TV-Tipp für den 3. November: Sie küßten und sie schlugen ihn

November 3, 2014

Arte, 20.15
Sie küßten und sie schlugen ihn (Frankreich 1959, Regie: Francois Truffaut)
Drehbuch: Francois Truffaut, Marcel Moussy
1959 erhielt der siebenundzwanzigjährige Francois Truffaut für seinen ersten Spielfilm, „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (Les quatre cents coups), den Großen Preis von Cannes für die Regie. In dem Film begann er den von ihm formulierten Anspruch für einen neuen Spielfilm in die Tat umzusetzen. Denn die Geschichte von Antoine Doinel (verkörpert von dem Dreizehnjährigen Jean-Pierre Léaud) weist etliche Gemeinsamkeiten mit seiner Biographie auf. In dem Film erzählt Truffaut von Antoine, der in einer dysfunktionalen Familie aufwächst. Seine Mutter geht fremd. Sein Stiefvater flüchtet sich in sein Hobby und Antoine Doinel, der nach einem Vorbild sucht, flüchtet in die Welt des Kinos und der Bücher. Er beginnt zu stehlen, wird erwischt und landet in einem Erziehungsheim, aus dem er wieder flüchtet. Ein Klassiker der Nouvelle Vague – und der erste Antoine-Doinel-Film (die ich hier ausführlich besprochen habe).
mit Jean-Pierre Léaud, Albert Rémy, Claire Maurier, Patrick Auffay

Wiederholung: Mittwoch, 5. November, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über Francois Truffaut

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


Über Don Winslows neuen Kriminalroman „Missing. New York“ – und die Lesereise

November 2, 2014

Winslow - Missing New York - 2

Zwei Bücher von Don Winslow in einem Jahr – und beide sind in seiner Heimat noch nicht erschienen. Dort erscheint im Sommer 2015 „The Power of the Dog Part II“ (das ist wohl ein Arbeitstitel). Wieder, nach einem kurzen Intermezzo bei Simon & Schuster, bei seinem alten Verlag Alfred A. Knopf. Den Roman hat Droemer, Don Winslows deutscher Verlag, ebenfalls schon als „Jahre des Jägers“ für Anfang Juni angekündigt und er soll die Geschichte von „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005) nahtlos weiter erzählen.
Bis dahin können wir wohl schon den zweiten oder dritten Roman, der in den USA danach erscheinen wird, lesen. Und wie sein vorheriger Roman „Vergeltung“ spielt „Missing.New York“ nicht in der Welt der kalifornischen Surfer, der er sich literarisch zwischen 1997 (The Death and Life of Bobby Z.) und 2012 (The Kings of Cool) fast ausschließlich widmete und für die ihn seine deutschen Leser, auch weil sie seine früheren Krimis mit dem globetrottendem Privatdetektiv Neal Carey nicht kennen, kennen, lieben und identifizieren.
Der Held und Ich-Erzähler von „Missing.New York“ ist der vierunddreißigjährige Irak-Kriegsveteran und Kleinstadtpolizist Frank Decker. Der Zwei-Meter-Mann ist unglücklich verheiratet, aber ein guter Polizist mit dem Herzen am rechten Fleck. Deshalb geht ihm auch das spurlose Verschwinden der fünfjährigen, afroamerikanischen Hailey Marie Hansen in seiner Heimatstadt Lincoln, Nebraska, zu Herzen.
Als er sie nicht findet, kündigt er seinen Job. Immerhin hat er Haileys Mutter versprochen, ihre Tochter zu finden. Er beginnt quer durch die USA, begleitet von Bruce Springsteen (als Soundtrack, nicht persönlich), jede Spur zu verfolgen. Ergebnislos, bis er nach einem Jahr einen Anruf erhält. Die Anruferin hat ein paar Tage nach Haileys Verschwinden an einer Tankstelle ein Mädchen gesehen, das wie Hailey aussah.
Das ist für Decker die erste vielversprechende Spur. An dem Abend waren an der Tankstelle zur fraglichen Zeit zwei weitere Fahrzeuge. Eines gehört einem Alt-Hippie, der mit seiner Frau auf einem Hof in den Catskills in der Nähe von Woodstock (Wo sonst?) lebt. Das andere gehört einem vermögendem Glamour-Modefotografen, dessen Freundin wie eine ältere Ausgabe von Hailey aussieht.
„Missing. New York“, das der Auftakt für eine Serie mit Frank Decker als hartnäckigem Vermisstensucher sein soll, hat nichts mit den Surfer-Gangsterkrimis, für die Winslow bekannt ist, zu tun. Es ist ein absolut gradliniger Privatdetektiv-Krimi, der schnell gelesen, aber auch nicht erinnerungswürdig ist.
Frank Decker ist in seinem ersten Fall noch ein Ermittler ohne besonderes Charisma und Eigenschaften, aber mit einigen reaktionären Ansichten zu Kindesentführern und Sexualstraftätern, die sich unangenehm eindimensional im gesellschaftlichen Mainstream bewegen: „Ein Mann, der vorsätzlich einem Kind etwas antut, verwirkt seine Freiheit. Ob sie krank sind oder böse: Sie dürften nicht einfach frei herumlaufen.“ Da kann man bei einer Vernehmung dann auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Im Gegensatz zu seinen vorherigen Gangsterromanen und auch den beiden Boone-Daniels-Privatdetektivromanen (von ihm würde ich gerne ein weiteres Abenteuer lesen) ist „Missing. New York“ Strandlektüre.
P. S.: Ein Lob an die Covergestaltung, die im Dunkeln ihren wahren Reiz entfaltet.

