The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Robert Siegel
Das ist deutsche TV-Kultur: Platz 173 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, über 127.000 Kinobesucher in Deutschland (gut, gegen den „Avatar“ ist das nichts, aber auch in Tom Tykwers „The International“ gingen keine 700.000 Leute und der Film wurde kürzlich, gekürzt, an einem Sonntag von Pro 7 um 20.15 Uhr ausgestrahlt) und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler (er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert) – und dann feiert der Film, weil „Die beliebtesten Komiker der Deutschen“ wichtiger ist, an einem Wochentag zu später Stunde seine TV-Premiere.
Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‚The Ram‘ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.
Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.
Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.
Ich kann mich nur noch sehr dunkel an Trevanians Thriller „Shibumi“ erinnern, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn als Teenager verschlungen hatte. Immerhin waren die Agententhriller von Trevanian, ein Pseudonym von Rodney Whitaker, damals ganz oben auf meiner Leseliste.
Jetzt, anlässlich der Veröffentlichung des von Don Winslos als Prequel zu „Shibumi“ geschriebenem Agententhriller „Satori“, las ich Trevanians Roman wieder und ich fragte mich, was mir damals so gut gefallen hat. Wahrscheinlich war es die Vergötterung der japanischen Kultur, die überragenden Fähigkeiten des Helden Nikolai Hel im Beruf (als Killer) und im Bett (James Bond ist gegen ihn ein Wüstling), seine finanzielle und geistige Unabhängigkeit. Kurz, er verkörperte genau das, was einen pubertierenden Jungen anmacht. Das ganze wurde mit einer ordentlichen Portion US-Bashing (nun ja, der Staub von Watergate legte sich so langsam und die Reagan-Jahre wurden geistig vorbereitet) und elitärem Denken, das heute einen seltsamen Geschmack hinterlässt, weil es doch arg nach der Nazi-Herrenmenschideologie schmeckt (Wobei Hel kein Rassist im eigentlichen Sinn ist. Er verachtet nur die westliche Kultur und deren Kaufmannsmentalität abgrundtief und, auch aufgrund seiner Biographie, stehen die US-Amerikaner ganz oben auf seiner Hassliste.) Auch ist Hel aus heutiger Sicht ein ziemlich altmodischer Macho und Trevanian bedient in „Shibumi“ eben solche Macho-Ideale. Nicht ungeschickt, aber das macht es nicht unbedingt besser.
Außerdem erzählt Trevanian seine Geschichte sehr ungeschickt. Denn nachdem auf den ersten Seiten eine CIA-Aktion auf dem Flughafen von Rom aus dem Ruder läuft, es anstatt der geplanten zwei, neun Tote gibt, der CIA-Scherge Mr. Diamond entdeckt, dass die gesamte Aktion schlampig vorbereitet war und mit welcher Gefahr sie es vielleicht zu tun haben, geht die Möchtegern-Terroristinnen Hannah Stern, die den Anschlag überlebte, nach Etchebar. Dort, im Baskenland, hat Nikolai Hel ein großes Anwesen, das er historisch herrichtet, und eine große Schar vertrauter ETA-Widerstandskämpfer (vulgo gute Terroristen; – das ist eine Siebziger-Jahre-Unterscheidung zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern, die heute obsolet ist. Wie auch viele der damaligen Terroristengruppen.).
Diamond fräst sich durch die Akte von Nikolai Hel und wir erfahren hunderttausend Dinge über Hel, die interessant, aber für die Geschichte reichlich unwichtig sind.
Erst auf Seite 286 tritt Hel zum ersten Mal leibhaftig auf. Er erkundet mit seinem Freund Benat Le Cagot auf den folgenden sechzig Seiten eine Höhle, die später noch einmal wichtig wird.
Die erste Begegnung zwischen Hel und Hannah Stern ist auf Seite 371. Erst jetzt muss Hel sich fragen, ob er sein Leben als Killer im Ruhestand verlassen will. Bis er dann endlich die Initiative ergreift vergehen weitere Seiten, die sich inzwischen endlos anfühlen. Der Kampf zwischen Hel und den Bösewichtern beschränkt sich dann auf wenige Seiten. Dabei hätten sie eigentlich den größten Teil von „Shibumi“ einnehmen müssen.
