DVD-Kritik: Alain Corneaus wunderschöner Schwanengesang „Wahl der Waffen“

Juli 23, 2010

Der 1981 entstandene Noir „Wahl der Waffen“ von Alain Corneau mit Yves Montand, Catherine Deneuve und Gérard Depardieu ist ein Film aus einer anderen Zeit. Und das liegt nicht daran, dass Montand vor fast zwanzig Jahren gestorben ist.

Der Film war schon damals ein großer Abgesang auf den französischen Gangsterfilm und seine Regisseure, wie Jacques Becker, José Giovanni, Robert Enrico, Claude Sautet, Jean Herman und, selbstverständlich, den großen Stilisten Jean-Pierre Melville (der Montand in „Vier im roten Kreis“ eine Hauptrolle gab und Deneuve in „Der Chef“ ähnlich besetzte). Noch einmal trafen die alten Verbrecher, die in den fünfziger und sechziger Jahren von Jean Gabin, Lino Ventura, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo, Jean Servais und Michel Constantin (um nur einige bekannte Namen zu nennen) verkörpert wurden, auf einen jungen Verbrecher.

Aber jetzt – auch wenn Yves Montand den Kampf gewinnt – zeigt Alain Corneau in jeder Szene, dass ihre Zeit vorbei ist.

Noel Durieux (Yves Montand) setzte nach dem Zweiten Weltkrieg seine im Krieg erworbenen Fähigkeiten als Gangster ein und ist inzwischen mit seiner Frau Nicole (Catherine Deneuve) auf einem riesigen Landgut Pferdezüchter. Das beschauliche Leben wird von dem aus dem Gefängnis geflüchteten Mickey (Gérard Depardieu) gefährdet. Mickey erschoss auf der Flucht einen Polizisten und in der Kategorie „Ärger verursachen“ ist er ein Meister.

Zwischen diesen beiden Männern – immerhin sind Gangsterfilme Männerfilme – hat Catherine Deneuve nur eine kleine Nebenrolle, die auf den ersten Blick einfach gestrichen oder von jemand anderem gespielt werden könnte. Denn außer ihrem Tod trägt sie wenig zur Handlung bei – und gerade dieser Tod, der nach einem Star und dem damit verbundenen kollektiven Rollengedächtnis verlangt (hier Bunuels „Belle de Jour“ und Melvilles „Der Chef“), macht sie für Film unverzichtbar.

Im Zentrum von „Wahl der Waffen“ stehen die beiden von Yves Montand und Gérard Depardieu gespielten antagonistischen Verbrecher. Sie gehören verschiedenen Generationen an. Sie haben ein anderes Verhältnis zum Leben, zu ihren Freunden und zu ihrem Beruf.

Noel ist ein Verbrecher der alten Schule, der sich unauffällig seiner Umgebung anpasst, sich immer beherrscht und auf ein festes Netz von Freunden, von denen viele nicht mehr Leben, vertraut. Corneau zeichnet mit wenigen Bildern und Sätzen dieses Bild. Yves Montands trauriger und oft versteinerter Blick (und das kollektive Bildergedächtnis) erledigt den Rest. Schon als er zum ersten Mal Mickey begegnet, weiß er, dass Mickey ein unbeherrschter Störenfried ist und nicht alt wird.

Denn während Noel zuerst denkt und dann handelt, ist es bei dem Gefühlsmenschen Mickey umgekehrt. Mickey sieht eine Bank und beschließt spontan, sie zu überfallen. Er freut sich wie ein kleines Kind über die frei herumlaufenden Pferde und die Wellen des Ozeans.

Noel erforscht, bevor er Mickey aus dem Weg schaffen will, geduldig Mickeys Leben als Kleingangster in den seelenlosen und schon damals ziemlich heruntergekommenen Banlieu-Wohnblöcken. In diesen Momenten wird „Wahl der Waffen“ zu einer fast dokumentarischen Studie des Lebens des unteren Drittels der Gesellschaft, die ihr Leben irgendwo zwischen Kleinkriminalität, Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlten Jobs fristen.

Bei Corneau wird die einfache Geschichte eines Kampfes zwischen zwei Generationen zu einem komplexem, präzise komponiertem Vixierspiel, das aus der Geschichte des französischen Gangsterfilms, der sozialen Realität und innerfilmischen Bezügen gewoben ist und dessen fein auskomponierten Breitwandbilder nach der großen Leinwand rufen. Auch der epische Gestus beim Erzählen verlangt nach einem dunklen Kinosaal, in dem die Zuschauer für über zwei Stunden in eine fremde Welt entführt werden. Corneaus Charaktere sind mythisch überhöhte Verbrecher in einer Fantasiewelt, die dennoch präzise in einer Zeit und an einem realen Ort verwurzelt sind. Das klingt widersprüchlich, aber beim Sehen, wird dies sofort, wie bei einem Melville-Film, deutlich. Auch die wortkargen Dialoge sind eine Hommage an Melville. So ausdrucksstark wird im Kino selten geschwiegen.

Umso beredter ist die Musik. Philippe Sarde, einem der damals angesagtesten französischen Komponisten, schrieb sie und die beiden Jazzbassisten Ron Carter und Buster Williams spielten mit.

Im Rückblick beendete Alain Corneau mit dem leicht melancholischem „Wahl der Waffen“ die Ära des klassischen französischen Gangsterfilms indem er noch einmal alle Themen bündelte, neu betrachtete und sie endgültig beantwortete. Nach „Wahl der Waffen“ war die Zeit des Nachkriegsgangsters endgültig vorbei.

Die Videoclip-Stilisten und die Straßenköter übernahmen die Macht. „Diva“, „Der Mond in der Gosse“, „La Balance – Der Verrat“, „Der Bulle von Paris“ (wieder mit Depardieu) und „Waffenbrüder“ hießen die Filme und es mischten sich immer mehr Einwanderergesichter in die Reihen der Polizisten und der Verbrecher.

Wahl der Waffen (Le choix des armes, Frankreich 1981)

Regie: Alain Corneau

Drehbuch: Alain Corneau, Michel Grisola

mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin, Marc Chapiteau

DVD

Arthaus

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Mono Dolby Digital), Französisch (Stereo Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Trailer, Wendecover

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Le choix des armes“

Citizen Poulpe über „Le choix des armes“

Films de France über „Le choix des armes“ (englisch)

Kriminalakte über „Wahl der Waffen“ (Sammlung einiger Kritiken)


TV-Tipp für den 23. Juli: Machtlos

Juli 23, 2010

Das hätten die Typen von den ÖR-Sendern nicht geschafft: ein hochkarätig besetzter Politthriller feiert zu einer normalen Uhrzeit seine TV-Premiere:


Pro 7, 20.15

Machtlos (USA 2007, R.: Gavin Hood)

Drehbuch: Kelley Sane

Der arabischstämmige, in den USA lebender, glücklich verheiratete Ingenieur Anwar El-Ibrahimi verschwindet auf einem Flug spurlos. Seine schwangere Frau sucht ihn. Er wird währenddessen in einem nordafrikanischem Land, unter der Aufsicht eines jungen Geheimdienstlers, gefoltert. Denn die Amis glauben, dass er Kontakt zu einem gefährlichen Terroristen hat.

