TV-Tipp für den 15. Januar: Gangs of New York

Januar 15, 2013

Kabel 1, 20.15

Gangs of New York (USA/D/I/GB/NL 2002, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steven Zaillian

LV: Herbert Asbury: The Gangs of New York, 1928 (Die Gangs von New York – Eine Geschichte der Unterwelt)

Amsterdam Vallon will den Mörder seines Vaters, den Gangsterboss William Cutting (Bill, the Butcher), töten.

Ausgehend von dieser dürftigen Geschichte entfaltet Martin Scorsese ein atemberaubendes Porträt vom Überlebenskampf, der Verflechtung zwischen Politik und Verbrechen, den Bandenkriegen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Ethnien in Five Points, den Slums von New York, in den Jahren zwischen 1846 bis 1863.

„Gangs of New York ist ein solches Drama der Endzeit einer Herrschaft, in der sich eine gesellschaftliche und familiäre Ordnung durch ihre eigenen Gesetze zerstört, und durch eine Rebellion der Methoden. Eine große Tragödie also, oder eine melancholische Farce; aber wieder projiziert sie Scorsese auf ein eher materialistisch dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, mehrere Erzählweisen begegnen einander und werden umso deutlicher, je mehr sie sich zu widersprechen beginnen…Wie die meisten der (auch vom Aufwand her) großen Filme von Martin Scorsese erzählt auch Gangs of New York zunächst eine überaus einfache Geschichte, deren Bedeutung, deren eigentliches Leben sich erst in den Bildern offenbart…Gangs of New York ist auch ein großer Film übers Film-Erzählen.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Liam Neeson, Brendan Gleeson

Anmerkung

Der Film ist „FSK 16“ und läuft um 20.15 Uhr in einer gekürzten Fassung. Weitere Informationen

Wiederholung: Donnerstag, 17. Januar, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gangs of New York“

Rotten Tomatoes über „Gangs of New York“

Wikipedia über „Gangs of New York“ (deutsch, englisch)

Die Zeit: Interview mit Martin Scorsese (8/2003)

Drehbuch „Gangs of New York“ von Jay Cocks, Kenneth Lonergan und Steven Zaillian

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Manchmal sind die Bösen die besseren Guten.“ beweist auch die dritte Staffel von „Leverage“

Januar 14, 2013

Die dritte Staffel der beliebten, witzigen TV-Krimiserie „Leverage“ schließt sich, in jeder Beziehung, unmittelbar an die zweite an. Allerdings scheint den Berufsverbrechern, die der ehemalige Versicherungsagent Nathan Ford (Timothy Hutton) um sich gescharrt hat, ihre neue Arbeit inzwischen so gut zu gefallen, dass sie überhaupt nicht mehr ihrer früheren Arbeit nachgehen wollen.

Denn während die Trickdieben Sophie Deveraux (Gina Bellman), die Einbrecherin Parker (kein Vorname) (Beth Riesgraf), der Schläger Eliot Spencer (Christian Kane) und der Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) früher für ihren eigenen Geldbeutel das Gesetz übertraten, tun sie es jetzt für die gute Sache: nämlich für den machtlosen, grundehrlichen kleinen Mann, der sich gegen die Umtriebe der Bösewichter nicht wehren kann.

So kämpfen sie immer noch gegen skrupellose Bösewichter, die ihre Stellung und Gesetzeslücken ausnutzen, sich auf Kosten von Mitarbeitern und Angestellten bereichern, Menschen um ihr Erspartes bringen und, wenn alle Stricke reißen, sie ihre hochbezahlten Anwälten losschicken, um sie vor einer Bestrafung zu bewahren.

In der Auftaktfolge der dritten „Leverage“-Staffel „Hinter Gittern“ muss das Leverage-Team ihren Kopf Nathan Ford aus dem Gefängnis befreien. Wie er in das Gefängnis kam, wurde im Staffelfinale der zweiten Staffel erzählt. Aber vor seiner Befreiung will Nathan einem anderen Inhaftiertem helfen. Und, es gibt sogar so etwas wie einen folgenübergreifenden Plot. Denn eine mysteriöse Italienerin, erpresst Nathan. Er soll innerhalb eines halben Jahr den mächtigen Gangster Damien Moreau (Goran Visnjic) aus dem Verkehr ziehen. Wenn er es nicht schafft, wird das Leverage-Team vernichtet. Die Jagd nach Moreau spielt allerdings in den meisten Folgen der dritten Staffel keine Rolle. Erst zum Staffelfinale hin bemüht das Leverage-Team sich erkennbar, Moreau zu vernichten.

Davor bewegen die meisten Jobs sich in für das Team (und für uns Zuschauer) bekannt-vergnüglichen Bahnen: während einer Highschool-Reunion versuchen sie einem Software-Unternehmer das Passwort zu entlocken. Sie wollen den verbrecherisch-skrupellos-machtgierigen Bruder eines beliebten afrikanischen Präsidenten ausnehmen, einen betrügerischen Country-Musik-Produzenten und einen ebenso betrügerischen Gebrauchtwagenverkäufer (Ja, es soll auch ehrliche Verkäufer geben.) überführen, einen skrupellosen Minenbesitzer aus dem Verkehr ziehen und den Verkauf eines gefährlichen Medikaments verhindern. Sie geraten an eine Miliz und müssen, immerhin gehört eine Weihnachtsfolge zum guten Serienton, einem geschassten Kaufhaus-Weihnachtsmann helfen.

