TV-Tipp für den 24. Januar: Marnie

Januar 24, 2011

Arte, 20.15

Marnie (USA 1964, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Jay Presson Allan

LV: Winston Graham: Marnie, 1961 (Marnie)

Ein Verleger verknallt sich in eine Kleptomanin.

Marnie“ ist – nach mehreren Klassikern – ein schwacher Hitchcock, der von der damaligen Kritik ziemlich verrissen wurde. Sean Connery bewies allerdings schon zu Bond-Zeiten seine Lust auf ungewöhnliche Rollen: der Geheimagent ihrer Majestät als Weichei.

Marnie ist Hitchcocks Phantasie über das kleine Kind in der Frau und über den Züchtigungswahn der Männer. Auch ein Experiment damit, wie sehr das Freudsche Sozialisierungsmodell taugt für den Rahmen eines Suspense-Thrillers, in dem es anscheinend nur um die Auflösung kindlicher Traumata geht (die zu Verwirrung bei Rot/Weiß-Wahrnehmungen, zu Alpträumen bei nächtlichen Klopfgeräuschen, zu Angstzuständen bei Gewittern führen). Im Grunde aber handelt der Film von den Stadien eines permanenten Schocks auf der einen Seite, die in ständige Transfers in andere Identitäten münden, und von der systematischen Manipulation einer Abhängigen, mal mit Gewalt, mal mit sadistischer Verzögerung zelebriert.“ (Norbert Grob in Lars-Olav Beier/Georg Seeßlen [Hrsg.]: Alfred Hitchcock, 1999)

Mit Sean Connery, Tippi Hedren, Diane Baker, Martin Gabel, Bruce Dern

Wiederholung: Mittwoch, 26. Januar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Winston Graham and Poldark Literary Society

Telegraph: Nachruf auf Winston Graham

Turner Classic Movies über „Marnie“

Tony Lee Moral: Hitchcock and the Making of „Marnie“, Manchester University Press 2002 (via Google Buchsuche)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Januar: Stieg Larsson: Verblendung (1)

Januar 23, 2011

ZDF, 22.00

Stieg Larsson: Verblendung (1) (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Um eine halbe Stunde längere TV-Version der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit gut gefallen.

Der zweite Teil läuft am kommenden Sonntag. „Verdammnis“ und „Vergebung“ werden an den darauffolgenden Sonntagen, ebenfalls in der verlängerten TV-Version, gezeigt. Und natürlich wird das ganze auch auf DVD veröffentlicht. Am 10. Februar.

Anschließend, um 23.30 Uhr, läuft die 45-minütige Doku „Die Stieg-Larsson-Story: Was hinter der Milleniums-Trilogie steckt“.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

ZDF über „Verblendung“

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte



TV-Tipp für den 22. Januar: Der Schrei der Eule/Der Mörder

Januar 22, 2011

ARD, 00.35

Der Schrei der Eule (D/F/GB/Kan 2009, R.: Jamie Thraves)

Drehbuch: Jamie Thraves

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.

Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Während beide Verfilmungen sich sehr ähneln und, wenn man die Prämisse akzeptiert, gelungen sind, kann das anscheinend von Jamie Thraves Film nicht behauptet werden.

mit Paddy Considine, Julia Stiles

ARD, 02.15

Der Mörder (I/F 1962, R.: Claude Autant-Lara)

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost

LV: Patricia Highsmith: The Blunderer, 1954 (Der Stümper)

Zwei tote Ehefrauen. Zwei sich gegenseitig des Mordes beschuldigende Ehemänner.

Fast unbekannte Highsmith-Verfilmung. Wahrscheinlich nicht grundlos.

Mit Maurice Ronet, Marina Vlady, Robert Hossein, Gert Fröbe

auch “Im Schatten einer Nacht”

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

 


TV-Tipp für den 21. Januar: Nur die Sonne war Zeuge

Januar 21, 2011

3sat, 22.25

Nur die Sonne war Zeuge (F/I 1960, R.: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )


Die Edgar-Nominierungen 2011

Januar 20, 2011

Die diesjährigen Nominierungen der Mystery Writers of America (MWA) für den Edgar-Allan-Poe-Preis (dem renommiertesten Krimipreis der Welt) sind:

BEST NOVEL

Caught (In seinen Händen), von Harlan Coben (Penguin Group USA – Dutton)

Crooked Letter, Crooked Letter, von Tom Franklin (HarperCollins – William Morrow)

Faithful Place (Sterbenskalt), von Tana French (Penguin Group USA – Viking)

The Queen of Patpong, von Timothy Hallinan (HarperCollins – William Morrow)

The Lock Artist, von Steve Hamilton (Minotaur/Thomas Dunne Books)

I’d Know You Anywhere, von Laura Lippman (HarperCollins – William Morrow)

BEST FIRST NOVEL BY AN AMERICAN AUTHOR

Rogue Island, von Bruce DeSilva (Tom Doherty Associates – Forge Books)