Die Besetzung ist hochkarätig. Das Anliegen, auf die menschenrechtsverachtende Praxis der Extraordinary Renditions und die damit verbundene Folterpraxis aufmerksam zu machen, ist ehrenwert.

Aber dennoch enttäuscht „Machtlos“. Denn Hood verirrt sich in diversen Subplots, nie wird das Verhältnis zwischen den einzelnen Plots geklärt (Was ist Hauptplot? Was ist Subplot?) und das Ende ist lächerlich. Jedenfalls das Ende für den Gefolterten. Die „geniale Konstruktion“ (jedenfalls dachten die Macher das, als sie uns die Auflösung der Geschichte des jungen Liebespaares präsentieren) ist eine ziemliche Verarschung des Zuschauer.

Auf der Habenseite kann „Machtlos“ letztendlich nur das Ensemble und die Bilder verbuchen. Oh, die Musik ist auch nicht schlecht.

Ansonsten, wenn man keine Doku sehen will, sollte man sich besser noch einmal einen der legendären Politthriller von Constantin Costa-Gavras ansehen. Zum Beispiel „Das Geständnis“ mit Yves Montand in der Hauptrolle.

Oder einen der neuen und wesentlich gelungeneren Politthriller wie „Sturm“, „Green Zone“, „Operation Kingdom“ und „Syriana“. Bei denen ist Folter allerdings, falls überhaupt, nur ein Randthema.

Wahrscheinlich läuft um 20.15 Uhr eine heftig gekürzte Version des FSK-16-Streifens.

mit Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Peter Sarsgaard, Omar Metwally, Yigal Naor, Alan Arkin, Meryl Streep, J. K. Simmons

Wiederholung: Samstag, 24. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Machtlos“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Machtlos“

Variety über Kelley Sane (Ten Screenwriters to watch, 22. Juni 2006)

Coming Soon: Interview mit Kelley Sane (18. Oktober 2007)

Nachtrag (27. Juli 2010): Das Bonusmaterial der DVD ist allerdings sehr gelungen. Es gibt einen Audiokommentar von Regisseur Gavin Hood, in dem er auf die realen Hintergründe für den Film und etliche Überlegungen bei der Gestaltung des Films und bestimmter Szenen eingeht. Dazu gehören die Farbpalette, die Aufnahmen in Washington, die Entscheidung die Schauspieler in ihrer Muttersprache spielen zu lassen und wie es ihnen gelang, ein gutes halbes Dutzend Geschichten (Hood spricht mehrmals von „vier bis fünf kurzen Filmen“) in einem knapp zweistündigem Film unterzubringen.

Es gibt die gut halbstündige Dokumentation „Geächtet“ über die wahren Fälle, die „Machtlos“ inspirierten (unter anderem der Deutsche Khaled El-Masri), das ebenfalls halbstündige Making-of, das sich ausführlich mit dem Dreh des Bombenattentat auf dem Marktplatz, beschäftigt und einige geschnittene Szenen (insgesamt über eine Viertelstunde). Auch hier ist der Audiokommentar von Gavin Hood, in dem er erklärt, warum zwei Subplots gestrichen und das Ende anders geschnitten wurde, hörenswert.


Independent Filmfestival im „Filmkunst 66“ (Berlin)

Juli 22, 2010

Einmal im Jahr präsentiert Franz Stadler, der Betreiber des „Filmkunst 66“ (Berlin-Charlottenburg, Nähe S-Bahnhof Savignyplatz), das „Independent Filmfestival – Festival des unabhängigen Films“. Die meisten Filme sind bei uns, trotz bekannter Namen, nur auf DVD erschienen. Jetzt gibt es eine der ganz seltenen Gelegenheiten, diese Filme im Kino zu sehen. Dieses Jahr sind unter anderem dabei:

Nichts als die Wahrheit: ein auf einem wahren Fall basierender Politthriller über eine US-Journalistin, die, um den Namen ihres Informanten zu verraten, in Beugehaft genommen wird. Regie führte Rod Lurie (Die letzte Festung, Rufmord). Kate Beckinsale, Matt Dillon und Alan Alda spielen mit.

Synecdoche, New York: das mit zwei Independent Spirit Awards ausgezeichnete Regiedebüt von Charlie Kaufmann. Er schrieb die Drehbücher für „Being John Malkovich“, „Adaptation“, „Human Nature – Die Krone der Schöpfung“, „Vergiss mein nicht“, „Geständnisse – Confessions of a dangerous mind“. Philip Seymour Hoffman, Catherine Keeler, Emily Watson, Jennifer Jason-Leigh spielen mit.

Jeder stirbt – The Unscarred: ein zehn Jahre alter Film von Buddy Giovinazzo mit James Russo, Heino Ferch und Ornella Muti, der damals wegen der Pleite des Produzenten im Archiv verschwand.

Gangster

36 – Quai des Orfevres

MR 73: die Polizeifilm-Trilogie von Olivier Marchal, den Zitty den „Nachfolger von Jean-Pierre Melville“ nennt. Die drei Noirs erschienen bei uns nur auf DVD. Auch „Diamond 13“, für das Marchal das Drehbuch schrieb und eine Hauptrolle übernahm, erschien bei uns nur auf DVD.

1974

1980

1983: die grandiose Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace. Es ist zwar eine Fernsehproduktion, aber die Bilder schreien nach der großen Leinwand.

Insgesamt laufen im „Filmkunst 66“ vom Donnerstag, den 22. Juli, bis zum Mittwoch, den 4. August, 24 Filmpremieren von unabhängigen Filmen, die nicht nur Futter für die Augen, sondern auch für die kleinen grauen Zellen liefern.


TV-Tipp für den 22. Juli: Leben und Sterben in L. A.

Juli 22, 2010

Das Vierte, 20.15

Leben und Sterben in L. A. (USA 1985, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin, Gerald Petievich

LV: Gerald Petievich: To live and die in L. A., 1984 (Leben und Sterben in L. A.)

Zwei Polizisten jagen einen Geldfälscher. Dabei sind sie in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich.

Nihilistischer Polizei- und Gangster-Thriller mit rasanten Action-Szenen.

Aufgrund der Uhrzeit könnte eine gekürzte Version gezeigt werden. Die Nachtwiederholung müsste ungekürzt sein.

Mit William L. Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, John Turturro, Dean Stockwell, Gerald Petievich (in einer Minirolle als „Special Agent“)

Wiederholung: Freitag, 23. Juli, 03.10 Uhr (Tagesgenau!)

Hinweise

Homepage von Gerald Petievich

Wikipedia über „Leben und Sterben in L. A.“ (deutsch, englisch)


Ist der „Rote Zwerg“ „Besser als das Leben“?