Auf der Habenseite bleibt immer noch ein faszinierender Charakter, die Idee einer Muttergesellschaft, die als Verbindung zwischen Politik und Ölindustrie sogar über den CIA befehlen darf und mit allen Mitteln ihre Interessen schützt, eine geradezu prophetische Beschreibung des Einsatzes von Computern und einige Bonmots, wie „Es ist eine Binsenweisheit der amerikanischen Politik, dass der Mann, der eine Wahl zu gewinnen versteht, diesen Sieg nicht verdient.“ oder warum Informationen über die Liberalen von dem Supercomputer auf weißen Karten ausgedruckt werden: „als Fat Boy die Möglichkeit wirksamer Aktionen vonseiten der Liberalen errechnet hatte, erhielten sie wieder weiße Karten, das Kennzeichen politischer Machtlosigkeit.“.
Don Winslow schrieb jetzt, beauftragt von Trevanians Familie, ein Prequel zu „Shibumi“. In „Satori“ erzählt er, wie Nikolai Hel zum Auftragskiller wurde.
Nachdem der sechsundzwanzigjährige Hel drei Jahre in einer kleinen Zelle saß, macht ihm der CIA-Mann Haverford ein Angebot: wenn er für sie einen Mann ermordet, wird er freikommen. Dass der Auftrag ein Himmelfahrtskommando ist, weiß Hel von der ersten Sekunde an. Denn er soll in Peking, getarnt als französischer Waffenhändler, den russischen Botschafter mit bloßen Händen umbringen und so einen Keil zwischen Peking und Moskau treiben.
Dieser Botschafter ist der skrupellose KGB-Mann Juri Woroschenin, der Hels Mutter entehrte und Hel um sein Erbe brachte, und damit hat der junge Mann auch ein persönliches Motiv, um den Auftrag anzunehmen.
Doch wie heißt es so schön: reinkommen ist kein Problem, lebendig rauskommen schon. Zum Glück kann Hel auf die Hilfe von hilfreichen Mönchen (die dann doch gar nicht so harmlos sind) bauen.
Und der CIA und das amerikanische Militär waren bereits vor sechzig Jahren tief in illegale Geschäfte verwickelt und versuchten ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Auch wenn dann dafür eine andere Behörde den schwarzen Peter erhält. In diesem Spiel ist der passionierte Go-Spieler Hel nur ein Bauer, der je nach Opportunität, geopfert werden kann.
„Satori“ ist ein farbiger, im Fernen Osten 1951/1952 spielender Agententhriller, der prächtig unterhält und ein angenehmes Retro-Gefühl verbreitet. Denn einerseits erinnert alles an die Agententhriller aus der Zeit des Kalten Krieges, andererseits legt Don Winslow ein absolut zeitgemäßes Erzähltempo vor und verknappt Beschreibungen und Szenen bis zum Äußersten. Im Tonfall und der damit verbundenen ironischen Darstellung der doch leicht absurden Abenteuer von Nikolai Hel erinnert Winslow dann an die grandiosen Tanner-Romane von Lawrence Block. Gegenüber dem schnellen und pointiert erzähltem Thriller „Satori“ wirkt Travanians „Shibumi“ noch schwerfälliger als es eh schon ist.
Außerdem nimmt Don Winslow gelungen einige Fäden und Episoden aus Trevanians „Shibumi“ (so wird in „Shibumi“ Hels erster Auftrag auf einigen Seiten erwähnt) auf, füllt die Lücken aus und zeichnet ein Bild eines jüngeren Mannes, der das Killerhandwerk erst noch erlernt.
„Satori“ ist ein feiner Schmöker. Fortsetzung nicht ausgeschlossen und willkommen.
Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.
Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone
Am 1. April 1991 wurde der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in seinem Haus in Düsseldorf erschossen. Der Täter konnte flüchten. Später wurden auf einem Handtuch, das am Tatort gefunden wurde, Haare von Wolfgang Grams gefunden. Weil das RAF-Mitlglied am 27. Juni 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen starb, kann er nichts mehr dazu sagen und die Bundesanwaltschaft nennt ihn auch nicht als Täter.
In der 45-minütigen Doku „Der Fall Rohwedder“ legen sich die Macher Anne Kauth und Bernd Reufels ziemlich eindeutig auf die Täterschaft des toten RAFlers fest, seine Schießkünste werden mit dem Training in der DDR bei der Stasi (die freudig alles unterstützte, was dem Klassenfeind schadete und am Ende der DDR flugs die erreichbaren Akten vernichtete, weshalb gerade die jüngste Vergangenheit im Schredder landete) und das konspirative und sehr professionelle Vorgehen der dritten und auch heute noch unbekanntesten RAF-Generation wird mit Nachhilfestunden bei der Stasi erklärt.