The Poacher’s Son, von Paul Doiron (Minotaur Books)

The Serialist: A Novel, von David Gordon (Simon & Schuster)

Galveston, von Nic Pizzolatto (Simon & Schuster – Scribner)

Snow Angels (Eis-Engel), von James Thompson (Penguin Group USA – G.P. Putnam’s Sons)

BEST PAPERBACK ORIGINAL

Long Time Coming, von Robert Goddard (Random House – Bantam)

The News Where You Are, von Catherine O’Flynn (Henry Holt)

Expiration Date (Alte Feinde), von Duane Swierczynski (Minotaur Books) (Achtung: das Buch erschien bei uns unter seinem Pseudonym Duane Louis)

Vienna Secrets, von Frank Tallis (Random House Trade Paperbacks)

Ten Little Herrings, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem Press)

BEST FACT CRIME

Scoreboard, Baby: A Story of College Football, Crime and Complicity, von Ken Armstrong and Nick Perry (University of Nebraska Press – Bison Original)

The Eyes of Willie McGee: A Tragedy of Race, Sex, and Secrets in Jim Crow South, von Alex Heard (HarperCollins)

Finding Chandra: A True Washington Murder Mystery, von Scott Higham and Sari Horwitz (Simon & Schuster – Scribner)

Hellhound on his Trail: The Stalking of Martin Luther King, Jr and the International Hunt for his Assassin, von Hampton Sides (Random House – Doubleday)

The Killer of Little Shepherds: A True Crime Story and the Birth of Forensic Science, von Douglas Starr (Alfred A. Knopf)

BEST CRITICAL/BIOGRAPHICAL

The Wire: Truth Be Told, von Rafael Alvarez (Grove Atlantic – Grove Press)

Agatha Christie’s Secret Notebooks: Fifty Years of Mysteries in the Making, von John Curran (HarperCollins)

Sherlock Holmes for Dummies, von Steven Doyle und David A. Crowder (Wiley)

Charlie Chan: The Untold Story of the Honorable Detective and his Rendevouz with American History, von Yunte Huang (W.W. Norton)

Thrillers: 100 Must Reads, herausgegeben von David Morrell und Hank Wagner (Oceanview Publishing)

BEST SHORT STORY

The Scent of Lilacs” – Ellery Queen Mystery Magazine, von Doug Allyn (Dell Magazines)

The Plot” – First Thrills, von Jeffery Deaver (Tom Doherty – Forge Books)

A Good Safe Place” – Thin Ice, von Judith Green (Level Best Books)

Monsieur Alice is Absent” – Alfred Hitchcock Mystery Magazine, von Stephen Ross (Dell Magazines)

The Creative Writing Murders” – Dark End of the Street, von Edmund White (Bloomsbury)

BEST JUVENILE

Zora and Me, von Victoria Bond und T.R. Simon (Candlewick Press)

The Buddy Files: The Case of the Lost Boy, von Dori Hillestad Butler (Albert Whitman & Co.)

The Haunting of Charles Dickens, von Lewis Buzbee (Feiwel & Friends)

Griff Carver: Hallway Patrol, von Jim Krieg (Penguin Young Readers Group – Razorbill)

The Secret Life of Ms. Finkleman, von Ben H. Winters (HarperCollins Children’s Books)

BEST YOUNG ADULT

The River, von Mary Jane Beaufrand (Little Brown Books for Young Readers)

Please Ignore Vera Dietz, von A.S. King (Random House Children’s Books – Alfred A. Knopf)

7 Souls, von Barnabas Miller und Jordan Orlando (Random House Children’s Books – Delacorte Press)

The Interrogation of Gabriel James, von Charlie Price (Farrar, Straus, Giroux Books for Young Readers)

Dust City, von Robert Paul Weston (Penguin Young Readers Group – Razorbill)

BEST PLAY

The Psychic, von Sam Bobrick (Falcon Theatre – Burbank, CA)

The Tangled Skirt, von Steve Braunstein (New Jersey Repertory Company)

The Fall of the House, von Robert Ford (Alabama Shakespeare Festival)

BEST TELEVISION EPISODE TELEPLAY

Episode 1” – Luther, Drehbuch von Neil Cross (BBC America)

Episode 4” – Luther, Drehbuch von Neil Cross (BBC America)

Full Measure” – Breaking Bad, Drehbuch von Vince Gilligan (AMC/Sony)

No Mas” – Breaking Bad, Drehbuch von Vince Gilligan (AMC/Sony)

The Next One’s Gonna Go In Your Throat” – Damages, Drehbuch von Todd A. Kessler, Glenn Kessler und Daniel Zelman (FX Networks)

ROBERT L. FISH MEMORIAL AWARD

Skyler Hobbs and the Rabbit Man” – Ellery Queen Mystery Magazine, von Evan Lewis (Dell Magazines)