Es gibt auch, neben der Weihnachtsfolge (die sogar gelungen ist) einige vergnügliche Abweichungen von der bekannten „Leverage“-Formel. So versucht Parker in „Solo für Parker“, zusammen mit ihrem Mentor (Richard Chamberlain), einen Einbruch auf eigene Faust durchzuziehen. Aber es läuft nicht wie geplant. Nathan führt in „Im Namen des Vaters“ sein Team in einen Kampf mit seinem Vater (Tom Skerritt), zu dem er eine sehr problematische Beziehung hat. Und, wir ahnen es bei dem Titel „The Rashomon Job“ (der deutsche Titel „Nachts im Museum“ ist etwas banal), dass Sophie, Alex, Eliot und Parker, als sie sich an einen schon Jahre zurückliegenden Diebstahl erinnern, den sie zufällig gleichzeitig, aber jeweils auf eigene Rechnung durchführten, die Ereignisse und die anderen ganz anders wahrgenommen haben. Und auch Nathan war als Versicherungsdetektiv in diesem Museum.

Insgesamt unterscheidet sich die dritte „Leverage“-Staffel nicht von den beiden vorherigen Staffel an: es ist sehr gut gemachte, kurzweilig-leichtgewichtig-humorvolle Unterhaltung, mit einem ernsten Unterton.

Im Fernsehen zeigt Vox ab Montag, den 21. Januar, um 21.15 Uhr die letzten Folgen der vierten Staffel. In den USA lief am 25. Dezember 2012 „The Long Good-Bye Job“ (Raymond Chandler!), die letzte Folge der fünften Staffel, die auch das Serienfinale ist. Das ist zwar schade, aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Das Bonusmaterial der dritten Staffel ist dagegen eher enttäuschend und mit 23 Minuten nicht besonders umfangreich ausgefallen. Denn die meisten Featurettes sind mit zwei bis drei Minuten zu kurz ausgefallen, um wirklich einen tieferen Einblick in das Thema zu geben. Bei „Hinter den Kulissen“ gibt es immerhin einige Informationen zum Dreh des Staffelfinales und die Outtakes, über fünf Minuten, sind sogar größtenteils witzig, weil die Outtakes flott zusammengeschnitten sind und die Schauspieler viel lachen – und Lachen bekanntlich eine ansteckende Wirkung hat.

Leverage - Staffel 3 - DVD-Cover4

Leverage – Staffel 3 (Leverage, USA 2010)

Erfinder: John Rogers, Chris Downey

mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison), Jeri Ryan (Tara Cole)

DVD

Edel

Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Am Set mit Coulton und Aboud: die neuen Autoren von „Leverage“, Hinter den Kulissen mit den Autoren von „Leverage“, Was macht ein Produzent bei „Leverage“, Unveröffentlichte Szenen, Hinter den Kulissen, Outtakes (insgesamt 23 Minuten ohne Untertitel)

Länge: 654 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Jobs der dritten Staffel

Hinter Gittern (The Jailhouse Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: John Rogers

Klassentreffen (The Reunion Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Michael Colton, John About

Solo für Parker (The Inside Job)

Regie: John Rogers

Drehbuch: Geoffrey Thorne

Vergeigt (The Scheherazade Job)

Regie: Peter Winther

Drehbuch: Chris Downey

Pharma-Falle (The Double-Blind Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder

Fremde Federn (The Studio Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: M. Scott Veach

Finanzmanöver (The Gone-Fishin‘ Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Rebecca Kirsch

Vollgas (The Boost Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Albert Kim

Im Namen des Vaters (The Three-Card Monte Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: Christine Boylan

Unter Tage (The Underground Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder

Nachts im Museum (The Rashomon Job)

Regie: Arvin Brown

Drehbuch: John Rogers

Adel verpflichtet (The King George Job)

Regie: Millicent Shelton

Drehbuch: Christine Boylan

Böses Erwachen (The Morning After Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Chris Downey

Schöne Bescherung (The Ho Ho Ho Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Michale Colton, John Aboud

Bombenalarm (The Big Bang Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Chris Downey, Geoffrey Thorne

Der Kandidat (The San Lorenzo Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: John Rogers, M. Scott Veach

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

„Leverage“-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel 2“

 

 


TV-Tipp für den 14. Januar: Die amerikanische Nacht

Januar 14, 2013

Arte, 20.15

Die amerikanische Nacht (Frankreich/Italienn 1973, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard, Suzanne Schiffman

Den Film müsst ihr unbedingt aufnehmen. Denn er lief zuletzt vor zehn Jahren im TV (kein wirklich gutes Argument), ist nicht auf DVD erhältlich (auch kein gutes Argument) und ein Klassiker.

Francois Truffauts Spielfilm ist eine Liebeserklärung an das Kino, ein Blick hinter die Kulissen, eine liebevolle Demystifikation und Mystifikation des Filmemachens. Denn er erzählt von den Problemen, die es bei den Dreharbeiten für einen Film gibt.

Die amerikanische Nacht“ war für vier Oscars (unter anderem Beste Regie und Bestes Drehbuch) nominiert, erhielt den Oscar als Bester Ausländischer Film und erhielt – beeindruckende – elf weitere Filmpreise. Denn damals gab es noch nicht so inflationär viele Filmpreise wie heute.

mit Jacqueline Bisset, Valentina Cortese, Alexandra Stewart, Jean-Pierre Aumont, Jean-Pierre Léaud, Francois Truffaut, jean Champion, Nathalie Baye, David Markham, Graham Greene

Wiederholung: Mittwoch, 16. Januar, 13.55 Uhr

Hinweise

Arte über „Die amerikanische Nacht“

Rotten Tomatoes über „Die amerikanische Nacht“

Wikipedia über „Die amerikanische Nacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Francois Truffaut in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 13. Januar: Der Ghostwriter

Januar 13, 2013

Pro7, 20.15

Der Ghostwriter (Fr/D/GB 2010. R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Montag, 14. Januar, 09.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Metacritic über „Der Ghostwriter“

Rotten Tomatoes über „Der Ghostwriter“

Wikipedia über „Der Ghostwriter“ (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)


Robert Littell und Charles Cumming denken in „Philby“ und „Die Trinity-Verschwörung“ über die Cambridge Five nach

Januar 12, 2013

Die Bücher habe ich schon vor einigen Tagen gelesen, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich meine Buchbesprechung beginnen soll. Denn ich hatte mir vorgenommen, „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ von Robert Littell und „Die Trinity-Verschwörung“ von Charles Cumming gemeinsam zu besprechen.