Andere Erklärungen verfolgen Kauth und Reufels nicht weiter. Das gilt vor allem für die populäre Verschwörungstheorie „Das RAF-Phantom“ (Knaur Verlag, Dezember 1992) von Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber und Ekkehard Sieker, nach der es die dritte Generation der RAF nicht gab, sondern der Staat oder die Wirtschaft die Anschläge auf Rohwedder und den Deutsche-Bank-Vorsitzenden Alfred Herrhausen verübte. Im Bonusmaterial lehnt Alexander Straßner diese Verschwörungstheorie als haltlos ab.
Insgesamt folgt die Doku, was auch an der Auswahl der Interviewpartner, wie Lothar de Maiziere, Wolfgang Schäuble, Theo Waigel und Ex-BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert, liegen kann, stark der offiziellen Geschichtsschreibung. Deshalb liegt der Wert der Doku nicht im Enthüllen bislang unbekannter Fakten und Vermutungen, sondern im akribischen Nachzeichnen des Mordes und des damaligen gesellschaftlichen Klimas. Denn obwohl das alles erst vor zwanzig Jahren geschah, wirkt es heute (und nicht nur wegen der Kleider, Frisuren und Möbel) sehr fern.
Es wird nur am Rand auf die Ironie eingegangen, dass die RAF gerade mit diesen Anschlägen letztendlich das Geschäft des Gegners besorgte. Denn während Rohwedder und Herrhausen Kapitalisten mit einem sozialen Gewissen waren, waren ihre Nachfolger kaltschnäuzige Kapitalisten, die genau das taten, was die RAF verhindern wollte. Mit diesen Anschlägen bugsierte sie sich noch weiter (oder endgültig) ins politische Abseits. Am 20. April 1998 löste die RAF sich auf.
Das Bonusmaterial der DVD besteht aus zwei Interviews: eines mit Prof. Dr. Wolfgang Seibel über die Einheit und die Treuhand; eines, das auch teilweise in der Doku „Der Fall Rohwedder“ verwandt wurde, mit Dr. Alexander Straßner über die RAF. Da hätte man sich noch weitere Ausschnitte aus den anderen, für die grundsolide TV-Dokumentation verwandten Interviews gewünscht.
Der Fall Rohwedder (D 2010)
Regie: Anne Kauth, Bernd Reufels
Drehbuch: Anne Kauth, Bernd Reufels
–
DVD
Polyband (Arte Edition)
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interviews mit Dr. Alexander Straßner und Prof. Dr. Wolfgang Seibel (45 Minuten)
The Man Who Shot Chinatown – The Life and Work of John A. Alonzo (D/USA/GB 2007, R.: Axel Schill)
Drehbuch: Stephanie Bahr, Axel Schill
Sehenswerte 75-minütige Doku über den 2001 verstorbenen Kameramann John A. Alonzo. Zu seinen Filmen gehören neben „Chinatown“ auch „Scarface“, „Infernal Affairs“, „Das fliegende Auge“, „Ich, Tom Horn“, „Schwarzer Sonntag“, „Die Bären sind los“, „Harold und Maude“, „Fluchtpunkt San Francisco“ und „Fahr zur Hölle, Liebling“.
Mit Richard Dreyfuss, Roger Ebert, Mike Figgis, William Friedkin, Sally Field, Michael Crichton, Haskell Wexler
Thor Kunkels neuer Roman „Subs“ beginnt mit der Anzeige „Sklavin gesucht“ und endet 442 Seiten später mit der Anzeige „Herr/in gesucht“.
Dazwischen gibt es eine ziemlich gemeine Satire auf das heutige Deutschland, die von Guido Westerwelles Aussage „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“ inspiriert ist. Denn das Ehepaar Claus und Evelyn Müller-Dodt hat die ironisch gemeinte Anzeige nach der Sklavin aufgegeben, weil sie eine neue Haushälterin suchen. Sie kriegen den Altphilologen Bartos und dessen Begleiterin Lana, eine wohlproportionierte, junge Ukrainerin. Bartos erklärt, dass das Sklaventum im alten Rom eine gute Sache gewesen sei und er und Lana ebensolche römischen Sklaven sein wollen. Schönheitschirurg Claus Müller-Dodt ist begeistert (vor allem von deren exorbitant niedrigen Gehaltsvorstellungen) und das Experiment eines römischen Haushalts in einer noblen Grunewaldvilla nimmt seinen anfangs vorhersehbaren Lauf.