P. P. S.: Nachträglich noch Alles Gute zum Geburtstag, Don Winslow. Der war nämlich am 31. Oktober.

Don Winslow: Missing. New York
(übersetzt von Chris Hirte)
Droemer, 2014
400 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Missing. New York
Alfred A. Knopf (noch nicht erschienen und noch nicht angekündigt)

Don Winslow beehrt Deutschland, mit Abstechern nach Zürich und Wien

Sonntag, 2. November 2014, 18:30 Uhr Krimifestival München
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
BMW-Welt, Am Olympiapark 1

Montag, 3. November 2014, 20 Uhr Krimifestival Lüneburg
Moderation: Johannes Kaiser – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
Palais am Werder / Hotel Bergström, Bei der Lüner Mühle

Dienstag, 4. November 2014, 21 Uhr lit.Cologne Köln
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Funkhaus des WDR, Großer Sendesaal, Wallraffplatz 5

Mittwoch, 5. November 2014, 19:30 Uhr Mord am Hellweg Schwerte
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Rohrmeisterei Schwerte, Ruhrstr. 20

Donnerstag, 6. November 2014, 20:30 Uhr Mannheim
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Thalia Buchhandlung, P7, 22 – Planken, Mannheim

Freitag, 7. November 2014, 20:15 Uhr Braunschweig Krimifestival
Moderation: Antje Deistler – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Buchhandlung Graff, Sack 15, Braunschweig

Samstag, 8. November 2014, 20 Uhr Harbour Front Hamburg
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Kühne Logistics University, The KLU. Großer Grasbrook 17, HH

Sonntag, 9. November 2014, 11 Uhr Berlin – Matinee
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Daniel Hoevels
Deutsches Theater Berlin, Schumannstr. 13a

Sonntag, 9. November 2014, 20 Uhr Göttingen
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Montag, 10. November 2014, 20 Uhr Erfurter Herbstlese
Moderation: Prof. Dietmar Herz – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Haus am Breitstrom (Ratsgymnasium), Meister-Eckehart-Str. 6

Dienstag, 11. November 2014, 20 Uhr Zürich
Moderation: Thomas Bodmer, Tages Anzeiger – Deutsche Stimme: Hanspeter Müller-Drossaart
Kaufleuten Zürich, Pelikanplatz

Mittwoch, 12. November 2014, 20 Uhr Buch Wien
Moderation: Florian Scheuba – Deutsche Stimme: Markus Hering
Eröffnungsveranstaltung Buch Wien, Messegelände

Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. November: Inspector Banks: Eine seltsame Affäre

November 2, 2014

ZDF, 22.00
Inspector Banks: Eine seltsame Affäre (Großbritannien 2012, Regie: Tim Fywell)
Drehbuch: Robert Murphy
LV: Peter Robinson: Strange Affair, 2005 (Eine seltsame Affäre)
Als DCI Alan Banks von seinem Bruder Roy einen Anruf erhält, in dem er sagt, dass er in Schwierigkeiten stecke, beginnt Banks seinen spurlos verschwundenen Bruder zu suchen. Deshalb erfährt er auch erst viel später, dass sein Bruder in einen Mordfall verwickelt ist und seine neue Kollegin DI Helen Morton (die Schwangerschaftsvertretung für DS Annie Cabbot) ihn als Tatverdächtigen sucht.
„Eine seltsame Affäre“ ist der Auftakt der neuen „DCI Banks“-Staffel, die in England bereits vor zwei Jahren lief und als düster grundierte Polizeifilme gut unterhalten. Auch wenn „Eine seltsame Affäre“, weil es sich um einen persönlichen Fall handelt und wir die gesamte Familie Banks kennen lernen, ein eher schwacher Auftakt ist.
Die nächsten beiden Fälle „Die letzte Rechnung“ und „Der unschuldige Engel“ folgen am 16. und 23. November zur gewohnten Sonntagabendkrimizeit.
In England wurden Anfang des Jahres drei weitere „DCI Banks“-Fälle gezeigt.
mit Stephen Tompkinson, Andrea Lowe, Caroline Catz, Lorraine Burroughs, Jack Deam, Nick Sidi, Keith Barron, David Westhead, Eve Matheson, Alan Park
Wiederholung: Montag, 3. November, 00.50 Uhr (Taggenau!)
Hinweise

Crime Time Preview über “DCI Banks”

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und “DCI Banks”

Meine Besprechung von “Inspector Banks: Mord in Yorkshire”


TV-Tipp für den 1. November: Der letzte Scharfschütze

November 1, 2014

RBB, 23.05

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweise

Homepage von Glendon Swarthout

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel