TV-Tipp für den 3. Juli: Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

Juli 3, 2013

BR, 23.05

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot (Fr 2009, R.: Serge Bromberg, Rucandra Medrea)

Drehbuch: Serge Bromberg

Spielfilmlange Doku über den Spielfilm „Die Hölle“ von Henri-Georges Clouzot („Lohn der Angst“, „Die Teuflischen“) mit Romy Schneider und Serge Reggiani. Der Dreh wurde nach wenigen Wochen abgebrochen und die wenigen Aufnahmen verschwanden im Archiv.

1994 verfilmte Claude Chabrol Clouzots Drehbuch.

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“ gewann den César als beste Dokumentation.

mit Romy Schneider, Serge Reggiani, Henri-Georges Clouzot

Hinweise

Wikipedia über „Die Hölle“ (deutsch, englisch, französisch)

BR über „Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“

Schnitt über “Die Hölle von Henri-Georges Clouzot”


Cover der Woche

Juli 2, 2013

McBain - Blutsschwestern


TV-Tipp für den 2. Juli: 13 Assassins

Juli 2, 2013

Tele 5, 22.00

13 Assassins (Japan 2010, R.: Takashi Miike)

Drehbuch: Daisuke Tengan (nach einem Drehbuch von Kaneo Ikegami)

Takashi Miikes Version von „Die sieben Samurai“. Classic!

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki, Masachika Ichimura, Mikijiro Hira, Hiroki Matsukata, Ikki Sawamura, Arata Furuta, Tsuyoshi Ihara

Wiederholung: Donnerstag, 4. Juli, 00.15 Uhr

Hinweise

Japanische Homepage zum Film (englische Version)

Amerikanische Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Wikipedia über „13 Assassins“

Schnittberichte: Vergleich Internationale – Japanische Fassung

Meine Besprechung von Takashi Miikes „13 Assassins“ (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)


„Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ – Ehrlich?

Juli 1, 2013

Goettges - Häusler - Du sollst den Wähler für dumm verkaufen - 2

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des vielversprechenden Plakats ansahen?

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des grandiosen Trailers ansahen – und dann enttäuscht waren, weil all die atemberaubenden Szenen aus dem Trailer im Film gar nicht mehr so atemberaubend waren?

Nun, so ähnlich erging es mir mit „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ von Ulf C. Goettges und Martin Häusler. Guter Titel, der nach einer ordentlichen Portion Politiker-Bashing klingt.

Auch die „10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ stoßen in das gleiche Horn:

  1. Du sollst deine Macht verteidigen – der Parteifreund ist dein bester Feind

  2. Du sollst dir einen Clan suchen – ohne Seilschaft stürzt du ab!

  3. Du sollst nichts können – Minister kann jeder

  4. Du sollst hilfsbereit sein – wer sagt schon gern ‚korrupt‘?

  5. Du sollst Schauspieler sein – allein als Politiker packst du es nicht

  6. Du sollst Journalisten zensieren – Pressefreiheit ist gefährlich

  7. Du sollst nicht denken – die Partei regelt dein Leben schon

  8. Du sollst Steuern verschwenden – es ist ja nicht dein Geld

  9. Du sollst dich dumm stellen – der U-Ausschuss ist nur Theater

  10. Du sollst die Verfassung nicht so ernst nehmen – benutze sie, wie du sie brauchst

Na, das klingt doch nach einer ordentlichen Generalabrechnung mit den Idioten aus dem Bundestag. Aber dann singen das Autorenduo fast schon unverhohlen das Loblied auf den tapferen Abgeordneten, erzählen von den Arbeitsbelastungen eines Politikers, den Anfeindungen, wie der parlamentarische Betrieb funktioniert, wie wichtig Ausschüsse sind, welche Fähigkeiten man für ein Ministeramt benötigt und auch dem Desinteresse des Wählers. So bietet der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt in seinem Wahlkreis in Solingen einen Diskussionsabend zur damals heftig umstrittenen Griechenlandhilfe an und niemand kommt. So wird in den TV-Talkshows, wie „Günther Jauch“, „Anne Will“ und all den anderen Nachfolgern von „Sabine Christiansen“ durch die Inszenierung das Desinteresse an der Politik befördert. Dummerweise sind, auch durch die Sendezeiten und Ausstrahlungsorte, die Einschaltquoten bei diesen Inszenierungen besser als bei den gehaltvolleren Gesprächen, die zum Beispiel auf Phoenix (haben Sie den Sender schon auf ihrer Fernbedienung entdeckt?) laufen.

Dass das Buch von Ulf C. Goettges und Martin Häusler so differenziert wurde, liegt sicher auch an den zahlreichen von ihnen geführten Interviews, aus denen sie ausführlich zitieren. Auch wenn Gregor Gysi (Linkspartei) und Wolfgang Bosbach (CDU) öfter zitiert werden, haben sie sich mit Politikern aus allen Parteien, gefühlt mit einem leichten Grünen-Bias (viele Gesprächspartner, die aber oft nur ein-, zweimal vorkommen), wenigen FDPlern und Sozialdemokraten, teils aktiv, teils mehr oder weniger freiwillig aus der Politik ausgeschieden, fast immer Bundespolitiker, unterhalten. Dazu kamen noch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, wie Lobbycontrol und dem Bund der Steuerzahler, und die Wissenschaftler Karl-Rudolf Korte und Arnulf Baring, die man als Allzweckwaffen ja aus diversen TV-Auftritten kennt.

