Skorpione.
Das alles wussten die Kritiker beim Filmstart. Außerdem hatte Burt Reynolds für „City Heat“ eine Razzie-Nominierung erhalten und seine vorherigen Filme waren Flops (mal finanziell, mal künstlerisch, mal beides). Da schlugen die Kritiker gerne kräftig zu und auch an der Kasse war der Film kein Hit.
Dagegen hatte Elmore Leonard 1984 für „La Brava“ den Edgar erhalten und er hatte bereits viele loyale Fans.
Aber wenn man „Sie nannten ihn Stick“ heute, über 25 Jahre nach seiner Premiere wiedersieht, entdeckt man einen gar nicht so schlechten kleinen Florida-Unterweltkrimi.
Ernest ‚Stick‘ Stickley (den Leonard-Fans aus „Beute“/“Dies ist ein Überfall“ [Ryan’s Rules/Swag, 1976] kennen) hat gerade einige Jahre im Knast verbracht. Jetzt will er in Miami ein neues Leben beginnen und auch für seine Teenager-Tochter wieder ein Vater sein. Ein alter Kumpel nimmt ihn mit zu einer in den Sümpfen stattfindenden Geldübergabe. Diese geht schief. Ein Albino-Killer erschießt seinen Kumpel. Stick kann flüchten.
Über einen exzentrischen Millionär, der sich gerne mit Verbrechern umgibt, hofft Stick, an den Mörder seines Freundes und die für die Geldübergabe versprochene Bezahlung zu kommen.
Burt Reynolds zeichnete in seiner fünften Regiearbeit (wenn man die TV-Folge für die kurzlebige Krimiserie „Hawk“ mitzählt) ein unsentimentales Bild vom Gangster- und Jet-Set-Leben in Florida in den frühen Achtzigern; mit schönen Landschaftsaufnahmen und ohne den „Miami Vice“-Glamour. Stattdessen konzentriert er sich ungewöhnlich ausführlich auf die einzelnen Charaktere und ihre sich teilweise langsam entwickelnden Beziehungen zueinander. Stick scheint sogar phasenweise seinen Racheplan zu vergessen. Er freundet sich mit dem Diener und der Freundin des Millionärs an. Er trifft sich mit seiner Tochter. Aber dann schlagen die Konventionen des Gangsterfilms wieder zu und Stick muss gegen die Drogenhändler kämpfen. Dennoch ist die Action eher dünn gesät und konzentriert sich vor allem auf den Anfang (die gut gefilmte misslungene Geldübergabe in den Everglades) und das Ende (den legendären Sturz von Stuntman Dar Robinson, der auch den Albino-Killer spielte, und einen Schusswechsel).
Gerade dieses Hollywood-Action-Ende ist ärgerlich. Im Buch endet die Geschichte ziemlich unblutig (Keine Angst: es gibt Blut und Leichen). Im Film ist dieses Ende auch ähnlich enthalten. Dann wird der Wunsch der Produzenten nach „Action“ befriedigt und Stick nimmt zur Beseitigung von einigen Gangstern eine MG in die Hand. Aber der Stick, den wir bis dahin kennen gelernt haben, hätte die Verbrecher cool gegeneinander ausgespielt. Er war zwar im Knast, aber blöde ist er nicht.
Insofern ist Ernest Stickley ein Vorläufer von Jack Foley (gespielt von George Clooney in „Out of Sight“), Chili Palmer (gespielt von John Travolta in „Get Shorty“ und „Be Cool“) oder Jackie Brown (gespielt von Pam Grier in „Jackie Brown“) und damit natürlich ein typischer Leonard-Charakter.
Der Film selbst pendelt dagegen unentschlossen zwischen Gangsterdrama und witzigem (eher witzig gemeintem) Actionfilm. Dennoch, oder gerade wegen seiner Mängel, ist er als früher Vorläufer der heutigen Florida-Krimis, die zwischen Action, Comedy (manchmal auch Klamauk) und Noir pendeln, sehenswert.
