Kurzkritik: Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

In diesem Fall war es wohl keine gute Idee, den Roman als Reiselektüre auf die Zugfahrt mitzunehmen. Denn jetzt weiß ich nicht, ob mich die DB oder Ben Aaronovitch zuverlässig immer wieder in den Schlaf rüttelte.

Dabei hatten mir die ersten Seiten von „Schwarzer Mond über Soho“, dem zweiten Roman mit Constable Peter Grant, verdammt gut gefallen. Im heutigen London muss er sich mit Hexern und Magiern herumschlagen muss, während er selbst von Detective Inspector Thomas Nightingale in der hohen Kunst der Magie unterrichtet wird.

Jetzt hört er bei einem ermordeten Jazzmusiker leise die Melodie des Jazz-Standards „Body and Soul“ (für mich alten Jazzfan noch ein Pluspunkt) und, wie er schnell herausfindet, sind in den letzten Jahren mehrere Jazzmusiker auf seltsame Art gestorben. Jedenfalls aus Magiersicht; für Normalsterbliche war es ein natürlicher Tod oder Drogenmissbrauch. Grant weiß, dass der übersinnlich begabte Killer weitermorden wird – und der Schlüssel zu seiner Identität und dem Motiv für die Mordserie in dieser speziellen Version von „Body and Soul“ liegt. Aber von wem ist diese Version?

Aaronovitch beginnt seine Geschichte flott und witzig. Die Lakonie, mit der das Übernatürliche mit typische britischer Nonchalance akzeptiert wird, gefällt. Aber dann zieht sich die Geschichte hin zu einem Ende, das mir etwas zu sehr auf einen dritten Band spekulierte (oder war’s das sanfte Rütteln der DB, das mich sanft in einen komatös-unruhigen Schlaf wiegte?), scheinbar ewig hin.

Jedenfalls will ich Ben Aaronovitch und Constable Peter Grant noch eine zweite Chance geben. In „Die Flüsse von London“ (Rivers of London, 2011) erzählt der Polizeineuling Peter Grant, wie er zum ersten Zauberlehrling in England seit einem halben Jahrhundert wurde und einige Verbrechen aufklärte, teils mit, wie wir in „Schwarzer Mond über Soho“ in den kurzen Rückblicken erfahren, ähem, interessanten Ergebnissen. „Die Flüsse von London“ hat es immerhin auf die Longlist für den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award geschafft.

Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2012

416 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Moon over Soho

Gollancz, London, 2011

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch)

 

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