GRAND MASTER

Sara Paretsky

RAVEN AWARDS

Centuries & Sleuths Bookstore, Forest Park, Illinois

Once Upon A Crime Bookstore, Minneapolis, Minnesota

THE SIMON & SCHUSTER – MARY HIGGINS CLARK AWARD

(Presented at MWA’s Agents & Editors Party on Wednesday, April 27, 2010)

Wild Penance, von Sandi Ault (Penguin Group – Berkley Prime Crime)

Blood Harvest, von S.J. Bolton (Minotaur Books)

Down River, von Karen Harper (MIRA Books)

The Crossing Places, von Elly Griffiths (Houghton Mifflin Harcourt)

Live to Tell, von Wendy Corsi Staub (HarperCollins – Avon)

Die Preisverleihung ist am Donnerstag, den 28. April 2011, im Grand Hyatt Hotel, New York City. Wer also nach einem Grund für seinen frühsommerlichen New-York-Trip sucht.


DVD-Kritik: Das „Gesetz der Straße“ gilt auch für „Brooklyn’s Finest“

Januar 20, 2011

In seinem neuesten Film erzählt „Training Day“-Regisseur Antoine Fuqua vom Leben einiger Polizisten in Brooklyn. Aber während Fuqua in „Training Day“ im Genregewand (ein alter Polizist soll einen Neuling einarbeiten) ganz klassisch die Geschichte eines Mannes und einer Verführung erzählte, ist „Gesetz der Straße“ mit seinen drei, parallel erzählten Geschichten wesentlich fragmentierter. Die Charaktere begegnen sich höchstens zufällig. Gleichzeitig verknüpft Fuqua die Geschichten durch Schnitte, szenenüberlappende Dialoge und die Musik so sehr, dass es kaum auffällt, wie wenige Szenen die hochkarätigen Schauspieler miteinander haben.

Außerdem wird in „Gesetz der Straße“ nicht die Geschichte einer Verführung erzählt. Denn die drei Hauptcharaktere sind bereits auf der dunklen Seite angekommen.

Eddie (Richard Gere) ist ein abgebrannter Streifenpolizist, der nur noch auf seine baldige Pensionierung wartet. Er hält sich aus allem heraus und ist daher auch überhaupt nicht begeistert, als er auf seine letzten Tage noch einen jungen Polizisten einarbeiten soll. Erst nach seiner Pensionierung (die in ihrer Glanzlosigkeit schockierend ist und, so Fuqua in seinem interessantem Audiokommentar, der Realität entspricht) sieht er ein verschwundenes Mädchen, das jetzt anscheinend von ihrem Zuhälter zur Prostitution gezwungen wird, und er verfolgt die beiden.

Tango (Don Cheadle) ist ein Undercover-Cop, der aussteigen will. Er wird von seinen Vorgesetzten (Will Patton, Ellen Barkin [grandios als kaltschnäuziges Luder]) gezwungen als letzten Auftrag Beweise gegen seinen Freund, den Drogenhändler Caz (Wesley Snipes), zu finden.

Sal (Ethan Hawke) gehört zu einem Spezialkommando. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und das dritte Kind ist unterwegs. Er möchte, dass sie aus ihrem zu kleinen und mit Chemikalien verseuchtem Haus in ein besseres Haus umziehen können. Weil dafür sein Lohn als Polizist nicht ausreicht, beschließt er, es sich von den Drogenhändlern, die er jagen soll, zu holen.

Eddie, Tango und Sal (dessen Katholizismus und die damit verbundenen Schuldgefühle in jeder Szene spürbar sind) haben alle Fehler begangen. Sie sind Sünder vor dem Herrn. Sie versuchen alle wieder zur guten Seite zurückzukehren. Und, selbst ohne ein katholische Schuld-Sühne-Verständnis, müssen sie für ihre Sünden bezahlen. Unklar ist nur der Preis. Immerhin kennen wir spätestens seit Martin Scorseses „Hexenkessel“ den Spruch „Du zahlst deine Sünden nicht in der Kirche…du zahlst auf der Straße“ (gerne auch in der knapperen Form „Für deine Sünden zahlst du auf der Straße.“).

Es gibt vieles, was bei „Gesetz der Straße“ beeindruckt: die Schauspieler, die Drehorte (es wurde vor Ort in Brooklyn mit Anwohnern gedreht), der Schnitt und damit die elegante Verknüpfung der drei arg vorhersehbaren Geschichten. Aber so richtig packend ist „Gesetz der Straße“ nie. Denn der getragene Erzählrhythmus, die wenigen Schnitte und langsamen Kamerafahrten verstärken die Distanz zum aus dem Klischeebaukasten des Copfilms zusammengesetzten Geschichten.

Und die Desillusionierung der Charaktere ist zu groß. Während früher die Polizisten die Verbrecher ohne Rücksicht auf Verluste jagten, den Aufstand versuchten und den Kampf gegen das System aufnahmen, auch wenn sie tief in ihrem Innersten ahnten, dass er vergeblich sein würde, haben in „Gesetz der Straße“ alle schon lange resigniert.

