Verfilmte Bücher: „Mein fahler Freund“ ist „Warm Bodies“

Marion - Mein fahler Freund - 2Marion - Warm Bodies - 2

Die Idee von Isaac Marions Debütroman „Mein fahler Freund“, jetzt sehr gelungen verfilmt als „Warm Bodies“, ist grandios: er erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem Zombie und einer Frau aus der Sicht des Zombies. Das ist vor allem am Anfang, wenn der Ich-Erzähler R (an mehr erinnert der Zombie sich nicht) aus dem Leben seiner Artgenossen auf dem Flughafen erzählt, witzig. Auf einem ihrer Raubzüge nach Nahrung (also quicklebendigen Menschen) in die nahe gelegene Stadt entdeckt er Julie und anstatt sie, wie es sich für einen guten Zombie gehört, gleich zu verspeisen, verliebt er sich in sie. Er kann sich nicht erklären, warum er das tut, aber Liebe ist ja auch ein ewiges Mysterium. Dass er vorher ihren Freund verspeiste, hat immerhin den angenehmen Nebeneffekt, dass er einiges über sie weiß, weil ein Zombie beim Verspeisen eines menschlichen Gehirns dessen Erinnerungen absorbiert, bis er auch sie, wie schon seine eigenen Erinnerungen, vergisst.

Er nimmt sie mit zum Flughafen und in sein Refugium, eine 747-Passagiermaschine. Dort kommen sie sich bei der Musik von Frank Sinatra näher und er bemerkt, dass sich irgendetwas bei ihm verändert. Und sie findet ihn auch ganz sympathisch.

Aber die Menschen und die Zombies sind gegen die Liebe von R und Julie. Die Menschen, weil sie wissen, dass alle Zombies menschenfressende, gefühllose Bestien sind, die schon lange tot sind und am Besten noch einmal, aber dieses Mal endgültig umgebracht werden; die Zombies, nun, die vergessen Julie ziemlich schnell. Jedenfalls wenn sie nicht zu sehr nach Mensch riecht. Aber nachdem R und Julie mit den Knochen (besonders biestige Untote) einen Streit beginnen, müssen sie den Flughafen verlassen. Sie machen sich auf den Weg zur Stadt, in der Julie versucht R vor ihrem Vater, einem fanatischen Zombiejäger, zu verstecken.

Dass die Liebesgeschichte von Romeo und Julia für „Mein fahler Freund“ Pate stand, ist offensichtlich und auch gar nicht so schlecht. Das verleiht dem Roman immerhin eine Grundspannung und die Frage, wie Isaac Martin das Liebespaar am Ende zusammen bekommt.

Allerdings, und das ist das Problem der ursprünglich als Kurzgeschichte erschienenen und dann auf Romanlänge erweiterten Geschichte, hätte man auch gerne mehr über das Leben der Menschen in der Festung und die Ursache der Zombie-Apokalypse erfahren. So bleibt sie nur der beliebige, trendige Hintergrund für eine Liebesgeschichte zwischen Angehörigen zweier verfeindeter Gruppen, die gerade nach dem ersten, auf dem Flughafen spielendem, Drittel zunehmend beliebig vor sich hin plätschert und in einem konfusen Showdown endet.

Die Filmemacher haben es wohl ähnlich gesehen. Jedenfalls veränderte Autor und Regisseur Jonathan Levine (All the Boys love Mandy Lane, 50/50) eben jenen Teil stark, aktualisierte die Musik für ein jüngeres Publikum und bewies ein gutes Gespür bei der Balance zwischen Sentiment, Witz und Action. „Warm Bodies“ ist eine herzerwärmende Zombie-Liebesgeschichte, die aufgrund der Essgewohnheiten der Untoten definitiv keine Schmonzette ist.

Der Kinostart ist am 21. Februar.

Isaac Marion: Mein fahler Freund

(übersetzt von Daniel Sundermann)

Hobbit Presse/Klett-Cotta, 2011

304 Seiten

19,95 Euro (Hardcover)

9,95 Euro (Taschenbuch, erscheint am 21. Februar unter dem Filmtitel „Warm Bodies“)

Originalausgabe

Warm Bodies

Atria Books, 2009

Verfilmung

Warm Bodies (Warm Bodies, USA 2013)

Regie: Jonathan Levine

Drehbuch: Jonathan Levine

mit Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Analeigh Tipton, Rob Corddry, Dave Franco, John Malkovich, Cory Hardriot

Länge: 98 Minuten

Kinostart: 21. Februar 2013

Hinweise

Homepage von Isaac Marion

Deutsche Homepage zum Film

 

 

One Response to Verfilmte Bücher: „Mein fahler Freund“ ist „Warm Bodies“

  1. […] LV: Isaac Marion: Warm Bodies, 2009 (Mein fahler Freund, Taschenbuchausgabe wegen des Films „Warm … […]

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