Immerhin sind beide Werke Spionageromane (was noch kein Grund wäre), beide spielen in England (schon eher ein Grund), sind von hochgelobten Spionageroman-Autoren (dito), beschäftigen sich mit den Cambridge Five – und das ist der Grund.

Die Cambridge Five, wie die Doppelspione genannt wurden, waren Kim Philby, Guy Burgess, Anthony Blunt, Donald Maclean und John Cairncross. Sie studierten am Trinity College der Universität Cambridge, arbeiteten bereits während des zweiten Weltkriegs für den sowjetischen Geheimdienst und teilweise für den englischen Geheimdienst. Nach dem zweiten Weltkrieg erlangten sie wichtige Positionen im Geheimdienst und Außenministerium und einer wurde Leiter der königlichen Gemäldegalerie.

Ihre Enttarnung war ein großer Geheimdienstskandal und auch heute noch sind die Namen der Cambridge Five einer breiten Öffentlichkeit als Doppelagenten (oder Trippelagenten?) bekannt.

Wenn fast zeitgleich zwei Spionageromane erscheinen, die sich mit diesem Fall beschäftigen, dann lädt das natürlich zum Vergleich ein. Auch wenn der eine Roman in der Vergangenheit, der andere in der Gegenwart spielt.

Littell - Philby - 2

Robert Littell, hochgelobt, seit Jahren im Geschäft und immer noch viel zu unbekannt, schrieb über die Vergangenheit. In „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ erzählt er von Harold Adrian Russell ‚Kim‘ Philbys Jahren als junger Mann: wie er 1933 nach Wien fuhr um den dortigen Kommunisten gegen Kanzler Dollfuß zu helfen und er sich in Litzi Friedmann, eine ungarischstämmige, jüdische Kommunistin, verliebte und sie später, um sie vor der Judenverfolgung zu schützen, heiratete. Danach ging es zurück nach England, wo er zusammen mit Guy Burgess, einem homosexuellem Mitstudenten am Trinity College, die Idee hatte, als Spion für den sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten. Aufgrund ihrer Herkunft und der damit verbundenen glänzenden Kontakte in die Oberschicht war der NKWD interessiert und Kim Philbys Rehabilitierungsprogramm begann, indem er als Times-Journalist betont deutschlandfreundlich über den spanischen Bürgerkrieg schrieb.

1940 wurde Philby, weil er ja seine jugendliche Phase als Kommunist hinter sich gelassen hatte, vom MI6 angeworben – und seine Karriere als Doppelagent begann. Wobei die Sowjets sich fragten, ob er nicht vielleicht sogar ein Trippelagent sei.

Robert Littell hielt sich, wie er im Nachwort sagt, eng an die historischen Fakten, die ja schon fantastisch genug sind, und er bietet am Ende eine Erklärung für Kim Philbys Verhalten an, die sowohl fantastisch, irrwitzig und logisch ist. Jedenfalls in der Welt der Geheimdienste, in denen jeder jeden als Falschspieler verdächtigt und Intrigen und Komplotte oft von so langer Hand vorbereitet werden, dass am Ende keiner mehr weiß, wem er noch vertrauen kann.

Anstatt diese wahre Geschichte jetzt aus einer Perspektive zu schildern oder als allwissender Erzähler die endgültige Wahrheit zu verkünden, wählte Littell einen anderen Zugang. Er lässt Kim Philbys Leben aus der Sicht von anderen Menschen, mit denen er mehr oder weniger gut vertraut war, schildern. Dabei hat nicht nur jeder Ich-Erzähler einen eigenen Blick auf Kim Philby, sondern auch auf die anderen Charaktere. Gleichzeitig führt Littell so auch auf erzählerische Ebene in die Spiegelwelt der Spione ein. Denn es ist unklar, ob eine Sicht die wahre Sicht auf Philby ist oder ob sich aus den verschiedenen Perspektiven das Bild des wahren Philby oder nur ein weiteres Trugbild entsteht.

Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ ist, wie auch die anderen Romane von Robert Littell, ein intellektuelles, gut zu lesendes Vergnügen.

Cumming - Die Trinity-Verschwörung 2

Das kann von Charles Cummings „Die Trinity-Verschwörung“ nicht behauptet werden. In England hat er vor „Die Trinity-Verschwörung“ bereits vier und danach einen Spionage-Roman veröffentlicht. Mail on Sunday nannte ihn, den „Meister des modernen Spionageromans“. Library Journal meinte „Charles Cumming kann es jederzeit mit John le Carré aufnehmen“. Die Kirkus Reviews und die Washington Post hielten „Die Trinity-Verschwörung“ für einen der besten Thriller des Jahres. Und Hollywood hat die Filmrechte bereits gekauft; aber das macht Hollywood ja ständig. Für seinen neuesten Roman „A foreign Country“ erhielt er den CWA Ian Fleming Steel Dagger.

Und dennoch war, vor allem nach dem grandiosen „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“, „Die Trinity-Verschwörung“ ein rechter Langweiler.