Denn die Müller-Dots gewöhnen sich schnell an ihr neues Dasein als Sklavenhalter, Claus will Lana vögeln, die Freunde der Müller-Dots und Evelyns Schwester reagieren durchaus verständnisvoll auf die neuen Sitten in der Grunewaldvilla und die Sklaven werden von Bartos auch, nachdem der mondäne Swimmingpool auf dem Müller-Dotsschen Anwesen kostengünstig gebaut wurde, eifrig an andere Villenbesitzer im Grunewald für deren Bauprojekte (selbstverständlich immer ohne auf die Steuerklärung zu achten) ausgeliehen. Doch nachdem Claus mit Lana auf eine Tagung nach Monaco fliegt und Evelyn in den USA nach einem Besuch bei ihrer in New York lebenden Schwester die Route 66 auf einem Selbstfindungstrip abfährt, ändert sich einiges und Kunkels Geschichte nimmt einige unerwartete Wendungen bis am Ende die Sklaven einen neuen Herren suchen müssen.
„Subs“ führt einige Gedanken von „Schaumschwester“ fort. In dem Science-Fiction-Roman fungierten gut aussehende weibliche Puppen als Triebabfuhr für die Männer. Die Schaumschwester war besser, vulgo anspruchsloser und williger, als eine echte Frau. In „Subs“ werden die Schaumschwestern durch Sklaven, oder „Subs“, wie sie sich lieber nennen, ersetzt. Außerdem hat Kunkel mit dem Bild eines römischen Haushalts eine sehr gemeine Diagnose der herrschenden Klasse und ihrer Ansichten, die sie oft nur zwischen den Zeilen sagen, formuliert.
In der Mitte, wenn die Geschichte von Claus und Evelyn zu sehr in ein breitwandig erzähltes Gesellschaftsporträt mündet, wünscht man sich manchmal mehr satirischen Furor und Zuspitzung.
Aber das ändert nichts daran, dass „Subs“ die subtile Form der Rache an dem Gewäsch von Guido Westerwelle ist, der sich jetzt ausschließlich seinem Amt als Außenminister widmen will. Hört sich das nicht nur für mich wie eine Drohung an?
Und sollte Thor Kunkel angesichts dieser Drohung nicht noch einmal seinen Entschluss, nach seinem sechsten Roman „Subs“ keine weiteren Bücher mehr zu schreiben, überdenken?
Thor Kunkel: Subs
Heyne Hardcore, 2011
448 Seiten
19,99 Euro
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Buchpräsentation
Thor Kunkel und Natalia Wörner lesen
am Montag, den 6. Juni,
um 20.00 Uhr
im Grüner Salon (Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz 2, Nähe Alexanderplatz)
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (USA 1987, R.: Philip Kaufman)
Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Philip Kaufman
LV: Milan Kundera: Nesnesitelná lehkost bytí, 1984 (Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins)
Prag in den späten sechziger Jahren: Vor dem Hintergrund des Prager Frühlings erzählt Kaufman die Geschichte des Gehirnchirurgen Tomas, der zwischen zwei Frauen steht: einer Künstlerin und einem Provinzmädchen.
Relativ selten gezeigte Bestsellerverfilmung, die damals in aller Munde war.
„Die harmonische und ambitionierte Teamarbeit von Drehbuch, Regie, Kamera, Ausstattung und den drei Hauptdarstellern hat einen außergewöhnlichen Film hervorgebracht, der seinem Thema gerecht wird. (…) Die Vielschichtigkeit des Romans bleibt spürbar, wenngleich der Film manchen seiner Aspekte vereinfacht, andere auch ganz ausklammert.“ (Fischer Film Almanach 1989)
Das Drehbuch war für den Oscar und den Preis der Writers Guild of America nominiert und erhielt den BAFTA-Award.
mit Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche, Lena Olin, Derek de Lint, Erland Josephson, Stellan Skarsgard
LV: W. R. Burnett: The asphalt jungle, 1949 (Asphalt-Dschungel)
Sieben Gangster planen einen Bankraub. Nach dem Raub geht alles schief.