In „Gesetz der Straße“ ist nichts mehr zu spüren von der fiebrige Energie von „Training Day“. Und damit ist „Gesetz der Straße“ wahrscheinlich genauso wie „Training Day“ und, wenn wir in die Geschichte des Copfilms gehen, „Prince of the City“, „Serpico“ und „French Connection“ eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.

 

Die DVD

 

Das umfangreiche Bonusmaterial besteht aus einem informativem Making-of, vier ebenso informativen Featurettes und einem hörenswertem Audiokommentar von Antoine Fuqua, der sich vor allem darauf konzentriert, zu erklären, was er mit bestimmten Szenen erreichen wollte. Bei den „Geschnittenen Szenen“ handelt es sich vor allem um Szenenverlängerungen und andere Versionen des Filmendes. Insofern täuscht die große Laufzeit etwas.

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Michael C. Martin

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams, Lili Taylor

DVD

Kinowelt

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Featurettes (Konflikt und Chaos: Das Leben eines New Yorker Cops, Ein Blick fürs Detail, Vom Bahn-Angestellten zum Hollywood-Autor, Die Jungs im realen Viertel), Fotogalerie, Trailer (deutsch, englisch), Audiokommentar von Antoine Fuqua, Presseheft (deutsch)

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Am 17. März 2011 erscheint der Film bei Kinowelt in der „SteelBook Collection“ von „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“.

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)


TV-Tipp für den 20. Januar: Stille Wasser

Januar 20, 2011

3sat, 22.25

Stille Wasser (F 1981, R.: Michel Deville)

Drehbuch: Christopher Frank, Michel Deville, Florence Delay

LV: Patricia Highsmith: Deep Water, 1957 (Tiefe Wasser)

Der reiche Erbe Vic lebt mit seiner Gattin Melanie auf der Kanalinsel Jersey. Er toleriert sogar ihre wechselnden Liebhaber, bis Melanie mit dem Pianisten Carlo ins Bett steigt.

Großartige Charakterstudie über ein Ehepaar, das miteinander Katz-und-Maus spielt.

Mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant

Auch „Tiefe Wasser“

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )


Deutscher Krimipreis 2011 verliehen

Januar 19, 2011

Dieses Jahr geht der von Kritikern und Buchhändlern verliehene „Deutsche Krimi Preis“ (so die offizielle Schreibweise des DKP) an:

National

1. Platz: Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals

2. Platz: Frank Göhre: Der Auserwählte

3. Platz: D. B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis

International

1. Platz: Don Winslow: Tage der Toten (The power of the dog)

2. Platz: Josh Bazell: Schneller als der Tod (Beat the Reaper)

3. Platz: Dominique Manotti: Letzte Schicht (Lorraine Connection)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner.


R. i. P. Joe Gores

Januar 19, 2011

R. i. P.: Joe Gores (25. Dezember 1931, in Rochester, Minnesota – 10. Januar 2011, in Greenbrae, Kalifornien)

Es geht doch nichts über die richtigen Prioritäten. Völlig überraschend, immerhin dürften nicht allzu viele Deutsche Joe Gores kennen, meldete die „Hamburger Morgenpost“ den Tod von Krimiautor Joe Gores unter der Überschrift „Magnum-Autor Joe Gores tot“.

Der dann folgende Artikel weist die Zeitung dann aber nicht gerade als Qualitätsmedium aus. Denn Joe Gores schrieb nicht „Der Malteser-Falke“ und Sätze wie „Joe Gores hauchte dem Privatdetektiv im Fernsehen Leben ein. Aus seiner Feder stammten TV-Hits wie „Columbo“, „Magnum“, „Kojak“ oder „Remington Steele“.“ haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun.

Denn Joe Gores schrieb zwar auch einige Drehbücher. Hier mal eines für „Kojak“ (eine Polizeiserie), da mal eines für „Columbo“ (noch eine Polizeiserie) und auch eines für „Magnum“ (Ah, eine Detektivserie).

Aber für das Krimigenre sind die Romane des dreifachen „Edgar“-Gewinners Joe Gores viel wichtiger. Der ehemalige Privatdetektiv schrieb die DKA-Serie. In dieser Serie steht die alltägliche Arbeit der in San Francisco residierenden Detektei „Dan Kearney and Associates“ im Mittelpunkt. Dazu gehört vor allem, wegen ausstehender Ratenzahlungen, das Zurückholen von Autos. In „32 Cadillacs“, einem dicken, sehr kurzweiligem, „Edgar“-nominiertem Buch aus der DKA-Serie über eine Reihe von Diebstählen und Betrügereien, erlaubten sich sein Freund Donald Westlake und er den Spaß ein Kapitel auszutauschen und so ermittelten Dan Kearny und seine Angestellten in einem Dortmunder-Roman und der Profieinbrecher John Dortmunder hatte einen Auftritt in einem DKA-Roman.