Dabei beginnt die Geschichte vielversprechend.

Der Anfang Vierzigjährige Sam Gaddis ist Uni-Professor und Russlandexperte mit einem Berg Schulden, die er mit einem Bestseller abbauen könnte. Zum Beispiel über ein bis heute unbekanntes sechstes Mitglied der legendären Cambridge Five, das sogar noch lebt.

Diese gut gepflegte Geheimdienstlegende und Verschwörungstheorie von einem sechsten Mann erhält neue Nahrung, als Gaddis von Holly Levette, einer jungen Frau, die er während einer Lesung kennen lernt, den Nachlass ihrer Mutter, die vor ihrem Tod an einer Geschichte des KGB arbeitete, erhält und seiner Freundin Charlotte Berg, die Journalistin ist und gerade an einer Reportage über den sechsten Mann der Cambridge Five arbeitet, anbietet, mit ihm ihre Rechercheergebnisse zu teilen. Am nächsten Tag hat sie, so steht es in ihrem Totenschein, einen tödlichen Herzanfall.

Gaddis beginnt mit ihren bisherigen Rechercheergebnissen nach dem sechsten Mann zu suchen. Dabei muss er, während seiner Hatz durch halb Europa, feststellen, dass jemand alle Mitwisser ausschaltet und der englische Geheimdienst eine junge Agentin, die ihm später hilft, auf ihn angesetzt hat.

Dummerweise versumpft Charles Cummings Roman nach einem verheißungsvollen Auftakt schnell in einer episodischen Reise durch halb Europa, die zwar die Seiten füllt, unseren Helden Sam Gaddis aber nicht wirklich näher an die Lösung, die dann doch erschreckend banal ist, bringt.

Außerdem, und das ist das größte Problem, von „Die Trinity-Verschwörung“, verhält Gaddis sich als Wissenschaftler absolut unvernünftig. Anstatt sich wenigstens einmal den Nachlass von Levettes Mutter anzusehen, hetzt er durch die Welt und, nachdem er einige Morde mitansehen durfte (der super effektive Killer weiß nichts von seiner Existenz) und der englische Geheimdienst (auch nicht gerade mit Geistesgrößen gesegnet) ihm mehrmals aus der Patsche geholfen hat, sieht er sich endlich, kurz vor dem Ende des Romans, den Nachlass an und – Oh, Wunder! – findet in diesen Dokumenten die Lösung.

Die Trinity-Verschwörung“ hat einen fast schon klassischen Idiotenplot.

Robert Littell: Philby – Porträt des Spions als junger Mann

(übersetzt von Werner Löcher-Lawrence)

Arche, 2012

288 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Philby: Portrait de l’espion en jeune homme

Éditions Baker Street, Paris, 2011

Charles Cumming: Die Trinity-Verschwörung

(übersetzt von Walter Ahlers)

Goldmann, 2012

448 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Trinity Six

Harper Collins, London, 2011

Hinweise

Meine Besprechung von Robert Littels „Zufallscode“/“Der Gastprofessor“ (The Visiting Professor, 1993)

Meine Besprechung von Robert Littels „Die Söhne Abrahms“ (Vicious Circle, 2006)

Robert Littell in der Kriminalakte

Homepage von Charles Cumming

Wikipedia über die Cambridge Five (deutsch, englisch)

Crime Library über die Cambridge Spione


TV-Tipp für den 12. Januar: In der Lüge gefangen (aka „Stone“)

Januar 12, 2013

ARD, 02.25

In der Lüge gefangen (USA 2010, R.: John Curran)

Drehbuch: Angus MacLachlan

Ein Häftling (Edward Norton) will vorzeitig entlassen werden. Dafür muss er einen Gutachter (Robert De Niro) von seiner Läuterung überzeugen.

Stone“ (so der Original- und DVD-Titel) ist wirklich kein Meisterwerk, bei der Besetzung sogar ein ziemlich enttäuschendes Drama, aber einen besseren Termin für die TV-Erstausstrahlung hätten die Programm-Macher sicher finden können.

Während des Abspanns fragt man sich, warum man sich von so einem Film zwei Stunden seines Lebens stehlen ließ. Warum De Niro und Norton, die ihre Rollen desinteressiert-lieblos runterspielen, zusagten, fragte man sich schon während des Films. Warum das zähe Drama bei uns seine Premiere auf DVD erlebte, ist allerdings schon vor dem ersten Zusammentreffen von De Niro und Norton, die in den vergangenen Jahren keine glückliche Hand bei ihrer Rollenauswahl hatten, klar. Der von Robert De Niro gespielte Jack Mabry ist uns egal. – Mehr, auch Interviews mit den Hauptdarstellern, in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robert De Niro, Edward Norton, Milla Jovovich, Frances Conroy

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über „Stone“

Rotten Tomatoes über „Stone“

Wikipedia über „Stone“

Drehbuch „Stone“ von Angus MacLachlan

Meine Besprechung von John Currans „Stone“ (Stone, USA 2010)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010), für die John Curran das Drehbuch schrieb

 


DVD-Kritik: Nichts wirklich neues unter der Sonne: „Swerve“

Januar 11, 2013

Wenn du in der Einöde einen Koffer voller Geld entdeckst, nimm ihn nicht mit. Denn das endet, wie wir aus zahlreichen Noirs wissen, für den Protagonisten immer tödlich.

Wenn du diesen Koffer allerdings, wie es sich für einen gesetzestreuen Bürger gehört, auf der nächsten Polizeistation abgibst, bist du, wie Craig Lahiffs Noir „Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ beweist, trotzdem nicht auf der sicheren Seite.