Beim Ansehen der Bildergalerie der jetzt erschienenen, spartanisch ausgestatteten DVD-Weltpremiere von „Sie nannten ihn Stick“ sieht man etliche Bilder von Szenen und Schauspieler, die es nicht in den Film geschafft haben. Da wäre ein Director’s Cut – falls es die Szenen überhaupt noch und in einer akzeptablen Qualität gibt – sicher ein interessanter Film.
Sie nannten ihn Stick (Stick, USA 1983)
Regie: Burt Reynolds
Drehbuch: Elmore Leonard, Joseph C. Stinson
mit Burt Reynolds, Candice Bergen, George Segal, Charles Durning, José Perez, Gastulo Guerra
Überaus gelungener Einstand einer Gruppe Hamburger Polizisten, die die Nachtschicht haben und gleichzeitig mehrere Fälle lösen müssen. Der größte Fall ist dabei in einer Bank die Geiselnahme von Ex-Roadie Schlosser.
Becker: „Wir orientieren uns an der Popkultur.“ und der „Tip“ ist wirklich begeistert von diesem hochkarätig besetzten TV-Movie.
Mit Armin Rohde, Uwe Ochsenknecht, Katharina Böhm, Ken Duken, Cosma Shiva Hagen, Minh-Khai Phan-Thi
Es bleibt in der Familie. Denn die Preisträger des ersten Stuttgarter Krimipreises kommen alle aus dem Ländle. Zwei leben sogar in Stuttgart (Hm, schwäbische Sparsamkeit?):
Susanne Wagner: Wir zeigen immer die entscheidende Sequenz des Geschehens, dann gehen wir zurück zur Tat und zum Tatort. Ich finde deshalb nicht, dass unser Konzept unsere Geschichten in irgendeiner Form einengt.
Iris Kiefer: Wir erzählen all das mit gewisser Selbstironie, augenzwinkernd. Natürlich spielt Sebastian Ströbel einen Macho, aber dennoch kommt er bei Frauen extrem gut an. Unsere Studien zeigen, dass er weiblichen Zuschauern gute Laune bereitet.
Ähem, „Countdown“ ist eine neue RTL-Krimiserie, die Donnerstags um 21.15 Uhr (zwischen „Alarm für Cobra 11“ und „Bones“) läuft. Sie kann auch hier angesehen werden.
Irgendwie halte ich die Idee jede Folge als eine lange Rückblende zu erzählen für einen doofen Gimmick, den ich bei „CSI: Miami“ einmal pro Staffel akzeptieren kann, und die ersten Minuten sind gewollt witzig.
24 is by no means a perfect show, but what it usually delivers on is action packed seasons and cliffhangers at the end of each episode. Season 8, which starts with a 4-hour premiere tomorrow night, has a lot to live up to after last year’s non-stop insanely good season. Some critics would disagree, but I thought season 7 was pure 24 gold. Although the premiere isn’t as intense as I had hoped, some great new elements have been introduced. And let’s just say Renee Walker returns with a vengeance!
Nachtschicht: Wir sind die Polizei (D 2010, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
In Hamburg geht’s auch in der neuen „Nachtschicht“-Folge rund: die Schicht beginnt mit einem Krokodil. Dann gibt es schlagende Männer, Männer, die in Frauenkleidern einen Juwelierladen überfallen und falsche Polizisten (Kennen wir die nicht schon von der vorherigen Folge?).
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Roeland Wiesnekker, Peter Kremer, Cosma Shiva Hagen, Ralph Herforth, Oliver Stokowski
Ein Polizist erkundet undercover eine Bande von Rauschgifthändlern.