1975 schrieb Joe Gores „Hammett“. In dem Krimi lässt er den Krimiautor und Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett ermitteln. Die Krimihandlung ist von Gores erfunden, aber viele Ereignisse aus Hammetts Leben und der gesamte historische Background stimmen. Wim Wenders verfilmte den Roman.

Als letztes Buch veröffentlichte Joe Gores 2009 „Spade & Archer“, das in den USA ziemlich abgefeierte und noch nicht ins Deutsche übersetzte Prequel zu Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“.

Joe Gores starb bereits am 10. Januar an einer Magenblutung. Ironischweise ist das auch der Todestag von Dashiell Hammett.

Nachrufe gibt es in der Los Angeles Times, New York Times, San Francisco Chronicle und der Washington Post.

Auch einige Kollegen haben Nachrufe geschrieben. Im Moment finde ich nur die Worte von Mark Coggins und Ed Gorman.

Joe Gores in der Kriminalakte.


Jack Ketchum ist nicht „Lost“

Januar 19, 2011

Bei Hollywood-Filmen werden wir schon länger von der Unsitte belästigt, die Originaltitel nicht mehr ins Deutsche zu übersetzen. Der Grund dafür ist, dass die klugen Köpfe in den Hollywood-Marketingabteilungen festgestellt haben, dass in einigen Ländern falsche oder sinnentstellende Titel verwandt wurden. Deshalb bleibt es jetzt bei dem Originaltitel, auch wenn er von niemand verstanden wird. Ich meine, wer weiß schon, was „The Dark Knight“, „Cop Out“, „Fair Game“ und „True Grit“ auf deutsch bedeuten? Und „The American“, „The Road“ und „The Tourist“ kann man zwar verstehen, ohne englisch zu können, aber „Der Amerikaner“, „Die Straße“ (so ist auch der Titel der deutschen Ausgabe von Cormac McCarthys Roman) und „Der Tourist“ (oder „Der Urlauber“) wären sicher auch okay gewesen.

Jetzt beginnen auch die Verlage mit dem Unfug. Denn Jack Ketchums Klassiker „The Lost“ ist jetzt bei Heyne Hardcore als „The Lost“ mit einem nichtssagendem Cover in einer, jedenfalls bei kursorischer Prüfung, guten Übersetzung erschienen.

Naja, da ist immerhin die Suche nach dem Filmtitel einfach.

Und ich kann mal einen auf „Fauler Mann“ machen und einen Teil meiner Besprechung des Films wieder posten:

In „The Lost“ erzählt Jack Ketchum die Geschichte eines Psychopathen und mehrerer, ihn wie Satelliten umkreisender, seelisch verlorener Menschen während des für sie nicht existierenden Summer of Love.

1965 ermordet der Teenager Ray Pye nachts am See Lisa Steiner. Elise Hanlon kann schwerverletzt flüchten. Pyes Freunde Tim Bess und Jennifer Fitch haben die Tat beobachtet und ihm geholfen die Spuren zu verwischen.

Vier Jahre später stirbt Elise Hanlon, die nie aus dem Koma erwachte. und der Kleinstadt-Detective Charlie Schilling möchte den Fall immer noch lösen. Doch anstatt den Krimiplot energisch voranzutreiben, entwirft Jack Ketchum ein pessimistisches Porträt einiger Bewohner der Kleinstadt Sparta, New Jersey, bei dem die Zahl der Sympathieträger an den Fingern einer abgehackten Hand abgezählt werden kann. Neben dem an Minderwertigkeitskomplexen leidenden Psychopathen Ray Pye, der bevorzugt jüngere Frauen vögelt und als kleiner Drogenhändler der ungekrönte König der Kleinstadtjugendlichen ist, den ihm hörigen Freunden Tim Bess und Jennifer Fitch, die nichts gegen Rays zahlreiche Seitensprünge hat, sind das vor allem die beiden 1965 ermittelnden Polizisten und ein gerade aus San Francisco zugezogenes Mädchen.

Detective Charlie Schilling ist ein geschiedener Alkoholiker, der seine Abende nach dem Besuch in der Bar, allein vor dem Fernseher mit einer Dose Bier verbringt. Sein Kollege Ed Anderson ist inzwischen Frührentner und hat eine Beziehung zur gerade volljährig gewordenen Sally Richmond. Katherine Wallace, das neuen Mädchen in der Stadt, findet Ray Pye interessant, hat eine in der Irrenanstalt sitzende, todkranke Mutter und stiftet Ray zu mehreren kleinen Verbrechen an. Keiner von ihnen taugt als Vorbild.