Denn Colin (David Lyons), so heißt dieses Mal der Unglücksvogel, entdeckt nach einem Autounfall auf einer einsamen australischen Landstraße in dem einen Auto eine Aktentasche voller Geld und eine männliche Leiche, die vorher bei einem Drogendeal den Drogenkäufer kaltblütig ermordete. In dem anderen Auto sitzt Jina (Emma Booth), eine Schönheit, die gerade die Gegend verlassen wollte und den Unfall verursachte. Colin bringt Jina zurück zu ihrem Haus. Das Geld übergibt er dem örtlichen Sheriff. Frank (Jason Clarke, demnächst „Zero Dark Thirty“) ist zwar nett und hilfsbereit, aber auch etwas merkwürdig und verheiratet mit Jina, die für das Kaff und ihren Mann ein viel zu heißer Feger (Klischee Absicht) ist. Entsprechend schnell baggert sie Colin an (Flirten kann man ihren nächtlichen Annäherungsversuch im Swimmingpool nicht nennen). Wahrscheinlich ist Frank deshalb auch etwas eifersüchtig.

Und dann ist da noch ein blonder Killer, der wortkarg, aber äußerst effektiv seine Arbeit, die Suche nach dem Geld, erledigt. Eigentlich überlebt niemand die Begegnung mit ihm. Dumm nur, dass Frank und Jina, auf getrennten Wegen den Ort verlassen wollen, das Geld als willkommene Starthilfe für ein neues Leben betrachten und der harmlose Colin zwischen die Fronten gerät.

Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ ist ein Noir by the Numbers, der kaum ein Klischee auslässt und gerade in den ersten beiden Dritteln an Oliver Stones ungleich gelungenere John-Ridley-Verfilmung „U-Turn“ (allerdings ohne die Stonesschen Kameraexzesse) erinnert. Sogar ein merkwürdiger Automechaniker versucht in „Swerve“ Colins Auto zu reparieren. Im letzten Drittel gibt es dann eine Storyvolte, die plötzlich das Geld links liegen und den Film zu einem banalen Eifersuchtsdrama mutieren lässt.

Swerve - DVD-Cover

Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit (Swerve, Australien 2011)

Regie: Craig Lahiff

Drehbuch: Craig Lahiff

mit Jason Clarke, Emma Booth, David Lyons, Travis McMahon, Roy Billing, Chris Haywood, Vince Colosimo

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,35:1 (16:9, PAL)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Swerve“

Wikipedia über „Swerve“ 

Greg King’s Film Reviews unterhält sich mit Craig Lahiff über seinen Film „Swerve“ (7. Juni 2012)


TV-Tipp für den 11. Januar: Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte

Januar 11, 2013

ZDFneo, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Hinweis

Girlfriend Experience

Mit vierjähriger Verspätung ist jetzt Steven Soderberghs „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ mit der Porno-Darstellerin Sasha Grey (die damals auch als Musikerin und Denkerin für Furore sorgte) bei Koch Media als deutsche DVD-Premiere erschienen.

Die DVD enthält neben dem Film auch den Alternativen Director’s Cut, einen Audiokommentar von Soderbergh und Grey und einen „Blick hinter die Kulissen“.

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wer war „Hannah Arendt“?

Januar 10, 2013

Hannah Arendt.

Große Philosophin.

Hat „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ und „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ geschrieben.

Und wenn Ihr Wissen über Hannah Arendt ungefähr jetzt erschöpft ist, dürfte es ihnen wie mir gehen.

Aber das ist auch keine schlechte Ausgangsposition, um sich Margarethe von Trottas neuen Film anzusehen, der ganz banal „Hannah Arendt“ heißt und vier Jahre aus ihrem Leben als reife Frau erzählt. Es sind die Jahre, in denen die damals hochgeachtete Philosophin in New York lebte, am Brooklyn College in New York lehrte, einen Kreis teils deutschstämmiger Intellektueller um sich gescharrt hatte (entsprechend flüssig wechseln sie in ihren Gesprächen die Sprachen) und sich normalerweise an ihr Alterswerk gemacht hätte, wenn nicht der Mossad 1960 Adolf Eichmann in Argentinien gefangen genommen hätte und der noch junge Staat Israel ihn vor Gericht stellen wollte. Nur vor welches? Eine internationale Gerichtsbarkeit, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht und Deutschland hatte an so einem Prozess überhaupt kein Interesse. Also wurde Eichmann in Jerusalem vor ein Gericht gestellt und die am 14. Oktober 1906 geborene, 1933 nach kurzer Inhaftierung aus Deutschland geflüchtete Jüdin Hannah Arendt, die bis dahin gut in ihren philosophischen Gedankengebäuden lebte, wollte in Israel den Prozess beobachten und darüber schreiben.

Margarethe von Trotta zeigt in ihrem fantastischen Film die Konfrontation der Denkerin mit dem Bürokraten und welche Folgen das für ihr Denken hatte. Dabei bleibt sie anscheinend immer sehr nahe bei den Fakten und dem damaligen Wissen. Denn neuere Forschungen über Eichmann zeichnen ein anderes Bild von ihm. Jedenfalls wollte Eichmann vor Gericht für sein Handeln keine Verantwortung übernehmen. Er habe schließlich nur Befehle befolgt. Und das sagte der unscheinbar-ungelenkte Bürokrat in ebenso bürokratischen und grammatikalisch haarsträubenden Sätzen. Dieser Unterschied zwischen monströsen Taten und unscheinbarer Person brachte Arendt auf ihren weltberühmten Begriff „die Banalität des Bösen“. In der mit zweijähriger Verspätung erschienenen Artikelserie „Eichmann in Jerusalem“ für den „The New Yorker“ und dem darauf basierendem Buch weigerte sie sich, Eichmann, wie man es von ihr erwartet hatte, zu dämonisieren. Stattdessen beschrieb sie ihn, wie sie ihn während des Prozesses erlebte und griff auch die Rolle der Judenräte an.