Hustons spannender Krimi gilt als Vorläufer des Caper-Movies: der Geschichte vom großen Ding und – meistens – dessen Scheitern.
Das Drehbuch war unter anderem für den Oscar und Golden Globe nominiert und gewann den Edgar Allan Poe Award.
Heute läuft der Film im Rahmen des Themenabends „Zum 85. Geburtstag von Marilyn Monroe„. Im Anschluss läuft um 01.30 Uhr die knapp einstündige Reportage „All the Misfits“ und dann ist der arg kärgliche MM-Themenabend auch schon vorbei.
Mit Sterling Hayden, Louis Calhern, Jean Hagen, James Whitmore, Jam Jaffe, John McIntire, Marilyn Monroe (nur in einer kleinen Nebenrolle)
Schon in der ersten Minute der dritten Staffel der kanadischen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“, wenn das Team sich zwischen Tür und Angel über einige Urlaubsfotos von Lewis Young frotzelt und dann zu einem Einsatz gerufen wird, stellt sich das wohlige Gefühl ein, dass man in den Händen von Profis ist. Das gilt für die Macher der Serie und auch für das Team, das zu einer Baustelle fährt, auf der gleich eine Bombe explodieren soll. Bevor die ersten drei Minuten der Episode „Eine falsche Bewegung“ vorbei sind ist die Bombe explodiert und die Stratetic Response Unit (SRU) der Polizei von Toronto sichert den ersten Tatort.
Die Folge endet, dramaturgisch gut vorbereitet, mit einem Schock und in „Trauer und Schmerz“ darf die SRU eine neue Kollegin begrüßen.
Bis auf diesen Neuzugang ändert sich auch in der dritten „Flashpoint“-Staffel nichts am bewährten Team, der Konzentration auf den aktuellen Einsatz und dem straffen Plotting der realistischen Geschichten. Über die einzelnen Teammitglieder erfahren wir auch dieses Mal fast nichts und das ist, angesichts der vielen anderen Serien mit langweilig-austauschbaren Privatgeschichten, auch gut so.
Trotzdem wird es immer wieder persönlich. Meistens wenn einzelne Mitglieder der Spezialeinheit einen Geiselnehmer zur Aufgabe bewegen wollen und dabei auch etwas aus ihrem Leben erzählen. Wirklich persönlich wird es in „Der Beschützer“ für Gregory Parker. Er wurde entführt und soll gegenüber einer jungen Frau, die er vor Jahren, nach einem Schusswechsel bei dem ihre Mutter starb, in Obhut nahm, den Mord an ihrer Mutter gestehen. Die SRU versucht ihren Chef zu retten und fragt sich, was damals wirklich geschah. Denn die Akte ist verschlossen.
In „Trauer und Schmerz“ verschwindet eine junge Kellnerin spurlos. Anscheinend wurde sie von einem Gast entführt, der noch mit dem Verlust seiner Tochter kämpfen muss.
In „Sorgerecht“ dreht ein Anwalt durch, weil er glaubt, dass seine Frau nach der Scheidung mit den Kindern, die ihm zugesprochen wurden, über die Grenze abhauen will.
In „Auf Sendung“ will ein preisgekrönter Radiomoderator von einem aufstrebenden Politiker erfahren, was in einer Nacht vor zehn Jahren geschah, als der Politiker in einen Autounfall verwickelt war, bei dem sein Freund starb.
In „Die Farm“ scheint der Chef einer abgelegenen Farm, in der Drogenabhängige therapiert werden, einen Massenselbstmord zu planen.
In „Der Aufstand“ muss die SRU einen Gefangenenaufstand, der das Ablenkungsmanöver für einen Ausbruch ist, bekämpfen. Außerdem sind zwei Frauen, die zu einer Anhörung im Gefängnis waren, in den Händen der Insassen.
In „Der Samariter“ und „Hinter feindlichen Linien“ sind die Folgen von sozialen und baulichen Veränderungen in einer Großstadt der Hintergrund für die Einsätze der SRU.
In „Der Samariter“ dreht ein Bewohner eines heruntergekommenen Viertels, der sich in der Vergangenheit in Nachbarschaftsprojekten gegen die Drogenhändler engagierte, durch. Er beginnt die Drogenhändler auf eigene Faust zu jagen. Die SRU sucht ihn und steht vor der Frage, ob sie wirklich Drogenhändler schützen sollen.