Juli 20, 2010

Einige Rätsel werden wahrscheinlich nie gelöst werden. Dazu gehört die deutsche Veröffentlichung der Romane zur BBC-SF-Comedy „Red Dwarf“. Denn die beiden Romane „Roter Zwerg“ und „Besser als das Leben“ von Grant Naylor erschienen in England vor über zwanzig Jahren und auch die Vorlage, die Comedy „Red Dwarf“ hat es nie über den Ärmelkanal gepackt.

Warum sollte ein großer Verlag wie Blanvalet jetzt die Bücher veröffentlichen?

Keine Ahnung, außer dass vielleicht irgendwo in den Gängen des Verlages ein Roter-Zwerg-Fan sitzt.

Der „Rote Zwerg“ ist, wir ahnen es, ein altes, ungefähr fünf Meilen langes Bergbau-Schiff, das nur schlappe zweihunderttausend Meilen pro Stunde schafft. Auf ihm heuert Dave Lister an. Nach einer Sauftour durch London wachte Lister pleite auf dem Saturn-Mond Minas auf und, weil er seinen Pass verloren hat, kann er auch keine Arbeitserlaubnis erhalten. Wenn er beim Space-Korps anheuert, so denkt Lister sich, bekommt er sogar seinen Heimflug bezahlt. Er wird sogar wider Erwarten angenommen und muss auf dem „Roten Zwerg“ Tätigkeiten verrichten, für die sich sogar die Roboter zu fein sind. Nach einem Vergehen wird der stinkfaule Lister zur Strafe in die Stasis-Kammer gesperrt.

Drei Millionen Jahre später, nachdem die nukleare Strahlung eines Cadmium-II-Lecks abgeklungen ist, wird Lister von dem superintelligentem Schiffscomputer Holly geweckt. Etwas später erzeugt Holly, um Lister zu einem disziplinierterem Leben anzuleiten, ein Hologramm von Listers Intimfeind Rimmer. Im Raumschiff entdecken sie Kater, eine Mischung aus Mensch und Katze, die in ihrem Sauberkeits- und Kleiderwahn jede Frau in den Schatten steckt. Auf einem Planeten entdecken sie Kryten, einen neurotischen Roboter, dessen Lebenserfüllung putzen und bedienen ist.

Dass es noch schlimmer kommen kann, erfährt Lister, als er auf einen sprechenden Toaster, dessen Lebenserfüllung das Herstellen von Toastbrot ist, trifft. Gemeinsam fliegen sie durch das Weltall. Ihr Ziel ist die Erde. Ihre Abenteuer sind, auch ohne das Treffen auf außerirdische Lebensformen, grotesk.

Dazu gehören Besuche auf einem vereisten Müllplaneten, der plötzlich auftaut, Zeitparadoxien und der Einstieg in das Spiel „Besser als das Leben“, das seinen Mitspielern alle Wünsche erfüllt und mit dem Tod der Spieler endet. Denn wer will schon aus dem selbstgeschaffenen Paradies aussteigen?

Die von Grant Naylor (einem Pseudonym der Serienerfinder Rob Grant und Doug Naylor) erfundene Science-Fiction-Comedy „Red Dwarf“ und die beiden darauf basierenden Romane „Roter Zwerg“ und „Besser als das Leben“, die sich anscheinend sehr genau an die BBC-Serie halten, stehen in der Tradition von Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“. Allerdings war – aus der Erinnerung – vor allem der erste „Anhalter“-Band der vierbändigen Trilogie in fünf Teilen wesentlich witziger.

Dennoch liefern „Roter Zwerg“ und „Besser als das Leben“ den „Anhalter“-Fans und den Freunden des absurden Humors genug durchgeknallte Ideen und Lacher für ein verlängertes Wochenende. Danach ist dann vielleicht nicht mehr „42“, sondern BADL die Antwort auf die große Frage nach dem Sinn des Lebens und dem ganzen Rest.

Grant Naylor: Roter Zwerg

(übersetzt von Wolfgang Thon)

Blanvalet, 2009

336 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

Red Dwarf: Infinity Welcoms Careful Drivers

Penguin Books, 1989

Grant Naylor: Besser als das Leben

(übersetzt von Wolfgang Thon)

Blanvalet, 2010

320 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

Red Dwarf: Better than life

Penguin Books, 1990

Hinweise

„Red Dwarf“-Homepage

Wikipedia über „Red Dwarf“


TV-Tipp für den 21. Juli: Wehrlos – Die Tochter des Generals

Juli 20, 2010

Nach dem Besuch des Biergartens

Kabel 1, 22.30

Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)

Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)

LV: Nelson De

Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)

Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.

Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)

Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.

Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.

Der Film ist FSK-16 und aufgrund der Uhrzeit müsste heute die ungekürzte Version gezeigt werden. Für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen.

Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”

Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III

Hinweise

Homepage von Nelson DeMille

Schnittberichte über die Kürzungen

January Magazine unterhält sich mit Nelson DeMille (März 2000)

Wikipedia über Nelson DeMille (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „Simon & Simon“, das zweite Jahr

Juli 20, 2010

Nach der ersten Staffel gab es bei der lockeren, in San Diego spielenden Privatdetektivserie „Simon & Simon“ einige einschneidende Änderungen. So sind die Brüder umgezogen. Sie residieren jetzt im ersten Stockwerk eines kleineren Bürohauses an der Strandpromenade. Aber meistens erledigen sie ihre Arbeit in A. J.s an einem Kanal liegendem Haus. Denn inzwischen ist er bei seiner Mutter ausgezogen. Neben dem Haus hat A. J.s älterer Bruder Rick sein Schiff „Hole in the Water“ abgestellt. Ihre Mutter hat nur noch wenige Auftritte. Ihr alter Konkurrent Myron Fowler hat seine Detektei aufgegeben. Er genießt das Leben als Rentier und erledigt immer wieder Aufträge für Rick und A. J.. Von der durchaus herzlichen Feindschaft aus der ersten Staffel ist nichts mehr zu spüren. Myrons Tochter Janet ist inzwischen Assistentin des Staatsanwalts und damit die unerschöpfliche Verbindung der Simon-Brüder zu allen staatlichen Datenbanken.

Einige dieser Änderungen, besonders das Verhältnis von Rick und A. J. zu Myron, stehen im direkten Widerspruch zum Konzept in der ersten Staffel. Auch dass der Chef von San Diegos ehemals größter Detektei jetzt für die Simon-Brüder kleine Überwachungsjobs übernimmt und anscheinend ständig klamm ist, wird nicht erklärt.

Kaum geändert wurde dagegen die Mischung aus Crime und Comedy, wobei sich in der zweiten Staffel das Augenmerk der Macher noch stärker auf leichtgewichtiges und weitgehend zeitloses Entertainment richtete. Sie fanden jetzt die Formel, die „Simon & Simon“ ein langes Leben im Fernsehen bescherte. Die wenigen ernsteren Folgen fallen dagegen umso deutlicher auf.