Sie erhielt hasserfüllte Briefe, wurde von anderen Juden angegriffen und auch Freunde wanden sich von ihr ab. Von Trottas Film endet mit einer Rechtfertigungsrede von Hannah Arendt in einem überfüllten Hörsaal, die gerade in ihrer Sprödigkeit und intellektuellen Schärfe, wie der gesamte Film, beeindruckt.

Die Regisseurin, die vor allem für ihre Porträts starker Frauen, wie „Rosa Luxemburg“, bekannt ist, zeigt Hannah Arendt (glänzend gespielt von Barbara Sukowa) als kantige, teils harsche, immer scharfsinnige Denkerin, die Spaß am intellektuellen Diskurs hatte, heftig streiten konnte und dabei niemals ihre Freundschaften vergaß. So endet mehr als ein lautstarker Disput mit einem „So, und jetzt ist gut. Lasst uns einen Tee trinken!“ und einem kleinmädchenhaftem Lachen.

Sie stand für ihre Überzeugungen, verteidigte sie, hörte aber auch den anderen zu und war bereit ihre Meinung zu ändern, weil sie verstehen und nicht verurteilen wollte. – Und gerade hier zeigt sich in ihrem Charakter und in ihrer fast ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Auseinandersetzung über ihre Texte über Eichmann (zuerst die Zeitungsartikel, später das Buch) die Aktualität des Films, der fragt, ob wir selbst denken wollen, ob wir für unsere Überzeugungen kämpfen wollen und wie wichtig uns Freundschaften sind.

Dabei ist „Hannah Arendt“ kein in blinder Ehrfurcht erstarrendes Heldinnenporträt, sondern ein mitreisendes Stück Kino, das auch einen Einblick in die damalige Ostküsten-Intellektuellenszene und das damalige Denken liefert, mit scharfzüngigen Dialogen, die, aufgrund des Themas und der Charaktere, in Richtung Thesentheater gehen. Denn wenn der „Tribe“, wie der Intellektuellenzirkel, der sich regelmäßig in Hannah Arendts Wohnung traf, miteinander stritt, dann stritten einige der größten Denker des Jahrhunderts miteinander.

Hannah Arendt - Plakat

Hannah Arendt (Deutschland 2012)

Regie: Margarethe von Trotta

Drehbuch: Pamela Katz, Margarethe von Trotta

mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Michael Degen, Victoria Trauttmansdorff, Klaus Pohl, Nicholas Woodeson

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 6 Jahre)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hannah Arendt“

Rotten Tomatoes über „Hannah Arendt“

Wikipedia über „Hannah Arendt“

Margarethe von Trottas Kinotour zum Film

Donnerstag, 10. Januar 2013

15.00 Uhr NÜRNBERG Cinecitta‘ Multiplexkino (Gewerbemuseumsplatz 3)

20.00 Uhr MÜNCHEN – City Kinos (Sonnenstraße 12)

Freitag, 11. Januar 2013

16.30 Uhr KASSEL Gloria am Ständeplatz (Friedrich-Ebert-Straße 3)

20.00 Uhr BIELEFELD Lichtwerk im Ravensberger Park (Ravensberger Park 7)

Samstag, 12. Januar 2013

16.45 Uhr MÜNSTER Schloßtheater (Melchers-Straße 81)

19.30 Uhr HAMBURG Abaton-Kino (Allende-Platz 3)

Sonntag, 13. Januar 2013

16.30 Uhr FREIBURG Kandelhof-Kino (Kandelstraße 27)

Donnerstag, 17. Januar 2013

15.00 Uhr AACHEN Capitol (Seilgraben 8)

Sonntag, 20. Januar 2013

11.30 Uhr BERLIN Delphi Filmpalast am Zoo (Kantstraße 12a)

13.30Uhr BERLIN International (Karl-Marx-Allee 33)

18.30 Uhr DRESDEN KIF Kino in der Fabrik (Tharandter Straße 33)

Bonusmaterial

Hannah Arendt 1964 im Gespräch mit Günther Gaus


TV-Tipp für den 10. Januar: Der Bauch des Architekten

Januar 10, 2013

MDR, 23.35

Der Bauch des Architekten (GB/I 1987, R.: Peter Greenaway)

Drehbuch: Peter Greenaway

Ein Architekt erlebt während der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Rom eine ausgewachsene Sinnkrise.

„Ein schrecklich deprimierender Film – und ein Lehrstück über das Sehen und Bilden, unter anderem, ein Film von ausgesuchter optischer Raffinesse, voller dunkelleuchtender Farben.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Aber: „Die Filme funktionieren freilich auch auf der schlichten narrativen Ebene, sind unterhaltsam und komisch.“ (ebenda)

Damals war der Avantgarde-Künstler Peter Greenaway nach seinem Spielfilmdebüt „Der Kontrakt des Zeichners“ (The Draughtsman’s Contract) und dem unbekannteren „Eine Z und zwei Nullen“ (A Zed & two Noughts) und vor „Verschwörung der Frauen“ (Drowning by Numbers), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (The Cook, the Thief, his Wife and her Lover) und „Prosperos Bücher“ (Prospero’s Books) auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit als Filmregisseur.