Auch sind viele der Gebote und die von Goettges und Häusler gewählten Beispiele für sich selbst bedienende und die Wähler für dumm verkaufende Politiker auf andere Berufe übertragbar; wobei – und das sagen sie auch – man als Politiker bestimmte Fähigkeiten braucht, die man als Unternehmer nicht benötigt: Verhandlungsgeschick (mit vielen mehr oder weniger gleichberechtigten Akteuren. Denn eine Fraktion ist eine Ansammlung von Profilneurotikern.), Einsatzbereitschaft (auch und vor allem Abends und an Wochenenden) und Leidensfähigkeit. Immerhin müssen Politiker sich von anderen Parlamentariern und den Wählern beleidigen lassen, ohne danach gleich eine Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede zu stellen. Sie können, wenn sie ein Amt haben, jederzeit, teils aus nichtigen und sachfremden Gründen, entlassen werden. Und eine Wiederwahl ist nicht wirklich garantiert. Da ist dann die Entlohnung gar nicht mehr so hoch, wie es zunächst scheint.

Das macht dann „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ als aufklärerische Form des Etikettenschwindels richtig sympathisch.

Allerdings bleibt „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ im anekdotischen Stecken. Denn es fehlt ein theoretischer Rahmen, der eben die „Gebote“ in eine größere Perspektive einordnet und auch zeigt, wo die neue Qualität (sofern es sie gibt) ist. Colin Crouchs Theorie der „Postdemokratie“ wäre ein möglicher Startpunkt, der dann auch das System Parlament und Parlamentspolitik in einem größeren Kontext verorten würde. So stehen die von Goettges und Häusler formulierten Gebote, obwohl sie sich auf aktuelle Beispiele konzentrieren, als mehr oder weniger ewig gültige Spielregeln der Politik etwas abgehoben im politischen Raum, der nach Ansicht der beiden Autoren höheren moralischen Maßstäben folgen sollte, weil Politiker Vorbilder für die restliche Gesellschaft seien. Darüber könnte treffend diskutiert werden und gerade der derzeitige Trend, dass Politiker sagen, dass sie gegen keine Gesetze verstoßen hätten, hätte auch Goettges und Häusler die Möglichkeit eröffnet, genauer über die Grenze von Legalität und Legimität zu reflektieren. Denn, im Kapitel über Korruption wird es ja explizit angesprochen, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Aber das ist ein anderes Buch.

Ulf C. Goettges/Martin Häusler: Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik

Bastei-Lübbe 2013

240 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Buch

Homepage von Ulf C. Goettges und Martin Häusler

Homepage von Martin Häusler


TV-Tipp für den 1. Juli: Tagebuch einer Kammerzofe/Der diskrete Charme des Luis Buñuel/Viridiana

Juli 1, 2013

 

Einen richtig fetten Luis-Buñuel-Themenabend gibt es heute.

Luis Buñuel Portolés (* 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien; † 29. Juli 1983 in Mexiko-Stadt, Mexiko) war war ein spanisch-mexikanischer Filmemacher, der in der Frühzeit des Films als surrealistischer Regisseur bekannt wurde. Er zählt zu den wichtigsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts.

Da widerspreche ich Wikipedia bestimmt nicht.

Arte zeigt um

20.15 Uhr

Tagebuch einer Kammerzofe (Frankreich/Italien 1964, R.: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Octave Mirabeau: Le Journal d’une femme de chambre, 1900 (Tagebuch einer Kammerzofe)

Buñuel verlegte die Geschichte in die späten zwanziger Jahre und lässt die Kammerzofe einen Blick auf die verkommene feine Gesellschaft mit ihren sexuellen Perversionen werfen.

Bösartige Satire

mit Jeanne Moreau, Michel Piccoli, Georges Gèret, Francois Lugagne

21.50 Uhr

Der diskrete Charme des Luis Buñuel (Frankreich 2013, R.: François Lévy-Kuentz)

Doku über den Regisseur.

22.45 Uhr (VPS 22.40)

Viridiana (Mexiko/Spanien 1961,: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Julio Alejandro

Der Film wurde in Spanien sofort verboten, erhielt in Cannes die Goldene Palme, war auch in anderen Ländern ein Skandalfilm und heute zählt diese Abrechnung mit dem Bürgertum und der Kirche zu den wichtigsten und besten Filmen von Luis Buñuel.

mit Silvia Pinal, Fernando Rey, Francisco Rabal

Hinweise

Arte über Luis Buñuel (eigentlich nur eine lieblose Ankündigung der Buñuel-Reihe)

Wikipedia über Luis Buñuel