Dies ist wahrscheinlich Decoins bester Film: ein halbdokumentarischer, eher unbekannter, trotzdem wichtiger film policier, der ein genaues Bild des Drogenhandels in Paris in den Fünfzigern liefert. Außerdem verschwimmen, wie später bei Melville, die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Das Wochenende beginnt mit der „Anatomie eines Mordes“, einem „Köder für die Bestie“ und dem „Tod im Spiegel“ (Wolfgang Petersens schon seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte Richard-Neely-Verfilmung). Weiter geht’s mit Henri Decoins ebenfalls lange nicht mehr gezeigter Auguste-le-Breton-Verfilmung „Razzia in Paris“ (mit Jean Gabin und Lino Ventura), Delmer Daves‘ David-Goodis-Verfilmung „Das unbekannte Gesicht“, Lars Beckers neuestem und seinem ersten „Nachtschicht“-Film („Wir sind die Polizei“ und „Amok!“), Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“, David Mackenzies Alexander-Trocchi-Verfilmung „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ und seiner Peter-Jinks-Verfilmung „Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters“, Norman-Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, Steven Soderberghs lange nicht mehr gezeigtem zweiten Film „Kafka“ und als TV-Premiere gibt es den Zweiteiler „Ken Folletts Eisfieber“.
Weil der Film schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief und er deshalb wahrscheinlich sein unbekanntester Film ist. Danach drehte er „In the Line of Fire“.
ARD, 00.55
Tod im Spiegel (USA 1991, R.: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Wolfgang Petersen
LV: Richard Neely: The plastic nightmare, 1969 (später auch „Shattered“, Tod im Spiegel)
Dan verliert bei einem Autounfall sein Gedächtnis. Jetzt will er herausbekommen, was er vergessen hat.
Petersens Hollywood-Debüt ist ein solider, niemals wirklich berührender Psychothriller mit Noir-Touch.
Zuletzt lief „Tod im Spiegel“ vor sieben Jahren im TV.
mit Tom Berenger, Bob Hoskins, Greta Scacchi, Joanne Whalley-Kilmer
Dieter Wedel hat wieder zugeschlagen. Mit dem Dreiteiler „Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims“ (1972) begründete er seinen Ruf. Später folgten einige Folgen für die Wirtschaftskrimiserie „Schwarz Rot Gold“, „Der große Bellheim“ (1993), „Der Schattenmann“ (1996), „Der König von St. Pauli“ (1998), „Die Affäre Semmeling“ (2002) und jetzt der Zweiteiler „Gier“. Wieder einmal beschäftigt Wedel sich mit der Wirtschaft. Dieses Mal am Beispiel eines Finanzjongleurs, der seine Anleger hemmungslos betrügt. Aber irgendwie ist dieses Mal alles schief gegangen. Denn genau wie der Hochstapler Dieter Glanz seinen Anlegern nur leere Versprechungen gibt, verspricht Wedel seinen Zuschauern – Tja, was eigentlich? Für eine Gesellschaftssatire ist „Gier“ zu harmlos. Für eine Aufklärung über Hochstapler und ihre Methoden zu unkonkret und als spannendes Stück Unterhaltung bietet es außer einer beeindruckenden Liste bekannter Schauspieler und schöner Bilder aus Südafrika (wegen der Drehbedingungen) nichts.
Denn der dreistündige Zweiteiler hat grundsätzliche Storyprobleme. Das beginnt schon mit der Frage, wer der Protagonist und wer der Antagonist ist. Mit dem Ziel des Protagonisten soll ich als Zuschauer mich identifizieren. Der Antagonist versucht alles, damit der Protagonist sein Ziel nicht erreicht. Es gibt einen Konflikt um etwas, das beide unbedingt haben wollen. Das gilt für einen Krimi, wenn der Kommissar (Protagonist) den Mörder (Antagonist) jagt. Das gilt für einen Liebesfilm, wenn zwei Männer sich um die gleiche Frau streiten. Dabei verkörpern die beiden Männer verschiedene Lebensprinzipien: der abenteuerlustige Naturbursche gegen den braven Familienvater. Je nachdem, was der Autor aussagen will, ist der Naturbursche entweder der richtige oder der falsche Mann. Und natürlich muss dieser Konflikt eskalieren. Es muss für den Protagonisten immer schwieriger werden, sein Ziel zu erreichen (Erinnern Sie sich an die Szene in dem Liebesfilm, in der die Braut fünf Minuten vor Filmende den falschen Mann heiraten will?).