Heute ist eine der seltenen Gelegenheiten den „Bauch des Architekten“ zu bewundern.

mit Brian Dennehy, Chloe Webb, Lambert Wilson, Sergio Fantoni

Hinweise

Wikipedia über Peter Greenaway (deutsch, englisch)

Homepage von Peter Greenaway

Homepage über Peter Greenaway

Noch eine Seite über Peter Greenaway


Nicht nett: Mit „Nur zu deinem Schutz“ soll der Harlan-Coben-Virus jetzt auch Jugendliche infizieren

Januar 9, 2013

Coben - Nur zu deinem Schutz

Carl Hiaasen hat es getan. Mehrmals und auch sehr erfolgreich.

Elmore Leonard hat es einmal getan.

Robert B. Parker hat es ebenfalls einmal getan – und bislang wurden ihre Jugendbücher nicht übersetzt.

Harlan Coben hat es jetzt getan. Der Jugendkrimi „Nur zu deinem Schutz“ schließt unmittelbar an den Myron-Bolitar-Thriller „Sein letzter Wille“ an. Aber jetzt wird die Geschichte nicht aus Myrons Bolitars Sicht, sondern von dem fünfzehnjährigen Mickey Bolitar erzählt, der inzwischen von Myron quasi adoptiert wurde, in Myrons Kinderzimmer einzog und auf die dortige, vor New York gelegene, Kleinstadt-Highschool geht.

Mickey ist der Sohn von Myrons Bruder Brad, der vor kurzem in Los Angeles bei einem Autounfall ums Leben kam. Die beiden Brüder hatten sich zerstritten und aus den Augen verloren. Mickeys drogensüchtige Mutter ist derzeit in einer Entzugsklinik und Mickey hasst Myron.

Das ist für langjährige Leser der Myron-Bolitar-Thriller ein interessanter Perspektivwechsel: der bewunderte Held als, nun, Bösewicht. Allerdings, das muss auch gesagt werden: auf die Dauer ist das keine gute Idee. Denn schon bei „Nur zu deinem Schutz“ fragt der langjährige Myron-Bolitar-Fan sich spätestens in der Mitte des Buches, was für ein Trottel Mickey ist. Denn er beginnt auf eigene Faust seine spurlos verschwundene Mitschülerin und Freundin Ashley zu suchen.

Dabei, Pubertät hin, Pubertät her, wäre es viel vernünftiger gewesen, wenn er Mickey davon erzählt hätte. Dann hätte er und sein Freund Win, die in den letzten Jahren in mehreren lesenswert-kurzweiligen Thrillern vielen Menschen geholfen haben, sich auf die Suche nach Ashley gemacht.

Denn, auch wenn Myron nicht mit seinen Heldentaten protzt, hätte Mickey über Myrons Eltern, die er mag, oder den Dorfklatsch davon erfahren müssen. Immerhin wird Mickey an der Schule immer wieder auf Myrons lange zurückliegende und sehr kurze Basketball-Karriere angesprochen.

Abgesehen von diesem Glaubwürdigkeitsproblem (das natürlich nur Myron-Bolitar-Fans haben), ist „Nur zu deinem Schutz“ ein flotter Thriller, der sich an ein jugendliches Publikum („empfohlen ab 13 Jahre“) richtet. Mit einer entsprechend überschaubaren Handlung. Denn eigentlich geht es auf den über dreihundert Seiten nur um Schulprobleme, seine beginnende Freundschaft zu den Schulaußenseitern Ema und Löffel und der Suche nach einer verschwundenen Mitschülerin, die sich unter einer falschen Adresse an der Schule anmeldete und auch von einem tätowierten Mann gesucht wird. Die Spur führt Mickey, Ema und Löffel rasch in einen schäbigen Stripclub in Newark.

Und, während Harlan Cobens andere Romane unabhängig voneinander und in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden können, beginnt er in „Nur zu deinem Schutz“ einen größeren Handlungsfaden, der sich in diesem Roman noch im Aufwerfen von Rätseln erschöpft und der mit der Historie (Nazi-Verbrechen, Judenverfolgung, Hippietum) zu kämpfen hat. Denn Mickey erfährt bei seiner Suche nach Ashley auch Dinge über seinen Vater, warum er seine Jugend in den verschiedensten exotischen Ländern verbrachte und es gibt am Ende einen merkwürdigen Hinweis auf den Mörder seines Vaters; – falls er überhaupt wirklich tot ist.

Diese Geschichte wird in dem zweiten Mickey-Bolitar-Roman „Seconds Away“, der in den USA im September 2012 erschien, fortgeführt.

Harlan Coben: Nur zu deinem Schutz

(übersetzt von Anja Galic)

cbt, 2012

352 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Shelter

G. P. Putnam’s Sons, 2011

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sein letzter Wille“ (Live Wire, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Januar: Scoop – Der Knüller

Januar 9, 2013

Arte, 20.15

Scoop – Der Knüller (GB/USA 2006, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Auf Wunsch eines frisch verstorbenen Star-Reporters ermitteln ein Magier (Allen gewohnt panisch) und eine junge Journalistin (Johansson ungewohnt tapsig) in einem Mordfall.

Nach dem hochgelobten Krimi „Matchpoint“ gab es mit „Scoop“ wieder einen typischen Allen-Film bei dem die in seiner damaligen Heimat Großbritannien spielende Krimigeschichte nur der Aufhänger für Witze ist. Danach drehte er in England noch den Krimi „Cassandras Traum“ und ging dann nach Spanien.

mit Scarlett Johansson, Woody Allen, Hugh Jackman, Ian McShane, Anthony Head

Wiederholung: Donnerstag, 10. Januar, 13.55 Uhr

Hinweis

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Scoop – Der Knüller“

Metacritic über „Scoop – Der Knüller“

Rotten Tomatoes über „Scoop – Der Knüller“

Wikipedia über „Scoop – Der Knüller“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „To Rome with Love“ (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte


Berlin: Die „Django Unchained“-Pressekonferenz

Januar 8, 2013

Heute, vor einigen Stunden, war in Berlin eine Pressekonferenz zu „Django Unchained“ mit Regisseur und Autor Quentin Tarantino und fast allen Hauptdarstellern des Westerns, nämlich Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson.