Gleichzeitig wurde sich noch deutlicher als in der ersten Staffel in die Tradition der PI-Krimis gestellt. So ist die Doppelfolge „Mord im Paradies“, in der viele Szenen aus dem niemals ausgestrahten Pilotfilm „Pirate’s Key“ verwandt wurden, deutlich von John D. MacDonalds Bergungsexperten Travis McGee inspiriert. Wenn Rick Simon für einen Auftrag eine Provision verlangt, ist das direkt von den McGee-Krimis übernommen und wahrscheinlich waren es letztendlich nur finanzielle Gründe, warum die Serie von Florida, wo sie ursprünglich spielen sollte, nach San Diego verlegt wurde.

Die Vorlage für „Wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ ist Howard Brownes „In Luft aufgelöst“ (Thin air, 1954).

Wenn in „Mord mit spitzer Feder“ ein Krimibestsellerautor lange vor „Basic Instinct“ glaubt, dass ein Mörder seine Morde kopiert, dann dürfen Krimifans zum ersten Mal bei dem Namen des Autoren, Rockwell Stark, kundig mit dem Kopf nicken. Von Rockwell Stark ist der Weg zu Richard Stark (einem Pseudonym von Donald E. Westlake) nicht weit. Der Plot scheint dagegen eher einem Bestseller von; – nun aus heutiger Sicht müsste man sagen Jeffery Deaver oder James Patterson entsprungen zu sein. In jedem Fall liefert „Mord mit spitzer Feder“ eine zünftige Serienmörderjagd. Und das lange vor dem „Schweigen der Lämmer“.

Einen Blick in das Filmgeschäft liefert „Reit weiter wilder Reiter“. Schon der Originaltitel „Rough Rider rides again“ erinnert an die alten Westernserials und, wenn der Rough Rider zum ersten Mal auftaucht, an den in den USA legendären Lone Ranger. In der Folge verdient Buck Yancy (gespielt von Stuart Whitman), der früher im Kino den Rough Rider, spielte, jetzt seine Brötchen mit Rough-Rider-Auftritten in Kaufhäusern. Als der damalige Produzent einen Kinofilm mit einem anderen Darsteller drehen will, gibt es Tode und Yancy sitzt als Mordverdächtiger im Knast. Die Simon-Brüder wollen ihrem Jugendidol helfen und erfahren einiges über den Umgang von Hollywood mit seinen Stars.

Inszeniert wurde der bittersüße Abgesang von Western-Regisseur Burt Kennedy, der, wenn Rick und A. J. über den Walk of Fame laufen, länger auf dem Stern von James Garner verweilt. Kennedy drehte mit Garner die erfolgreichen Westernkomödien „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ (Support your local sheriff!, 1969) und „Latigo“ (Support your local gunfighter, 1971) und James Garner ist – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – als Detektiv Jim Rockford einer der legendären Privatdetektive.

Für die damaligen Zuschauer in den USA war die Liste der Gaststar in dieser Folge sicher erstaunlich. Mit Stuart Whitman (The Cimmeron Strip), Alan Hale Jr. (Casey Jones), Pat Buttram (The Gene Autry Show), Jock Mahoney (The Range Rider), John Russell (The Lawman) und Hal Needham (Have Gun, Will Travel; der später als Stuntman und Regisseur [Smokey and the Bandit, The Cannonball Run] noch bekannter wurde) spielten etliche Stars von Westernserien aus den fünfziger und sechziger Jahren, den Jugendjahren von Rick und A. J. Simon, mit. Die meisten treffen sie in Hollywood in einem Western-Saloon, in dem sich die Altstars an früher erinnern und schnell eine zünftige Kneipenschlägerei inszenieren.

Und auf einem Türschild steht als Name eines Mieters „Siegel, D.“, was ein deutlicher Hinweis auf den Regisseur von „Dirty Harry“ ist. Weniger deutlich ist der Hinweis auf den bei Krimifans bekannten, von Ross Macdonald erfundene Privatdetektiv Lew Archer als „Archer, J.“.

In „Diamanten fallen nicht vom Himmel“ gibt es eine deutliche Hommage an „Der unsichtbare Dritte“. Bei Hitchcock wurde Gary Grant mitten im Nirgendwo von einem Flugzeug gejagt. In der Krimiserie versucht der Pilot die Brüder mit Handgranaten zu töten. Der Anfang der Szene, wenn kurz vor der Attacke des Flugzeugs ein Mann aus einem Bus aussteigt und von einigen Freunden abgeholt wird, ist direkt von Hitchcock geklaut.

In den anderen Folgen gibt es teilweise weniger deutliche Anspielungen, aber immer einen vergnüglichen Fall.

Es geht um Diebstähle von Gemälden, Diamanten, brandneuen Modekollektionen, die Entführung eines Delphins, um einen verfluchten Fetisch (in der neunzigminütigen Crossover-Folge zu „Magnum“), um eine Frau, die Morde vorhersieht, um eine verschwundene Zwillingsschwester, einen verschwundenen Ehemann und eine aus einem verfluchten Zimmer verschwundene Frau, einen totgeglaubten Mann, der behauptet in Schwierigkeiten zu stecken, Spielmanipulationen im American Football, Leistungsdenken an der Universität, Industriespionage, eine geheimnisvolle Frau, die verdächtigt wird, den vielgehassten Herausgeber einer Zeitschrift (der eine Liste mit den zehn aufregendsten Frauen von San Diego veröffentlichen wollte) ermordet zu haben, Sabotage in einem Vergnügungspark, die Überführung eines Oldtimers und in „The club murder vacation“ (ein weiterer liebevoller Titel, der lieblos in „Wenn einer eine Reise tut…“ übersetzt wurde) will A. J. den neuen Bestseller von James A. Michener lesen, nimmt, weil sein Bruder ihn ständig stört, das Angebot von seiner Mutter auf ein Wochenende in einem Hotel an und beobachtet natürlich sofort einen Mord. Allerdings glaubt ihm der Sheriff kein Wort.

Die Liste der Gaststars hält, neben den bereits Erwähnten, einige Überraschungen bereit. Morgan Fairchild, Joe Mantegna, Don Stroud, Broderick Crawford, Lisa Eilbacher, June Allyson, Ray Walston, Monte Markham, Henry Gibson (ich sage nur „Blues Brothers“ und „Boston Legal“), Eddie Albert, Robert Ginty (einige Episoden als Gerichtsmediziner Jerry Reiner), Ed Lauter, Robert Englund und Richard Kiel traten auf.

In Deutschland wurden die Folgen kunterbunt durcheinander gezeigt. Einige Folgen wurden nie gezeigt. Sie sind in den Halbstaffelboxen im Original mit optionalen Untertiteln enthalten. Bei „What’s in a gnome?“ mag das am Thema gelegen haben. Denn der Täter ist ein psychisch kranker Vietnam-Veteran. Bei „Psyched out“ kann es an der Darstellung von Experimenten und dem daraus entstehendem Übermenschen-Denken der Studenten gelegen haben. Bei „The Skeleton who came out of the closet“ waren es wahrscheinlich irgendwelche senderinternen Gründe. Denn mit dem zweimaligen James-Bond-Bösewicht Richard Kiel hat die Folge sogar einen weltweit bekannten Gaststar.