Aber davon gibt es in „Gier“ nichts.
Es gibt keinen dynamischen Konflikt zwischen Glanz und seinen Anlegern. Während des gesamten Films geschieht nichts, außer dass Schroth und die anderen Anleger sich immer wieder mit hohlen Phrasen abspeisen lassen. Spätestens nach der zweiten Wiederholung langweilt sich auch der dümmste Zuschauer dabei. Denn dieser Konflikt zwischen Glanz, der bald eine Auszahlung verspricht, der Euphorie der Anleger, der Verzögerung der Auszahlung und, oft, dem Nachschieben Geld mit der Aussicht auf größere Gewinne, ist statisch.
Außerdem sind uns die Anleger egal. Denn es ist ziemlich egal, ob ein reicher Mann eine oder zwei Millionen von seinem Spielgeld investiert und es ist egal, ob er dafür fünf, zehn, oder fünfzehn Millionen erhalten soll. Bei Schroth ist das zwar etwas anders, aber auch er lässt sich immer wieder viel zu einfach vertrösten. Er ist viel zu naiv, um als Immobilienmakler glaubhaft zu sein. Er ist uns egal, weil wir seine Motive nicht verstehen und wir als Zuschauer vielleicht Mitleid mit einem Trottel haben, aber ihm nicht die Daumen drücken. Vor allem wenn dieser Trottel nur Geld will und er, außer sein Geld abwartend in fremde Hände zu legen, nichts tut, um sein Ziel zu erreichen.
Dieser abwesende Konflikt zwischen den beiden Hauptcharakteren setzt sich bei den blassen Nebencharakteren fort. Das ist vor allem die Clique der Großanleger, die alle bei Dieter Glanz ihr Geld angelegt haben, um ihr (wahrscheinliches) Millionenvermögen um einige Millionen zu vergrößern und sich von Glanz auf Partys verwöhnen lassen.
Wer vor dem Filmstart nicht das Presseheft oder das Buch zum Film gelesen hat, wird aber über weite Strecken nicht verstehen, warum Glanz‘ Anleger sich so und nicht anders verhalten. So erfährt der Zuschauer nicht, dass Leon Grünlich (ein kaum wiederzuerkennender Uwe Ochsenkneckt als zweitklassiger Lude mit einem unglaublichen Akzent) in eine Unternehmerfamilie einheiratete, das Geld für seine Investition bei Glanz aus der Firmenkasse entwendete und mit dem ersehnten Gewinn endlich auf eigenen Füßen stehen will. Aber gerade das erklärt sein Verhalten. Mit einer halben Drehbuchseite hätte das erklärt werden können und, gerade weil Grünlich im zweiten Teil eine die Geschichte (soweit davon gesprochen werden kann) antreibende Kraft ist, hätte das sehr früh erklärt werden müssen. So ist Grünlich nur ein geldgieriges, skrupelloses Arschloch.
Bei den anderen Charakteren ist es ähnlich. Sie sind einfach nur eine tumbe, um Swimming-Pools herumtanzende Masse. Auch hier fragt man sich, warum Wedel sich nicht zwei Minuten Zeit nimmt und die Großinvestoren uns Zuschauern vorstellt. Das hätte sogar in einer vollkommen banalen Dialogszene, in der Dieter Glanz dem Junginvestor Andy Schroth die Großinvestoren vorstellt, geschehen können.
Auch später in Südafrika führt Wedel neue Charaktere auf die denkbar ungeschickteste Art ein. So trällert die Gastwirtin Barbara Ewert (Anouschka Renzi) mehrere banale Schlager, aber Wedel versäumt es, uns zu verraten, dass sie früher ein Schlagerstar war und jetzt bei Glanz ihr gesamtes Vermögen investiert. Das erfahren wir erst, als sie auf der Straße sitzt.