Die Bildstrecke mit einigen weiterführenden Links gibt es hier und die Besprechung zu dem guten Film (Oh heiliges Understatement!) gibt es dann zum Filmstart am 17. Januar.


Parnell Hall singt und zeigt Private Eye Writer

Januar 8, 2013

Krimiautor Parnell Hall (von dem ich schon einige Lieder postete) hat einen neuen Song veröffentlicht: “Private Eye Writer”. Die “Film Noir”-Version gab es gestern.

Heute gibt es die Shamus-Awards-Version mit vielen, vielen Privatdetektivkrimiautoren.

Viel Spaß beim Erkennen der Autoren.

Da sind ja fast alle meine Helden versammelt.


Kurzkritik: Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Januar 8, 2013

Ani - Süden und das heimliche Leben

Obwohl Tabor Süden schon seit „Süden“ als Privatdetektiv arbeitetet, hat sich wenig geändert. Schon in der Vermisstenabteilung der Polizei suchte und fand er die Vermissten nicht mit Hilfe der Technik, sondern indem er ihren Leben nachlauschte und die Leute, die die Vermissten kannten, reden ließ. Gerne in einer Wirtschaft beim Bier. Als Privatdetektiv erledigt er seine Arbeit genau so.

Deshalb sitzt er am Anfang von „Süden und das heimliche Leben“ in der Wirtschaft von Dieter ‚Dieda‘ und Charlotte Nickl und hört den Stammkunden von „Charly’s Tante“ zu. Sie alle wollen, dass er ihre verschwundene Bedienung Ilka Senner findet. Alle haben sie gemocht und sie hätte demnächst sogar die Wirtschaft übernehmen sollen. Allerdings wusste auch niemand viel über die allein lebende Sechsundvierzigjährige.

Tabor Süden versucht herauszufinden, warum die unscheinbare Ilka verschwand. In ihrer Wohnung kommt er zur Überzeugung, dass sie ihr Verschwinden plante.

Süden und das heimliche Leben“ bewegt sich von der ersten bis zur letzten Seite auf vertrautem Ani-Terrain: es geht, wie immer, um die kleinen Leute und die Eckkneipen, in denen die Zeit anscheinend stehen geblieben ist. Entsprechend klein und vertraut sind die Gründe, weshalb die Vermissten aus ihrer vertrauten Umgebung verschwinden. Dabei lebten die Vermissten in den Süden-Romanen oft ein so unauffälliges Leben, dass ihr Verschwinden kaum auffällt. So ist Ilka, wie langjährig geschulte Krimileser vermuten könnten, keine untergetauchte Mörderin oder Terroristin oder eine von einem Stalker verfolgte Frau. Sie ist eine unscheinbare Frau, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auch bemühte, ein entsprechend unauffälliges Leben zu führen.

Und Friedrich Ani verleiht diesen auf den ersten Blick unscheinbar-unauffälligen Menschen, die man im Linienbus sieht und schnell wieder vergisst, in seinen Geschichten eine Stimme.

Außerdem ist „Süden und das heimliche Leben“ ein handfester Krimi in denen Menschen versuchen, ihre Geheimnisse mit allen Mitteln zu schützen, sie falsche Namen benutzen und am Ende gibt es sogar einen Mord.

Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Knaur, 2012

208 Seiten

8,99 Euro

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 8, 2013

Stark - Unternehmen Grüner Schnee


TV-Tipp für den 8. Januar: James Bond: Ein Quantum Trost

Januar 8, 2013

ZDF, 20.15

James Bond 007 – Ein Quantum Trost (GB 2008, R.: Marc Forster)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost [Kurzgeschichte])

Die Story aka Der Vorwand für ganz viele, ganz doll im schlechten Jason-Bourne-Stil zerschnipselten Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (ist wahrscheinlich ein Nachfolger von Spectre) an.

Auch wenn der zweite Einsatz von Daniel Craig als James Bond nicht der schlechteste Bond aller Zeiten ist, hat er jedenfalls einen Platz in den Top Drei. Denn „Octopussy“ ist auch ziemlich mies und „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat bei mir den Einer-der-ersten-Bond-Filme-die-ich-gesehen-habe-Bonus. Die anderen waren „Diamantenfieber“, „In tödlicher Mission“ und, ich glaube, „Feuerball“ – und immer im Kino; ach, das wissen die Jüngeren wahrscheinlich nicht: bis in die neunziger Jahre liefen auch ältere Filme auch in der Provinz immer wieder in normalen Kinos

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Wiederholung: Mittwoch, 9. Januar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Metacritic über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Rotten Tomatoes über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Wikipedia über „James Bond: Ein Quantum Trost“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Parnell Hall singt über Private Eye Writer

Januar 7, 2013

Krimiautor Parnell Hall (von dem ich schon einige Lieder postete) hat einen neuen Song veröffentlicht: „Private Eye Writer“. In der „Film Noir“-Version.

Viel Spaß!


The Who – Live at Glastonbury

Januar 7, 2013

Ein Konzert von 2007, das rockt wie Sau:

Wer braucht da noch die Rolling Stones?


TV-Tipp für den 7. Januar: Big Fish

Januar 7, 2013

Arte, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Wiederholung: Mittwoch, 9. Janaur, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Rotten Tomatoes über „Big Fish“

Wikipedia über „Big Fish“ (deutsch, englisch)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts „The Nines“ (The Nines, USA 2007)