Auch die zweite Staffel von „Simon & Simon“ bietet kurzweilige Unterhaltung, die heute von Serien wie „Castle“, „The Mentalist“, „Monk“, „Psych“ (die alle als Berater für die Polizei arbeiten und damit keine richtigen Privatdetektive sind) und „Burn Notice“ (der die Arbeit ohne Lizenz erledigt), unter leicht geänderten Vorzeichen, fortgeführt wird.

Dennoch wird beim Wiedersehen von „Simon & Simon“, neben den Achtziger-Jahre-Serien „Magnum“, „Das Modell und der Schnüffler“ und „Remington Steele“ (Wann erscheint die Serie bei uns auf DVD?), der Wunsch nach einer neuen guten Privatdetektivserie wach. Denn immer nur Polizisten und freiberufliche Berater der Polizei sind auf lange Sicht einfach langweilig.

Simon & Simon – Staffel 2 (USA 1982/1983)

Erfinder: Philip DeGuere

mit Gerald McRaney (Rick Simon), Jameson Parker ( Andrew Jackson ‚A.J.‘ Simon), Jeannie Wilson (Janet Fowler), Eddie Barth (Myron Fowler), Mary Carver (Cecilia Simon)

DVD

Simon & Simon – Staffel 2.1

Koch-Media

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch (nur bei den nicht synchronisierten Folgen, optional)

Bonusmaterial: 16-seitiges Booklet, „Magnum“-Crossover-Episode „Die Rache des Sonnengottes“ (in verschiedenen Schnittfassungen und Synchronisationen)

Länge: 567 Minuten (12 Episoden auf 4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Simon & Simon – Staffel 2.2

Koch-Media

Bild:1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet

Länge: 518 Minuten (12 Episoden auf 3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Fälle der zweiten Staffel

Die Smaragdenmieze (Emeralds are not a girl’s best friend)

Regie: Lawrence Doheny

Drehbuch: Richard Chapman

Liebe unter Wasser (Mike & Pat)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Richard Chapman

Rot macht tot (Guessing game)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: James Crocker

Eine Hirschkuh kommt selten allein (Art for Arthur’s sake)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: Bob Shayne

Diamanten fallen nicht vom Himmel (The ten thousand dollar deductible)

Regie: Bernard McEveety

Drehbuch: Bill Dial

Reit weiter wilder Reiter (Rough rider rides again)

Regie: Burt Kennedy

Drehbuch: Michael Piller

Meine Schwester bin ich (Sometimes dreams come true)

Regie: Bernard McEveety

Drehbuch: James Crocker

Guten Tag, ich bin dein Mann (The last time I saw Michael)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: James Crocker

Ein Huhn spielt falsch (Fowl play)

Regie: Burt Kennedy

Drehbuch: Donald R. Boyle

Wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt (Thin air)

Regie: Bernard McEveety

Drehbuch: Bob Shayne, Philip DeGuere

LV: Howard Browne: Thin air, 1954 (In Luft aufgelöst)

Mord mit spitzer Feder (Murder between the lines)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Mike Lloyd Ross

Psyched out

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Paul A. Magistretti

Mord im Paradies (Pirate’s Key)

Regie: Corey Allen

Drehbuch: Philip deGuerre

Wenn einer eine Reise tut… (The club murder vacation)

Regie: Burt Kennedy

Drehbuch: Bill Dial

Ein Mensch stirbt nicht vom Chip allein (It’s only a game)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: Richard Chapman

Modemachers Meuchelmord (Design for killing)

Regie: Bernard McEveety

Drehbuch: James Crocker

Die Schönen und die Toten (The list)

Regie: Burt Kennedy

Drehbuch: Michael Piller

What’s in a gnome?

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Paul A. Magistretti

Zum Glück geht’s Stück für Stück (The secret of the chrome eagle)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: Mike Lloyd Ross

Zimmer, Zoff und Zofe (Room 3502)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Alan Brennert

Roter Hund heißt seine Tante (Red dog blues)

Regie: Vincent McEveety

Drehbuch: Deborah R. Baron, Patricia Rae Moran

The skeleton who came out of the closet

Regie: Paul Krasny

Drehbuch: James Crocker

Hinweise

Wikipedia über „Simon & Simon“ (deutsch, englisch)

Fernsehserien über „Simon & Simon“

Thrilling Detective über „Simon & Simon“

Meine Besprechung von „Simon & Simon – Staffel 1“


Cover der Woche

Juli 19, 2010


TV-Tipp für den 20. Juli: Tatort: Tote brauchen keine Wohnung

Juli 19, 2010

BR, 21.45

TATORT: Tote brauchen keine Wohnung (D 1973, R.: Wolfgang Staudte)

Drehbuch: Michael Molsner

LV/Buch zum Film: Michael Molsner: Tote brauchen keine Wohnung, 1980

Eine harte Nuss für Veigl: Während er nach dem Mörder einer vergifteten Rentnerin und eines erschlagenen Ex-Häftlings sucht, gerät er zwischen die Fronten. Denn der Ex-Häftling arbeitete zuletzt für einen Immobilienhai und die Bewohner wollten nicht aus dem Haus ausziehen.

Packende Milieustudie, die sich mit Immobilienspekulationen und den Folgen für die Gesellschaft beschäftigt. Wegen des Themas und der damit verbundenen politischen Brisanz wurde „Tote brauchen keine Wohnung“ fast zwanzig Jahre nicht gezeigt. Inzwischen läuft diese frühe Tatort-Perle öfters im Heimkino.

Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Arthur Brauss, Walter Sedlmayer, Hans Häckermann (als Gastkommissar Böck)

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Veigl

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Michael Molsner

Krimi-Couch über Michael Molsner

Meine Besprechung von Michael Molsners “Rote Messe” (Originalausgabe 1973)


Kleinkram

Juli 19, 2010

Bei Telepolis schreibt Hans Schmid über „Keine Orchideen für Miss Blandish“ (No Orchids for Miss Blandish, 1939), den skandalösen und kommerziell sehr erfolgreichen Debütkriminalroman von James Hadley Chase. Chase schrieb in den folgenden Jahren zahlreiche weitere verkaufsträchtige Krimis. Inzwischen sind sie vor allem antiquarisch erhältlich.

Christopher McQuarrie (Die üblichen Verdächtigen, The Way of the Gun) soll jetzt das Drehbuch für den ersten Jack-Reacher-Film „One Shot“ (deutscher Titel: Sniper) schreiben und auch inszenieren.

Alan Ball entwickelt für HBO eine auf Charlie Hustons „Das Clean-Team“ (The Mystic Arts of Erasing all Kinds of Death, 2009) basierende Serie. Huston schrieb das Drehbuch für den Piloten und im August soll mit dem Dreh begonnen werden. Wann die Serie nach Deutschland kommt…

Ein Interview mit Michael Connelly. Vor allem über seinen neuen, in den USA am 5. Oktober erscheinenden Roman „The Reversal„.