Nach Hanlons Tod beginnt Charlie Schilling wieder den Druck auf Pye zu erhöhen. Er will ihn jetzt endlich als Doppelmörder überführen, indem er dessen übergroßes Ego beschädigt. Er sprengt eine Party von Pye, bei der er kostenlos Drogen an Minderjährige verteilte. Gleichzeitig überzeugt er Sally Richmond, die Stelle in dem Motel der Familie Pye, wo auch Ray arbeitet, zu kündigen, und er redet mit Pyes Freunden. Pyes Nerven sind deshalb schon zum Zerreißen gespannt. Verschärfend kommt für den Kleinstadt-Aufreißer hinzu, dass Sally nicht mit ihm ins Bett steigen will, seine große Liebe Katherine die Beziehung zu ihm beendet und Tim, der für ihn Drogen bei sich aufbewahrt und dabei ungefragt einen Teil für sich abzweigt, ihn betrügt.

Das alles wird Pye irgendwann zuviel und er explodiert. Er beginnt sich an all den Menschen, die sich ihm verweigerten, in einem Amoklauf zu rächen.

Jack Ketchums großartiger, aber auch bedrückender und beunruhigender Roman ist die fast klinische Studie eines Amokläufers und seines Umfeldes.

Dabei ist „The Lost“ so sehr mit der Handlungszeit, dem August 1969, verbunden, dass eine andere Handlungszeit unmöglich erscheint. Denn während die Hippiebewegung den Summer of Love und Woodstock feiert, ist in Sparta nichts von der Utopie einer besseren Welt angekommen. Nur die Drogen und die Gewalt, gepaart mit einer kräftigen Portion reaktionärem Denken, sind in der Provinz angekommen; – falls sie nicht schon immer da waren. Pyes erste Sätze im Buch sind, nachdem er sieht, wie die Freundinnen Steiner und Hanlon sich einen unschuldigen, flüchtigen Kuss geben: „Unfassbar. Lesben. Mann, ist das eklig.“

Das und seine Neugier, wie es ist, einen Menschen sterben zu sehen, führen zu den ersten Morden.

Später ist er von dem Morden der Charlie-Manson-Familie, vor allem dem bestialischen an Sharon Tate, fasziniert. Zum wenige Tage später stattfindenden Woodstock-Festival will er allerdings nicht fahren. Denn dort ist alles versammelt, was er verabscheut. Insofern zeigt Jack Ketchum, ähnlich wie die Rockband „Velvet Underground“, die düstere Seite der späten sechziger Jahre.

Jack Ketchum: The Lost

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne Hardcore, 2011

416 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

The Lost

Leisure Books/Cemetery Dance Publications, 2001

Verfilmung

Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer (The Lost, USA 2005)

Regie: Chris Sivertson

Drehbuch: Chris Sivertson

Mit Marc Senter, Shay Astar, Alex Frost, Megan Henning, Robin Sydney, Dee Wallace-Stone, Michael Bowen, Ed Lauter, Erin Brown

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 19, 2011

Selbstverständlich sind meine TV-Krimi-Buch-Tipps schon einige Tage online bei den Alligatorpapieren:

Patrica-Highsmith-Fans dürfen sich auf mehrere Verfilmungen ihrer Werke freuen: nämlich Claude Chabrols „Der Schrei der Eule“, Roger Spottiswoodes „Mr. Ripley und die Kunst des Tötens“, Michel Devilles „Stille Wasser“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jamie Thraves‘ „Der Schrei der Eule“ (als TV-Premiere) und Claude Autant-Laras „Der Mörder“. Da fehlt nur noch der Fremde im Zug.
Außerdem sehenswert sind Raoul Walshs W.-R.-Burnett-Verfilmung „Vogelfrei“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“, Jean-Luc Godards „Lemmy Caution gegen Alpha 60“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“, Lars Beckers „Nachtschicht: Ein Mord zu viel“ (als TV-Premiere) und „Nachtschicht: Wir sind die Polizei“, Michael Whytes Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Vorm Abgrund“, Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung „Das Verhör“, Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung „Rififi“ und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“.
Und dann gibt es noch, jeweils als TV-Premiere, „Yorkshire Killer 1983“, den grandiosen Abschluss der auf den Romanen von David Peace basierenden Red-Riding-Verfilmungen, und den ersten Teil der TV-Version von Stieg Larssons „Verblendung“.


TV-Tipp für den 19. Januar: Mr. Ripley und die Kunst des Tötens

Januar 19, 2011

3sat, 22.25

Mr. Ripley und die Kunst des Tötens (D/GB 2005, R.: Roger Spottiswoode)

Drehbuch: William Blake Herron, Donald E. Westlake

LV: Patricia Highsmith: Ripley Under Ground, 1970 (Ripley Under Ground)

Der Maler Derwatt ist kurz vor seinem Durchbruch. Da stirbt er bei einem nächtlichen Autounfall. Seine Freunde, wozu Tom Ripley, Derwatts Freundin und der hochverschuldete Galeriebesitzer gehören, beschließen, den Tod von Derwatt einige Tage zu verschweigen und die Derwatt-Bilder gewinnbringend zu verkaufen. Als ein amerikanischer Derwatt-Fan ihnen einen beträchtlichen Scheck für ein neues Derwatt-Bild überreicht, beschließen sie, einige neue Derwatt-Bilder herzustellen. Doch dann will der Derwatt-Fan sich von dem Künstler die Echtheit des Gemäldes bestätigen lassen, den Derwatt-Fälscher packt das schlechte Gewissen und Tom Ripley, der nicht auf seinen gehobenen Lebensstil verzichten will, wird handgreiflich.

