DVD-Kritik: „Las Bandidas“ schlagen zu

Jean-Luc Godard sagte: „Um einen Film zu machen genügen eine Waffe und ein Mädchen.“

Las Bandidas“ hat vier gutaussehende, vornehmlich knapp begleitete Frauen und ein ganzes Arsenal von Waffen.

Damit erfüllt „Las Bandidas“ Godards Minimaldefin ition für einen Film locker.

Aber ein guter Film ist es nicht geworden.

Denn nach dem Versprechen von Cover und Trailer folgen einfach nur zwei Stunden Langeweile.

Woran liegt das?

Nun, mal wieder an grundlegenden Plotproblemen.

Denn auch wenn die einzelnen Charaktere ein Ziel haben (die mexikanischen Gangster wollen mit den Koreanern ein Drogengeschäft abwickeln; die spanischen Einbrecherinnen wollen sie ausrauben), müssen wir Zuschauer erstens wissen, was sie erreichen wollen, und zweitens, wie sie es erreichen wollen. Erst dann können wir mitfiebern.

Aber in „Las Bandidas“ bohren die Frauen sich nur durch irgendwelche Gemäuer, schrauben an Fahrrädern herum, kriechen im roten Abendkleid durch Fenster und klettern irgendwelche Mauern hoch (Jaja, sieht lecker aus.) und machen dann irgendetwas furchtbar kompliziertes (was wahrscheinlich auch einfacher ginge), um an eine im Safe des Gangster liegende Festplatte zu kommen. Keine Ahnung, warum sie die externe Festplatte klauen und das Geld im Safe lassen. Keine Ahnung, warum sie dann die Festplatte gegen einen ziemlich geringen Geldbetrag zurückgeben und dann etwas noch viel komplizierteres anstellen, um an eine riesige Tasche voller Geld zu kommen.

Das bietet – Habe ich schon erwähnt, dass die Einbrecher vier heiße Weiber sind? – natürlich einiges für das Auge des männlichen Betrachters. Aber solange dem Zuschauer nicht gesagt wird, wie Ana, Aurora, Gloria und Paloma an die Kohle rankommen wollen, langweilen die ziemlich irrwitzigen Aktionen der Frauen. Zum Beispiel: Warum müssen sie eine Laser-Schusswaffe bauen, diese dann in dem Fahrrad verstecken und kurz vor ihrem Einsatz mühevoll zusammenbauen? Warum – und wo – buddeln sie ein Loch in den Boden und tarnen es anschließend fein säuberlich? Sowieso ist unklar, wie sie in die Zentrale des Gangsterbosses einbrechen und anschließend flüchten wollen.

Irgendwann zertrümmert der Gangsterboss, der wahrlich keine Zierde für uns Männer ist, einer der Einbrecherinnen die Hand. In den nächsten Szenen scheint ihre Hand geheilt zu sein. Später ist sie wieder dick verbunden und sie eignet sich gut als Schlagwaffe. Die kaputte Hand scheint außer einer kleinen körperlichen Unbequemlichkeit den Einbruchsplan der Frauen überhaupt nicht zu beeinflussen. Bei einem besseren Drehbuch wäre in diesem Moment der ursprüngliche Einbruchsplan ein Fall für die Geschichtsbücher.

Auch die anderen Taten der drei Einbrecherinnen (Ana liegt nach einem Unfall im Koma) und der Gangster wirken zufällig und haben meist keine Konsequenzen für die weitere Geschichte. Subplots werden plötzlich fallengelassen. Über weite Strecken wirkt „Las Bandidas“ wie der lieblose Zusammenschnitt aus einigen möglicherweise interessanten Filmen.

Außerdem erfahren wir niemals, warum die Frauen die Einbrüche verüben. Diese Nicht-Psychologie führt auch dazu, dass die Vier bis zum Ende austauschbar bleiben – Gutgut, die eine ist etwas älter und hat hellere Haare als die beiden Schwarzhaarigen. – und uns herzlich egal sind. Sie scheinen sogar die gleichen Einbruchsfähigkeiten zu haben. In einem klassischen Heist-Movie, wozu „Las Bandidas“ gehören möchte, hat jeder Gauner seine feste Rolle und seine für das gelingen des Unternehmens wichtigen Aufgaben.

Am meisten psychologische Tiefe in diesem Desaster hat noch der Killer Gabriel. Er hat keine Probleme damit, Männer umzubringen. Aber Frauen – immerhin hat sein Vater seine Mutter erschlagen – bringt er nicht um. Als sein Boss und Freund beginnt, die Frauen schlecht zu behandeln, zerbricht auch diese Freundschaft.

Autor und Regisseur Augustín Díaz Yanes konnte sich allerdings nicht entscheiden, ob er die Geschichte von Gabriel und seinem Gewissenskonflikt oder von den vier Frauen und ihren Einbrüchen bei den Gangstern erzählen wollte. Also entschloss er sich, weder die eine noch die andere Geschichte zu erzählen, sondern uns einfach nur mit Bildern von heißen Frauen, grenzdebilen, blowjobgeilen Gangstern, schmutzigen mexikanischen Straßen und austauschbaren Zimmern zu bedienen.

Denn Yanes scheint sich vor allem, in der Hoffnung, dass die konfuse Geschichte dann nicht weiter auffällt, darüber Gedanken gemacht zu haben, wie er die Frauen apart ins Bild setzt und das ganze relativ jugendfrei mit Sex und Gewalt garniert. Das ist ihm gelungen.

Aber ein guter Gangsterfilm ist so nicht entstanden.

Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (Solo Quiero Caminar, Spanien/Mexiko 2009)

Regie: Agustín Díaz Yanes

Drehbuch: Agustín Díaz Yanes

mit Victoria Abril, Diego Luna, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José María Yazpik

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch, Spanisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit dem Regisseur, Making of, Trailer

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Anmerkung

Der Film lief als „Just Walking“ auf der Berlinale 2009 und dem Fantasy Filmfest 2009.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Las Bandidas“

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