Der erste Trailer von Ben Afflecks neuem Film „The Town“ ist draußen:

Die Verfilmung von Chuck Hogans „Endspiel“ (Prince of Thieves, 2004) soll bei uns am 23. September starten.


TV-Tipp für den 19. Juli: Ringo

Juli 18, 2010

Arte, 20.15

Ringo (USA 1939, R.: John Ford)

Drehbuch: Dudley Nichols, Ben Hecht (ungenannt)

LV: Ernest Haycox: Stage to Lordsburg, 1937 (Postkutsche nach Lordsburg, Erzählung)

1880: Einige Menschen, unter anderem eine Schwangere, eine Prostituierte, ein betrügerischer Banker, ein Spieler, ein Säufer, ein ängstlicher Whiskyvertreter und der Sheriff müssen die durch das Apachengebiet fahrende Postkutsche nach Lordsburg nehmen. Unterwegs nehmen sie als weiteren Passagier den aus dem Knast geflüchteten John Ringo auf. Dieser will in Lordsburg eine Rechnung mit den Plummer-Brüdern begleichen.

Weil die Apachen auf dem Kriegspfad sind und die Reisenden untereinander zerstritten sind, ist ungewiss, ob sie überhaupt ihr Ziel erreichen.

Stagecoach“ ist ein zeitloser Western-Klassiker, der damals John Wayne zum Star machte, den Western nach einer jahrelangen Dürrezeit rundum erneuerte und zahllose Western beeinflusste.

Auch heute (ich konnte ihn vor einigen Jahren in einem Studentenkino sehen) wirkt er immer noch frisch: wenn John Wayne das erste Mal auftaucht, die Konflikte in der Reisegruppe, der Kampf gegen die Indianer am Ende des Films, die präzise komponierten Bilder und das pointierte Drehbuch mit so gemeinen Sätzen: „Was für die Banken gut ist, ist auch für die Nation gut!“

mit John Wayne, Claire Trevor, John Carradine, Thomas Mitchell, Andy Devine, Donald Meek, George Bancroft

auch bekannt als „Höllenfahrt nach Santa Fe“ (Yep, hat mit dem Film nichts zu tun.)

Wiederholung: Dienstag, 20. Juli, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Ringo“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Stagecoach“

Bundeszentrale für politische Bildung: Hans Helmut Prinzler über „Ringo“ (12. April 2010)

Kurzgeschichte „Stage to Lordsburg“ von Ernest Haycox


TV-Tipp für den 18. Juli: Easy Rider

Juli 18, 2010

Arte, 20.15

Easy Rider (USA 1969, R.: Dennis Hopper)

Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern

Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New Hollywood. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:

Ich habe den Film noch nie gesehen.“

Wirklich?“

Nüchtern.“

Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.

Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.

Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.

Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)

mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)

Wiederholung: Donnerstag, 29. Juli, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Easy Rider“

Filmsite (Tim Dirks) über „Easy Rider“

Filmzentrale (Andreas Thomas) über „Easy Rider“

History Routes über „Easy Rider“

Kriminalakte: Nachruf auf Dennis Hopper


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 17, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. Krimifans dürfen sich in den kommenden Tagen unter anderem auf diese Verfilmungen von Kriminalromanen freuen:

Neben den üblichen Verdächtigen gibt es auch einige eher selten gezeigte Filme wie William Friedkins Robin-Moore-Verfilmung „French Connection“ und John Frankenheimers Fortsetzung „French Connection II“, William Friedkins Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ und seine Gerald-Petievich-Verfilmung „Leben und Sterben in L. A.“, Alfred Hitchcocks Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Lucky McKee und Trgve Allister Diesens Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“, Wolfgang Staudtes Michael-Molsner-Verfilmung „Tote brauchen keine Wohnung“, Richard Fleischers Erlmore-Leonard-Verfilmung „Das Gesetz bin ich“, James Wans Brian-Garfield-Verfilmung „Death Sentence – Todesurteil“ und, für Komplettisten, Paul Bogarts Raymond-Chandler-Verfilmung „Die Dritte im Hinterhalt“.


TV-Tipp für den 17. Juli: Der Wolf hetzt die Meute

Juli 17, 2010

ARD, 23.15

Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984, R.: Richard Tuggle)

Drehbuch: Richard Tuggle

New-Orleans-Cop Wes Block jagt einen Prostituiertenmörder. Als eine Prostituierte, bei der er kurz vorher war, ermordet wird, vermutet er eine Beziehung zwischen ihm und dem Mörder. Er hält es sogar nicht für ausgeschlossen, selbst der Täter zu sein.

Als Zuschauer wissen wir in dem Regiedebüt des Drehbuchautors von „Flucht von Alcatraz“ (obwohl Eastwood im Hintergrund dann doch Regie führte) schon früh, dass sich Block in diesem Punkt irrt. Dennoch ist „Der Wolf hetzt die Meute“ (doofer deutscher Titel des wesentlich treffenderen Originaltitels „Tightrope“) ein spannender Psycho-Thriller, der die dunkle Seite von Dirty Harry erkundet, bei den Kritikern ziemlich gut ankam und an der Kasse erfolgreich war.

Im Rückblick ist „Der Wolf hetzt die Meute“ einer von Eastwoods besten Filmen aus den achtziger Jahren.

mit Clint Eastwood, Genevieve Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jennifer Beck

Hinweise

Wikipedia über „Der Wolf hetzt die Meute“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte über Clint Eastwood


Schimanski, Thiel und Boerne in Buchform

Juli 16, 2010

In den Achtzigern war Horst Schimanski der beliebteste Tatort-Kommissar. Heute dürfte das für das Team Frank Thiel/Karl-Friedrich Boerne gelten; – jedenfalls wenn man seinen Krimi nicht todernst mag, kann man sich durch neunzig Minuten lachen.

Auch „Tempelräuber“, das jetzt von Martin Schüller zu einem „Roman zum Film“ umgearbeitet wurde, hat einige Lacher. Das beginnt mit der Bemerkung von Staatsanwältin Klemm: „In dieser Stadt zählt ein toter Priester so viel wie zwei tote Bürgermeister. Oder drei tote Polizisten.“

Als sie erfährt, dass der in der Nacht von einem Auto überfahrene Geistliche Ludwig Mühlenberg, der Leiter des Sankt-Vincenz-Seminars, ist, meint sie nur: „Verdoppeln Sie alles, was ich gesagt habe.“

Es geht weiter mit dem Auftritt von Professor Karl-Friedrich Boerne in seinem Institut. Er wurde in der Nacht von dem Mörder überfahren und jetzt sind beide Arme gebrochen (Seltsamerweise hat er sich nicht weiter verletzt). Aber das hält ihn nicht von der Arbeit ab: „Ein paar Kratzer. Unbedeutende Frakturen. (…) Aber das wird mich nicht davon abhalten, meine Pflicht zu erledigen.“

Nur sind diese Szenen im Film witziger. Die rauchige Stimme von Mechthild Grossmann als Staatsanwältin, Der neben ihr kleine Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel, dem die ganze Kirchensache als eingefleischtes Nordlicht am Arsch vorbeigeht.