Vor dem Dreh hätte Wedel diese Probleme seines Drehbuchs beheben müssen. Er hätte klären müssen, wer der Protagonist ist, wer der Antagonist ist, was der Konflikt zwischen ihnen ist, wie dieser Konflikt sich entwickelt und was der Protagonist am Ende gelernt hat. Er hätte das auch für seine Nebencharaktere tun müssen und das ins Drehbuch schreiben müssen. Dann hätten die Schauspieler auch wirklich spielen können. Jetzt bleibt es beim meist beim Overacting. Und die Charaktere wären uns nicht so herzlich egal.
Dafür gäbe es vielleicht weniger redundante Landschafts- und Partybilder. Aber das wäre ein verschmerzbarer Verlust.
Jörg Mehrwald glättet in seinem Roman zum Film einige der Drehbuchprobleme, indem er etwas über die Motive der verschiedenen Charaktere verrät. Aber auch bei ihm bleiben die Charaktere vollkommen austauschbar, die Geschichte entwickelt sich sprunghaft fort und über die Methoden von Wirtschaftsverbrechern erfahren wir auch in dem Buch nichts.
Die einzige Gier, die Wedel mit seiner Geschichte erfolgreich befriedigt, ist die Gier unsere Zeit zu stehlen.
mit Ulrich Tukur, Jeanette Hain, Devid Striesow, Katharina Wackernagel, Heinz Hoenig, Cordula Trantow, Uwe Ochsenknecht, Marion Mitterhammer, Sibel Kekilli, Harald Krassnitzer, Isa Haller, Kai Wiesinger, Regina Fritsch, Sabine Orléans, Alexander Held, Mariella Ahrens, Dieter Laser, Bibiana Beglau, Anouschka Renzi
Weil ich „Erbarmen“ immer noch nicht gelesen habe (der Nachteil eines 24-Stunden-Tages), gibt es als Ankündigung für die heutige Lesung mit Jussi Adler-Olsen und Wolfram Koch um 19.00 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann (Friedrichstraße 90, Nähe S/U-Bahnhof Friedrichstraße, Berlin) nur die Presseankündigung:
Jussi Adler-Olsen liest gemeinsam mit dem Sprecher des Hörbuchs Wolfram Koch aus seinem Sensationserfolg »Erbarmen« – als Buch seit Wochen auf den obersten Plätzen der SPIEGEL-Bestsellerliste!
Kommissar Carl Mørk hat ausgedient. Nach einem traumatischen Ereignis im Dienst wird er in das Sonderdezernat Q versetzt, um ungelöste Fälle neu aufzurollen. Die Geschichte einer jungen Politikerin, die vor fünf Jahren spurlos verschwand, weckt seine verloren geglaubten Ermittlerinstinkte. Je mehr sich Mørk in die alten Akten vertieft, desto größer werden die Ungereimtheiten. Ist es wirklich denkbar, dass die Frau noch am Leben ist, festgehalten und gequält an einem unvorstellbaren Ort?
Ein packendes Debüt, als Hörbuch mitreißend gelesen von den Schauspielern Wolfram Koch und Ulrike Hübschmann.
Und das alles gibt es für sagenhafte null Euro.
Den Roman gibt es bei dtv, das Hörbuch im Audio Verlag und alle weiteren sachdienlichen Informationen auf der Homepage.
A History of Violence (USA/Can 2005, R.: David Cronenberg)
Drehbuch: Josh Olson
LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)
Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana. Als zwei Killer sein Restaurant ausrauben wollen, tötet er sie im Affekt. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob habe noch eine Rechnung mit ihm offen.
Ein eiskaltes, klar strukturiertes Drama von Cronenberg, das im TV wahrscheinlich in einer leicht gekürzten Fassung läuft. Immerhin erhielt der Film von der FSK „keine Jugendfreigabe“; – obwohl: nach Mitternacht ist alles möglich. Auch die Ausstrahlung von nicht jugendfreien Filmen.