In „Hinter feindlichen Linien“ hat sich ein Scharfschütze irgendwo in den Rängen der historischen Sportarena Godwin Coliseum (in Wirklichkeit das seit fast zehn Jahren geschlossene Maple Leaf Gardens), die abgerissen werden soll, verborgen. Sam Braddock, der ebenfalls in Afghanistan war, findet eine Verbindung zu dem Sniper.
Wie in den ersten beiden Staffeln der in Kanada und den USA enorm erfolgreichen Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ geht es in den einzelnen Einsätzen der SRU nicht um die Aufklärung von Verbrechen (obwohl das manchmal auch geschieht), sondern um das Verhindern von Verbrechen und das Entschärfen von brenzligen Situationen, ohne dass jemand stirbt. Deshalb müssen die Polizisten mit dem Täter reden und in den besten Folgen der Serie versteht man die Motive des Täters sehr gut. Oft ist man am Ende der Folge auf der Seite des Täters, der nur die falschen Mittel wählte, um an sein Ziel zu gelangen. Das geschieht ziemlich oft in den neun neuen Folgen.
Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3 (Kanada, 2009)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns)
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DVD
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 365 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Einsätze der SRU
Eine falsche Bewegung (One wrong move, Canada 2009)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, James Hurst
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Trauer und Schmerz (Never let you down)
Regie: Ken Girotti
Drehbuch: James Hurst, Shelley Scarrow
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Der Aufstand (Just a man)
Regie: Holly Dale
Drehbuch: Riley Adams
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Sorgerecht (Custody)
Regie: Paul A. Kaufman
Drehbuch: R.B. Carney
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Auf Sendung (Coming to you live)
Regie: Charles Binamé
Drehbuch: Ian Weir
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Die Farm (The Farm)
Regie: Érik Canuel
Drehbuch: Melissa R. Byer, Treena Hancock (nach einer Geschichte von Ian Weir)
Hawaii Crime Story (USA 2003, R.: George Armitage)
Drehbuch: Sebastian Gutierrez
LV: Elmore Leonard: The big bounce, 1969 (Ein schlechter Abgang)
Jack Ryan jobbt auf Hawaii in einem Strandmotel und genießt das Leben, bis Nancy ihn zu einem Diebstahl überredet.
George Armitage inszenierte vor der „Hawaii Crime Story“ (der Originaltitel ist „The big bounce“) die Charles-Willeford-Verfilmung „Miami Blues“ und „Ein Mann, ein Mord“ (Grosse Pointe Blank), zwei herrlich gemeine schwarze Komödien und entsprechend hoch waren die Erwartungen. Sebastian Gutierrez schrieb davor das Buch für den bestenfalls halbgaren Thriller „Gothika“ und danach „Snakes on a Plane“.
Elmore Leonards erster Kriminalroman „The big bounce“ (nach mehreren Western) wurde bereits in den späten Sechzigern verfilmt und Leonard mag beide Verfilmungen nicht.
Denn auch die zweite Verfilmung von „The big bounce“ ist, nun ja, eine Gaunerkomödie, „die nie recht in Gang kommt“ (Lexikon des internationalen Films)
„Trotz prominenter Vorlage und ebensolcher Besetzung bleibt diese gemütliche Krimikomödie ein wenig fade.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)
Heute ist die TV-Premiere des Films, der vor der Premiere anscheinend heftig umgeschnitten wurde, in den USA floppte und bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde.