Herrlich gemeine, schwarzhumorige Komödie bei der alle (naja, vielleicht bis auf den Derwatt-Fälscher) von einer gehörigen Portion krimineller Energie angetrieben werden und die bürgerlichen Moralvorstellungen durchaus flexibel handhaben. Da erscheint Tom Ripley, für den Skrupel ein Fremdwort sind, fast schon als das anständigste Mitglied im Derwatt-Freundeskreis. Dafür dürfte Drehbuchautor Donald Westlake verantwortlich sein.

RIPLEY UNDER GROUND is a lighthearted black comedy, cloaked in the guise of a murder mystery. (…)RIPLEY UNDER GROUND is well-made, enjoyable fluff, and has enough pleasant twists to make it worth seeking out.” (Peter Martin, twitchfilm.net)

Mit Barry Pepper, Jacinda Barrett, Tom Wilkinson, Willem Dafoe, Alan Cumming, Claire Forlani

Auch bekannt als “Ripley Under Ground” (DVD-Titel)

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


Cover der Woche

Januar 18, 2011


TV-Tipp für den 18. Januar: Der Schrei der Eule

Januar 18, 2011

So lasset uns die Highsmith-Tage (19. Januar 1921 – 4. Februar 1995) mit einem Schrei beginnen

3sat, 20.15

Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.

Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.

Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Faye Dunaway!

Januar 14, 2011

Am 14. Januar 1941 wurde Dorothy Faye Dunaway in Bascom, Florida, geboren.

Ihre erste Rolle war 1965 in der TV-Serie „Seaway“ und wahrscheinlich nur wichtig als erste von inzwischen über 100 Filmrollen.

1967 spielte sie Bonnie Parker in dem Gangsterfilm „Bonnie & Clyde“ und der Rest ist Geschichte. Jedenfalls sind „Thomas Crown ist nicht zu fassen“, „Little Big Man“ (gut, da spielte Dustin Hoffman eine nicht unwichtige Rolle), „Die drei Musketiere“, „Die vier Halunken der Königin“ (halt die beiden bekannten Musketier-Filme von Richard Lester), „Chinatown“, „Die drei Tage des Condor“, „Network“ (dafür gab’s einen Oscar), um nur einige ihrer bekanntesten Filme zu nennen, ohne sie nicht denkbar.

In späteren Filmen, wie „Die Geschichte der Dienerin“, „Arizona Dream“, „Don Juan de Marco“, „Die Kammer“, „Die Thomas Crown Affäre“ (eigentlich nur ein Gastauftritt), „The Yards – Im Hinterhof der Macht“, „Johanna von Orleans“ und „Die Regeln des Spiels“ standen dann andere Schauspieler im Mittelpunkt.

Und 1993 ermittelte Lt. Columbo in „Der Tote in der Heizdecke“ (It’s all in the game) gegen sie.

Ihr nächster Film ist „Master Class“. Faye Dunaway spielt die Opernsängerin Maria Callas und sie führte auch Regie.

 


TV-Tipp für den 14. Januar: Das Ende – Assault on Precinct 13

Januar 14, 2011

Pro 7, 22.30

Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet

Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)

Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.

Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).

mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon

Wiederholung: Samstag, 15. Januar, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Morning Glory

Januar 13, 2011

Morning Glory“ hat einen gewaltigen Pluspunkt: Harrison Ford.

Diane Keaton ist auch nicht schlecht.

Und Jeff Goldblum hat auch einige schöne Szenen.

Dafür ist die Heldin, die von Rachel McAdams gespielte ständig aufgekratzte, hyperoptimistische, nicht durch ihren Intellekt überzeugende Becky Fuller, von einer so überirdischen Naivität und Gutgläubigkeit, dass man wirklich nur hoffen kann, dass solche Menschen niemals irgendeinen wichtigen Posten begleiten dürfen.

Aber wir sind in einem Film und da ist vieles möglich.