Cronenberg erzählt eine Genregeschichte und gleichzeitig viel mehr.
Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.
Mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt
Wer dem Goon ein kindliches Gemüt bescheinigt, muss keine Angst vor Schlägen haben. Denn trotz seiner schlimmen Kindheit und seinem derzeitigen Leben als Verbrecher will er nur seinen Spaß haben und gibt dafür auch Zombies und Hellboy eins auf die Nuss.
Ja, richtig gelesen. In dem vierten „The Goon“-Buch „Bergeweise Trümmer“ treffen sich der Goon und Hellboy zu einer zünftigen Endlosklopperei. Denn sie sind sich, wie dieser Dialog zeigt, sehr ähnlich:
„Bleib zurück! Damit verdiene ich meine Brötchen!“
„Ach ja? Wenn ich über so was stolpere, versuch ich ihm den Schädel einzuschlagen…Was machst du?“
„Ziemlich dasselbe.“
Und einige Seiten später meint der Goon zu Hellboy: „Hey Kumpel. Als du mir mit der Steinfaust eins verpasst hast, weißt du noch? Das war lustig.“
Da haben sich zwei Geistesverwandte getroffen und Goon-Erfinder Eric Powell überließ Hellboy-Erfinder Mike Mignola für diese Geschichte den Zeichenstift.
In „Meine mörderische Kindheit“ erfahren wir einiges aus der Kindheit von dem Goon, wie Franky sein Freund wurde und er sich zuerst als knochenbrechender Geldeintreiber Respekt verschaffte und anschließend zum Beschützer der kleinen Leute in seinem Viertel, der Lonely Street, wurde. Auch für sie kämpft er gegen Seeungeheuer und das teuflische Genie, Dr. Alloy.
In „Bergeweise Trümmer“ gibt es neben dem Zusammentreffen der beiden Superhelden Goon und Hellboy auch Kämpfe gegen Zombies, eine jenseitige Monstrosität und Vampire.
Eric Powell hat den Goon vor über zehn Jahren erfunden und lässt ihn in einer Parallelwelt, deren unschuldiges 30-Jahre-Retro-Feeling mit einer satten Portion “Amazing Stories“, Schwarzem Humor und Slapstick gewürzt wird, hemmungslos austoben. Denn bei Powell sind die nächsten Zombies, Maulsperren, explodierenden Affen, Seemonster und Riesenroboter gleich um die Ecke.
Manchmal müssen der Goon und Franky auch um ihren Platz in dem Comic kämpfen. Denn aseptische Familiengeschichten (in denen blonde Mädchen sich einen Schwachkopf aussuchen dürfen), Eric Powells Erlebnisse auf einer ComicCon und die Werbung für ein Goon-Junior-Set (enthält unter anderem ein Bleirohr und eine Flasche Gift) fordern ihren Platz. Aber nicht lange. Denn: „Kein Scheiße schmierender Einfaltspinsel verdrängt uns aus unserem Comic.“
Die Comics von Eric Powell eroberten die Herzen der amerikanischen Comicfans im Sturm. Immerhin spielen sie gelungen, respektlos und gewitzt auf dem Instrumentarium der Popkultur. Powell erhielt mehrere Eisner Awards und Hollywood kaufte die Filmrechte. Die neueste Meldung ist, dass Powell vor wenigen Monaten ein Drehbuch beendet hat, derzeit Probeaufnahmen gemacht werden, David Fincher produziert und vielleicht sogar die Regie übernimmt.
Das sind doch gute Nachrichten. Bis der Goon im Kino zuschlägt, regnet es „Bergeweise Trümmer“ auf „Meine mörderische Kindheit“.
–
Eric Powell: The Goon 3: Meine mörderische Kindheit
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2009
128 Seiten
19,80 Euro
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Originalausgabe
The Goon: My murderous Childhood (and other grievious yarns)