Oder wenn Jan-Josef Liefers als snobistischer Professor Boerne einige Minuten später versucht mit zwei gebrochenen Armen eine Obduktion durchzuführen (geht natürlich nicht) und er alle Anwesenden wie seine persönlichen Diener behandelt (die davon natürlich nicht begeistert sind). Das ist im Buch – auch wenn man den „Tatort“ kennt und das sich lässig die Pointen zuschiebende Team aus Axel Prahl (Kommissar Thiel), Jan-Josef Liefers (Professor Boerne), Christine Urspruch (Silke ‚Alberich‘ Haller) und Mechthild Grossmann (Staatsanwältin Klemm) vor Augen hat – nicht so witzig.

Denn während die Filme vom Zusammenspiel der Schauspieler leben und so der Krimiplot zur Nebensache wird (Gibt es wirklich jemand, der diese Tatorte wegen des Plots sieht?), rückt er im Buch ins Zentrum. Der ist jedoch ein eher schwacher Whodunit mit einer ziemlich weit hergeholten Lösung.

Die einzelnen Verdächtigen (der Einbrecher, die geheimnisvolle Frau, der Nachfolger) werden eher pflichtschuldig abgehandelt. Die Geschichte wird vor allem mit einer gehörigen Portion absurden Humors und Kommissar Zufall vorangetrieben. So ist es im Film witzig, wenn bei der Tat nicht nur Professor Boerne überfahren wird, sondern auch das Taxi von Thiels Vater als Mordwaffe benutzt wird und dann spurlos verschwindet.

Im Buch liest sich das dann arg gewollt nach Drehbuchratgeber und rückt die Schwächen des Plots in den Mittelpunkt.

Moltke“ ist der neunzehnte Schimanski-Film und, abgesehen von dem Auftritt von Dieter Bohlen und seiner Musik (damals und heute: Würg.), ein guter „Tatort“, der den Sozialarbeiter Schimanski während der Weihnachtstage auf Hochtouren arbeiten lässt und, aus Schimanskis Sicht, eine zünftige Rachegeschichte im Gangstermilieu erzählt.

Der Hüne Zbigniew ‚Moltke‘ Pawlak saß neun Jahre im Knast. Er hatte zusammen mit drei Komplizen einen aus dem Ruder gelaufenen Überfall auf einen Supermarkt verübt. Ein Wachmann starb, Pawlaks Bruder erhielt einen Bauchschuss und wurde von einem der Verbrecher erschossen. Moltke blieb bei seinem Bruder, wurde verhaftet und verurteilt. Seine Komplizen verschwanden mit dem Geld. Moltke wartete schweigend auf seine Entlassung und jetzt, so nimmt Schimanski, der den Underdog Moltke ganz sympathisch findet, an, jetzt will Moltke sich rächen.

Schimanski versucht das Schlimmste zu verhindern.

War in „Tempelräuber“ der fehlende Humor und die nur leichte Überzeichnung der Charaktere störend, ist es bei der ebenfalls von Martin Schüller geschriebenen Romanversion von „Moltke“ genau umgekehrt. So wirkt Schimanski öfters wie ein trotziges kleines Kind und geistig, wenn Thanner ihm das Weltall erklärt, etwas beschränkt. Da war der „Tatort“-Schimanski wesentlich erwachsener. Schüller porträtiert eher den Schimanski aus der gleichnamigen, wesentlich schlechteren TV-Serie.

Am Ende der Geschichte, wenn Moltke den letzten seiner Komplize stellt und Schimanski zum letzten Mal versucht Moltke zu helfen, hätte Schüller sich weniger sklavisch an das Drehbuch halten können. Denn anstatt einfach die einzelnen Szenen aufeinander folgen zu lassen, hätte er, wie James Rollins in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, die Lücken zwischen den Szenen auffüllen können. So wird das Ende dieses ungewöhnlichen „Tatorts“ in Buchform etwas unrund.

Vielleicht wäre der Roman auch besser geworden, wenn Martin Schüller die Geschichte aus der Sicht Schimanskis in der ersten Person erzählt hätte. Damit hätte er an die Grundidee der ersten Schimanski-Tatorte angeknüpft, in denen der Film ausschließlich Schimanskis Sicht erzählt wurde.

Tempelräuber“ und „Moltke“ sind okaye „Bücher zum Film“, die aber beide Male hinter den Filmen zurückbleiben.

Zur zweiten „Tatort“-Lieferung aus dem Emons-Verlag gehören außerdem „Erntedank“ (mit Charlotte Lindholm), „Seenot“ (mit Klara Blum), „Bevor es dunkel wird“ (mit Charlotte Sänger und Fritz Dellwo) und „Vermisst“ (mit Lena Odenthalo und Mario Kopper).

Für September ist bereits die dritte Lieferung angekündigt: „Schwarzer Peter“ (mit Eva Saalfeld und Andreas Keppler), „Todesbrücke“ (mit Till Ritter und Felix Stark), „Das ewige Böse“ (mit Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne), „Das Phantom“ (mit Max Ballauf und Freddy Schenk), „Borowski und die einsamen Herzen“ (mit Klaus Borowski) und „Starkbier“ (mit Ivo Batic und Franz Leitmayr, ein grandioser „Tatort“ in dem Carlo Menzinger die Ermittlungen leitet).

Martin Schüller: Tempelräuber

Emons, 2010

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: Tempelräuber (D 2009)

Regie: Matthias Tiefenbacher

Drehbuch: Magnus Vattrodt

mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Grossmann, Claus Dieter Clausnitzer, Ulrich Noethen , Rosalie Thomass, Johanna Gastdorf, Wolf-Niklas Schykowski, Marita Breuer

Erstausstrahlung: 25. Oktober 2009 (Folge 745)

Martin Schüller: Moltke

Emons, 2010

160 Seiten

8,95 Euro

Vorlage

Tatort: Moltke (D 1988)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Axel Götz, Jan Hinter, Thomas Wesskamp

mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Chiem van Houweninge, Hubert Kramar, Iris Disse, Gerd Silberbauer, Wolfgang Preiss, Jan Biczycki, Jürgen Heinrich, Dieter Bohlen, Ludger Pistor

Erstausstrahlung: 28. Dezember 1988 (Folge 214)

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Thiel und Kommissar Schimanski

Horst-Schimanski-Fanseite

Kriminalakte: Gespräch mit Hejo Emons über die Tatort-Reihe

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Ersten (Oliver Wachlin: Blinder Glaube; Martin Schüller: Die Blume des Bösen)

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Zweiten (Martin Schüller: A gmahde Wiesn, Christoph Ernst: Strahlende Zukunft)

Kriminalakte: Tatort-Romane – zum Dritten (Martin Conrath: Aus der Traum…, Oliver Wachlin: Todesstrafe)


TV-Tipp für den 16. Juli: Nachtschicht – Doppelschicht

Juli 16, 2010

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Der Ausbruch (D 2007, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Die beiden Knackis Töfting (bekannt aus dem ersten Nachtschicht-Film) und Gecko fliehen aus dem Gefängnis. Töfting will Kommissar Erichsen, der ihn in den Knast schickte, zuerst um sein Schwarzgeld erleichtern und dann umbringen. Klar, dass Erichsen sich das nicht gefallen lässt und gewohnt feinfühlig vorgeht.