mit Owen Wilson, Morgan Freeman, Sara Foster, Charlie Sheen, Vinnie Jones, Gregory Sporleder, Butch Helemano, Willie Nelson, Gary Sinise, Harry Dean Stanton
Die Crime Writers of Canada (CWC) haben auf der Bloody Words Convention ihre diesjährigen Arthur-Ellis-Preise verliehen. Die glücklichen Gewinner der 28. Verleihung sind:
Best Novel
Bury Your Dead, von Louise Penny (Little, Brown UK)
nominiert
Slow Recoil, von C.B. Forrest (RendezVous Crime)
In Plain Sight, von Mike Knowles (ECW Press)
The Extinction Club, von Jeffrey Moore (Penguin Group)
A Criminal to Remember, von Michael Van Rooy (Turnstone Press)
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Best Short Story
So Much in Common, von Mary Jane Maffini (Ellery Queen Mystery Magazine)
nominiert
In It Up to My Neck, von Jas R. Petrin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine)
The Big Touch, von Jordan McPeek (ThugLit)
The Piper’s Door, von James Powell (Ellery Queen Mystery Magazine)
The Bust, von William Deverall (from Whodunnit: Sun Media’s Canadian Crime Fiction Showcase)
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Best Non-Fiction
On the Farm, von Stevie Cameron (Knopf Canada)
nominiert
Our Man in Tehran, von Robert Wright (HarperCollins)
Northern Light: The Enduring Mystery of Tom Thomson and the Woman Who Loved Him, von Roy MacGregor (Random House)
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Best Juvenile/Young Adult
The Worst Thing She Ever Did, von Alice Kuipers (HarperCollins)
nominiert
Borderline, von Allan Stratton (HarperCollins)
Pluto’s Ghost, von Sharee Fitch (Doubleday Canada)
Victim Rights, von Norah McClintock (Red Deer Press)
The Vinyl Princess, von Yvonne Prinz (HarperCollins)
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Best Crime Writing in French
Dans le quartier des agités, von Jacques Côté (Alire)
nominiert
Cinq secondes, von Jacques Savoie (Libre Expression)
Vanités, von Johanne Seymour (Libre Expression)
La société des pères meurtriers, von Michel Châteauneuf (Vents D’ouest)
Quand la mort s’invite à la première, von Bernard Gilbert (Québec Amérique)
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Best First Novel
The Debba, von Avner Mandleman (Other Press)
nominiert
The Damage Done, von Hilary Davidson (Tom Doherty Associates)
The Penalty Killing, von Michael McKinley (McClelland & Stewart)
The Parabolist, von Nicholas Ruddock (Doubleday)
Still Missing, von Chevy Stevens (St. Martin’s Press)
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Unhanged Arthur (Best Unpublished First Crime Novel)
Nach acht Minuten stirbt Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) bei einem Anschlag auf einen Zug in Chicago. Die vorherigen acht Minuten war Colter damit beschäftigt, herauszufinden, wie er in den Zug der Berufspendler kam. Denn die letzte Erinnerung des US-Army-Hubschrauberpiloten ist ein Feuergefecht in Afghanistan. Die Frau, die ihm gegenübersitzt, kennt ihn. Er aber kennt Christina Warren (Michelle Monaghah) nicht und im Spiegel erblickt er einen fremden Mann.
Nach seinem Tod wird Colter in einer Kapsel, die eine nicht immer einwandfrei funktionierende Mischung aus Hubschraubercockpit und altertümlicher Raumkapsel ist, wach und via Bildschirm erklärt ihm eine andere Frau, dass er sich auf einer Mission befinde und er wieder zurück müsse. Er habe wieder acht Minuten für seine Mission. Er muss herausfinden, wer für den Anschlag auf den Zug verantwortlich ist. Denn der Attentäter plant noch weitere Anschläge und nur Colter kann sie verhindern.
Er wird wieder in den Source Code geschickt.
Denn der Source Code ermöglicht es den Militär-Wissenschaftlern, jemand für acht Minuten in die Vergangenheit zu schicken. Die Gegenwart könne zwar nicht geändert werden (d. h. der Anschlag wird in jedem Fall stattfinden und die Menschen werden in dem Zug sterben), aber die anderen Anschläge können verhindert werden. Der Source Code ist eine parallele Wirklichkeit, in die man, wie in einem Spiel, jemand immer wieder zurückschicken kann. In einem Interview sagt Drehbuchautor Ben Ripley (Species III, Species IV), dass er eine nichtlineare Geschichte wie „…und täglich grüßt das Murmeltier“ (Groundhog Day, USA 1993) erzählen wollte. Science-Fiction-Fans dürften dagegen eher an die Werke von Philip K. Dick, der sich immer wieder mit der Frage, wie real die Realität ist, ob es parallele Welten gibt und wie frei wir in unseren Entscheidungen sind, denken. Auch Ripleys Drehbuch ist ziemlich düster geraten und stellt die eine allgemeingültige Wirklichkeit infrage.