Jedenfalls soll sie die unglaublich erfolglose TV-Morgensendung „Daybreak“ leiten. Schnell packt sie der Ehrgeiz, die Sendung aus dem Quotenkeller herauszuholen. Als sie erfährt, dass die Show demnächst abgesetzt werden soll, geht es dann auch um die Jobs des Teams. Und in dem herrscht gerade zwischen den beiden Moderatoren dicke Luft. Colleen Peck (Diane Keaton) macht den Job schon seit Ewigkeiten und sie würde alles tun, um weiterhin auf Sendung zu bleiben. Mike Pomeroy (Harrison Ford) ist eine Reporterlegende und sieht die Tätigkeit als Moderator einer Frühstückssendung, die um echte Nachrichten einen weiten Bogen macht, als unter seiner Würde an. Er sieht sowieso fast jede Arbeit die nicht klassischer Enthüllungsjournalismus der Carl-Bernstein/Bob-Woodward-Schule ist, als unter seiner Würde an. Aber er wird von Becky Fuller, die seinen Vertrag genau gelesen hat, zu dieser Arbeit erpresst und er würde alles tun, um aus der Sendung zu fliegen.

Außerdem verliebt sich der von allen Frauen begehrte Nachrichtenproduzent Adam Bennett (Patrick Wilson in der undankbaren Rolle des Heimchens am Herd) in sie.

Das alles wird fernab jeglicher Wirklichkeit geschildert.

Aber „Morning Glory“ diese rosarote Brille auf das Arbeitsleben vorzuwerfen, wäre Unfug. Der Film will in keiner Zehntelsekunde eine auch nur irgendwie realistisch anmutende Beschreibung aus dem Arbeitsleben sein. Der Film ist auch keine Satire, sondern eine im TV-Milieu spielende Romantic Comedy, in der sie nicht die Liebe ihres Lebens findet (ja, gut, in einem Subplot geht’s auch darum), sondern in dem sie aus einem zerstrittenen Haufen ein Team formt und sie alle eine Familie werden. Es ist, wenn man so will, die Liebesgeschichte zwischen Becky Fuller und der Nachrichtenlegende Mike Pomeroy, der sie am Anfang noch nicht einmal als Fußabtreter benutzen würde. Am Ende – nun, einmal dürfen Sie raten.

Bis dahin fragt man sich allerdings mehr als einmal, welche Geschichte Regisseur Roger Michell (Notting Hill) und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Laws of Attraction, Der Teufel trägt Prada) eigentlich erzählen wollen. Denn die verschiedenen Plots stehen sich doch öfters im Weg und plätschern vor sich zum erwartbaren Ergebnis hin. Außerdem schwankt Michells Inszenierung etwas unentschlossen zwischen Comedy, Drama und, hm, Musikfilm.

Morning Glory“ ist wie ein Buffet: fast jeder Happen schmeckt, auch wenn die einzelnen Beilagen nicht unbedingt zueinander passen und am Ende ist man nicht satt.

Und damit ist „Morning Glory“ dann doch wie das Frühstücksfernsehen: bunt, unterhaltsam, belanglos.

Morning Glory (Morning Glory, USA 2010)

Regie: Roger Michell

Drehbuch: Aline Brosh MeKenna

mit Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Patti D’Arbanville

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Morning Glory“

The Telegraph: Interview mit Harrison Ford zu „Morning Glory“


TV-Tipp für den 13. Januar: 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter

Januar 13, 2011

Arte, 23.35

00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter (D 1994, R.: Helge Schneider, Christoph Schlingensief [ungenannt])

Drehbuch: Brötchen

TV-Premiere von Helge Schneiders zweiter Regiearbeit: Kommissar 00 Schneider sucht den Mörder eines Clowns. Er hält Nihil Baxter für den Täter.

Tja, wie der Titel schon andeutet: Nach seinem Western „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ nahm er sich den Krimi vor und unterzog ihn einer Radikalkur.

Wie schon bei ‚Texas‘ sträubt sich die Feder auch beim Versuch, zu Helge Schneiders zweitem Nonsens-Film eine Inhaltsangabe niederzuschreiben. Und sie wäre auch völlig überflüssig. (…) ein Reigen genial verpasster Gags.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Helge Schneider, Andreas Kunze, Helmut Körschgen

Hinweise

Homepage von Helge Schneider

Helge-Schneider-Fanclub (letztes Update: 14. Februar 2008)

Wikipedia über Helge Schneider

Arte über „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“

Helge Schneider in der Kriminalakte (ein kleiner Helge-Best-Of)


Eine Diskussion über Raymond Chandler

Januar 12, 2011

Anläßlich des fünfzigsten Todestages von Raymond Chandler (23. Juli 1888 – 26. März 1959) veranstaltete das USC eine Diskussion über Raymond Chandler, sein Werk und sein Vermächtnis. Auf dem Podium waren Moderatorin Judith Freeman (MPW Fakultätsmitglied, Autorin von „The Long Embrace: Raymond Chandler and the Woman he loved“), Leo Braudy (USC Englischprofessor), Denise Hamilton (Krimiautorin) und Kenneth Turan (Los Angeles Times Filmkritiker).

Die gesamte Diskussion kann man sich ansehen:


TV-Tipp für den 12. Januar: Cop Land

Januar 12, 2011

RBB, 23.30

Cop Land (USA 1997, R.: James Mangold)

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte zuletzt mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich

Hinweise

Wikipedia über „Cop Land“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Cop Land“