Vierter, gewohnt hochkarätiger besetzter Einsatz des Nachtschicht-Teams mit einer neuen Chefin: nach dem Weggang von Katharina Böhm versucht Barbara Auer das Team zu zähmen. Ob ihr das gelingt? In jedem Fall gibt’s neunzig unterhaltsame Minuten.

Mit Armin Rohde, Ken Duken, Minh-Khai Phan-Thi, Barbara Auer, Pierre Semmler, Florian Lukas, Hussi Kutlucan, Jan Josef Liefers, Anna Loos, Bela B., Dominique Pinon

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Ich habe Angst (D 2008, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Auch in ihrer fünften Nacht gibt es für den Hamburger Kriminaldauerdienst viel zu tun. Bei einer Razzia entwischt ihnen der Kopf der Fälscherbande. Eine Lehrerin meldet sich anonym beim KDD und zeigt eine Kindesmisshandlung an. Ein Mann wird erstochen.

Zufälle über Zufälle – aber von Lars Becker schlüssig, pointiert und gewohnt unterhaltsam als Porträt einer Nacht zusammengefügt.

Mit Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Barbara Auer, Pierre Semmler, Ulrike Krumbiegel, Matthias Brandt

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


ITW vergibt den Thriller Award

Juli 15, 2010

Auf ihrem jährlichen Thrillerfest in New York hat die Autorenvereinigung International Thriller Writers (ITW) auch ihren Thriller-Award vergeben:

Best Hard Cover Novel

THE NEIGHBOR von Lisa Gardner

Best Paperback Original Novel

THE COLDEST MILE von Tom Piccirilli

Best First Novel

RUNNING FROM THE DEVIL von Jamie Freveletti

Best Short Story

A STAB IN THE HEART von Twist Phelan

Für besondere Leistungen für das Genre erhielten auch folgende Autoren Trophäen:

Thriller Master

Ken Follett

True Thriller Award

Mark Bowden

Silver Bullet Award

Linda Fairstein

Hier gibt es eine Liste aller nominierten Werke.


Neu im Kino/Filmkritik: Moon

Juli 15, 2010

Beim Sehen ist das Science-Fiction-Kammerspiel „Moon“, wie „Matrix“, ein toller Trip, der zum Nachdenken und zum Diskutieren über die im Film angesprochenen philosophischen Fragen einlädt. Aber, wie „Matrix“, hat „Moon“ auch mit einigen scheunentorgroßen Plotlöchern (die hier, weil sie wichtige Plottwists verraten würden, nicht diskutiert werden) zu kämpfen. Dass man diese gerne ignoriert, spricht wiederum für das Filmdebüt von Duncan Jones mit dem grandiosen Sam Rockwell in einer Doppelrolle.

Er spielt den Zeitarbeiter Sam Bell, der seit fast drei Jahren als Hausmeister auf einer Mondstation arbeitet und den Vertrag auch als Gelegenheit nutzen will, sein Leben in Ordnung zu bringen. Der Konzern Lunar baut dort den Rohstoff Helium-3 für saubere Energie ab. In wenigen Tagen darf er auf die Erde zurückfliegen und selbstverständlich freut er sich auf die Begegnung mit seiner Frau und seiner Tochter. Denn in den vergangenen Jahren hatte er, weil die Live-Übertragung unterbrochen war, nur einige Videobotschaften von ihr erhalten. Sowieso ist die Technik auf der Mondstation nicht gerade auf dem neuesten Stand.

Bells einziger Gefährte ist der ihm helfende Computer Gerty (Der im Original von Kevin Spacey wundervoll emotionslos gesprochen wird.).

Trotzdem sieht Bell plötzliche eine Frau in seinem Sessel sitzen. Später bei einer Routineinspektion der riesigen Helium-3-Abbauanlage, glaubt er wieder eine Frau zu sehen und baut einen Unfall bei dem er sich schwer verletzt.

Kurz darauf wacht er in der Krankenstation auf. Seine Kopfwunde ist verheilt. Dafür stolpert er jetzt wie ein Neugeborener durch die Raumstation. Doch das ist nicht sein schlimmstes Problem. Denn er trifft einen Doppelgänger und fragt sich, ob er nicht komplett durchgeknallt ist. Vorläufig wird er den Doppelgänger wie den sprichwörtlichen Freund Harvey behandeln.

Außerdem ist ein Rettungsteam angekündigt, das ihn, so vermutet sein Doppelgänger, vielleicht gar nicht retten soll.

Für diese Thrillerelemente interessieren sich Duncan Jones und Drehbuchautor Nathan Parker kaum. Auch die Anklage gegen das menschenverachtende Gebaren eines Konzerns, der anscheinend skrupellos Menschen opfert, ist den Machern egal. Lunar ist einfach nur ein austauschbarer, Menschen opfernder Konzern. Sein Verhalten ist sogar, ähnlich der Roboter in „Matrix“, letztendlich vollkommen irrational.

Jones und Parker stellen in ihrem langsam erzählten Film von Anfang an, wie bereits Andrei Tarkowski und Steven Soderbergh in ihren Stanislaw-Lem-Verfilmungen „Solaris“ und Douglas Trumbell in „Lautlos im Weltall“, Fragen nach dem Menschsein, seinen Wünschen und wie ein Mensch mit der Einsamkeit umgeht.

Mit diesen Fragen richten sie sich an ein erwachsenes Publikum, das Science-Fiction nicht nur als Entschuldigung zum fotogenen Zerstören von Städten, Kontinenten und Welten versteht.

Und Sam Rockwell zeigt wieder einmal sein Können. Der immer noch sträflich unterschätzte Schauspieler stemmt den Film im Alleingang. Er bereichert mit dieser Doppelrolle, nach „Frost/Nixon“, „Choke – Der Simulant“, „Per Anhalter durch die Galaxis“, „Geständnisse – Confessions of a dangerous mind“ und „Heist – Der letzte Coup“, sein schon jetzt reichhaltiges Repertoire von aufregenden Charakterstudien um eine weitere schräge Charakterstudie. In „Moon“ zeigt er dabei eine beeindruckende Studie eines körperlichen Verfalls und porträtiert den gleichen Menschen in verschiedenen Entwicklungsstufen, der sich immer wieder fragt, ob er noch normal ist und was die Realität ist.

Moon (Moon, GB 2009)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)

mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)



TV-Tipp für den 15. Juli: Nachtschicht: Tod im Supermarkt

Juli 15, 2010

ZDFneo, 21.00

Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.

Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


Film des Tages: Steamboat Bill Jr.

Juli 14, 2010

„Steamboat Bill Jr.“ (bei uns auch bekannt als „Wasser hat Balken“ und „Wasser hat keine Balken“) ist ein Stummfilm von 1928 mit Buster Keaton in der Hauptrolle.