Wenn zwei junge Menschen in die Einöde fahren und irgendwann ihr Auto liegen bleibt, dann muss man kein Genrejunkie sein, um sich auszurechnen, was passieren wird. Denn in der Einöde gibt es immer mindestens einen Einsiedler, der die Eindringlinge als Beute betrachtet und sie vor der rituellen Verspeisung noch ordentlich quälen will.
Allerdings hat Wolfgang Weigl in seinem Spielfilmdebüt gar keinen Survival-Horrorthriller, sondern einen Liebesfilm gedreht. Das Spiel mit den Thriller-Erwartungen sollte die Zuschauer nur auf eine falsche Fährte locken.
Das ist ihm gelungen.
Allerdings stehen sich in dem optisch beeindruckendem „Blindlings“ der Liebesfilm und der Horrorfilm im Weg. Die Horrorfilm-Elemente sind letztendlich nur falsche Fährten, der Liebesfilm plätschert vor sich hin, weil das frühere Liebespaar Max und Eva meistens getrennt durch den winterlichen Wald stolpert. Immerhin taucht sie, knapp bekleidet, in seinen Fantasien auf und redet mit ihm.
So ist „Blindlings“, das eine Metapher über vereiste Gefühle, Sprachlosigkeit und Irrtümer sein will, eine zähe Liebesgeschichte über das Ende einer Liebe, in der Max, Eva und der Einsiedler sich möglichst bescheuert benehmen. Der Einsiedler huscht durch den Wald und, vor allem nachdem deutlich wird, dass er sie nicht zum Abendessen verspeisen will, ist sein Verhalten nur noch seltsam. Max und Eva stolpern die meiste Zeit getrennt durch den Wald und rufen den Namen des anderen. Warum sie nicht gemeinsam loslaufen, warum sie nicht am Auto aufeinander warten und Hupsignale geben, warum sie stattdessen den Namen des anderen in den Wald rufen, bleibt nebulös. Das Ende des Films funktioniert sogar nur, weil er, gegen jede Vernunft, nichts sagt.
Das Bonusmaterial ist definitiv einen Blick wert und auch der Audiokommentar von Wolfgang Weigl ist sehr informativ.
Blindlings (D 2009)
Regie: Wolfgang Weigl
Drehbuch: Wolfgang Böhm, Florian Puchert, Wolfgang Weigl
mit Mirkus Hahn, Barbara Romaner, Klaus Stiglmeier
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Blu-ray
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Making Of, Deleted Scenes, alternative Artworks, Bilder vom Set, Biografien, Interviews mit Darstellern und Regisseur, Regiekommentar
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
(DVD identisch)
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Hinweis