Aber Colter will nicht stupide Befehle ausführen. Er will die Passagiere retten. Vor allem will er Christina, in die er sich verliebt, retten. Und Colleen Goodwin (Vera Farmiga), die ihm als Befehlshaberin die Situation erklärt und ihn immer wieder zurückschickt, beginnt in ihm auch den Mensch zu sehen, den sie immer wieder, mit spärlichen Informationen ausgestattet, in den virtuellen (?) Tod zu schicken. Dagegen ist Projektleiter Dr. Rutledge (Jeffrey Wright) nur an einem Erfolg von seinem Projekt, das hier zum ersten Mal in der realen Welt ausprobiert wird, interessiert.
„Source Code“ ist, wie schon der Debütfilm „Moon“ von Duncan Jones, Science-Fiction-Kino für denkende Menschen, bei dem das geringe Budget (gerade die Effekte bei der Bombenexplosion sind schlecht) durch gute Leistungen der Schauspieler (Michelle Monaghan hat eine sehr undankbare Rolle als blasses Love-Interest; Vera Farmiga, die die ganze Zeit vor einem Bildschirm sitzen muss, ist fantastisch) und ein gewitztes Drehbuch ausgeglichen werden. Denn die Idee der Zeitreise ist zuerst einmal der Aufhänger für einen spannenden Thriller mit vielen falschen Fährten und Überraschungen, und danach ein moralischer Diskurs über Verantwortung (ohne zu moralisieren), Realität und der alten Zeitreise-Frage, ob die Gegenwart verändert werden kann (und muss) und ob wir dann wissen, dass die Gegenwart verändert wurde. D. h. gibt es parallele Welten und wenn ja, wie viele?
Duncan Jones zeigt auch in seinem zweiten Spielfilm, dass ein guter Science-Fiction-Film keine epischen Weltraumschlachten oder ausufernde Kämpfe auf der Erde braucht, sondern nur eine gute Idee. Oder eine alte Idee (Zeitreise in die Vergangenheit ist für SF-Fans wirklich ein alter Hut), der neue Facetten abgewonnen werden. In „Source Code“ gelingt das in neunzig straff erzählten Minuten, die keine Zeit für langwierige Nebengeschichten lassen.
Source Code (Source Code, USA 2011)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar
Jesse Stone – Eiskalt (USA 2005, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman
LV: Robert B. Parker: Stone Cold, 2003
Das Städtchen Paradise hat zwei neue Einwohner: die Lincolns. Sie sind Serienkiller und der Polizeichef von Paradise, Jesse Stone, beginnt sie zu jagen.
Neben der erfolgreichen Spenser-Serie und der unter Fans gehassten Sunny-Randall-Serie schrieb Robert B. Parker auch die Jesse-Stone-Romane. In ihnen ist ein geschiedener L.-A.-Cop mit einem Alkoholproblem, der in der Kleinstadt Paradise bei Boston zur Ruhe kommen will, der Held. Gerade die ersten Romane waren düsterer als von Robert B. Parker gewohnt und sorgfältiger konstruiert als die Spenser-Romane, die von Parker teilweise per Autopilot geschrieben werden.
„Stone Cold“ ist der vierte Jesse-Stone-Roman, aber die erste Jesse-Stone-Verfilmung. Der angenehm altmodische Thriller wurde positiv aufgenommen, bis jetzt wurden fünf weitere Jesse-Stone-Filme im US-TV ausgestrahlt und weitere Jesse-Stone-Filme sind geplant.
Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers
Ach, den Peter Temple muss ich noch lesen. Aber jetzt ist erst mal der neue Roman von Thor Kunkel, „SUBS“, dran. Denn Kunkel präsentiert am kommenden Montag um 20.00 Uhr in Berlin im Grünen Salon (Rosa-Luxemburg-Platz 2, Nähe Alexanderplatz) seinen Roman und ich will die Lesung mit einer kleinen Buchkritik ankündigen. Der neue James Sallis ist noch in den Klauen des Postboten. Friedrich Ani und Daniel Woodrell hab ich ja schon abgefeiert. Don Winslows neuer grandioser Roman „Satori“ ist wohl zu unterhaltsam für die Liste.
Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.
Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.
„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)
„‚Un Flic‘ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Nach der OFDB wurde Jean-Pierre Melvilles letzter Film zuletzt vor zwölf Jahren gezeigt und auf DVD ist er bei uns auch noch nicht veröffentlicht. Also: Aufnahmebefehl.
Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad